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• Mittwoch, Juli 22nd, 2009

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[Anja:] Mit einer Stunde Verspätung trafen wir um 11 Uhr endlich in Wadi Halfa ein. Aber dann passierte erst mal nichts. Um 12 Uhr versuchten wir unser Glück und krochen aus der Kabine in den Dining Room, wo wir unsere Pässe in Empfang nehmen sollten. Dort waren inzwischen fast alle Ausländer versammelt, während sich Ägypter und Sudanesen zum Ausgang quetschten. Wir hatten viel Zeit für Gespräche, auch mit den bisher noch unbekannten Leuten. Da trafen wir auf Patrick, ein Deutscher aus Köln, der mit dem Fahrrad von Deutschland nach Südafrika (über Ägypten, Sudan, Eritrea, Dschibuti und Somaliland) radelt; zwei Koreaner, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln reisen, und ein Ukrainer, der per Anhalter unterwegs ist.

Um 14 Uhr versuchten wir unser Glück, alle Papiere hatten wir in der Tasche, und quetschten uns zusammen mit dem Rest der noch auf dem Schiff verbliebenen Leute Richtung Ausgang. Die Kinder von Laurent und Caro wurden schnell zum Opfer der Massen. Keiner sah sie und irgendwie war jeder sich selbst der nächste. Trotzdem schafften sie es als einzige, rauszukommen; bei mir hörte es auf. Der Mann an der Türe sah sich meinen Pass an und schickte uns alle wieder zurück. Im Dining Room versammelt, bemerkten wir, dass einer der Engländer fehlte. Chris war nicht draußen bei den Franzosen und auch nirgendwo auf dem Schiff zu finden. Aber wir konnten nichts tun, wir waren wie gefangen.

Als wir fast als letzte das Schiff verlassen durften, fing das Chaos erst mal an. Wir wurden zu einem Bus geführt, der „Ladies first“ erst mal Frauen reinließ. Das war aber einem dicken Sudanesen völlig egal. Der drängelte und quetschte alle am Eingang so zusammen, als wäre kein anderer Bus zu finden. Laurents Kinder waren wieder die Leidtragenden. Das Lächerliche dabei war, dass als wir alle drinnen saßen, er für Pepe seinen Sitzplatz aufgegeben hatte. Zu allem Überfluss fehlte Chris, von dem wir nur wussten, dass er von der Polizei mitgenommen wurde, aber weshalb???

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Unser Hotel-Zimmer

Der Zoll war schnell erledigt. Jede Tasche wurde angeschaut und bekam ein Aufkleberchen. Unser Laptop sollte gemeinsam mit uns registriert werden… Danach fuhr uns ein Bus zum Hotel. Carl machte sich gleich auf die Suche nach Chris, der per SMS mitteilte, dass er auf der Polizeistation von Wadi Halfa sitzt. In den gemütlichen Zimmern (siehe Bild), konnte man sich auch nicht allzu lange aufhalten, duschen per Eimer und dreckigem Wasser wollte auch keiner und vom Klo mit Kakerlaken muss ich nicht viel mehr schreiben. Wir flohen in ein nahegelegenes Restaurant, aßen Moussaka bis sie alle war, und Falaffel und spielten Karten so lange es ging.

Spielerrunde

Spielerrunde

Im Gegensatz zu ein paar der anderen, entschieden wir uns, die Nacht im Zimmer und nicht draußen im Innenhof zu verbringen. Böser Fehler! Der Ventilator, der die 40 Grad im Raum auf gefühlte 38 Grad herunterkühlen konnte, wurde mitten in der Nacht abgeschaltet. Auf den siffigen Matratzen wollten wir auch nicht wirklich schlafen und so langen wir immer wieder lange wach, fühlten, wie uns der Schweiß den Körper herunterlief und starrten auf die kleine Öffnung für Frischluft an der Decke. Ich hab mich gefühlt, wie ein Stück Kohle im Grill, das langsam aber sicher zum Glühen gebracht werden soll.

Auf der sudanesischen Seite haben wir uns einen Fixer gegönnt. Mit ägyptischen Behörden hatten wir alle ja nun schon Erfahrung und Zeit hatten wir in Assuan auch noch genügend, aber im Sudan wollten wir einfach nur möglichst schnell im ruhigen Gewässer durchsegeln. Magdy, unser Fixer, nahm pro Auto 38 USD (8 Tax + 15 Custom + 15 für ihn) und 45 USD pro Person für die Registrierung bei der Polizei. Happige Preise, zumal der Lonely Planet für die Polizeiregistrierung 45 Sudanesische Pfund (SP) erwähnt; als Carl später bei der Polizei fragt, wie teuer die Registrierung ist, sagt der Polizist erst einmal nichts, sondern ruft den Fixer zurück. Nach einem kurzen Gespräch mit dem Fixer in Arabisch fällt dem Polizisten auch wieder ein wie hoch die Gebühr ist: 45 USD… „Welcome in Africa!“

Am 22. hieß es morgens um 9:30 Uhr: „Die Autos sind da!“ Um 10 h waren Pepe, Boni, Laurant, Chris, Carl und ich am Hafen in der Wartehalle und taten das, was man in dieser Halle dem Namen nach tut: warten… Zunächst hieß es, die Autos sollten als erstes entladen werden – Oder war das nur unser Wunschdenken? –, aber nicht die Autos wurden als erstes entladen, sondern alles andere wurde zuerst gelöscht. Zwei Stunden später tat sich wieder was: Wir sollten von der Wartehalle direkt an die Anlagestelle. Doch hier hieß es zunächst wieder warten. Zudem hatten wir die schattige, deutlich kühlere Wartehalle gegen die Anlagestelle ohne Schatten eingetauscht, da konnte auch der Tee nicht für entschädigen, zu dem wir eingeladen wurden.

Das Ausladen schien immer langsamer zu werden; unterschiedliche Teams sind für unterschiedliche Teile der Ladung zuständig und ging es anfangs noch recht fix, fühlten wir uns nun genötigt unsere Hilfe beim Entladen anzubieten, um endlich an unsere Autos zu kommen. Nach vier weiteren Stunden Wartezeit machten wir sechs uns also daran, die Barge eigenhändig mit zu entladen. Durchaus erfolgreich, denn gegen 17 Uhr bewegte sich die Barge von dem Entladungsdock zu dem anderen Dock, wo unsere Autos wieder „ausgewildert“ werden sollten.

Dieser Teil des Entladens war wirklich nichts für schwache Nerven. Alle sechs hatten wir den Eindruck, die Beteiligten machten es das erste Mal, was natürlich nicht sein kann, aber es wirkte schon recht unprofessionell. Entladen wurde vom Boot zunächst auf ein Metall-Ponton und von dort mittels dreier Planken auf den Steg. Natürlich mussten die Planken erst zusammen gesucht werden – wer hätte auch ahnen können, dass da noch fünf Autos entladen werden sollen? – und drei Planken waren notwendig, weil zwei der drei einzeln nicht lang genug waren, so dass die beiden verkeilt wurden und sich überlappten. Man musste zunächst rückwärts vom Kahn runter und mittels „Wenden in 20 Zügen“ auf dem ca. 5 x 4 m Ponton wenden – vor allem bei dem Wendekreis von Willi schon ein Abenteuer für sich. Ponton und Kahn waren natürlich auch nicht auf einer Höhe, aber um diese Hürde zu überwinden, reichten schon wenige Holzbalken. Problematischer war da schon, dass der Ponton mittlerweile in die Jahre gekommen war und das Metall teilweise nach oben weggebogen war, über diese „Reifenschlitzer“ wurde eine dicke Plane gelegt, wobei natürlich jeder dennoch versuchte, diese Stellen zu umfahren.

Die Spanier waren zuerst dran. Das größte Problem war zunächst die 180° Drehung auf dem Ponton. Es waren ca. 20 Personen vor Ort (ohne uns), Hafenarbeiter, Matrosen des Kahns, Polizei – das auch ja keine Bilder gemacht werden, weshalb wir leider auch keine bebilderte Dokumentation liefern können, im Sudan verstehen sie damit keinen Spaß – und so bekam man entsprechend 20 Zeichen, wie man am besten fahren sollte. Boni hat als Taxifahrer die meiste Fahrpraxis und hat uns alle eingewiesen. Auch wenn seine Zeichen teilweise komplett anders waren als die anderen 20, hat am Ende immer alles gepasst. Sein Renault selbst ist auf den Planken aufgesessen, die 20 signalisierten Boni zurückzufahren, aber nicht Boni! Er wies Pepe an, den Wagen einfach hoch wuppen zu lassen und mit vier Leuten wurde der Wagen kurzerhand hinten links ein wenig angehoben und Boni konnte über die Planken fahren.

Danach war Chris und dann Laurant dran. Als Laurant mit seinen 3,7 t über die Planken fuhr, hörte ich von der rechten Planke zweimal ein lautes Knacken. Und da sollte ich jetzt rüberfahren? Auch wenn ich mir damit bei den 20 keine Freunde machte, bestand ich darauf, dass die entsprechende Planke stärker mit Steinen untermauert wurde. Als ich dann runter fuhr, brach aber nicht die rechte weg, sondern die linke. Glücklicherweise habe ich im Wagen gespürt, dass etwas nicht stimmt (oder Willis Schutzengel hat mir souffliert), und gemäß guter Biker-Tradition reagiert: Schnell raus aus dem Gefahrenbereich! Ich bin also nicht so sanft wie die anderen auf dem Steg gelandet, sondern hab mich dank beinah durchgedrücktem Gaspedal geradezu herauf katapultiert. Was war passiert? Durch das ständige Anfahren und Bremsen (auch bereits das der Vorfahrer) waren die linken Planken, das waren die, die verkeilt waren, nicht mehr so stabil, und die Antriebskraft unseres Willis schob sie dann immer weiter zum Boot hin weg vom Steg. Carl meinte hinterher, ich hätte durch meinen beherzten Sprung auf den Steg Willi gerettet, denn viel hätte nicht gefehlt…

Nach ca. 90 Minuten waren alle fünf Wagen schließlich entladen. Durch nun war es bereits kurz vor 20 Uhr und es hieß, der Zoll sei bereits zu. Wir wollten aber nicht noch eine Nacht in unserem sogenannten „Hotel“ übernachten. Deshalb fragten wir, ob wir alle gemeinsam im Hafen übernachten könnten. Nach Rücksprache mit dem „2nd Manager“, der als derjenige auserkoren wurde, der diese Entscheidung treffen könnte, wäre dies vielleicht sogar gegangen, aber man entschloss sich doch, unsere Wagen kurzerhand noch schnell abfertigen zu lassen, nur für den Carnet-Stempel müssten wir morgen nochmals wiederkommen.

Gegen 20:30 h, nach läppischen 11 Stunden, gab es dann die große Wiedervereinigung. Jeder erzählte seine kleinen „War Stories“ und es war ein freudiger Trubel. Wir kauften uns noch ein paar Falafel als Gute-Nacht-Schmankerl, und Magdy zeigte uns noch einen geeigneten Platz in der Wüste, wo wir problemlos übernachten könnten – das Wüstencamp war definitiv besser als jedes der Hotels in Wadi Halfa.

Gemeinsames Abendessen in der Wüste

Gemeinsames Abendessen in der Wüste (Foto: Laurent)

[Anja:] Mein Tag war weitaus weniger spannend als Jörgs. Nachdem ich mich morgens ausgeklinkt hatte, weil mein Kreislauf schlapp machte, blieb ich in dem Gebäude, was sich Hotel schimpfte. Zusammen mit den „anderen Frauen“ der Fahrer verbrachte ich einen relaxten und faulen Tag. Anfangs versuchte ich mich von dem Fehler zu erholen, die Malaria-Prophylaxe auf nüchternen Magen geschluckt zu haben (daher die Kreislaufprobleme), dann fing ich an Tagebuch zu schreiben und zu lesen. Die Zimmertüre stand immer auf und vor meinem Zimmer stellten Alegria und die Kinder, sowie Caro und ihre Kinder Betten auf, auf denen gespielt wurde. Irgendwann wurde es überall ziemlich still und alle schliefen. Nach dem Mittagsschläfchen wurde fleißig weiter gespielt und sich unterhalten. Jörg schickte mir immer wieder SMS mit den letzten Updates, die ich dann in englisch und französisch übersetzte. So kam ich dazu mit Caro meine eingerosteten Französisch-Kenntnisse aufzumöbeln. Für mich war der Tag also deutlich entspannter.

Zwangs-Entspannung im Hotel

Zwangs-Entspannung im Hotel


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