Archive for ◊ Juli, 2009 ◊

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• Donnerstag, Juli 30th, 2009

Morgens sind wir früh los. Wir wollten bis Gorgora an den Lake Tana in Äthiopien und das sind knapp 500 km. Irgendwo dort würden vielleicht auch Jan und Trevor noch sein können. Die Straßenverhältnisse sollten recht gut sein, aber was das im Detail heißt, müssen wir erst noch selbst erfahren. Außerdem würde ja noch die Ausreise aus Sudan und die Einreise nach Äthiopien sicherlich für längere Unterhaltung sorgen. Der Weg bis zur Grenze war alles in allem ereignislos: Straße gut und in Gedaref und Qallabat wurden noch die letzten Sudanesischen Pfund vertankt.

Am Pool von Fasiladas Wasserschlösschen

Am Pool von Fasiladas Wasserschlösschen

Während die „Frauen und Kinder“ im Auto blieben, schnappten Laurent und ich uns an der sudanischen Grenze die Papiere und gingen zunächst zum Zoll [Gebäude rechterhand von der Straße gesehen, einfach an der LKW-Schlange unten vorbei und vor der Tür parken], um die Carnet abzustempeln, das ging auch recht zügig. Dann ins Immigration Office [gleiche Straßenseite, aber ein paar Schritte weiter Richtung Äthiopien, aber nicht zu viele Schritte machen… ;-) ], um die Pässe ausstempeln zu lassen, doch hier dauerte es. Die Herrn standen unter dem Einfluss des Crescendos eines Bollywood-Films und ihre Arbeitszeiten beschränkten sich auf dessen Werbeunterbrechungen… Abschließend ging es noch zur „Security“ [ebenfalls gleiche Straßenseite, doch ca. 500 m wieder zurück], die uns nochmals registrierten – mit Namen, Beruf, Ausweisnummer etc., als ob diese Angaben nicht bereits jeder Polizist im Sudan haben müsste.

Auf der äthiopischen Seite ging es andersherum: Zunächst zum Immigration Office [dem Pfad rechts der Straße direkt hinter der Grenze folgen und dann links, nicht zu verfehlen]; erneut registrieren – da haben ja wir bereits Erfahrung drin. Danach zum Zoll für unsere Wagen. [Straßenseite wechseln und ca. 20 m weiter] Laurent und ich wollten die Carnet-Registrierung vermeiden, weil wir voraussichtlich über die grüne Grenze nach Kenia wollen und es dort das Ausstempeln schwieriger wird, wenn es überhaupt gehen wird. Wir stellten uns dumm, aber die sehr freundliche und leider auch sehr geduldige Zöllnerin ließ nicht locker und war von unseren internationalen Zulassungen und Führerscheinen, die wir ihr unter die Nase hielten, wenig beindruckt. Also gaben wir irgendwann nach. Auf dieser Seite hatten wir einen Fixer, nicht dass wir ihn engagiert hätten, aber er zeigte uns ungefragt alle Stationen und das Angebot eines Kaffees wollten Laurent und ich uns natürlich auch nicht entgehen lassen. Hinterher wollte er 50 Birr (etwa 5 USD), nicht viel, aber er hat eigentlich gar nichts getan. So musste er sich mit 20 Birr zufrieden geben. (Genau das, was er angeblich für die Kaffee ausgegeben hat.)

„Äthiopischer Almabtrieb“

„Äthiopischer Almabtrieb“

Nach ca. 2 Stunden Grenzprozeduren konnten wir dann endlich unseren Weg fortsetzen. Dies jedoch nur recht langsam, da im Schnitt alle 200 – 300 m Kühe die Fahrbahn blockierten – es ging zu wie beim Almabtrieb. Dabei hatte dieser erste Teil recht gute Straßenqualität. Ab etwa Shededi war es dann nur Piste, aber es wird abschnittsweise dran gearbeitet.

Raum für Schwimmübungen (Bild: Laurent)

Raum für Schwimmübungen (Bild: Laurent)

Ca. 50 km Luftlinie von Gorgora noch vor Aykel erreichten wir eine Passstraße, die durch zwei Fahrzeuge blockiert war. Es hatten sich bereits ein paar Fahrzeuge auf beiden Seiten aufgestaut und Laurent und ich stiegen aus, um uns das Dilemma aus der Nähe anzuschauen. Ein Stümper von LKW-Fahrer hatte seinen LKW schön mitten auf der Straße im Schlamm festgefahren, stand aber so, dass man ihn nur auf der Hangseite überholen konnte. Dies hatte ein Mini-Bus versucht, hatte aber im Schlamm nicht genügend Gripp und wurde wohl statt nach vorn an den LKW getrieben. Da unter den aufgestauten Fahrzeuge mindestens vier vollbeladene Busse waren, war der Menschenauflauf entsprechend groß. Noch während wir dort standen, wuppten etwa ein Dutzend Äthiopier den Mini-Bus wieder zur Seite, so dass er zurückrollen konnte. Die Strecke war also wieder frei, aber an der Stelle nur für 4WD befahrbar. Laurent und ich starteten unsere Maschinen und los ging ’s.

Vor mir ist bereits ein anderer Toyota Pickup durchgefahren und hat bewiesen, dass die Hangseite nicht nachgibt. Die Durchfahrt war ein Balance-Akt: Wir mussten möglichst nah am LKW vorbeifahren, ohne ihn mit unseren Sandblechen zu touchieren, und waren dann aber immer noch gerade so auf dem Rand der Straße. Daneben: Abgrund. Wäre Anja in dem Augenblick ausgestiegen, so wäre sie wahrscheinlich nach unten gestürzt, denn Untergrund war neben unserem Willi keiner mehr. Doch mit der richtigen Mischung aus Kenne-die-Maße-deines-Wagens und Insh’allah, haben wir das schon irgendwie hingekriegt.

Laurent dagegen hatte weniger Glück: Die Ladung auf seinem Dachgepäckträger macht ihn höher und die Markisen rechts und links ausladender als unseren Willi. Dadurch hat er den Außenspiegel des LKWs gestreift. Der Fahrer reklamiert, der sei kaputt und Laurent müsste ihn ersetzen. Ein neuer Spiegel würde 3700 Birr kosten (etwa 370 USD). Natürlich weigert sich Laurent etwas zu zahlen und so wird die Polizei gerufen. Laurent schlägt vor, seinen Wagen zumindest weiter zu bewegen, damit der Weg nicht weiterhin blockiert wird. Doch das ginge nicht, so wird er unterrichtet, nach äthiopischen Gesetz darf ein Unfallort nicht verändert werden, so lange bis die Polizei eintrifft. Jeder scheint dies hier auch zu akzeptieren; es gibt keine laute Vorwürfe, dass es nicht weiter geht, und ich bewundere die Ruhe der Äthiopier.

Der Polizist kommt, schaut sich den Schaden an und hört den zwei „Lagern“ zu. Mittlerweile hat sich nämlich um Laurent als auch um den LKW-Fahrer eine Traube von Menschen gebildet, die entweder den einen oder den anderen unterstützen. Die größte Gruppe besteht aber weiterhin aus den Menschen, die einfach nur interessiert dem Unterhaltungsprogramm folgen, ohne dass sie sich einmischen oder Partei ergreifen. Alles läuft weiterhin sehr zivilisiert und ruhig ab.

Es fängt langsam an zu dämmern und wir müssen mindestens noch bis Gonder kommen – das ursprüngliche Ziel (Gorgora am Lake Tana) ist mittlerweile obsolet. Laurent weigert sich weiterhin standhaft, dem LKW-Fahrer etwas zu zahlen. Er meint zu dem Polizisten, dass, wenn er etwas falsch gemacht hätte, er der Polizei etwas zahle, aber nicht dem Fahrer. Eine Einigung wird schließlich auf morgen vertagt. Einem „Schiedsmann“ werden die Führerscheine anvertraut, der sie der Polizei in Gonder übergeben soll und dort soll entschieden werden.

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Die Fahrt nach Gonder verlief bereits größtenteils im Dunkeln. Da wir noch die ein oder andere Bergkuppe überqueren mussten, kam sogar noch Nebel respektive Durchfahren von tiefhängenden Wolken hinzu. Als wir schließlich in Gonder einfuhren, ist es ebenfalls stockfinster, was allerdings nicht auf die späte Uhrzeit allein zurückzuführen ist. Nur vereinzelt sieht man den Schein einer Taschenlampe über die Straße huschen. Wie wir später erfahren werden, gibt es derzeit nur jeden zweiten Tag Strom, und wir kommen halt gerade zur falschen Zeit. In Gonder haben wir einige Hotels abklappert, aber erst der dritte Versuch saß; die anderen wollten uns nicht oder wir sie nicht, weil sie uns zu teuer waren. Noch haben wir kein Gefühl für die Preise und so hat der Hotelbetreiber leichtes Spiel mit uns: 100 Birr nimmt er uns fürs Campen auf dem Hof ab. Ein klarer Rip-Off, zumal aus der versprochenen warmen Dusche am nächsten Morgen auch nichts wird… Dafür gibt es wieder ein erstes (Lande-)Bierchen nach zwei Monaten. (Ja, Tim, wir haben sogar ohne Fünf-Uhr-Gerstenkaltschale überlebt. ;-) ) Wir laden Laurent und Caro dazu ein, die sich dies nach dem heutigen Tag wirklich verdient haben.

Am nächsten Morgen machen wir alle uns abreisefertig, aber natürlich müssen wir erst mal sehen, wie die örtliche Polizei nun weiter vorgeht. Wir fahren zur Polizei und die entscheidet, zunächst den Seitenspiegel sehen zu wollen. Der LKW-Fahrer wird also her zitiert und wir sollen ihn am Ortseingang von Gonder treffen. Natürlich soll er „gleich“ kommen, aber das ist afrikanische Zeit. Es dauert bis zum frühen Nachmittag, dass er endlich auftaucht. Laurent setzt immer wieder Deadlines, bis wann er warten möchte und nicht länger, doch die Polizei überredet ihn dann doch jedes Mal aufs Neue zu warten. Zwischenzeitlich möchte er auf unser Anraten ein schriftliches Protokoll, dass er hier war und mit der Polizei wartete etc., falls der LKW-Fahrer doch nie auftauchen sollte, sich aber hinterher rühren sollte… Die anwesenden Polizisten begrüßen diese Idee, also fahren wir wieder rein, doch auf der Wache will ihm keiner ein solches Protokoll aufsetzen, statt dessen heißt es, er solle weiter warten, der Fahrer komme bestimmt gleich. Also wieder raus…

Anja und ich informierten uns in der Zeit, wie wir weiter fahren wollen: der Simien Mountains National Park hat ’s uns angetan. Auch ohne Trekking (wegen Enzo und Ruben) gäbe es eine Möglichkeit den Park zu „erfahren“, und zwar per 4WD. Camp 1 „Sankaber“ und 3 „Chenek“ liegen an einem 4WD-Track, und wir könnten uns somit problemlos, und ohne die Wagen zurücklassen zu müssen, zwei Tage Nationalpark gönnen.

Wieder zurück am vereinbarten Treffpunkt treffen wir plötzlich auf die Spanier: Luis schaut durchs Beifahrerfenster und grüßt mich – ich muss ziemlich irritiert geschaut haben. Die Sieben sind gestern am frühen Abend in Gonder angekommen und haben heute noch die lokalen Sehenswürdigkeiten abgeklappert. Nun wollen sie über den Lake Tana gen Addis. Kurz bevor sie aufbrechen, trifft auch der langersehnte LKW-Fahrer ein.

Ich schaue mir zum ersten Mal den vermeintlich kaputten Seitenspiegel an und – ganz ehrlich – ich sehe zunächst weder Sprung noch Kratzer und muss erst darauf hingewiesen werden. … 3700 Birr, nee, is’ klar. Es wird wieder hin und her diskutiert, bis jemand Laurent zu verstehen gibt, dass er dem Fahrer einfach 200 Birr in die Hand drücken soll und dann ohne weitere Diskussionen gehen soll. Laurent versucht ’s, aber das ist dem Fahrer zu wenig. Die zweite Übergabe funktioniert jedoch, ohne dass an der Preisschraube gedreht wurde. Jeder bekommt seinen Pass wieder und ist frei.

Mittlerweile ist es jedoch schon kurz vor 14 Uhr und damit zu spät zum Aufbruch. Wir kehren in die Belegez Pension ein, wo Anja und ich schon ganz zu Anfang eigentlich hin wollten. Der Mann an der Rezeption ist auch Führer durch Gonders Sehenswürdigkeiten. Na, das trifft sich doch prima! Wir genehmigen uns noch einen schnellen Snack und um 15 Uhr beginnt die Führung durch „Afrikas Camelot“, wie unser Reiseführer Gonder auch nennt. Gonder war im 17 Jahrhundert Hauptstadt und die „Könige der Könige“ bauten hier ihre Prunkschlösser, auf dass derer gedacht werde. Dieser Komplex, „Fasil Ghebbi“ genannt, ist wirklich idyllisch und bis auf die Teile, die sudanesische Derwische als Racheakt verwüsteten und die von den englischen Befreiern kaputt gebombt wurden, gut erhalten.

Gonder

Erster Stop in Äthiopien

Anschließend ging es weiter zu Fasiladas Wasserschlösschen. Während Fasiladas sich hier schon lange nicht mehr hat blicken lassen, wird das Schlösschen auch heute noch genutzt: Zu „Timkat“ wird der das Schlösschen umgrenzende Pool vollständig mit Wasser gefüllt und durch einen Priester geweiht, was Christus Taufe im Jordan symbolisieren soll. Danach gibt es kein Halten mehr: Jung und Alt springen in das Wasser – das Bad wird als wichtige Erneuerung des Glaubens gesehen.

Fasiladas Wasserschlösschen

Fasiladas Wasserschlösschen

Zum Schluss besichtigten wir noch die Debre Berhan Selassie Kirche und ihre beeindruckende Gemälde. Unser Führer nennt den Künstler „Afrikas Leonardo“. Ich denk nicht weiter darüber nach, wem der beiden, da wohl gerade auf den Schlips getreten wird, sondern bewundere die Farben, die an vielen Stellen auch heute noch wie neu aussehen. Wir haben 150 Birr pro Person für Eintritt und 200 Birr als Gruppe für die Führung bezahlt und haben es nicht bereut.

Debre Berhan Selassie Kirche

Debre Berhan Selassie Kirche

Wieder „zu Haus“ angekommen, gönnten wir uns endlich das BBQ, das wir schon so lange vor hatten und für das Laurent extra in Khartoum Würstchen gekauft hatte, aber bisher hatte das Wetter nicht mitgespielt. Heute leider auch nicht, weshalb die Würste kurzerhand gebraten werden – haben auch so lecker geschmeckt. ;-)

Unerfreulicher war dann schon, dass es bis zur Abreise heute früh wieder keine Dusche gab, da entgegen der Ansage „sobald Strom wieder da ist [das war des Nachts], duschen möglich sein würde“ auch bis um 8 Uhr noch kein fließend Wasser vorhanden ist.

 

 

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• Dienstag, Juli 28th, 2009

Was haben wir anfangs nicht alles vom Sudan zu hören bekommen. Freunde hätten uns fast vor Sorge um uns die Freundschaft aufkündigen wollen, andere wünschten uns einen Totalschaden in Istanbul, damit wir lieber nicht so weit kommen, und die Familie zu Haus konnte schon Wochen vor der Abreise nicht mehr schlafen – und da stand ja erst noch Kroatien auf der Agenda…

IMG_1042Auch für uns war der Sudan auf unserer Reise ein mystisches Land: Frage zehn Traveller, die durch den Sudan gefahren sind, und du kriegst zehn komplett unterschiedliche Eindrücke. In einem jedoch waren sie sich dann doch weitestgehend einig: Alles kein Problem und zumindest der Nordosten ist sehr friedlich. Das sagte auch unser Lonely Planet, der die Gegend sogar zu einer der sichersten ganz Afrikas emporhob. Nach all dem wich unsere Anspannung (zudem wir ja auch im Konvoi mit vier Wagen und 15 Leuten zumindest anfangs unterwegs waren), und wir fuhren rein, um uns einen eigenen Eindruck zu verschaffen.

Gut, dass wir das getan haben! Persönlich empfanden wir die Sudanesen (N.B.: Wenn wir hier von dem „Sudan“ oder den „Sudanesen“ sprechen, dann meinen wir vor allem den kleinen Ausschnitt im Nordosten, den wir bereist haben!) als das herzlichste Völkchen auf unserer Reise bisher, und sie stoßen damit die Syrier von ihrem Podest. Damit sind ausgerechnet die beiden bisherigen „Problemstaaten“ – aus westeuropäischer (Medien-)Sicht – zu unseren Favoriten geworden und es zeigt sich wieder einmal, dass man jedem nur raten kann, loszuziehen und sich selbst ein Bild zu machen. Gerade in den arabischen Staaten wird Gastfreundschaft nachwievor sehr groß geschrieben und Anja und ich waren manches Mal gerührt und beschämt, mit welchem Selbstverständnis die Leute bereit waren, ihr weniges mit uns zu teilen, obwohl wir nichts hatten, um uns zu revanchieren – was aber auch gar nicht erwartet wurde. Das Bild, das manches Mal von unseren Medien suggeriert wird – da hat man ja fast den Eindruck, dass jeder stets eine Bombe unter seinem Mantel trägt und nur auf „Westler“ wartet –, ist nicht das unserer Erfahrung. Wir sind froh, den Sudan anders kennengelernt zu haben. (Übrigens kam Markus über Oman, Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und die weiteren arabischen Staaten, die wir teilweise zusammen bereist haben, zu einem ganz ähnlichen Bild.)Laurent 008

Was Anja und mir dabei im Sudan am meisten gefiel und wie Balsam wirkte, war die zurückhaltende Art: Wenn jemand nicht wollte, wurde er nicht bedrängt. Welch erquickliche Erfrischung gegenüber den letzten Tagen in Assuan! Überhaupt braucht diese Gegend den Vergleich mit Ägypten nicht zu scheuen:

  • Als Tourist (auch als Frau) kann man sich viel freier bewegen. Natürlich fällt man auf, die Leute schauen hinter einem her und rufen einem auch was zu oder nach, aber eben alles entspannter als in Ägypten (nicht laut, nicht anzüglich, nicht aufdringlich). 
  • Die Straßen sind sehr ordentlich – sofern sie schon fertig sind. (Der Punkt geht an Ägypten. Allerdings gibt es in Sudan noch nicht diese Unkultur der getarnten Speed Breaker, wofür wir Ägypten gleich wieder mindestens einen Punkt abziehen müssen.)
  • Wer die harte deutsche Schule der Mülltrennung durchlaufen hat, wird den sudanesischen Umgang mit Müll nicht „vorbildlich“ nennen, aber im Vergleich zu Ägypten und Syrien wird viel weniger einfach auf die Straße geschmissen. (Was aber sicherlich auch damit zu tun hat, dass leere Dosen, Plastikflaschen und sonstige Verpackungen hier immer noch Werte darstellen und nicht nur einfach Müll.)
  • Die Sudanesen sind die besseren und rücksichtsvolleren Verkehrsteilnehmer. Sie fahren abends mit Licht und nahezu alle wissen, wofür ein Blinker gedacht ist – was man ja auch nicht von jedem deutschen Autofahrer behaupten kann.
  • Eine aufgeblasene Bürokratie weisen sie allerdings beide auf. Die Einreise nach Ägypten war umständlich, dafür waren die Beträge, die wir bezahlt haben, um überhaupt in den Sudan einreisen zu können, exorbitant hoch.

Unser Fazit: Schade, dass wir nicht länger da waren. Wir haben uns an keiner Stelle und zu keiner Sekunde unsicher  gefühlt und kommen gerne nochmals wieder, am besten so lange Sudan seinen jetzigen ursprünglichen Charme behält und nicht (massen-)touristisch verdorben wird. Bei den ganzen Problemen in den anderen Teilen des Landes wird dies aber sicherlich noch lange möglich sein…

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• Dienstag, Juli 28th, 2009

Am nächsten Morgen sind wir um sechs Uhr aufgestanden, um Pepe, Alegria, Luis, Sophia, Javi, Boni und Miguel zu verabschieden. Auch wenn wir hier wir „Auf Wiedersehen“ sagen mussten, so ist dies keine Zeit, Trübsal zu blasen: Wir haben alle den gleichen Weg und sind uns sicher, dass sich unsere Wege bestimmt nochmals kreuzen – hoffentlich noch mehrere Male.

Anschließend wurde ausgiebig mit Familie Dumas gefrühstückt. Da die Geschäfte und Banken eh nicht so früh aufmachen und wir nicht wieder zurück ins Bett kriechen wollten, hatten wir Zeit. Nachdem wir danach erstmal eine Bank gefunden und Geld getauscht hatten, konnten wir im nahegelegenen Afra unsere Lebensmittelvorräte aufstocken und im Mo’mens gelang es uns sogar, Internet und Mittagessen zu kombinieren. Als wir aus dem Mo’mens herauskamen, trafen wir auf Fergus und Anna. Die beiden haben sich eine 9-monatige Auszeit gegönnt, hatten ihren Toyo nach Südafrika verschifft und starteten ihre Reise im Süden. Sie haben nun noch fünf Wochen (wenn ich mich recht erinnere), um bis nach Hause in England zu kommen.

Telekolleg im Mo'men

Telekolleg im Mo'men

Wir haben Khartoum dann gegen Mittag in Richtung Qallabat, in Richtung Äthiopien verlassen. Laurent ist vorgefahren. Nach nicht ganz 200 km kam am Ortseingang von Wad Medani eine Abzweigung, die Laurent, nicht in seinem Navi hatte. Anja und ich haben uns nicht gleich bemerkbar gemacht und trugen so Mitschuld an der Verspätung, die sich nun durch den Umweg aufbauen sollte. Erst als Laurent immer weiter auf der Straße fuhr, die mittlerweile in Richtung Süden abgebogen war und gemäß unseres Navis sicher in den Südsudan führte, signalisierten wir Laurent: Hier stimmt was nicht! Danach übernahmen Anja und ich die Führung. Aber anstatt einfach den Fehler einzugestehen und die 10 km zurückzufahren, navigierte ich nach Kompass in direkter Richtung zu der Hauptstraße, auf die wir nach Qallabat gelangen wollten. Und das war dann Fehler Nummer zwei (oder drei, je nach Rechnung). Anfangs ging es ja noch mit Links-rechts-Kombinationen auf möglichst nicht zu kleinen Straßen, aber irgendwann fanden wir uns auf kleinen Gässchen wieder, wo wir verdammt viel Staub aufwirbelten. Mann hat sich nicht verfahren, Mann zeigt den Mitfahrern nur eine schöne Alternativstrecke!

Laurent und Caro hatten mittlerweile einen Taxifahrer bequatscht, der vorfuhr und uns aus dem Gassen-Wirrwarr wieder zurückführte. Es stellte sich heraus, dass es wirklich nur eine Brücke über den Nil zu geben scheint, nämlich genau dort, wo wir ganz zu anfangs hätten abbiegen sollen. Ich habe also tapfer bis zum Schluss gekämpft, habe aber nie gewinnen können – Don Quijote wäre stolz auf mich gewesen. ;-)

Die Strecke selbst war recht unspektakulär: asphaltiert und genügend Tankstellen. Einzig die Polizeikontrollen wurden südlich von Khartoum genauer. Nicht dass man die Wagen gefilzt hätte oder dergleichen. Nein, wurden wir bei den meisten Kontrollen bisher einfach nur gefragt, woher wir kamen, wohin wir wollten und welcher Nationalität wir angehören, so wurde hier penibel darüber Buch geführt. Also aussteigen, Pässe mitnehmen und dem Polizisten brav antworten: Name? Geschlecht? Beruf? (In den arabischen Ländern, die wir bereisten, ist das unheimlich wichtig, was man beruflich macht. Nur mit „Consultancy“ können sie dann meist nichts anfangen. ;-) ) Ausweisnummer? Woher kommend? Wohin fahrend? Zweck des Aufenthalts? Und dann noch die ein oder andere Joker-Frage nach Belieben des Beamten. Auf ihrem Gelände durften wir auch nicht campen – Spaßbremsen!

Entlang des weiteren Wegs fing es bereits an zu dämmern, doch wir fande

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• Sonntag, Juli 26th, 2009

Aus unserem Wüstencamp brachen wir früh auf, da wir ein längeres Stück und noch einen Sightseeing-Point vor uns hatten. Die Fahrt bis Atbara verlief relativ unspektakulär. Wir fuhren durch verschiedene Wüstenlandschaften und über niedrige Berge und begegneten Kamelherden neben und auf der Straße.

Verkehrshindernis

Verkehrshindernis

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In Atbara wurden wir in unserem flotten Tempo etwas ausgebremst. Wir wollten über eine Brücke den Nil überqueren, konnten dies aber nicht tun, weil diese gesperrt war. Es war kein Grund ersichtlich, aber fahren konnten wir nicht. (Ich vermute, dass die Fähr-Industrie des Ortes die Brücke immer wieder blockiert, damit sie ihre Einnahmequelle nicht verliert.) Der Verkehr wurde auf die Fähre umgeleitet, und ich kam in den Genuss meines „Fährerlebnisses“: Die Fähren sahen alle abenteuerlich aus. Sehr eng und bis auf den letzten Zentimeter ausgefüllt. Die Rampe wurde vor der Auffahrt der Autos per Bagger mit Erde unterstützt. Vor lauter Angst über das steile Stück nicht drüber zu kommen, schalteten wir alle (bis auf den Renault) unseren 4WD ein. Unnötig, wie sich später herausstellte.

Sieht aus Sicht des Fahrers schlimmer aus... (Foto: Luis)

Sieht aus Sicht des Fahrers schlimmer aus... (Foto: Luis)

Nach der Überfahrt nutzten wir die Gelegenheit, einzukaufen und Geld zu holen. Leider hatte die lokale Bank zu, weswegen wir wieder auf Geld-Tauscher angewiesen waren. Wir hätten mit der Visa-Karte wahrscheinlich sowieso kein Geld bekommen können, da der Sudan vom internationalen Zahlungsverbund ausgeschlossen ist und keine ausländischen Kreditkarten akzeptiert, das war zumindest die unser Meinung nach beste Erklärung, die wir hierzu bekamen. USD oder EUR lassen sich aber überall bequem tauschen. Der Schwarzmarkt bietet dabei teilweise sogar die besseren Kurse.

[Jörg:] Von dort sind wir dann auf zu den Merowe Pyramiden, hier hat Pepe hart verhandelt und einen reduzierten Gruppentarif rausgeschlagen. Vergleicht man Pyramide gegen Pyramide können diese nicht gegen die von Gizeh oder Sakara auftrumpfen, aber dass man diese besichtigen kann, ohne sie mit anderen Touris teilen zu müssen, ist ein großes Plus auf der Seite von Merowe.

Merowe

Pyramiden, wo sich der Eintritt lohnt


Vor Ort haben wir wieder in der Wüsten campiert. Wir mussten ein wenig suchen und um die Ausgrabungsstelle herumfahren, weil wir nicht in Sichtweite von Häusern campen wollten, doch fanden schließlich ein schönes Plätzchen in südlicher Richtung vom Haupteingang. Hier war es das erste Mal, dass die Wüste uns nicht durch und durch freundlich gesonnen war: Nachts kam eine ordentliche Brise auf, kein richtiger Sandsturm, aber es hat gereicht, dass unsere Stühle und Tische draußen wie von Geisterhand dirigiert durchs Camp tanzten und nachdem wir diese wieder eingefangen und in den verschiedenen Wagen fixiert hatten, war alles in den Wagen mit feinem Sand überzogen. Auch wir selbst blieben nicht verschont: auf der klebrigen Haut hielt der Sandfilm fest. Mittlerweile sehnt sich wohl jeder aus unserer Gruppe nach einer richtigen Dusche. Gut, dass Khartoum von hier aus nur noch ca. 250 km entfernt ist.

Unser Wüstencamp

Unser Wüstencamp

Die Straße nach Khartoum ist in unserer Karte als „Autobahn“ eingezeichnet und an bestimmten Punkten mit einer Art Kontrollstation versehen. Wir führten die Gruppe an und waren die ersten an der Kontrollstation. Der Mann, der uns aufhielt, sprach ein derart schlechtes englisch, dass er und wir schnell aufgaben. Wir haben nicht verstanden, was er wollte. Er sprach was von „Ticket“, aber uns war nicht klar, ob wir uns eines hätten vorher kaufen sollen oder jetzt bei ihm oder was er eigentlich genau meint. Ratlos und frustriert winkte er uns durch. Bei der Mittagspause sprachen die anderen über die hohe Maut, die man hier verlangt und erst hier dämmerte es uns, was der Mann wohl wollte. Alle Autos hatten 8,50 SP bezahlt, nur wir nicht, weil wir uns erfolgreich doof stellten. Wobei das eigentlich nicht stimmt, denn wir hätten bezahlt, wenn die Kommunikation besser funktioniert hätte. Das Prinzip „doof stellen“ funktionierte in der Zukunft jedoch weiter ganz gut. ;-)

In Khartoum folgten Jörg und ich dem Gruppenzwang. Pepe und Laurent hatten sich im Vorfeld besser vorbereitet als wir und schlugen die National Residence als Campingplatz vor. Hier soll es sauberer sein als im Klassiker „Blue Nile Sailing Club“ und vor allem: hier gibt es warme Duschen – ein schwerwiegendes Argument.

In der National Residence machte jeder sein eigenes Ding. Zwar ging jeder als erstes unter die Dusche, danach trennten sich die Spanier jedoch von uns, da sie ein bisschen in der Stadt flanieren wollten. Wir mussten dringend das Auto von innen reinigen und Wäsche waschen, die Franzosen mussten Vorbereitungen für ihre Internetseite treffen, weswegen wir da blieben und den Nachmittag recht arbeitsam verbrachten.

Am Abend trafen wir uns alle gemeinsam im Blue Nile Sailing Club, um zu essen. Burger – okay, aber nicht besonders hervorzuheben. Etwas anderes gab es nicht auf der Karte. ;-)

[Jörg:] Urteilend von dem, was wir gesehen haben, können wir persönlich vom Blue Nile Sailing Club nur abraten. Die National Residence buhlt zwar auch nicht gerade um den ersten Platz bei „Afrika’s Top Locations“, aber man muss nicht direkt auf dem Parkplatz an einer auch nachts noch viel befahrenen Straße campen, und dass es in der National Residence warme duschen gibt, hat Anja ja bereits erwähnt. Im direkten Vergleich ist der BNSC maßlos überteuert, sein einziger Vorteil: Er liegt recht zentral, während die National Residence ca. 12 km außerhalb vom Zentrum bei N 15° 31.479’ O 32° 34.178’ liegt.

Die Spanier wollten am nächsten Tag schon Richtung Äthiopien aufbrechen, allerdings morgens um 6 Uhr, was für uns nicht in Frage kam. Die Franzosen entschieden an dem Abend auch, dass sie nicht wie bisher angenommen, noch 1 oder 2 Tage in Khartoum bleiben wollen, um einige Erledigungen zu machen so wie wir, sondern auch weiterzufahren. Damit war irgendwie klar, dass sich der Konvoi hiermit auflöst.

Wir fanden das schade und überlegten, was uns eigentlich in Khartoum hält. Wir wogen ab. Einerseits brauchten wir dringend eine Bank, eine Reinigung, einen Supermarkt, ein Buchladen, in dem wir uns mit neuen Reiseführern eindecken können, vernünftiges Internet und mal einen Tag Pause, andererseits hatten wir uns schon so an das gemeinsame Fahren gewöhnt, und die Gründe dazubleiben waren uns auf einmal nicht mehr so wichtig. Boni hat uns unbewusst die Entscheidung leicht gemacht, indem er uns seinen Lonely Planet über Äthiopien schenkte, den er selbst von anderen Travellern geschenkt bekam und nicht so dringend brauchte wie wir, da die Spanier Äthiopien mehr oder weniger einfach nur schnell durchqueren wollten. Der Rest kann auch alles noch später erledigt werden. Am Abend fragten wir die Franzosen daher, wann sie denn genau aufbrechen wollen und es stellte sich heraus, dass sie vor ihrer Abfahrt dieselben Bedürfnisse hatten wie wir: 1. Bank, 2. Supermarkt, 3. Internet und erst danach weiterfahren. Hat sich ja prima mit unserer Vorstellung gedeckt und so blieb noch ein kleiner Teil des multinationalen Konvois übrig.

Abschiedsbilder (Bilder von Laurent):

 

 

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• Freitag, Juli 24th, 2009

Mit freundlicher Unterstützung von Laurent’s Kamera und Caro, der Kamerafrau, können wir Euch hier ein Video unseres kleinen Konvois präsentieren:

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Gerade als wir mit unserem Frühstück im Wüstencamp nahezu fertig waren, kam der Anruf von Magdy, unserem Fixer, dass die Carnets fertig seien. Pepe holte Magdy ab und jener kassiert die zuvor abgesprochenen 38 USD. Bei fünf Wagen hat er bei dieser einen Fährfahrt wahrscheinlich schon mehr verdient als einen Durchschnittsmonatslohn und das stört mich schon etwas. Zumal er sich nicht wirklich immer 100% für uns einsetzen konnte bzw. seine Kontakte zu den Offiziellen doch teilweise schon bei einfachen Soldaten enden – eine Kalaschnikow in „Ready Low“ kann schon ein verdammt gutes Argument bei Diskussionen sein… Aber hätten wir alles selbst machen müssen, würden wir wahrscheinlich immer noch im Zoll stehen und die Gepäckkontrolle war schon recht oberflächlich, was ich durchaus seinem Einfluss zurechne. Der Zoll wollte auch, dass wir unser Netbook noch registrierten, dazu hatte ich extra die Seriennummer mitgenommen, aber der Rechner blieb bei Anja im Hotel. Dummerweise hatte mich keiner mehr daran erinnert, so dass ich es dann wohl auch vergessen haben muss…

Nach Auffüllen der diversen „Vorratskammern“, Wassertanks und Dieseltanks trennten wir uns von Carl und Chris, die die kürzere Wüstentour in direkter Richtung nach Khartoum entlang der Bahngleise nehmen wollten. Auch diese Strecke soll gut ausgebaut sein (allerdings mehr gut befahrbare Piste als Teer), lediglich zwischen Station 3 und Station 5 muss direkt durch Wüstensand gefahren werden, aber gemäß der Ortsansässigen „alles kein Problem“.

Das verbleibende französisch-spanisch-deutsche Toyota-Nissan-Renault-Joint-Venture entschloss sich dagegen für die Route entlang des Nils über Dongola, durch die Ausläufer der Nubischen Wüste nach Karima, durch die Baiyua Wüste nach Atbara und von dort die Autobahn runter nach Khartoum an der Meroe-Stätte vorbei. Diese Strecke ist besser ausgebaut und der Teil entlang des Nils gehört gemäß Lonely Planet mit zu den schönsten Strecken des Sudans.

Staubfressen hinter Laurent

Staubfressen hinter Laurent

[Anja:] Durch all die Geschichten und Berichte in den Zeitungen zuhause, hatten wir großen Respekt vor der Durchfahrt des Sudans. Dass alle in dieselbe Richtung wollten und ungefähr die gleiche Reisetempo hatten, traf sich also ganz gut und jeder war zufrieden im selbstgebastelten Konvoi zu fahren. Dass all die Angst keine Grundlage hatte, bemerkten wir schon anfangs bei der Durchfahrt der kleinen Dörfer rund um den Nil. Alles winkte, lächelte und rief uns hinterher. Das Lächeln war wirklich herzlich und man erkannte Freude in den Gesichtern.

Unsere erste Mittagspause verbrachten wir am Nilufer im Schatten von Palmen. Mein Kreislauf machte schon wieder schlapp, aber diesmal war der Schuldige schnell gefunden: Bei Temperaturen von irgendwas um die 50°C darf man sich ruhig mal schlecht fühlen. Zu allem Überfluss kam bei mir aber noch eine Erkältung dazu. Ja, man stelle sich das mal vor: eine Erkältung in der Wüste. Aber auch hierfür gibt es eine Erklärung. Seit Wochen „leiden“ wir unter Sonnenschein und hohen Temperaturen, hatten aber auf der Fähre in den Sudan eine kurze Unterbrechung. Dort war jeder Innenraum auf gefühlte 15°C herunter gekühlt. Ich war sicher, mich da verkühlt zu haben.

Willi in seinem Element (Foto: Laurent)

Willi in seinem Element (Foto: Laurent)

Die Strecke wird in ein paar Monaten sicherlich sehr gut ausgebaut sein. Wir hatten mittlerweile überwiegend asphaltierte Strecke, doch ab und an muss man noch auf Parallelpisten hüpfen, vielleicht etwa 70:30 Asphalt – Piste. Die Dämpfer freuen sich, die Fahrer weniger. Wir blieben die ganze Fahrt bis nach Dongola auf der Nil-Ostseite und auch in Dongola selbst, setzten wir nicht mit der Fähre über, weil wir von Jan und Trevor gehört hatten, dass von Dongola zu unserer Ostseite das Übersetzen nur mit polizeilicher Genehmigung erlaubt ist und diesen formalen Akt wollten wir uns ersparen.

Der kleine Renault kämpft sich über die Piste

Der kleine Renault kämpft sich über die Piste (Foto: Laurent)

[Anja:] Als es Zeit wurde, ein Nachtlager aufzuschlagen, wurde Laurent vorgeschickt, um abseits der Straße ein geeignetes Plätzchen zu finden, an das alle 4WD-Fahrzeuge und auch der Renault problemlos heran kämen. Laurent hat dabei ein glückliches Händchen und so parkten wir hinter einem kleinen Hügel in Form einer Wagenburg und fingen an uns für die Nacht vorzubereiten. Für Jörg uns mich gabs erst mal eine heiße Dusche. Unsere Wassertanks hatten sich den Tag über so aufgeheizt, dass die Temperatur fast ein wenig hoch war. Der leichte Wind hat uns aber gleich wieder abgekühlt. Während dem Essen wurde es auch schon dunkel und wir verschwanden alle ziemlich bald im Bett.

Am folgenden Tag wollten wir zumindest bis Karima zu den Jebel Barkal Pyramiden kommen, einem der leider wenigen Tourist-Sites im Sudan. Die Fahrt dorthin war eher ohne große Vorkommnisse. Die Straße war okay und wir kamen schnell voran.

In Karima fuhren wir direkt einen GPS-Waypoint mit dem Namen „Jebel Barkal Pyramids“ an und landeten damit vor einer kleinen Platz mit Ruinen. Sofort kamen auch ein paar Wächter an, die uns mitteilten, dass wir für die Besichtigung 50 Sudanesische Pfund pro Person zu bezahlen hätten (wahlweise auch 20 US$). Unserer Recherche nach kostete die Besichtigung der Pyramiden jedoch gar nichts, nur wenn man das Museum und die Ruinen anschauen möchte, solle man bezahlen. Und wir standen hier nicht mal vor den Pyramiden. Also fuhren wir wieder zurück ins Dorf und erledigten erst mal die nötigsten Einkäufe. Nachdem genug Zeit vergangen war, versuchten wir einen Zugang zu den Pyramiden zu finden, was allerdings nicht allzu schwierig war, denn sie waren vom Ortseingang aus gut zu sehen. Um die Pyramiden war kein Schild, kein Zaun, nichts was einem den Zugang versperrt.

Karima

Hübsche Pyramiden - Vorsicht Abzocke!


Dort angekommen schossen wir alle die obligatorischen Fotos und wanderten ein bisschen in der Hitze um die Pyramiden herum. Auf einmal standen Leute vor uns, die sich Polizisten nannten (und auch ausweisen konnten, aber da der Ausweis in arabisch war, hätte es auch genauso gut ein Bibliotheksausweis sein können) und Eintritt kassieren wollten. Wir haben das irgendwie nicht einsehen wollen und mit denen diskutiert. Aber es hatte keinen Zweck. Wir wollten auch keinen Ärger mit denen. Da die Polizisten nur einen Teil unserer Gruppe gesehen hatten, ließen sie sich darauf ein, nur für 4 Personen (Pepe & Ale und Jörg & ich) abzukassieren. Wir mussten ihnen in deren „Hauptquartier“ folgen, wo Pepe und ich 20 SP pro Person bezahlen sollten. Diskutieren hilft nix, sahen wir schnell ein, also fragte ich nach einem Discount. Erst machten die drei in dem Büro große Augen, ließen sich dann aber auf 10 SP pro Person ein. 50%, nicht schlecht, dachte ich. Wir zahlten und durften gehen.

Wir verließen Karima in Richtung Atbara, unserem nächsten Tagesziel. Die richtige Straße zu finden gestaltete sich jedoch als schwierig. GPS-Karte, 2 unterschiedlich alte (Papier-)Karten und Schilder (weil auf chinesisch) waren keine Hilfe. Wir fragten ca. 5 verschiedene Passanten bis wir auf dem richtigen Abzweig waren. Inzwischen war die Sonne schon fast untergegangen und wir hatten noch keinen Schlafplatz gefunden. Als wir außer Reichweite der Dörfer waren, wurde wieder Laurent mit seiner Spürnase vorgeschickt, sodass wir wieder einen schönen Schlafplatz inmitten von Dünen fanden.

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• Mittwoch, Juli 22nd, 2009

[Anja:] Mit einer Stunde Verspätung trafen wir um 11 Uhr endlich in Wadi Halfa ein. Aber dann passierte erst mal nichts. Um 12 Uhr versuchten wir unser Glück und krochen aus der Kabine in den Dining Room, wo wir unsere Pässe in Empfang nehmen sollten. Dort waren inzwischen fast alle Ausländer versammelt, während sich Ägypter und Sudanesen zum Ausgang quetschten. Wir hatten viel Zeit für Gespräche, auch mit den bisher noch unbekannten Leuten. Da trafen wir auf Patrick, ein Deutscher aus Köln, der mit dem Fahrrad von Deutschland nach Südafrika (über Ägypten, Sudan, Eritrea, Dschibuti und Somaliland) radelt; zwei Koreaner, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln reisen, und ein Ukrainer, der per Anhalter unterwegs ist.

Um 14 Uhr versuchten wir unser Glück, alle Papiere hatten wir in der Tasche, und quetschten uns zusammen mit dem Rest der noch auf dem Schiff verbliebenen Leute Richtung Ausgang. Die Kinder von Laurent und Caro wurden schnell zum Opfer der Massen. Keiner sah sie und irgendwie war jeder sich selbst der nächste. Trotzdem schafften sie es als einzige, rauszukommen; bei mir hörte es auf. Der Mann an der Türe sah sich meinen Pass an und schickte uns alle wieder zurück. Im Dining Room versammelt, bemerkten wir, dass einer der Engländer fehlte. Chris war nicht draußen bei den Franzosen und auch nirgendwo auf dem Schiff zu finden. Aber wir konnten nichts tun, wir waren wie gefangen.

Als wir fast als letzte das Schiff verlassen durften, fing das Chaos erst mal an. Wir wurden zu einem Bus geführt, der „Ladies first“ erst mal Frauen reinließ. Das war aber einem dicken Sudanesen völlig egal. Der drängelte und quetschte alle am Eingang so zusammen, als wäre kein anderer Bus zu finden. Laurents Kinder waren wieder die Leidtragenden. Das Lächerliche dabei war, dass als wir alle drinnen saßen, er für Pepe seinen Sitzplatz aufgegeben hatte. Zu allem Überfluss fehlte Chris, von dem wir nur wussten, dass er von der Polizei mitgenommen wurde, aber weshalb???

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Unser Hotel-Zimmer

Der Zoll war schnell erledigt. Jede Tasche wurde angeschaut und bekam ein Aufkleberchen. Unser Laptop sollte gemeinsam mit uns registriert werden… Danach fuhr uns ein Bus zum Hotel. Carl machte sich gleich auf die Suche nach Chris, der per SMS mitteilte, dass er auf der Polizeistation von Wadi Halfa sitzt. In den gemütlichen Zimmern (siehe Bild), konnte man sich auch nicht allzu lange aufhalten, duschen per Eimer und dreckigem Wasser wollte auch keiner und vom Klo mit Kakerlaken muss ich nicht viel mehr schreiben. Wir flohen in ein nahegelegenes Restaurant, aßen Moussaka bis sie alle war, und Falaffel und spielten Karten so lange es ging.

Spielerrunde

Spielerrunde

Im Gegensatz zu ein paar der anderen, entschieden wir uns, die Nacht im Zimmer und nicht draußen im Innenhof zu verbringen. Böser Fehler! Der Ventilator, der die 40 Grad im Raum auf gefühlte 38 Grad herunterkühlen konnte, wurde mitten in der Nacht abgeschaltet. Auf den siffigen Matratzen wollten wir auch nicht wirklich schlafen und so langen wir immer wieder lange wach, fühlten, wie uns der Schweiß den Körper herunterlief und starrten auf die kleine Öffnung für Frischluft an der Decke. Ich hab mich gefühlt, wie ein Stück Kohle im Grill, das langsam aber sicher zum Glühen gebracht werden soll.

Auf der sudanesischen Seite haben wir uns einen Fixer gegönnt. Mit ägyptischen Behörden hatten wir alle ja nun schon Erfahrung und Zeit hatten wir in Assuan auch noch genügend, aber im Sudan wollten wir einfach nur möglichst schnell im ruhigen Gewässer durchsegeln. Magdy, unser Fixer, nahm pro Auto 38 USD (8 Tax + 15 Custom + 15 für ihn) und 45 USD pro Person für die Registrierung bei der Polizei. Happige Preise, zumal der Lonely Planet für die Polizeiregistrierung 45 Sudanesische Pfund (SP) erwähnt; als Carl später bei der Polizei fragt, wie teuer die Registrierung ist, sagt der Polizist erst einmal nichts, sondern ruft den Fixer zurück. Nach einem kurzen Gespräch mit dem Fixer in Arabisch fällt dem Polizisten auch wieder ein wie hoch die Gebühr ist: 45 USD… „Welcome in Africa!“

Am 22. hieß es morgens um 9:30 Uhr: „Die Autos sind da!“ Um 10 h waren Pepe, Boni, Laurant, Chris, Carl und ich am Hafen in der Wartehalle und taten das, was man in dieser Halle dem Namen nach tut: warten… Zunächst hieß es, die Autos sollten als erstes entladen werden – Oder war das nur unser Wunschdenken? –, aber nicht die Autos wurden als erstes entladen, sondern alles andere wurde zuerst gelöscht. Zwei Stunden später tat sich wieder was: Wir sollten von der Wartehalle direkt an die Anlagestelle. Doch hier hieß es zunächst wieder warten. Zudem hatten wir die schattige, deutlich kühlere Wartehalle gegen die Anlagestelle ohne Schatten eingetauscht, da konnte auch der Tee nicht für entschädigen, zu dem wir eingeladen wurden.

Das Ausladen schien immer langsamer zu werden; unterschiedliche Teams sind für unterschiedliche Teile der Ladung zuständig und ging es anfangs noch recht fix, fühlten wir uns nun genötigt unsere Hilfe beim Entladen anzubieten, um endlich an unsere Autos zu kommen. Nach vier weiteren Stunden Wartezeit machten wir sechs uns also daran, die Barge eigenhändig mit zu entladen. Durchaus erfolgreich, denn gegen 17 Uhr bewegte sich die Barge von dem Entladungsdock zu dem anderen Dock, wo unsere Autos wieder „ausgewildert“ werden sollten.

Dieser Teil des Entladens war wirklich nichts für schwache Nerven. Alle sechs hatten wir den Eindruck, die Beteiligten machten es das erste Mal, was natürlich nicht sein kann, aber es wirkte schon recht unprofessionell. Entladen wurde vom Boot zunächst auf ein Metall-Ponton und von dort mittels dreier Planken auf den Steg. Natürlich mussten die Planken erst zusammen gesucht werden – wer hätte auch ahnen können, dass da noch fünf Autos entladen werden sollen? – und drei Planken waren notwendig, weil zwei der drei einzeln nicht lang genug waren, so dass die beiden verkeilt wurden und sich überlappten. Man musste zunächst rückwärts vom Kahn runter und mittels „Wenden in 20 Zügen“ auf dem ca. 5 x 4 m Ponton wenden – vor allem bei dem Wendekreis von Willi schon ein Abenteuer für sich. Ponton und Kahn waren natürlich auch nicht auf einer Höhe, aber um diese Hürde zu überwinden, reichten schon wenige Holzbalken. Problematischer war da schon, dass der Ponton mittlerweile in die Jahre gekommen war und das Metall teilweise nach oben weggebogen war, über diese „Reifenschlitzer“ wurde eine dicke Plane gelegt, wobei natürlich jeder dennoch versuchte, diese Stellen zu umfahren.

Die Spanier waren zuerst dran. Das größte Problem war zunächst die 180° Drehung auf dem Ponton. Es waren ca. 20 Personen vor Ort (ohne uns), Hafenarbeiter, Matrosen des Kahns, Polizei – das auch ja keine Bilder gemacht werden, weshalb wir leider auch keine bebilderte Dokumentation liefern können, im Sudan verstehen sie damit keinen Spaß – und so bekam man entsprechend 20 Zeichen, wie man am besten fahren sollte. Boni hat als Taxifahrer die meiste Fahrpraxis und hat uns alle eingewiesen. Auch wenn seine Zeichen teilweise komplett anders waren als die anderen 20, hat am Ende immer alles gepasst. Sein Renault selbst ist auf den Planken aufgesessen, die 20 signalisierten Boni zurückzufahren, aber nicht Boni! Er wies Pepe an, den Wagen einfach hoch wuppen zu lassen und mit vier Leuten wurde der Wagen kurzerhand hinten links ein wenig angehoben und Boni konnte über die Planken fahren.

Danach war Chris und dann Laurant dran. Als Laurant mit seinen 3,7 t über die Planken fuhr, hörte ich von der rechten Planke zweimal ein lautes Knacken. Und da sollte ich jetzt rüberfahren? Auch wenn ich mir damit bei den 20 keine Freunde machte, bestand ich darauf, dass die entsprechende Planke stärker mit Steinen untermauert wurde. Als ich dann runter fuhr, brach aber nicht die rechte weg, sondern die linke. Glücklicherweise habe ich im Wagen gespürt, dass etwas nicht stimmt (oder Willis Schutzengel hat mir souffliert), und gemäß guter Biker-Tradition reagiert: Schnell raus aus dem Gefahrenbereich! Ich bin also nicht so sanft wie die anderen auf dem Steg gelandet, sondern hab mich dank beinah durchgedrücktem Gaspedal geradezu herauf katapultiert. Was war passiert? Durch das ständige Anfahren und Bremsen (auch bereits das der Vorfahrer) waren die linken Planken, das waren die, die verkeilt waren, nicht mehr so stabil, und die Antriebskraft unseres Willis schob sie dann immer weiter zum Boot hin weg vom Steg. Carl meinte hinterher, ich hätte durch meinen beherzten Sprung auf den Steg Willi gerettet, denn viel hätte nicht gefehlt…

Nach ca. 90 Minuten waren alle fünf Wagen schließlich entladen. Durch nun war es bereits kurz vor 20 Uhr und es hieß, der Zoll sei bereits zu. Wir wollten aber nicht noch eine Nacht in unserem sogenannten „Hotel“ übernachten. Deshalb fragten wir, ob wir alle gemeinsam im Hafen übernachten könnten. Nach Rücksprache mit dem „2nd Manager“, der als derjenige auserkoren wurde, der diese Entscheidung treffen könnte, wäre dies vielleicht sogar gegangen, aber man entschloss sich doch, unsere Wagen kurzerhand noch schnell abfertigen zu lassen, nur für den Carnet-Stempel müssten wir morgen nochmals wiederkommen.

Gegen 20:30 h, nach läppischen 11 Stunden, gab es dann die große Wiedervereinigung. Jeder erzählte seine kleinen „War Stories“ und es war ein freudiger Trubel. Wir kauften uns noch ein paar Falafel als Gute-Nacht-Schmankerl, und Magdy zeigte uns noch einen geeigneten Platz in der Wüste, wo wir problemlos übernachten könnten – das Wüstencamp war definitiv besser als jedes der Hotels in Wadi Halfa.

Gemeinsames Abendessen in der Wüste

Gemeinsames Abendessen in der Wüste (Foto: Laurent)

[Anja:] Mein Tag war weitaus weniger spannend als Jörgs. Nachdem ich mich morgens ausgeklinkt hatte, weil mein Kreislauf schlapp machte, blieb ich in dem Gebäude, was sich Hotel schimpfte. Zusammen mit den „anderen Frauen“ der Fahrer verbrachte ich einen relaxten und faulen Tag. Anfangs versuchte ich mich von dem Fehler zu erholen, die Malaria-Prophylaxe auf nüchternen Magen geschluckt zu haben (daher die Kreislaufprobleme), dann fing ich an Tagebuch zu schreiben und zu lesen. Die Zimmertüre stand immer auf und vor meinem Zimmer stellten Alegria und die Kinder, sowie Caro und ihre Kinder Betten auf, auf denen gespielt wurde. Irgendwann wurde es überall ziemlich still und alle schliefen. Nach dem Mittagsschläfchen wurde fleißig weiter gespielt und sich unterhalten. Jörg schickte mir immer wieder SMS mit den letzten Updates, die ich dann in englisch und französisch übersetzte. So kam ich dazu mit Caro meine eingerosteten Französisch-Kenntnisse aufzumöbeln. Für mich war der Tag also deutlich entspannter.

Zwangs-Entspannung im Hotel

Zwangs-Entspannung im Hotel


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• Dienstag, Juli 21st, 2009

Am nächsten Morgen trafen wir uns alle vor unserem Hotel, um gegen 9 Uhr loszufahren. Um 10 Uhr sollten wir da sein. Jörg und ich dachten, das sei massig Zeit und wir wären viel zu früh da. Leider lagen wir falsch. Der Anführer unseres kleinen Konvois wechselte ständig: wir begannen nach GPS zu navigieren, bemerkten aber dass wir dabei ein Stück mit der Fähre hätten fahren müssen und gaben die Führung ab; die Spanier waren am Vortag schon am Nasser-See zum Baden und kannten den Weg. Aber leider auch nicht gut genug, wir fuhren in einem Dorf in eine Sackgasse. Da bot sich ein Junge mit seinem Fahrrad an, uns bis zu einem bestimmten Punkt zu leiten. Der Defender ist dafür das einzig geeignete Auto, mit einer Art Notsitz zwischen Fahrer und Beifahrer, und da saß der Junge dann (ohne Fahrrad). Nun führten die Engländer bis zum Hafen.

Am Hafen begann die übliche Grenzrennerei und großes Organisationschaos. Wir bekamen von Hr. Salah 4 Zettel zum Ticket, bei denen wir Mühe hatten, sie auseinander zu halten – alles in arabisch. Einer davon war für den Eintritt in den Hafen. Den gaben wir an dieser Stelle ab. Dann wurde unser Auto notdürftig untersucht – man muss halt dem Richtigen das Bakschisch in die Hand drücken – und wir durften weiter. Zunächst wurde das Ticket fürs Auto bezahlt (2000 EP), dann wurden in einem anderen Gebäude Märkchen für die Carnet gekauft (2 EP). Mit allen Unterlagen liefen wir ins Zollgebäude, um dort vor einer verschlossenen Türe zu warten. Der Mann, der die Carnet abstempeln und fertig bearbeiten soll, war zunächst nicht aufzufinden. Nach etwa 45 Minuten kam ein Mann, grinsend mit einem verschlafenen Blick und fragte: „You were looking for me?“ Ja, leider. Wir nahmen in seinem winzigen Büro Platz und durften ihn zunächst dabei beobachten, wir er aus einer Schublade einen Stapel Durchschläge herausholte, diese durchsah und sortierte, und zwar in derselben Reihenfolge und nach 20 Minuten aufschaute. Jetzt waren wir dran. Für die Carnets hätte er eine Lupe gebraucht, so wie er sie sich vor die Nase hielt. Ewigkeiten später waren wir fertig und die Pässe waren dran. Jemand sagte mir, es gäbe eine Schlange nur für Frauen und wies mir den Weg. Die Schlange endete genau an derselben Stelle, wie die der Männer, war aber kürzer. Hat aber alles nix gebracht, denn auf die Idee, die Frau vorzuschicken, um die Pässe der ganzen Familie zu bearbeiten, kamen vor mir noch mehr. Während ich da stand, drängelte und beobachtete, sah ich, dass man dafür auch ein Märkchen kaufen muss. Das wiederum war woanders in der großen Halle zu bekommen und natürlich wieder mit einer solchen Frauenschlange bestückt. 4 EP für zwei Marken und wieder zurück in die Schlange, wo unsere Männer inzwischen an der Reihe waren. Just in time!

Ausreiseformalitäten in der Tasche, also rauf auf die Barge (engl. für Frachtkahn). Denkste. Warten, in der prallen Sonne. Während ich auf der Suche nach einem schattigeren Plätzchen war, gings aber doch schon weiter. Wir wurden gerufen, um uns wieder an einem Häuschen anzustellen, aber diesmal um uns für den Sudan vorzuregistrieren. So ganz durchschaut, was wir da gemacht haben, wussten wir nicht. Immerhin ging es schnell, „Weiße bevorzugt“. Für uns gab es den Hintereingang. Ziemlich mies, wenn alle anderen sich normal anstellen und in der Hitze warten müssen.

Warten auf die Barge

Warten auf die Barge

Und wieder warten. Inzwischen war es 14 Uhr und unser Auto innen auf etwa 45 Grad aufgeheizt. Hr. Salah empfahl uns, die ein 1.Klasse-Ticket hatten, doch schon mal in die Kabine zu gehen, denn vor 16 oder 17 Uhr würde sich nichts tun. Da sahen wir unsere Kabine zum ersten Mal: fensterlos, etwas dreckig, Stockbett, stinkt und auf 15 Grad heruntergekühlt. Unser neues Zuhause für die nächsten 17 Stunden.

Heimelige Atmosphähre in der Kabine

Heimelige Atmosphähre in der Kabine

Um 16.30 Uhr ging es tatsächlich weiter. Wir waren die ersten, die das Auto auf die Barge fahren sollten. Mit etwas Feingefühl ging das ganz einfach. Wir sollten auf den Platz, auf dem 3 Autos Platz nehmen sollten. Man sagte uns, pro Auto etwa 2m breit Platz, da bleibt nicht viel Spielraum. Aber dank meines Einwinkens und Jörgs Parkkünsten hatten der Defender und der französische Landcruiser noch locker Platz.

Bis zum Abendessen vertrieben wir uns in der Kabine und mit den anderen die Zeit. Carl hatte sein GPS dabei und informierte uns, sobald wir den Wendekreis des Krebses überschritten hatten – wir galten nun offiziell als „in den Tropen“.

Hier sind noch ein paar Bilder zu der Verladung der Autos auf die Barge:

Impressionen Fähre Assuan

Die abenteuerliche Schiffsreise Willis

[Jörg:] An Deck habe ich mich mit einem freundlichen Menschen aus Darfour unterhalten können. Er meinte, dass es gar nicht so schlimm sei in der Region – gut, überzeugt hat er uns dennoch nicht, wir bleiben bei unserer geplanten Route.

Lange hielt keiner aus, denn es hieß, dass am nächsten Morgen um 6 Uhr die Fähre an Abu Simbel vorbei fährt. Und da wir uns Luxor nicht mehr angeschaut hatten, wollte ich zumindest das sehen. Die Nacht fiel sehr durchwachsen aus. In unserer Kabine war es bitterkalt und wir froren. Um 4.30 Uhr begann einer der Wächter Korangesänge auf seinem Handy abzuspielen. Die Wände sind sehr dünn bei so einem Schiff. Um 5.30 Uhr war dann Aufstehen für alle angesagt, der Muezzin des Schiffs sang per Lautsprecher in jeden Raum. Und um 6 Uhr stand ich auf Deck, ich hatte sowieso kaum geschlafen. Von Abu Simbel aber keine Sicht. Um 7.30 Uhr waren endlich die Fassaden der Tempel zu sehen. Nach den obligatorischen Fotos brauchte ich auch nicht mehr ins Bett zu gehen.

Abu Simbel

Blicke auf dieses Kulturgut vom Wasser aus


 

 

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One Response

  1. 1
    Carl 

    Good to see you have some photos of landrovers….improves the look of this fine webpage!

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• Sonntag, Juli 19th, 2009

Unsere Tage in Assuan waren ausgefüllt mit der Organisation für die Fähre nach Wadi Halfa und der Mittagshitze entkommen, denn bei über 40°C im Schatten, ohne dass es davon ausreichend gibt, da die Sonne nahezu direkt über einem steht, macht eigentlich gar nichts mehr richtig Spaß, sogar am Pool liegen. So kam es auch, dass wir den Dach-Pool unseres Hotels nur einmal gesehen haben, und zwar als wir uns das Zimmer zeigen ließen. Drin waren wir nicht einmal, denn die Zeit, die man dort hätte verbringen können, also vormittags oder dann wieder am späten Nachmittag, waren wir anderweitig beschäftigt.

Bei der Organisation der Fähre erwies sich Mister Salah, Manager der Nile Navigation als äußerst hilfsbereit. Sein Office liegt bei N24° 05.940’ E32° 53.973’ und er ist telephonisch unter +20-18-3160926 zu erreichen.

Als wir Samstag wie vereinbart zwischen 9 und 10 Uhr zu ihm kamen, trafen Anja und ich dort auf Pepe und Boni – beide Spanier und beide mit ihrer Familie nach Kenia unterwegs (im Fall von Boni zumindest mit einem seiner Söhne). Sie sind über Italien – Tunesien – Libyen nach Ägypten gekommen und haben durch den Sudan die gleiche Strecke geplant wie wir, so dass wir gleich vereinbarten, zusammen weiterzufahren, sollten wir ähnliches Reisetempo und –vorlieben haben. Pepe fährt mit einem Nissan Patrol und Boni mit einem Renault 5. Beide Autos sind schon ein wenig in die Jahre gekommen und es ist unklar, was mit ihnen in Kenia passieren soll: entweder sie werden verkauft oder – sollten sie sich gut schlagen – dort untergestellt bzw. im nächsten Urlaub wieder zurückgeführt. Genutzt werden die in Spanien 2,5 Monate langen Schulferien, so dass bei Pepe seine Frau Alegria und ihre Kinder Javi (14), Sophia (16) und Luis (17) mit an Bord sind und bei Boni sein Sohn Miguel (20). Pepe und Alegria haben lang in Kenia gewohnt und ihre Kinder sind dort geboren, so dass es für alle auch eine Fahrt in die Heimat ist.

Herr Salah hatte uns den „Fixer“ ausgeredet, also denjenigen, der uns gegen ein gewisses Bakschisch bei der ganzen Organisation der Abmeldung des Autos hilft. Stattdessen zeichnete er uns eine kleine Karte und nannte uns was bei den Stationen jeweils zu tun ist. Es ist tatsächlich ganz einfach, da die Abmeldung nur aus zwei Schritten besteht: Zuerst zum Traffic Court bei N24° 03.710’ E32° 53.162’, dort wird kontrolliert, dass auf das abzumeldende Nummernschild nicht noch unbezahlte Strafzettel laufen bzw. ob auch anderweitig alles in Ordnung ist, und danach zur Traffic Police bei N24° 05.029’ E32° 54.505’, wo man den „Alles okay“-Zettel des Traffic Courts, seine ägyptische Lizenz und die beiden Nummernschilder abgibt und dafür eine Abmelde-Bescheinigung bekommt. Herr Salah meinte, dass beim Traffic Court etwa 5 EP für Kopien fällig sein, und bei der Traffic Police gar kein Geld. Mit letzterem hatte er in unserem Falle recht, mit ersterem vielleicht auch, doch Pepe, Boni und ich mussten dennoch 20 EP pro Wagen zahlen.

Natürlich waren diese beiden Stationen nicht in wenigen Minuten abgehakt. Beim Traffic Court waren wir 1 ½ Stunden beschäftigt, obwohl unser Papier wohl schon viel früher fertig war – wir mussten über eine halbe Stunde vor verschlossener Türe warten (sah sehr nach Mittagpause aus). Immer mal wieder kam ein Ägypter und klopfte gegen diese Tür. Das Klopfen wurde zu einem Schlagen und schließlich zu einem verärgerten Poltern. Doch die Tür blieb standhaft und öffnete sich nicht einen Spalt. Wir warteten und warteten… Irgendwann kam jemand von innen raus, ein anderer schob sich durch den Spalt und reichte uns schließlich unsere drei „Alles okay“-Zettelchen. Dafür ging es bei der Traffic Police ganz fix, nachdem wir einmal herausgefunden hatten, an welche Schlange wir uns stellen mussten.

Anja fuhr währenddessen Willi Gassi; normalerweise haben wir gut im Griff, wie lang wir bei angeschalteter Kühlbox stehen dürfen (zwei Tage sind in der Regel kein Problem), doch hier hatten wir die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Der hatte nämlich die Heizung so stark aufgedreht, dass uns unsere bisherigen Dauer-Camping-Erfahrungswerte trügten: Um die anhaltende Hitze auszugleichen (Willi hatte ab dem spätem Vormittag bis abends einen Sonnenparkplatz), musste mehr Saft als üblich von der zweiten Batterie gezogen werden. Die war schließlich auf 6 Volt runter und die Verbindung zwischen der Verbraucher- und Starter-Batterie wurde zum Schutz der Starter-Batterie automatisch getrennt – da half nur noch Aufladen bei einer Tankstelle.

Am nächsten Morgen schauten wir nochmals bei Herrn Salah vorbei, um die Fähren-Tickets zu kaufen. Dort trafen wir auch Laurent, Caro, Enzo und Rubén aus Frankreich sowie auf Chris und Carl aus England. Beide Parteien hofften ebenso auf einen Platz auf der Fähre. Wir hatten nur eine kleine Barge, doch die hat bereits fünf Stellplätze. Sofern die sechs also alle Formalitäten heute erledigen könnten, werden sie die Fähre am Montag mit uns nehmen können. Auch ihnen wurden die Stationen erklärt und eine kleine Karte skizziert, zudem konnten wir sie noch mit GPS-Koordinaten ausstatten. „Nicht gefunden!“ würde also nicht als Ausrede zählen.

Pepe, Boni und wir konnten anschließend unsere Tickets kaufen. Der Empfehlung von Jan und Trevor sowie weiterer Reiseberichte folgend gönnten wir alle neun uns Erste Klasse Kabinen. Der Aufpreis von fast 180 EP gegenüber einem normalen Ticket (489 EP zu 311 EP also etwa 65 EUR zu 40 EUR) ist vernachlässigbar, wenn man in Betracht zieht, dass man hierfür nicht nur ein eigenes Bett (im Zweibettzimmer) bekommt (gegenüber einem Sitzplatz unter Deck oder Schlafplatz an Deck), sondern auch noch Air-Condition – für uns das „Killer-Argument“. Willi selbst hat den teuersten Platz bekommen, sein Ticket für den Frachtkahn kostet stolze 2002 EP (etwa 260 EUR).

Nachdem wir unsere Tickets bekommen haben, ließen wir noch Öl wechseln. Mit Sudan und Äthiopien voraus und schlechterem Öl als in Europa im Motor, entschlossen wir uns bereits nach noch nicht ganz 5’000 km für einen Wechsel. Da die Tankstelle allerdings nicht das Öl hatte, was wir gern gehabt hätten, wollten wir weiter und uns anderweitig auf die Suche machen oder es einfach ganz sein lassen, denn notwendig war es noch nicht. Doch macht euch mal woanders auf die Suche, wenn der Motor bereits kein Öl mehr hat; die geschäftstüchtigen Ägypter hatten nämlich bereits unser Öl abgelassen, natürlich nur „um alles schneller zu machen“. Wir hatten wieder etwas gelernt und nahmen halt ein Alternativ-Öl, denn ganz ohne würde es schwer bis Kapstadt.

Abends waren wir noch mit allen Mann Essen. Mit den Spaniern hatten Anja und ich uns bereits für 20 Uhr verabredet; Carls und Chris Defender sahen wir in den Straßen Assuans und hinterließen ihnen eine entsprechende Nachricht. Ihr ägyptisches Nummernschild war abmontiert, also hatte auch alles bei den beiden geklappt. Carl und Chris wiederum informierten die Franzosen, so dass wir mit 15 Leuten in das Panaroma Restaurant einfielen.

Chris und Carl sind zwei Lehrer aus England, die mit ihrem Defender bis nach Tansania unterwegs sind. Dort wird Chris dann für zunächst zwei geplante Jahre als Lehrer arbeiten, während Carl zurück nach England fliegt, um dort weiter zu unterrichten. Laurent ist mit seiner Frau Caro und deren beiden Kindern Enzo (8) und Rubén (4) unterwegs.  Die Vier haben die Zelte zuhause abrissen und planen zunächst ein halbes Jahr Ost- und Südafrika, dann ein halbes Jahr Südamerika und in Lima (nach einem Jahr Reisen) kommt dann der große Check-Up: Soll weiter gereist werden, wenn ja, wohin, wenn nein, zurück nach Frankreich oder in Südamerika bleiben.

Den Tipp für das Panaroma Restaurant hatte wir übrigens von Ismael bekommen, bei dem wir nachmittags noch vorbeigeschaut hatten. Doch hatten wir zu wenig Zeit für ihn, so dass nach unserem Essen um 23 Uhr nochmals bei ihm vorbeischauten und für ein Weilchen und ein paar Yoga-Übungen blieben. Ismael freut sich über jeden, der bei ihm vorbeischaut und dem er helfen kann, so dass wir ihm versprechen mussten, seine Daten zu veröffentlichen, was wir hier natürlich gern machen:
    Ismael Abdulkani
    40 El Sultan Abuelela Str.
    Aswan
    Ägypten
    Tel. +20-12-6770400

 

Bilder werden bei besserer Internetverbindung nachgeliefert.

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• Freitag, Juli 17th, 2009

Haben wir gestern noch ein etwas ernüchterndes Bild von Ägypten online gestellt, freuen wir uns heute umso mehr, diesen Artikel veröffentlichen zu können.

Wir gingen die Corniche, die große Uferpromenade am Nil, herunter in Richtung Nubisches Museum. Auf dem Weg dorthin trafen wir auf Ismael. Er sprach uns auf Deutsch an und fragte uns nach einigen Sätzen, ob wir etwas Zeit hätten, um mit ihm zu reden und Tee zu trinken. Klar, Zeit haben wir! Unsere Fähre geht erst Montag und nach Luxor kommen wir leider eh nicht mehr.

Ismael und wir Rückenwindler

Ismael und wir Rückenwindler

So sind wir also mit ihm in sein Haus im nubischen Viertel gegangen. Es gab schwarzen Tee mit Minze und Zimt-Ingwer-Tee und wir spielten etliche Partien Backgammon. Doch zuvor schauten wir uns seine Gästebücher der letzten beiden Jahre an. Ismael war Tauchlehrer am Roten Meer und ist nun seit zwei Jahren im Ruhestand. In den Gästebüchern findet sich im Schnitt alle vier Tage in den vergangenen zwei Jahren ein rühriger Eintrag nach dem anderen. Ismael spricht viele Touristen an und lädt sie anschließend zu sich ein. Er ist ein wahrer Freundesammler. Etliche Einträge kamen auch von „Wiederholungstätern“ – Leuten, die zum wiederholten Male nach Assuan kamen und dann erneut ihren Freund Ismael besuchten.

Wer wird der Master of Backgammon?

Wer wird der Master of Backgammon?

Wir haben – wie etliche andere auch, wie den Gästebüchern zu entnehmen war – zudem noch eine Einweisung ins Arabische bekommen. Zunächst die Zahlen bis Hundert und dann das arabische Alphabet. Ismael meinte, wenn wir das nächste Mal kommen, werden wir lernen, wie man die Buchstaben zu Worten zusammenführt und damit dann auch arabisch lesen können, dann würden wir auch zusammen Essen, doch uns fehlte leider bisher die Zeit unseren Lehrer erneut aufzusuchen, da wir wegen unserer Ausreise aus Ägypten bzw. der Einreise in den Sudan noch einiges zu organisieren haben.

Auch das ist Ägypten! Menschen, denen Gastfreundschaft nach wie vor soviel bedeutet, dass sie wildfremde Leute in ihr Heim einladen und Tee servieren.

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3 Responses

  1. Das ist doch ein wunderschönes Erlebnis – würde bei den Schwaben vermutlich nicht passieren !

    Grüßle Heidi

  2. 2
    kaschidH 

    Hallo Ihr zwei,

    ich möchte es ja nicht schreiben, aber so langsam werde ich doch unruhig… Ich gehe mal davon aus, dass ihr Euch außerhalb des www bewegt und die Grenze zu Äthiopien schon überschritten habt und in nächster Zeit in das Land einfallt, in dem ihr eine schön gelegene Lodge innerhalb der schönen Tierreservate übernehmen werdet ;-). In diesem Jahr werden wir Euch dann wohl nicht mehr besuchen können, aber in 2010 oder 2011 klappt das bestimmt…

    Gruß Karsten, Silvia, Svea und Ronja Wuff

  3. 3
    Joerg 

    Hi ihr vier,

    vielen Dank. Ihr habt ganz richtig getippt: alles okay, aber in Sudan und bisher in Äthiopien haben wir einfach kein Netz gehabt. Nun in Addis haben wir endlich eins und laden auch gleich brav die ersten Artikel hoch — wir wissen doch, was wir unser Leserschaft schuldig sind. Und an der Lodge arbeiten wir dann danach. ;-)

    Viele Grüße aus Addis,

    J.

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• Donnerstag, Juli 16th, 2009

Am nächsten Morgen war es harte Arbeit, Khaled davon zu überzeugen, dass wir ihm unseren alten Kühler überlassen wollen. Wir rechneten alle damit, dass er nur eine ordentliche Reinigung benötigen würde – etwas, was sich leider nicht in der Oase, sondern nur in Kairo selbst machen lässt – und so wollten wir damit unserer Dankbarkeit Ausdruck verleihen. Was hätten wir auch sonst geben können? Für Kost und Logie wollte er partout nichts haben. Die paar Sachen, die wir als mögliche Geschenke an Bord haben – vor allem Kugelschreiber und Taschenrechner –, schieden aus, und die wenigen englischsprachigen Bücher, die wir extra für diesen Zweck dabei haben, wären auch wenig angebracht gewesen. Der Kühler, von dem wir nun nur hoffen können, dass er durch Reinigung wieder zu neuen Kräften gelangt und nicht einfach nur ein Haufen Schrott ist, schien uns noch die beste Option.

Am späten Vormittag rollten wir schließlich los. Waren die Check Points bis Bahariya noch überschaubar an der Zahl, gab es nun immer einen vor und nach jeder größeren Siedlung sowie ca. alle 50 Kilometer dazwischen. Was genau da „gecheckt“ werden soll, ist wohl auch den Polizisten und Soldaten unklar, denn mal wurde nur ich nach meinem Namen gefragt, mal wir beide, mal war der Pass wichtig, dann wieder nicht, mal war alles einfach, solange wir sagten, dass wir nicht in die Wüste wollten, dann spielte dies wieder keine Rolle, mal war man erstaunt, dass wir ohne Guide und / oder Polizist unterwegs waren, mal schien dies selbstverständlich. Doch drei Punkte zogen sich wie ein roter Faden durch alle Check Points: Nummernschild von Willi, unsere Nationalität sowie die Anzahl der mitfahrenden Personen. So waren wir manches Mal auch schon angekündigt und – so nervig es auch sein kann, immer wieder halten zu müssen, während die meisten anderen einfach durchgewunken werden – es ist auch beruhigend zu wissen, dass man mit seinem 4WD in der Wüste „spielen“ kann und es (irgendwann) auffallen würde, wenn man nicht wieder rauskommt.

Etwa 500 km sind wir an dem Tag dann noch gekommen und haben uns kurz hinter der Oase Dakhla in die Dünen zum Campen geschlagen. Wir waren zu müde, um die Wüste wirklich genießen zu können, aber die Nacht war dennoch etwas besonders: Diese kontemplative Stille, die den Wüsten so selbstverständlich innewohnt, findet man sonst nur selten – zumindest als Stadtmensch. Dabei waren wir gar nicht weit in die Wüste rein gefahren, die Straße war sogar von der Düne noch in Sichtweite, doch dies Gefühl der Ruhe stellte sich dennoch ein.

Western Desert

Übernachten im Western Desert

Mittwoch wurden wir in der Wüste früh von der Sonne geweckt und kamen entsprechend früh morgens los. Über die Oase Kharga, wo wir für unsere letzten Pfund auftankten, hieß unser Tagesziel eigentlich Luxor. Doch als wir gerade das Hochplateau wieder herunter kletterten und auf die Ausläufer des Nildelta stießen, da sahen wir bei N 25° 32.15’ E 32° 15.80’ eine Abfahrt nach Assuan. Diese Parallelstrecke zur Hauptstrecke Luxor – Assuan war in manchen unserer Karten noch gar nicht, in anderen nur gestrichelt als (Offroad-) Nebenstrecke drin. Doch sie sah mittlerweile gut ausgebaut aus und so versuchten wir unser Glück. Vor allem die Konvoipflicht der Hauptstrecke umfahren zu können, schien uns den Versuch wert. Dafür waren wir auch innerlich schon gerüstet, gegebenenfalls wieder umkehren zu müssen, sollten wir am nächsten Check Point nicht durchgelassen werden. Doch siehe da: Auf weiter Strecke gab es gar keinen Kontrollposten. Erst recht spät kam einer und dann vor Assuan nochmals einer. Beim ersten hat ’s auch ein wenig länger gedauert und die Abwicklung war ausführlicher als sonst, aber als ich eine Runde Kaugummi geschmissen habe, wurden wir schließlich schnell durchgewunken. ;-)

Wir waren selbst ganz erstaunt, wie einfach wir den Konvoi umfahren konnten und können jedem nur diesen Weg empfehlen. Angeblich soll er jedoch nicht aus Richtung Luxor befahren werden können, da der letzte Check Point auf der Oasenstraße Richtung Western Desert bereits in der Zone der Konvoipflicht liegt und man angeblich hier nicht in westliche Richtung durchgelassen wird.

Um auf das Thema dieses Artikels und damit auf die Einstiegsfrage zurückzukommen: Ist Assuan die schönste Stadt Ägyptens, wie unser Reiseführer meint? Wir sind nun bereits einen ganzen Tag hier und haben sicherlich noch nicht alles gesehen, aber wir kommen da doch zu einem ganz anderen Ergebnis. Sicherlich, das Nilufer kann man ohne Zweifel „pittoresk“ nennen – gerade wenn die Sonne auf der anderen Seite hinter den Wüsten-Hügeln versinkt und alles mit einem goldgelben Mantel überzogen wird –, aber Assuan ist mittlerweile auch viel zu touristisch. Man kann sich einfach nicht bewegen, ohne dass man regelrecht bedrängt wird. Die Ironie bei dem hiesigen (aber leider doch allzu typisch-ägyptischen) Verkaufsgebaren ist, dass wir ohne die Aufdringlichkeit vielleicht wirklich hier und da länger geschaut hätten und am Ende auch etwas gekauft hätten und uns gerade das, was uns zum Bleiben und Kaufen bewegen soll, schnell forttreibt. Uns ist natürlich bewusst, dass die Verkäufer Familien ernähren müssen und auch nicht aus Jux und Dollerei sich verhalten, wie sie sich verhalten, aber wenn Leute aufspringen, uns den Weg versperren und uns regelrecht in ihren Laden zerren wollen, nur weil wir offensichtlich Touristen sind, die nicht ganz in die Masse passen, da kann einem schon der schönste Eindruck vermiesepetert werden. Das ist leider unser erstes Resümee von Assuan – selbst Kairo schien uns in dieser Hinsicht weniger anstrengend.

Ich persönlich würde uns am liebsten zurück in die Wüste schicken.

 

 

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