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• Donnerstag, Juli 30th, 2009

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Morgens sind wir früh los. Wir wollten bis Gorgora an den Lake Tana in Äthiopien und das sind knapp 500 km. Irgendwo dort würden vielleicht auch Jan und Trevor noch sein können. Die Straßenverhältnisse sollten recht gut sein, aber was das im Detail heißt, müssen wir erst noch selbst erfahren. Außerdem würde ja noch die Ausreise aus Sudan und die Einreise nach Äthiopien sicherlich für längere Unterhaltung sorgen. Der Weg bis zur Grenze war alles in allem ereignislos: Straße gut und in Gedaref und Qallabat wurden noch die letzten Sudanesischen Pfund vertankt.

Am Pool von Fasiladas Wasserschlösschen

Am Pool von Fasiladas Wasserschlösschen

Während die „Frauen und Kinder“ im Auto blieben, schnappten Laurent und ich uns an der sudanischen Grenze die Papiere und gingen zunächst zum Zoll [Gebäude rechterhand von der Straße gesehen, einfach an der LKW-Schlange unten vorbei und vor der Tür parken], um die Carnet abzustempeln, das ging auch recht zügig. Dann ins Immigration Office [gleiche Straßenseite, aber ein paar Schritte weiter Richtung Äthiopien, aber nicht zu viele Schritte machen… 😉 ], um die Pässe ausstempeln zu lassen, doch hier dauerte es. Die Herrn standen unter dem Einfluss des Crescendos eines Bollywood-Films und ihre Arbeitszeiten beschränkten sich auf dessen Werbeunterbrechungen… Abschließend ging es noch zur „Security“ [ebenfalls gleiche Straßenseite, doch ca. 500 m wieder zurück], die uns nochmals registrierten – mit Namen, Beruf, Ausweisnummer etc., als ob diese Angaben nicht bereits jeder Polizist im Sudan haben müsste.

Auf der äthiopischen Seite ging es andersherum: Zunächst zum Immigration Office [dem Pfad rechts der Straße direkt hinter der Grenze folgen und dann links, nicht zu verfehlen]; erneut registrieren – da haben ja wir bereits Erfahrung drin. Danach zum Zoll für unsere Wagen. [Straßenseite wechseln und ca. 20 m weiter] Laurent und ich wollten die Carnet-Registrierung vermeiden, weil wir voraussichtlich über die grüne Grenze nach Kenia wollen und es dort das Ausstempeln schwieriger wird, wenn es überhaupt gehen wird. Wir stellten uns dumm, aber die sehr freundliche und leider auch sehr geduldige Zöllnerin ließ nicht locker und war von unseren internationalen Zulassungen und Führerscheinen, die wir ihr unter die Nase hielten, wenig beindruckt. Also gaben wir irgendwann nach. Auf dieser Seite hatten wir einen Fixer, nicht dass wir ihn engagiert hätten, aber er zeigte uns ungefragt alle Stationen und das Angebot eines Kaffees wollten Laurent und ich uns natürlich auch nicht entgehen lassen. Hinterher wollte er 50 Birr (etwa 5 USD), nicht viel, aber er hat eigentlich gar nichts getan. So musste er sich mit 20 Birr zufrieden geben. (Genau das, was er angeblich für die Kaffee ausgegeben hat.)

„Äthiopischer Almabtrieb“

„Äthiopischer Almabtrieb“

Nach ca. 2 Stunden Grenzprozeduren konnten wir dann endlich unseren Weg fortsetzen. Dies jedoch nur recht langsam, da im Schnitt alle 200 – 300 m Kühe die Fahrbahn blockierten – es ging zu wie beim Almabtrieb. Dabei hatte dieser erste Teil recht gute Straßenqualität. Ab etwa Shededi war es dann nur Piste, aber es wird abschnittsweise dran gearbeitet.

Raum für Schwimmübungen (Bild: Laurent)

Raum für Schwimmübungen (Bild: Laurent)

Ca. 50 km Luftlinie von Gorgora noch vor Aykel erreichten wir eine Passstraße, die durch zwei Fahrzeuge blockiert war. Es hatten sich bereits ein paar Fahrzeuge auf beiden Seiten aufgestaut und Laurent und ich stiegen aus, um uns das Dilemma aus der Nähe anzuschauen. Ein Stümper von LKW-Fahrer hatte seinen LKW schön mitten auf der Straße im Schlamm festgefahren, stand aber so, dass man ihn nur auf der Hangseite überholen konnte. Dies hatte ein Mini-Bus versucht, hatte aber im Schlamm nicht genügend Gripp und wurde wohl statt nach vorn an den LKW getrieben. Da unter den aufgestauten Fahrzeuge mindestens vier vollbeladene Busse waren, war der Menschenauflauf entsprechend groß. Noch während wir dort standen, wuppten etwa ein Dutzend Äthiopier den Mini-Bus wieder zur Seite, so dass er zurückrollen konnte. Die Strecke war also wieder frei, aber an der Stelle nur für 4WD befahrbar. Laurent und ich starteten unsere Maschinen und los ging ’s.

Vor mir ist bereits ein anderer Toyota Pickup durchgefahren und hat bewiesen, dass die Hangseite nicht nachgibt. Die Durchfahrt war ein Balance-Akt: Wir mussten möglichst nah am LKW vorbeifahren, ohne ihn mit unseren Sandblechen zu touchieren, und waren dann aber immer noch gerade so auf dem Rand der Straße. Daneben: Abgrund. Wäre Anja in dem Augenblick ausgestiegen, so wäre sie wahrscheinlich nach unten gestürzt, denn Untergrund war neben unserem Willi keiner mehr. Doch mit der richtigen Mischung aus Kenne-die-Maße-deines-Wagens und Insh’allah, haben wir das schon irgendwie hingekriegt.

Laurent dagegen hatte weniger Glück: Die Ladung auf seinem Dachgepäckträger macht ihn höher und die Markisen rechts und links ausladender als unseren Willi. Dadurch hat er den Außenspiegel des LKWs gestreift. Der Fahrer reklamiert, der sei kaputt und Laurent müsste ihn ersetzen. Ein neuer Spiegel würde 3700 Birr kosten (etwa 370 USD). Natürlich weigert sich Laurent etwas zu zahlen und so wird die Polizei gerufen. Laurent schlägt vor, seinen Wagen zumindest weiter zu bewegen, damit der Weg nicht weiterhin blockiert wird. Doch das ginge nicht, so wird er unterrichtet, nach äthiopischen Gesetz darf ein Unfallort nicht verändert werden, so lange bis die Polizei eintrifft. Jeder scheint dies hier auch zu akzeptieren; es gibt keine laute Vorwürfe, dass es nicht weiter geht, und ich bewundere die Ruhe der Äthiopier.

Der Polizist kommt, schaut sich den Schaden an und hört den zwei „Lagern“ zu. Mittlerweile hat sich nämlich um Laurent als auch um den LKW-Fahrer eine Traube von Menschen gebildet, die entweder den einen oder den anderen unterstützen. Die größte Gruppe besteht aber weiterhin aus den Menschen, die einfach nur interessiert dem Unterhaltungsprogramm folgen, ohne dass sie sich einmischen oder Partei ergreifen. Alles läuft weiterhin sehr zivilisiert und ruhig ab.

Es fängt langsam an zu dämmern und wir müssen mindestens noch bis Gonder kommen – das ursprüngliche Ziel (Gorgora am Lake Tana) ist mittlerweile obsolet. Laurent weigert sich weiterhin standhaft, dem LKW-Fahrer etwas zu zahlen. Er meint zu dem Polizisten, dass, wenn er etwas falsch gemacht hätte, er der Polizei etwas zahle, aber nicht dem Fahrer. Eine Einigung wird schließlich auf morgen vertagt. Einem „Schiedsmann“ werden die Führerscheine anvertraut, der sie der Polizei in Gonder übergeben soll und dort soll entschieden werden.

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Die Fahrt nach Gonder verlief bereits größtenteils im Dunkeln. Da wir noch die ein oder andere Bergkuppe überqueren mussten, kam sogar noch Nebel respektive Durchfahren von tiefhängenden Wolken hinzu. Als wir schließlich in Gonder einfuhren, ist es ebenfalls stockfinster, was allerdings nicht auf die späte Uhrzeit allein zurückzuführen ist. Nur vereinzelt sieht man den Schein einer Taschenlampe über die Straße huschen. Wie wir später erfahren werden, gibt es derzeit nur jeden zweiten Tag Strom, und wir kommen halt gerade zur falschen Zeit. In Gonder haben wir einige Hotels abklappert, aber erst der dritte Versuch saß; die anderen wollten uns nicht oder wir sie nicht, weil sie uns zu teuer waren. Noch haben wir kein Gefühl für die Preise und so hat der Hotelbetreiber leichtes Spiel mit uns: 100 Birr nimmt er uns fürs Campen auf dem Hof ab. Ein klarer Rip-Off, zumal aus der versprochenen warmen Dusche am nächsten Morgen auch nichts wird… Dafür gibt es wieder ein erstes (Lande-)Bierchen nach zwei Monaten. (Ja, Tim, wir haben sogar ohne Fünf-Uhr-Gerstenkaltschale überlebt. 😉 ) Wir laden Laurent und Caro dazu ein, die sich dies nach dem heutigen Tag wirklich verdient haben.

Am nächsten Morgen machen wir alle uns abreisefertig, aber natürlich müssen wir erst mal sehen, wie die örtliche Polizei nun weiter vorgeht. Wir fahren zur Polizei und die entscheidet, zunächst den Seitenspiegel sehen zu wollen. Der LKW-Fahrer wird also her zitiert und wir sollen ihn am Ortseingang von Gonder treffen. Natürlich soll er „gleich“ kommen, aber das ist afrikanische Zeit. Es dauert bis zum frühen Nachmittag, dass er endlich auftaucht. Laurent setzt immer wieder Deadlines, bis wann er warten möchte und nicht länger, doch die Polizei überredet ihn dann doch jedes Mal aufs Neue zu warten. Zwischenzeitlich möchte er auf unser Anraten ein schriftliches Protokoll, dass er hier war und mit der Polizei wartete etc., falls der LKW-Fahrer doch nie auftauchen sollte, sich aber hinterher rühren sollte… Die anwesenden Polizisten begrüßen diese Idee, also fahren wir wieder rein, doch auf der Wache will ihm keiner ein solches Protokoll aufsetzen, statt dessen heißt es, er solle weiter warten, der Fahrer komme bestimmt gleich. Also wieder raus…

Anja und ich informierten uns in der Zeit, wie wir weiter fahren wollen: der Simien Mountains National Park hat ’s uns angetan. Auch ohne Trekking (wegen Enzo und Ruben) gäbe es eine Möglichkeit den Park zu „erfahren“, und zwar per 4WD. Camp 1 „Sankaber“ und 3 „Chenek“ liegen an einem 4WD-Track, und wir könnten uns somit problemlos, und ohne die Wagen zurücklassen zu müssen, zwei Tage Nationalpark gönnen.

Wieder zurück am vereinbarten Treffpunkt treffen wir plötzlich auf die Spanier: Luis schaut durchs Beifahrerfenster und grüßt mich – ich muss ziemlich irritiert geschaut haben. Die Sieben sind gestern am frühen Abend in Gonder angekommen und haben heute noch die lokalen Sehenswürdigkeiten abgeklappert. Nun wollen sie über den Lake Tana gen Addis. Kurz bevor sie aufbrechen, trifft auch der langersehnte LKW-Fahrer ein.

Ich schaue mir zum ersten Mal den vermeintlich kaputten Seitenspiegel an und – ganz ehrlich – ich sehe zunächst weder Sprung noch Kratzer und muss erst darauf hingewiesen werden. … 3700 Birr, nee, is’ klar. Es wird wieder hin und her diskutiert, bis jemand Laurent zu verstehen gibt, dass er dem Fahrer einfach 200 Birr in die Hand drücken soll und dann ohne weitere Diskussionen gehen soll. Laurent versucht ’s, aber das ist dem Fahrer zu wenig. Die zweite Übergabe funktioniert jedoch, ohne dass an der Preisschraube gedreht wurde. Jeder bekommt seinen Pass wieder und ist frei.

Mittlerweile ist es jedoch schon kurz vor 14 Uhr und damit zu spät zum Aufbruch. Wir kehren in die Belegez Pension ein, wo Anja und ich schon ganz zu Anfang eigentlich hin wollten. Der Mann an der Rezeption ist auch Führer durch Gonders Sehenswürdigkeiten. Na, das trifft sich doch prima! Wir genehmigen uns noch einen schnellen Snack und um 15 Uhr beginnt die Führung durch „Afrikas Camelot“, wie unser Reiseführer Gonder auch nennt. Gonder war im 17 Jahrhundert Hauptstadt und die „Könige der Könige“ bauten hier ihre Prunkschlösser, auf dass derer gedacht werde. Dieser Komplex, „Fasil Ghebbi“ genannt, ist wirklich idyllisch und bis auf die Teile, die sudanesische Derwische als Racheakt verwüsteten und die von den englischen Befreiern kaputt gebombt wurden, gut erhalten.

Gonder

Erster Stop in Äthiopien

Anschließend ging es weiter zu Fasiladas Wasserschlösschen. Während Fasiladas sich hier schon lange nicht mehr hat blicken lassen, wird das Schlösschen auch heute noch genutzt: Zu „Timkat“ wird der das Schlösschen umgrenzende Pool vollständig mit Wasser gefüllt und durch einen Priester geweiht, was Christus Taufe im Jordan symbolisieren soll. Danach gibt es kein Halten mehr: Jung und Alt springen in das Wasser – das Bad wird als wichtige Erneuerung des Glaubens gesehen.

Fasiladas Wasserschlösschen

Fasiladas Wasserschlösschen

Zum Schluss besichtigten wir noch die Debre Berhan Selassie Kirche und ihre beeindruckende Gemälde. Unser Führer nennt den Künstler „Afrikas Leonardo“. Ich denk nicht weiter darüber nach, wem der beiden, da wohl gerade auf den Schlips getreten wird, sondern bewundere die Farben, die an vielen Stellen auch heute noch wie neu aussehen. Wir haben 150 Birr pro Person für Eintritt und 200 Birr als Gruppe für die Führung bezahlt und haben es nicht bereut.

Debre Berhan Selassie Kirche

Debre Berhan Selassie Kirche

Wieder „zu Haus“ angekommen, gönnten wir uns endlich das BBQ, das wir schon so lange vor hatten und für das Laurent extra in Khartoum Würstchen gekauft hatte, aber bisher hatte das Wetter nicht mitgespielt. Heute leider auch nicht, weshalb die Würste kurzerhand gebraten werden – haben auch so lecker geschmeckt. 😉

Unerfreulicher war dann schon, dass es bis zur Abreise heute früh wieder keine Dusche gab, da entgegen der Ansage „sobald Strom wieder da ist [das war des Nachts], duschen möglich sein würde“ auch bis um 8 Uhr noch kein fließend Wasser vorhanden ist.

 

 

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