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• Donnerstag, Dezember 10th, 2009

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…großen Weiten

Neben all den Menschen, die hier leben, gibt es hier auch noch Natur. Und zwar mehr als man sich vorstellen kann. Da wir recht zeitig in Namibia angekommen sind und dem Regen voraus sind, können wir über einige Strecken fahren, die in wenigen Wochen schon unpassierbar sein dürften. Wir fuhren über den Caprivi-Streifen hinein ins Ovambo-Land, dann rauf ins Kaokoveld und runter ins Damaraland, an die Küste, ins Landesinnere und schließlich in den rauen Süden.

1_2_Namibia

Was auffällt sind die Weiten, die das menschliche Auge kaum erfassen kann. Im Norden ist es sehr hügelig und von mancher Bergspitze sieht man bis zum Horizont auf plattes oder bergiges Land. Die Erde ist oft Rot,1_1 darauf grüne Bäume – ein schönes Farbenspiel. Besonders beeindruckend ist der Block von Ruacana nach Angola, wo grüne Wälder einfach nicht aufhören wollen. Kommt man ans Meer, an die Skeleton Coast, dann erschließt sich hier wieder ein anderes Bild. Heller Wüstensand, bewachsene und kahle, kleine Dünen, bedeckter Himmel und ein sehr lebendiges Meer. In Windhoek ist es wiederum sehr trocken und staubig, dafür konnten wir hier seit langem mal wieder Regen auf der Haut spüren. Sossousvlei mit seinen roten Dünen und der Fish River Canyon mit seiner Größe beeindrucken jeden Naturliebhaber.

Zu unserer großen Freude können wir hier auch wieder mit Decke schlafen, denn die Nächte werden kühler. Tagsüber bleibt es allerdings heiß. Die Tage werden auch wieder länger und wir haben mehr vom Tag.

…großen Meinungsunterschiede

In Namibia stellt man sich uns zunächst so vor: „ach, Ihr kommt aus Deutschland? Wir sind auch Deutsche. 5. Generation!“, voller Stolz erfüllt. Dann fragt man uns, woher wir kommen und wir bekommen auf unsere Rückfrage die Antwort: „wir kommen aus Preußen“. Hmm, das ist lange her.

Wenige Tage später geraten wir zu einem Campingplatz, der für sein Essen bekannt ist. Wir hatten eine lange Fahrt hinter uns und wollten nicht lange suchen, zudem sind in der Gegend die Farmen riesig und man muss ewig fahren, bis man zur nächsten Haustüre gelangt. Der Campingplatz glänzte nicht gerade von Schönheit, leider auch nicht der Charakter des Besitzers. Er kümmerte sich sehr um uns, aber nicht so wie wir uns das vorgestellt hatten. Wir bekamen nämlich einen Vortrag darüber, wie schlecht alles sei in Namibia. Schuld ist zunächst die Regierung, die alle Schwarzen bevorzöge und keine Ahnung vom Regieren hat. Hier schwingt Frust mit, zusammen mit der Unzufriedenheit über Regierungen, die man in jedem Land findet. Aber das ließ sich noch steigern. Er ließe sich nicht enteignen, bevor ein ***** (das Wort, das er für “Farbiger” verwendete, schreibe ich hier lieber nicht) sein Land betrete, erschieße er ihn. Kurz darauf hatte er sein Pistolenhalfter umgelegt. Und als wäre das alles nicht genug, die Schwarzen sind ja an allem Schuld. Ein bisschen auch die Südafrikaner. Er verwendete Schimpfworte, die ich nur aus Büchern kannte und Vorurteile, sie mich sehr an eine Zeit in Deutschland erinnerten, die zum Glück schon lange vorbei ist. Ich war erschrocken. Über so viel Engstirnigkeit und dass so jemand herumlaufen kann und mit seiner Meinung harmlose Touristen behelligt. Erschrocken auch darüber, dass ich mir vorstellen musste, dass er wahrscheinlich nicht der Einzige in Namibia ist, der so denkt. Ach ja, sein Plan ist, in Namibia alles aufzugeben und dann zurück nach Deutschland zu gehen (das er in den 60ern verlassen hatte). Ob er da glücklicher wird?

2_1 Ein paar Tage später treffen wir wieder einen Deutschen, der in Namibia arbeitet. Er erzählt und wir erzählen, und wenns um Farbige geht, sind’s die „Neger“. Wie bitte? dachte ich. Mir verging die Lust am Gespräch.

So schön Namibia auch für uns ist, die wir 7 Monate weg sind von zuhause und uns zunächst auf alles „deutsche“ stürzen, wie Kinder im Spielzeugladen, aber wie engstirnig manche Leute sind, die hier leben, hat mein Bild von Namibia ziemlich getrübt.

Namibia zeigte sich uns zu Beginn nicht gerade positiv. Wir hatten solche Menschen, wie ich eben beschrieben hatte, nur in den ersten Tagen getroffen – leider genau die Zeit, in der man sich sein erstes Bild über ein Land macht. Hoch oben im Norden an der Grenze zu Angola, in Windhoek und im Süden hatten wir das nicht mehr erlebt. In Keetmanshoop trafen wir mit dem Manager des Quiver Tree Restcamps sogar mal jemanden, der sagte: „uns geht es hier besser als in vielen anderen Ländern“. Nach unseren Erfahrungen in den ersten Tagen waren wir extrem hellhörig, wenn wir mit jemandem sprachen, der über sich und seine Leben in Namibia sprach und vielleicht waren wir ein wenig überempfindlich. Mag sein, dass uns in anderen Ländern die Leute das gleiche erzählt hätten, wenn sie unsere Sprache gesprochen hätten. Hier hatten wir den Eindruck, dass viele Namibianer denken, in Deutschland ist alles besser und dass sie mit ihrer Meinung auf offene Ohren stoßen. Bei uns waren sie definitiv an falscher Stelle. Ich will Namibia wie es sich uns dargestellt hat, nur ehrlich darstellen. Ich will damit auch nicht ausdrücken, dass in Namibia nur Rassisten leben. Wir trafen ein paar, aber es sind sicher nicht alle so.

…deutschen Touristen

Namibia ist an manchen Stellen leider deutscher als es sein müsste. Es scheint nämlich, dass Namibia DAS Reiseziel Nr. 1 für deutsche Touristen ist. Andere Nationalitäten sind hier kaum vertreten. Wir ziehen diese Touristen an wie ein Magnet. Man sieht unser Nummernschild und schon steht einer am Auto – meist Männer zwischen 50 und 60 – und fragt ganz ungläubig: „ist das Ihr Auto oder ist das gemietet?“ – „Ja, das ist unseres (ist wahrscheinlich nicht unmöglich, aber eher umständlich ein Auto mit deutschem Kennzeichen in Namibia zu mieten)“ – „Haben Sie das hierher geschifft?“ – „Nein, wir sind gefahren.“ – ein ungläubiges Gesicht schaut einen an und dann kommen die Fragen zur Route. „Und, Probleme gehabt?“ – Welche Probleme meint er denn genau? – „Naja, mit dem Auto?“ – Das können wir zum Glück verneinen, der Experte versteht das natürlich, dann Landcruiser sind ja auch in Europa für ihre Robustheit sehr bekannt 😉 – „Und, was geklaut worden?“ – Auch da schaut jeder erst mal komisch, wenn wir erzählen, dass wir meist gastfreundlich aufgenommen wurden und uns noch niemand einen Schaden zugefügt hat, weder uns noch dem Auto. Ein freundliches „Gute Reise“ beendet das Gespräch.3

In irgendeinem Buch haben wir gelesen, dass dem Deutschen nichts peinlicher ist, als im Ausland auf Reisen als Deutscher erkannt zu werden. Aber warum erkennt man sie dann auf den ersten Blick? Vielleicht liegt es am Safari-Look, den hier jeder trägt. Khaki-Hose, kariertes Outdoor-Hemd, Schlapphut oder khakifarbene Baseballcap, helle Socken und beige Schuhe, dazu die Kamera (in allen Größen vertreten) um den Bauch hängend. Jan meinte einmal, dass selbst wir Overlander im Ausland kein gutes Bild abgeben, Einheimische müssen denken, dass man in Europa nur Khaki-Wear oder verschwitze, dreckige Sachen trägt. Das ist nämlich eher das, was wir tragen. 🙁

Besonders schön an deutschen Touristen ist, dass man sie jetzt auf einmal so gut versteht. Bisher konnte man das Sprachen-Gebrabbel irgendwie ausblenden, wenn man es nicht hören wollte, hier geht das nicht. Leider wissen die meisten Touristen alles besser und haben überhaupt kein Schamgefühl, wie wir bei einem Besuch im Himba-Dorf feststellen mussten. Da wurde die Kamera auf 1m nah in das Gesicht der „exotischen Fremden“ gehalten. Und dann hinterher im Auto gemeckert, was der Führer alles nicht wusste.

Ich hoffe, mir nimmt von unseren treuen Lesern keiner übel, wie ich hier mit der Gruppe „deutscher Tourist“ abrechne. Ich bin ja selbst einer und versuche es mit Humor zu nehmen. Vielleicht denkt jeder Mal darüber nach, wie er selbst auf einer Reise auftritt (beige Safari Hose, Kamera vor dem Bauch, …) und lacht dann drüber. Wenn dann noch das Gemecker und Bessergewisse aufhört, dann hab ich was erreicht. 😉

…deutschen Küche

4Nach sieben Monaten reisen durch ferne Länder kommen wir in Namibia unserer Heimat vor allem durchs Essen wieder ein bisschen näher. Wir können hier diverse Sorten Käse kaufen, die keine Cheddar-Art sind, es gibt Wurst wie z.B. Schwarzwälder Schinken, Kochschinken, Salami und in den Restaurants gibt es fast überall Schnitzel auf der Karte. Besonders gut tat es unserem Magen in Swakopmund im Brauhaus, als wir Wildragout mit Spätzle aßen (okay, die Spätzle wurden definitiv nicht von einem Schwaben gemacht, aber sie waren trotzdem okay) und in Outjo, als wir Brötchen mit Wurst und Käse bekamen und dazu eine Schwarzwälder Kirsch Torte.

Es ist schon komisch, wenn man so weit weg von zuhause ist und dann Essen wie aus der Heimat bekommt. Auch wenn wir gerne die lokalen Spezialitäten gekostet hätten, stürzten wir uns in Namibia (nach so langer Entbehrung) auf alles Bekannte.

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