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• Samstag, August 22nd, 2009

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„Jujujuju!“

Die Begeisterung über Besucher des Landes hält sich in Äthiopien kaum in Grenzen. Schon nach dem Grenzübertritt begegneten wir laut rufenden Kindern, wildem Gewinke und manchmal auch stummer Verwunderung in den Gesichtern.

Ein freundliches Lächeln sieht man auch manchmal, die Mehrheit jedoch überwirft sich schier mit „Jujujujuju“. Dies bedarf einer Übersetzung: „Jujujujuju“ bedeutet so viel wie „You-you-you-you-you“ und das kann man übersetzen in „Hallo Fremder“ oder in eine Kurzform von „You, give me (money, water, pen)“. Diese Erklärungen haben wir uns nicht selbst ausgedacht, sondern Hilfe durch Locals bekommen.

Hält man am Straßenrand an, was ja durchaus vorkommen kann, wenn man ein Foto von der Landschaft machen oder einfach nur pinkeln möchte, muss man damit rechnen, dass in kürzester Zeit ein kleiner Auflauf um das Auto herum entsteht. Bleibt man im Auto sitzen, kleben die Nasen und Finger an der Scheibe und man kann die typischen Sätze, bzw. Worte, hören: „Pen“, „Bottle“, „Give me money“, „Birr“, „Mister, give me“… Was auch immer, es wird gebettelt, was das Zeug hält. Steigt man jedoch aus, wird man beäugt und jeder Handgriff wird genau beobachtet. Sobald man sich außerhalb des Wagens befindet, ist Ruhe im Karton. Keine Bettelei, kein Gegrapsche.

Aethiopien_Resumee_006Was wir schnell feststellten, war, dass man die Kinder irgendwie in ein Gespräch verwickeln, sie ablenken, muss. Zudem lernten wir, dass das Austauschen der Namen eine Respektsbekundung darstellt. Leider haben die Kinder Äthiopiens das noch nicht so gut im Griff. Ich möchte dazu eine Unterhaltung zeigen, die so auch wirklich stattgefunden hat:

(Kind kommt und schaut uns an)

Kind: „What’s your name?“

Jörg: „Jörg. What’s your name?“

Kind: „Foujé. (grinst, es vergehen 5 Sekunden) … One Birr!“

In Konso kostet es also was, sich gegenseitig die Namen zu erzählen.

Wir sind ja aber größtenteils durch das Land gefahren und haben immer lange nach Orten gesucht, die menschenleer aussahen. Beim Fahren erlebt man neben dem Rufen auch, dass man mit Steinen beworfen wird (zum Glück bei Autos weniger der Fall, die Motorradfahrer, die wir kennenlernten erzählten, dass das häufig vorkam). Auch viel vertreten sind die „Peitschenknaller“, also die Jungs oder Mädels, die ihr Vieh auf der Straße treiben und sobald das Auto die Gruppe passiert, laut mit der Peitsche knallen. Und das ergibt einen Ohren betäubenden Knall. Was bei den Motorradfahrern besonders gut ankam, waren die Kinder, die mit einem Stock nicht nur ihr Vieh getrieben haben, sondern auch die Biker. Das ist zum Glück auch etwas, was bei Autos weniger angewendet wird.

Wie gesagt, die Emotionen, die wir hervorriefen, waren grenzenlos. Wir sahen mehr Stinkefinger als in jedem Land zuvor und hörten auch deutlich mehr „Fuck you“s, aber wir wurden auch mehr als irgendwo sonst bisher mit Daumen hoch begrüßt oder eben einem freudigen Lächeln.

[Jörg:] Mentalität

Es ist ein sensibler Punkt und vielleicht würden wir rückblickend es auch einfach auf eine gewisse Gereiztheit zurückführen, aber der Eindruck wurde auch von vielen Ex-Pats, die bereits länger vor Ort leben, beschrieben: Als „Faranji“ (= Ausländer) ist man keine Person, sondern ein Etwas, das einem in der Vergangenheit ohne irgendeine Gegenleistung Geld, Essen, T-Shirts, irgendetwas gegeben hat und das es jetzt bestimmt wieder tun wird. Genau das ist es, was Anja und mich hier sehr stört (und wenn man mit anderen Travellern spricht, auch alle die): Von der breiten Masse werden wir hier nicht als Mensch gesehen, sondern als Geldsack, der gefälligst etwas springen lassen soll. Das soll die vorhandenen Nöte der Menschen nicht reduzieren – die Armut vieler Menschen ist allgegenwärtig –, aber die Reduktion unserer Personen auf Geld führt vielleicht auch verständlicherweise zu einer blockierenden Ablehnung bei uns.

Der Kommunismus der 70er bis 90er Jahre hat zudem dazu geführt, dass viele Äthiopier sich im Recht fühlen, wenn sie Sachen von (vermeintlich) Reicheren nehmen, wobei unsere persönliche Erfahrung dagegen ist, dass zwar permanent gebettelt wird, aber Privateigentum respektiert wird. (Gerade Kinder wollen zwar alles Mögliche haben, aber uns wurde nie etwas geklaut.)

Der Entwicklung des Landes steht zudem die äthiopische Mentalität im Weg: ‚Mir muss es nicht gut gehen, sondern nur besser als dem Nachbarn.’ Diese Einstellung ist uns in Deutschland sicherlich auch nicht so fremd, doch während sie bei uns konstruktiv ist oder zumindest sein kann, ist es in Äthiopien leider nur allzu häufig destruktiv: Da wird schnell der Leumund des Erfolgreicheren oder mehr angegriffen, man wird zu Recht oder zu Unrecht bei der Obrigkeit angeschwärzt und weniger Skrupellose können sich frei bedienen, sind sie doch dank politischer Schulung „im Recht“. Viele Hilfsprogramme verpuffen, solange sich an dieser Einstellung nichts ändert. Das Schlimme daran ist, dass die Hilfsprogramme Wasser und Brennstoff zugleich sind: Sie sind notwendig, um den Brand zu löschen, doch dank ihrer muss ein großer Teil der Bevölkerung eben diese Einstellung nicht ändern. Jeder, der sich jetzt denkt, ob ich im Sudan zuviel Sonne abbekommen habe, sollte einfach mal eine längere Individualreise nach Äthiopien machen…

Wie so häufig, ist Bildung der Schlüssel – oder kann zumindest einer der Hauptbestandteile sein. Doch da greift ein weiteres Mentalitätsproblem, so zumindest unsere Ex-Pat-Quellen: Bildung ist bei der breiten Bevölkerung kein erstrebenswertes Gut. In unserer Geiz-ist-geil-Superstar-Ära mag es damit auch nicht so Aethiopien_Resumee_003weit her sein, aber es gibt wenige, die verneinen würden, dass Bildung für die eigene Biographie förderlich ist. Hier dagegen, leben – vor allem auf dem Land – viele noch das Bauern- / Viehhüter-Leben, das schon ihre Eltern so gelebt haben und ihre Großeltern und ihre Urgroßeltern und ihre Ururgroßeltern und … Dazu muss man weder einen Dreisatz können noch noch einen Goethe kennen noch wissen, wer in einer Demokratie Gesetze erlässt.

Umgang mit Tieren

Leider spiegelt sich das eben gesagte auch im Verhalten der Äthiopier mit ihren Tieren wider. Wer die Pferde und Esel gesehen hat, würde am liebsten eine Tierschutzorganisation anrufen. Die Pferde werden vor Kutschen oder Wagen gespannt und im Galopp durch die Straßen getrieben, scheinen aber auch nicht genug Futter zu bekommen, denn ihre Knochen standen überall hervor. Die Esel teilen fast dasselbe Schicksal, auch wenn sie meist nicht so abgemagert aussahen. Die Esel müssen Lasten tragen, da tun einem beim Zuschauen schon die Augen weh. Und anschließend werden sie mit einem Stock in die richtige Richtung geprügelt. Kein Wunder, dass viele Esel uns nahezu selbstmörderisch vors Auto gelaufen sind… Eine Erklärung für den Zustand der Tiere war für uns, dass sie genauso als verschleißbare Gegenstände angesehen werden, die man nicht warten muss, weil man sich ein neues holen kann, wenn es nicht mehr taugt.

Männerfreunde

Was uns Europäern sehr fremd vorkommt, sind die Männer, die Händchen haltend durch die Straßen laufen. Die sind nämlich keineswegs schwul, sondern nur befreundet. Dafür sieht man weniger gemischtgeschlechtliche Paare Händchen haltend auf der Straße herumlaufen. Dieses Bild kennen wir schon aus den arabischen Staaten, doch dachten wir, dass dies ab Äthiopien nicht mehr so häufig anzutreffen sei.

[Jörg:] „Zeigekinn“

Etwas, was uns ebenfalls sehr befremdlich vorkam, war die Art, wie auf Objekte gezeigt wird. Durch Ägypten und auch Sudan waren wir ja schon mit einigen uns nicht gleich verständlichen Gesten bekannt gemacht worden, aber dies war neu: Zeigt man mit dem Zeigefinger in Äthiopien auf ein Objekt, so schauen die Äthiopier nicht in die gezeigte Richtung, sondern auf den Finger. Möchte man dagegen in eine Richtung zeigen, so wird dafür das Kinn in die entsprechende Richtung gestreckt. Darauf muss „Europäer“ erstmal kommen…

Straßenverhältnisse

Nach Bulgarien und Rumänien stellt Äthiopien für uns hier einen Rekord auf, was die Qualität der Straßen angeht. Leider Aethiopien_Resumee_004einen Negativrekord. Gleich nachdem man nach Äthiopien reingekommen ist, hört die geteerte Straße auf und kommt bis Gonder nicht wieder. Richtung Simien Mountains und Richtung Lalibela hatten wir entweder nur mit der Planierwalze plattgemachte Wege, die aus spitzen Steinen oder Teerstücken, die aus einer anderen Zeit stammen müssen. Besonders anstrengend waren die Abschnitte, in denen es so viele Schlaglöcher gab, dass man ihnen nicht ausweichen konnte und Bodenwellen, die das Auto zum Schaukeln brachten. Was aber allem bisher gesagten die Krone aufsetzte war das Omo Valley. Hier gab es alles: Bodenwellen, Steinpiste (Steine in der Größe von 1cm bis 30cm, rund oder scharfkantig), Flussbetten mit weichem und hartem Sand, Wellblech, Lavagesteinswüste und noch mehr.

Der Einfachheit halber führe ich hier nur die guten, geteerten Straßenabschnitte auf, die wir befahren haben, der Rest war mehr oder weniger „Offroad“ zu nennen:

  • Gonder – Bahir Dar (ca. 175 km)
  • Ca. 10km vor Lalibela – Lalibela
  • Gashema – Debre Sina (ca. 440 km)
  • Nach Debre Sina – Addis Abeba – Shashemene (ca. 435 km)

Elektrizität / Wasser

Wer nach Äthiopien reist, sollte genügend Taschenlampen bzw. Batterien mitnehmen. Was wir schon am Tag unserer Ankunft feststellen mussten, war, dass ganze Orte zeitweise ohne Strom leben müssen; fast jeder Ort hat einen Anschluss an das Stromnetz, jedoch werden die Orte nur bspw. jeden zweiten Tag mit Strom versorgt. Das liegt aber nicht daran, dass das äthiopische Elektrizitäts-System nicht alle Orte gleichzeitig versorgen kann, sondern weil die Regierung bestimmt hat, dass es weniger Strom für alle gibt. Dafür gibt es laut verschiedener Einheimischer mehrere Erklärungen. Die eine ist, dass die Regierung „Strom-Portionen“ an umliegende Länder verkauft hat und somit die Strom-Ration fürs eigene Land runtergesetzt wird. Die andere Erklärung ist, dass vor Jahren ein Angebot einer deutschen Strom-Firma eingeholt wurde, das Elektrizitätsnetz des Landes aufzumöbeln, dieses Angebot am Ende aber zu teuer war und die Chinesen mehr Bakschisch gezahlt haben. Leider ging die Rechnung nachher nicht auf, und man kann es sich nun nicht mehr leisten, das existierende Stromnetz auszubauen und zu warten.Aethiopien_Resumee_001

Was alles am Strom hängt, haben wir im Laufe unseres Aufenthalts feststellen müssen: Wasserpumpen zum Beispiel. Man muss also damit rechnen, nur an dem Tag duschen zu können, an dem es auch Strom gibt. Wer sich besonders ungeschickt anstellt, reist so durch Äthiopien, dass er mehrere Tage kein Wasser bekommt, weil die Orte durch die man fährt, entweder keinen Strom haben oder keine Wasserlieferung bekamen. Wims Holland House zum Beispiel liegt auf einem Hügel in Addis und bekommt deswegen kein Wasser über eine Leitung. Die Pumpen sind zu schwach, um das Wasser der Stadt dort hinauf zu transportieren. Kein Strom heißt vieler Orts auch „kein Diesel / Benzin“, weil auch hier die Pumpen nicht betrieben werden können. Gibt es keine Tankstelle mit Generator kann schnell eine ungewollte Treibstoffknappheit beim eigenen Fahrzeug entstehen.

Category: Äthiopien
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