Archive for ◊ Januar, 2010 ◊

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• Freitag, Januar 08th, 2010

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An dieser Stelle folgt ein kleiner Exkurs zu unserem Dilemma mit der Deutschen Kreditbank: Anfang Dezember bekamen wir die Mitteilung – ausschließlich über das bankeigene Portal, nicht per eMail – dass unsere Visa-Karten, die noch bis 2011 gültig sind, ausgetauscht werden. Wir gingen damals davon aus, dass wir unsere neuen Karten einfach nicht aktivieren müssten und so die alten Karten weiterhin funktionsfähig seien. Um sicher zu gehen, schrieben wir die DKB am 3.12. an, bekamen jedoch einige Tage keine Antwort. Mitte Dezember folgte erneut eine eMail von uns, die wieder 3 Tage unbeantwortet blieb. Dann kam plötzlich eine Antwort mit der überraschenden Aussage, dass unsere alten Karten automatisch am 26.12.2009 ihre Gültigkeit verlieren. Wir dachten, das sei ein Scherz. All unsere Ersatz-Kreditkarten liefen 2009 während unseres Urlaubs aus und jetzt will die DKB uns unser einziges Mittel Geld abzuheben wegnehmen?

Man bot uns am 17.12. an, telefonisch zu helfen, sie würden uns auch versuchen im Ausland zu erreichen. Wir gaben die südafrikanische Telefonnummer an und warteten auf den Anruf. Natürlich kam erst mal nichts. Wiederholt schrieben wir sie per eMail an, dass wir angerufen werden wollen. Am 22.12. kam endlich der ersehnte Anruf – 4 Tage vor Deaktivierung der Karte. Man sicherte uns nun zu, dass sie die Deaktivierung der alten Karten herausnehmen, das würde aber 3 Bankarbeitstage dauern. Wir sollen uns bitte vorher mit genügend Bargeld versorgen. Wir waren nicht glücklich, aber erleichtert, dass wir nicht bald ganz ohne Karte da stehen.

Am 29.12. kam dann überraschend wieder eine eMail von der DKB, mit dem ungefähren Wortlaut, dass wir ja vor kurzem [haha!, kurz!] die Anfrage gestellt hätten, die alten Karten behalten zu dürfen und dass dieser Vorgang 2 Bankarbeitstage dauern wird.

„Bankarbeitstage“ können um die Weihnachtszeit schon echt lange dauern. Am 1. Januar, also nun fast einen Monat nach unserer ersten Anfrage, gehen wir an den ATM, da unsere Barreserven bald aufgebraucht sind, und was sehen wir da? Geht nicht. Jörgs Karte meldet: „insufficient funds“ (=nicht ausreichend Guthaben). Das war in dem Moment die einzige Karte, die wir mitgenommen hatten. Ein prüfender Blick im Internet versicherte uns, dass unser Kreditrahmen nicht ausgeschöpft wurde und wir daher auf jeden Fall Geld hätten bekommen müssen. Also schrieben wir wieder fleißig eMails, wie zu erwarten war, ohne dass sich jemand meldete. Am 6.1. wurde es uns zu bunt und wir riefen selbst an, auch wenn das ziemlich teuer wird. Ich erreichte jemanden an der Hotline, der mich sogar zurückrief. Der Mann hatte allerdings keine Freude mit mir, denn er teilte mir mit, dass sie bei der Re-Aktivierung unserer deaktivierten Karten vergessen haben, bei Jörg auch wieder Guthaben frei zu schalten. Das dauert nochmals 3 Bankarbeitstage.

Am Telefon einen Mann anzumeckern, der dafür nichts kann, hat ja keinen Wert. Wir waren bisher sehr zufrieden mit der Bank, aber wir hatten sie auch nicht „gebraucht“. Dass die DKB uns in der Situation hängen lässt, hätten wir nicht gedacht und wir werden unsere Konsequenzen ziehen, wenn wir wieder zuhause sind. Hier in Südafrika sitzt die Bank am längeren Hebel und sie hat das gut nutzen können. Wäre mir das zuhause passiert, hätte ich sofort mein Konto aufgelöst. Jetzt muss ich halt noch ein bisschen warten…

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• Mittwoch, Januar 06th, 2010

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Wir sind wieder erreichbar, mal wieder mit einer neuen Handynummer:

+27 799181061

Ich bekomme heute mein iPhone wieder und damit haben wir nach langer Zeit wieder zwei funktionierende Handys. Jörgs deutsche Handynummer geht auch noch, meine alte deutsche Handynummer ist ja schon seit Mai nicht mehr aktiv.

Also, wer gerne mit uns telefonieren oder uns mit einer SMS eine Freude machen will, kann dies gerne tun, unter oben genannter Nummer.

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2 Responses

  1. 1
    EmaSteffen 

    Hallo Anja und Joerg,

    heute ist unser letzter Abend in Kapstadt und fuer die Bohnanza-Runde fehlen uns leider zwei Mitspieler 😉
    Wir hatten die acht Tage mit Euch viel Spass und haben viel gesehen. Wer haette gedacht, dass Elefanten sich so leise anschleichen koennen. Wir beiden Ornithologen haben heute Pinguinen guten Tag gesagt (und natuerlich protokoliert – oder zaehlen die nicht, Anja?).
    Die freilaufenden Strausse, die wir heute getroffen haben, wollte der Steffen nicht reiten, ich (Ema) frage mich ja warum.
    Morgen frueh noch ein letztes Strausseneiomelette, und dann gehts ab nach Hause.

    Bei Fragen ueber unsere weitere Reise (oder ueber Eure verbliebenen Gegenstaende) koennt Ihr uns gerne unter unseren Kontaktdaten erreichen 😉

    Viele Gruesse,
    Ema & Steffen

  2. 2
    Joerg 

    Hallo ihr beiden,

    wir haben uns auch sehr gefreut, mit euch zusammen die Garden Route fahren zu können, und was die Bohnanza-DoKo-Abende angeht: Es sind ja nur noch vier Wochen…

    Bis dahin,

    Anja & Jörg

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• Dienstag, Januar 05th, 2010

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Wir konnten Kapstadt natürlich nicht verlassen haben, ohne auf den Tafelberg gestiegen zu sein, wobei wir dann aber doch die Seilbahn vorzogen. Von unserem Zimmer aus, konnten wir den Tafelberg faaaast sehen. Wir sahen zumindest recht gut, ob die Tischdecke drüber lag, oder Pirat Van Hunk und der Teufel gerade eine Pause in ihrem Wettstreit einlegten. Jedes Kind weiß ja, dass der Tafelberg mit Nichten so häufig von weißen Wolken eingehüllt ist, weil sich feuchte Luftmassen vom Wasser gegen den Tafelberg drücken und dann hochgeschoben werden, wobei sie auf die kälteren Luftmassen in der Höhe stoßen und sich die charakteristischen dicken Wolke bilden, die den Berg einhüllen – akademischer Quark mit Soße! Nein! Nachdem Pirat Van Hunk sich im frühen 18. Jahrhundert nach abenteuerreichen Jahren mit fetter Beute von dem aktiven Dienst auf hoher See zurückzog und von Devil’s Peak sein Pfeifchen rauchte, während er auf den Ozean schaute, wurde er eines Tages von einem Fremden zu einem Wettstreit aufgefordert, wer mit seiner Pfeife den meisten Rauch erzeugen könnte. Der Fremde war kein anderer als der Teufel und der Legende nach, ist dieser Wettstreit immer noch nicht fertig ausgetragen und der Rauch ihrer beiden Pfeifen hüllt den Tafelberg somit immer wieder ein.

Wir wollten unbedingt auf den Tafelberg und heute war dazu auch schon die letzte Gelegenheit – morgen werden wir ja schon Ema und Steffen vom Flughafen abholen und mit ihnen nach Cape Agulhas fahren. Wir hatten also schon gestern online Cableway-Tickets gekauft und sahen heute Morgen aus unserem Fenster, dass wir uns dafür auch keinen besseren Tag hätten aussuchen können.

Nach einem kurzen Photostopp in Bo-Kaap – die Akkus waren mittlerweile beide wieder aufgeladen –, standen wir auch schon an der Schlange für die Seilbahn. Ja, richtig, wir standen an. Unsere Online-Tickets halfen uns nämlich nur darin, nicht zweimal anstehen zu müssen. Aber gut, die einstündige Wartezeit war auch irgendwann vorüber, auch wenn die erbarmungslose Glut der Sonne zu einer gefühlten Zeitdilatation führte, doch immer noch besser als hinauf zu kraxeln. … Oder doch nicht? Wie auch immer, die Fahrt mit der Seilbahn ist auch ein Erlebnis. Die Gondel dreht sich um 360°, so dass jeder mal zum Tafelberg hoch und zur False Bay runter schauen kann. Oben angekommen, tummelten sich dort bereits Touristenmassen. Auch wenn nichts anderes zu erwarten war – im südafrikanischen Sommer während der hiesigen Schulferien – für mich war ’s dennoch eine Ernüchterung. Überhaupt ist der Besuch des Tafelbergs alles in allem wenig spektakulär. Anja hatte mich vorgewarnt und ich stimme ihr zu: Man fährt hoch, weil man nun mal nicht nach Kapstadt fahren kann, ohne auf dem Tafelberg gewesen zu sein, nicht weil das Plateau selbst so reizvoll ist. Sicherlich, die Aussicht allein ist schon toll, und wenn man den Ort für sich allein hätte, wäre es sicherlich das Non-Plus-Ultra unserer Reise gewesen, so jedoch waren wir nach ca. einer Stunde schon wieder unten.

Tafelberg

Heute mal ohne Tischdecke

Entlang des Chapman’s Peak Drives, der M6, der sehr an den Highway No. 1 erinnert, nur dass es sich halt „um einen anderen Ozean zur linken“ handelt, fuhren wir zum Kap der Guten Hoffnung. Für uns ein ganz besonderer Moment: Nachdem wir genau 270 Tage und fast 44’000 km auf diesen Ort zusteuerten, standen wir nun auf einmal dort.

[Anja:] Ich hatte erwartet, dass ich heulend zusammenbreche, wenn wir am Kap ankommen, aber das Gefühl blieb aus. Es waren so viele Touristen und wir hatten irgendwie keine Zeit gefunden, durchzuatmen und den Moment zu genießen. Schade eigentlich.

Dort trafen wir auch endlich mal wieder auf richtige Overlander. Also, nicht diese LKW-Touris, sondern Selbstfahrer wie uns. Marja und Paul sind seit Anfang Dezember 2008 auf reisen und gerade die Westküste „runtergerutscht“ und wollen nun die Ostküste bis Kenia hoch und von dort nach Asien verschiffen. Es war schön, sich mal wieder mit Travellern, die so unterwegs sind wie wir, austauschen zu können. Wir hatten das zwar gerade erst zu Weihnachten mit Jan & Trevor, davor aber eine lange Durststrecke. Natürlich waren wir auch noch am Cape Point Leuchtturm. Es war sehr heiß und so belohnten wir uns nach dem Abstieg noch mit Sandwiches und ordentlich Flüssigkeit.

Kap der Guten Hoffnung

Ziel unserer Reise

Für den Heimweg wählten wir die Ostseite des Kaps und steckten dort fürchterlich im Stau. Und dies nicht einmal, weil alle zurück nach Kapstadt wollten, der Hauptteil des Verkehrs fuhr in andere Richtungen und als wir nach Sonnenuntergang endlich Kapstadt erreichten, waren die Autobahnen bereits leer. Wir brauchten für 9 Kilometer ca. 90 Minuten, heftiger war da nur Kampala, wo wir für 3,5 km 90 Minuten brauchten (dabei etwas über 200 m in 20 Minuten). Doch die Brillenpinguine, die wir auf unserem Rückweg noch in Boulders anschauten, entschädigten uns hinreichend.

Pinguine am Kap

Brillenpinguine

Im Guesthouse angekommen, parkten wir nur kurz, zogen uns schnell um und gingen dann essen. Wir wollten das karibische Restaurant ausprobieren, das vorgestern geschlossen hatte. Auf dem Weg dahin fanden wir zufällig einen Inder und das war der „Sudden Death“ für den „Karibianer“. Wir sind gestern schon an dem Haus vorbei gegangen, da wirkte es regelrecht ausgestorben. Es sah eher wie ein Haus aus, wo mal ein Inder drin war und das Restaurant aber irgendwann pleite gegangen ist. Glücklicherweise war alles anders, denn das Essen war vorzüglich.

[Anja:] Wir hatten Biryani Reis und ein vegetarisches Gericht mit Nüssen. Mein Essen war allerdings unerwartet scharf und da ich sowieso nicht damit umgehen kann, brauchte ich lange, um das Essen zu mir nehmen zu können. Und viel Wasser. Selbst meine Lippen brannten…

 

 

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• Montag, Januar 04th, 2010

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Nach dem gestrigen „Tag der inneren Inkehr“ wollten wir raus! Für heute hatten wir eine Township Tour bei Johnny gebucht (+27 (0)82 8204946) für 325 Rand pro Person. Uns hat die Tour sehr gefallen und deshalb können wir Meljo Tours uneingeschränkt weiterempfehlen.

Unsere Gruppe war recht klein, außer uns beiden waren nur noch zwei Holländerinnen mit von der Partie. Wir wurden von Johnny an unserer Cape Deco Lodge abgeholt und von dort ging es zunächst zum District Six. Bereits an dieser Stelle mussten wir leider bemerken, dass Anjas Kameraakku leer war und der Ersatzakku in der Lodge lag. [Deshalb gibt es zunächst nur wenige Bilder dieser Tour, vielleicht kriegen wir noch die Bilder der Holländerinnen, dann werden wir diese nachreichen. Die paar, die hier beigefügt sind, haben wir einen Tag später auf dem Weg zum Tafelberg gemacht.] District Six ist eine riesige, heute nach wie vor größtenteils brachliegende Fläche mitten in Kapstadt. Coloureds wurden aus diesem Areal in den 60ern und 70ern Jahren des letzten Jahrhunderts vertrieben, um dies zu einer Whites-Only-Gegend zu machen. Bis auf manche der Kirchen und Moscheen wurde abschließend das ganze Gebiet mit Bulldozern abgerissen und planiert, doch District Six wurde nie zu einem Whites-Only-Wohngebiet, so dass noch heute einsame Gotteshäuser auf weiter Flur zu bestaunen sind. Mehr Informationen über District Six kann man in dem District Six Museum erfahren, was auch unsere nächste Station war. Das Museum ist nicht groß, aber sehr beeindruckend. Man bekommt einen Einblick, wie das Leben in District Six vor der Planierung gewesen sein muss.

Die nächste Station war der Stadtteil Bo-Kaap, dem Viertel der Malayen. Auf dem Weg dahin bekamen wir noch eine kleine Stadtrundfahrt inklusive. Unser Weg führte uns unter anderem am High Court, wo noch zwei Bänke, eine für Weiße und eine Nicht-Weiße, stehen und an dem Platz des ehemaligen Sklavenbaums vorbei, unter dem früher Sklavenversteigerungen durchgeführt worden sollen sein. Vom Baum selbst sieht man allerdings nichts mehr, den denkwürdigen Ort, wo der Baum stand, weist lediglich eine Gedenktafel aus. Nachdem im 19. Jahrhundert die Sklaverei offiziell abgeschafft wurde, gab man den ehemaligen Sklaven einen Platz zum Leben am Fuß des Tafelbergs, und so wurde das heutige Viertel „Bo-Kaap“ gegründet. Intensive Farben zeichnen dieses aus und man kommt um Postkartenmotive nicht herum.

Kapstadt und Bo-Kaap

Schöne Stadt am südlichen Zipfel

Nun ging ’s aber endlich ab Richtung Townships. Wir fuhren nach Langa und machten dort einen kleinen Rundgang durch das Township. Es gab gänzlich unterschiedliche Häuser und Straßen, von kleinen Hütten mit Wellblechdach auf platt getretenen Lehmwegen bis zu großen Einfamilienhäusern entlang asphaltierter Straßen war alles vertreten. Was uns am meisten überraschte war, dass gerade viele dieser besseren Häuser gar nicht übermäßig mit Stacheldraht und hohen Zäunen gesichert waren, wie man es sonst so häufig sieht. Überhaupt fühlten wir uns in dem Township nicht unsicher oder unerwünscht, aber es wird natürlich nicht grundlos sein, dass jeder Reiseführer davor warnt, einfach selbst in ein Township zu fahren ohne Begleitung eines Ansässigen, wir fünf hatten gleich drei (!) Begleiter. Das hatte sich aber diesmal einfach so ergeben, Johnny macht die Touren sonst auch nur mit einem Begleiter und hatte noch nie Probleme. Er achtet allerdings auch vieles im Vorfeld: bestimmte Gegenden meiden, Touren nur vormittags (wenn weder Gangs noch Alkoholisierte unterwegs sind) etc.

Township

Township

Von Langa ging ’s es ins Nachbar-Township Guguletu und dort zum Amy Biehl Memorial und dem Guguletu Seven Memorial. Amy Biehl war eine US-amerikanische Studentin, die 1993 ein Jahr in Kapstadt studierte und dort von PAC-Anhängern erstochen und gesteinigt wurde; die PAC-Anhänger hatten eines Morgens die Gegend, in der Amy Biehl als Street Workerin arbeitete, zu einer No-Go-Area für Weiße erklärt. Ihren Hinweg hatte sie wie jeden Morgen unbeschadet durch das Township nehmen können, von ihrem Rückweg kehrte sie nicht zurück, denn sie konnte von dieser „Änderung“ im Laufe des Tages nicht mehr rechtzeitig erfahren. Die Guguletu Seven andererseits waren schwarze Aktivisten, die 1986 unter einem Vorwand von in eine Falle gelockt und von südafrikanischer Sicherheitspolizei erschossen wurden. Sowohl die PAC-Anhänger als auch die Sicherheitspolizisten haben Amnestie von dem Wahrheits- und Aussöhnungskomitee gewährt bekommen.

Bevor wir von Johnny wieder vor unserem Backpackers Place in Woodstock abgesetzt wurden, ging es abschließend noch zum Township Information Center in Guguletu. Für einen Besuch einer lokalen Township-Bar mit selbstgebrautem Sorghum Bier war leider keine Zeit mehr.

Was nun? „Füße hochlegen“ war gestern, also sind wir danach noch los zur Waterfront. Wir fuhren wieder bis zum Bahnhof und liefen den Rest, was keine so gute Idee war (es war weit, heiß und es gab kaum Fußgängerwege), aber wir kamen dennoch an, nachdem wir die Ausfahrt der Schnellstraße erstmal überquert hatten… Die Waterfront ist sehr touristisch und vergleichsweise teuer. Dennoch hätten wir hier genügend Souvenirs kaufen können, wenn wir nicht unsere persönliche Kredit(bank)krise erlebt hätten. So saß das Portmonee fest in meiner Tasche und wurde zu Anjas und meinem Leidwesen nur spärlich gezückt – Anja trauerte der verpassten Gelegenheit zum Souvenir-Shopping nach und ich bereute, im Cape Union Mart nicht noch das ein oder andere Camping- oder Outdoor-Gadget kaufen zu können, doch wenn wir die Zeche in unserer Cape Deco Lodge nicht prellen wollen, müssen wir die restlichen Tage mit dem vorhandenen Geld auskommen…

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• Sonntag, Januar 03rd, 2010

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Dies war also der Tag! Der Tag, der uns an das „formale Ziel“ unserer Reise führen sollte. Wenn ich in Deutschland gefragt wurde, wohin denn die Reise führen sollte, so sagte ich meist: „Wir fahren soweit in den Süden, bis wir gegen den Tafelberg stoßen.“ Für uns ist es natürlich noch nicht das Ende der Reise – wir haben noch sechs Wochen – also nochmals einen ganzen Jahresurlaub (!), aber gefühlt neigt sich spätestens mit Erreichen Kapstadts doch etwas dem Ende. Wenn beim Fahren die Gedanken zu wandern anfangen, realisieren wir beide schon seit geraumer Zeit, dass die sich immer häufiger um unsere Heimkehr drehen. Ich vermisse, die Unbeschwertheit und gedankliche Freiheit, wie wir sie das erste Mal richtig in der Türkei erfahren haben: Da waren wir bereits lang genug unterwegs, um zu realisieren, dass unsere Auszeit keine normale Reise ist, hatten aber noch soviel Zeit vor uns, dass ein Ende nicht in Sicht war. Damit erschien die Reise endlos und das machte unsere Initiative Rückenwind für uns ungreifbar. Dieser Zustand hielt bis Uganda an, wo wir in Kampala einen Reisezeitplan aufstellen. Er war notwendig, damit wir wirklich noch alles sehen konnten, was wir in den letzten Wochen auch gesehen haben, doch leider erdete uns dieser Plan viel zu früh. Pläne kennen einen Anfang und ein Ende, gefühlt hatte unsere Reise doch bisher nur einen Anfang. Im vorgezogenen Rückblick gehört dieser Zustand „bewusster Unbegreiflichkeit“ für mich zu den freiesten Momenten auf der Reise und – so sehr ich mich jetzt doch wieder auf zu Hause freue –, an dieser gedanklichen Freiheit würde ich mich seit dem Tag in Kampala gerne nochmals laben.

[Anja:] Dem kann ich nichts hinzufügen 🙂

Wir brachen früh von Stellenbosch auf, da wir uns den Ministrels Carnival anschauen wollten. In weniger als einer Stunde waren wir von unserem Hotel in Stellenbosch an unserem Backpackers Place in Woodstock, der „Cape Deco Lodge“ (bei S 33° 55.901’, O 18° 27.158’) angekommen. Wir erkundigten uns, wie wir am besten in die Stadt kämen und man pries uns die Mini-Busse an. Die Cape Deco Lodge liegt sehr zentral, es sind nicht mal drei Kilometer bis zum Hauptbahnhof, der mittig in Kapstadt liegt. Alle Mini-Busse fuhren zum Hauptbahnhof, wir konnten also gar nicht einen falschen erwischen. Wir erkundigten uns noch nach dem lokalen Preis (5 Rand pro Person), doch das wäre nicht nötig gewesen: Kein Kassierer versuchte, uns mehr als den üblichen Fahrpreis abzunehmen.

Mit dem Karnevalbesuch verletzten wir den Traveller-Codex Nr. 1: Wir gingen in dichtes Gedränge und Menschenansammlungen, aber wir konnten uns diesen Tag natürlich nicht entgehen lassen. Der Ministrels Carnival findet nur am 2. Januar statt und wann ist man schon mal an diesem Tag in Kapstadt? Wir sahen eine Weile von vor dem Rathaus zu, bis es uns da zu eng und zu anstrengend wurde und wir wieder heim wollten. Der Umzug zieht sich den ganzen Tag hin und ist von unseren Karnevalsumzügen sehr verschieden: Im Wesentlichen gibt es hier nur Marching Bands und Tänzer, so dass es für mich dann doch recht schnell uninteressant wurde, doch Anja war die ganze Zeit ganz gebahnt und fasziniert.

Ministrels Carnival

Ja, ist denn heut schon Fasching?

Auf unserem Heimweg fanden wir jedoch eine andere Stelle, wo sich die unterschiedlichen Karnevalsgruppen von den Bussen absetzen lassen und ihre Reise durch die Stadt beginnen. Hier war es viel entspannter, weil es noch kaum Zuschauer gab. Die Gruppen waren aber bereits hier bereits bester Dinge. Anja hat davon ein kleines Video zusammengestellt.

Get the Flash Player to see the wordTube Media Player.

Es war ein heißer Tag in Kapstadt und wir waren froh, als wir am Pool der Cape Deco Lodge den Nachmittag und Abend ausklingen lassen konnten. Wir hatten uns dafür noch zuvor etwas Obst geholt und genossen unseren „Gourmet-Obstsalat“.

Den nächsten Tag hakten wir die wichtigsten Dinge unserer To-Do-Liste ab: unseren Heimflug buchen (Damit hat das bisher nur gefühlte Ende nun sogar einen Termin, 16.2.), eine Township Tour buchen (Wir hatten in der Lodge gefragt und die waren auch sehr hilfreich und haben uns eine Tour anbieten können. Allerdings sollte die 500 Rand pro Person kosten und das schien uns ein wenig übertrieben, da wir zuvor bereits uns im Netz ein wenig umgeschaut hatten und dort 300 – 400 Rand die Normalität waren.) und unseren Blog mit neuen Artikeln füttern. Das hatte zwar den ganzen Tag gebraucht, war aber auch nicht so schlimm, da wir noch ganz im tranquil mode unseres Stellenboschbesuchs waren. Wir fragten an der Rezeption noch nach einem netten Restaurant, „da gäbe es nicht allzu viel“, sagte man uns, „ein karibisches Restaurant sei ein paar Blöcke die Straße hoch.“ Doch leider ist heute Samstag und damit waren mal wieder alle Restaurants in der Nähe geschlossen. Wir landeten in einer Pizza-Fast-Food-Kette. Die Pizzas waren lecker, aber einfach zu groß für uns. Als da jemand durchs offene Fenster bettelte, dass er uns seine Kinder Hunger habe, gaben wir ihm die restliche Pizza. Sonst geben wir Bettlern eigentlich nichts, hier haben wir mal eine Ausnahme gemacht und die werden wir so schnell wohl auch nicht wieder tätigen, denn ihn wurden wir danach so schnell nicht mehr los, und die Pizza wollte er eigentlich auch nicht, Geld ist schließlich handfester…

 

 

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• Samstag, Januar 02nd, 2010

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Nach einem stärkenden Frühstück und ein paar Minuten Internet zogen wir vom Wild Spirit weiter. Unsere heutige Etappe war wieder über 500 km lang. Wie groß doch Südafrika ist im Vergleich zu Deutschland. Wir fahren drei Tage, um von Matatiele, das nicht mal an der Ostküste liegt, bis nach Stellenbosch, was zumindest recht nahe an der Westküste liegt, zu gelangen. Schnellere Autos schaffen die 1500 km auch an zwei Tagen; theoretisch ist auch ein Tag machbar, aber bei dem Verkehr (vor allem entlang der Garden Route und vor allem zur Sommer-Hauptferien-Zeit) wenig realistisch. Wer kein Problem mit Nachtfahren hat, für den rückt das Ziel jedoch wieder greifbar nahe, wobei Nachtfahrten hier allerdings deutlich riskanter ist als auf deutschen Autobahnen: Auf der großen N2 ist es weniger ein Problem als auf den kleineren Nebenstrecken, doch auch hier muss man verstärkt mit Personen oder Tieren auf der Straße oder jederzeit mit betrunkenen Fahrern rechnen, die einem auf der eigenen Spur entgegenkommen. Als wir in Stellenbosch ankamen, haben wir für die Strecke ca. 24 h gebraucht (allerdings inkl. weniger kurzer Pausen sowie eines Game Drives durch den Addo Elephant Nationalpark). Für die Strecke Hannover – Stuttgart haben wir selbst bei dichtem Verkehr keine acht Stunden gebraucht. Für Deutschland ist das schon fast eine Strecke in kompletter Nord-Süd-Ausrichtung, in Südafrika kommt man damit nicht weit.

Die Garden Route zu fahren war schön, doch für uns derzeit nur Mittel zum Zweck, da wir die nächsten Tage mit Steffen und Ema noch genügend Zeit haben werden, diese ausgiebig zu befahren. Kurz nach Caledon – ohne größere Zwischenstopps – bogen wir deshalb ab in die Winelands. Wir fuhren am Theewaterskloof Dam entlang, über den Franschhoek Pass und durch das frankophile Kleinod selbst, Franschhoek, hindurch, um nach Stellenbosch zu gelangen. Wir hatten bereits vor Tagen ein Doppelzimmer im d’Ouwe Werf Hotel (S 33° 56.274’, O 18° 51.720’) gebucht – zu Sylvester wollten wir uns etwas gönnen…

Wir aßen noch etwas im nahegelegenen Beads Restaurant und erkundigten uns bei der Rezeption nach der ihrer Meinung nach besten Möglichkeit eine Weintour zu machen. Da wir beide etwas davon haben wollten, schied selbstfahren aus. Bleiben zwei Alternativen: uns per Taxi von Weingut zu Weingut kutschieren zu lassen oder gleich auf einen der vielen Weintour-Anbieter zurück zu greifen. Wir entschieden uns für letzteres. Ich erstellte eine Liste von Weingütern, die für uns wichtig waren, schrieb noch drei Fragen dazu („Lunch included?“, „Pick-up point?“, „Price?“) und ließ die Rezeption mal machen. Unbedingt sehen wollten wir: Simonsig, Zevenwacht und Vergelegen. Interessant fanden wir zudem: Beyerskloof, Delheim, Hartenberg, Jordan, Kleine Zalze, Kings Kloof, Meerlust und Warwick. Ich hatte der Dame an der Rezeption erklärt, dass wir mindestens zwei unserer „Unbedingts“ besuchen wollen und gerne noch zwei unserer „Interessants“ sehen würden. Später rief sie an, dass sie uns eine Tour gebucht hätte mit den Weingütern: Tokara, Thelema, Rustenberg, Muratie mit Mittagessen in Delheim. … Man muss halt auch delegieren können… Sie erklärte uns, dass unsere Wunschliste zu weit verstreut sei und daher nur eine private Tour in Frage gekommen wäre, die so kurzfristig aber leider nicht auf die Beine gestellt werden konnte. Gut, vielleicht schaffen wir es ja auch von Kapstadt nochmals hier her. Die Weintour war auch so ein voller Erfolg und obwohl wir eigentlich gar keinen Wein kaufen wollten – wir müssen den schließlich noch ein Weilchen mit uns rum führen –, kauften wir doch vier Flaschen plus ein Fläschchen Olivenöl.

Wine Tasting Tour

Lekker Stellenbosch

Wir kamen am späten Nachmittag zurück, Anja ruhte sich etwas aus und ich surfte und schrieb Mails. Viel freie Zeit hatten wir nicht, denn abends mussten wir es uns ja schon wieder gut gehen lassen, beim Hotel-Dinner.

Stilvolles Ambiente

Stilvolles Ambiente

[Anja:] Für alle kulinarisch Interessierten…

  • Aperitif: Lime and Strawberry infused Sangria
  • Vorspeise: Smoked Chicken Tian, layered with roasted Peppers & served with sweet chilli sauce OR Kudu Carpaccio with roasted & marinated Vegetables with Vinaigrette (wir haben beides genommen)
  • Hauptgang: Fan Fillet with Youngberry Sauce served in Cinnamon Sweet Potato
  • Nachspeise: Honey & Rum grilled Nectarines with Mascarpone & Berries OR Strawberry Shortbread Tartlets with Mascarpone (auch hier haben wir beides genommen)
Sylvester Dinner

Sylvester Dinner

Gegen halb Zwölf sind wir dann raus auf die Straßen Stellenboschs, aber das Studentenstädtchen zeigte sich während der Sommerferien sehr feiermüde. Die Straßen waren leer und in den wenigen offenen Bars, die wir um unser Hotel fanden, saßen auch nur kleine Grüppchen zusammen. Anja und ich fanden somit problemlos einen Platz und gönnten uns eine kleine Flasche Champagner zum Anstoßen. Sylvester hier in den Winelands war ruhig und entspannt, vielleicht ein kleines bisschen zu ruhig, aber das richtige, um auszuspannen.

Prosit Neujahr!

Prosit Neujahr!

Das Frühstück am nächsten Tag war wohl eher ein „Spätstück“ und wir verbrachten den heutigen Neujahrstag wie den gestrigen: entspannt und very laid back mit Laptop am Pool. Abends hatten wir uns mit einem Kollegen meinerseits, Georg, und seiner Frau zum Essen im Asara Wine Estate verabredet. Der Abend verging wie im Fluge und wir merkten nicht, wie es mittlerweile bereits kurz vor elf geworden ist.

[Anja:] Auch hier gab es vorzügliches Essen. Ich hatte Springbok Fillet, das so zart zubereitet war, dass es auf der Zunge verging, dazu gab es einen Serviettenknödel. Jörg genoss eine Ente und zum Nachtisch gab es Ziegenkäse-Törtchen mit Karamell und Eis und eine große Portion Kaiserschmarrn. Klingt hier natürlich unheimlich normal und witzlos, war aber alles köstlich und raffiniert gekocht. Kein Wunder, der Koch ist ein deutscher Michlin-Sterne-Koch (dessen Namen ich allerdings wieder vergessen habe 🙁 )

Morgen geht ’s dann weiter nach Kapstadt. Unser Aufenthalt in Stellenbosch hat unseren Budgetrahmen deutlich gesprengt, doch kann es dafür einen besseren Anlass als den Jahreswechsel geben? 2009 stand vollends im Zeichen unserer Reise (wenn auch anfangs nur durch Vorbereitungen) und wir wollten dafür einen geeigneten Ausklang finden. Auch wenn die Reise nicht durchgängig entspannt und ruhig war, wollten wir dieses Jahr Sylvester genauso verbringen und da hat uns Stellenbosch nicht enttäuscht.

 

 

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