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• Dienstag, Juli 28th, 2009

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Was haben wir anfangs nicht alles vom Sudan zu hören bekommen. Freunde hätten uns fast vor Sorge um uns die Freundschaft aufkündigen wollen, andere wünschten uns einen Totalschaden in Istanbul, damit wir lieber nicht so weit kommen, und die Familie zu Haus konnte schon Wochen vor der Abreise nicht mehr schlafen – und da stand ja erst noch Kroatien auf der Agenda…

IMG_1042Auch für uns war der Sudan auf unserer Reise ein mystisches Land: Frage zehn Traveller, die durch den Sudan gefahren sind, und du kriegst zehn komplett unterschiedliche Eindrücke. In einem jedoch waren sie sich dann doch weitestgehend einig: Alles kein Problem und zumindest der Nordosten ist sehr friedlich. Das sagte auch unser Lonely Planet, der die Gegend sogar zu einer der sichersten ganz Afrikas emporhob. Nach all dem wich unsere Anspannung (zudem wir ja auch im Konvoi mit vier Wagen und 15 Leuten zumindest anfangs unterwegs waren), und wir fuhren rein, um uns einen eigenen Eindruck zu verschaffen.

Gut, dass wir das getan haben! Persönlich empfanden wir die Sudanesen (N.B.: Wenn wir hier von dem „Sudan“ oder den „Sudanesen“ sprechen, dann meinen wir vor allem den kleinen Ausschnitt im Nordosten, den wir bereist haben!) als das herzlichste Völkchen auf unserer Reise bisher, und sie stoßen damit die Syrier von ihrem Podest. Damit sind ausgerechnet die beiden bisherigen „Problemstaaten“ – aus westeuropäischer (Medien-)Sicht – zu unseren Favoriten geworden und es zeigt sich wieder einmal, dass man jedem nur raten kann, loszuziehen und sich selbst ein Bild zu machen. Gerade in den arabischen Staaten wird Gastfreundschaft nachwievor sehr groß geschrieben und Anja und ich waren manches Mal gerührt und beschämt, mit welchem Selbstverständnis die Leute bereit waren, ihr weniges mit uns zu teilen, obwohl wir nichts hatten, um uns zu revanchieren – was aber auch gar nicht erwartet wurde. Das Bild, das manches Mal von unseren Medien suggeriert wird – da hat man ja fast den Eindruck, dass jeder stets eine Bombe unter seinem Mantel trägt und nur auf „Westler“ wartet –, ist nicht das unserer Erfahrung. Wir sind froh, den Sudan anders kennengelernt zu haben. (Übrigens kam Markus über Oman, Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und die weiteren arabischen Staaten, die wir teilweise zusammen bereist haben, zu einem ganz ähnlichen Bild.)Laurent 008

Was Anja und mir dabei im Sudan am meisten gefiel und wie Balsam wirkte, war die zurückhaltende Art: Wenn jemand nicht wollte, wurde er nicht bedrängt. Welch erquickliche Erfrischung gegenüber den letzten Tagen in Assuan! Überhaupt braucht diese Gegend den Vergleich mit Ägypten nicht zu scheuen:

  • Als Tourist (auch als Frau) kann man sich viel freier bewegen. Natürlich fällt man auf, die Leute schauen hinter einem her und rufen einem auch was zu oder nach, aber eben alles entspannter als in Ägypten (nicht laut, nicht anzüglich, nicht aufdringlich). 
  • Die Straßen sind sehr ordentlich – sofern sie schon fertig sind. (Der Punkt geht an Ägypten. Allerdings gibt es in Sudan noch nicht diese Unkultur der getarnten Speed Breaker, wofür wir Ägypten gleich wieder mindestens einen Punkt abziehen müssen.)
  • Wer die harte deutsche Schule der Mülltrennung durchlaufen hat, wird den sudanesischen Umgang mit Müll nicht „vorbildlich“ nennen, aber im Vergleich zu Ägypten und Syrien wird viel weniger einfach auf die Straße geschmissen. (Was aber sicherlich auch damit zu tun hat, dass leere Dosen, Plastikflaschen und sonstige Verpackungen hier immer noch Werte darstellen und nicht nur einfach Müll.)
  • Die Sudanesen sind die besseren und rücksichtsvolleren Verkehrsteilnehmer. Sie fahren abends mit Licht und nahezu alle wissen, wofür ein Blinker gedacht ist – was man ja auch nicht von jedem deutschen Autofahrer behaupten kann.
  • Eine aufgeblasene Bürokratie weisen sie allerdings beide auf. Die Einreise nach Ägypten war umständlich, dafür waren die Beträge, die wir bezahlt haben, um überhaupt in den Sudan einreisen zu können, exorbitant hoch.

Unser Fazit: Schade, dass wir nicht länger da waren. Wir haben uns an keiner Stelle und zu keiner Sekunde unsicher  gefühlt und kommen gerne nochmals wieder, am besten so lange Sudan seinen jetzigen ursprünglichen Charme behält und nicht (massen-)touristisch verdorben wird. Bei den ganzen Problemen in den anderen Teilen des Landes wird dies aber sicherlich noch lange möglich sein…

Category: Sudan
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