Archive for ◊ August, 2009 ◊

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• Freitag, August 28th, 2009

Unsere Karte zeigte die Abfahrt nach Wamba in Baragoi, die von Jan & Trevor wies sie südlich von Baragoi aus, und unsere Track4Africa-Karte (Stand 8.10.3) hatte die Strecke noch gar nicht verzeichnet. Umso eifriger hörten wir Adrian zu, als er uns den Weg an seinem letzten Abend in Baragoi am Lagerfeuer beschrieb. Nach Adrians Beschreibung mussten wir einfach die C77 weiter südlich fahren und dann die zweite Abfahrt links nehmen; ab dann immer auf dieser Straße bleiben. Die Beschreibung hat gestimmt, die Abfahrten sind aber sehr unauffällig und bei der zweiten gibt es nicht mal ein Schild (N 1° 40.118, O 36° 48.205’). Wir befanden uns nun auf dem Weg nach Barsaloi, dem Ort, an dem „die weiße Massai“ gelebt hat. Anja erwähnte immer wieder, nun an vielen der beschriebenen Orte selbst gewesen zu sein und sich damit einen eigenen Eindruck machen zu können, und auf die To-Do-Liste für Nairobi wurde geschrieben: „‚The White Massai’ kaufen“, um nochmals alles genau nach zu lesen. (Das Dorf selbst ist aber allerdings recht unscheinbar und sicherlich nur für die härtesten Fans die strapaziöse Anreise wert.)

[Anja:] Wer das Buch gelesen hat, wird mit Dorf-Namen wie Baragoi, Barsaloi, Maralal, Wamba etwas anfangen können. In Barsaloi lebte Corinne Hofmann, in Wamba brachte sie ihr Kind zur Welt. (Wir kauften später in Nairobi nicht nur „The white Masai“, sondern auch „Reunion in Barsaloi“, in der sie beschreibt, wie sie nach 14 Jahren wieder zurück nach Barsaloi reist, um dort ihre Familie zu besuchen. Sie beschreibt auch die dortige Mission und die jetzigen Angestellten. Das witzige dabei ist, dass Iain in der Mission bei den Leuten, die auch im Buch beschrieben sind, nach Wasser gefragt hat. Und wir haben alles live gesehen :-) )

Auf der Strecke hatten wir wieder viele Flussdurchfahrten wie im Omo Valley. Doch anders als dort, sind wir hier sogar zweimal ausgestiegen und die Strecke vorher abgelaufen. Das mag unter anderem an Adrians Warnung gelegen haben, dass eine der Durchfahrten, südöstlich von Sware, nicht ohne sei, er hätte hier beinah mal einen Defender im Treibsand verloren. Außerdem sei hier immer Wasser anzutreffen, selbst wenn alle anderen Flussbette ausgetrocknet sind. Wir sahen an dem besagten Flussbett zwar Leute mit Kanistern an einem gegrabenen Loch stehen – das Wasser konnte also nicht so tief sein –, doch das Bett selbst war oberflächlich trocken. Neben dieser waren aber auch andere der Flussdurchfahrten interessant, die es erforderten nahtlos zwischen dem ebenen Fahren auf losem Sand im Flussbett auf Steigungsfahren auf großen, groben Steinen an den steilen Rändern umzuschalten.

Das Flussbett vor der Durchfahrt

Das Flussbett vor der Durchfahrt

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Kurz vor Wamba änderte sich erneut der Bodenbelag. Wir hatten hier das längste Stück gnadenlosesten Wellblechs unserer bisherigen Route – allzu viel schlimmer kann die Route Moyale – Isiolo auch nicht sein. Sully ist mehrmals hinten ausgebrochen, weil das ABS sich einmischte (beim TD4 angeblich nur gegen Aufpreis abschaltbar – sagt alles oder… ;-) ). Nördlich vor Archers Post spuckte uns unsere Omo Valley Durchquerung dann wieder aus. Staubig, aber glücklich, sahen wir nach über 1000 km Offroad wieder Asphalt. Zurück auf Asphalt, zurück in der Zivilisation! Wir fünf waren unterschiedlicher Meinung, ob man die Strecke nochmals fahren würde. Ich war der einzige, der durchaus sofort wieder umgedreht wäre, Anja dagegen hat ’s erstmal gereicht. Wir hatten auf jeden Fall großes Glück mit dem Wetter. Die anhaltende Dürreperiode, die hier vielen derzeit zum Problem wird, hat uns die Fahrt nur erleichtert. Doch ob diese Route nun empfehlenswerter ist als die Route Moyale – Isiolo, die viele Blogs als die schlechteste Straße Afrikas einschätzen, das können wir nicht sagen, fehlt uns doch dazu die Erfahrung mit dieser Route. Wir haben nur soviel von gebrochenen Stoßdämpfern, Achsen und / oder Reifenschäden gehört und gelesen, dass wir meinen, die richtige Wahl getroffen zu haben. Bis auf einzelne Ausnahmen hatte eigentlich jeder, mit dem wir sprachen oder von dem wir hörten, kleinere bis größere Schäden auf dieser Strecke bekommen. Wir dagegen wurden zwar ordentlich durchgeschüttelt – sehr ordentlich durchgeschüttelt –, hatten aber hatten keinerlei Schäden zu verzeichnen. Überhaupt waren wir stolz wie Oskar auf unseren Willi, was er hier spielend geschafft hat. Trevor, überzeugter Defender-Anhänger und -Fahrer, musste zugeben, dass es manches Mal ganz einfach aussah, wenn wir mit unserem Landcruiser wo lang fuhren, während sich der Defender nur sehr schwerfällig über das jeweilige Hindernis kämpfte. Wie beeindruckt wäre der Nutzer des permanenten Vierradantriebs wohl erst, wenn er wüsste, dass wir selbigen bis auf wenige Ausnahmen nur seltenst nutzten. ;-)

Zum Gelände noch ein kleines Video-Schmarkerl:

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Nun ja, zumindest hatten wir bis hierher keinerlei Schäden… Kaum hatten wir Asphalt berührt (und diesen wieder verlassen) – bei Archers Post sind wir auf die letzten Kilometer der berühmt-berüchtigten Moyale–Isiolo-Route gestoßen, die Straße ist hier abschnittsweise schon fertig, aber teilweise muss man links oder rechts von der Straße auf Pisten fahren – da spürte ich auf einmal einen Schlag von unten gegen meinen Fußraum, und wir hörten seitdem untypische Geräusche für unseren Willi. Nachdem Willi auch auf Asphalt noch übermäßig schaukelte, stiegen wir aus und sahen das Malheur:

Gebrochene Schweißnaht

Gebrochene Schweißnaht

Gegenstück

Gegenstück

Wir können zwar nicht behaupten, dass die Route Moyale – Isiolo auch uns einen Stoßdämpfer gekostet hat, denn der war noch ganz, aber die Stoßdämpferaufhängung hat ’s erwischt. Wie Anja und ich erst jetzt sahen, war die schon mal geschweißt worden und ist an einer der beiden Schweißnähte erneut gerissen – da hat jemand leider nicht allzu nachhaltig gearbeitet… Anja und ich entschieden uns, die Aufhängung erst in Nairobi schweißen zu lassen, und entfernten den Stoßdämpfer, so dass der nicht noch auf den verbleibenden Kilometern kaputt gehen kann. Wir wollten nun erstmal langsam nach Isiolo fahren und dann weitersehen. In Isiolo hielten wir kurz, um endlich Geld an einem Automaten ziehen zu können – fünf Tage nachdem wir Kenia betreten hatten, haben wir hier endlich die erste Bank gesehen. Etwa acht Kilometer südlich von Isiolo kannte Tracks4Africa „Rangelands Hotel & Camping“, doch wir verpassten irgendwie die Abfahrt und die Gegend sah von der Straße zudem ein wenig zwielichtig aus. Ohne Rangeland zu kennen, sind wir dennoch der Meinung, dass das Verfehlen dieses Hotels unser Glück war, denn Anja hatte mittlerweile den Laptop aufgeklappt und wieder einmal in Martins Internetseite gelesen, wo die beiden damals gecampt haben – sie hatte dafür extra alle Länderseiten als PDF ausgedruckt. Nachdem wir den Eintrag gelesen hatten, wollten wir zur „Timau River Lodge“ und konnten die anderen glücklicherweise dazu überreden. Die ca. 50 km weiteren Kilometer fuhren wir sehr bedächtig und achteten auf jedes neue Geräusch, aber Willi hatte keine weiteren Malessen. Und dann kamen wir zur Timau River Lodge bei N 0° 05.124’, O 37° 15.116’. Traumhaft am Fuß des Mt. Kenya gelegen, es gibt viele Tiere vor Ort und einen kleinen Wasserfall. Wir nahmen uns zu fünft ein ganzes Haus mit eigenem Kamin. Iain fuhr bereits am nächsten Morgen weiter nach Nairobi, doch wir anderen blieben insgesamt drei Nächte. Wir haben unsere Eindrücke sortiert, viel gebloggt und gelesen, vorm Feuer gesessen und leckeres Essen gegessen – wir haben einfach den Reise-Stopp-Schalter gedrückt, und es uns ein paar Tage gut gehen lassen.

Timau River Lodge

Erholung vor Nairobi

Jan hat Bananenbrot gebacken

Gekrönte Bäckerin

Gekrönte Bäckerin

und wurde dafür (und für all ihre bisherigen Einsätze) von Anja und mir zur „besten Outdoor-Köchin“ gekürt. Hier haben wir eines Abends auch realisiert, dass wir fast bereits ein Viertel unserer Reise zusammen mit Jan & Trevor reisen (und noch länger schon mit Ihnen via Mail Kontakt gehalten haben). Doch nach drei Tagen wollen wir nun auch noch den letzten Schritt gehen und morgen nach Nairobi aufbrechen.

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• Dienstag, August 25th, 2009

Die Nacht in der Polizeistation war nicht wirklich angenehm. Dies lag nicht an den Polizisten, sondern an dem Sturm, der über Nacht aufgekommen war. Hatten wir noch bei moderaten Böen Essen können, so nahm der Wind gegen 1 Uhr morgens stark zu, und zwar so stark, dass er selbst mich wach hielt. Immer stärker wurde der Wind, so dass um 4 Uhr morgens die beiden Autos ihre Zelte eingeklappt hatten. Nur Iain hatte keine andere Wahl: Sein kleines Zelt musste weiterhin dem Wind trotzen, was es auch tapfer getan hat, während wir anderen vier versuchten, auf den Autositzen noch ein paar ruhige Minuten zu finden.

Die ca. 90 km nach Koobi Fora in dem Sibiloi National Park waren schnell abgeritten. Nach etwa 1 ½ Stunden bogen wir bei N 4° 11.570’, O 36° 26.695’ in den Park. Auf dieser Seite gibt es keinen offiziellen Eingang, aber der Park ist nicht umzäumt. Einfache Holzschilder weisen einen darauf hin, dass man im Begriff ist, den Park zu betreten. Nicht ohne ebenfalls darauf hinzuweisen, bitte zuvor auf der anderen Parkseite in ca. 60 km Luftlinie die Eintrittsgebühr zur entrichten. … Jaah, right! Wir fuhren also geradewegs in den Park und wurden mit vielen Oryx Antilopen belohnt. Viele wurden durch unser Motorgeknatter aufgescheucht, und liefen Iain schnurstracks in seine Bahn.

Auf dem Weg zu unserem Camp in Koobi Fora haben wir auf der lokalen Landebahn noch Kuhantilope grasen sehen.

Der Weg im Park war für uns sehr gut befahrbar, doch wie im Omo Valley profitieren wir auch hier von der anhaltenden Trockenheit, die letztendlich erst dazu führte, dass die Wege nicht matschig, sondern der Sand hart genug war, unsere schweren Wüstenschiffe nicht einbrechen zu lassen. Das letzte Stück zu dem Camping Platz war jedoch recht loser Sand wie bei Stranddünen und hier hatten wir zugegebenermaßen zu kämpfen, nicht unser Momentum zu verlieren.

Von dem Camping Platz (N 3° 56.868’, O 36° 11.180’) hatten wir uns sehr viel versprochen, doch der Platz konnte nicht zuletzt wegen der anhaltenden Trockenheit und des recht starken Windes nicht mit unseren Erwartungen mithalten. Wir waren enttäuscht, da wir uns den Platz in unseren Vorstellungen gnadenlos pittoresk erträumt haben – dieser Vorstellung wegen sind wir letztendlich schon nach drei Nächten von Karkaro Camping aufgebrochen. Die Duschen und Toiletten sind hier sehr sauber, aber der Wind hinderte uns erneut daran, im Auto zu schlafen. Am Haupthaus durften wir ein wenig Schutz suchen und so baute Iain sein Zelt auf der Veranda im Lee auf, wir schliefen dort in Hängematten und Jan & Trevor holten ihre Matratze raus, legten sie auf den Boden und hingen ein Moskitonetz oben drüber. Moskitos gab es natürlich keine – die bleiben bei so einem Wind zu Haus –, aber wir hatten zuvor beim Essen eine Krabbenspinne gesehen und so einen Gesellen braucht man nicht als Bettnachbar.

Jan nutzte das offene Feuer der Camp-Küche, um Brot für uns zu backen. Köstlich! Das fanden auch drei Ginsterkatzen, die uns aus dem Dickicht nicht aus den Augen ließen. Hier im Sibiloi Nationalpark zeigte sich ein weiterer Aspekt, in dem Jan & Trevor unsere Reise bereichern: Durch ihr Aufwachsen in Südafrika sind sie weitaus vertrauter mit der Tierwelt und dem „Überleben im Busch“ als Anja und ich, die zwar problemlos einen Löwen von einem Zebra unterscheiden können, aber bei aller Hingabe sicherlich noch nicht verschiedene Antilopenarten… Neben für uns neuen Tierarten lernen wir auch noch nützliche allgemeine Verhaltensregeln im Busch, die wir Stadtkinder sonst nur durch wohlmöglich schmerzhafte Fehler eingebimst bekommen hätten. Beispielsweise können wir mittlerweile Hyänen an deren Ruf erkennen und wissen, in deren Gebiet nachts nicht mehr den Wagen zu verlassen (und sich lieber einer Flasche zu bedienen als die Buschtoilette aufzusuchen), oder dass man im Busch lieber auf Steine tritt als drüber hinweg, weil Schlangen häufig direkt dahinter (im Schatten oder in der Sonne) liegen, oder dass gelbe Reflektionen von Taschenlampen häufig von harmlosen Tieren wie Ziegen stammen, grüne jedoch eher von Katzenartigen (und damit Raubtieren), wobei diese Daumenregel vom Terrain abhängig ist, etc.

Gerade als wir am nächsten Morgen aufbrechen wollten, trafen wir auf ein anderes deutsches Paar aus dem Kreis Dingolfing. Sie hatten auch in der Polizeistation Ilerets übernachtet, wurden auch von dem Wind überrascht und sind deshalb ebenfalls früh los, so dass sie nun schon hier waren, als wir gerade los wollten. Doch auch sie waren ein wenig enttäuscht von dem Platz und wollten hier nicht campieren; es war ja auch gerade erst kurz nach 10 Uhr.

Wir verließen den Park beim Gate bei N 3° 39.422’, O 36° 18.918’ und zahlten nachträglich unseren Eintritt: 20 USD pro Person und 300 Kenianische Schilling für Willi. Ursprünglich hatten wir mit 5 USD gerechnet, denn das steht noch im Lonely Planet von 2009. Doch auf dem Camping Platz haben wir dann die richtigen Preise gehört. Hätten wir uns nicht eh schon fürs Weiterfahren entschieden, so hätte es diese Preiserhöhung um 300 % wohl geschafft. Ich habe irgendwo mal gehört oder gelesen, dass in einigen afrikanischen Staaten die Eintrittspreise für Nationalparks derart bestimmt werden, dass der Staat vorgibt, wie viel Geld er dieses Jahr durch den Parkeintritt machen möchte und diese Zahl dann durch die Besucheranzahl des letzten Jahres geteilt wird. Dadurch schwanken die Preise auch recht stark. Vielleicht ist dies ja auch in Kenia so? Das klingt sehr nach „Fünfjahresplan“, aber solange Leute bereit sind, für einen Tag pro Person z. B. 200 USD für die Serengeti zu zahlen (sic!) – und da ist noch nichts weiter drin, das ist der nackte Eintritt –, solange gibt es Nachfrage für das 200 USD Angebot. In unserem Reisebudget ist dies jedenfalls leider nicht drin und so haben wir uns diesen prominenten Kandidaten schon abgeschminkt.

Die Landschaft änderte sich nach dem Park. Zunächst wurde der Untergrund sandiger, danach sah es aus wie auf dem Mars – bis zum Horizont Lavagestein und der rötlich Sanduntergrund machte den extraterrestrischen Eindruck perfekt. Zudem sahen wir auch immer weniger Tiere. Auf dem Weg nach Loiyangalani hatten wir die „C77“ vor uns – eine nationale Straße mit Nummer. Ach, was waren wir naiv in der Hoffnung, dass diese Nummer mit Strassenqualität einhergeht! Unser Weg wurde mit dieser „Straße“ deutlich steiniger – wörtlich und im übertragenen Sinne. So mussten wir an manchen Stellen kleinere Steinbrocken erfahren, wobei „kleiner“ durchaus 20 cm hoch heißt. Teilweise lagen dieser hintereinander und wir wissen seitdem, dass Sully und Willi auch jede kleinere Treppe problemlos erfahren können…

In Loiyangalani nächtigten wir im „Palm Shade Camp“ (N 2° 45.384’, O 36° 43.241’). Wir kamen auch an einem Campingplatz mit Pool im Ort vorbei, aber Iain war auf der C77 vorgefahren und hatte seine BMW bereits dort untergestellt. Auch hier mussten wir unsere ursprünglichen Pläne anpassen: Nach der nicht-erfolgten Erholung in Koobi Fora und unseren Körpern, die nach ein wenig Ausspannung schrien, wollten wir hier ein paar Tage unsere Zelte aufschlagen. Doch obwohl die durch eine heiße Quelle gespeisten Duschen das reinste Balsam für unsere staubige Haut waren (wenn ’s auch mehr ein kleiner Rinnsal denn eine druckreiche Dusche war), blieben wir nur eine Nacht; 750 KSH pro Person für eine Übernachtung in einer Rundhütte, in der das Moskitonetz und die ungewollte natürliche Air Conditioning durch Wandlöcher den einzigen Luxus bereiteten, war uns dann doch ein wenig zu viel.

Wir blieben also nur eine Nacht, aber die eine Übernachtung ließen wir es uns gut gehen: abends gab ’s Chili con Carne und am Morgen Eier mit Speck, zubereitet auf offenem Feuer. Wir wollten auch endlich wieder unsere Gemüsevorräte und Dieseltanks ein wenig auffüllen, doch war uns dies hier schlichtweg zu teuer – nicht nur wegen der schlechten Tauschrate von USD zu KSH, die uns angeboten wurde.

Vor Ort bekamen wir aber noch einen guten Tipp, wie wir weiterfahren sollten: ‚Besser nicht die Straße Baragoi nach Maralal nehmen, auch wenn es die besser ausgebaute Straße ist. Hier gibt es zahlreiche Banditenüberfälle! Besser ist da die ebenfalls gut befahrbare Straße von South Horr nach Laisamis und von dort weiter nach Isiolo’, so hieß es. Wir brauchten nur einen Bruchteil einer Sekunde, um die Konsequenzen von Banditenüberfällen gegen den tollen Blogartikel, den dies bedeuten würde, abzuwägen und entschieden uns also für die Abzweigung in South Horr.

Wir waren guter Hoffnung, die nur knapp 200 km bis Laisamis an einem Tag zu schaffen, doch bereits der erste Streckenabschnitt von Loiyangalani bis South Horr über den Kibrot Pass bekam von uns den Preis für den „bisher schlechtesten Abschnitt auf unserer Omo-Valley-Durchquerung“. Die Steinbrocken auf diesem Abschnitt, die es zu überqueren galt, waren nicht mehr „klein“ zu nennen – auch nicht nach der obigen, bereits recht weit ausgelegten Interpretation dieses Begriffs. Neben der Konzentration auf die Strecke spielte ich noch „Wer bin ich?“ mit Anja, um sie von der Strecke abzulenken.

Doch auch dieser Abschnitt war nach etwas über zwei Stunden (für etwas unter 50 km) vorüber, und wir erreichten South Horr. Nachdem Iain in Loiyangalani seinen Tank nicht aufgefüllt hatte, weil es ihm zu teuer schien, bekam er nun langsam ein ungutes Gefühl, ob er die ganze Strecke bis Laisamis schaffen würde. Wir fragten also bei der hiesigen Mission, ob wir irgendwo tanken könnten. Der Missionär sagte uns, dass das leider erst in dem ca. 40 km entfernten Baragoi ginge, und es wäre auch kein Problem über Baragoi und Maralal gen Nairobi zu fahren, denn die Banditen würden nicht uns erschießen, das machen sie nur mit Einheimischen, von uns würden sie höchstens ein wenig Geld haben wollen. Gut, diese neue Information stellt die Route natürlich in ein ganz anderes Licht – „sie erschießen nur die Einheimischen“. Wir wogen die Konsequenzen eines Überfalls also nochmals gegen den potentiellen Blogartikel ab, brauchten aber nur einen noch kürzeren Bruchteil eines Moments, um zu einem einstimmigen Entschluss zu kommen: Diese Route überlassen wir lieber anderen.

Doch wir standen nun vor einem anderen Problem. Faktisch stand zwar Iain allein vor dem Problem, denn für den weitaus höheren Durst unserer 4WD-Viecher hatten wir vier Fürsorglichen ausreichend vorgesorgt, doch es wird natürlich keiner zurückgelassen, und so attackierten wir dies Problemchen zusammen. Wir standen also vor der Wahl entweder 40 km hin und zurück extra zu fahren oder über Baragoi nach Wamba zu fahren und von dort nach Isiolo gen Nairobi. Wir entschieden uns für letzteres, weil die 80 Extrakilometer bedeutet hätten, dass wir an dem Tag ohnehin nicht mehr nach Laisamis gekommen wären.

In Baragoi konnte Iain seine BMW auch endlich an dem nötigen schwarzen Gold laben lassen. Wir vier nutzten auch die Chance und führten unsere schweren Ponys zur Tränke bei N 1° 46.991’, O 36° 47.259’. Da wir über die grüne Grenze reingekommen waren und noch immer keine richtige Stadt gesehen hatten, sind wir bisher auch weder einer Bank noch einem ATM begegnet; unsere Vorräte kenianischer Schilling waren dementsprechend übersichtlich. Zudem zeigte die Wasserstandsanzeige von unserem Dollar-Reservoir nur noch wenige Striche vor absoluter Trockenheit an. Tanken war also kein Selbstläufer, und wir zogen Einheimische an wie Fliegen. Zu allem Überfluss dauerte das Tanken sehr lang, weil anfangs kein Strom vorhanden war, und Diesel in die Tanks gepumpt werden musste. Wir liehen uns von Jan & Trevor ein paar Dollar, und füllten ein wenig auf.

Beim Tanken trafen wir glücklicherweise auf Adrian, der seinen Defender auftankte. Adrian arbeitet als Projektmanager für den Bau eines Windparks beim Lake Turkana; es soll der größte Windpark Afrikas werden und wird – wenn alles gut läuft – allein 30 % von Kenias Strombedarf decken. Doch der eigentlich „glückliche“ Part an unserem Zusammentreffen war, dass Adrian uns zwei potentielle und seiner Erfahrung nach sichere Camps beschreiben konnte; nicht weit weg, aber weit genug, um nicht ganz Baragoi kurze Zeit später in unserem Camp begrüßen zu dürfen. Wir folgten seiner Beschreibung aus dem Dorf, bogen bei N 1° 47.153’, O 36° 47.481’ von der C77 ab, fuhren etwas später parallel der lokalen Landebahn und danach rechts. Nach etwa 10 km nach der Abzweigung von der C77 sahen wir schließlich Adrians Camp linkerhand unter Bäumen an einem ausgetrockneten Damm. Wir parkten unsere Wagen etwas abseits bei N 1° 44.631’, O 36° 52.281’ – ebenfalls unter schattenspendenden, herrlichen Schirmakazien. Dieser Platz sah aus, als ob er nach den Vorstellungen eines Drehbuchautors angelegt wurde. Er sah fast zu sehr nach „Afrika“ aus, um wahr zu sein. Dieses Camp ist mein neuer Favorit meiner Top-Ten-Übernachtungsliste!

Doch bevor wir uns am Lagerfeuer ganz diesem Ort hingeben konnten, mussten wir noch einen Behördengang erledigen; in Kenia war nämlich am 24. August Volkszählung. Die beiden „Offiziellen“ saßen in Adrians Camp – hinter ihnen sah man noch ein kleines Lagerfeuer glimmen, in welcher deutschen Behörde hat man diesen Anblick – und erklärten uns die Prozedur. Sehr pflichtbewusst füllten sie unsere Angaben in ihren Erfassungsbogen, nur fanden sie leider weder die Schlüsselnummer für den „District“ Niedersachsen noch den für Baden-Württemberg in ihrem Code-Buch. Wir sind nun offiziell – noch bevor wir ganz offiziell eingereist sind – als „Obdachlose“ oder „Vagabunden“ in Kenias Bevölkerung 2009 erfasst. ;-)

Heute haben wir den Tag langsam angehen lassen. Adrian fuhr nach Nairobi zurück, und die etwa zehn Zelte seines Camps wurden alle abgebaut. Doch dies führte leider nicht dazu, dass wir den ganzen Platz für uns hatten. Nein, das Gegenteil war der Fall. Nachdem auch die Guards ihre Sachen gepackt hatten, kamen immer wieder Einheimische, die ihre Ziegen und Kühe entlang unseres Camps trieben. Jetzt war keiner mehr da, der sie vertrieb, standen sie oder setzten sie sich – mal näher, mal ferner –, um zu sehen, was diese „Mzungus“ den lieben langen Tag so machen. An den Tierspuren und deren Hinterlassenschaften hätten wir eigentlich bereits gestern Abend sehen müssen, dass wir bei einem Ziegen-Kühe-Highway campen, doch trunken vor Freude haben wir dem wohl unterbewusst keine gebührende Achtung entgegengebracht.

Zu einem Zeitpunkt setzte sich ein Tribesman direkt an unser Feuerchen, das wir den ganzen Tag über an ließen, weil Anja und Iain unter Jans Anleitung Brot backen wollten.

Dieser Tribesmann hatte nichts anderes zutun, als uns einfach nur zu beobachten; er war in keinster Weise aufdringlich, noch machte er irgendwelche Anstalten, sich mit uns unterhalten zu wollen, uns etwas verkaufen zu wollen oder überhaupt einfach irgendetwas haben zu wollen – ganz anders als manch andere Einheimische, die unser Camp passierten. Doch dass wir ständig so im Rampenlicht standen, wurde Jan irgendwann zuviel, so dass die beiden drauf und dran waren, ihre Sachen zu packen und weiterzufahren. Iain gelang es jedoch immer wieder, die Leute aus unserem Camp zu komplimentieren. Einfach nur durch Bestimmtheit in Worten, ohne Kraft in irgendeiner Aktion, nahm er beispielsweise unseren Tribesman bei der Hand, erklärte ihm, was er tat und warum er es tat, indem er ihn zu dem nächsten Baum in ca. 20 m Entfernung führte (auch wenn dieser ihn natürlich nicht verstehen konnte), ließ ihn sich dort niedersetzen und uns von dort beobachten.

Afrikaner haben ein anderes Verständnis von Privatsphäre als wir Europäer, gerade die hiesigen Stämme haben überhaupt kein Konzept von Privatsphäre. Wir profitieren davon, indem uns keiner verscheuchen kann, denn das Land gehört ja allen (oder eben keinem), doch die andere Seite der Medaille ist, dass sich mit dem gleichen Recht auch jeder an unser Lagerfeuer setzen kann. Für unser Gefühl war dies jedoch manches Mal ein wenig zu nah; wir wollten unsere Wagen vom Staub befreien und mussten dazu alles ausräumen, wir wollten auch irgendwann etwas kochen und brauchten bei beidem verständlicherweise – aus europäischer Sicht – keine Zuschauer. Für uns hatte es ein leichtes „G’schmäckle“, dass wir die Einheimischen vertrieben, nachdem wir uns auf ihrem Land ausgebreitet hatten, aber es ging auch nicht anders, mit diesem Magengrummeln mussten wir leben.

[Anja:] Zwei weitere ständige Gäste in unserem Camp waren „Donkey 1“ und „Donkey 2“, zwei mehr oder weniger wilde Esel.

Auch wenn sich somit beim nächsten Sonnenlicht manches Gold dieses Camps als Blech entpuppte, so bleibt es für mich dennoch weit oben in meinen Top Ten. Ich bereue jetzt schon, dass es morgen bereits weitergeht, denn dieser Platz ist fast ein Klischeeabbild von Afrikafilmen wie etwa „Out of Africa“…

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• Samstag, August 22nd, 2009

„Jujujuju!“

Die Begeisterung über Besucher des Landes hält sich in Äthiopien kaum in Grenzen. Schon nach dem Grenzübertritt begegneten wir laut rufenden Kindern, wildem Gewinke und manchmal auch stummer Verwunderung in den Gesichtern.

Ein freundliches Lächeln sieht man auch manchmal, die Mehrheit jedoch überwirft sich schier mit „Jujujujuju“. Dies bedarf einer Übersetzung: „Jujujujuju“ bedeutet so viel wie „You-you-you-you-you“ und das kann man übersetzen in „Hallo Fremder“ oder in eine Kurzform von „You, give me (money, water, pen)“. Diese Erklärungen haben wir uns nicht selbst ausgedacht, sondern Hilfe durch Locals bekommen.

Hält man am Straßenrand an, was ja durchaus vorkommen kann, wenn man ein Foto von der Landschaft machen oder einfach nur pinkeln möchte, muss man damit rechnen, dass in kürzester Zeit ein kleiner Auflauf um das Auto herum entsteht. Bleibt man im Auto sitzen, kleben die Nasen und Finger an der Scheibe und man kann die typischen Sätze, bzw. Worte, hören: „Pen“, „Bottle“, „Give me money“, „Birr“, „Mister, give me“… Was auch immer, es wird gebettelt, was das Zeug hält. Steigt man jedoch aus, wird man beäugt und jeder Handgriff wird genau beobachtet. Sobald man sich außerhalb des Wagens befindet, ist Ruhe im Karton. Keine Bettelei, kein Gegrapsche.

Aethiopien_Resumee_006Was wir schnell feststellten, war, dass man die Kinder irgendwie in ein Gespräch verwickeln, sie ablenken, muss. Zudem lernten wir, dass das Austauschen der Namen eine Respektsbekundung darstellt. Leider haben die Kinder Äthiopiens das noch nicht so gut im Griff. Ich möchte dazu eine Unterhaltung zeigen, die so auch wirklich stattgefunden hat:

(Kind kommt und schaut uns an)

Kind: „What’s your name?“

Jörg: „Jörg. What’s your name?“

Kind: „Foujé. (grinst, es vergehen 5 Sekunden) … One Birr!“

In Konso kostet es also was, sich gegenseitig die Namen zu erzählen.

Wir sind ja aber größtenteils durch das Land gefahren und haben immer lange nach Orten gesucht, die menschenleer aussahen. Beim Fahren erlebt man neben dem Rufen auch, dass man mit Steinen beworfen wird (zum Glück bei Autos weniger der Fall, die Motorradfahrer, die wir kennenlernten erzählten, dass das häufig vorkam). Auch viel vertreten sind die „Peitschenknaller“, also die Jungs oder Mädels, die ihr Vieh auf der Straße treiben und sobald das Auto die Gruppe passiert, laut mit der Peitsche knallen. Und das ergibt einen Ohren betäubenden Knall. Was bei den Motorradfahrern besonders gut ankam, waren die Kinder, die mit einem Stock nicht nur ihr Vieh getrieben haben, sondern auch die Biker. Das ist zum Glück auch etwas, was bei Autos weniger angewendet wird.

Wie gesagt, die Emotionen, die wir hervorriefen, waren grenzenlos. Wir sahen mehr Stinkefinger als in jedem Land zuvor und hörten auch deutlich mehr „Fuck you“s, aber wir wurden auch mehr als irgendwo sonst bisher mit Daumen hoch begrüßt oder eben einem freudigen Lächeln.

[Jörg:] Mentalität

Es ist ein sensibler Punkt und vielleicht würden wir rückblickend es auch einfach auf eine gewisse Gereiztheit zurückführen, aber der Eindruck wurde auch von vielen Ex-Pats, die bereits länger vor Ort leben, beschrieben: Als „Faranji“ (= Ausländer) ist man keine Person, sondern ein Etwas, das einem in der Vergangenheit ohne irgendeine Gegenleistung Geld, Essen, T-Shirts, irgendetwas gegeben hat und das es jetzt bestimmt wieder tun wird. Genau das ist es, was Anja und mich hier sehr stört (und wenn man mit anderen Travellern spricht, auch alle die): Von der breiten Masse werden wir hier nicht als Mensch gesehen, sondern als Geldsack, der gefälligst etwas springen lassen soll. Das soll die vorhandenen Nöte der Menschen nicht reduzieren – die Armut vieler Menschen ist allgegenwärtig –, aber die Reduktion unserer Personen auf Geld führt vielleicht auch verständlicherweise zu einer blockierenden Ablehnung bei uns.

Der Kommunismus der 70er bis 90er Jahre hat zudem dazu geführt, dass viele Äthiopier sich im Recht fühlen, wenn sie Sachen von (vermeintlich) Reicheren nehmen, wobei unsere persönliche Erfahrung dagegen ist, dass zwar permanent gebettelt wird, aber Privateigentum respektiert wird. (Gerade Kinder wollen zwar alles Mögliche haben, aber uns wurde nie etwas geklaut.)

Der Entwicklung des Landes steht zudem die äthiopische Mentalität im Weg: ‚Mir muss es nicht gut gehen, sondern nur besser als dem Nachbarn.’ Diese Einstellung ist uns in Deutschland sicherlich auch nicht so fremd, doch während sie bei uns konstruktiv ist oder zumindest sein kann, ist es in Äthiopien leider nur allzu häufig destruktiv: Da wird schnell der Leumund des Erfolgreicheren oder mehr angegriffen, man wird zu Recht oder zu Unrecht bei der Obrigkeit angeschwärzt und weniger Skrupellose können sich frei bedienen, sind sie doch dank politischer Schulung „im Recht“. Viele Hilfsprogramme verpuffen, solange sich an dieser Einstellung nichts ändert. Das Schlimme daran ist, dass die Hilfsprogramme Wasser und Brennstoff zugleich sind: Sie sind notwendig, um den Brand zu löschen, doch dank ihrer muss ein großer Teil der Bevölkerung eben diese Einstellung nicht ändern. Jeder, der sich jetzt denkt, ob ich im Sudan zuviel Sonne abbekommen habe, sollte einfach mal eine längere Individualreise nach Äthiopien machen…

Wie so häufig, ist Bildung der Schlüssel – oder kann zumindest einer der Hauptbestandteile sein. Doch da greift ein weiteres Mentalitätsproblem, so zumindest unsere Ex-Pat-Quellen: Bildung ist bei der breiten Bevölkerung kein erstrebenswertes Gut. In unserer Geiz-ist-geil-Superstar-Ära mag es damit auch nicht so Aethiopien_Resumee_003weit her sein, aber es gibt wenige, die verneinen würden, dass Bildung für die eigene Biographie förderlich ist. Hier dagegen, leben – vor allem auf dem Land – viele noch das Bauern- / Viehhüter-Leben, das schon ihre Eltern so gelebt haben und ihre Großeltern und ihre Urgroßeltern und ihre Ururgroßeltern und … Dazu muss man weder einen Dreisatz können noch noch einen Goethe kennen noch wissen, wer in einer Demokratie Gesetze erlässt.

Umgang mit Tieren

Leider spiegelt sich das eben gesagte auch im Verhalten der Äthiopier mit ihren Tieren wider. Wer die Pferde und Esel gesehen hat, würde am liebsten eine Tierschutzorganisation anrufen. Die Pferde werden vor Kutschen oder Wagen gespannt und im Galopp durch die Straßen getrieben, scheinen aber auch nicht genug Futter zu bekommen, denn ihre Knochen standen überall hervor. Die Esel teilen fast dasselbe Schicksal, auch wenn sie meist nicht so abgemagert aussahen. Die Esel müssen Lasten tragen, da tun einem beim Zuschauen schon die Augen weh. Und anschließend werden sie mit einem Stock in die richtige Richtung geprügelt. Kein Wunder, dass viele Esel uns nahezu selbstmörderisch vors Auto gelaufen sind… Eine Erklärung für den Zustand der Tiere war für uns, dass sie genauso als verschleißbare Gegenstände angesehen werden, die man nicht warten muss, weil man sich ein neues holen kann, wenn es nicht mehr taugt.

Männerfreunde

Was uns Europäern sehr fremd vorkommt, sind die Männer, die Händchen haltend durch die Straßen laufen. Die sind nämlich keineswegs schwul, sondern nur befreundet. Dafür sieht man weniger gemischtgeschlechtliche Paare Händchen haltend auf der Straße herumlaufen. Dieses Bild kennen wir schon aus den arabischen Staaten, doch dachten wir, dass dies ab Äthiopien nicht mehr so häufig anzutreffen sei.

[Jörg:] „Zeigekinn“

Etwas, was uns ebenfalls sehr befremdlich vorkam, war die Art, wie auf Objekte gezeigt wird. Durch Ägypten und auch Sudan waren wir ja schon mit einigen uns nicht gleich verständlichen Gesten bekannt gemacht worden, aber dies war neu: Zeigt man mit dem Zeigefinger in Äthiopien auf ein Objekt, so schauen die Äthiopier nicht in die gezeigte Richtung, sondern auf den Finger. Möchte man dagegen in eine Richtung zeigen, so wird dafür das Kinn in die entsprechende Richtung gestreckt. Darauf muss „Europäer“ erstmal kommen…

Straßenverhältnisse

Nach Bulgarien und Rumänien stellt Äthiopien für uns hier einen Rekord auf, was die Qualität der Straßen angeht. Leider Aethiopien_Resumee_004einen Negativrekord. Gleich nachdem man nach Äthiopien reingekommen ist, hört die geteerte Straße auf und kommt bis Gonder nicht wieder. Richtung Simien Mountains und Richtung Lalibela hatten wir entweder nur mit der Planierwalze plattgemachte Wege, die aus spitzen Steinen oder Teerstücken, die aus einer anderen Zeit stammen müssen. Besonders anstrengend waren die Abschnitte, in denen es so viele Schlaglöcher gab, dass man ihnen nicht ausweichen konnte und Bodenwellen, die das Auto zum Schaukeln brachten. Was aber allem bisher gesagten die Krone aufsetzte war das Omo Valley. Hier gab es alles: Bodenwellen, Steinpiste (Steine in der Größe von 1cm bis 30cm, rund oder scharfkantig), Flussbetten mit weichem und hartem Sand, Wellblech, Lavagesteinswüste und noch mehr.

Der Einfachheit halber führe ich hier nur die guten, geteerten Straßenabschnitte auf, die wir befahren haben, der Rest war mehr oder weniger „Offroad“ zu nennen:

  • Gonder – Bahir Dar (ca. 175 km)
  • Ca. 10km vor Lalibela – Lalibela
  • Gashema – Debre Sina (ca. 440 km)
  • Nach Debre Sina – Addis Abeba – Shashemene (ca. 435 km)

Elektrizität / Wasser

Wer nach Äthiopien reist, sollte genügend Taschenlampen bzw. Batterien mitnehmen. Was wir schon am Tag unserer Ankunft feststellen mussten, war, dass ganze Orte zeitweise ohne Strom leben müssen; fast jeder Ort hat einen Anschluss an das Stromnetz, jedoch werden die Orte nur bspw. jeden zweiten Tag mit Strom versorgt. Das liegt aber nicht daran, dass das äthiopische Elektrizitäts-System nicht alle Orte gleichzeitig versorgen kann, sondern weil die Regierung bestimmt hat, dass es weniger Strom für alle gibt. Dafür gibt es laut verschiedener Einheimischer mehrere Erklärungen. Die eine ist, dass die Regierung „Strom-Portionen“ an umliegende Länder verkauft hat und somit die Strom-Ration fürs eigene Land runtergesetzt wird. Die andere Erklärung ist, dass vor Jahren ein Angebot einer deutschen Strom-Firma eingeholt wurde, das Elektrizitätsnetz des Landes aufzumöbeln, dieses Angebot am Ende aber zu teuer war und die Chinesen mehr Bakschisch gezahlt haben. Leider ging die Rechnung nachher nicht auf, und man kann es sich nun nicht mehr leisten, das existierende Stromnetz auszubauen und zu warten.Aethiopien_Resumee_001

Was alles am Strom hängt, haben wir im Laufe unseres Aufenthalts feststellen müssen: Wasserpumpen zum Beispiel. Man muss also damit rechnen, nur an dem Tag duschen zu können, an dem es auch Strom gibt. Wer sich besonders ungeschickt anstellt, reist so durch Äthiopien, dass er mehrere Tage kein Wasser bekommt, weil die Orte durch die man fährt, entweder keinen Strom haben oder keine Wasserlieferung bekamen. Wims Holland House zum Beispiel liegt auf einem Hügel in Addis und bekommt deswegen kein Wasser über eine Leitung. Die Pumpen sind zu schwach, um das Wasser der Stadt dort hinauf zu transportieren. Kein Strom heißt vieler Orts auch „kein Diesel / Benzin“, weil auch hier die Pumpen nicht betrieben werden können. Gibt es keine Tankstelle mit Generator kann schnell eine ungewollte Treibstoffknappheit beim eigenen Fahrzeug entstehen.

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• Freitag, August 21st, 2009

Vor zwei Tagen starteten wir unsere Weiterreise in den Süden. Wir verließen Billys Camp gegen 11 Uhr und erreichten bereits etwa 1 Stunde später Shashamene. Hier teilt sich der Weg: rechts geht’s ab in Richtung Omo Valley, geradeaus geht’s Richtung der berühmt-berüchtigten Moyale-Isiolo-Route. Die ist deshalb „berühmt-berüchtigt“, weil es ca. 500 km Wellblechpiste bedeutet. Das Internet ist voll von Blogs, in denen berichtet wird, wie Stoßdämpfer, Federn oder ganze Fahrwerke dieser kenianischen „Nationalstraße“ Tribut zollten. Wir hatten uns schon vorher fürs Omo Valley entschieden und hielten uns daher rechts. Das Omo Valley ist vor allem bekannt durch den Stamm der Mursi, deren Frauen sich als Statussymbol die untere Lippe aufschneiden und eine kleine Platte einsetzen – dazu müssen allerdings erst die unteren Schneidezähne rausgeschlagen werden… Da sich die Lippenhaut weitet, können immer größere Platten eingesetzt werden und je größer die Platte, desto höher der Status. Um das an dieser Stelle vorweg zu nehmen: Mursi-Frauen haben wir leider keine getroffen, aber dafür andere Stämme.

Die Straßen bis hierher waren gut, und wir kamen schnell durch. Billy, der Eigentümer von Karkaro Camping, hatte uns allerdings vorgewarnt, dass der Abschnitt bis Arba Minch zunächst gut und dann schlecht befahrbar sei. Nach etwa 150 km hörte die geteerte Strecke auch schließlich auf, und wir mussten ständig von der Straße abfahren. Die Verlängerung der Teerstrecke befindet sich im Bau und ist teilweise auch schon fertig, darf aber noch nicht benutzt werden; man wird ständig umgeleitet und muss rechts und links von der Straße auf Pisten oder durch die Pampa fahren. Und auch hier ein kleiner Vorgriff: Hiermit begann unser Offroad-Fahren. Anfangs immer noch abschnittsweise durch Teerstraße unterbrochen, als wir jedoch in Kenia wieder auf Asphalt gespült wurden, hatten wir über 1000 km Offroad zusammen – wohlgemerkt: 1000 km ohne jeglichen Asphalt.

In Arba Minch übernachteten wir in der Timret Pension – wieder eine Übernachtung ohne Elektrizität und warmes Wasser… Wir waren zuvor noch im Bekele Mola Hotel, doch war uns dies zu teuer. Wir trafen dort aber auf Spuren von Laurent, Caro, Enzo und Ruben. Der Führer, den sie im Omo Valley genutzt hatten, sprach uns an und zeigte uns deren Visitenkarte. Als wir in Addis waren, hatten sie uns über sein Handy eine SMS geschickt und uns gefragt, ob wir uns in wenigen Tagen in Arba Minch treffen könnten, um gemeinsam durchs Omo Valley zu fahren. Wir waren zu dem Zeitpunkt allerdings noch gar nicht mit allen unseren Vorbereitungen fertig, und Jan & Trevor waren auch erst wenige Tage in Addis. Wir mussten ihnen also leider antworten, dass uns dies nicht möglich sein wird und ob sie nicht noch ein wenig Tempo rausnehmen könnten. Das war wiederum ihnen nicht möglich, aber der Guide konnte mir meine SMS in seinem Handy zeigen. Trotz mehrmaligen Nachfragens habe ich habe leider nicht recht rauskriegen können, wie weit sie durchs Omo Valley getourt sind und ob sie auch über die grüne Grenze nach Kenia gefahren sind. Vielleicht sind sie ja dort entlang gefahren, und wir können sie eventuell noch einholen.

 

 

 

 

Morgens wollten wir recht früh los, aber nicht ohne vorher aufzutanken. Willi und Sully waren nicht durstig, aber Iains BMW schrie nach Benzin. In Arba Minch (wie in vielen Orten dieser Gegend) gibt es Benzin nur gegen Vorlage einer polizeilichen Genehmigung. Tags zuvor hatte Iain noch ca. 10 Liter so bekommen, doch heute wollte er noch etwas mehr haben, um Reservekanister aufzufüllen, so dass er zunächst zur Polizeistation fuhr. Das ließ sich noch recht schnell erledigen, doch dann ging die Suche erst richtig los: Wir spielten mal wieder eine Runde „Kraftstoff-Verstecken“: Die einen Tankstellen hatten kein Benzin und die anderen keinen Strom, so oder so Iains Bike bekam kein Benzin. Der Schwarzmarktpreis war etwa doppelt so hoch wie der reguläre Preis und seine Motivation, sich dort einzudecken, entsprechend gering. Doch nach über einstündiger Suche sah er schließlich ein: Es gab hier keine Alternative zum Schwarzmarkt. Natürlich fragte auf diesem liquiden Markt auch keiner nach seiner polizeilichen Erlaubnis… ;-)

Von Arba Minch ging es dann bis Konso über eine Mischung aus planierten Pisten und Teer. In Konso hätten wir auch nochmals eine Chance gehabt, nach Moyale zu fahren, doch unser Entschluss stand fest. Wir machten stattdessen eine kurze Kaffeepause bei einem Laden, wo man lokale Handarbeiten kaufen konnte. Während wir unseren erstklassigen äthiopischen Kaffee schlürften, saß die Frau, die uns den Kaffee zubereitet hatte, neben uns und häkelte eine Tischdeckenverzierung. Danach bogen wir rechts ab – Richtung Omo Valley – und kurz nach Konso gab es dann nur noch Offroad, aber immerhin zunächst noch planierte Piste. Dort trafen wir auf einer Passstrecke zahlreiche Kinder, die ihre geschnitzten Holzspielzeuge verkauften; dies war die letzte größere Gruppe von Menschen abseits von Siedlungen, die wir für lange Zeit sehen sollten.

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Ab hier sahen wir stattdessen immer mehr Männer und Frauen in traditioneller Kleidung, Bemalung oder Schmuck ihres jeweiligen Stammes. Sie hatten alle ihr Kopfkissen dabei (eine aus Holz gefertigte Kopfstütze) und die Männer mindestens ihre Wurfkeule (ein Schlagstock mit schwerer Ausbuchtung an einem Ende), häufig kam auch noch ein Gewehr hinzu, wobei die volle Bandbreite (von antiquiertem Vorderlader bis zum modernen Sturmgewehr) abgedeckt wurde.

Auf der Strecke hatten wir wenig Abwechslung. Es gab nur die Straße und uns – und natürlich die phantastische Landschaft des Omo Valleys um uns herum, von der Anja jedoch deutlich mehr mitbekam als ich, der sich sehr stark auf den wandernden Punkt 10 m vor dem Wagen konzentrieren musste. Ab Wyoto änderte sich die Bodenbeschaffenheit: Die Strecke war zwar weiterhin planiert, hatte aber sehr spitze Steine. Ich habe mich eigentlich nur gefragt, wer von uns beiden den ersten Reifenschaden haben wird, denn dass wir hier nicht heil rauskommen, stand für mich außer Frage. Die Preisverleihung fand am Polizeikontrollpunkt in Arbore Village statt: Jan und Trevor wurden darauf hingewiesen, dass ihr hinterer linker Reifen platt war. Anja und ich waren baff, wie eingespielt die beiden beim Reifenwechseln waren. Im Nu war Sully aufgebockt, der kaputte runter, der neue drauf und Sully wieder auf dem Boden.

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Reifenwechsel mit Zuschauern

Mit Iain hatten wir ausgemacht, noch zwei Stunden zu fahren und dann nach einem Platz zum Campen Ausschau zu halten. Doch so schnell die beiden bei ihrem ungewollten Pit Stop auch waren, Iain haben wir den Abend nicht mehr einholen können. Die Strecke wurde besser (kleine Steine und Sand) und wir konnten recht schnell fahren, doch Iain war zu weit „vorn“. (Er fuhr meist vor, um sich nicht durch unsere Staubwolken kämpfen zu müssen und um sein Tempo fahren zu können. Doch nun war dies kontraproduktiv…)

Auf etwa halbem Weg zwischen dem Kontrollpunkt und Turmi fanden wir endlich eine Möglichkeit von der Piste abzufahren und uns mit den Wagen ein paar Meter in den Busch zu schlagen. Wir hatten vereinbart, dass wir eine halbstündige Teepause einlegen würden. Wenn bis dahin keiner Interesse an uns gefunden haben würde, würden wir hier in der Mitte von nirgendwo campen. Doch wir hatten noch nicht mal unsere Wagen richtig ins Nirgendwo manövriert, da kam schon der erste an. Neugierig schaute er sich alles genau an, Englisch sprach er nicht, und Jan und Trevor versuchten es mit ein paar Floskeln auf Suaheli, Zulu und amharisch, doch auch dies leider vergeblich. Anfangs zögerten wir noch ein wenig mit dem Tee kochen, in der Hoffnung, dass er sich weiter auf den Weg machen würde, wenn wir ihm kein weiteres Programm bieten würden. Doch in Afrika hat man Zeit… Gut, Tee hätte auch für fünf Personen gereicht und so zündete Anja den Kocher an. Dabei weiteten sich die Augen unseres Zuschauers. Hatte er wirklich noch nie ein Gasfeuerzeug gesehen? Obwohl er uns einen seiner Armreifen im Tausch anbot, hingen wir zu sehr an unserem Feuerzeug, aber wir schenkten ihm eine Schachtel Streichhölzer anstelle dessen. Er wusste damit erst nichts anzufangen, doch dann machte die kleine weiße Frau auf einmal ein kleines Feuer, indem sie das bemalte Holz gegen die Schachtel rieb, und seine Augen weiteten sich erneut. Bis zu dem Zeitpunkt hatte er in seinem Gürtel ein kleines Stück Kohle – mit dessen Hilfe er vielleicht bisher Feuer gemacht hat –, doch nachdem er diesem magischen Moment inne gewohnt hatte, schmiss er das Kohlenstück weg und steckte stattdessen die Streichholzschachtel an diesen Ort. Er verabschiedete sich und wir können nur hoffen, dass er die Nacht nicht ohne schützendes Feuer schlafen musste, weil er wohlmöglich nicht mehr wusste, welche Streichholzseite gegen welche Schachtelseite wie gerieben werden muss…

Unser erster Gast an diesem Abend

Unser erster Gast an diesem Abend

Den Tee mussten wir also nur durch vier teilen und nachdem wir das gemacht hatten und uns kein weiterer Besucher aufstöberte, schlugen wir unsere Fahrzeuge in den Busch. Das Terrain war für unsere Fahrzeuge nicht gemacht und im Gegensatz zu den Straßen, mussten wir hier tatsächlich mal den Vierradantrieb mit Untersetzung bemühen. Doch unser Camp war jede Mühe wert: In unserem Rücken türmte sich ein kleiner Berg und vor uns öffnete sich die Ebene, in der man überall Buschfeuer sah (wahrscheinlich Brandrodung). Doch als wir uns gerade nahezu häuslich eingerichtet hatten, kam Besucher Nummer II. Auch er zeigte ausgiebige Neugierde und machte nicht den Eindruck sofort weiterziehen zu wollen. Er schaute sich das Innere von Sully lange an und zeigte schließlich auf den Ratschengurt, mit dem die Gasflasche am Wagen befestigt war, danach zeigte er auf seinen Gewehrriemen. Er wollte also den Gurt, um sich einen neuen Riemen zu schnallen. Dieser Gurt wurde jedoch wie unser Gasfeuerzeug noch gebraucht, allerdings hatten Jan und Trevor Ersatzgurtband. Davon wurde ihm ein Meter abgeschnitten und unser zweiter Besucher setzte seinen Weg durch den Busch stolz wie Oskar fort, nachdem er sich von uns allen mit Handkuss verabschiedet hat.

Buschcamping im Omo Vally (Bild: Jan)

Buschcamping im Omo Vally (Bild: Jan)

Wir machten noch ein kleines Lagerfeuer, setzten uns drum herum und genossen unsere Pasta. Als wir in unserem Klappdach schlafen gingen, konnten wir dies mit freiem Blick auf die afrikanische Savanne, in der viele Buschfeuer rötlich aufloderten. Diese Übernachtung gehört zu meinen bisherigen Favoriten auf dieser Reise!

Heute sind wir dann früh auf und nach einem schnellen Tee und Kaffee auch gleich los. Die Piste änderte sich wieder: Es gab häufiger losen Sand und die größeren Flussdurchfahrten starteten ab hier – bis Turmi hatten wir bestimmt zwanzig. Unser Glück bei unserer Omo Valley Durchquerung war jedoch, dass wir diese in einer außergewöhnlichen Trockenheit angegangen sind. Jedes der Flussbette war ausgetrocknet – zumindest soweit es uns Fahrer interessiert. Ein grünes Band, das nicht von der Seite des ausgetrockneten Flussbetts wich und dies kameradschaftlich durch die zeitweise staubig-braune Trockenheit begleitete, zeigte uns jedoch, dass unterhalb der fürs Befahren interessanten wenigen Zentimeter sehr wohl noch genügend Wasser vorhanden sein musste.

In Turmi hielten wir Ausschau nach Iain und seiner BMW, sahen jedoch weder ihn noch das Bike. Wir fragten nach einem Motorradfahrer und ernteten zunächst nur ratlose und irritierte Blicke. Schließlich verstand jemand unsere Frage und zeigte auf die Straße in Richtung Omorate. Wäre ich an Iains Stelle gewesen, ich hätte genau das gleiche gemacht: Wenn wir weiter entlang der besprochenen Route fahren und über Banya Fort nach Kenya einreisen wollen, so müssen wir nach Omorate; kämen wir dort nicht vorbei, wäre irgendetwas Gravierendes passiert, wären umgekehrt und könnten ihn somit auch nicht mehr unterstützen. Die verbleibenden ca. 70 km ließen sich recht schnell bewerkstelligen, auch wenn es ab Höhe der Abzweigung nach Banya Fort nur Wellblech gab, wobei dies ab 80 km/h gar nicht mehr so schlimm ist… In Omorate trafen wir auch wieder auf Iain. Verständlicherweise war er zunächst ein wenig verschnupft, hatten Jan und Trevor ihn ja sonst stets mit Wasser versorgt und dies fehlte ihm für die letzte Übernachtung, doch als er hörte, dass wir einen Reifenschaden hatten, war Iain sofort wieder gesundet.

Wir waren sehr positiv überrascht in Omorate nicht nur eine Passstation vorzufinden, sondern auch einen Zoll, der sehr gerne bereit war, unsere Carnets auszustempeln. Was haben wir uns im Vorfeld Gedanken gemacht – Jan und ich haben gedanklich sogar schon Stempel geschnitzt –, aber alles grundlos. Der Zöllner wusste weitestgehend, wie das Carnet zu bearbeiten ist, nur bei unserem Zettelchen mussten wir ihm ein wenig helfen, vor allem dass er das Ausstempeln nicht vergisst. Omorate selbst hat nicht viel zu bieten. Wir waren seit Arba Minch immer noch auf Suche nach ein paar Tomaten, Zwiebeln und überhaupt frischem Gemüse, doch wurden wir auch hier nicht fündig. Dafür konnten wir im Tourist Hotel Geld tauschen: Birr für kenianische Schilling. Die Rate war nicht sonderlich gut, aber was sollen wir jetzt noch mit Birr? Die Uhr zählt die letzten Minuten, in denen wir dies Geld verwenden könnten. Viel Birr haben wir eh nicht mehr gehabt, aber Dollar haben wir nicht gegen Birr tauschen können – US-Dollar dürfen nicht aus Äthiopien ausgeführt werden…

Iain hat nochmals 5 Liter teueren Schwarzmarkt-Treibstoff gekauft und los gings: wieder raus aus Omorate und zurück bis zur Abzweigung nach Banya Fort. Auf dem Rückweg sind wir nicht auf der Straße gefahren, sondern links und rechts des Weges. Dank der Trockenheit war der Sand fest genug, und wir haben nur zu gern mehr Kurven für weniger Wellblech eingetauscht. Nach der Abzweigung wurde der Boden deutlich lockerer und es wurde nochmals ein wenig Luft aus den Reifen gelassen, um sich der Bodenbeschaffenheit anzupassen. Doch die ständigen Durchquerung ausgetrockneter Flussbetten im weichen Sand waren zuviel für Iain: Seine BMW kippte ständig von einer Seite zur anderen, und er arbeitete hart daran, sie nicht ständig abzulegen. Kurz vorm Etappenziel – der kenianischen Grenze – war er drauf und dran, umzukehren und die Alternativroute über Moyale zu nehmen. Wir hatten noch etwas Platz im Wagen und boten an, seine Koffer und die Gepäckrolle zu nehmen. Danach schlingerte er deutlich weniger und seine Reise durchs Omo Valley musste nicht bereits hier enden.

Zur Grenze hin wurde die Strecke immer schlechter befahrbarer. Die einzigen Fahrzeuge, die uns hier noch begegneten, waren Landcruiser von Reiseveranstaltern, die Fahrten in diese entlegenen Gebiete unternehmen, und wir nehmen an, dass nur wenige ganz bis zur Grenze fahren. Die Piste wich auch immer wieder davon ab, was in Tracks4Africa auf unserem GPS als Route hinterlegt war, und führte zu Siedlungen hin und dann wieder auf die Route zurück. Allerdings kann es auch gut sein, dass wir manches Mal eine Abzweigung übersehen haben, denn Sand und Piste waren nicht immer gut zu unterscheiden. Auf der äthiopischen Seite der Grenze hätten wir auch noch ausstempeln können: In einem Container bei N 4° 27,372’, O 36° 13,813’ ist die Polizei untergebracht – leicht zu übersehen, da zudem keiner Uniform trägt, was aber wiederum normal für Äthiopien ist. Doch wir taten gut daran, zuvor die Carnets in Omorate ausstempeln zu lassen, denn das wäre hier nicht gegangen.

Auf der kenianischen Seite ist die Piste noch weniger befahren, und wir hatten Mühe, die Spur nicht zu verlieren. Das erste Örtchen, Banya Fort, haben wir nicht links liegen lassen, sondern auf erneuter Suche nach Gemüse durchquert – doch hier gab es rein gar nichts –, und die Piste haben wir erst wieder durch Fingerzeige Einheimischer gefunden. Der nächste Ort war Ileret und wir sahen das erste Mal den Lake Turkana, an dem der Sibiloi Nationalpark liegt – unser nächstes Ziel. Jan, die nach dem Weg dorthin fragte, wurde jedoch gesagt, dass wir uns zunächst bei der Polizeistation registrieren lassen müssten. Dort angekommen, erfuhren wir, dass in den Park ab 17 Uhr keiner mehr rein gelassen wird (es war zu dem Zeitpunkt bereits 16 Uhr), bekamen aber das Angebot, in der Polizeistation zu campieren. Zunächst lehnten wir dankend ab, da wir dann doch lieber direkt am See campen wollten, doch die Polizisten meinten, dass dies nicht sicher sei. Ob dies nun stimmt und nicht – die Polizeistation in Ileret gibt es vor allem, weil es immer wieder Stammesfehden gibt und die Polizei diese schlichten muss –, wir campten auf dem Hügel der Polizeistation. Allerdings nicht ohne vorher noch runter zum See gefahren zu sein, um dort unser erstes Bad nach dem Lake Langano zu nehmen. Hier allerdings in Gesellschaft barbusiger Einheimischer.

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Zurück bei der Polizeistation machten wir uns noch schnell eine Gemüsereispfanne, bevor wir uns in unsere Betten verzogen – erschlagen von dem Tag und noch unter seinen Eindrücken stehend…

 

 

 

 

Zu guter letzt noch ein paar Tipps und Ratschläge für Omo Valley Reisende:

  • Über diese deutlich weniger befahrene Alternativroute nach Kenia gibt es sehr viele Gerüchte. Fragt man zehn vermeintliche Fachleute bekommt man häufig zehn verschiedene Aussagen. Glaubt erstmals nichts und macht euch am besten selbst ein Bild! Häufig genug wissen die Leute im Norden nicht, wann und ob im Süden die Regenzeit ist und raten einem dann aus völlig falschen Motiven ab.
  • Die Route ist nicht so schlecht, als dass permanent ein 4WD benötigt wird – zumindest sind wir im Landcruiser meist im Zweiradantrieb gefahren –, aber manches Mal geht es nicht ohne und eins ist sicher: Bodenfreiheit gewinnt! Außerdem hatten wir großes Glück mit dem Wetter: Während unserer Fahrt war es außergewöhnlich trocken. Hätte es geregnet, wäre diese Route womöglich für Tage teilweise unpassierbar, da die Piste häufig durch oder gar auf ausgetrockneten Flussbetten verläuft und die Flüsse dann einige wenige Meter tief sein können. Wer dann nicht umkehrt, weil er vielleicht sogar zwischen zwei entsprechend tiefen Flüssen gefangen ist, muss halt neben dem Fluss campen.
  • Wenn man die Chance hat, sollte man dieses Gebiet mit anderen zusammen befahren. Es kann immer mal etwas passieren, und die nächste Hilfe kann weit weg sein.
  • Wie üblich, sollte man beherzigen, Wasser und Treibstoff aufzufüllen, sobald dies möglich ist, auch wenn die Tanks noch halbvoll sind. Man weiß nie, ob der nächste Ort, den man mit dem halbvollen Tank garantiert erreicht, auch Strom und Treibstoff hat bzw. abseits von dem überteuerten Schwarzmarkt hat. Letzter Ort, um sich reichlich und mit allem möglichen einzudecken, war bei uns übrigens Arba Minch.
  • An der äthiopischen Grenze selbst gibt es eine Passstation. Um das Carnet abzustempeln, muss man jedoch nach Omorate fahren, wo man dann auch gleich in einem Abwasch sein Pass ausstempeln lassen kann. Das Carnet muss also nicht in Addis ausgestempelt werden; es kann dort auch überhaupt nicht ausgestempelt werden, wie uns beim Zoll gesagt wurde. Wer allerdings bei der Einreise darauf besteht, dass sein Carnet nicht eingestempelt wird (Dies ist nicht notwendig!), braucht hier auch nicht den Umweg über Omorate zu fahren.
  • Auf der kenianischen Seite gibt es keinen Grenzposten. Die Einreisestempel für die Pässe und Carnets kann man aber in Nairobi bekommen.
Category: Äthiopien, Kenia  | 3 Comments

3 Responses

  1. 1
    silviedh 

    Jambo!

    Ihr seit jetzt (heute ist der 02.09.) noch in Nairobi..? Oder vielleicht
    doch schon weiter? Mein “angehender katholic priest” Joseph Smith
    hat mich gefragt, ob ihr denn schon in Nairobi seid – er studiert dort.
    (Hm, hoffentlich komme ich jetzt nicht zu spät.. ;-) – er würde sich
    natürlich freuen Euch zu treffen, falls das in Eure Pläne paßt… habt
    Ihr die Daten noch? (jsmith@diesistkeinedomain.xyz) – habe hier auch noch
    eine Telefonnummer(+25-1234567890), weiß nicht, ob die noch gültig ist.
    Und überhaupt! Falls Ihr noch da seid und Lust habt, könnt ihr ja
    versuchen mit ihm Kontakt aufzunehmen, wäre ja irgendwie schon
    witzig (und dann wüßte ich auch mal, ob ich da seit 4 Jahren mit
    irgendso nem “Spinner” maile.. ;-) – solltet Ihr ihn treffen und “für
    akzeptabel” befinden, könnt Ihr ihm ja ein paar Euro als “Gruß” von
    mir in die Hand drücken (aber nur, wenn er nicht so aussieht wie
    einer der blöde deutsche Kenia-Fans ausnimmt.. ;-)) – so 10-20 €
    vielleicht? Wenn das aber alles nicht klappt und paßt und
    überhaupt, dann ists auch nicht weiter wild… klar bin ich neugierig! :-)

    Und Eure Seite “erschlägt” mich quasi immer wieder… ;-) – das ist
    alles einfach unglaublich, wenn man selbst täglich nur zwischen “Büro” und
    “Reihenhaussiedlung” pendelt.. :-) *seufz*

    Euch auf jeden Fall weiterhin ganz viel Spaß und gutes Gelingen!!
    (Seid Ihr eigentlich derzeit auch per eMail erreichbar? Bzw. unter
    welcher Adresse?)

    liebe Grüße und bis bald!
    Silvia + family

  2. 2
    silviedh 

    AUA! Natürlich wird bei den Kommentaren oben immer gleich
    das aktuelle Datum angezeigt… peinlich….! ;-)))

  3. 3
    Joerg 

    Hallo Sylvia,

    vielen Dank für deinen wiedereinmal sehr aufmunternden Kommentar — solche Kommentare motivieren uns bei der Stange zu bleiben, obwohl wir genügend Ablenkung haben… Ich habe mir erlaubt, die allzu persönlichen Infos oben einfach mal zu editieren. Leider hat uns dein Kommentar dann doch nicht mehr rechtzeitig erreicht — wir waren zwar noch etwas in Nairobi, aber die letzten Tage gab ‘s dann schon fast wieder zuviel zu organisieren. Nächstes Mal fahren wir bei ihm vorbei… ;-)

    Viele Grüße aus Kampala,

    Jörg

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• Dienstag, August 18th, 2009

Iain, Jan und Trevor und wir beide haben nun endlich Wim’s Holland House verlassen und sind weiter Richtung Süden aufgebrochen.

Abschied von Wim und dem ganzen Holland House

Abschied von Wim und dem ganzen Holland House

Iain ist mit uns gekommen und hat Ryan nach Nairobi vorfahren lassen, da er mit uns durchs Omo Valley fahren möchte, während Ryan schnell nach Kenia möchte, um seine Freundin dort zu treffen, die die restliche Reise mit von der Partie sein wird. Weit sind wir nicht gefahren, nur bis an den Lake Langano. Auf dem Gelände von Billy (Karkaro Beach, N 7° 35.815’, O 38° 41.636’) haben wir einen außerordentlich ruhigen und idyllischen Platz zum Campen gefunden.

Etwa nach einer halben Stunde nach unserer Ankunft, kam ein Boot voller frischer, noch lebendiger Fische. Jan und ich suchten vier Stück aus, bekamen noch einen geschenkt und kehrten zurück zu unseren Männern. In der Zwischenzeit kam auch Iain auf seinem Motorrad an und wir waren komplett. Begleitet von den Schreien eines aufgeregten über uns kreisenden Fischadlers, töteten Trevor und Jörg die Fische, sodass wir sie gleich im Anschluss ausnehmen konnten. Hierzu gibt es auch eine kleine Fotodokumentation. Jörg war sehr tapfer und hat interessiert mitgemacht beim Fische zubereiten.

Erst mal Fische töten

Erst mal Fische töten

Dann den Fisch ausnehmen

Dann den Fisch ausnehmen

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Ja, ich hab auch mitgemacht

Ja, ich hab auch mitgemacht

[Jörg:] Der Fisch war so frisch, dass er überhaupt nicht fischig schmeckte und damit selbst für mich richtig lecker war. Besser war aber noch der „Survival-Part“ vorne weg: Fisch töten – nicht der schönste Teil, aber wenn man Fisch essen will, dann sollte man davor auch nicht die Augen verschließen – und anschließend den Fisch ausnehmen.

Den Abend beendete dann ein fantastisches Abendessen, das Jan federführend gestaltete:

(auf den speziellen Wunsch einer eifrigen Leserin unseres Blogs folgt nun eine ausführliche Beschreibung der Zubereitung)

Der Hauptgang bestand aus gegrilltem „Telapia“* (Fisch), der mit einer Mischung aus Olivenöl, Knoblauch, Berg-Oregano, Zitronensaft, Salz und Pfeffer mariniert wurde. Dazu gab es Baked Potatoes (zunächst gekochte Kartoffeln, die dann in Alufolie und ein wenig Olivenöl und Knoblauch gepackt wurden, um sie dann anschließend ins Feuer zu legen). Als Beilage gab es einen Salat aus Tomaten, Zwiebeln, Paprika und Karotten.

Ich bin sicher, dieses Abendessen hat Jörg als Nicht-Fisch-Esser dem Fisch deutlich näher gebracht. Je öfter wir das machen, desto besser klappt es mit dem Filettieren und Jörg wird sicherlich noch zum Fischesser werden.

Vorbereitung des Fischgerichts

Vorbereitung des Fischgerichts

Beilagensalat

Beilagensalat

Zubereitung von Fisch und Kartoffeln

Zubereitung von Fisch und Kartoffeln

Der nächste Tag war ein typischer Faulenz-Tag ohne viel Aktivität. Für mich begann er früh, nachdem ein Von-der-Deckens-Hornbill*-Männchen unseren Scheibenwischer versucht hatte, auseinander zu nehmen. Das war morgens um 7 Uhr und wie üblich konnte ich nach dem Aufstehen nicht wieder einschlafen. So setzte ich mich in aller Einsamkeit (weil alle noch schliefen) an den Strand und las.

Von der Deckens - Hornbill

Von der Deckens - Hornbill

Als der Rest der Mannschaft langsam aufgestanden war und wir den Tag mit Porridge begannen, fing es auch schon an zu regnen. Für etwa 2 bis 3 Stunden waren wir unter dem Zeltvordach von Jan und Trevor gefangen. Dann aber klarte der Himmel komplett auf und wir konnten einen sonnigen Nachmittag genießen. Jörg ging im See baden, ich schlief in der Hängematte. Immer wieder flogen Fischadler und viele andere Vögel vorbei, deren Namen ich nicht alle aufzählen kann (an der Stelle verweise ich an Trevor).

[Jörg:] Wir haben auch alle eifrig gelesen. Ich hatte gedacht, wir hätten auf unsere Reise mehr Zeit zum Lesen oder überhaupt Zeit, entspannt an einem Ort mehrere Tage „abzuhängen“. Natürlich haben wir bisher sowohl mehrere Bücher gelesen als auch mal ein oder zwei Wochen an einem Ort verbracht, aber die meisten Bücher waren Reiseführer oder dergleichen (und die zählt als „Pflichtlektüre“) und das Verweilen an einem Ort war meist auch durch Sight Seeing, Tauchkurse, Visa-Organisation etc. geprägt und damit auch ausgefüllt und häufig nicht mal stressfrei. Erst die letzten Tage hier in Äthiopien haben das gebracht, was ich gehofft habe, dass es bereits bisher eine größere Rolle gespielt hätte: Mehr Raum für Couch Time! Tage, die mit nicht viel mehr ausgefüllt sind, als lesen und entspannt die Seele baumeln lassen. Ob das nun im Hotelbett des Global Hotels ist, an der Bar und dem Restaurant von Wims Holland House oder – wie Anja bereits erwähnte – in der Hängematte am Lake Langano bei Billys Karkaro Beach.

Mittlerweile habe ich Thomas Morus „Utopia“ und David Thoreaus „Walden“ durch und nun gerade Ayn Rand „Atlas Shrugged“ begonnen.

  • Es gibt da diesen Spruch: „Wer mit 20 kein Kommunist ist, der hat kein Herz. Wer mit 30 noch einer ist, der hat keinen Verstand.“ So hätte ich „Utopia“ vor 15 Jahren wohl auch mit anderem Pathos gelesen, aber mittlerweile muss ich gestehen, dass ich es als ein ganz fürchterliches Buch empfinde. Genauer: weniger das Buch als das Konstrukt Utopia. Manches klingt zu schön, um wahr zu sein, doch sind es letztendlich unfreie Menschen, die hier beschrieben werden. Freie Individuen formen hier keine Gesellschaft, sondern das Kollektiv bestimmt das Leben der Einzelnen, notfalls mit Zwang. Man findet einiges in dem Buch, was im letzten Jahrhundert politisch umgesetzt wurde oder wofür zumindest der Versuch der Umsetzung unternommen wurde. Doch Utopia wäre definitiv nicht mein Traumland.
  • „Walden“ ist ein tolles Buch. Es ist eines dieser Bücher, bei denen man sofort mit der nächsten Axt in den Wald rennen möchte, um sich eine kleine Lichtung zu roden und eine Blockhütte zu bauen. ;-) Ich muss gestehen, dass es das erste Buch aus dem Kreis der Transzendentalisten, das ich gelesen habe, aber es ist bestimmt nicht das letzte.
  • Ein weiteres Geständnis, dass ich an dieser Stelle ablegen muss, ist, dass mir Ayn Rand nicht durch mein Studium bekannt gemacht wurde. Es bedurfte erst einer Empfehlung von Stef und einer gemeinsamen Zugrückfahrt, um mein Interesse zu wecken. Und, Stef, du siehst, Buchempfehlungen fruchten durchaus bei mir, nur braucht es manchmal ein wenig länger… ;-)

Weitere Bücher in der Pipeline sind vor allem der Koran (Den haben wir uns Istanbul gekauft, eine deutsch-arabische Ausgabe und interessanterweise die einzige vom Staat zugelassene deutsche Übersetzung, wie uns die Buchhändlerin mitteilte (Der türkische Staat verbietet also andere Übersetzungen!) – ich war eigentlich auf der Suche nach einer kritischen Ausgabe, die den Koran historisch und religiös interpretiert), ein weiteres Buch von Ayn Rand, ein Buch über Knoten (Ich dachte, ich würde einige unterschiedliche Knoten auf unserer Reise benötigen, aber bisher hat der (doppelte) Palstek fast alles lösen können und der war dank Bens „Der Hase springt aus dem Bau, um den Baum und wieder in den Bau zurück“ recht schnell gelernt), ein Buch über Navigation mit Karte, Kompass und GPS (For obvious reasons.) und Anjas Buch über Wetterkunde (Die heftigen Gewitter hier haben mir gezeigt, dass ich vom Wetter wenig weiß und das gerade über ein Alltagsphänomen – das muss geändert werden!). Das sind noch nicht alle Bücher, die wir mit haben, und so ist dies wahrscheinlich eine Liste, die sich bis zum Ende der Reise nicht abarbeiten lassen wird…

Am späten Nachmittag begann ich, Jan bei den Vorbereitungen fürs Abendessen zu helfen. Beim Kartoffeln kochen sengte ich mir alle Haare meines rechten Unterarms an und zog mit leichte Verbrennungen an den Handknöcheln zu. Ich bin halt nicht der geborene Koch.

Am Abend gab es wieder ein tolles Abendessen:

Hauptgang war ein Huhn, das im „Dutch Oven“ zubereitet wurde (Dutch Oven = gusseiserner Topf). Der Boden des Topfes wurde mit dicken Zwiebelscheiben und ein paar Karotten bedeckt. Darauf wurde das Hühnchen gelegt, das mit Öl, Knoblauch, Salz und verschiedenen Gewürzen gewürzt wurde. Das Hühnchen im Topf wurde zunächst eine Stunde auf dem Herd gekocht und anschließend für eine halbe Stunde in ein Bett aus glühender Kohle gelegt und noch mit Kohle bedeckt. Die Innereien des Hühnchens wurden in Butter und Rosmarin extra zubereitet.

Dazu gab es geröstete Kartoffeln. Diese wurden zunächst geschält und gekocht, dann in eine Pfanne mit Öl gelegt. Die Pfanne kam schließlich auf das Feuer, sodass das Öl sehr heiß wird. Nach 10 Minuten sind die Kartoffeln außen leicht cross. Dann wird die Pfanne etwas beiseite auf die Kohlen gelegt, damit das Öl weiter blubbert und die Kartoffeln schön knusprig macht. Als zusätzliche Beilagen gab es Reis mit Soße, und einen Tomaten-Zwiebel-Salat.

Nach dem fabulösen Essen saßen wir noch eine Weile am Feuer und schauten in den klaren Sternenhimmel. Wir versuchen, Jan & Trevor etwas deutsch beizubringen (natürlich die wichtigen Wörter zuerst: Schimpfwörter, danach Verniedlichungsformen, Schwäbisch und sehr wichtig: „Sternschnuppe“). Es war ein sehr witziger Abend!

Unser dritter Tag am Lake Langano begann etwas trüb und kühl. Jörg und ich bereiteten das Frühstück vor: Spiegeleier mit Toast. Im Anschluss ging Iain ins Dorf, um ein paar Lebensmittel zu besorgen, Trevor auf „Vogeljagd“ (mit der Fotokamera), Jan und ich schrieben am Blog und Jörg las.

So lässt es sich aushalten

So lässt es sich aushalten

[Jörg:] Am späten Nachmittag kam Billy vorbei und wir diskutierten lange mit ihm über die Tierwelt am Lake Langano, aber vor allem über das Leben in Äthiopien und die Mentalität der Äthiopier. Billy, Amerikaner, der in Äthiopien geboren wurde und immer dort gelebt hat, stimmte uns in vielen unserer Beobachtungen zu und konnte uns durch seine Erfahrung einen tieferen Einblick in die äthiopische Seele geben. [Wir haben uns jedoch entschlossen, die Punkte nicht hier aufzuführen, sondern gleich in unserem Resümee über Äthiopien.]

Am Abend pferchten wir uns wieder unter das Zeltvordach des Defenders und aßen Pfannkuchen mit Nutella, Bananen, Whiskey-Rosinen und anderen leckeren Zutaten mit Blick auf das lodernde Lagerfeuer und Gewitter auf der anderen Seeseite. Obwohl wir uns ständig kneifen mussten, um das Unfassbare zu begreifen: Wir sitzen mitten in Äthiopien an einem wollig-warmen Lagerfeuer unter Afrikas klarem Sternenhimmel!!! So entschieden wir uns doch für den morgigen Aufbruch, da bestimmt noch viel schönere Plätze dieser Art auf uns warten.

*) Deutscher Name leider unbekannt.

 

 

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• Samstag, August 15th, 2009

Im Global Hotel fragten wir nach einem Late Check Out und siedelten so Sonntag erst gegen 16 Uhr in Wim’s Holland House (N 9° 00.593’, O 38° 45.314’) um. Wim’s H. H. war einer der wenigen Tipps, die wir bekamen, wo Overlander in Addis campen können. Das Bel Air Hotel war ein weiterer Tipp, jedoch liegt dieser Platz in keiner besonders schönen Gegend der Hauptstadt.

Als wir bei Wim ankamen, waren wir sehr hungrig und stürzten uns sofort auf das Angebot seines Restaurants. Während ich mich über einen Kartoffelsalat freute, bestellte Jörg „Tibs Firfir“. Ich kann an dieser Stelle leider nur grob erklären, was Tibs ist: geschnetzeltes Lammfleisch, in einer Mischung aus Knoblauch, Butter, Zwiebeln und manchmal auch Tomaten angebraten. Firfir ist die Art, das eben Beschriebene zu würzen. Hauptbestandteil ist Berbere: ein rotes Pulver, das aus 16 verschiedenen Gewürzen gemischt wird (wie Curry), sehr scharf. Laut dem Lonely Planet wird Berbere fast bei allen äthiopischen Gerichten verwendet. Die Art der Zubereitung ist verschieden, meist wird das Wissen von Großmutter zu Mutter zu Tochter weitergegeben. Ach ja, und beinahe hätte ich es vergessen. Zu den meisten äthiopischen Gerichten wird Injera gereicht. Das ist ein riesiger, dicker Pfannkuchen mit leicht säuerlichem Geschmack. Man isst eigentlich mit der Hand, wir bekommen aber meist noch eine Gabel dazu.

Kartoffelsalat

Kartoffelsalat

Tibs Firfir

Tibs Firfir

Bozana

Bozana

Der Nachmittag verging recht schleppend. Ein Unwetter zwang uns dazu, in Wim’s Restaurant zu bleiben. Dort lernten wir eine holländische Familie kennen, die mit ihrem MAN-Last-Wohnwagen Afrika komplett bereisen (erst die Westküste runter, dann die Ostküste hoch) und schon auf dem Heimweg sind. Am Abend zogen wir mit Willi in den Hinterhof von Wim’s Restaurant um und machten uns langsam bettfertig.

Den nächsten Morgen begannen wir mit Spiegel- und Rührei den regnerischen Tag. Wir erkundigten uns bei Wim noch nach einer Werkstatt, die unser Auto durchckeckt und den scheppernden Auspuff wieder „annähen“ kann, und fuhren dann los. Dort schickte man uns wieder zurück, das dauere zu lange und sei Teil einer Generalinspektion. Wir sollen morgen früh um 8 Uhr wieder da sein. Na gut, dachen wir uns, und zogen wieder bei Wim im Restaurant ein. Während es draußen abwechselnd gewitterte und regnete, saßen wir drinnen und lasen und bloggten.

Auf einmal kamen zwei Männer mit ihren Motorrädern, offensichtlich Traveller (Ryan auf einer KTM, Iain mit einer BMW).

[Jörg:] „KTM 640 Adventure“ und „BMW F 800 GS“ – so viel Zeit muss sein… ;-)

Sie berichteten, dass sie soeben aus Lalibela ankämen und noch einen Defender erwarten. Wir erwarteten auch noch einen Defender und wie sich herausstellte, sprachen wir vom gleichen Fahrzeug: Sully mit Jan und Trevor. 2 Stunden später trafen sie ein und die Wiedersehensfreude war groß. Wir aßen alle gemeinsam und tauschten Geschichten der letzten Wochen, in denen wir uns nicht gesehen hatten, aus.

Als wären wir sechs nicht genug, kamen am Abend noch mehr zu unserer Truppe dazu: Quentin und July sind mit ihrem Unimog auf unserer Route unterwegs und schon im „Garten“ von Wim eingezogen; Henry war mit seiner Freundin nach einer Afrikaumrundung schon auf dem Heimweg, als sie früher nach Hause geflogen ist, wegen Magenproblemen; Christian und Gaby auch mit dem Motorrad von Nord nach Süd unterwegs, allerdings im Hotel untergebracht; dazu sprangen noch die holländische Familie und ein weiteres Motorrad-Pärchen herum, als wir eine große Abendessen-Runde bildeten.

Wieder ein großes Traveller-Essen

Wieder ein großes Traveller-Essen

Am folgenden Tag waren wir pünktlich um 8 Uhr in der GMC-Toyota-Werkstatt (N 9° 01.686’, O 38° 46.490’) und ließen Willi rundumchecken. Der Auspuff bekam ein neues Ersatzteil und wurde an einer Stelle angeschweißt, alle Filter wurden gereinigt, die inzwischen wackelnden Räder wurden gecheckt (zum Glück nur ein Problem mit der Wuchtung der Reifen und nicht der Radlager o. dgl. – anscheinend werden gerne die Gewichte geklaut, bei uns fehlten an einem Rad alle (!)), Willi wurde komplett gereinigt etc.

Während Jörg in der Werkstatt die Tätigkeiten überwachte, lief ich zur Kenianischen Botschaft, um dort das Visum zu beantragen. Wir brauchen das Visum schon im Voraus, weil wir durch das Omo Valley nach Kenia einreisen und es dort kein richtiges Immigrationsbüro an der Grenze gibt. Ich entschied mich für ein Single Entry Visum für 25 USD und fuhr mit dem Minibus wieder zurück.

Wie ich hinterher erfuhr, hätte sich ein Multiple Entry Visum für 50 USD doch gelohnt, denn Kenia gehört mit Uganda und Tanzania zu einer Ostafrikanischen Gemeinschaft, für die man insgesamt nur 1 Visum braucht. Ein Multiple E. Visum würde alle Grenzübertritte innerhalb dieser Gemeinschaft abdecken. Bei einem S. E. Visum wird bei jedem Grenzübertritt ein Visum für 25 USD fällig. Wir waren uns bisher unschlüssig, ob wir um den Viktoria-See durch Uganda und Ruanda fahren oder ob wir von Kenia direkt nach Tanzania fahren sollen. Jan und Trevor machten uns die See-Umrundung schmackhaft, in dem sie uns von der „Migration“ erzählten. Da wandern Büffel und Zebras von Süd nach Nord durch die Serengeti, und mit ihnen noch diverse Sorten Vögel, Löwen und andere wilde Tiere.

[Jörg:] Die Inspektion hat dann doch nicht den ganzen Tag gedauert, wie uns gestern berichtet wurde, sondern wir waren bereits am frühen Nachmittag fertig. Wir mussten noch Geld holen, weil wir vor Ort nicht mit Kreditkarte zahlen konnten. Man sagte uns, dass wir am Mexico Square sicherlich eine Bank finden würden; wir sollten ein Taxi nehmen, aber nicht mehr als 10 Birr zahlen. Nachdem wir drei Taxis angehalten hatten und uns die Fahrer immer wieder auslachten und weiterfuhren, als wir ihnen sagten, was wir zu zahlen bereit wären, beschlossen wir, dass unser Tippgeber entweder ein sehr harter Verhandler ist oder einfach nur selten Taxi fährt. Wir zahlten schließlich 30 Birr und kamen zum Mexico Square. Dort fanden wir auch schnell die Nationalbank, doch die hatte leider keinen Geldautomaten. Aber kein Problem, das Hotel direkt neben an hat einen, so hieß es. Dies bewahrheitete sich auch, aber der funktionierte nicht – kein Strom… So zog sich unser schnelles Geld holen immer wieder von einer Bank zum nächsten Hotel und überhaupt noch eine Weile hin, bis wir schließlich im Ethiopia Hotel an der Churchill Road fündig wurden: Die hatten einen vom Generator betriebenen und damit unabhängigen Geldautomaten. (Das Ras Hotel etwas weiter südlich und nur wenige Gehminuten von Wim’s Holland House hat auch einen solchen.)

Nachdem wir gezahlt hatten, sind wir gleich zu Mitchell (N 9° 00.939’, O 38° 44.654’) gefahren, einer Empfehlung der Werkstatt, die uns die Räder neu wuchten und über Kreuz umwechseln sollten, aber: kein Strom. Also schauten wir am nächsten Tag wieder vorbei. Zuvor waren wir noch bei der Kenianischen Botschaft, die Visa abholen, und bei der Deutschen Bäckerei (N 9° 00.937’, O 38° 46.213’), für Jan und Trevor und für uns „richtiges“ Brot holen. Derartige To-Dos bestimmten zudem hauptsächlich unsere restliche Zeit bis zur Abreise aus Addis: Proviant aufstocken, lesen und Internet bei Wim’s sowie immer mal wieder Essen gehen unter anderem im atemberaubend leckerem indischen „Sagam“ Restaurant (auf der Bole Road) und nicht weniger leckerem Pizza-Restaurant „Island Breeze“. Wir klapperten zudem mehrere Apotheken ab, auf der ergebnislosen Suche nach einem Fieberthermometer, nachdem ich unseres in Lalibela fallengelassen habe… Genauso erfolglos verblieb die Suche nach Motoröl: Nachdem unser letzter Liter ägyptischen Motoröls bei der Inspektion zum Auffüllen genutzt wurde, wollten wir nochmals fünf Liter desselben Typs kaufen. Doch leider war nirgendwo, wo wir schauten, entsprechendes Öl zu finden – Ägypten und Äthiopien sind dafür einfach zu unterschiedlich was die Temperaturen anbelangt.

Außerdem überwachte ich Trevor, als er bei Sully eine Wartung durchführte. … Na gut, es war wohl eher so, dass ich über seine Schulter schaute und dabei noch einiges lernen konnte. Gern hätten wir uns auch noch Lucy* angeschaut, doch die alte Dame tourt derzeit in den USA und so war uns dies leider nicht gegönnt. Doch ohne Lucy reizte uns das Nationalmuseum zu wenig.

Trevor und Jörg beim Warten von Sully

Trevor und Jörg beim Warten von Sully

Ron, Wims Partner fürs Holland House, erzählte uns eines Abends, dass die Carnets abgestempelt sein müssen, weil man sonst an der Grenze nicht durchgelassen wird, und sie schon Overlander hatten, die durchs Omo Valley nach Kenia wollten und ein paar Tage später wieder im Holland House saßen. Glücklicherweise könne man sich in Addis bereits beim Zoll ausstempeln lassen und hätte dann kein Problem. Mich verwunderte diese Möglichkeit, führt sie den Hauptzweck des Carnet de Passage doch ad absurdum: neben der Quasi-Funktion als Ausweis des Autos sollen durch das Carnet Steuerhinterziehung beim Verkauf des Fahrzeugs verhindert werden. Auch wenn Äthiopien formal nicht Teil des Carnet-Abkommen ist (Und man damit beim Einreisen nicht eingestempelt werden muss! Laurent und ich hatten es versucht und nicht geschafft, weil unsere Zollbeamtin aufs Carnet bestand, aber Quentin hatte erreicht, nicht eingestempelt zu werden.), so wäre es für uns ein leichtes, den Wagen innerhalb der nächsten drei Wochen, für die wir vorzeitig ausstempeln wollen, zu verkaufen.

Da Ron am nächsten Morgen nicht vor Ort war, hatte Wim für Iain, Jan und mich ein Taxi organisiert und war so freundlich selbst mitzukommen. Beim Zoll stellte sich jedoch heraus, dass sie unser Carnet doch nicht abstempeln können. Wim wusste dies bereits zuvor, und fuhr wohl nur mit, um zu zeigen, dass sie nichts unversucht lassen. So müssen wir unser Glück doch woanders versuchen – notfalls wird sich irgendwo schon ein Stempel auftreiben lassen…

Zuvor waren Ryan, Iain, Jan, Trevor und wir beide bei der Ethiopian Insurance Company, um unsere gelbe Comesa-Karte zu bekommen – das afrikanische Pendant zu der europäischen Grünen Karte. Wir haben uns zwar bereits vorab für alle geplanten Reiseländer in Deutschland versichern können, hatten jedoch an der Grenze immer wieder das Problem, dass dies nicht anerkannt wurde. Eine viermonatige Versicherung kostete uns für die folgenden Länder (allerdings leider ohne Südafrika, Botswana und Namibia) 850 Birr (also etwa 50 EUR). Wir sehen dies als Schweigegeld an die Zöllner an und hoffen, die sehen das auch so. Sollte wirklich was passieren, haben wir noch unsere richtige Versicherung. Es hat ganze drei Stunden gedauert, um vier Versicherungen (die Motorräder und unsere Wagen) abzuschließen (Sic!), aber auch dieser Task war schließlich abgehakt.

Samstagmittag waren wir bei Jason zum Lunch eingeladen. Jan und Trevor haben Jason und Mark auf der Fähre nach Wadi Halfa getroffen. Jason und Mark arbeiten in Äthiopien und haben vor kurzem ihre Motorräder aus Deutschland nach Addis überführt; die Jungs stammen jedoch nicht aus Deutschland, sondern aus Australien und USA, aber dort werden nun mal keine anständigen Motorräder gebaut… ;-) Jasons Köchin und gute Seele hatte ganz hervorragende Spaghetti gemacht und Trevor und ich hatten zuvor noch Nußecken bei der deutschen Bäckerei als Nachtisch geholt. Als wir nachmittags wieder zurück bei Wim waren, war es kalt, nass und matschig. Unser Entschluss steht fest: Morgen geht ’s weiter!

*Zitat Wikipedia:

Lucy oder Dinknesh (amharisch: Du Wunderbare) bezeichnet den Skelettfund eines Australopithecus afarensis, dessen wissenschaftliche Bezeichnung AL 288-1 lautet („AL“ steht für „Afar Locality“). Das Fossil wurde benannt nach dem Beatles-Song Lucy in the sky with diamonds. Lucy hat wahrscheinlich vor 3,2 Millionen Jahren gelebt.

 

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  1. 1
    malbien 

    Da muss ich ja mal ernsthaft widersprechen und protestieren:

    ich brech ne Lanze für meine Harley – zumindest bis jetzt… Ein bissel
    können sie schon Motorräder bauen, die Amis :-)

    Und dann verrate ich euch auf diesem Wege auch gleich, daß 96
    nach tollem Spiel unglücklich mit 0:1 gegen Hoffenheim verloren hat…

    Aber die Saison ist janoch jung ;-)

    Viele Grüße aus dem so langsam herbstlichen Hannover!

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• Samstag, August 08th, 2009

Gestern sind wir dann von Lalibela nach Addis aufgebrochen. Die Etappe führte uns bis nach Dessie; landschaftlich eine sehr schöne Strecke, ab Gashema auch weitestgehend asphaltiert, was jedoch nicht heißt, dass es eine gutbefahrbare Strecke ist… Auf jeden Fall wird unser Willi hier noch zur Bergziege: Andauernd musste er zwischen 1800 und 3200 m größere und kleinere Berge erklimmen.

Wir waren auf der Strecke länger auf der Suche nach einem geeigneten Platz für eine Mittagspause, doch das Problem hier in Äthiopien ist, dass man nirgendwo allein ist. Wir haben bestimmt schon mal Ericus und Zeldas Theorie erwähnt, dass die Äthiopier Wandelwesen zu sein scheinen, die sich in Bäume transformieren können. Dies bewahrheitete sich auf dem Weg wieder einmal: Hatten wir endlich mal einen Platz gefunden, wo wir keinen Menschen sahen, konnten wir sicher sein, dass welche (vorzugsweise eine Horde Kinder) auftauchte, sobald wir hielten. Kaum standen wir, kamen sie schon von dort, wo vorher ganz sicher noch keine waren, die Berge heruntergelaufen oder über die Wiesen hergestürmt. Dabei hatten wir schon eine regelrechte Strategie entwickelt: Der bestgeeignete Platz scheint unserer Meinung direkt auf dem Kamm eines hohen Berges zu sein. Obwohl sonst die Straße allen gehört und nicht nur den Fahrzeugen, haben Fußgänger und ihr Vieh hier häufig ihren einen eigenen Weg – steil, aber dafür ohne die Verlängerung durch die Serpentinen. Die Chance hier einen unbeobachteten Moment zu haben ist also durchaus gegeben.

Ist man nicht allein, was trotz Strategie das häufigere Ereignis ist, so wollen sie manches Mal nur schauen, was man macht, und da scheint selbst das für uns Normalste der Welt für sie interessant zu sein. Ob man nur hält, um zu prüfen, ob alle Reifenschrauben fest sind, weil das Lenkrad wieder einmal so wackelt; ob man hält, um ein paar Flaschen Wasser von hinten zu holen und in die Kühlbox zu packen; ob man hält, um seine Mittagsbrote zu Essen, alles scheint hochinteressant zu sein.

Viel häufiger jedoch wird gebettelt und damit kommen Anja und ich nicht immer zu recht. Jeder wird damit anders umgehen und es ist eines von diesen Dingen, die man wirklich erfahren haben muss, weil man es eben doch ganz anders erlebt, als man sich für solche Situationen zu Hause auf dem Sofa denkend präparieren kann. Wir haben früh für uns entschieden, dass wir auf Betteln nicht reagieren werden, um dies nicht noch weiter zu unterstützen. Schon gar nicht, wollen wir Kindern Geld geben. Nicht weil wir geizige „Westerner“ sind, sondern weil dadurch unserer Meinung keinem Kind geholfen wird. Entwicklungshilfe ist kein einfacher Job, der eben deshalb von Profis ausgeübt wird. Doch so sehr man meint, damit auch das Richtige zu tun, man fühlt sich schlecht damit. Wie soll man sich auch sonst fühlen, wenn man sich im Wagen gerade ein Brot schmiert, draußen ein Wolkenbruch niedergeht, ein äthiopischer Junge barfuss im Regen steht und mit fragend leerem Ausdruck durch die geschlossenen Scheiben blickt?

Ab Woldia sind wir dann die Fernstraße Nummer 1, die große Nord-Süd-Verbindung, herunter gefahren und hier änderte sich nicht nur die Landschaft, sondern auch die Stimmung, die unser Willi hervorrief: Winkende Kinder wurden zu Kindern, die die offene Hand ausstreckten; das zwar auf Dauer nervende, aber dennoch überwiegend sympathische „Jujujujuju“ wurde zu „Moneymoneymoney“, mindestens einmal gab es auch einen Stinkefinger und die Gesichter waren insgesamt ernster. Landschaftlich wurde es flacher und offener, aber es blieb grün, so dass uns die Vielzahl von Kamelen, die uns dort begegnete, doch überraschte. Zudem sahen wir auch wieder vermehrt Moscheen und Kopftücher, aber immer noch recht wenig an der Zahl.

Unter Overlandern birgt ein Thema immer wieder für Gesprächsstoff: das Steine schmeißen. Äthiopien ist berüchtigt dafür, dass vor allem Kinder, aber nicht nur diese, Steine oder sonstige Gegenstände nach einem schmeißen. Sind es keine Wurfgeschosse, so muss man jederzeit gefasst sein, dass sie ihre Peitschen ganz nahe an dem Fahrzeug knallen lassen, so dass es klingt, als sei ein Schuss gefallen. Den Peitschenknall haben wir häufig erfahren, aber vom Steine schmeißen sind wir verschont geblieben. Einmal sah es so aus und hörte sich so an, als ob wir getroffen wurden, aber vielleicht war es doch ganz anders. Auch habe ich gesehen, dass nicht nur nach ausländischen Fahrzeugen geworfen wird, sondern auch Inländische betroffen sind. Das ändert zwar nichts am eigenen Schaden, sofern es einen gibt, aber es relativiert den Sachverhalt zumindest ein wenig. Außerdem bin ich an dieser Stelle nur froh, kein Motorradfahrer zu sein. Hatten alle vierrädrigen Overlanderfahrer mit denen ich sprach, ähnliche Erfahrungen wie wir gemacht – nicht so schlimm, wie gemeinhin behauptet –, waren die Biker die armen Schweine. Ihre Schutzlosigkeit Steinen gegenüber führt teilweise zu regelrechten Wurforgien. Ein Biker berichtete von einem Mofa-Fahrer, der an einem steilen Hügel nicht recht vorwärts kam, so dass Kinder neben ihm herliefen und ihn währenddessen ständig mit Steinen bewarfen. Der Arme hatte nur einen langen Stock zu seiner Verteidigung, mit dem er seinerseits versuchte, die Kinder abzuwimmeln, während die andere Hand am Steuer blieb, um hier möglichst schnell wegzukommen.

In Dessie übernachteten wir im Tossa Hotel. Wir hatten erst überlegt, ob wir auf dem Parkplatz campen wollen, haben uns dann aber doch für ein Zimmer entschieden. Und hatten damit Glück im Unglück oder Unglück im Glück, je nachdem wie man es gewichtet. Nachts hatte sich nämlich ein ordentliches Gewitter entfacht. Wir sprechen hier von einem richtigen „Männergewitter“; eines das selbst die Gewittererfahrensten halb sorgenvoll halb interessiert ans Fenster treibt.

[Anja:] Wer mich etwas besser kennt, der weiß, wie ich bei Gewitter reagiere…

Zwei bis drei Stunden hielten uns der sintflutartige Regen und das Donner-Spektakel vom Schlafen ab. Der Hotelparkplatz war erhöht und unser Willi an der Seite geparkt, die steil zur Straße abfällt – wir hofften beide nur inständig, dass der Regen den Parkplatz nicht unterspült, was zum Glück nicht der Fall war. Was jedoch unglücklicherweise der Fall war, dass wir uns von dort ein paar Souvenirs in unserem Schlafsack mitnahmen.

[Anja:] Wovon Jörg hier spricht, sind Flöhe. Sie schienen besonderen Gefallen an mir zu haben, denn sie bissen nur (!) mich.

 

 

Dass wir Flöhe an Bord hatten, bemerkten wir jedoch erst etwas später, da wir die ersten Nächte in Addis in sauberen Hotelbetten übernachteten und den Schlafsack dort nicht brauchten. Diese Betten fanden wir im Global Hotel (N 8° 59.633’, O 38° 45.585’). Wir wollten uns nach langem Mal wieder mit einem „richtigen“ Hotel verwöhnen. Viele Hotels sprengten unser Budget, dies tat es zwar auch, aber deutlich weniger als es die führenden Hotels am Platz getan hätten. Außerdem hatte das Global Hotel Sauna und Dampfbad inklusive… Wir verbrachten hier vier sehr beschauliche Tage, an denen wir teilweise außer zum Essen, das Hotel nicht verließen – zu einladend waren WiFi auf dem Zimmer oder mit einem Buch bewaffnet, die Kissenburg zu verteidigen, und das Non-Plus-Ultra: Strom und warmes Wasser zu jeder Zeit! An einem Tag wagten wir uns unerschrocken in Addis Regen, um Reiseführer für unsere Reise nach Äthiopien zu finden – den Task hatten wir von Khartoums To-Do-Liste geerbt, nachdem uns Boni seinen Lonely Planet über Äthiopien geschenkt hatte. Wir klapperten insgesamt vier große Buchläden ab, doch zogen leider nur Nieten. Es gab überhaupt keine Reiseführer, allenfalls von Äthiopien oder zumindest bestimmten Landesteilen. Bei Karten genau das gleiche Ergebnis! Im Laden hatte man auch keine Idee, wo man so etwas bekommen könnte, im Gegenteil: Es wurde sogar bezweifelt, dass wir solche Bücher in Addis bekommen könnten. In den nächsten Tagen müssen wir wieder aktiver werden, um auf der To-Do-Liste ein paar Haken zu bekommen…

 

 

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• Montag, August 03rd, 2009

Die Fahrt nach Lalibela war anstrengend. Die Straße wird bald durchgängig geteert sein, aber derzeit ist es abschnittsweise sehr holprig und man muss konzentriert bei der Sache sein, um nicht ständig die Lebensdauer der Achse, Federn und Dämpfer zu verkürzen, weil man mal wieder eine Abbruchkante oder ein größeres Schlagloch übersehen hat. Hinzu kam, dass ich mal wieder leichtes Fieber bekommen hatte und Anja und ich uns deshalb alle 100 km mit fahren abwechselten.

In Lalibela – wir sind über Werota und Gashena gefahren – haben wir mit dem Seven Olives Hotel ein sehr schönes Hotel gefunden und die Anstrengungen des Tages waren im Nu verflogen. Ich bin dann auch gleich ins Bett, aber Anja hat noch das Hotel-Restaurant ausprobiert, und von dem „Oriental Rice“ schwärmte sie noch Tage später in Addis.

Den Montag haben wir uns ganz für die Kirchen reserviert. Im Hotel sagte man uns, dass ein Guide obligatorisch wäre, das stimmt zwar nicht, aber wir waren uns eh schnell einig, dass dies ein Ort ist, an dem wir eine Führung haben wollen. (Wir zahlten für unseren vom Hotel vermittelten Guide 250 Birr und 300 Birr pro Person Eintritt für alle 10 – 12 Kirchen, zwei sind Doppelkirchen, so dass mal von 10, mal von 11 oder mal gar von 12 Kirchen die Rede ist.) Die Kirchen sind in drei Gruppen gegliedert. Von dem Seven Olives Hotel sind alle drei Gruppen in nur wenigen Minuten zu Fuss zu erreichen.

Am Vormittag nahmen wir uns den nördlichen Teil vor. Die Führung begann gleich mit einem Knall: Bet Medhane Alem! Angeblich ist die größte in Stein gehauene Kirche der Welt. Jede Kirche in Lalibela beherbergt ein Kreuz, das für die Kirche steht und bei Prozessionen genutzt wird. Bet Medhane Alem beherbergt das berühmte komplett aus Gold hergestellte Lalibela Kreuz (immerhin 7 kg). Von dort auf zu Bet Maryam, die Kirche die der heiligen Jungfrau Maria gewidmet ist. Da Maria in Äthiopien besonders angebetet wird, ist es eine der Pilgerstätte hier. Innen ist eine Säule vollständig mit Stoff umwickelt. Es gibt verschiedene Mythen, weshalb dies so sei; unser Guide erzählte uns, dass die Geschichte der Menschheit in die Säule eingehauen ist, und zwar nicht nur die vergangene, sondern auch die zukünftige, und das ist für Normalsterbliche natürlich nicht die geeignete Bettlektüre… Via Bet Meskel und Bet Danaghel ging es nach Bet Mikael, die dem Engel Michael geweihte Kirche, und schließlich Bet Golgotha, wo ich das „Grab Jesu“ und das Grab von König Lalibela sehen durfte, wogegen Anja leider draußen warten musste, weil Frauen die Kirche nicht betreten dürfen. Zusammen konnten wir dann jedoch zwei der größten Heiligtümer Äthiopiens begutachten: das schwarze metallene Kreuz von Bet Golgotha, das die Kreuzigungsnägel symbolisiert, sowie König Lalibelas Betstock.

In der Mittagspause der Priester von 12 bis 14 Uhr sind die Kirchen geschlossen. Mir kam das ganz gelegen, denn so konnte ich mich noch für 1 ½ Stunden ein wenig hinlegen. Nachmittags nahmen wir dann die restlichen Kirchen in Angriff. Es ging zunächst entlang des „Wegs des Himmels“ zur Bet Gabriel-Rufael – Doppelkirche, wobei der eine Teil wohlmöglich König Lalibela auch als Palast diente. Von dort ging es durch einen Tunnel, der die Unwirtlichkeit der Hölle symbolisieren soll, nach Bet Merkorios. Auch hier sind sich Historiker nicht einig, ob sie schon immer als Kirche fungierte oder früher nicht eventuell als Gefängnis oder Gericht genutzt wurde. Via der architektonisch herausstehenden Bet Amanuel und Bet Abba Libanos ging es dann zum großen Finale: Bet Giyorgis. Dazu mussten wir erst noch den „Jordan überqueren“, doch das war die Mühen wert. Bet Giyorgis ist die Kirche, deren Bild man im Kopf hat, wenn man an die in Stein gehauenen Kirchen Lalibelas denkt.

Der Mythos erzählt, dass König Lalibela diese Kirche ursprünglich für sich gebaut hat. Doch der Heilige Georg, Äthiopiens Schutzparton, ritt in die Kirche vor König Lalibela und requirierte die Kirche für sich. Die Spuren, die sein Schlachtross dabei hinterließ, sind heute noch in dem Gang zur Kirche sichtbar.

Morgen geht’s dann los in Richtung Addis. Wir planen die Strecke mit einem Übernachtstopp in Dessie.

Lalibela

Felsenkirchen in Äthiopien

 

 

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• Sonntag, August 02nd, 2009

Gerade haben wir uns von Caro, Laurent, Ruben und Enzo verabschiedet. Ursprünglich wollten wir heute noch die Wasserfälle des Blauen Nils anschauen und dann nach zusammen nach Lalibela, um von dort nach Addis zu fahren. Doch ihr Visum läuft Mitte August aus, wenn es nicht problemlos zu verlängern geht oder dies zu teuer wird, dann müssen sie bereits in etwa zwei Wochen draußen sein. Deshalb zieht es sie direkt nach Addis. Anja und ich wollen aber natürlich unbedingt nach Lalibela, also trennt sich hier nun vorübergehend auch der harte Kern des ehemaligen französisch-spanisch-deutschen Toyota-Nissan-Renault-Konvois. Ich verzichte schweren Herzens auf die Wasserfälle und wir machen uns dann gleich auf nach Lalibela. (Damit haben wir nach Aksum nun bereits den zweiten Punkt, den wir uns unbedingt anschauen wollten, links liegen lassen und verfolgen damit insgeheim unseren Masterplan: Man muss immer etwas übrig lassen und darf sich nicht alles anschauen, damit man noch für den nächsten Besuch etwas aufgespart hat…)

Gestern noch sind wir zusammen vom Nationalpark nach Bahir Dar gefahren und waren allesamt der Meinung, dass die Straße innerhalb der drei Tage ihren Zustand sogar noch verschlechtert haben muss – ist also doch nicht alles gleich geblieben… In Gonder haben wir einen Zwischenstopp für frisches Brot und Geld eingelegt.

[Anja:] Bei dem Stopp hatten wir zum ersten Mal Bekanntschaft mit einer sehr unangenehmen Sorte Mensch gemacht: betrunken und aggressiv. Als die Männer aus der Bank kamen und sich mit mir besprechen wollten, wie es weiter ging, kam von hinten ein Typ angerauscht, der sich zwischen die beiden stellte und die Hand offen hielt. Er sagte noch was, was wir aber nicht verstanden. Da eilte ein anderer hilfsbereiter Mann herbei und übersetzte: „He wants money“. Wir wollten ihm aber keines geben. Statt dessen gab er Laurent und Jörg die Hand, krallte sich am offenen Beifahrerfenster fest und streckte seine Hand auch zu mir rein. Der Mann war aber so ekelig, dass ich sie ihm nicht geben wollte. Das Fenster konnte ich auch nicht zu machen, denn er hielt es bombenfest. Als Jörg das Auto langsam bewegte, verschwand der Typ auf einmal. Und tauchte wenige Sekunden später, an unseren Sandblechen hängend wieder auf. Der Mann machte uns richtig Angst. Jörg versuchte Laurent ein Zeichen zu geben, dass er schneller fahren soll, was dieser dann auch zum Glück tat. So konnten wir den Mann von unserem Auto abschütteln, dafür rannte er uns noch 1 km hinterher. Er hatte so eine Wut in den Augen, dass ich Angst hatte, ihn beim Brot kaufen wieder zu sehen. Aber er kam zum Glück nicht wieder. Wir hatten einen schönen Schrecken bekommen.

Auf dem Weg nach Bahir Dar sahen wir dann erstmals Relikte aus Äthiopiens kriegerischer Vergangenheit: mehrere Panzer rosteten rechts und links der gut ausgebauten Straße. In Bahir Dar campten wir im Ghion Hotel. Eigentlich wollten wir ja ein Zimmer, aber ohne warme Dusche und ohne intaktes Moskitonetz, nur mit der unerfüllten Beteuerung des Managements, dass Dusche und Moskitonetz repariert werden würden, sahen wir nicht ein, wofür wir eigentlich ein Zimmer benötigten und campten somit hinterm Hotel. Zusammen mit Caro, Laurent, Enzo und Ruben waren wir dann noch im Bahir Dar Hotel lecker äthiopisch-traditionell Essen.

Heute Morgen hat ’s dann mal wieder ordentlich geschüttet. Wir tauschten noch Bilder aus, bevor dann jeder sein Pferd sattelte und wir der Morgensonne entgegen ritten, die Franzosen sich dagegen der Mittagssonne zuwanden.

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• Samstag, August 01st, 2009

Donnerstagvormittag ließen wir uns auf dem Weg zum Simien Mountain National Park durchschütteln; die Straße ist quasi ab der Stadtgrenze Gonders nicht mehr geteert und die Piste mit viel Wellblech und ebenso vielen Schlaglöchern ausgestattet. 100 km für die wir 3 ½ Stunden benötigten! Und das bei nur einer kleinen Pause, weil das Wellblech unser Ersatzrad vom Dach zu schütteln drohte. Laurent hatte uns von hinten drauf aufmerksam gemacht, wir hätten es sonst wahrscheinlich erst gemerkt, wenn der Reifen von oben runtergefallen und neben uns hergerollt wäre. Der Reifen war schnell wieder in Platz gebracht und erneut festgezurrt, doch währenddessen war Laurent aufgefallen, dass sein Wassertank leckte. Unser Auspuff, der seit der Assuan-Wadi-Halfa-Fähre nicht mehr fest in seiner Verankerung ist, rasselte zwar nach dieser Fahrt auch lauter als sonst, aber das wollten wir eh in Addis inspizieren lassen. Da hatte Laurent das größere Pech, zumal er nur diesen einen Tank hat und die Wasserversorgung der ganzen Familie daran hängt. Wir füllten den Inhalt auf unsere leeren Behälter um und versuchten das Leck provisorisch mit Panzerband zu kleben. Doch die Landschaft des äthiopischen Hochlandes entschädigte bereits hier für die Mühen.

[Anja:] Übrigens: vor lauter “schöne Landschaft gucken” ist mir ein folgenschwerer Fehler passiert. Ich sage nur drei Worte: ich fahre – große Pfütze – Bus kommt entgegen:

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Resultat: Das gesamte (!) Auto von innen  – vom Fahrerhaus bis zum Gaskocher an der Hecktüre – putzen (hat so lange wie eine Folge von “Die drei ???” gedauert)

In Debark kauften wir unser Parkticket am Park Office (N13° 08.960’ E37° 53.678’): 50 Birr pro Person je Nacht und 30 Birr je Tag für den obligatorischen Scout. Im Park selbst kamen noch 20 Birr fürs Camping hinzu (und ggf. 15 Birr für Feuerholz). (Da Laurent und Caro keinen Platz mehr bei sich im Wagen hatten, haben wir unsere Sitzbank freigeräumt und der Scout kam in das zweifelhafte Vergnügen, bei uns hinten durchgeschüttelt zu werden.)

Vor Ort am Park Office haben wir gleich noch eine Mittagspause gemacht, denn hier konnten wir in Ruhe parken und uns einen kleinen Tomaten-Zwiebel-Balsamico-Salat machen, ohne gleich die zentrale Attraktion zu sein. Während wir dort saßen, kam ein kleiner Junge und fragte: „Shoe shine?“ Laurent und Enzo spielten währenddessen Fußball mit der Plastikkappe einer Wasserflasche. Das war einer der Momente, wo sich offensichtliche Unterschiede wie aus dem Nichts manifestieren und man ihrer ganz gewahr wird: Europäische Kinder spielen, während afrikanische arbeiten! Doch als der Junge seine Scheu abgelegt hatte und einsah, in uns eh keine Kunden mehr gewinnen zu können, da wurde er wieder zum Kind und kickte mit Enzo und Ruben.

In Debark kauften wir uns noch Tomaten und Brot; eigentlich hätten wir auch gerne noch aufgetankt, aber die eine Tankstelle hatte kein Diesel, und die andere hatte zwar Diesel, aber keinen Strom. Es hätte somit nur Diesel auf dem Schwarzmarkt gegeben, doch keiner der beiden Toyos hatte so großen Durst, dass wir ihnen die potentiell gestreckte und gepanschte Brühe antun wollten.

Die 4WD-Piste im Park ist alles in allem sogar besser als der Weg bis Debark, auch wenn man dank Pässen und Serpentinen für 100 km noch weitaus mehr als 3 ½ h Stunden braucht. Doch fairerweise muss man ergänzen, dass einen natürlich auch die ganzen Photostopps ausbremsen, die man machen muss, nachdem man wieder genügend Luft geschnappt hat ob der Aussicht, die sich vor einem ausbreitet. Die Landschaft ist grandios und dank der derzeitigen Regenzeit zeigt sich der Park von sonnig, strahlend-blauem Himmel bis zu tiefschwarz-apokalyptischen Wolkenfronten. Was uns aber immer noch am meisten beeindruckt, ist nach wie vor wie sattgrün die Landschaft hier in Äthiopiens Hochland ist. Nach den diversen Gelb-Rot-Braun-Tönen des Sandes und Staubs der letzten zwei Monate von Syrien, Jordanien, Ägypten und Sudan sind die Fülle der Grün-Töne heimisches Balsam für unsere Netzhaut: von dem kräftigen Tiefgrün der Blätter von Bäumen, die schon hier standen, als noch keiner von einem Nationalpark sprach, über das saftige Grün der Gräser und Moose zum flüchtigen Hell-Weißgrün der Flechten, die wie Spinnweben von den Bäumen hängen, um Wassertropfen aus der Luft zu fangen.

[Anja:] Während Jörg das Ganze gut in vielen Worten ausdrückt, lasse ich Bilder sprechen:

Simien Mt NP Day 1

Tag 1 im Simien Mountains National Park

Doch das Augenbalsam hat auch ein Preis: Es regnet täglich mindestens einmal richtig heftig (und als Norddeutscher weiß ich, wovon ich rede) und die Temperaturen auf 3200 m in Sankaber (Camp 1) und 3600 m in Chenek (Camp 3) sind selbst für mich mit „ein wenig Mai-frisch“ doch recht euphemisiert… Doch dafür gibt es ja kleine Lagerfeuer und dicke Schlafsäcke.

Hatten wir am Donnerstag unser Basislager in Sankaber aufgeschlagen, so wagten wir am Freitag den 20 km langen Aufstieg auf 3600 m nach Chenek – natürlich mit den Autos… Die Strecke schraubte sich immer weiter hoch und die Toyos hatten ganz schön zu kämpfen. Wirkte fast ein wenig, als ob sie Gefallen an dem gestrigen Lagerfeuerchen gefunden hätten und nun selbst welche zur ihrer Erbauung entflammt hätten.

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In Chenek angekommen, haben wir etwas ganz Verrücktes getan: Wir sind ausgestiegen und waren ein wenig Wandern. Total crazy! Muss die Höhenluft gewesen sein. ;-) Unser Scout ist strammen Schrittes vorangeklettert – hier füllte er sich sichtlich besser aufgehoben als auf der schaukelnden Rückbank unseres Willis –, doch als es darum ging, ob wir noch den Berg bis nach oben erklimmen wollen, war der Mehrheitsbeschluss: Zurück zu den Wagen und aufsitzen. … Alles Mädchen! ;-) Nur Anja muss ich in Schutz nehmen, sie wollte zwar nicht mehr höher hinaus, bewies aber genügend Abenteuergeist indem sie am liebsten runtergeflogen wäre:

Glücklicherweise sind wir dann allerdings nicht gleich wieder aufgesessen, sondern wollten erst noch das kleine Flüsschen am Camp auf der anderen Straßenseite begutachten, denn dabei sind uns dann zwei Ibex vor die Flinte gelaufen:

(Übrigens haben wir keine Möglichkeit gesehen, in Chenek mit den Wagen direkt auf den Camping Platz zu fahren. Uns störte das weniger, da wir eh zurück nach Sankaber wollten, um am nächsten Tag in einem Rutsch nach Bahir Dar zu kommen; dies aber hier als Info falls der ein oder andere geneigte Leser mit seinem 4WD demnächst mal in dem Park vorbeischauen möchte. Natürlich gibt es mit ’nem Landcruiser immer einen Weg, aber man muss halt gegebenenfalls etwas mehr Zeit einplanen, um die geeignete Stelle zu suchen und ein paar Steine und Ähnliches aus dem Weg räumen bzw. als Unterstützung platzieren und das Ganze vielleicht am Besten nicht für die dunkle Nacht planen.)

Simien Mt NP Day 2

Tag 2 im Simien Mountains National Park

Zurück am Basislager wurde noch gekocht, aber dann verkroch sich auch jeder schnell in seine Koje – diesmal ohne Feuerchen.

Auf dem Rückweg nach Debark am Samstag früh, kreuzte eine Horde Affen unseren Weg. „Bamboos“ hatten wir zuvor im Park bereits reichlich gesehen, aber eine so große Horde, zwischen der wir uns frei bewegen konnten und ihnen somit ganz nahe kamen, das war neu für uns. Es war nahezu ein kontemplativer Moment.

Simien Mt NP Baboons

Dschelada Affen

In Debark entließen wir unseren Scout wieder in Freiheit. Die eine Tankstelle hatte zwar immer noch kein Diesel, dafür warf die andere ihren Generator an, um unsere Toyos an dem schwarzen Gold zu laben. Es hatte sich also gar nicht viel geändert: Diesel und Strom waren wie vor zwei Tagen Mangelware. Manches Mal ist es besser, der Welt ein wenig zu entrücken. Das Weltenkarussell dreht sich zwar weiter, doch man setzt einfach ein paar Runden aus, gönnt sich anderweitig etwas Süßes und kommt zurück, um zu sehen, dass das Karussell wie zuvor seine Runde dreht. Man hat nichts verpasst, dafür aber nun etwas Süßes in der Hand…

Category: Äthiopien  | One Comment

One Response

  1. 1
    susanne 

    Was für tolle Bilder!! :) NEID! Bin heute morgen zuhause angekommen. I miss you! Isch halt nemme des. Jenny ist auch im Urlaub.. Naja, der Garten ist auch schön. Es ist heiss hier!

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