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• Samstag, August 08th, 2009

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Gestern sind wir dann von Lalibela nach Addis aufgebrochen. Die Etappe führte uns bis nach Dessie; landschaftlich eine sehr schöne Strecke, ab Gashema auch weitestgehend asphaltiert, was jedoch nicht heißt, dass es eine gutbefahrbare Strecke ist… Auf jeden Fall wird unser Willi hier noch zur Bergziege: Andauernd musste er zwischen 1800 und 3200 m größere und kleinere Berge erklimmen.

Wir waren auf der Strecke länger auf der Suche nach einem geeigneten Platz für eine Mittagspause, doch das Problem hier in Äthiopien ist, dass man nirgendwo allein ist. Wir haben bestimmt schon mal Ericus und Zeldas Theorie erwähnt, dass die Äthiopier Wandelwesen zu sein scheinen, die sich in Bäume transformieren können. Dies bewahrheitete sich auf dem Weg wieder einmal: Hatten wir endlich mal einen Platz gefunden, wo wir keinen Menschen sahen, konnten wir sicher sein, dass welche (vorzugsweise eine Horde Kinder) auftauchte, sobald wir hielten. Kaum standen wir, kamen sie schon von dort, wo vorher ganz sicher noch keine waren, die Berge heruntergelaufen oder über die Wiesen hergestürmt. Dabei hatten wir schon eine regelrechte Strategie entwickelt: Der bestgeeignete Platz scheint unserer Meinung direkt auf dem Kamm eines hohen Berges zu sein. Obwohl sonst die Straße allen gehört und nicht nur den Fahrzeugen, haben Fußgänger und ihr Vieh hier häufig ihren einen eigenen Weg – steil, aber dafür ohne die Verlängerung durch die Serpentinen. Die Chance hier einen unbeobachteten Moment zu haben ist also durchaus gegeben.

Ist man nicht allein, was trotz Strategie das häufigere Ereignis ist, so wollen sie manches Mal nur schauen, was man macht, und da scheint selbst das für uns Normalste der Welt für sie interessant zu sein. Ob man nur hält, um zu prüfen, ob alle Reifenschrauben fest sind, weil das Lenkrad wieder einmal so wackelt; ob man hält, um ein paar Flaschen Wasser von hinten zu holen und in die Kühlbox zu packen; ob man hält, um seine Mittagsbrote zu Essen, alles scheint hochinteressant zu sein.

Viel häufiger jedoch wird gebettelt und damit kommen Anja und ich nicht immer zu recht. Jeder wird damit anders umgehen und es ist eines von diesen Dingen, die man wirklich erfahren haben muss, weil man es eben doch ganz anders erlebt, als man sich für solche Situationen zu Hause auf dem Sofa denkend präparieren kann. Wir haben früh für uns entschieden, dass wir auf Betteln nicht reagieren werden, um dies nicht noch weiter zu unterstützen. Schon gar nicht, wollen wir Kindern Geld geben. Nicht weil wir geizige „Westerner“ sind, sondern weil dadurch unserer Meinung keinem Kind geholfen wird. Entwicklungshilfe ist kein einfacher Job, der eben deshalb von Profis ausgeübt wird. Doch so sehr man meint, damit auch das Richtige zu tun, man fühlt sich schlecht damit. Wie soll man sich auch sonst fühlen, wenn man sich im Wagen gerade ein Brot schmiert, draußen ein Wolkenbruch niedergeht, ein äthiopischer Junge barfuss im Regen steht und mit fragend leerem Ausdruck durch die geschlossenen Scheiben blickt?

Ab Woldia sind wir dann die Fernstraße Nummer 1, die große Nord-Süd-Verbindung, herunter gefahren und hier änderte sich nicht nur die Landschaft, sondern auch die Stimmung, die unser Willi hervorrief: Winkende Kinder wurden zu Kindern, die die offene Hand ausstreckten; das zwar auf Dauer nervende, aber dennoch überwiegend sympathische „Jujujujuju“ wurde zu „Moneymoneymoney“, mindestens einmal gab es auch einen Stinkefinger und die Gesichter waren insgesamt ernster. Landschaftlich wurde es flacher und offener, aber es blieb grün, so dass uns die Vielzahl von Kamelen, die uns dort begegnete, doch überraschte. Zudem sahen wir auch wieder vermehrt Moscheen und Kopftücher, aber immer noch recht wenig an der Zahl.

Unter Overlandern birgt ein Thema immer wieder für Gesprächsstoff: das Steine schmeißen. Äthiopien ist berüchtigt dafür, dass vor allem Kinder, aber nicht nur diese, Steine oder sonstige Gegenstände nach einem schmeißen. Sind es keine Wurfgeschosse, so muss man jederzeit gefasst sein, dass sie ihre Peitschen ganz nahe an dem Fahrzeug knallen lassen, so dass es klingt, als sei ein Schuss gefallen. Den Peitschenknall haben wir häufig erfahren, aber vom Steine schmeißen sind wir verschont geblieben. Einmal sah es so aus und hörte sich so an, als ob wir getroffen wurden, aber vielleicht war es doch ganz anders. Auch habe ich gesehen, dass nicht nur nach ausländischen Fahrzeugen geworfen wird, sondern auch Inländische betroffen sind. Das ändert zwar nichts am eigenen Schaden, sofern es einen gibt, aber es relativiert den Sachverhalt zumindest ein wenig. Außerdem bin ich an dieser Stelle nur froh, kein Motorradfahrer zu sein. Hatten alle vierrädrigen Overlanderfahrer mit denen ich sprach, ähnliche Erfahrungen wie wir gemacht – nicht so schlimm, wie gemeinhin behauptet –, waren die Biker die armen Schweine. Ihre Schutzlosigkeit Steinen gegenüber führt teilweise zu regelrechten Wurforgien. Ein Biker berichtete von einem Mofa-Fahrer, der an einem steilen Hügel nicht recht vorwärts kam, so dass Kinder neben ihm herliefen und ihn währenddessen ständig mit Steinen bewarfen. Der Arme hatte nur einen langen Stock zu seiner Verteidigung, mit dem er seinerseits versuchte, die Kinder abzuwimmeln, während die andere Hand am Steuer blieb, um hier möglichst schnell wegzukommen.

In Dessie übernachteten wir im Tossa Hotel. Wir hatten erst überlegt, ob wir auf dem Parkplatz campen wollen, haben uns dann aber doch für ein Zimmer entschieden. Und hatten damit Glück im Unglück oder Unglück im Glück, je nachdem wie man es gewichtet. Nachts hatte sich nämlich ein ordentliches Gewitter entfacht. Wir sprechen hier von einem richtigen „Männergewitter“; eines das selbst die Gewittererfahrensten halb sorgenvoll halb interessiert ans Fenster treibt.

[Anja:] Wer mich etwas besser kennt, der weiß, wie ich bei Gewitter reagiere…

Zwei bis drei Stunden hielten uns der sintflutartige Regen und das Donner-Spektakel vom Schlafen ab. Der Hotelparkplatz war erhöht und unser Willi an der Seite geparkt, die steil zur Straße abfällt – wir hofften beide nur inständig, dass der Regen den Parkplatz nicht unterspült, was zum Glück nicht der Fall war. Was jedoch unglücklicherweise der Fall war, dass wir uns von dort ein paar Souvenirs in unserem Schlafsack mitnahmen.

[Anja:] Wovon Jörg hier spricht, sind Flöhe. Sie schienen besonderen Gefallen an mir zu haben, denn sie bissen nur (!) mich.

 

 

Dass wir Flöhe an Bord hatten, bemerkten wir jedoch erst etwas später, da wir die ersten Nächte in Addis in sauberen Hotelbetten übernachteten und den Schlafsack dort nicht brauchten. Diese Betten fanden wir im Global Hotel (N 8° 59.633’, O 38° 45.585’). Wir wollten uns nach langem Mal wieder mit einem „richtigen“ Hotel verwöhnen. Viele Hotels sprengten unser Budget, dies tat es zwar auch, aber deutlich weniger als es die führenden Hotels am Platz getan hätten. Außerdem hatte das Global Hotel Sauna und Dampfbad inklusive… Wir verbrachten hier vier sehr beschauliche Tage, an denen wir teilweise außer zum Essen, das Hotel nicht verließen – zu einladend waren WiFi auf dem Zimmer oder mit einem Buch bewaffnet, die Kissenburg zu verteidigen, und das Non-Plus-Ultra: Strom und warmes Wasser zu jeder Zeit! An einem Tag wagten wir uns unerschrocken in Addis Regen, um Reiseführer für unsere Reise nach Äthiopien zu finden – den Task hatten wir von Khartoums To-Do-Liste geerbt, nachdem uns Boni seinen Lonely Planet über Äthiopien geschenkt hatte. Wir klapperten insgesamt vier große Buchläden ab, doch zogen leider nur Nieten. Es gab überhaupt keine Reiseführer, allenfalls von Äthiopien oder zumindest bestimmten Landesteilen. Bei Karten genau das gleiche Ergebnis! Im Laden hatte man auch keine Idee, wo man so etwas bekommen könnte, im Gegenteil: Es wurde sogar bezweifelt, dass wir solche Bücher in Addis bekommen könnten. In den nächsten Tagen müssen wir wieder aktiver werden, um auf der To-Do-Liste ein paar Haken zu bekommen…

 

 

Category: Äthiopien
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