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• Freitag, Juni 26th, 2009

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Wie konnten wir uns nur so irren? Ich darf mich selbst zitieren: „Wir haben uns entschieden, von hier aus gleich nach Alexandria durchzufahren. Das wird zwar wieder mal eine längere Strecke, aber sollte machbar sein.“ Gut, zugegeben, geschafft haben wir es, aber es war deutlich nervenaufreibender als gedacht.

Die Fahrt bis Suez war heiß, landschaftlich schön, aber schroff, heiß, recht ereignislos und habe ich „heiß“ schon erwähnt? Von dort gings ebenso bis nach Ismailya weiter. Bis hierhin war die Ausschilderung recht gut, aber ich hatte die ersten Befürchtungen, dass wir es nicht im Hellen ganz bis nach Alexandria schaffen würden. Es war ca. 5 Uhr nachmittags und wir waren bereits ca. 6 Stunden unterwegs. Ohne jegliche Pause, bis auf 5 Minuten am Seitenstreifen, um meine Hosenbeine abzuzippen. Doch der eigentliche Nicht-Ponyhof-Teil startete erst jetzt. Aus Ismailya fanden wir dank Anjas richtigem Abgleichen von Landschaftsmerkmalen mit Karte und dank GPS doch noch den richtigen Weg, aber in Zagazig verloren wir zunächst die Fährte. Die Fahrt durchs Nildelta war eine willkommene grüne Abwechslung nach all den Wüsteneindrücken der letzten Wochen. Doch die Fahrt war auch anstrengend: Der Verkehr fließt gänzlich ohne Ordnung. Selbst auf Autobahnen können jederzeit und ganz selbstverständlich Fußgänger kreuzen, Eselskarren oder große LKWs mit Anhänger wenden, Fahrzeuge jeder Art einem entgegenkommen oder „verkehrsberuhigende Maßnahmen“ (VM) über die Fahrbahn gezogen sein. VM sind Asphalt-Schwellen, meist Ton-in-Ton mit der sonstigen Fahrbahn getarnt, die so hoch sein können, dass die Achse des Autos oder zumindest der eigene Nacken eine Macke bekommen können, sollte man sie übersehen und ungebremst dank ihr abheben.

Zwischendurch haben wir eine SMS von Jan und Trevor bekommen: Sie haben ihr Visum für den Sudan bekommen, doch dies ist ab sofort für 30 Tage gültig und berechtigt für eine 15tägige Durchreise – sie haben sich also gleich aus Kairo auf in die Weiße Wüste gemacht und können nicht auf uns warten. Wir bedauern dies sehr, doch sind gleichzeitig frohen Mutes, dass wir uns auf unserer Reise nochmals wieder sehen und freuen uns schon drauf – wahrscheinlich gehen die beiden wieder irgendwo ausgiebig tauchen und wir können sie dann einholen. 😉

Auch aus Zagazig fanden wir schließlich noch den rechten Weg, nur um ihn dann in Mit Ghamr / Zifta bei der Überquerung eines Nilarms erneut zu verlieren. Auch hier half uns die Navigation nach Himmelsrichtung, um zumindest am richtigen Stadtende rauszukommen und dort die Suche nach dem Weg wieder aufzunehmen. Mittlerweile dämmerte es, wir waren ca. 8 Stunden ohne Pause unterwegs und hatten noch ca. 150 km Luftlinie vor uns. Im Hellen ankommen, konnten wir uns abschminken! Und eine „interessante“ Stadtdurchfahrt hatten wir noch vor uns: Tanta. Auch die schafften wir schließlich. Ab hier gab ’s eine Autobahn mit halbwegs solider Ausschilderung und Navigation war weniger gefordert als Konzentration im Dunkeln auf Straßenlöcher / VMs, entgegenkommenden Verkehr sowie den eigenden umgebenden Verkehrsfluß und Fußgänger auf der Autobahn.

Fes Qaitbey, das aus Resten des Pharos Leuchturms (eins der sieben Weltwunder) gebaut wurde

Fes Qaitbey, das aus Resten des Pharos Leuchturms (eins der sieben Weltwunder) gebaut wurde

Schließlich kamen wir in Alexandria an. Das GPS hatte die Koordinaten eines Hotels in Stadtmitte, das wir somit anpeilen konnten und so landeten wir erstaunlich gut direkt an der Corniche, der großen Küstenstraße Alexandrias. Nach „nur“ 12h Fahrzeit vom Katharinenkloster bis hier her. Und wir respektieren um so mehr Markus Leistung bei 50° C im Auto zwei Tage hintereinander bis zu 15 Stunden zu fahren, um dann noch Hotels in Großstädten zu finden. (Er hat nur ein dreitätiges Transitvisum für Saudi-Arabien bekommen und musste deshalb ordentlich Kilometer fressen.) Wir hatten die Rechnung ohne den Wirt gemacht: Anfangs waren die Straßen noch gut, doch die Straßenqualität ließ nach und vor allem die Stadtdurchfahrten bremsten uns deutlich aus, da wir dort regelmäßig „vom rechten Weg abkamen“. Zum Schluss mussten wir im Dunkeln fahren, was nochmals Tempo rausnahm. Aber es ist 23 Uhr, wir sind angekommen und alles ist gut.

Denkste! Gegen 1 Uhr (sic!) haben wir endlich in einem Hotel eingecheckt! Annähernd zwei Stunden haben wir gesucht. Die Hotels, in die wir wollten, die konnten uns nicht aufnehmen, und die, die konnten, in die wollten wir nicht. (Oder semantisch genauer: „und die, die wollten, in die konnten wir nicht.“) Anja und ich hatten ausgehandelt, dass sie die Hotels abklappern geht, nachdem ich den ganzen Tag gefahren bin, aber als europäisch-aussehende Frau ist sie allein zu sehr lebende Zielscheibe und so bin ich dann nach ihrer ersten großen Runde weiter. Obwohl ich diesbezüglich toleranter bin, stufte ich die Hotels, deren Zimmer ich sah, schnell in Stufe „geht gar nicht“ ein. (Wäre es das einzige Hotel vor Ort gewesen, hätten wir uns schon arrangiert, aber ich hoffte auch um 24 Uhr noch auf bessere Alternativen.) Irgendwann waren wir weich gekocht und ich fragte doch noch im Sofitel Cecil nach, Anja hatte dort schon einen einmaligen Sonderpreis für nur 150 EUR aushandeln können. Doch als ich wiederkam, war das letzte Zimmer schon vor ca. einer Stunde vergeben worden. So endeten wir schließlich in der Junior Suite im „Le Metropole“ mit Meeresblick. Nur eine Nacht, obwohl wir eigentlich zwei für Alexandria vorgesehen hatten – dies Zimmer lag einfach nicht wirklich in unserem finanziellen Tagesrahmen.

Blick aus unserem Zimmer (unten sieht man sogar Willi stehen)

Blick aus unserem Zimmer (unten sieht man sogar Willi stehen)

Am nächsten Morgen schliefen wir aus. Unser Tagesziel war nur ein Vorort von Alexandria: King Mariout. Wir hatten also alle Zeit der Welt und verbrachten davon viel in Alexandrias neuer Bibliothek (inkl. Führung), die unser bibliophiles Herz höher schlagen ließ.

[Anja:] Für einen IT’ler besonders beeindruckend: die Bibliothek hat das Internet von 1997 bis 2007 archiviert und 3,7 Petabyte Daten angesammelt (1 Petabyte = 10³ Terabyte = 10^6 Gigabyte…)

Der Speicherraum der Bibliothek

Der Speicherraum der Bibliothek

Auf dem Weg raus aus Alexandria kamen wir bei einem großen Einkaufszentrum (Carrefour :-)) vorbei und füllten unsere Wasservorräte auf und blieben lang in einem angeschlossen Bistro hängen – zu lang… Wir genossen unsere Pizza und obwohl ich mehrmals zum Aufbruch mahnte, war das Internet für uns beide doch einfach zu fesselnd. In der Hoffnung auf neue Kommentare auf unsere Artikel und zum Verschicken und Empfangen neuer Mails drückten wir mehrmals F9… Als ob wir den Gegenbeweis antreten wollten, dass Menschen eben doch keine lernfähigen Lebewesen sind, wiederholten wir die gestrige Prozedur – allerdings nicht absichtlich. Wir wollten ins Adham Compound, doch wegen des aufkommenden Wochenendes waren die gänzlich ausgebucht. Der Mann am Empfang meinte, er könnte uns ein anderes Hotel empfehlen, doch von dem wüsste er, dass die leider auch komplett ausgebucht waren. Eigentlich wäre Hotel eh nur unsere zweite Wahl gewesen, viel lieber hätten wir die Hotel-Infrastruktur (Toilette, Dusche etc.) genutzt, aber einfach auf dem Parkplatz gecampt, doch der war leider bereits übervoll. Unser Reiseführer kannte noch ein weiteres Hotel, aber anstelle von Koordinaten oder sinnvollen Wegbeschreibungen, war dort nur zu lesen: „an der südlich eingrenzenden Siedlungsstraße gelegen“. Danke fürs Gespräch! Ohne genaue Karte ist der Hinweis in etwa so sinnvoll wie „die südliche eingrenzende Straße Hannovers / Stuttgarts“ zu finden.

Die neue Bibliothek Alexandrias, Leseraum 1/2

Die neue Bibliothek Alexandrias, Leseraum 1/2

Die neue Bibliothek Alexandrias, Leseraum 2/2

Die neue Bibliothek Alexandrias, Leseraum 2/2

Nachdem wir also in King Mariout nichts fanden, machten wir uns auf an die Nordküste, Richtung El Alamein. Irgendwo an der Küste wird es entweder ein ruhiges Plätzchen für uns geben oder ein kleines Hotel uns ein Zimmer für eine Nacht anbieten. Mittlerweile war es auch schon wieder ca. 19 Uhr und es fing langsam an zu dämmern. Wir fuhren die Küstenautobahn entlang, wo ein großes Resort nach dem anderen steht. Meist sieht man das Meer gar nicht, weil sich die Betonapartmentbunker sich in den Weg gedrängt haben. Der Reiseführer warnte uns vor, dass diese Resort nicht auf Individualreisende, die nur eine Nacht bleiben wollen, eingerichtet sind. Unser eigener Versuch bestätigte dies: „Kein Hotel!“ Von einer größeren Versuchsreihe sahen wir jedoch zugunsten des Zeitvorteils ab. Mittlerweile war es bereits wieder dunkel und ich durfte erneut das machen, wovor gerade in Ägypten immer wieder gewarnt wird. Es gibt zwei Grundpfeiler für Afrika-Traveller: Das berühmte „Boil it, peel it, or leave it!“ für die Nahrungsaufnahme und ein selbstauferlegtes Nachtfahrverbot für die eigene Sicherheit bei der Fortbewegung. Wir verstoßen erneut gegen Pfeiler II… Hier auf der Küstenautobahn ist dies allerdings nicht ganz so schlimm, weil es zwei abgesperrte Bahnen gibt und Geisterfahrer damit weniger häufig vorkommen – man kann dennoch nicht sagen, dass dies selten vorkäme. Bleiben lediglich VM und Fußgänger.

Außenseite der Bibliothek 1/2

Außenseite der Bibliothek

Außenseite der Bibliothek (Close-Up)

Außenseite der Bibliothek (Close-Up)

Unser Reiseführer kannte noch ein neueres Hotel namens „Aida“, ca. 70 km westlich von Alexandria. Unser Weg führte uns direkt daran vorbei. Anja stieg aus und fragte nach einem Zimmer: 450 EP pro Person die Nacht. Sie hatte den Eindruck, dass der Preis ausgedacht war – schließlich war es mittlerweile ca. 21 Uhr, dunkel und man war weit und breit eines der wenigen Hotels, die Touris würden schon bleiben… Uns war das zuviel und wir fuhren weiter nach El Alamein, das war jetzt auch nicht mehr weit und dort nannte unser Reiseführer auch noch zwei Unterbringungsmöglichkeiten. Auf dem Weg versuchten wir nochmals unser Glück bei einem der Apartmentbunker, obwohl uns das Wachpersonal und ein Angestellter sagte, es gäbe ein „Funduq“ (Hotel), haben wir keins gesehen.

In El Alamein dann auch Enttäuschung! Die angegebenen Hotels waren unbekannt und im Dunkeln haben wir nichts finden können. Immerhin konnten wir eine Nachtbesichtigung des Militärmuseums machen – allerdings nur von außen und auch nur kurz, bevor wir von dort verscheucht wurden. Wir fuhren also wieder zurück Richtung Alexandria. Im Zweifelsfall gab es noch das „Aida“ oder aber irgendwo einen grünen Seitenstreifen abseits der Straße. Letzteres war allerdings schon beim Hinweg eigentlich nicht zu finden.

Gegen 22 Uhr fuhren wir schließlich ein kleines Teehaus bei der Autobahn an. Es wurde gerade Südafrika gegen Brasilien gezeigt, wenn wir die Trikots richtig deuteten und der männliche Teil der Dorfbevölkerung war zusammengekommen, um hier das Spiel auf einem Fernseher zu verfolgen. Ich fühlte mich an Erzählungen von 1954 erinnert. Ich fragte, ob es möglich sei, hier zu campieren, wir würden auch nichts weiter benötigen. Nachdem jemand aus den Zuschauern gefunden war, der englisch sprechen konnte, war alles kein Problem mehr. Anja und ich tranken noch eine Gute-Nacht-Cola und klappten gegen 23 Uhr unser Zelt hoch. Eine erneut nervenaufreibende Fahrt hat doch noch ihr Ende gefunden.

So erholsam wie in unserem Hotelzimmer im Le Metropole war diese Nacht nicht

So erholsam wie in unserem Hotelzimmer im Le Metropole war diese Nacht nicht

Jetzt sitzen wir gerade in einem Gourmet-Tempel, dessen Pfeiler mit dem goldenen „M“ allen Pilgern den rechten Weg weisen soll. Wir frühstücken, nutzen das freie WiFi und freuen uns über die Toilette. Die Nacht war wenig erholsam: Der Verkehr hielt die ganze Nacht über an und wir schliefen keine 25 m von der Autobahn entfernt, natürlich ohne Lärmschutzmauer oder dergleichen. Heute wollen wir noch ein oder zwei der koptischen Kloster im Wadi Natroun besuchen, müssen anschließend nach und durch Kairo und wären dann in unserem vorübergehenden Zuhause. Dort würden wir uns dann primär mit Taxi und Bussen bewegen – also Zähne zusammenbeißen und durch.

 

 

Category: Ägypten
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One Response

  1. […] Wie erwartet, wurde am ersten Fahr-Tag alles etwas spät, sodass wir hektisch im Dunkeln auspacken und uns einrichten mussten. Den Fehler, zu lange im Shopping Paradies zu verharren, machten wir nicht zum ersten Mal (siehe Ägypten Horror-Erfahrung). […]

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