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• Dienstag, Juni 30th, 2009

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Wir waren also in Kairo angekommen und hatten bereits einen Tag zur Ruhe und Orientierung verbracht, nun wollten wir auch was sehen, doch vor der Kür kommt die Pflicht und die hieß für uns: äthiopisches Visum. Mit diesem soll das sudanesische Visum noch einfacher zu bekommen sein, weil die halt gleich sehen, dass man nicht plant, endlos in ihrem schönen Land zu bleiben. Wir zogen also los, das äthiopische Visum zu bekommen.

Untergekommen waren wir Nasr City, was etwas außerhalb Kairos Stadtkern im Osten gelegen ist (etwa 11 km Luftlinie Richtung Westen vom Midan Tahrir, Metrohaltestelle Sadat). Die Strecke sind wir meist mit dem Taxi gefahren, so dass wir wenig Stress in den Straßen Kairos hatten und sich unser Job darauf beschränkte, die nächsten 30 – 45 Minuten einfach nur zu schwitzen. Je nachdem wo es genau hingehen sollte, haben wir zwischen 15 und 25 EP gezahlt, also zwischen 2 und 3 EUR. Wir haben den Preis immer vorher vereinbart und das bis auf in ganz wenigen Ausnahmen immer wunderbar geklappt. Viel besser als ich erwartet hätte ehrlich gesagt. Es hätte mich nicht gewundert, wenn die eingangs ausgehandelten 20 EP dem Fahrer am Ende nicht gereicht hätten, aber bis auf Ausnahmen gab es da gar keine Diskussionen – es wurde sich an sein Wort gehalten, „sogar Touristen gegenüber“. Das haben wir später immer wieder erlebt und habe es jedes Mal positiv registriert. Dennoch gibt es natürlich auch die „Freunde“, die nach wie vor denken, Touris seien eine nicht leer-melkbare Geldkuh.

Unsere gestrige (Internet-) Recherche ergab leider kein eindeutiges Adress-Ziel für die Äthiopische Botschaft, stattdessen haben wir nun drei. Die Botschaftsseite selbst ist „Under Construction“, aber wir hatten einen Straßennamen, den wir immer wieder fanden: Abdel Rahman Hussein Straße. Dummerweise kannte keiner diese Straße – auch dies sollte zu einem immer wiederkehrenden Spiel werden. Der Taxifahrer war noch sichtlich bemüht und fragte immer wieder Umherstehende oder Passanten nach der Straße, fuhr etwas weiter und fragte wieder. Dieses Schauspiel ermüdete uns jedoch recht schnell und wir ließen uns in Dokki am Sheraton Hotel absetzen, das schien zumindest immerhin der richtige Stadtteil zu sein. Hatten wir dem Trauerspiel bisher nur passiv beigewohnt, waren wir nun selbst die Protagonisten, was das Stück allerdings nicht verbesserte – im Gegenteil unsere persönliche Tragödie schien sich zu maximieren: Die Äthiopische Botschaft kennt keiner, den wir fragten, die Straße ebenfalls nicht, und um die Idee, Dokki Straße für Straße abzulaufen, für praktikabel zu halten, hätten wir gar nicht viel mehr direkte Sonneneinstrahlung gebraucht.

Glücklichweise erwies sich eine Fehlleistung unsererseits samt spiegelnder Fehlinterpretation unser Helfer als Glücksgriff: Wir wollten ihnen vermitteln, dass die Äthiopische Botschaft nahe der des Iran ist (laut unserem Stadtplan von 1991 war sie das nämlich, was sie aktuell jedoch nicht mehr ist). Diese schickten uns dann zur Straße namens „Iran“. Auch hier blieb unser Fragen ergebnislos, bis wir auf einmal auf ein Wachhäuschen in den Farben Äthiopiens stießen und direkt darauf zu steuerten. An nahezu jeder Botschaft sieht man diese Wachhäuschen, die liebevoll in die jeweiligen Landesfarben gestrichen wurden, vor denen meist mehrere Polizisten sitzen. Wir gingen um das Gebäude herum, doch es war leider von allen Seiten verschlossen, also gingen wir auf den Pulk Polizisten zu. Im Allgemeinen sind diese zwar sehr hilfsbereit, doch ihr Englisch ist leider häufig nur geringfügig besser als unser Arabisch. Doch diesmal war es anders: Nicht nur, dass man verstand, dass wir Visa wollten, nein, sie konnten uns sogar noch zu verstehen geben, dass dies das Haus des Botschafters ist und wir hier falsch sein. … D’oh! Und nun passierte es: Ein Mann der Gruppe löste sich, nahm meine Hand und ging los. Er führte uns ca. einen halben Kilometer weiter und da standen wir nun vor dem Objekt unserer Begierde: der Äthiopischen Botschaft! Wir klopften und baten um Einlass – zu spät! Die ganze Sucherei hat zu lang gedauert, die Öffnungszeit ist bereits verstrichen. ‚Positiv sehen! Immerhin wissen wir nun schon, wo wir hin müssen’, sagten wir uns und schlürften den schalen Beigeschmack des Scheiterns bei einem Macchiato und einem frischen Erdbeersaft im nahegelegenen Costa Coffee herunter, denn wenn man den Betrachtungswinkel zuläßt, so wollte da jemand, dass wir die Botschaft finden oder diese selbst wollte gefunden werden, denn wie wir hier ans Ziel gekommen sind, klingt in einer Millionenstadt wie Kairo schon sehr unwahrscheinlich.

Am nächsten Morgen wussten wir, wo wir hin wollten – Ecke Mosadak / Mohammed Ghezaly –, aber der Taxifahrer wusste dennoch nicht, wo er hinsollte. Dabei hatte ich gestern extra das Straßenschild auf Englisch und Arabisch abgeschrieben – mag mein Arabisch auch auf der gleichen Entwicklungsstufe wie das niedersächsische Weltraumfahrt stehen (wobei ich immerhin jeden grüße und mich brav bedanken kann), mit Abschreiben hatte ich bisher kein Problem. So führten wir ihn halt durch Kairo, wir kennen uns ja mittlerweile in dem Stadtteil aus… 😉

Das Beantragen des Visums verlief problemlos. Die Visaanträge, je ein Passphoto, unsere Pässe sowie 60 USD schoben wir über den Tresen und wurden dann gebeten, morgen wieder zukommen. Schön! Wenn das alles klappt, wäre die erste Hürde genommen. Den weiteren Tag verbrachten wir in Manial auf der Insel Roda mit dem Höhepunkt an deren südlichen Ende: dem Nilometer. Früher war der Wasserstand des Nil eine wichtige Vorhersagemöglichkeit über die Höhe der zu erwartenden Ernte, heute erfüllt der Nilometer allerdings nur noch den Zweck, Touristen Eintrittsgelder aus der Tasche zu ziehen, was bei uns gut funktioniert hat.

Am Fuss des "Maßbands"

Am Fuss des "Maßbands"

Abends stand noch ein Besuch auf dem Khan Khalili an. Anja und ich hatten unseren Vermieter gefragt, wo man denn gut Visitenkarten drucken könnte und dieser Besuch war das Ergebnis unserer Frage. Denn natürlich kannte er da jemanden und so sind wir direkt in dessen Laden marschiert. Anja hatte die letzten beiden Abende am Layout gefeilt und nun sollte die Umsetzung erfolgen. Aber wir sind nicht einfach wieder per Taxi in die Stadt gefahren. Nein, Dr. Farid (unser Vermieter) wollte uns diesmal auch die anderen Transportmöglichkeiten Kairos zeigen und so sind wir zunächst mit dem Bus gefahren. Es hat etwas gedauert, bis wir einen Bus fanden, der dorthin wollte, wo wir auch hinwollten, aber dann fuhren wir das erste Mal Bus in Kairo. Am Midan Ramsis sind wir vom Bus in die Metro umgestiegen und haben somit das auch gleich noch probiert. Bus- und Metro-Fahren läuft natürlich auch hier ohne Voodoo oder dergleichen, aber es ist einfach schön, es einmal gezeigt zu bekommen – wie signalisiert man dem Bus zu stoppen, wo kauft man die Tickets, wie signalisiert man, dass man aussteigen möchte, etc. –, denn auch hier: Hilfsbereitschaft ist genauso selbstverständlich wie Englischkenntnisse es meist nicht sind. Allerdings lebt Ägypten davon, dass jeder jemanden kennt, der jemanden kennt, der … und der letzte in der Kette kann dann das Gesuchte. So wird häufig auch jemand aus der Menge Hilfsbereiter gezogen, der dann englisch dolmetschen kann.

Nicht anders kamen wir auch dorthin, wo wir jetzt hinwollten. Wir folgten Dr. Farid aus der Metro und gingen Richtung Khan Khalili. Mehrmals auf dem Stück wurden wir angesprochen, wer wir seien, wo wir hin wollten und dass sie uns alles zeigen konnten, aber als sie sahen, dass wir bereits „in den Fängen eines Schleppers“ waren, verloren sie meist ihr Interesse. Auf dem Basar angekommen, folgten wir unserem Guide durch die typischen kleinen Gassen und auch nachts noch vielbefahrenen Liefersträßchen in den kleinen Laden, der Visitenkarten druckte. Anja hatte ihr Layout auf einen USB-Stick gepackt und so gings von dort aus zunächst kurzerhand ein Wohnhaus weiter, diesmal rannte der Ladenbesitzer voran und zwar so schnell, dass wir Anja und Dr. Farid beinahe verloren. In dies Wohnhaus wäre ich allein nicht reingegangen, schon gar nicht mit Anja, selbst wenn ich mir nahezu sicher gewesen wäre, dass dies das Haus sein müsste: Dunkler Treppenaufgang, wo uns dubios aussehende Gestalten begegneten, Müll auf den Treppen, Barrikaden vor wohl verlassenen Wohnungen, aber dann im letzten Stock: Auf einmal wieder Licht, ein richtiger kleiner Besucher-Vorraum mit Tresen und angrenzendem Computerraum. Dort überspielten wir unsere Vorlage und zurück ging ’s in den Laden. Hier übernahm Dr. Farid die Verhandlungen. Wir vereinbarten schließlich 1000 Visitenkarten für 100 EP, also etwa 13 EUR. Nicht dass wir diese je aufbrauchen würden, wir wollten eigentlich eh nicht mehr als 200, aber die hätten auch nicht wesentlich weniger gekostet und so …

Die reich verzierte Decke des Nilometers

Die reich verzierte Decke des Nilometers

Vielleicht noch ein kurzes Wort, warum wir uns überhaupt um Visitenkarten bemüht haben. Es ist eigentlich nicht mehr als Bequemlichkeit. Denn natürlich erfüllt jeder Zettel + Stift den gleichen Zweck, aber wir fanden es immer schön, wenn Traveller ihre Eckdaten per Visitenkarte überreichen und dachten dabei: ‚Das wollen wir auch!’ Außerdem hatte Markus mal eine solche Visitenkarte mit dem lieben Gruß „Wünschen dir eine erfolgreiche und sichere Weiterreise mit vielen tollen Erlebnissen, Hänsel & Gretel*)“ unter seinem Scheibenwischer gefunden und das fanden wir auch inspirierend. [*) Namen durch die Redaktion geändert]

Heute früh fuhren wir in die Stadt, die Pässe wiederabholen. Keinerlei Komplikation! Hat alles vorzüglich geklappt. Mittlerweile sitzen wir erneut im Costa Coffee und schreiben diesen Artikel. Gleich besorgen wir noch ein paar Süßigkeiten für Angelika und ihre Familie, zu denen wir heute Abend zum Abendessen eingeladen sind, aber das ist eine andere Geschichte, die ein anderes Mal erzählt werden soll.

Category: Ägypten
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