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• Donnerstag, Juni 04th, 2009

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Die Nacht an der Burg fiel für uns sehr durchwachsen aus. Am Abend verzogen wir uns aufgrund eines kleinen Mückenansturms ins Auto zurück. Da war es bullenheiß. Ich lag oben im Bett, Jörg saß unten und las noch etwas. Als es dunkel wurde, schalteten wir das Licht an und dachten nach kurzer Zeit, es regnet. Wie wir feststellen mussten, regnete es aber kein Wasser, sondern alle Arten von fliegendem Getier auf unser erleuchtetes Zeltdach. Beruhigt, dass wir seitlich Mückengitter haben, ließ ich die Seiten zunächst noch offen. Dann bemerkte ich, dass die kleinsten Fliegen leider doch durchpassten. Damit war für mich die Freude an dem Abend vorbei und wir flohen schnell ins Bett.

Am nächsten Morgen saßen immer noch alle möglichen Viecher auf unserem Auto und teils auch drin. So hatte ich keine Lust zu frühstücken, aber das hätte sich dank fehlendem Schatten und inzwischen Magen-Darm-Problemen, die uns inzwischen beide betrafen, sowieso nicht angeboten. Also packten wir schnell und dachten, um 8 Uhr die Burg besichtigen zu können. Daraus wurde aber nichts, da wir nicht bis 10 Uhr warten wollten. Also fuhren wir durch die Wüste zu ar-Rusafa und auf sehr unscheinbaren Wegen zum östlichen Wüstenschloss.

[Jörg:] Ar-Rusafa ist eine von unserem Reiseführer hochgepriesene alte Wüstenstadt. Anja und ich sind einmal drumherum gefahren und kamen zu einer anderen Einschätzung. Eventuell sind wir durch die Ägäis ja auch nur ein wenig verwöhnt, aber Ar-Rusafa war uns dann doch keine Wanderung bei ca. 40°C ohne Schatten wert…

Das wiederholte sich dann beim östlichen Wüstenschloss Qasr al-Hair ash-Sharqi. Wir fuhren einmal drumherum, sahen auch ein paar schöne Stellen durch die brüchige Außenmauer, aber wir besichtigten es nicht. Eventuell war das ein Fehler, aber wie wir schon bei vielen anderen Gelegenheiten erfahren haben: Wir können nicht alles sehen! Und dann haben wir uns hier, wie bei all den anderen Gelegenheiten damit getröstet, dass wir ja auch schließlich einen Grund haben müssen, wiederzukommen… 😉

Überhaupt bis hier hinzukommen, war schon eine Erfahrung: Die Wegbeschreibung unseres Reiseführers verfolgte die Route genau in die entgegengesetzte Richtung. Das kann durchaus problematisch sein. Wenn es nämlich im Original heißt, man fahre bis zum Straßenende und biege an der dortigen T-Kreuzung links ab. So bedeutet das für uns, rechts ab, wenn sich die Gelegenheit dafür bietet. Dabei wissen wir dann nicht, ob es diese Abbiegung oder die nächste ist. Oder vielleicht doch die davor? Und was macht man aus folgender Beschreibung: „Ortsbeginn von Taibe, einem verlassenen, fast menschenleeren Oasenstädtchen. Man kann noch die Reste von Lehmhäusern sehen, viel Dreck und wenig Menschen. Wir folgen der Straße, die eine Linkskurve macht, danach eine Rechtskurve und dann wieder eine Linkskurve. 50 m danach biegen wir rechts ein: Es gibt einen Wegweiser nach ‚Kom‘ und ‚Raqqa‘. Nun geht es immer den Stromleitungen nach, die rechts der Straße zu sehen sind.“ Muss man dies rückwärts navigieren, so stellt es einen vor eine schier unlösbare Aufgabe, da man immer erst im Rückblick weiß, ob man richtig gefahren ist. Dies vor allem vor dem Hintergrund, dass auf dieser Route viele der Orte nicht ausgeschildert sind und wenn dann meist ausschließlich in Arabisch. Bei der oben erwähnten T-Kreuzung gab es zum Beispiel gar keine Schilder. Einziges Indiz war eben unsere Übersetzung „an einer Abzweigung rechts ab“ und dass sich am Horizont auf der linken Seite ein Gebirge auftat und unsere Karte sagte, dass wir dort nicht hinwollten. Wir mussten jedoch ca. 50 km fahren, um (halbwegs) sicher zu sein. Ja, 50 km! Es ist schließlich nicht Deutschland hier, sondern dünn- bis gar nicht besiedelte Wüstengegend.

Endstation war Palmyra. Markus erzählte uns von der Gelegenheit, mit Kamelzüchtern in die Wüste zu ziehen und dort zu übernachten. Wir nahmen diese Chance jedoch leider nicht wahr. Mein Kreislauf machte schlapp. Ich wollte zu einer Klimaanlage und viel trinken. Das bekamen wir beim Camping auf dem Parkplatz des Zenobia Hotels.

[Jörg:] Wir fuhren zunächst den in unserem Reise-Know-How angeführten Camping-Platz hinter dem Tempel des Baals an. Fanden ihn auch sofort und der Camping-Platz-Betreiber kam auf uns zu. Er spricht gut Englisch und so konnte er uns erklären, dass die Regierung den Camping-Platz geschlossen hätte, aber um 16 Uhr wieder alles in Ordnung sei. … Ah, jaaa… So fingen wir an nach Alternativen zu suchen.

Während einer langen Erholungszeit in der dunklen Hotellobby beobachtete ich den Versuch von drei Paaren verschiedener Nationalitäten, alle mit Lonely Planet bewaffnet, den Preis von 84$ zu drücken und nach dem ersten Paar reagierte der Rezeptionist sehr genervt und verneinte. Er blieb hart auch bei den anderen Paaren und fragte sich wahrscheinlich, warum alle (!) nach einem Discount fragten. Nach einer Dusche machten wir uns schließlich auf zum Baal-Tempel und Jörg noch weiter durch die Ruinen.

Palmyra

Römer in der Wüste

Am Abend ging noch ein richtiger Sturm los, der laut dem Hotelpersonal jede Nacht kommt, so dass wir uns Sorgen wegen unseres Dachzelts machten. Wir stellten uns extra in den Windschatten eines britischen Wohnmobils mit einem sehr netten englischen Paar und versuchten zu schlafen. Jörg schlief wie immer sehr gut und tief und fest, während ich mehrfach durch das Gerüttel an den Wänden wach wurde.

Das Campen auf einem Hotelparkplatz kann sehr gute Seiten haben und wir werden es bestimmt noch das ein oder andere Mal versuchen. Man bekommt – ich weiß nicht, ob bei jedem Hotel – eine Dusche und Klo zur Verfügung gestellt, und wenn man so wie wir beim Zenobia, einen ganzen Raum (Hotelzimmer) mit Schlüssel bekommt, könnte man zur Not vielleicht noch heimlich drin schlafen. Für uns wäre das vielleicht auch eine Alternative gewesen, aber es hatte nicht genug gestürmt und auch nicht geregnet.

Heute sind wir über Homs zum nächsten Sight-Seeing-Point gekommen. Krak des Chevaliers.

[Jörg:] Eine alte Kreuzritterburg und ein wahres Bollwerk gegen die Muslime. Wie die Zitadelle Aleppos nahezu uneinnehmbar. Bei der finalen Schlacht wurde sie auch nicht eingenommen – dank großer Vorratskammern hätte sich eine jahrelange Belagerung aushalten lassen -, sondern von dem Großmeister der Johanniter aufgegeben im Tausch für freies Geleit aller zurück nach Europa.

Auf dem Parkplatz vor der Burg haben wir dann auch John und Olly wiedergetroffen. Die beiden sind das „englische Paar“, das wir beim Zenobia Hotel traffen. Die beiden sind pensioniert, haben sich ein Wohnmobil gekauft und machen seitdem damit monatelange Reisen: die Seidenstraße entlang, durch Südamerika, jetzt kamen sie aus Jordanien und wollten langsam zurück nach England. Beneidenswert!

Krak des Chevaliers

Fantasitische Burg

Der Touristenmagnet blieb für uns heute der einzige, denn wir rechneten nach der Besichtigung in einem Café aus, dass wir nur noch 2 ½ Tage Zeit hätten, um das Land zu verlassen, ohne noch ein weiteres Mal 100 $ Dieselsteuer zu bezahlen. Damaskus wollten wir auch gerne noch sehen und bei dem üblichen Verkehr braucht man dafür einen ganzen Tag.

Jetzt war aber schon kurz nach vier Uhr nachmittags und uns drängte die Zeit. Also rauf auf die Autobahn und losgefahren.

Auf etwa der Hälfte der Strecke dann der große Schock. Während wir einen Lastwagen überholten, knallte es auf einmal, so als wenn man auf uns geschossen hätte. Ich sah auch noch den Rauch des Geschosses. Jörg war ebenso erschrocken und rief gleich „oh Gott, jetzt ist uns der Reifen geplatzt“. Mit Reifen statt Pistole hatte er auch Recht, aber verwundert musste er feststellen, dass unser Wagen normal geradeaus weiterfuhr. Im Rückspiegel sahen wir, dass der Laster langsam ausrollte. Während Jörg nur das Geräusch hörte und ich den Reifen platzen sah, hatten wir beide im ersten Moment doch Schwierigkeiten zu begreifen, dass uns nichts passiert ist.

[Jörg:] Das war in der Tat ein kurzer Moment, in dem einem das Herz in die Knie rutschte. Den Knall vernehmend sah ich aus dem Augenwinkel durch Anjas Fenster „gräulichen Nebel“ – nicht wie bei Diesigkeit, sondern wenn viel grober Schmutz und sonstige feine Partikel aufgewirbelt werden. Mein erster Gedanke: Scheiße, Reifen! Mein nächster: Lenkrad festhalten! Mein dritter, aber der brauchte ein wenig: Komisch, der Wagen hält weiterhin problemlos die Spur. Na, und dann sahen wir im Rückspiegel den Laster anhalten und Anja und ich zählten eins und eins zusammen: Dem war exakt in dem Moment, als wir ihn überholten, der linke vordere Reifen geplatzt. Ihm, nicht uns! Wie hieß es damals bei Familie Lucky aus Schmidteinander? – „Da haben wir noch mal … Glück gehabt!“

Beruhigt fuhren wir weiter nach Damaskus und dort in den Großstadt-Trubel. Nach ein bisschen Sucherei und einer weder geplanten noch gewollten Durchfahrt Willis von einem Suq sind wir schließlich noch am Hotel Al-Majed angekommen.

 

 

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