Archive for ◊ Februar, 2010 ◊

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• Mittwoch, Februar 10th, 2010

Von Gundis, einer Bremerin, die in Durban ein Aufbaustudium absolviert und die wie wir im Africa Regent wohnt, haben wir erfahren, dass es in Umhlanga eine Kneipe gibt, die deutschen Fußball überträgt. Nach „deutschem Brot“ war dies der häufigste deutsche Exportartikel, nach dem wir suchten – leider jedoch meist vergeblich. So auch hier! Die beschriebene Kneipe haben wir nicht gefunden, stattdessen landeten wir im Hooters. Hier wird zwar ab und zu auch deutscher Fußball in Sky gezeigt, doch heute genossen leider zwei Rugby-Spiele und zwei Premier League-Spiele den Vorzug. Das Essen war okay und neben dem Sport gab es noch reichlich „Aussicht“ und damit meine ich nicht den Meerblick…

[Anja:] Jörg meint das viele Holz vor der Hütt’n

Bevor wir uns wieder ein Taxi für den Rückweg riefen, gingen wir runter zum Pier. Wir waren nun schon etliche Tage in Durban und dies war erst das zweite Mal am Wasser. Ganz zu schweigen davon, dass wir diesmal nicht einmal im Indischen Ozean gebadet hatten. Wir fahren zurück und packten. Der Stress alles unterzukriegen und die Konzentration nichts zu vergessen unterdrückte die reumütigen Gedanken und Tränen, dass sich eine einmalige Zeit für uns nun unwiderruflich dem Ende neigt.

Die letzten Tage verbrachten wir auch teilweise auf dem Zimmer. Anja war von der Erstellung des Lesotho-Videotagebuchs, das sie erstellte, voll gefangen und ich war gebannt von einem Buch, das ich mir kurz zuvor gekauft hatte. Es war als kurzweilige, packende Lektüre gedacht und enttäuschte mich in dieser Hinsicht nicht. Es handelte sich um ”One Bullet Away – The Making of a Marine Officer”. Anja fragte mich kopfschüttelnd manches Mal, was ich an dem Buch eigentlich fand. Ich las es mit dem spannenden Schauer, mit dem man einen schweren Unfall betrachtet: Froh, dass es nicht einen selbst getroffen hat, aber zu bestürzt, um einfach wegzuschauen. Ich konnte zumindest das Buch immer erst dann aus der Hand legen, als die Frustration, die letzten Tage so lang auf dem Zimmer zu verbringen, zu groß wurde.

Abgesehen vom Lesen und Video-Schneiden gingen wir an unserem letzten vollständigen Tag in Durban zusammen mit Gundis noch einmal in das Gateway Shopping Center in Umhlanga. Die Souvenirs waren zwar bereits alle gekauft, aber Anja brauchte noch eine Winterjacke – in Deutschland sollen wir ja einen „Jahrhundertwinter“ verpasst haben. Den hätten wir zwar auch gern miterlebt, aber wir hatten dafür fast ein Jahr Sommer – auch nicht schlecht. Wir schauten uns noch „2012“ im Kino an, doch rückblickend hätten wir darauf gern verzichtet.

Dann kam auch schon der Abflugtag. David und Pam, die Besitzer vom Africa Regent, bestellten uns ein letztes Mal ein Taxi, worüber sie bestimmt recht dankbar waren. Dass es das letzte Mal war, meine ich. Denn nach unserer schlechten Erfahrung mit dem ersten gerufenen Taxi vom Gateway nutzen wir nämlich fortan stets David als Bande: Wir riefen ihn an, wenn wir ein Taxi brauchten und ließen es uns durch ihn bestellen. Während wir ja nur zwei Touris sind, ist er halt Guest House Besitzer, der mehr Umsatz für das Taxi-Unternehmen generiert. Ob sich unsere Hypothese, dass mit dem höheren Umsatz automatisch auch ein größeres Interesse des Fuhrunternehmens in seine Zuverlässigkeit einher geht, bewahrheitete, können wir leider nicht beurteilen. Doch es blieb uns nicht verborgen, dass unsere „Banden-Taktik“ für uns ein voller Erfolg war.

Am Flughafen in Durban ließen wir unseren „Kofferersatz“ – eine Spende von Ericus und Zelda, thank you! – und den Rucksack ordentlich einwickeln und kauften uns noch Bordlektüre – ich konnte mir mal wieder nichts einteilen und hatte meine ja schon vorm Fliegen durch…

Die erste Etappe ging nur bis Johannesburg. Wir hatten wir noch etwas Aufenthalt und wir haben doch tatsächlich im Cape Union Mart noch eine Winterjacke für mich gefunden. Steuerfrei, da wir bereits in dem Wartebereich hinter den Sicherheitskontrollen waren. Nun kann der Winter kommen respektive wir zum Winter. Anja fand hier sogar noch stabile Sandalen: Nachdem wir durch ganz Afrika gefahren sind und nirgends die einzig wahren gefunden haben, wurden wir ausgerechnet hier und jetzt fündig. Gekauft haben wir sie natürlich trotzdem. ;-)

Nachdem wir von Frankfurt nach New York einmal mit Singapore Airlines geflogen sind, sind wir regelrecht verdorben, was unsere Erwartung an Qualität und Service angeht. Umso argwöhnischer blickten wir unserem Flug mit South African Airlines entgegen, zumal Anja, bei ihrem letzten Flug vor 7 Jahren keine guten Erfahrungen gemacht hat. Doch, weit gefehlt! Der Flug war toll und der Service von SAA kann durchaus als der nur unwesentlich kleinere Bruder von Singapore Airlines durchgehen. Ein Problem trat erst wieder am Boden auf. Das Bodenpersonal am Münchner Flughafen streikte, und München war leider der letzte Zwischenstopp auf unserer Route Durban – Stuttgart. Welch Ironie! Nach zehn Reisemonaten (fast sieben davon in Afrika) ohne allzu ernsthafte Wegprobleme, beim Wiedererreichen der (vermeintlichen) Zivilisation, da trifft uns ein Streik und wir stranden! Allerdings nur kurzfristig. Denn wir sind ja zurück in Deutschland, wo alles mit Recht und Ordnung geschieht, und so war die Lufthansa bereits bestens vorbereitet. Es gab einen Extrastand für ausgefallene Flüge und dort half man uns mit zwei Bahntickets weiter. Nicht ganz so bequem wie ein Anschlussflug, aber dafür mit besserem ökologischem Gewissen erreichten wir Stuttgart mit etwa dreistündiger Verspätung.

Welch Empfang!

Die Zugfahrt durch das verschneite Süddeutschland fühlte sich „falsch“ an. Ohne es genau Greifen zu können, war hier einfach etwas „falsch“! Es lag nicht nur an dem Schnee und der geschlossenen grauen Wolkendecke, auch nicht allein an der Architektur, bei der selbst jeder Schuppen so aussieht, als sei er gebaut, um die Ewigkeit zu überdauern, auch waren es sicherlich nicht allein die fehlenden Menschen und Tiere auf der Straße, wahrscheinlich war es ein Cocktail aus all diesem und dem, was wir nicht bewusst, sondern nur unbewusst wahrnahmen. Doch trotz der Aussicht, endlich wieder daheim zu sein, berauschte uns dieser Cocktail nicht, sondern schmeckte schal, bitter und abgestanden. Wahrscheinlich braucht’s einfach noch etwas Zeit…

Unsere Familien hatten wir schon vorab informiert, doch wer nun alles vergeblich am Flughafen stand, dass wussten wir nicht. Abends in Stuttgart trafen wir noch Susa, von der wir durch einen verwunderten Anruf erfahren hatten, dass sie am Flughafen wartete…
An der Stelle noch mal danke, wir hätten uns sehr gefreut :-)

Tags drauf flog ich nach Hannover weiter und kam so in den Genuss noch eines Willkommensgrusses. Neben meinen Eltern empfingen mich hier Ben, Violetta, Katharina, Steffi, Thomas, Marc und Olli – damit hatte ich nicht gerechnet und ich war ganz baff.

Ankunft Hannover

Jörgs Willkommen in Deutschland

Sogar „Landebierchen“ hatten sie dabei! ;-)

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• Sonntag, Februar 07th, 2010

Bevor wir nach Südafrika fuhren hatten wir schon eine vorgeprägte Meinung, was uns wohl erwarten würde. Durch das intensive Hören von Podcasts (Deutsche Welle – Fokus Afrika) und über Gespräche mit verschiedenen Leuten, waren wir ein wenig verängstigt. The South African Crazy CamperWir erwarteten überall irgendeinen Kriminellen, der es auf uns abgesehen hatte. Und was passierte? Nichts!

Statt dessen wurden wir überrascht vom Gegenteil: eine Gastfreundschaft, die wir auf unserer Reise zuletzt in den arabischen Ländern erlebt haben. Es begann mit unserem Leck am Dieseltank, schon am dritten Tag in diesem Land. Uns half ein südafrikanischer Farmer mit einer vollkommenen Selbstverständlichkeit und verblüffte uns damit sehr.

Jan und Trevors Familie nahm uns an Weihnachten ohne zu Murren auf und schloss uns damit in der Zeit, in der uns unsere eigenen Familien so fehlten, in ihre ein. Damit machten sie uns das größte Weihnachtsgeschenk.

Auch unser Besuch in Johannesburg war eine große Überraschung: Harald und ich kannten uns bis dahin nur über eMails und trotzdem schien es selbstverständlich uns aufzunehmen. Ebenso Ericus und seine Familie, die wir nur zwei Abende in Jordanien getroffen hatten. Und alle machten unsere Besuche zu etwas Besonderem.

Trotz unserer Ängste und den daraus resultierenden Vorkehrungen, die wir getroffen hatten (immer die Türverriegelung unten lassen, Abstand zum Vordermann lassen an der Ampel, Fenster hoch, …), mussten wir an keiner Stelle Befürchtungen haben, dass uns etwas zustößt. Wir haben uns natürlich auch nicht bewusst in eine Gefahr gebracht und wir sind kein unnötiges Risiko eingegangen. Wir haben uns allerdings auch in Menschenmassen begeben, wie am Ministrels Carnival in Kapstadt, und trotzdem ist nichts passiert.ZA_Resumee_02

Wir haben mehr Zeit in Südafrika verbracht als in irgendeinem anderen Land und wenn es nach mir gegangen wäre, hätte es noch länger gehen können. Südafrika ist eines der schönsten und abwechslungsreichsten Länder auf unserer Reise gewesen. Von Kalahari bis hin zu tiefstem Grün und viel viel Meer, haben wir alles gesehen. Der Osten ist eher hügelig bis bergig, der Westen und Norden sehr wüst, im wahrsten Sinne des Wortes. Als wir von Namibia aus den Kontinent noch einmal durchquerten und an Lesotho vorbei nach Sodwana Bay fuhren, veränderte sich die Landschaft von heiß und braun hin zu sonnig kühl und tief grün. An diesem Punkt ging mir das Herz richtig auf. Das war das Südafrika, in das ich mich schon vor sieben Jahren verliebt hatte.

Ein besonderes Schmankerl hatte Südafrika für uns in Form der WildCard. Wir hatten schon vorher von ihr gehört und waren gleich begeistert. Leider für Ausländer sehr teuer, aber spätestens nach unserem 5tägigen Aufenthalt im Krüger National Park hatte sie sich amortisiert. Was ist die WildCard nun? Eine Art National-Park-Flatrate. Wir hatten einmal die Investition gewagt und dann kein schlechtes Gewissen mehr unserem Budget gegenüber, dass wir auch einfach nur zum Spaß durch einen Park durchfuhren. Wir sahen hier in Südafrika dadurch auch mit die meisten Tiere. Nur keine Löwen, aber das ist ein anderes Thema und zum Glück gab es ja in der Etosha „Löwen satt“ (und satte Löwen… ;-) ). Schaut Euch einfach die Bilder an und macht Euch selbst ein Bild.

Im Nachhinein betrachtet, hätten wir uns gerne nicht so vorgeprägt. Wir finden es sehr schade, dass Südafrika einen derart schlechten Ruf hat. Keine Frage, den Ruf hat das Land nicht ohne Grund, die Kriminalität ist nicht von der Hand zu weisen. Trotzdem hat sich hier unser altbekanntes Motto „Seeing is believing“ bestätigt und wir haben nicht eine einzige Begegnung mit Gefahr erlebt. Ich würde mir wünschen, dass gerade vor der Fussball-WM, das Land begreift, was es für eine schlechte Außenwirkung hat und sich spätestens dann endlich auch allen anderen von der Seite zeigt, wie es sich uns präsentiert hat.

Für uns gehört Südafrika aufgrund von all den genannten Aspekten auf jeden Fall zu den Top 5 unserer Lieblingsländer.ZA_Resumee_04

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• Freitag, Februar 05th, 2010

Am Fuß des Sani Passes angekommen, war es etwa 11 Uhr und wir konnten Durban heute noch gut erreichen. Wir riefen schnell im Africa Regent an und fragten, ob sie auch schon heute ein Zimmer für uns hätten, und wir hatten Glück. So fuhren wir zunächst zum Flughafen in Durban, um unseren Flug umzubuchen. Inzwischen war sicher, dass unser Auto schon am 5. Februar in den Container eingeladen werden soll und nachdem das Africa Regent uns kein Zimmer bis zum 16. Februar anbieten konnte, war für uns kein Grund mehr gegeben, eine Woche in Durban ohne Auto zu verbringen. Das Umbuchen kostete uns stolze 150 Euro pro Ticket, aber so kommen wir immer noch günstiger weg. Inzwischen können wir es auch kaum erwarten, Familie und Freunde wieder zu sehen und vielleicht ist uns der Wettergott hold und lässt es ab dem 9. Februar, 8.40 Uhr schneien. Da landen wir nämlich in Stuttgart, sofern der Wettergott nicht zu früh anfängt.

[Jörg:] Da habe ich überhaupt nichts dagegen, aber bitte nicht zu stark schneien lassen, Petrus. Ich würde schließlich gern tagsdrauf noch nach Hannover weiterfliegen. Dort darf ’s dann ab 18:10 h schneien, was das Zeug hält.

Als alles am Flughafen erledigt war, fuhren wir direkt nach Durban North ins Africa Regent und verließen für den Rest des Tages das Zimmer nicht mehr.

Am Montag fuhren wir nach Pinetown zunächst in zwei Camping Läden, um uns nach Zelten und anderem Zubehör umzuschauen. Dort trafen wir auf Elmar, den wir in Namibia im Rivendell kennengelernt hatten. Lustig, wie klein die Welt ist. Er brauchte ein Ersatzteil für sein Zelt, sah unser Auto und fragte am Eingang des Ladens, wo denn die zwei Deutschen von dem Fahrzeug wären. Da wir die einzigen Kunden waren, fiel es dem Verkäufer nicht schwer uns zu identifizieren. Wir plauschten kurz, tauschten Nummern aus und trennten uns wieder, denn wir wollten unser Auto noch in der Werkstatt abgeben.

Das war gleich die nächste Station: Rory’s Workshop. Rory wurde uns über Jan und Trevor von Ben und Kate empfohlen. Wir parkten das Auto auf seinem Hof, erstellten mit ihm eine Liste an Reparaturen, Must-Dos und Can-Dos, und wurden nach etwa 10 Minuten von seiner Frau nach Umhlanga in ein Shopping Center gefahren. Das ging alles sehr schnell. Sehr überrascht waren wir davon, dass es hier in Durban so üblich ist, dass Werkstätten einen abholen lassen und einen ins Hotel zurückbringen, wenn man sein Auto bei ihnen lässt, und unsere Strecke war nicht einmal um den Block, sondern gute 30 km one way.

Wir wollten sowieso in das angeblich größte Shopping Center der südlichen Hemisphäre und dass man uns da frei haus hinfährt kam uns sehr gelegen. Das Gateway in Umhlanga ist riesig! Ich kleidete mich bei 35°C Außentemperatur in gut klimatisierten Läden für den deutschen Winter ein und kaufte eine Fleece Hose und einen dicken Pullover. Jetzt kann der Winter kommen! Jörg hielt tapfer durch, sogar als ich ständig in aller Öffentlichkeit meine neue Vuvuzela testete (ich kann das noch nicht…). Am Abend gingen wir ins Kino und schauten Avatar in 3D. Super Film, tolle Effekte – muss man gesehen haben! Danke für den Tipp, Ema und Steffen!

Danach warteten wir eine Ewigkeit auf unser Taxi. Wir bekamen von David aus dem Regent zwei Taxi Unternehmen empfohlen, wovon uns eines jedoch im wahrsten Sinne des Wortes im Regen stehen ließ. Der Typ, der uns am Ende mitgenommen hatte und den wir gefragt hatten, ob er uns holen soll (Erkennungszeichen: gelbe Vuvuzela), verneinte nämlich erst, fuhr noch drei Runden im Schneckentempo um den Kreisverkehr und kam 20 Minuten später wieder. Wir waren ganz schön angep*****. Vor allem weil er nicht einmal den Weg kannte und wir erst mal 15 Minuten am Taxistand warten mussten, bis er die Straße im Straßenatlas gefunden hatte. Wo sind eigentlich die guten alten Taxiprüfungen hin?

Der Dienstag begann entspannter. Ohne Auto und mit nur einem Vorhaben schliefen wir aus und bloggten. Um 14.30 Uhr hatten wir einen Termin mit einem Vertreter der Schiffslinie, deren Büro zufälligerweise zwei Querstraßen von unserem Guesthouse weg liegt. Wir konnten also hinlaufen und auf dem Weg noch was essen. Auf dem Parkplatz des Büros lernten wir auch Denise und John kennen, mit denen wir uns einen Container teilen wollen. Die beiden haben schon ein bisschen mehr Reiseerfahrung als wir und haben sogar schon mal verschifft und kannten sich ein wenig aus. Nach Südafrika haben sie es in drei Monaten geschafft!

Bei dem Termin mit Robbie von der Schiffslinie erfuhren wir ein paar unangenehme Dinge. Den Hafen darf man zum Beispiel nur in angemessener Kleidung betreten. Was heißt angemessen? Festes Schuhwerk – kein Problem, Warnwesten – auch kein Ding, Sicherheitshelme – kann man uns bestimmt leihen, die machen ja jeden Tag Verschiffungen. Pustekuchen, wir müssen sie uns selber besorgen. Wir sind ja nun fit in Südafrika nach 2 Monaten Aufenthalt, aber wo wir so Bauhelme finden sollen, hatten wir keine Ahnung und Robbie wusste es auch nicht. Aber es war ja auch nicht sein Problem. John nahm sich der Sache an und wollte uns auf dem Laufenden halten.

Dann erfuhren wir, dass unsere Gasflaschen nicht mitreisen dürfen. Ja, aber sie seien doch leer. Im Laufe der nächsten Tage erfuhren wir, dass auch leere Gasflaschen dazu führen, dass unser Container als „Gefahrguttransport“ eingestuft wird und uns das 1000 USD extra kosten soll, sollten wir darauf bestehen, die blauen Kocher behalten zu wollen. Neben der Gasflaschen ist ein allzu voller Tank auch nicht gut, man sagte uns, sie wollen nur Autos mit nahezu leerem Tank transportieren. Ein Glück war der Zusatztank unseres Autos gerade in Reparatur, sodass wir den nicht mehr voll gemacht hatten. Sonst hätten wir schon wieder Diesel verschenken müssen.

Nach dem ernüchternden Gespräch machten Jörg und ich erst mal einen Spaziergang durch die Straßen zu Pick’n’Pay und kauften uns Getränke. Es war schwül und warm draußen, so dass wir uns von dem 4 Kilometer-Walk erst mal im klimatisierten Zimmer erholen mussten. Am Abend, bzw. späten Nachmittag, machten wir uns nochmals auf um etwas essen zu gehen. Wir landeten im Nourish Café, die damit werben alles aus frischen Biowaren herzustellen. Das Essen war wirklich lecker.

Am Mittwoch sollte unser Auto fertig sein, Rory nahm uns aber die Hoffnung, als wir beschlossen, doch noch die ausgeschlagenen Radlager zu ersetzen. Wir ließen uns stattdessen zum uShaka Marine World fahren und verbrachten dort den Tag. Wir hatten einen Heidenspaß in diesem Erlebnis-Aquarium-Schwimmbad und konnten uns hier – fern von irgendwem, der uns kennen könnte – wie die kleinen Kinder benehmen. Wir spielten auf Wasserrutschen, machten einen Underwater-Walk, schauten einer Delphin Show zu und begutachteten die vielen verschiedenen Fische in den Aquarien.

Wasserspass in Durban

Einmal wieder Kind sein

Das Abendessen nahmen wir bei Moyo ein. Hier aßen wir ägyptische Gerichte, ich bekam ein Facepainting und schauten auf Meer hinaus.

Der Donnerstagmorgen war ein wenig hektisch. Am Anfang sagte Rory noch zu uns, das Auto sei fertig und der Fahrer komme gleich. 2 Stunden und 3 Anrufe später war der Fahrer endlich da, um uns abzuholen. Wir hatten gleich volles Programm vor mit unserer wieder gewonnenen Mobilität. Zuerst fuhren wir in Pinetown herum und suchten jemanden, der unsere Gasflaschen ausleert, da wir zu diesem Zeitpunkt noch glaubten, dass leere Gasflaschen ja kein Problem darstellen können. Das war eine ziemliche Sucherei, zumal Wiederauffüllen ein Straight-Forward-Task ist, Leeren dagegen nicht so einfach scheint, doch wir fanden schließlich jemanden. Danach fuhren wir zu Helen, um unsere Verschiffung zu bezahlen. Sie nahm uns bei der Gelegenheit jegliche Hoffnung auf die Gasflaschen, sodass wir gleich nach dem Besuch bei ihr zu dem Gasladen zurückeilten, in der Hoffnung, dass sie die volle Flasche noch nicht ganz entleert hatten. Parallel sms’ten wir Jan und Trevor, ob sie Verwendung für die zwei blauen Container hätten und sie freuten sich sogar. Der Dämpfer kam dann bei der Gasfirma: sie hatten die Flasche schon geleert. Jan und Trevor nehmen die Flaschen glücklicherweise trotzdem.

Dann wollten wir noch ein paar Einkäufe erledigen, die wir im Auto verstauen können und fuhren wieder in den Norden zu den großen Shopping Centern. Viel einzukaufen gab ’s zwar nicht, dafür aber gutes Essen. Glücklich, nicht wieder ewig auf ein Taxi warten zu müssen, sondern ins eigene Auto einsteigen zu können, fuhren wir zurück ins Africa Regent. Und da begann die eigentliche Arbeit erst. Der Kühlschrank musste geputzt werden und das Auto musste final gepackt werden. Ziemlich erledigt fielen wir hinterher ins Bett.

Die Nacht auf den Freitag habe ich schlecht geschlafen. Ich blieb lange wach, weil ich mir den Kopf zerbrach über die Warnwesten, deren Ort im Auto mir vollkommen unklar war. Und was, wenn John und Denise doch keine Helme für uns organisiert haben. Beides vollkommen unbegründete Sorgen, denn Jörg wusste genau wo die Warnwesten sind und Denise hatte schon per Mail gesagt, dass sie die Helme mitbringt. Nach dem Frühstück brachen wir gleich auf und trafen uns pünktlich mit John und Denise an der Shell Tankstelle. Danach ging es direkt ins Container Terminal, wo wir fast die einzigen mit Helm waren!

Uns empfing Alistair, ein Gutachter der Versicherung und organisierte die Zollabwicklung für uns, bevor es nach langer Wartezeit endlich zum Container ging. Das allerdings ging schnell. John zuerst, dann Jörg und schon hatten die Autos ihre finale Parkposition erreicht. Nun mussten sie nur noch mit frisch zu sägenden Holzbalken (wie in Wadi Halfa!, als würden die das zum ersten Mal machen!) und Strippen festgemacht werden, der Container verschlossen werden und fertig! Helen, die inzwischen eingetroffen war, brachte uns wieder nach Hause.

Hier versuchten wir uns ständig von den Gedanken abzulenken, irgendetwas total Wichtiges im Auto vergessen zu haben. Ich fragte mich ständig, ob ich wirklich den Kühlschrank ausgemacht hatte und ob auch alles sicher verstaut ist. Wir werden sehen. In fünf Wochen haben wir unseren Willi hoffentlich unversehrt wieder.

Nun, so ganz ohne Wagen, fühlten wir uns irgendwie unkomplett. Unser Heim für die letzten 10 Monate ist in einem Container, wo wir nicht wissen, wie es ihm geht…

Hafen

Willi geht allein auf große Reise

 

 

Category: Südafrika  | 4 Comments

4 Responses

  1. 1
    ben 

    Ihr habt “Glück” – es sind für Di/Mi wieder zweistellig Minusgrade angekündigt. Seid aber nicht überrascht, wenn die “Daheimgebliebenen” inzwischen den Schnee nicht mehr sehen können …

  2. 2
    Anja 

    Sind nicht böse, wir freuen uns halt :-)

    Leider hält sich der Schnee in Stuttgart ein bisschen zurück. Aber ich will mich nicht beklagen, mein Auto ist eingeschneit.

  3. 3
    ben 

    Na, da hat dann Jörg mehr “Glück”. In H schneit es schon den ganzen Tag und wir haben wieder eine dichte geschlossene Schneedecke …

  4. 4
    kaschidH 

    So schnell sind zehn Monate um????!!! Freue mich jedenfalls, dass Ihr offensichtlich wieder gesund und munter in Deutschland angekommen seid. Ich muss zu meiner Schnade gestehen, dass ich Euch die letzten Wochen ein wenig aus den Augen verloren habe, bei meiner virtuellen Mitreise. Muss wohl am Wetter gelegen haben. Ich werde mich aber bemühen, das nach und nach aufzuholen…Schöne Grüße auch von der Restfamilie…

    Karsten

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