Archive for ◊ September, 2009 ◊

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• Montag, September 28th, 2009

Unser nächstes Ziel ist der Kilimanjaro, etwa 1200 Kilometer von Kigali entfernt. Der Weg führt uns dabei durch Tansania und ein Stück, das touristisch vollkommen unerschlossen ist. Wir sehen also ein paar Tage stures, wahrscheinlich langweiliges Fahren vor uns.

Recht früh verließen wir das Okapi Hotel in Kigali und machten uns auf zur Grenze. 140 km durch Dörfer und vorbei an riesigen Bananenplantagen. Weil die Landschaft zwar schön und grün, aber doch etwas einseitig ist, schalteten wir mal wieder ein Hörbuch ein: „The Hobbit“.

[Jörg:] Danke, Stefan. ;-)

Die ruandische Seite der Grenze hatten wir schnell abgehakt, wieder ohne Kosten. Es folgte die Fahrt über eine Brücke über die Rusumo Falls (siehe Bild) und schließlich die tansanische Seite. Hier kamen natürlich sofort Geldwechsler auf uns zu, aber wir wollten sie noch nicht in Anspruch nehmen. Wir wollten eigentlich lieber in Britischen Pfund bezahlen, denn wir hatten nur noch 58$. Der vorgeschlagene Wechselkurs lag allerdings bei 1:1 und damit hätte das Immigration Office einen saftigen Gewinn gemacht. Wir gaben also unsere letzten Dollars aus, um dann herauszufinden, dass 1 (!) Visum 50 $ kostet. So, jetzt hatten wir keine Dollar mehr, und tansanische Schilling wollten sie nicht haben. Wir gingen zu den Geldwechslern und tauschten bei ihnen, um das zweite Visum bezahlen zu können.

Die Rusumo Falls

Die Rusumo Falls

Während dieser ganzen Diskussion kam ein Herr in das Amt, der uns auf Deutsch ansprach. Es stellte sich heraus, dass er Straßenbauer bei Strabag ist und gerade von einem Auftrag aus Tansania zurück nach Ruanda fuhr. Er erzählte uns auch, dass all die wunderbaren Straßen in Ruanda von Strabag gebaut wurden – deswegen fanden wir die also so gut. :-) In Tansania seien die Straßen auch nicht so schlecht, was für uns eine wichtige Information war. Anhand dessen können wir besser planen, wie viele Kilometer wir am Tag schaffen. Er gab uns noch einige Tipps, wo wir Geld holen können und wo wir am besten fahren können und dann trennten wir uns wieder.

Wir waren noch nicht ganz fertig mit unseren Behördengängen, die Carnet musste nämlich noch abgestempelt werden. Dort die nächste Überraschung: schon wieder 25 $ fällig. 20 $ für das Foreign Vehicle Permit und 5 $ für irgendwelche Steuern, die wir nicht verstanden. Wir suchten und suchten und fanden glücklicherweise noch ein bisschen Geld. Das war wieder ein Grenzübergang, der ein tiefes Loch in unsere Tasche reißt.

Die Fahrt danach war so einseitig wie auf der ruandischen Seite. Die Landschaft änderte sich in Savanne, die Menschen bettelten wieder. Die nordwestliche Gegend Tansanias ist touristisch vollkommen uninteressant, weswegen es auch kaum Vorschläge für Übernachtungsmöglichkeiten gibt. Wir mussten auf die Waypoints in unserem Navi zurückgreifen und hier gab es zwei Alternativen: eine Lodge und ein Motel. Wir zogen die Lodge vor und fuhren gegen 18 Uhr in ein Dorf namens Bukome. Nachdem wir erst am falschen Haus hielten und dort keiner englisch sprach, fuhren wir noch eine Ecke weiter und siehe da, da war die „Lodge“. Der Hausherr meinte, es sei kein Problem, wir können bei ihm parken. Wir müssten auch nichts bezahlen, da wir ja auch keinen Raum benutzen, die Toilette durften wir aber verwenden.

Wir waren sehr erschöpft und überwältigt von diesem Angebot. Wir parkten im Hof und kochten Spaghetti. Sobald es dunkel wurde, verzogen wir uns ins Bett. Wir hatten über Nacht sogar einen Wachmann, der sich direkt neben unser Auto setzte.

Unsere Weiterfahrt war unspannend. Wir passierten Shinyanga und gelangten auf exzcellenten Straßen nach Singida. Hier konnten wir unseren Geldbeutel und die Tanks auffüllen. Wir waren sehr verwundert, als wir hier feststellten, dass wir offensichtlich wieder eine Stunde früher sind. Der Auszug vom Geldabheben meldete 1 Stunde Unterschied zu all unseren Uhren bis auf das Navi und das Handy. Das könnte auch der Grund gewesen sein, dass unser Handy-Wecker am Morgen uns nicht weckte.

[Jörg:] Die Straße bis hierher ist sehr gut: Asphaltiert und Schlaglöcher gibt es selten bis gar nicht und das auf fast 620 km.

An der Tankstelle fragte ich nach der weiteren Strecke. „Oh, that’s a tough road. It’s 150 km to Babati and you will need 3 to 4 hours.“ Hm, unsere Hoffnungen auf fleißige Chinesen und gute Straßen schwanden. Und leider war die Straße wirklich so schlimm. 3 Stunden später kamen wir kurz vor Sonnenuntergang in Babati an und suchten nach einem bewachten Parkplatz zum Schlafen. Wir fanden wieder eine Lodge, „White Rose Lodge“, die uns aufnahmen. Wir fragten, ob wir hier parken und im Auto schlafen könnten. Kein Problem, war die Antwort. Dann fragten wir, ob wir was dafür bezahlen sollen. Und das brachte sie erst mal auf die Idee. Ein Jüngerer schloss sich mit dem Älteren kurz und sie beschlossen: 2000 Schilling (etwa 1,10 Euro). Gut, wir stimmten zu. Also wir ausstiegen, kamen sie mit dem Geld allerdings wieder zurück und meinten, nein, sie möchten doch kein Geld. Wir waren sehr überrascht über die Gastfreundschaft und bedankten uns mehrfach. Und weil das so nett war, aßen und tranken wir noch was bei ihnen bevor wir ins Bett verschwanden.

 

 

Der nächste Morgen begann wieder recht früh, aber entspannt. Wir machten uns Rührei und Kaffee und genossen die Sonne. Auf einmal stand der Junge von gestern Abend wieder da und meinte, wir sollen jetzt doch bezahlen für die Security in der Nacht: 2000 fürs Auto und – ähm… – 3000 für uns. Alles klar. Wir haben bezahlt, denn für uns sind das auch nur 2,50 Euro, und aber ich habe ihm ins Gewissen geredet, dass das nicht in Ordnung ist, was er da mit uns macht. Ich fand das nicht in Ordnung, denn es kann nicht sein, dass sich der Preis über Nacht mehr als verdoppelt.

Wir haben gepackt und sind losgefahren. Diesmal hatte unsere Karte und Tracks4Africa recht. Es folgten 60 km Straße in “Bad Condition”. Aber wir wurden entschädigt mit einer geteerten Straße von Minjingu an. Wir erreichten Arusha nach kurzer Zeit und fanden auch gleich die großen roten Shoprite-Fahnen. Ein paar Vorräte mussten wir aufstocken, aber der Laden war nicht so gut ausgestattet, dass wir hier allzu lange blieben. Wir gingen noch in eines der umliegenden Bistros, in dem suahelische Küche angeboten wurde. Doch das war eine Enttäuschung. Das Essen kam aus der Mikrowelle und der frische Passionsfruchtsaft war mit Zucker angesüßt.

[Jörg:] Die Straße wurde danach wieder gut und nach allem, was wir von Fiver und Stuart gehört haben, war es die bessere und vor allem günstigere Alternative als durch die Serengeti. Doch leider geht eine gut asphaltierte Straße nicht automatisch mit gesitteten Straßenverhältnissen einher. Obwohl Tansania – in dieser Hinsicht – so gut wie Ruanda ist und leicht besser als Uganda, die wiederum deutlich besser als Kenia sind, das wiederum in überhaupt gar keinem Verhältnis zu Äthiopien steht etc., sahen wir heute zwei „Personenschäden“ – wie es auf Bahn-deutsch heißt. Einer war nur dürftig zugedeckt und von dem anderen sah man nur das Motorrad… Afrikas Straßen sind gefährlicher als der Busch und dort liegt ’s häufig an einem selbst, wie weit man sich in Gefahr bringt. So wie die vier Brits, von denen die Zeitungen hier vor Tagen berichteten, die sich ein Lagerfeuer machten und dann solange die Flasche kreisen ließen, bis sie alle nacheinander einnickten. In diesem Zustand fand sie dann ein Löwe und der hat von einfach mal von allen probiert. Modern economy is wrong: there are free lunches…

Auf dem Weiterweg nach Marangu am Fuße des Mount Kilimanjaro machten wir noch ein paar Fotos vom Mount Meru (siehe Bild).

Mount Meru

Mount Meru

Der Kili hüllte sich leider in dicke Wolken, so dass wir erst mal in das Marangu Hotel fuhren, um unser Zelt aufzuschlagen und eine Dusche zu nehmen. Dann eilten wir noch los und liefen ein Stück, um ein paar Fotos zu machen (siehe Bilder).

Abendstimmung am Kilimanjaro

Abendstimmung am Kilimanjaro

Am Morgen weckten uns Sonne und Vogelgezwitscher. Ich beeilte mich, um aus dem riesigen Garten des Hotels noch ein paar wolkenfreie Bilder zu schießen, bevor sich der Kili wieder versteckt. Erfolgreich, wie man sieht:

Der Kili morgens...

Der Kili morgens...

...aus dem Garten des Marangu Hotels

...aus dem Garten des Marangu Hotels

[Jörg:] Die Besteigung des Kilis packe ich auf meine Bucket List! Nachdem wir heute Morgen beim Frühstück eine Seilschaft unseres Hotels gesehen haben, wie sie sich zum Aufbruch gerüstet hat, wäre ich am liebsten mit, aber man kann ja nicht alles haben, nun geht ’s erstmal Richtung Dar es Salaam und Tauchen auf Sansibar – auch nicht so schlimm… ;-)

Wir wollten langsam aber doch nach Dar-es-Salaam und dann nach Sansibar, also fuhren wir nach diesem kurzen Besuch weiter. Die ganze Strecke wäre auch gegangen, aber wir wollten nicht wieder einen ganzen Tag fahren. Also stoppten wir hoch oben in den Bergen, genauer gesagt in den Usambara Mountains. Die Strecke ab der Hauptstraße nach Lushoto erinnerte mich sehr an meine Fliegerzeit. Die Straße war eng, aber gut, sie war kurvig und hatte steile Abhänge. An der Irente View Cliff Lodge angekommen, wurden wir mit einem traumhaften Blick über das Tal belohnt. Und ich habe meinen Gleitschirm hier sehr vermisst. Es waren zwar keine Flieger in Sicht, ich weiß nicht mal, ob man hier überhaupt fliegen kann, aber es wäre schön gewesen die Berge und Täler hier aus der Luft zu sehen.

Stattdessen saßen wir im Garten der Lodge und genossen die Stille, die nur durch das Pfeifen des Windes unterbrochen wurde. Am Abend kam das Dorf dann unterhalb unseres Campingplatzes zusammen und feierte bis tief in die Nacht. Wenigstens waren wir so müde, dass wir das verschlafen haben.

Und schließlich geht’s auf die letzte Etappe auf unserer Tansania-Durchquerung. Nach Dar-es-Salaam sind es etwa 380km, die wir in ca. 6 ½ Stunden (von Lushoto wieder auf die Hauptstraße zu kommen dauerte alleine 1 Stunde) abfuhren. Wie zu erwarten war, gerieten wir dort in einen Stau, wahrscheinlich den Feierabendverkehr. Um zum Kipepeo Camp südlich der Stadt zu kommen, sollten wir laut Empfehlung anderer Traveller und unserem Navi eine Fähre nehmen. Diese Fähre kostete uns 1000 tansanische Schilling und etwa 1 ½ Stunden Wartezeit. Und jetzt kommt ’s: das Ganze für nur 700 m Überfahrt. Es gibt laut Tracks4Africa auch einen anderen Weg, der geht allerdings in einem weiten Bogen um die Stadt und ist ca. 40 km lang. Sollten wir nochmals nachmittags in den Genuss kommen, wird das auf jeden Fall zur Alternative für uns.

Wir kamen eine Stunde vor Sonnenuntergang an diesem traumhaften Strand an und suchten uns gleich ein Plätzchen mit Meerblick. Nach der kalten Dusche

[Jörg:] … wobei es hier in Afrika keine wirklich kalten Duschen zu geben scheint …

kochten wir die Reste vom Vortag auf und genossen unser Essen mit einem Tässchen Wein (wir haben keine Gläser) am Strand, Meeresrauschen im Hintergrund.

 

 

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• Mittwoch, September 23rd, 2009

Gestern sind wir vom Lake Bunyonyi losgefahren. Wir haben uns von Stuart, Fiver und Merryl verabschiedet und erneut von Jan & Trevor – mal sehen, wie häufig wir dies noch machen… ;-) In Kabale haben wir noch ein wenig aufgestockt und sind dann gleich in Richtung Grenze, die wir dann auch nach nur ca. 23 km erreicht haben.

lake_bunyonyi_009

Der Übergang war einer der problemlosesten auf unserer ganzen Reise – in fast einer halben Stunde waren wir aus Uganda draußen und in Ruanda drinnen – und gekostet hat ’s ausnahmsweise auch nichts. In Uganda geht’s zuerst zum Immigration Office (bis zum ersten Schlagbaum fahren und dann rechter Hand der Straße), wo die Pässe ausgestempelt werden. Danach weiter zur Polizei (gleich das angrenzende Gebäude in Richtung Grenze), die die Ausfuhr des Fahrzeugs registriert und einem einen kleinen Papierschnipsel in die Hand drückt. Mit diesem Schnipsel bewaffnet kann man dann zum Schlagbaum fahren (der freundliche Polizist, der einem den Schlagbaum öffnet, wird einen dann auch wieder von der Last des kleinen Schnipsels befreien) und weiter auf der Straße in Richtung zweiter Schlagbaum. Hier ist der Zoll, der das Carnet ausstempelt – auch hier ohne zusätzliche Kosten. Alle waren sehr freundlich und zuvorkommend und wir haben gelernt, dass man bei „Projektmanager“ zunächst an einen sozialen Beruf denkt… ;-) Wir haben bei wenigen Grenzübergängen so viel gelacht wie hier auf der ugandischen Seite.

Auf der ruandischen Seite begrüßt einen zuerst ein Polizist und verweist einen zum Immigration Office. Zwei Sachen fallen gleich auf: In Ruanda wird wieder auf der richtigen Seite gefahren

lake_bunyonyi_011

und man spricht französisch – selbst „Offizielle“ sprechen nicht immer englisch (oder wollen es nicht). Wir wurden prompt registriert und brauchten als Deutsche kein Visum, danach wurde Willi bei der „Car Registration“ registriert; alle drei mussten wir erneut nichts zahlen. Das Carnet wurde bei der Polizei neben dem Immigration Office abgestempelt. Hört sich jetzt vielleicht alles ein wenig verworren an, aber glaubt uns, wir haben viel, viel Schlimmeres und Bürokratischeres gesehen. Die Grenzformalitäten auf beiden Seiten sind so einfach und geradlinig, dass wir nicht einen Fixer gesehen haben, der Touris seine Dienste anbietet.

Die anschließende Strecke südwärts ist wunderschön. Man fährt durch ein Tal, dessen Ränder von Teeplantagen gesäumt sind. Während dieser Strecke haben wir uns dann definitiv gegen das Gorilla Tracking entschieden. Anjas Entschluss stand ja schon lange fest, ich würde sie eigentlich immer noch gern sehen, aber mein Permit ist erst auf Anfang Oktober datiert – und wir müssen nun ein wenig Gas geben – und 500 USD sind doch verdammt viel Geld… Wenn wir jedoch gar keine Gorillas und keine anderen Affen sehen wollen und auch nicht in den Vulkan-Kratern wandern wollen, dann müssen wir auch gar nicht in den Parc National des Volcanes. Also sind wir stattdessen gleich nach Kigali durchgerutscht. Hier haben wir mit dem Okapi Hotel eine gute Bleibe gefunden von der aus wir unsere heutigen Touren gemacht haben und die waren irgendwo zwischen bedrückend und eindrücklich angesiedelt…

Zuerst ging es vorbei am Hotel des Mille Collines, dem „Hotel Ruanda“ auch wenn der Film, woanders gedreht wurde,

Hotel des Milles Collines (Hotel Ruanda)

Hotel des Milles Collines (Hotel Ruanda)

zum Kigali Memorial Centre bei S 1° 55.852’, O 30° 03.612’; dies ist zugleich Museum und Gedenkstätte. Das Museum zeigt im unteren Stockwerk den Genozid der neunziger Jahre in Ruanda und im oberen Stockwerk gibt es zwei Ausstellungen, eine über fünf exemplarische Genozide und eine Ausstellung mit Photographien ruandischer Kinder, die getötet wurden. Die Ausstellung über den Genozid hier in den neunziger Jahren ist sehr gut aufbereitet und am Anfang informativ, doch nach ein paar weiteren Räumen möchte man eigentlich vieles gar nicht mehr so genau lesen… Ich habe vorher nicht gewusst, dass Hutu und Tutsi ursprünglich gar keine explizite Stammeszugehörigkeit beschrieben, sondern eher für eine Stellung innerhalb eines Stammes standen. Die belgische Besatzungsmacht hat dann irgendwann festgelegt, dass einer mit 10 oder mehr Kühen ein Tutsi ist und einer mit weniger Kühen ein Hutu, und entsprechende Ausweise ausgestellt. Mit der einhergehenden Bevorzugung der Tutsi seitens der Kolonialmacht im Gegenzug für Loyalität fing die eigentliche Separierung an. Europa schießt zwar nicht mehr mit Büchsen in Afrika, doch wir können nicht umhin, auch hier unsere Mitschuld beim Öffnen der Büchse der Pandora zuzugeben. Die Ausstellung zeigt all die Gräueltaten und die Ohnmacht der Welt, ohne belehrend den Zeigefinger zu heben, was ich besonders bemerkenswert finde. Man erfährt, dass die UN-Truppen, die nach dem Abkommen von Arusha vor Ort waren, über die bevorstehende Apokalypse informiert wurden, dass der Informant im Gegenzug nur Schutz durch die UN haben wollte, dass der kommandierende General diese Nachricht nach New York schickte und von dort aber keine Antwort kam; man erfährt zudem, dass Militärexperten meinen, dass mit dem selben Personal- und Material-Aufwand, mit dem die jeweiligen Landsleute aus Botschaften evakuiert wurden, man auch den Völkermord hätten stoppen können; und wenn man dann in der Photoausstellung liest, dass die letzten Worte des zehnjährigen Davids, bevor er zu Tode gefoltert wurde, „UNAMIR* will come for us!“ waren, dann muss man schon mehr als einmal schlucken. Und wenn man dann damit fertig ist, dann geht man raus aus dem Museum, wo ringsherum schöne kleine Gärten angelegt sind – und ca. 250.000 ermordete Ruander ihre letzte Ruhestätte fanden…

*United Nations Assistance Mission for Rwanda

[Anja:] Die Ausstellung führt den Besucher also zuerst in die Geschichte des Genozids des eigenen Landes und zeigt hinterher, wie andere Genozide abliefen. Was vielleicht in der deutschen Geschichte schon etwas untergegangen ist und womit dieser Teil der Ausstellung beginnt, ist der Umgang der deutschen „Schutztruppe“ in Namibia mit den Hereros. Der Völkermord an den Armeniern wird hier ebenso aufgeführt. Zeitlich gesehen als nächstes kam die Geschichte des dritten Reichs, die wir nur zu gut kennen. Uns auch weniger bekannt ist Kambodscha und was die Rote Khmer den Bürgern angetan hat. Schließlich als zeitlich letztes die „ethnischen Säuberungen“ im ehemaligen Jugoslawien.

Schlimm ist, dass kaum einer dieser Völkermorde geahndet wird und im Beispiel der Armenier nicht einmal anerkannt wird. Dass etwas Derartiges bis in die heutige Zeit (Serbien 1999 und Ruanda 1994) noch passiert, ist wirklich traurig. Man kann das schwer in Worte fassen, was einem hier durch den Kopf geht.

Danach sind wir weiter zur Nyamata Memorial Site bei S 2° 08.942’, O 30° 05.621’. In den Zeiten des Genozids haben viele Verfolgte Zuflucht in Kirchen gesucht. In wenigen Fällen mag es geklappt haben, in den meisten jedoch nicht. (In dem Museum erfährt man auch von einem besonders perfiden Fall, wo ein Priester zuerst seine Kirche mit Flüchtlingen füllte, um dann selbst den Auftrag zu erteilen, diese mit Bulldozern niederzuwalzen.) Diese Gedenkstätte ist eine Kirche und leider ein Beispiel für die zweite Kategorie. Von der Kirche selbst ist nicht mehr viel zu sehen, stattdessen liegen auf den Kirchenbänken die Kleiderbündel der Ermordeten und im Keller und hinter der Kirche sind die Gebeine aufgebahrt. Abschließend taten wir uns noch die Ntarama Memorial Site bei S 2° 06.789, O 30° 03.003’ an. Von den beiden Gedenkstätten ist dies sicherlich die beeindruckendere. Auch hier sieht man in der Kirche die Kleider und die Gebeine der Ermordeten. Darüber hinaus kann man noch die alte Sakristei, die Küche und ein kleines Schulhaus mit einem Raum sehen. Dort wurde uns etwas gezeigt, was selbst an mir eine Weile nagte und wer zart besaitet ist, sollte vielleicht einfach gleich zum nächsten Absatz springen, aber ich will es hier nicht verschweigen, weil es erstens ein Eindruck war, den wir hier erlebt haben und das Reiseblog ja gerade unsere Eindrücke wiedergeben soll, und zweitens weil es Realität ist und war und sich die Verfolgten damals auch nicht einfach abwenden konnten: Wir sahen einen dunklen Fleck in der Ecke und unsere Führerin erzählte, dass der von dem Blut kleiner Kinder stammte, die kopfvoran durch den Schulraum gegen diese Wand geworfen wurden…

Anja und ich sind beeindruckt, wie Ruanda mit seiner jüngsten Vergangenheit umgeht. Da wir erst zwei Tage im Land sind, können wir in keiner Weise einschätzen, inwieweit dies Thema im heutigen Alltag noch eine Rolle spielt, abgesehen von den persönlichen Traumata, die einen ein Leben lang begleiten. Im Gespräch mit unserem Kellner gestern, der einen zwölfstündigen Deutschkurs absolvierte und dafür erstaunlich gut deutsch spricht, erfuhren wir jedoch, dass auch Ruanda heute ein anderes Gespenst weit aus mehr plagt: Er erzählte uns, dass einer seiner Freunde letztes Jahr an AIDS gestorben ist…

[Anja:] Diese zwei Tage in Ruanda haben uns wirklich sehr beeindruckt. Nicht nur, dass es landschaftlich ein wunderschönes Land ist (Pays des Milles Collines – Land der tausend Hügel kommt nicht von ungefähr), auch die Menschen, die uns hier begegnet sind, sind unheimlich freundlich, keinesfalls aufdringlich und sehr angenehm. Auch wenn bei uns ein ziemlich bedrückendes Gefühl entstanden ist, als wir hier waren, würden wir Ruanda jedem als Reiseland empfehlen.


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• Montag, September 21st, 2009

In Kampala verbrachten wir 3 anstrengende Tage. Einer war gefüllt mit dem Versuch, unseren Blog und andere Dinge am Computer aktuell zu halten. Der nächste stand im Zeichen der Planung. Wir hatten ja seit Reisebeginn an Ostern nie wirklich einen Zeitplan, was und wann wir etwas ansehen wollten, wie viel Zeit wir in einem Land verbringen möchten etc. In Jinja überkam mich dieses Gefühl, dass wir ein bisschen hinten dran sind, und in Kampala war ’s dann Zeit zum „Fakten auf den Tisch legen“. Genauer gesagt bedeutete dies, dass Jörg und ich uns mit Reiseführern bewaffneten, die große Afrika-Süd-Karte auf dem Billard-Tisch ausbreiteten und jeder einen Plan machte, was er sehen möchte und wie viel Zeit wir einplanen. Am Ende kam dabei heraus, dass wir erst Anfang Dezember an den Viktoria Falls sind und dann kaum noch Zeit für Südafrika, Botswana und Namibia haben. An dem Punkt haben wir dann auch aufgehört, denn wie unsere Reise durch den Südzipfel Afrikas aussehen soll, hängt noch von anderen Faktoren ab: Verschiffen wir das Auto zurück oder nicht? Feiern wir Weihnachten mit Jan und Trevor? Wollen wir etwas auslassen oder nicht? Das haben wir alles noch nicht entschieden, aber wenigstens steht jetzt ein Plan für unsere Weiterreise durch Ruanda, Tansania, Sansibar, Malawi und Sambia. Um uns ein wenig von den ernüchternden Ergebnissen abzulenken, verbrachten wir noch einen Tag in Kampala und fuhren mit Jan und Trevor nach Mabamba, um nach dem seltenen Schuhschnabel zu suchen. Die, die Uganda kennen, fragen sich jetzt: Warum in Kampala, und nicht in den Murchison Falls? Die Antwort ist einfach: von Kampala aus sind es 300 km zum Murchison Falls NP und noch mehr Kilometer über mehr oder weniger gute Straßen nach Süden, über Fort Portal und den Queen Elizabeth NP (der 30$ p.P. und 50$ fürs Auto kostet). Danach wird man sich fragen: Was ist so toll am Schuhschnabel, ist doch auch nur ein großer Vogel?! Auch die Antwort ist einfach: Ist man ein Birdwatcher, wie Trevor, dann ist der Schuhschnabel eine Trophäe in der Sammlung. Der Vogel ist von Aussterben bedroht und nur noch selten anzutreffen (wer mehr wissen will: http://de.wikipedia.org/wiki/Schuhschnabel). Für mich waren es eher emotionale Gründe, warum ich den Schuhschnabel unbedingt sehen wollte: Als ich klein war, ging ich mit meinen Großeltern oft in den Berliner Zoo, und für meinen Opa war der Schuhschnabel etwas ganz besonderes. Ganz zu Anfang gab es im Berliner Zoo ein Paar, bis einer starb und vor lauter Traurigkeit nachfolgte. Mein Opa hatte sogar ein gezeichnetes Bild von diesem Schuhschnabel im Schlafzimmer hängen. Mir ist diese Erinnerung so im Gedächtnis geblieben, dass ich an Stelle meines Opas den Schuhschnabel gerne „in Echt“ sehen wollte. Trevors und mein Wunsch fand Gehör und wir führen ca. 70 km von Kampala nach Mabamba. Dort machten wir eine ökotouristische Tour mit einem Stocherkahn durch den Sumpf über „Mabamba Ramsan Site / Ecological Tourism Tours” (N 0° 04.561’, O 32° 21.019’, 078-2-890533 der Veranstalter heißt „Billy“). Die Tour sollte eigentlich nur 2 Stunden lang sein, wir hatten den Schuhschnabel aber noch nicht gefunden – dafür allerhand andere Vögel. Der Guide auf Jörg und meinem Boot war aber so ehrgeizig uns den Schuhschnabel zu zeigen, dass er alles gab.

[Jörg:] Wer dies liest und auch eine Tour hier hin plant, sollte unbedingt um die Guides „Vincent“ und „Patrick“ bitten. Wir hatten das Gefühl, dass es ihnen ein wirkliches Anliegen war, uns den Schuhschnabel zu zeigen und uns nicht nur einfach für zwei Stunden durch den Sumpf zu paddeln. Unsere Runde war dann auch deutlich länger, aber es wurde überhaupt nicht nach mehr Geld gefragt hinterher. Ehrensache, dass es für den Einsatz und diese Zurückhaltung dann auch einen Trinkgeld gab…

Wir fuhren raus auf den Viktoriasee und in alle erdenklichen Kanäle des Sumpfes. Aber auch nach 4 Stunden kein Vogel in Sicht. Wir wiederholten unser Angebot, ein anderes Mal wieder zu kommen und jetzt zurück zu fahren mehrfach, doch – Da! Auf einmal tauchte er aus, hinter dem Gebüsch. Der Schuhschnabel war erst sehr regungslos, fraß dann aber doch auf einmal einen Fisch und flog ab. Dieses Schauspiel dauerte etwa 20 Minuten, Trevor und ich waren sehr zufrieden.

Mabamba Schuhschnabel

Suche in den Sümpfen

Unsere Euphorie wurde leider sehr gedämpft, als wir hinterher im Stau nach Kampala standen. Wir brauchten teilweise für 100m 10 Minuten und für den gesamten Heimweg (exkl. Einem Zwischenstop bei Nando’s) etwa 4 Stunden. Für uns ging es am nächsten Tag dann aber doch weiter. Jan und Trevor wollten noch einen Tag in Kampala ausspannen nach der anstrengenden Fahrt.

Abschied von langen Reisegefährten

Abschied von langen Reisegefährten

Wir verabschiedeten uns von ihnen und fuhren dann mit einem kleinen Umweg zum Shoprite bzw. Game, um Felgenschlösser zu kaufen, zum Lake Bunyonyi an der südlichen Grenze Ugandas. Es war schon komisch, nach Wochen gemeinsamen Fahrens auf einmal alleine zu sein. Keiner, der einen übers Funkgerät antalkt, keiner, der einem durch Bremsen die Speed Bumps anzeigt, … Jan und Trevor fehlten uns auf der Fahrt. Weil wir etwa 400 km vor uns hatten und viel zu spät dran waren, beeilten wir uns. Wir machten nur beim Äquator noch einen kurzen Photo- und Pinkel-Stopp und heizten dann weiter. Kurz nach Sonnenuntergang waren wir in Kabale (ja, so wie in „Kabale und Liebe“). Und von der kleinen Stadt aus waren es nur noch 8 km zum Lake Bunyonyi. lake_bunyonyi_003

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Als Ziel hatten wir uns das Bonyonyi Overland Resort ausgesucht und erreichten es nach etwa 15 Minuten. Die riesige Anlage im Dunkeln nach einem Schlafplatz abzusuchen, war nicht einfach, zudem nach unserer Besichtigungstour ein Overland-Truck den Weg zum See versperrte. Aber das war nicht so schlimm, wir fanden einen Platz abseits der Overlander und sogar mit Seeblick. Der nächste Tag begann sehr gemütlich. Wir schliefen lang, aßen Spiegelei mit Toast zum Frühstück und lasen Zeitung. Der Lonely Planet beschreibt den See als „looks loke something straight out of The Hobbit“. Wir konnten ihn bei Tageslicht sehen, aber so hätten wir ihn nicht beschrieben. Es ist ein Kratersee und sehr idyllisch gelegen, aber wir wären nicht auf die Idee gekommen, ihn so zu bezeichnen. Nach einer kleinen Pause, kochte ich eine leckere Kürbissuppe und weil es zu regnen anfing, gingen wir ins Restaurant zum Lesen. Nach einer Weile wollten wir unser Auto umparken, da unser Platz angeblich von einem weiteren Overland-Truck gebraucht würde. Und bei der Gelegenheit kamen zwei alte Bekannte um die Ecke: Jan und Trevor. Gemeinsam mit ihnen fanden wir ein Plätzchen am See auf der Wiese, wo bereits ein anderer Overlander (diesmal kein Truck, sondern ein Defender) parkte. Bei besagtem Overlander stellten wir uns vor und verbrachten gemeinsam mit Stuart, Fiver und Merryl den Abend und tauschten Reiseinformationen aus.

Lake Bunyonyi Overland Resort

Lake Bunyonyi Overland Resort

 

 

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• Mittwoch, September 16th, 2009

Die Zurückgezogenheit unseres Camps beim Enkutoto Village hatte einen Preis: Bis zur nächsten Straße, die auch diesen Namen verdient, waren es fast 80 km. Durch den heftigen Regen Tags zuvor, waren die Pisten bis dahin zwar befahrbar, aber ab und an sehr matschig. Viele der Lodges fahren ihre Gäste mit normalen Minibussen umher – „Warum?“ ist mir in dieser Gegend nicht bewusst – und so war es auch nicht verwunderlich, dass wir einen dieser Busse erwischten, der sich im Matsch festgefahren hatte. Jan & Trevor haben ihn rausgewincht und hinterher immer wieder hervorgehoben, dass es sich um einen Toyota gehandelt hat. Aber der hatte nicht mal 4WD – der zählt also nicht! ;-)

Je später der Vormittag, desto länger hat die Sonne bereits geschienen und desto besser wurde die Piste. Wir verließen die C13 – wieder eine dieser berüchtigten C-Roads – und stießen bei Migori auf die A1 und diese war nun deutlich besser. So gut, dass wir unseren Gabelpunkt bei Rongo schon gegen 13 Uhr erreichten. Hier mussten wir entweder eher links in Richtung der Insel Rusinga oder eher rechts in Richtung Norden. Anja und ich hatten uns bei der Fahrt bereits überlegt, dass wir eigentlich weiter wollen und nicht schon wieder ein paar Tage auf der Insel „rumlungern“. Jan & Trevor hatten für sich ebenfalls diese Entscheidung getroffen und so hielt sich unser Konvoi nach einer kurzen Erfrischungspause eher rechts.

Noch östlich vor Kisii sahen wir ein Schild Richtung Kisumu, unsere Tracks4Africa-GPS-Karten kannten diese neue (?) Straße nicht, aber in den altmodischen Straßenkarten war sie verzeichnet. Da zudem die Kilometerangabe des Schildes geringer war als die auf unseren Navis, denn die hätten uns über Kericho geführt, war der „Fisch schnell ’butzt“. Und die Entscheidung war so richtig, da die Straße so gut (schnell) befahrbar war, dass wir uns nach etwa 160 km und ca. 2 ½ Stunden sowie eine Pause später in Kisumu erneut die Frage stellten: „Weiter oder hier bleiben?“ Diesmal wäre es allerdings beinah die falsche Entscheidung gewesen… Da wir in Kisumu gar nicht viel Camping-Auswahl fanden und es auch erst kurz nach vier war, sind wir noch weiter nördlich in Richtung Kakamega National Reserve gefahren, um es am nächsten Tag weniger weit nach Jinja zu haben.

Für dort hatten wir Koordinaten eines Campingplatzes, doch es stellte sich heraus, dass dieser im Park war. Alle Einheimischen durften durch die offene Schranke ungestoppt rein und raus fahren, doch von uns wollte er den Parkeintritt haben – 20 USD pro Nase und dann nochmals 15 USD pro Person fürs Camping. Für eine Nacht war uns das dann doch zuviel – wir wollten morgen definitiv gleich weiter nach Uganda und den Regenwald im Dunkeln zu sehen, lohnt den Eintritt wirklich nicht. Ein paar Meter vor der Schranke haben wir ein Schild für einen anderen Campingplatz gesehen – „De-Brazza“. Die Auffahrt sieht zunächst ein wenig dubios aus, aber wenn man erstmal alle Rundhütten passiert hat und sicher ist, dass der Campingplatz nicht einfach ein bisschen Weidefläche zwischen zwei Rundhütten ist – wobei das auch seinen Charme hätte –, dann sieht man, dass sich hier eine grüne Perle versteckt hält. Die Duschen sind kalt und die Toiletten ein Plumpsklo, aber das ist es ja meist anders wo auch… ;-)

Auf dem Platz trafen wir auch noch Lucy und Simon, zwei Südafrikaner, die bis Kenia fahren nun auf dem Scheitelpunkt sind und langsam wieder zurück nach Südafrika fahren. Die beiden haben uns natürlich gleich erstmal erzählt, wie toll es in dem Regenwald ist und dass man unbedingt in den Park muss. Vor allem wenn man „Birdwatcher“ ist, und da hat Trevor natürlich ganz große Augen bekommen ;-) , aber wir blieben dennoch standhaft und fuhren am nächsten Morgen gleich weiter nach Uganda.

[Anja:] Wir fuhren schließlich zur kenianisch-ugandischen Grenze und wurden dort mit dem üblichen Trubel begrüßt. Eine Schlange Lastwagen reichte bis in den Ort hinein, wo wir noch versuchten unsere letzten kenianischen Schilling in Dollar zu tauschen – eine gute Wahl wie sich später herausstellte. Wir fuhren an all den LKWs vorbei zum Zollgebäude. Kaum fuhr man an den Parkplatz heran, scharte sich eine Menge Männer um uns herum, die alle irgendwie zum Zoll gehören und uns helfen wollen… Wir lehnten dankend ab und gingen zur Pass-Stelle, wo wir ausgestempelt wurden. Da wir das Büro, das die Carnet abstempeln sollte nicht gleich fanden, hatten wir doch einen Fixer am Hals, der aber gar kein Geld haben wollte. ;-) In dem Carnet-Gebäude fiel den Beamten dann auf einmal auf, dass wir keine Road Tax bezahlt hatten und wir jetzt nachzahlen müssten. Die Road Tax wird in Kenia nach Kilometern ermittelt. Immerhin glaubten sie uns, dass wir in Nairobi schon für das Stück von Ileret nach Nairobi bezahlt hatten :-| und so mussten wir jetzt nur noch von Nairobi bis hierher zahlen. Alles reden half nichts. Unser Fixer, der Beamte und Jan gingen dann zu den Autos, weil das Gewicht in der Berechnung eine entscheidende Rolle spielt. Jan kam aber zurück mit der Ansage, wir können einfach 20 $ pro Wagen bezahlen und die Sache sei erledigt. Gut, 20 $ sind besser als die 50 $, die wir sonst bezahlt hätten, aber dass das Geld am Ende doch in der Tasche des Fixers landete, gefiel uns nicht besonders.

Alle Papiere erledigt, begann die ugandische Seite und der Stress dort. Kaum geparkt, stand eine Horde Geldwechsler um uns herum. Die konnten wir glücklicherweise schnell abschütteln. Zuerst holten wir unser Visum. Da wir kein Multiple Visum für Kenia hatten, brauchten wir eines. Wie sich herausstellte, bringt das Multiple Visum an der Stelle überhaupt nichts, denn Uganda akzeptiert das nicht. Das war auch für Jan und Trevor neu und ärgerlich, denn sie holten sich das kenianische Visum noch, bevor die Preise dafür um 50% gesenkt wurden. Das ugandische Visum ist auch wirklich teuer: 50 $ pro Person für 30 Tage Aufenthaltsrecht. Wir hatten den Weg eingeschlagen, jetzt mussten wir auch zahlen.

Beim Abstempeln der Carnet mussten wir leider die Road Tax gleich bezahlen, was uns zwang, die Dienste der Geldwechsler, die einen auf Schritt und Tritt verfolgten, in Anspruch zu nehmen. Jörg und Jan erledigten das souverän, auch wenn hinterher einer der Typen mit einem beschrifteten Schein zurückkam und Ersatz dafür haben wollte. Ein alter Trick, den wir durchschauten und nicht darauf eingingen.

Nach all der Bürokratie durften wir endlich weiterfahren. Noch etwa 150 km bis zu unserem Tagesziel Jinja und wir wussten noch nicht, wie die Straßen in Uganda sind, zumal sie in Kenia grauenhaft schlecht sind. Sogleich wurden wir überrascht: keine Schlaglöcher, breite gut-asphaltierte Straßen. :-) Welch Erholung!

Über den Umweg zu den „Nile River Explorers Backpackers“ direkt in Jinja an der Quelle des Weißen Nils kamen wir schließlich zu der „Nile River Explorers Campsite“ (N 0° 29.056’, O 33° 09.803’) mit grandiosen Blick über den Weißen Nil und die Bujagali Fälle.

Die Bujagali Falls

Die Bujagali Falls

Hier haben wir nun ein paar Tage die Füße hochgelegt. Erstens, weil es ein perfekter Ort dafür ist, und zweitens, weil wir wegen der Unruhen in Kampala eh nicht in Ugandas Hauptstadt konnten. Was war passiert? In Kampala stand ein großes Fest der Jugend an; auch der König der Region auch kommen sollen, doch der ugandische Präsident verbot ihm, das Fest zu besuchen. Lokale Radiosender wiegelten die Jugend auf, die sich bereitwillig einspannen ließ. Es gab die ersten Straßensperren, kaputte Schaufenster und brennende Autos. Die Polizei konnte nicht mehr für Ordnung sorgen und rief das Militär zu Hilfe. Die Subtilität bei der Durchführung, für die Militärs bei der Auflösung von Menschenmassen bekannt sind, trug jedoch nur unwesentlich zur Deeskalation bei, und das Fest wurde abgesagt. Nach ein paar Tagen war der Spuk wieder vorbei; der erfolglose Teil der afrikanischen Jugend hatte den erfolgreichen Asiaten durch ein paar Steinwürfe mal wieder demonstriert, wer Herr im Hause ist, und während die einen noch ihren Rausch ausschliefen, hatten letztere schon wieder ihren Laden eröffnet und brachten diesen wieder auf Vordermann. Nachdem die äthiopische Armee ein Dorf in Eritrea besetzt hatte und später in Somalia einmarschierte, ist es nun schon das zweite Mal, dass wir „nahe“ dran sind – auch das ist Afrika –, ohne davon weder direkt betroffen zu sein noch überhaupt etwas mitbekommen hätten. Wir saßen halt in Jinja fest und wollten unter diesen Vorzeichen nicht nach Kampala aufbrechen, aber wenn man sich die Gegend und die Möglichkeiten anguckt, so kamen wir auch darüber hinweg…

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Die ersten Tage haben wir einfach nur ausgespannt und relaxt. Der einzige Stressfaktor war das Internet, weil das nämlich teilweise so langsam war, dass selbst wenige Mails runterladen eine halbe Stunde oder gar länger dauern konnte. Wir haben viel gut gegessen und dies dann ab und an gleich wieder in der Strömung des Weißen Nils abtrainieren können. (Es gibt da die Möglichkeit, entlang der Flussschnellen zu schwimmen und sich dann in die Bucht zurücktreiben zu lassen. Es ist ein Rundkurs, so dass man sich fast eine ganze Runde lang treiben lassen kann und ein Trainingserfolg doch leider lang auf sich warten ließe. Daraufhin habe ich gedacht – um mein Gewissen ob des vielen guten Essens zu beruhigen: ‚Schwimmste halt mal eine Runde gegen die Strömung!’ Nach ca. fünf Metern in einer Minute habe ich dann erkannt, dass ich alt genug bin, mir meine eigene Stärke und Durchtrainiertheit nicht mehr beweisen zu müssen…)

Zum Frühstück gab ’s entweder selbst gemachte „Bacon & Eggs“ von Chefköchin Jan oder „Rolex“ vom Straßenverkauf außerhalb (manchmal gab ’s auch Frühstück vom Bar-Restaurant des Campingplatzes.)

[Anja:] Für die kulinarisch Interessierten eine kurze Erklärung. „Rolex“ kommt von „gerollt“, und was da gerollt wird, ist ein dicker Pfannkuchenteig, genauer gesagt Chapati-Fladen. Die Füllung kann man sich selbst zusammenstellen. Ich hatte immer Banane & Nutella, die anderen „Rolex All“, bestehend aus Omelette, Avocado, Tomaten, Zwiebeln und etwas Scharfem.

Sonntag waren wir alle vier auf dem Nil White Water Rafting. Der Weiße Nil hat hier einige Wellen der Stufe 5 – wem das was sagt –, viele 4er und noch mehr 3er und 2er. Ich fand ’s klasse und hätte gerne noch mehr Fünfer gehabt. Obwohl wir beim Silverback alle über Bord gingen und ich gerade noch rechtzeitig meine Füße angehoben habe, so dass nur mein kleiner Zeh ein wenig lädiert wurde, sonst wäre das ganze Bein gegen den Fels gedrückt worden.

[Anja:] Auch wenn ich vorher schon Bedenken hatte, dachte ich mir, ich will nichts auslassen und alles, was nach viel Adrenalin und Extremsport aussieht, ist spannend. Meine innersten Ängste Wasser gegenüber hat meine Abenteuerlust aber leider nicht vergessen lassen. Es fing alles ganz harmlos an, mit Übungen zum Untertauchen und wie man am besten am Boot bleibt. Stufe 2 und 3 war ja auch noch okay. Aber wir sind wirklich bei JEDER Stromschnelle umgekippt und allen anderen im Boot außer mir, hat das auch fürchterlich Spaß gemacht. Ich verlor aber jedes Mal die Leine des Bootes und wollte eigentlich nie umkippen. Carrie, eine aus unserem Boot, stieg vor „Silverback“ aus, weil auch sie zu viel Respekt hatte vor dem Untertauchen. Ich war zwar nervlich schon angespannt, dachte aber – ganz der Schwabe – ich hab ja dafür bezahlt und „die Hoffnung stirbt zuletzt“: vielleicht kippen wir diesmal ja nicht um. Böser Fehler. Als wir dachten, wir hätten das Schlimmste hinter uns und das Boot kippte. Ich verlor mal wieder die Leine und wurde unter Wasser gespült. Dort sah ich nur noch eine grüne Silhouette, die mir die Oberfläche signalisierte, und zu der ich versuchte zu strampeln. Aber nichts ging, außer den Sekunden, die vergingen. Und ich hab mich schon ersticken sehen. Bis ich auf einmal auftauchte und nach Luft schnappte. Und ich sah sogar unser Boot. Ich schwamm hin und in dem Moment zog mich die nächste Strömung davon, unerwartet und genauso lang. Ich hatte wieder Probleme, Luft zu bekommen, bis ich auf einmal ausgespuckt wurde und mich einer der Rescue Kayaker abholte und zum Boot eskortierte.

Der Spaß war für mich vorbei, ich ging auch aufs Security Boot, wie Carrie, und genoss von da an die Fahrt mit Joseph, Moses und Carrie. Wir sind trotzdem dieselben Schnellen heruntergefahren, aber auf einer weitaus harmloseren Linie. Kein Umkippen mehr :-)

Was hier vielleicht sehr dramatisch klingt, war vielleicht gar nicht so schlimm. Ich hatte einfach Panik in dem Moment, habe aber auch gesehen, dass ich weitaus länger die Luft anhalten kann als ich dachte. Andere hatten dieselben Erlebnisse mit Untergehen und weggespült werden, ihnen hat das vielleicht Spaß gemacht. Ich wills also keinem Ausreden. Ich habe mich nur bestätigt gefunden, dass Wasser einfach nicht mein Element ist und ich mich besser davon fernhalte (tauchen ausgenommen).

Aber wir müssen gar nicht viel erzählen – wir haben einen Videobeweis von unserer Heldentat:

[Video Stream wird nachgeliefert, er muss noch bearbeitet werden; also immer mal wieder reinschauen!]

Zwei Tage später fuhren Anja und ich auf die andere Nilseite, um mit den „Nile Horseback Safaris“ (N 0° 28.557’, O 33° 09.330’) zu reiten. Die Stunde verging fiel zu schnell, denn wider Erwarten ist ’s gar nicht so schlimm auf dem Rücken eines Pferdes – Kamele sorgen da weitaus schneller für Seekrankheit.

[Anja:] Nach dem Rafting war das mein Handel mit Jörg. Ich wollte nicht unbedingt raften, er wollte nicht unbedingt reiten. Ich hatte viel Spaß, denn mein Pferd war sehr brav und hat immer gemacht, was ich wollte. Jörg hatte mit seinem Vielfraß-Pferd da schon eher zu kämpfen. Sein Pferd hielt an jedem Mais an und fraß gemütlich. Da wir ohne Führung ritten und Jörg das nicht ganz geheuer war, buchten wir eine Stunde Schritt reiten. Aus der Stunde wurden eineinhalb und es war auch immer wieder ein flotteres Tempo dabei. Ich fands trotzdem schön, im Schritt und Trab durch die Dörfer zu ziehen und die Bujagali Falls auch mal von der anderen Seite zu sehen.

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• Dienstag, September 08th, 2009

Wir sind mittags in Nairobi los. Weit hatten wir es nicht, und wir erwarteten die Straßen in einem guten Zustand. Unser heutiges Tagesziel: die Masai Mara, ein Nationalpark, der alle Big Five bieten und eine wunderschöne Landschaft haben soll.

Gegen 17 Uhr kamen wir dort an und während Jörg mit Trevor an den Eingang ging um nach dem Eintrittspreis zu fragen, kamen gerade die Spanier herausgefahren; jene hatten Glück beim Verhandeln, sprachen während der Verhandlung nur Suaheli und kamen mit einem Foreign Residents-Eintritt davon. Der ist nur ein Bruchteil von dem, was wir bezahlen müssten – ohne Suaheli-Kenntnisse. Regulärer Preis wären 60$ pro Person gewesen, plus 4000 KSH pro Auto. Und dann bekommt man „nur“ ein Ticket mit einer Gültigkeit von 24h. Ich würde es Verhandlungsgeschick nennen, was uns dann geschah: die Männer zahlten voll, wir Mädels waren Studenten und ein Auto wurde bei der Berechnung vergessen. Außerdem trugen uns die Herren vom Sekenani Gate aus Versehen das Datum von morgen in das Ticket, ließen uns aber trotzdem passieren.

Gleich nach dem Eingang begrüßte uns eine grasende Herde Elefanten. Danach sahen wir viele Springboks und Impalas sowie Wildebeests, wegen derer „Migration“ wir in die Mara gekommen waren. Zudem gab es einen atemberaubenden Sonnenuntergang zu sehen.

Masai Mara - Day 1

Tag 1 im Masai Mara National Park

Kurz vor dem Talek Gate, hinter dem gleich unser Camp lag, machte unser Auto Zicken: Schlimme Schleifgeräusche von der Vorderachse. Was wir uns alles ausgemalt hatten, als wir im Schritttempo auf dem Weg zum Ausgang waren… Differential kaputt, irgendwas in der Achse gebrochen… Und das schlimmste: wir waren gerade erst aus Nairobi raus! Trevor hatte den richtigen Riecher, er vermutete einen Stein in der Bremse. Im Aruba-Camp angekommen, machten wir kleine Test-Strecken und Jörg konnte das Problem lokalisieren: das linke Vorderrad. Wir holten dies also im Dunkeln runter und fanden schnell den Schuldigen: ein kleines Steinchen zwischen Bremsscheibe und Schutzblech. Ewig fummelten wir mit kleinen Schraubendrehern in dem Zwischenraum herum, bis das Steinchen auf einmal heraus fiel. Gut, Rad wieder rauf, Nerven wieder runter. Der Krach war weg und wir uns sicher, dass jetzt wieder alles in Ordnung ist.

Nach einem kurzen Toilettenbesuch war für mich allerdings gar nichts mehr in Ordnung. Mich hatte ein kleiner „Caterpillar“ (Raupe) gebissen. Ein wenig Desinfektionssalbe und mein Adrenalinspiegel sank auch langsam wieder. That’s Africa…

Trevor kochte an dem Abend eine leckere Chicken-Paella und wir verschwanden schnell im Bett. Um 5.30 Uhr standen wir schon wieder auf, um dann kurz nach Sonnenaufgang im Park zu sein. Gleich zu Beginn durften wir Hyänen beim Aasfraß zuschauen. Wir sahen hier auch eine kleine Giraffenfamilie und natürlich die üblichen Verdächtigen: Springboks, Impalas, Wildebeests und Topis. Auch Schakale liefen uns über den Weg. Wir folgten anderen Autos und fanden sogar zwei schlafende Löwen. An einem Flussbett stiegen wir kurz aus (höchst illegal) und beobachteten Nilpferde. Jörg schaute bei dieser kleinen Pause unter die Motorhaube, weil der Keilriemen quietschte, und wäre beim Anlassen des Motors beinahe von einem kleinen Steinchen „erschlagen“ worden. Diese Teile nisten sich wirklich überall ein, wo sie nicht sollen! Kurz darauf fuhren wir ganz nah an eine Gruppe Löwinnen, die teils schliefen und uns teils beobachteten. An diesem Fluss sahen wir dann auch eine Elefantenherde und einen Elefantenbullen, der alleine um sie herumlief und – gefährlich, gefährlich! – von der Herde durch einen Fluss getrennt war.

Hier noch ein Beispiel für die Große Migration:

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Unsere Mittagspause verbrachten wir ganz feudal im Governor’s Camp. Um das Camp zu erreichen, mussten wir den Talek River kreuzen und dazu zunächst raus aus den Park und nach dem Örtchen Talek uns links halten. Wie erstaunt waren wir, als wir dann eine Hintertür in den Park fanden – hätten wir das mal eher gewusst… ;-) In Governor’s Camp saßen wir zunächst auf der Terrasse mit Ausblick auf den Fluss mit Nilpferden und einem Krokodil. Dann genossen wir das Mittagessen für sage und schreibe 35$ pro Person. Wir hatten aber kaum eine Wahl – mitten in der Masai Mara anhalten, Tisch auspacken und essen ist nicht wirklich angebracht, außerdem waren wir durch den langen und heißen Tag ganz schön geschlaucht und hatten Hunger. Es schmeckte wunderbar und war wirklich viel.

Nach einem Kaffee gings auch schon weiter. Wir beobachteten Geier, wie sie über einen toten Elefanten herfielen, sahen noch den ein oder anderen Vogel und entschlossen uns dann aus dem Musiara Gate herauszufahren und durch das Oloololo Gate nach dem Mara River wieder hereinzufahren. Auf dem langen Weg dorthin erlebten wir eine der schlechtesten Straßen überhaupt. Es waren riesige Steine in allen Formen auf dem Weg – eigentlich sah es eher so aus, als wäre es ein Flussbett – und dann ging es steil bergab. Jörg stieg aus und las den Weg für mich, ich ließ Willi in der Untersetzung alleine herunterklettern, lenkte nur. Für den einen Kilometer brauchten wir fast eine ganze Stunde.

Masai Mara - Day 2

Tag 2 in der Masai Mara

Am Oloololo Gate dann die Ernüchterung: unser Ticket gilt nicht für diesen Teil des Parks und um im Park am River Camp zu übernachten, sollten wir ein neues Ticket bezahlen. Transit ist heute auch nicht mehr möglich, wir sollen morgen wieder kommen. Als wir bereit gewesen wären, 25$ p.P. für das Camp zu bezahlen, war das Camp auf einmal voll. Wir waren sauer und drehten um. Es dämmerte und wir brauchten schnell eine Übernachtungsmöglichkeit. In der Tichwe Lodge wurden wir fündig, aber auch hier hatten wir den Eindruck, die wollen uns auf den Arm nehmen. Wir sahen nicht aus, wie die Durchschnitts-Reichen mit unseren Khaki Hosen und den dreckigen und verschwitzten T-Shirts. Man bot uns den Preis für Residents an: umgerechnet 110 Euro pro Person für ein Zimmer. Der Herr an der Rezeption schickte uns in das nahegelegene Dorf, das angeblich auch „Camping“ anbot.

Dort wurden wir vom Dorf-Chief zum Campingplatz gebracht: eine kleine Lichtung an der bewaldeten Flussbank. Wundervoll, mit einem Nilpferd-Konzert und Hyänengeschrei. :-) Wir waren froh, diesen Weg gewählt zu haben. Für die Nacht wollten wir auch noch zwei Wächter haben, denn man sagte uns, hier können Elefanten und Löwen vorbeilaufen. Echte Massai Krieger – da kann nichts passieren.

Wildcamp Masai

Camping am Mara River

[Jörg:] Am nächsten Morgen konnten wir von unserem Campplatz Kenias Wildlife aufwachen sehen. Der Masai Mara Nationalpark ist gleich auf der anderen Seite des Mara Rivers, an dem wir campten, und so sahen wir – aus etwas größerer Entfernung – nochmals fast alle Tiere, die der Park zu bieten hat. Leoparden blieben allerdings immer noch ungesichtet – auf der anderen Flussseite hätten wir sie gern in den Bäumen gesichtet, auf unserer Seite wären wir über eine Sichtung nicht ähnlich erfreut.

Der Fluss ist so reich an Nilpferden und die Möglichkeit, diese dort in Ruhe zu studieren, ist garantiert, so dass auch die Tichwe Lodge, bei der wir gestern nach einer Campmöglichkeit fragten, ihre Gäste hierher bringen, um ihnen die Nilpferde zu präsentieren. Wir trafen die Gäste morgens neben unserem Camp an, doch Lodge Gäste scheinen nicht mit gemeinen Overland Campern zu fraternisieren – unser Gruß blieb jedenfalls unerwidert. Dafür bekamen wir etwas später Besuch. Er stellte sich als ein Manager der Lodge vor und fragte, was wir auf seinem Land machen würden. Wir erklärten, dass wir von den Dorfbewohnern an diesen Platz geführt wurden, sie sagten, dass es ihr Land sei, und wir sie schon bezahlt hätten. Er ließ jedoch nicht davon ab, wir müssen verschwinden oder die Lodge bezahlen. Wir sind also nach einem ausgiebigen Frühstück los, sprachen am Enkutoto Village erneut mit Chief Olorokoi (John) und das freudige Ergebnis: Wir können bleiben, die Lodge und die Massai haben wohl zwischenzeitlich den Kriegsgraben, auf dem wir campten, begraben. Diesmal ohne Security, dafür waren die Campingkosten mit 2000 KSH pro Wagen auf einmal teurer als am Vortag. Auch wenn der Preis die Leistungen des Campingplatzes nicht widerspiegeln (es gibt keine Leistungen: keine Dusche, keine Toilette, kein Strom, …), sondern eher das neue Handy vom Chief, seine neuen Crocs etc., der Platz ist das Geld definitiv wert und hat es bei mir auf Platz 1 unserer Top Ten der bisherigen Übernachtungsplätze gebracht. Wir wissen nicht, wer hier eigentlich im Recht war, ob Herr Manager nur schnelles Geld machen wollte, indem er ein paar Mzungus über ’s Ohr hauen wollte, oder ob sein Hauptanliegen war, die störenden Overlander-Camper zu vertreiben, weil sie den distinguierten Lodge-Gästen die Exklusivität des Augenblicks raubten, oder ob ’s eigentlich wirklich Lodge-Gelände war und er sich vom Chief nachträglich seinen Anteil holte, alles ist möglich – wir sind hier schließlich in Afrika… Für uns war eigentlich auch nur wichtig, dass wir noch einen Tag hier verbringen konnten und diesmal in Ruhe gelassen wurden.

Wir verbrachten den Tag hauptsächlich mit Lesen und Hippos beobachten. Außerdem nahmen Anja und ich gerne das Angebot an, Jan & Trevors „Badezimmer“ für eine Dusche zu nutzen. Die beiden können den Aufgang zu ihrem Dachzelt mit Planen zuhängen und haben eine dieser „Pump-Spritzen“ – ihr wisst schon, womit in unserer Kindheit im Garten Unkrautvernichtungsmittel gespritzt wurden, bevor dies politisch unkorrekt wurde – als Dusche. Herrlich! Das Wasser wird vorher mit Solarsäcken aufgewärmt und ist dann so warm, dass es mit kaltem Wasser gestreckt werden muss. Es ist so einfach, so effizient und so wohltuend – es ist einfach etwas, dass wir bei der nächsten Reise auch dabei haben werden.

Zunächst mussten wir uns gegen die Sonne schützen; dann kam der übliche „16-Uhr-Wolkenbruch“, doch diesmal unüblich stark und lang anhaltend. Umso wichtiger war uns diesmal das Lagerfeuer, das Trevor und ich diesmal zu groß entfachten, dass wir auch heute früh noch unser Kaffee- und Tee-Wasser auf den gestern zugeschütteten Kohlen zum Kochen bringen konnten. Gleich geht ’s dann weiter, und zwar ganz ungewohnt nach Norden. Ziel ist entweder auf Rusinga Island, wo es einen ganz tollen Campingplatz am Lake Viktoria geben soll, oder gleich Uganda – wo immer uns der Rückenwind hintreiben wird…


 

 

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• Samstag, September 05th, 2009

Nach der Abfahrt aus der Timau Lodge stand gleich nach wenigen Minuten schon der erste Sightseeing-Point an: die Überquerung des Äquators, der damit einhergehende Sprung auf unserem Navigationsgerät von Nord- auf Süd-Koordinaten

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und das obligatorische Foto unter dem Äquator-Schild

Ab in den Süden

Ab in den Süden

Wir sehnten uns sehr danach, in Jungle Junction endlich anzukommen. Gerüchteweise soll es hier Internet geben, sogar Waschmaschinen, Zimmer und genügend Platz zum Campen, ein wöchentliches Barbeque und das tollste: Jungle Junction befindet sich mitten in der afrikanischen Hauptstadt des Shoppings. Wir erwarteten also viel als wir nach 2 bis 3 Stunden in die Amboseli Road einbogen. Und es bewahrheitete sich alles: Wifi bis in die letzte Ecke des großen Gartens, Waschmaschinen und Trockner, leckeres Essen… Wir hatten schon eine ganz schön lange Durststrecke hinter uns mit all den Einrichtungen, die einem das Leben schöner machen.

Zu unserer größten Überraschung sahen wir, als wir ankamen, den Landcruiser der Franzosen auf dem Rasen stehen. Nur leider waren sie gerade in der Stadt unterwegs.

Wieder eine Hauptstadt und wie bisher wiederholt sich hier vieles. Wir haben eine lange To-Do- und Shopping-Liste, die es abzuarbeiten gilt.

Doch bevor es an die Arbeit ging, genossen wir in Jungle Junction aber erst mal die Overlander-Atmosphäre. Schon ein paar Stunden nachdem wir angekommen waren, kamen auch Laurent und seine Familie von ihrem Ausflug zurück. Die Wiedersehensfreude war auf beiden Seiten groß. Hier trafen wir auch andere alte Bekannte wieder: Iain, der sich zwei Tage vorher schon von uns verabschiedet hatte, und das deutsche Ehepaar, das wir im Sibiloi National Park getroffen hatten. Ein paar Tage später, als Iain sich Richtung Uganda auf den Weg gemacht hatte, schlug auch sein Reise-Kompagnon Ryan mit Freundin Laura in Jungle Junction auf. Und zu aller Überraschung kamen an einem Abend auf einmal Pepe und seine Familie in Jungle Junction an. Boni und Miguel waren leider nicht dabei, aber wir hörten, dass er mit seinem Auto gut durch Nordkenia gekommen ist, und mittlerweile zurück in Spanien ist. Jungle Junction ist definitiv ein Ort zum Wiedertreffen und Neukennenlernen von Leuten.

Camping in Jungle Junction

Camping in Jungle Junction

Unsere Ecke

Unsere Ecke

Unsere Shopping-Liste versuchten wir gleich am Sonntag abzuarbeiten. Im Nakumatt Center bekamen wir allerhand gewohnte Waren wie Nutella, Heinz-Ketchup, Hummus, Kürbisse,… Aber damit nicht genug, am Montag gings ins Yaya-Center, wo wir sehr günstig Obst und Gemüse und vernünftiges Brot einkaufen konnten. Außerdem gab es hier einen Buchladen und ein Fotogeschäft, sowie einen Supermarkt mit Frankfurter Würstchen, Speck, einen vernünftigen Metzger mit Salami und Fleisch. Das Village-Center war am nächsten Tag dran. Dieses sehr luxuriös aussehende Shopping-Center beherbergt alle möglichen kleinen Shops mit Souvenirs, Klamotten, Büchern, Brillengeschäfte und einen riesigen Food-Court mit einem deutschen Restaurant, Chinesen, Italiener, Steak House. Hungrig blieb da keiner. Damit Willi nicht leer ausgeht, gingen wir auch zum Toyota-Händler und kauften einen neuen Luftfilter und einen neuen Dieselfilter.

Zwischen unseren Shopping-Exzessen gab es aber auch formale Dinge zu erledigen. Da wir über die grüne Grenze zwischen Äthiopien und Kenia eingereist waren, hatten wir immer noch keinen Immigrations-Stempel in unserem Pass. Zudem war unsere Carnet noch ungestempelt. Also fuhren wir mit dem Taxi quer durch die Stadt und irrten dann in den Bürogebäuden herum. An der Passstelle scheiterten wir leider mit unserem kläglichen Versuch, das Single Entry Visum in ein Multiple Entry Visum umzuwandeln. Aber immerhin teilte uns der strenge Beamte mit, dass wir einmal eingestempelt in Kenia für weitere Besuche in Kenia in den nächsten 3 Monaten nichts zu bezahlen hätten. In dem Gebäude („Times Tower“), in dem wir die Carnet abstempeln ließen, wurden wir von Stockwerk zu Stockwerk geschickt und innerhalb der Stockwerke von einer zur nächsten Person. (Nur am Rande: Die Abteilung „Enforcement“ im vierten Stock ist der Ort, an den man die Carnet bringen möchte…) Wie viele Kilometer wir dabei gemacht haben, konnten wir leider nicht ausrechnen.

Außerdem haben wir mit Jan und Trevor ihren 12. Hochzeitstag im Restaurant namens „Rusty Nail“ gefeiert:

Das glückliche Paar

Das glückliche Paar

Donnerstagmorgen gingen wir zum Zahnarzt, da mein Unterkiefer schon seit Wochen weh tat. Am Eingang zum Zahnarzt lernten wir eine riesige Schildkröte kennen, die offensichtlich zur Praxis gehörte. In der Swedish Dental Clinic war ich auf jeden Fall gut aufgehoben. Die Zahnärztin schliff mir nur eine Füllung ab, die offensichtlich nach 3 Anpassungen immer noch zu hoch war. Und dabei versprach sie mir auch gleich, dass sich meine Beschwerden sofort bessern werden. Ich kann jetzt sagen: Ja, ich habe keine Schmerzen mehr und bin sehr zufrieden damit. :-)

Schon seit Jahren auf dem Weg zum Zahnarzt

Schon seit Jahren auf dem Weg zum Zahnarzt

Sag "Hi" zu Momo

Sag "Hi" zu Momo

Das war uns aber nicht genug Tiere, wir gingen aufgrund eines Tips der Spanier noch in eine Elefanten-Waisen-Aufzuchstation. Hier haben wir viele Bilder gemacht:

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Nairobi Elephants

Elefanten Aufzuchtstation in Nairobi

Auch für unser leibliches Wohl haben wir gesorgt:

Tischlein deck dich

Tischlein deck dich

Männersache

Männersache

nairobi_007An unserem letzten vollständigen Tag in Nairobi wurde Willi noch mal gut gepflegt, bevor es weiter geht. Er bekam noch einen Ölwechsel, Jörg wechselte den Luftfilter und den Dieselfilter und ich putzte alle Scheiben von innen uns außen. Wir belohnten uns mit der getanen Arbeit und gingen ins Kino: Harry Potter. „Kino“ ist inzwischen zu einem festen Hauptstadt-Programmpunkt geworden. :-)

An unserem Abfahrtstag packten wir morgens alles zusammengepackt, und damit wir schneller wegkommen, planten wir ein Frühstück bei Nakumatt ein. Dort kauften wir in großen Wasserbottichen Wasser ein. Unser Plan war, die riesigen Wasserkanister inkl. Pfand zu kaufen, das Wasser in unsere Behälter umzufüllen und dann die leeren Flaschen zurückzubringen und den Pfand bekommen. Leider ist das nicht die Philosophie von Nakumatt. Pfand wird nicht ausbezahlt, das Pfand ist zum Tausch in einen neuen Wasserbottich gedacht und wenn man Glück hat, bekommt man einen Gutschein zum Einkaufen. Wir hatten ewig diskutiert, denn was sollen wir mit einem neuen Wasserbottich? Am Ende hatten wir einen Gutschein bekommen und mussten einkaufen, obwohl wir nichts mehr brauchten. Nur damit man ein Gefühl für die Preise bekommt: ein 19,8 Liter Wasserkanister kostet 330 KSH + 1000 KSH Pfand (ca. 3,30€ und 10€ Pfand). Knapp 7 Euro für fast 40 Liter Trinkwasser sind eigentlich ein echtes Schnäppchen. Aber wir haben gelernt aus dieser Pfand-Diskussion.

 

 

Category: Kenia  | 3 Comments

3 Responses

  1. 1
    Lars 

    Moin,

    einmal Äquator überqueren war euch wohl zu wenig, was?

    Schönen Gruß von der Ostsee

    Lars

  2. 2
    Joerg 

    Jambo Lars,

    klar. Einmal kann ja jeder… ;-) Wobei ich Glück hatte, dass die anderen ihre Chance verpasst haben, mich Äquator-Jungfer zu taufen.

    Viele Grüße aus Kampala,

    Jörg

  3. 3
    kaschidH 

    Hallo Weltenbummler,

    wie Kampala???!!! Ich hatte Euch doch mit auf den Weg gegeben, dass ihr eine Lodge in Kenia übernehmen oder eröffnen sollt. Ich habe das Gefühl ihr habt nur Jaja gesagt um mich los zu werden. Naja was solls, Uganda soll ja auch ganz nett sein… Spaß beiseite, ich habe neulich von Euch geträumt. Ihr musstet die Reise abbrechen, weil ihr nen Platten hattet und Jörg ist ohne Ankündigung zur Geburtstagsfeier erschienen. Das Geschenk war ein frischer Druck Eures Reiseberichtes. Ich zweifelte noch, wann ich wohl dazu kommen werde die 1000 Seiten zu lesen, als Jörg mir sagte es sei der erste Teil: Deutschland bis zur Türkei… Naja ist wohl ein wenig überspitzt gewesen der Traum. Es macht aber deutlich, dass ich das Gefühl habe ihr sprüht nur so vor Eindrücken. Ich denke diese Homepage ist schon genial wird aber der Summe Eurer Eindrücke wahrscheinlich trotzdem nicht gerecht… Soll ich schon mal einen Saal für den Diavortrag anmieten? Liebe Grüße und viel Spaß noch…

    Karsten

    PS: Ne ruhige Lodge in Südafrika wäre auch nett…

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