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• Donnerstag, Juli 16th, 2009

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Ich habe lange überlegt, ob ich den Artikel schreiben soll und wie ich ihn formulieren soll. Ich will mit nichts übertreiben und keinem zu nahe treten oder beleidigen, aber trotzdem so erzählen, wie ich es persönlich empfunden habe. Jetzt, wo unsere Zeit in Ägypten fast vorbei ist, ist das Bild bis hierhin nahezu komplett.

Auf unserer Reise sind wir schon durch viele Länder gekommen und jedes geht anders mit mir um und mit Touristen im Allgemeinen. Bis zur Türkei habe ich eigentlich keinen Unterschied im Verhalten der Leute zu mir oder Jörg bemerkt. In der Türkei war’s schon etwas anders. Aber dort zählt der „Mann an meiner Seite“ so viel, dass man mich in Ruhe lässt, wenn er da ist. In Syrien haben sich die Männer wieder anders verhalten. Ich kann gar nicht mehr beschreiben wie. Sie waren auf jeden Fall distanzierter, haben aber viel geschaut. Mein Eindruck war: ‚Die können mit mir nichts anfangen.’ In Jordanien gibt es dazu nichts zu sagen. Da hatten wir nur sehr wenig mit Einheimischen zu tun, außer im Dive Center und die Leute dort waren alle ausgesprochen nett.

Hier in Ägypten war’s wieder anders. Hier scheine ich schon sehr exotisch zu sein. In Kairo hatte ich in den letzten Tagen, sobald ich das Haus verlassen hatte, Kinderscharen (mindestens 3 Mädchen) um mich herum, die nur ein Ziel hatten: Sie wollten mit mir sprechen und als Höhepunkt: anfassen. Am besten auch die Haare. Ich denke, jede Frau kann sich vorstellen, wie toll sie das findet, wenn man derart verfolgt wird. Schlimm ist es, wenn man bemerkt, dass wenn man nett ist, die Kinder zur Plage werden können.

Ich konnte nicht ans Auto gehen, ohne dass ich angefasst und mir ständig was ins Ohr gebrüllt wurde. Meine Körpergröße hat leider auch nicht bewirkt, dass sie nicht an meine Harre heran kamen. Anfangs waren die Kinder wirklich nett, wir gaben ihnen immer die Hand, wenn sie sie uns entgegenstreckten, antworteten auf „Hello!“ und „What’s your name?“ brav und fanden lustig, dass sie das lustig fanden. Je mehr wir mit ihnen sprachen, desto nerviger wurden sie aber. Auch frecher. Und ließen uns bei nichts alleine. Wir wurden in den zwei Wochen also nicht langweiliger und gewöhnlicher, sondern mit jedem Wort mehr, das sie mit uns sprachen, interessanter und lustiger. Traurig, wenn man dann nicht mehr gerne aus dem Haus geht, weil man keine Lust auf eine schreiende, überall mit ihren Händen rumfummelnde Kinderschar hat. All das hätten wir noch hingenommen, bis die Kinder an unserer Tür klingelten und um Geld bettelten.

Alleine durch die Straßen zu laufen, war in Kairo besonders schwierig. War die Kinderschar abgeschüttelt, kamen die Männer, die einem ständig hinterher rufen. Meist verstand ich die Rufe nicht. Außer sie sprachen englisch, und dann kamen so Worte wie „hello, come here, beautiful“ und so heraus. Und das war unabhängig davon, was ich trug. Rock, Hose kurz oder Hose lang, weites oder enges T-Shirt, vollkommen egal. Eine Mütze, die den Großteil meiner Haare bedeckt, war auch wurscht. Teils fing ich an, die verschleierten Frauen um ihre Ruhe zu beneiden. Das schlimme an dieser Dauer-Ansprache war auch, dass man nichts tun konnte, damit es aufhört. Nur stur auf den Boden starren und jedem Blick ausweichen. Ein „Hello!“ zurück bedeutet: die will ein Gespräch anfangen; ein Ignorieren wird als Arroganz gewertet und mit arabischen Rufen kommentiert. Das führt dazu, dass ich mich selbst bei netten Leuten erst mal zurückziehe. Oder dass ich nirgendwo mehr alleine hingehen möchte.

Und selbst Jörg scheint keinen Einfluss zu haben. In Assuan pfeifen Polizisten hinter mir her, Blicke scheinen mich auszuziehen. Kein Körperkontakt wie Händchenhalten ist dabei genauso effektiv wie sich einhaken. Ein Reiseführer schrieb, Frauen sollen sich einen Ring anziehen, damit sie „verheiratet“ aussehen. Ich hatte keinen, aber ich glaube auch nicht, dass das was geändert hätte.

Und dann gibt es die nette Seite, die es mir so schwer macht, einfach alle Männer pauschal zu hassen. Wenn wir in Kontakt mit Ägyptern kamen, sei es bei Angelika, über Dr. Farid, bei Khaled. Die waren alle total nett und ich war genauso jemand wie Jörg. Keiner glotzt mich an, man redet normal mit mir. Selbst das Thema Auto kann genauso mit mir besprochen werden, wie mit ihm. Während ein freundliches Lächeln mit einem „No, thank you!“ in einem Geschäft einer Anmache gleich kommt, war das bei allen, die wir privater kennengelernt haben, nicht so und kam wahrscheinlich auch nur als Höflichkeit rüber, eben so wie es gemeint war.

So, was will ich jetzt eigentlich sagen? Erst mal: es ist egal, ob Du Mann oder Frau bist, auf den Straßen, der Orte, die touristisch geprägt sind, insbesondere die Souks, musst Du starke Nerven haben. Man wird überall angesprochen und kriegt nervige Verkäufer in manchen Fällen sogar los, indem man sie ignoriert und einfach weiterläuft.

Als Frau muss man dann noch in Kauf nehmen, dass man nicht nur als Tourist überall etwas verkauft bekommen will, sondern auch alle Sorten von Anmache überstehen muss. Selbst andere Frauen laufen an mir vorbei, starren mich an und fangen an zu kichern. Sehe ich so lustig aus? Bei Kindern verstehe ich so was ja noch, aber Erwachsene? Gerade an Orten in Assuan sieht man doch tagtäglich bleichgesichtige Touristen mit blonden Haaren. So komisch kann ich doch nicht mehr sein.

Sobald man näher mit jemandem zu tun hat und sich mehr mit seinem Gegenüber beschäftigt hat, ändert sich das Bild. Und man muss unterscheiden zwischen einem Verkäufer und einem Mensch, der Dein Freund werden kann.

Ich denke, diese Erfahrung wird während unserer Reise nicht abreißen, und ich werde vielleicht erst wieder entspannt durch einen Ort gehen können, wenn wir wieder zuhause sind und ich besser in der Masse untergehe. Ich habe auch erschrocken feststellen müssen, dass dieses Verhalten mir gegenüber mich verändert hat. Körperliche Berührung, und sei es nur die Hand auf dem Arm, ist mir unangenehm und geht mir zu weit. Ich habe angefangen, Menschen die mich grüßen, zu ignorieren. Als Selbstschutz. Und dabei finde ich das so arrogant.

Dieses Bild vom Reisen als Frau in Ägypten habe ich schon von anderen, die bereits einmal da waren oder da leben, gehört und auch im Reiseführer gelesen. Es ist also nicht nur meine Erfahrung. Wenn sich an diesem Verhalten etwas ändern würde, wäre alles so viel entspannter. Wir gehen schon gar nicht mehr gerne an die Touristen-Spots oder einfach nur auf den Basar, weil überall einer lauert, der Dir was hinterher ruft und aufdrängen will. Abseits der Touristen-Gegenden ist alles sehr viel entspannter.

Zu Beginn dieses Artikels wollte ich nicht zu negativ herüberkommen und bin es wahrscheinlich doch. Es ist einfach anstrengend und Nerven aufreibend, sich in manchen Orten auf der Straße zu bewegen. Andererseits habe ich gerade hier in Ägypten sehr viel Gastfreundschaft erlebt und würde jederzeit wiederkommen. Ich kann verstehen, dass es viele Leute gibt, die Ägypten – vermutlich wegen all der beschriebenen Erlebnisse – nicht mögen. Ich würde vielleicht genauso denken, wenn nicht die positiven Erlebnisse überwogen hätten.

Der Artikel soll ein bisschen sagen, dass auf unserer Reise nicht alles rosarot und wunderschön ist, aber auch nicht abschrecken.

Ich frage mich, wie schlimm sich (weibliche) Touristen verhalten haben, dass sie ein solches Verhalten „erzogen“ haben. Vielleicht erziehe ich mit meiner Reaktion mit?

Aber ich komme trotzdem gerne wieder. 🙂
Und lasse mich beim nächsten Mal gerne mit positiveren Erfahrungen überraschen.

Category: Ägypten
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One Response

  1. 1
    Susa 

    Hmm, Ägypten ist nicht das eizige Land, in dem weiblich, westl. Toursitinnen so behandelt werden. Ich glaube, das hat einfach was mit dem Frauenbild im jeweiligen Land und vor allem mit deren Bild über westliche Frauen zu tun. Da kannst du als einzelne Person gar nix gegen tun. Wenns dich total nervt: im Zweifelsfall Kopftuch tragen – dann fällst du nicht mehr ganz so sehr auf:)

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