Archive for the Category ◊ Namibia ◊

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• Freitag, Dezember 11th, 2009

Als nächstes wartete wieder ein Naturwünderchen auf uns: der Köcherbaumwald in Keetmanshoop. Wie wir durch unseren Reiseführer lernten, handelt es sich hierbei gar nicht um Bäume, sondern um Aloen, die in Form eines Baumes nach oben wachsen. Diese Aloen sind eigentlich Einzelgänger, hier um Keetmanshoop gibt es jedoch gleich mehrere waldartige Vorkommen. Einer der Wälder grenzt direkt an das Quiver Tree Forest Camp, wo wir unser Nachtlager aufschlagen wollten. Kurz nachdem wir dort ankamen, fand hier eine Raubtierfütterung statt, bei der wir sogar zu den Tieren in das Gehege durften.

Erst mal von außen...

Erst mal von außen...

...dann von innen

...dann von innen

wie lieb

wie lieb

So kamen wir in die Gelegenheit, Geparde aus nächster Nähe beim Fressen zu beobachten, und wären wir schneller gewesen, hätten wir sie sogar streicheln können. Die Lust der Tiere, beim Fressen auch noch angefasst zu werden, war allerdings recht gering. Nach zwei tätschelnden Händen war Schluss, sie standen auf und liefen einfach weg. Bei einem zweiten Versuch in einem anderen Gehege waren wir leider auch erfolglos, dieser Gepard ließ gleich gar nicht mit sich reden und fauchte sein „Herrchen“ schon beim ersten Versuch an.

Auf der Lauer

Auf der Lauer

Bitte nicht stören

Bitte nicht stören

Wir hatten noch viel Spaß mit den vielen Border Collies, die dort herum sprangen, und dem großen Warzenschwein.

Der lebt noch

Der lebt noch

Den Abend ließen wir an einem Feuerchen ausklingen, auf dem wir unseren ersten Potjie kochten. Wir wurden im südlichen Afrika zu Fans der Zeitschrift GO!, in der einmal als Beilage Rezeptvorschläge für Camping-Tage dabei waren. Hieraus kochten wir den „Beef and Beer“-Potjie nach und waren komplett begeistert. Obwohl die Portion recht groß war, wurde alles ratzeputz aufgegessen. Wir freuen uns schon auf den nächsten Potjie.

Lekker Potjie

Lekker Potjie

Anheizen

Anheizen

Dann ein vorsichtiger Blick in den Topf

Dann ein vorsichtiger Blick in den Topf

Vor Sonnenuntergang machten wir noch einen schnellen Spaziergang durch den Köcherbaumwald.

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Zu dem Gelände vom Quiver Tree Forest Camp gehört noch Giant’s Playground, das seinen Namen von den aufgestapelten Steinklötzen hat. Es sieht wirklich so aus, als wäre hier ein kleiner Riese gesessen und hätte kleine Bauklötzchentürme aufgestellt. Wir liefen entlang eines Rundgangs durch das Gelände und schreckten dabei immer wieder Klippschliefer auf, die sich hier sehr wohl fühlen.

Giants Playground

Türmchenbauplatz

Von Keetmanshoop war es nicht mehr weit zum Fish River Canyon. Die ca. 180 km bestanden nahezu vollständig aus staubiger Geröllpiste.

Den Nationalpark betraten wir bei Hobas, von wo aus man verschiedene Aussichtspunkte anfahren konnte. Der Canyon war sehr beeindruckend – er ist der zweitgrößte Canyon der Erde. Ich habe Respekt vor jedem Wanderer, der die 70 Kilometer hier durchwandert. Von unten muss das ein tolles Spektakel sein. Wir waren allerdings auch hier zur falschen Jahreszeit. Der Canyon ist im Sommer (also im europäischen Winter) für Wanderer gesperrt – ja, leider ;-) – und wahrscheinlich auch nicht ganz so spektakulär, weil nur wenig Wasser darin fließt. Jörg befriedigte auch hier seinen Geocaching-Durst und loggte einen Cache, während ich mich mehr auf die Schönheit der Natur konzentrierte und fotografierte.

Fish River Canyon

Riesige Schlucht

Unser Camp schlugen wir in Ai-Ais auf, einem Ort, an dem es heiße Quellen gibt. Der NWR (Namibia Wildlife Resorts, quasi die Nationalpark-Behörde), nutzte diesen Umstand und baute hier schon vor vielen Jahren ein großes Resort hin. Mitte 2009 wurden die zweijährigen Renovierungen abgeschlossen und nun erstrahlt das Resort in neuem Glanz. Der Campingplatz ist sehr großzügig und obwohl wir Anfang der Sommerferien eintrafen, war hier von Besucherandrang nichts zu spüren. Wir hatten freie Auswahl an Plätzen und waren auch meist die einzigen im Spa. Vielleicht war es für die meisten zu heiß, denn die Pools sind „badewannenwarm“. Wir ließen uns somit den ganzen Tag im warmen Auto vorwärmen, bevor wir am Abend unsere Muskulatur weich kochen ließen. Weil es hier so angenehm war, blieben wir gleich noch einen Tag. Kurz nachdem wir unser Frühstück beendet hatten, besuchte uns ein neugieriger Südafrikaner, dem unser Auto sehr gefiel. Nach dem üblichen Reise-Small-Talk stellte er sich uns Profifotograf vor. Er gab uns noch ein paar Tipps für Kapstadt und Silvester. Mal sehen, ob wir ihn „da unten“ noch mal treffen.

Anschließend stand der aufregende Task „Tourplanung“ auf dem Programm, denn wir wollen weder unvorbereitet in die nächsten Wochen gehen, noch ohne Plan die Garden Route bereisen. Als das beendet war, hatten wir uns eine Belohnung verdient. Wir gingen in den Spa zur Partner-Massage. Nein, hierbei handelt es sich um nichts Sexuelles: Jörg und ich ließen uns von je einem/r Masseur/in bearbeiten und leider muss man es wirklich „bearbeiten“ nennen. Die Masseure in dem Spa haben noch nicht viel Übung und waren daher nicht sehr gefühlvoll. Zur Massage kam noch ein Peeling und ein Bad, bevor wir am Schluss eingecremt wurden. Alles in allem war es trotzdem eine Belohnung für die erledigte Arbeit und wir genossen die „Auszeit“.

Als wir das Gebäude verließen, bemerkten wir neu angekommene Motorrad-Fahrer, zu meinem großen Erstaunen mal endlich Leute, die nicht sagen „ich/wir komme/n auch aus Hannover/Braunschweig/Gorleben/irgendwo im Norden“. Die kamen nämlich aus Kirchheim im Kreis Esslingen. Es war schön mal wieder Schwaben zu hören. :-)

Südafrika war nun nur noch zum Greifen fern und wir wollten endlich in das letzte große Land auf unserer Reise. Wir hatten nicht viel zu packen und konnten relativ früh los. In Ariemsvlei gingen wir über die Grenze. Der Grenzübergang war wieder recht unspektakulär, wir mussten nichts bezahlen für Visa oder Straßengebühren und brauchten nur die notwendigen Stempel. Sehr zu unserer Verwunderung konnten die Grenzbeamten auf der südafrikanischen Seite nichts mit unserer Carnet anfangen. Sie meinten nur „das machen wir eigentlich nicht mehr“. Sie stempelten den oberen Teil ab, rissen aber den unteren Teil nicht heraus. Naja, Hauptsache Stempel dachten wir. Mal sehen, wie der ADAC das sieht.

 

 

Category: Namibia  | 2 Comments

2 Responses

  1. 1
    ben 

    Also wenn ihr auf der Rückfahrt noch Platz im Auto habt und euch noch ein Potjie über den Weg läuft ;-)

  2. 2
    Anja 

    Schon geschehen ;-)

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• Donnerstag, Dezember 10th, 2009

…großen Weiten

Neben all den Menschen, die hier leben, gibt es hier auch noch Natur. Und zwar mehr als man sich vorstellen kann. Da wir recht zeitig in Namibia angekommen sind und dem Regen voraus sind, können wir über einige Strecken fahren, die in wenigen Wochen schon unpassierbar sein dürften. Wir fuhren über den Caprivi-Streifen hinein ins Ovambo-Land, dann rauf ins Kaokoveld und runter ins Damaraland, an die Küste, ins Landesinnere und schließlich in den rauen Süden.

1_2_Namibia

Was auffällt sind die Weiten, die das menschliche Auge kaum erfassen kann. Im Norden ist es sehr hügelig und von mancher Bergspitze sieht man bis zum Horizont auf plattes oder bergiges Land. Die Erde ist oft Rot,1_1 darauf grüne Bäume – ein schönes Farbenspiel. Besonders beeindruckend ist der Block von Ruacana nach Angola, wo grüne Wälder einfach nicht aufhören wollen. Kommt man ans Meer, an die Skeleton Coast, dann erschließt sich hier wieder ein anderes Bild. Heller Wüstensand, bewachsene und kahle, kleine Dünen, bedeckter Himmel und ein sehr lebendiges Meer. In Windhoek ist es wiederum sehr trocken und staubig, dafür konnten wir hier seit langem mal wieder Regen auf der Haut spüren. Sossousvlei mit seinen roten Dünen und der Fish River Canyon mit seiner Größe beeindrucken jeden Naturliebhaber.

Zu unserer großen Freude können wir hier auch wieder mit Decke schlafen, denn die Nächte werden kühler. Tagsüber bleibt es allerdings heiß. Die Tage werden auch wieder länger und wir haben mehr vom Tag.

…großen Meinungsunterschiede

In Namibia stellt man sich uns zunächst so vor: „ach, Ihr kommt aus Deutschland? Wir sind auch Deutsche. 5. Generation!“, voller Stolz erfüllt. Dann fragt man uns, woher wir kommen und wir bekommen auf unsere Rückfrage die Antwort: „wir kommen aus Preußen“. Hmm, das ist lange her.

Wenige Tage später geraten wir zu einem Campingplatz, der für sein Essen bekannt ist. Wir hatten eine lange Fahrt hinter uns und wollten nicht lange suchen, zudem sind in der Gegend die Farmen riesig und man muss ewig fahren, bis man zur nächsten Haustüre gelangt. Der Campingplatz glänzte nicht gerade von Schönheit, leider auch nicht der Charakter des Besitzers. Er kümmerte sich sehr um uns, aber nicht so wie wir uns das vorgestellt hatten. Wir bekamen nämlich einen Vortrag darüber, wie schlecht alles sei in Namibia. Schuld ist zunächst die Regierung, die alle Schwarzen bevorzöge und keine Ahnung vom Regieren hat. Hier schwingt Frust mit, zusammen mit der Unzufriedenheit über Regierungen, die man in jedem Land findet. Aber das ließ sich noch steigern. Er ließe sich nicht enteignen, bevor ein ***** (das Wort, das er für “Farbiger” verwendete, schreibe ich hier lieber nicht) sein Land betrete, erschieße er ihn. Kurz darauf hatte er sein Pistolenhalfter umgelegt. Und als wäre das alles nicht genug, die Schwarzen sind ja an allem Schuld. Ein bisschen auch die Südafrikaner. Er verwendete Schimpfworte, die ich nur aus Büchern kannte und Vorurteile, sie mich sehr an eine Zeit in Deutschland erinnerten, die zum Glück schon lange vorbei ist. Ich war erschrocken. Über so viel Engstirnigkeit und dass so jemand herumlaufen kann und mit seiner Meinung harmlose Touristen behelligt. Erschrocken auch darüber, dass ich mir vorstellen musste, dass er wahrscheinlich nicht der Einzige in Namibia ist, der so denkt. Ach ja, sein Plan ist, in Namibia alles aufzugeben und dann zurück nach Deutschland zu gehen (das er in den 60ern verlassen hatte). Ob er da glücklicher wird?

2_1 Ein paar Tage später treffen wir wieder einen Deutschen, der in Namibia arbeitet. Er erzählt und wir erzählen, und wenns um Farbige geht, sind’s die „Neger“. Wie bitte? dachte ich. Mir verging die Lust am Gespräch.

So schön Namibia auch für uns ist, die wir 7 Monate weg sind von zuhause und uns zunächst auf alles „deutsche“ stürzen, wie Kinder im Spielzeugladen, aber wie engstirnig manche Leute sind, die hier leben, hat mein Bild von Namibia ziemlich getrübt.

Namibia zeigte sich uns zu Beginn nicht gerade positiv. Wir hatten solche Menschen, wie ich eben beschrieben hatte, nur in den ersten Tagen getroffen – leider genau die Zeit, in der man sich sein erstes Bild über ein Land macht. Hoch oben im Norden an der Grenze zu Angola, in Windhoek und im Süden hatten wir das nicht mehr erlebt. In Keetmanshoop trafen wir mit dem Manager des Quiver Tree Restcamps sogar mal jemanden, der sagte: „uns geht es hier besser als in vielen anderen Ländern“. Nach unseren Erfahrungen in den ersten Tagen waren wir extrem hellhörig, wenn wir mit jemandem sprachen, der über sich und seine Leben in Namibia sprach und vielleicht waren wir ein wenig überempfindlich. Mag sein, dass uns in anderen Ländern die Leute das gleiche erzählt hätten, wenn sie unsere Sprache gesprochen hätten. Hier hatten wir den Eindruck, dass viele Namibianer denken, in Deutschland ist alles besser und dass sie mit ihrer Meinung auf offene Ohren stoßen. Bei uns waren sie definitiv an falscher Stelle. Ich will Namibia wie es sich uns dargestellt hat, nur ehrlich darstellen. Ich will damit auch nicht ausdrücken, dass in Namibia nur Rassisten leben. Wir trafen ein paar, aber es sind sicher nicht alle so.

…deutschen Touristen

Namibia ist an manchen Stellen leider deutscher als es sein müsste. Es scheint nämlich, dass Namibia DAS Reiseziel Nr. 1 für deutsche Touristen ist. Andere Nationalitäten sind hier kaum vertreten. Wir ziehen diese Touristen an wie ein Magnet. Man sieht unser Nummernschild und schon steht einer am Auto – meist Männer zwischen 50 und 60 – und fragt ganz ungläubig: „ist das Ihr Auto oder ist das gemietet?“ – „Ja, das ist unseres (ist wahrscheinlich nicht unmöglich, aber eher umständlich ein Auto mit deutschem Kennzeichen in Namibia zu mieten)“ – „Haben Sie das hierher geschifft?“ – „Nein, wir sind gefahren.“ – ein ungläubiges Gesicht schaut einen an und dann kommen die Fragen zur Route. „Und, Probleme gehabt?“ – Welche Probleme meint er denn genau? – „Naja, mit dem Auto?“ – Das können wir zum Glück verneinen, der Experte versteht das natürlich, dann Landcruiser sind ja auch in Europa für ihre Robustheit sehr bekannt ;-) – „Und, was geklaut worden?“ – Auch da schaut jeder erst mal komisch, wenn wir erzählen, dass wir meist gastfreundlich aufgenommen wurden und uns noch niemand einen Schaden zugefügt hat, weder uns noch dem Auto. Ein freundliches „Gute Reise“ beendet das Gespräch.3

In irgendeinem Buch haben wir gelesen, dass dem Deutschen nichts peinlicher ist, als im Ausland auf Reisen als Deutscher erkannt zu werden. Aber warum erkennt man sie dann auf den ersten Blick? Vielleicht liegt es am Safari-Look, den hier jeder trägt. Khaki-Hose, kariertes Outdoor-Hemd, Schlapphut oder khakifarbene Baseballcap, helle Socken und beige Schuhe, dazu die Kamera (in allen Größen vertreten) um den Bauch hängend. Jan meinte einmal, dass selbst wir Overlander im Ausland kein gutes Bild abgeben, Einheimische müssen denken, dass man in Europa nur Khaki-Wear oder verschwitze, dreckige Sachen trägt. Das ist nämlich eher das, was wir tragen. :-(

Besonders schön an deutschen Touristen ist, dass man sie jetzt auf einmal so gut versteht. Bisher konnte man das Sprachen-Gebrabbel irgendwie ausblenden, wenn man es nicht hören wollte, hier geht das nicht. Leider wissen die meisten Touristen alles besser und haben überhaupt kein Schamgefühl, wie wir bei einem Besuch im Himba-Dorf feststellen mussten. Da wurde die Kamera auf 1m nah in das Gesicht der „exotischen Fremden“ gehalten. Und dann hinterher im Auto gemeckert, was der Führer alles nicht wusste.

Ich hoffe, mir nimmt von unseren treuen Lesern keiner übel, wie ich hier mit der Gruppe „deutscher Tourist“ abrechne. Ich bin ja selbst einer und versuche es mit Humor zu nehmen. Vielleicht denkt jeder Mal darüber nach, wie er selbst auf einer Reise auftritt (beige Safari Hose, Kamera vor dem Bauch, …) und lacht dann drüber. Wenn dann noch das Gemecker und Bessergewisse aufhört, dann hab ich was erreicht. ;-)

…deutschen Küche

4Nach sieben Monaten reisen durch ferne Länder kommen wir in Namibia unserer Heimat vor allem durchs Essen wieder ein bisschen näher. Wir können hier diverse Sorten Käse kaufen, die keine Cheddar-Art sind, es gibt Wurst wie z.B. Schwarzwälder Schinken, Kochschinken, Salami und in den Restaurants gibt es fast überall Schnitzel auf der Karte. Besonders gut tat es unserem Magen in Swakopmund im Brauhaus, als wir Wildragout mit Spätzle aßen (okay, die Spätzle wurden definitiv nicht von einem Schwaben gemacht, aber sie waren trotzdem okay) und in Outjo, als wir Brötchen mit Wurst und Käse bekamen und dazu eine Schwarzwälder Kirsch Torte.

Es ist schon komisch, wenn man so weit weg von zuhause ist und dann Essen wie aus der Heimat bekommt. Auch wenn wir gerne die lokalen Spezialitäten gekostet hätten, stürzten wir uns in Namibia (nach so langer Entbehrung) auf alles Bekannte.

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• Montag, Dezember 07th, 2009

In Aus hatten wir nicht das Bedürfnis lange zu bleiben. Es war zwar schön hier, aber außer schöner Landschaft gab es nichts. Wobei, doch, es gab diverse Wanderwege, die vom Campingplatz starteten. Sie hatten so nette Namen wie „Schutztruppe-Trail“. Wir fuhren trotzdem nach einer Übernachtung weiter nach Lüderitz.

Familie Weber, unsere Nachbarn

Familie Weber, unsere Nachbarn

Für die 175 km ließen wir uns Zeit, denn gleich nach Aus gab es einen Aussichtspunkt, an dem man die Wildpferde sehen kann, die in dieser Gegend leben. Wie die Pferde hier hin gekommen sind, ist nicht ganz sicher. Man vermutet aber, dass die Schutztruppe sie hier zurückließ, als die Südafrikaner kamen, und sie sich seitdem ohne äußere Einflüsse vermehren. Wir waren erfolgreich am View Point und sahen eine große Herde rund um ein künstliches Wasserloch. Ganz nah stand noch eine Herde Oryx-Antilopen, die allerdings großen Abstand zu den Pferden hielten und sich nur sehr langsam vor trauten.

Namibias Wildpferde

Pferde können auch in Freiheit leben

Die Weiterfahrt nach Lüderitz war landschaftlich erst langweilig und eintönig, dann trist und karg. An die B4 grenzt zudem das Sperrgebiet, vor dessen Betreten wir von verschiedenen Stellen gewarnt wurden. Angeblich hat die NAMDEB, die namibische Diamanten-Gesellschaft, den Boden mit Sensoren übersäht, mit denen sie erkennen können, ob ein Strauß (=ungefährlich) oder ein Auto oder Mensch (=Gefahr) die Grenze überschreitet. Ob das stimmt, wissen wir nicht, denn wir hatten zu viel Respekt, um es mal auszuprobieren.

Luederitz_08

Kurz vor der Küste sieht man große Flächen mit flachen Dünen auftauchen, die durchsetzt sind mit mondlandschaft-artigen Felsen. Dass Lüderitz nicht allzu viel bietet, wusste ich noch von meinem letzten Besuch, und wir waren schon gegen 14 Uhr am Ortseingang. Daher fuhren wir erst mal auf die Halbinsel und zum dort gelegenen Leuchtturm. 2005 erlebte ich diesen Punkt noch als extrem windig, sogar so windig, dass es mich fast vom Aussichtspunkt Diaz Point geblasen hätte. Heute zeigte sich der Ort von seiner schönen Seite: sonnig, aber kühl. Wir genossen die frische Luft und fuhren noch ein paar Aussichtspunkte an. Am südlichsten Punkt der Halbinsel liegt „Große Bucht“ mit einem laut Lonely Planet „pittoresque“ Schiffswrack. Macht euch selbst ein Bild:

Pittoresque Shipwreck

Pittoresque Shipwreck

Lüderitz Peninsula

Halbinsel vor der Stadt

Dann gings nach Lüderitz rein und auf die Suche nach einer Unterkunft. Wir fragten im Hansa Haus Guesthouse, da sagten uns aber die Zimmer nicht zu. Das Lüderitz Backpackers war ziemlich verlassen und bot zudem keine Möglichkeit, das Auto im Innenhof abzustellen, da das Tor nicht weit genug aufging. Als letztes fuhren wir zum Kratzplatz, was dann unser Heim wurde. Willi konnte im Innenhof parken, unser Zimmer war riesig, mit Fernseher und Kühlschrank und gegen ein geringes Entgelt gab es noch High Speed WLAN dazu. Den Rest des Nachmittages genossen wir auf der Veranda vor unserem Zimmer und surften im Netz. Ein Luxus, den wir lange entbehren mussten. Gemäß unserer selbstgemachten Tradition gab es noch einen Christstollen (ohne Kerze) zum zweiten Advent.

Am Abend wollten wir uns etwas gönnen und gut Seafood essen gehen. Wir suchten uns ein Restaurant aus dem Lonely Planet und liefen los. Laut Plan hätte Ritzi’s Seafood gleich um die Ecke sein sollen, wir fanden es jedoch nicht, da wir die Karte nicht mitgenommen hatten. Sonntags werden in Lüderitz die Gehsteige gar nicht erst wieder runtergeklappt. Alles hatte zu und außer ein paar Jugendlichen war kein Mensch auf der Straße. Wir liefen um viele Ecken und fast durch alle Straßen des Dorfes und fanden am Ende unsere Wanderung das Bogenfels Restaurant. Hier gab es auch Fisch und das Restaurant war gut besetzt, wir waren also guter Hoffnung. Leider wurden wir enttäuscht. Jörgs Steak war zäh wie Leder und nach dem Prinzip „Masse statt Klasse“ gekocht, mein Seehecht schmeckte nach nichts und ich bekam statt dem gewünschten Reis Pommes. Wenigstens zählt Lüderitz für uns zu den harmlosen Städten und wir hatten keine Sorge, im Dunkeln wieder nach Hause zu laufen.

Das Frühstück am Kratzplatz war einfach, aber sättigend. Wir waren die einzigen Gäste im Frühstücksraum und hatten das Gefühl, total außerhalb der Saison hier zu sein. Es bestätigte aber unseren Eindruck vom gestrigen Abend: in Lüderitz ist einfach tote Hose.

Wir flohen nach Kolmanskop, um etwas zu erleben. In der Geisterstadt wurden vor knapp über hundert Jahren Diamanten gefunden und sie durfte eine kurze Boom-Phase erleben. 1956 war es dann endgültig vorbei und die Stadt wurde der Natur zurückgegeben. Heute ist es ein Museumsdorf und Touristen können versuchen, das Flair der Stadt zu schnuppern. Nach der ca. einstündigen Führung

eine “echte” Lüderitzerin führte uns durch die Häuser

eine “echte” Lüderitzerin führte uns durch die Häuser

liefen wir alleine herum und schauten in das ein oder andere Gebäude und gingen in die Ausstellung über gescheiterte Versuche, Diamanten aus dem Sperrgebiet zu schmuggeln. Der sehr interessante Vormittag endete hier um 13 Uhr, da macht nämlich alles in Kolmanskop zu. Wir malten uns aus, dass dann Schichtende bei den Arbeiten des Sperrgebiets ist und dass man vermeiden will, dass Arbeiter und Touristen dann zusammentreffen. Es gab ja schon die phantasievollsten Versuche, Diamanten aus der Gegend zu schmuggeln.

Kolmanskop

Lebendiges Diamantenstädtchen

Wir fuhren wieder auf die Lüderitz Halbinsel und gingen geocachen. Der Cache war einfach und schnell gehoben. Wir wurden sogar unseren Travelbug los, den wir schon seit 1,5 Jahren mit uns herumfuhren, was natürlich nicht beabsichtigt war, aber irgendwie einfach passiert ist. Er sollte einem guten Zweck dienen und ein Rennen um die meisten zurückgelegten Kilometer gewinnen. Die Kilometer hätte er durch unsere Reise bestimmt zusammen bekommen, aber wir haben ihn zu spät abgesetzt. Es tat uns richtig leid. Den Travelbug, den wir dafür aus dem Cache herausnahmen, versuchen wir so schnell wie möglich wieder abzusetzen, damit wir den Fehler kein zweites Mal begehen.

Am Abend gaben wir Lüderitz und seinen Restaurants eine zweite Chance und gingen wieder die Straßen ab. Diesmal hatte Ritzi offen – hurra! – und wir wurden hier von wirklich leckerem Essen überzeugt. Ich hatte Seezunge, Jörg aß ein Rumpsteak, diesmal beides ein voller Erfolg. Zusammen mit einem Wein versöhnten wir uns mit Lüderitz, waren aber dennoch froh, morgen die Stadt wieder zu verlassen. Es war uns hier irgendwie zu einsam und zu abgelegen für eine Stadt, die in der Landkarte größer geschrieben wird als andere Örtchen in Namibia.

 

 

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• Samstag, Dezember 05th, 2009

Am Freitag, den 4. Dezember setzten wir unsere Reise durch Namibia fort. Alexander aus dem Londiningi gab uns ja eine ausführliche Routenbeschreibung und so konnten wir nichts falsch machen.

Map_Spreetshoogte_01

Die ersten 80 Kilometer führten uns auf einer geteerten Straße in den Süden, dann bogen wir ab auf eine Piste Richtung Westen. Hier herrschte wieder Einsamkeit. Es war kein Mensch auf der Straße zu sehen und rechts und links sah man nur Farm-Zäune. Wir überquerten fast ohne es zu merken den Wendekreis des Steinbocks und verließen damit die Tropen. Es gab dafür kein Schild, nur die Anzeige im GPS Gerät. Nach ca. 3 ½ Stunden erreichten wir den Spreetshoogte Pass mit seiner atemberaubenden Aussicht.

Spreetshoogte Pass

Super Geheimtip

Es folgte ein steiler Abstieg in das Tal, das kilometerbreit war, rechts begrenzt von flacheren Bergen und roten Dünen, links eine steile Bergkante. Irgendwann flachte die Bergkante ab und wir fuhren zwischen Bergen und entfernten Dünen, ein kleiner Vorgeschmack auf Sossousvlei.

Nach Spreetshoogte im Tal

Nach Spreetshoogte im Tal

Solitaire ließen wir rechts liegen und folgten den Ausschilderungen nach Sesriem. Dort angekommen versuchten wir erst in einer Lodge unser Glück, denn nach Alexanders Beschreibung sollte es noch vor dem Parkeingang ein Camp geben. Mit Camping außerhalb und in der Nähe des Gates waren wir allerdings erfolglos und so fuhren doch in den Park. Fürs Übernachten und den Park zahlten wir insgesamt 320 N$, nicht billig, aber der Campingplatz war groß und mit großzügigen Plätzen für Autos angelegt. Diese Plätze waren alle mit Steinen eingezäunt, enthielten einen Braai Platz, Strom und Licht und in der Mitte ein großer Schatten spendender Baum.

Nachdem wir eine Weile brauchten, um unser Auto unter dem Baum zu platzieren, so dass wir nicht die ganzen unteren Äste abrissen und trotzdem noch das Dach aufmachen konnten, entschlossen wir uns kurzerhand, für ein paar schöne Abendbilder noch in den Park zur Düne 45 zu fahren. Um uns aus unserem Campingplätzchen herauszufädeln, brauchten wir wieder 15 Minuten, denn diesmal verfing sich ein Ast in unseren Reifen-Strippen. Dann aber ging eine lange, jedoch wunderschöne Fahrt durch die Dünen los. Man braucht ungefähr 60 Kilometer, bis es spannend wird und die ersten Dünen anfangen. Dieser Umstand und die Geschwindigkeitsbegrenzung machten es etwas schwierig, den Park von Anfang an toll zu finden. Die Menge und Schönheit der Dünen entschädigt dann aber für vieles.

Sossousvlei am Abend

Dünenlandschaft im Abendlicht

Der Vogel hat keinen Platz auf unserem Auto…

Der Vogel hat keinen Platz auf unserem Auto…

Bei der Fahrt raus entdeckten wir noch rätselhafte Kornkreise

Bei der Fahrt raus entdeckten wir noch rätselhafte Kornkreise

Um 20:30 Uhr mussten wir wieder aus dem Park draußen sein, was wir durch eine leichte Überhöhung des Tempolimits erreichten. Blitzer haben die dort zum Glück noch nicht aufgestellt. Als wir wieder zurück unter unserem schützenden Baum standen, begannen wir das Grillen. Wir hatten uns bei Hartlief ein Braai-Pack gekauft, von dem wir jedoch enttäuscht wurden. Das Fleisch war nicht von bester Qualität, aber essbar. Dazu gab es Spanish Omelett, von dem wir den Großteil fürs Frühstück übrig ließen. Als wir fertig waren, kam uns sogar ein Schakal besuchen. Ich habe mich ganz schön erschrocken als ich das kleine Raubtier in unserem Revier sah. Die Lampe, die wir ihm ins Gesicht hielten, fand er allerdings nicht so witzig und haute schnell ab.

Den nächsten Tag begannen wir nach National-Park-Codex um 5 Uhr, damit wir möglichst zum Sonnenaufgang im Park sind. Das innere Gate öffnete sogar kurz nach 5 Uhr, sodass wir das geschafft hätten, aber wir brauchten unsere Zeit und so kamen wir erst um 6 Uhr zum Tor. Leider genau der Zeitpunkt, zudem auch das äußere Gate öffnete, wo sich bereits eine Schlange gebildet hatte. Wir wurden überholt von einigen Autos, allen voran ein Bus mit deutschen Touristen (ich weiß das, weil wir sie später natürlich auch in den Dünen wiedertrafen). Man muss ja immer Erster sein…

Nach 80 Kilometern war der Parkplatz vor dem 4WD-Track Richtung Deadvlei erreicht. Hier steigen Bus-Touristen und Leute ohne Allradfahrzeug in Shuttles um, die einen zum nächsten Parkplatz bringen, der Ausgangspunkt ist für Dünenwanderungen. Das ausgetrocknete Flussbett war selbst mit unseren ziemlich vollen Reifen (3 bar) nicht schwer zu durchfahren, sodass wir nach ca. 10 Minuten da waren. Wir parkten und liefen zu der Düne, die ich 2005 schon bestiegen hatte. Mit Jörg machte der Aufstieg mehr Spaß :-). Durch die viele Fahrerei sind wir etwas ungelenk geworden, was besonders mir zu schaffen machte. So eine Düne kann verdammt hoch sein (ich hab gelesen, die war so etwa 150m hoch).

 

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Sossousvlei am Morgen

Dünenlandschaft am frühen Morgen

Oben angekommen, genossen wir eine Weile die Ruhe und Aussicht, bevor die deutschen Touristen am Kamm einfielen und es etwas ungemütlich machten. Jörg und ich sprangen sanft die Düne runter, denn runter machts viel mehr Spaß als hoch.

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Danach hatten wir bergeweise Sand in den Schuhen und mussten sie erst mal ausleeren.

Dünen im Schuh

Dünen im Schuh

Jörg hatte noch die Energie weitere Dünen zu überqueren, um sich das Deadvlei näher anzuschauen.

Deadvlei

Tot? Auf keinen Fall!

Ich ging ein Stück mit, sah aber den richtigen Weg nicht, war total fertig und keine Energie, noch mehr Dünen in der sengenden Hitze zu überqueren. Ich drehte somit um. Ich brauchte ein kleines Schläfchen, denn ich sollte noch weiter fahren und wollte dann nicht über dem Steuer einnicken. Nach 10 Minuten war mein Nickerchen im Auto um, denn da stand ein Fan am Fenster. „Wow“ und „Amazing“, hörte ich und wachte auf. Dann fragte er mich durchs offene Fenster, ob wir mit dem Auto aus Deutschland gekommen wären und welche Länder wir durchquert haben und und und. Ich wurde mit Fragen gelöchert bis Jörg kam und mir beistand. Wir aßen mit den begeisterten Amerikanern ein kurzes Frühstück und fuhren dann los. Mitten im Tiefsandfahren wurden wir von einer Frau aufgehalten, die aus ihrem Auto ausstieg und uns wild zuwinkte. Ich dachte, die hat ein Problem und hielt an, obwohl ich so gut im Fluss war. Die Frau kommt zu unserem Fenster und sagt: „wir wollten mal die Hannoveraner sehen, wir kommen auch aus Hannover!“ Ich dachte, mich trifft der Schlag. Deswegen hält sie uns auf? Kann sie in ihrer Heimatstadt nicht genügend Hannoveraner beobachten? Nach wenigen Sätzen freundlichen Smalltalks durften wir weiterfahren und wurden bis zum Parkausgang auch nicht mehr aufgehalten.

An die Namibia-Kenner: Ist das ein Toktokkie?

An die Namibia-Kenner: Ist das ein Toktokkie?

Danach trennte sich sowieso der Weg und wir fuhren die Strecke, die wohl eher wenig befahren wird. Uns kamen auf dem gesamten Stück bis Aus vielleicht eine handvoll Autos entgegen. Auf der D707, einer schönen Panoramaroute tauschten wir wieder die Fahrer, da meine Energie nicht mehr zum Fahren ausreichte. Das frühe Aufstehen, kein Frühstück und erst mal Wandern tat mir gar nicht gut. Ich bin ja auch im Urlaub und einen anderen Rhythmus gewöhnt. ;-)

Die Landschaft änderte sich hier schnell. Zu Beginn war es noch bergig und es gab viele flache und auch hohe Dünen. Im Namib Naukluft Park, den wir dabei durchquerten, sahen wir auch immer mal wieder kleine Herden Oryx, Zebras oder Strauße. Dann wurde es grasiger und die Dünen verschwanden. Dafür nahmen die Kontraste zu: gelbe Stroh-Wiesen, graue schroffe Berge, tiefblauer Himmel.

Die D707 endet etwa 60 km vor Aus, wo wir eine vielbesuchte Location anfuhren: das Klein-Aus Vista. Hier werden Zimmer und auch Camping angeboten. Der Campingplatz ist zwischen Bergen gelegen und recht idyllisch. Nach unserer Ankunft mussten wir erst mal duschen, bevor wir uns ans Feuermachen machten. Heute tauschten wir mal die Rollen. Ich spielte Grillmeister, Jörg den Koch und die Putzfrau (gut, das Auto wischt Jörg immer lieber aus als ich). Nach ein paar Anfangsschwierigkeiten hatten wir aber doch ein gutes Feuer und konnten unseren zweiten Teil vom guten Hartlief-Fleisch essen. Diesmal war das Fleisch ausgezeichnet und wir waren danach zufrieden und satt.

Der Sternenhimmel war hier atemberaubend schön. Man konnte die Sterne so lange klar und deutlich erkennen bis der Mond aufging. Das war für uns der Zeitpunkt, ins Bett zu gehen. Hier wird nachts schon kühler und man muss sich wieder aneinanderkuscheln, wenn man nicht frieren will.

 

 

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One Response

  1. 1
    ben 

    Ich bin zwar kein Namibiakenner … habe aber das Wissen der Welt vor mir stehen. Unter http://images.google.de/images?hl=de&um=1&sa=X&oi=spell&resnum=0&ct=result&cd=1&q=Tok+Tokkie&spell=1&start=0 gibt es ja einige Bilder dieser Tierchen. Einige sehen so aus wie das Eurige. Insofern eine ganz klare Antwort: Ja es könnte sein, dass dies ein Toktokkie ist :-) Hoffe das hilft.
    Viele Grüße!

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• Donnerstag, Dezember 03rd, 2009

Die restlichen Tage in Windhoek blieben wir im Rivendell Guesthouse und wir blieben doch länger als gedacht. Im Rivendell gefiel es uns gut. Die Zimmer waren gemütlich eingerichtet und mit einer Gemeinschaftsküche hatte das Guesthouse bei uns einen Bonus.

Den Sonntag verbrachten wir ganz gemütlich auf dem Zimmer und am Pool. Ich bloggte, Jörg unterhielt sich mit Michael und Elmar. Pünktlich zu den Sonntags-Fussballspielen kam er herein und wir hörten uns über eine gute UMTS-Verbindung erst das Stuttgart-Spiel an – ich sparte mir die kostbaren MB als es 3:0 für Leverkusen stand – dann das Hannover-Spiel – aber auch hier brachen wir die Verbindung nach dem 3:0 gegen Bayern ab. Hier im fernen Windhoek kommt bei uns am 1. Advent keine richtige Weihnachtsstimmung auf. Die Regale in den Supermärkten sind das einzige, das uns daran erinnert. Wir versuchen trotzdem ein bisschen Tradition zu wahren und essen jetzt jeden Sonntag einen Stollen. Ein Christstollen ist hier überall zu kaufen, Adventskränze gibt es nicht. Citronellakerzen fanden wir zu stillos, sodass wir den Stollen ganz ohne Kerzenlicht dazu aßen.

Am Montag dann kam ich gar nicht richtig in Fahrt. Die Fragerei in den Werkstätten nach einem schnellen Termin war erfolglos. Ich war den ganzen Tag müde und wollte nur noch ins Bett zurück. Da half nicht mal das Shopping des Tages: Campingläden. Wir kauften einen dreibeinigen Potje [sprich: Poikie] und weiteres Grillzubehör, dann ging es endlich wieder zurück ins Rivendell, wo ich einen ausgiebigen Mittagsschlaf machen konnte.

Den Dienstag begannen wir schon aktiver. Wir fuhren mit dem Gemeinschaftstaxi in die Innenstadt, um dort zu Fuß die letzten Sightseeing Points abzulaufen. Eigentlich war auf unserer Liste nur noch die Post Street Mall übrig und die ist mit den umliegenden Straßen mehr ein Shoppingparadies als eine Sehenswürdigkeit. Wir genossen das große Angebot und gingen uns neues Guthaben für unseren Internet-Stick kaufen, beim Optiker Jörgs Brille anpassen, Klamotten und Bücher ansehen – und da traf uns doch schier der Schlag: in einem der Buchläden fanden wir die englische Übersetzung von Hitlers „Mein Kampf“ (hier ist der Beweis). Dass manche Namibier eine etwas rückständige Einstellung haben, haben wir schon früh erkennen müssen, aber dass hier derartiges Schundwerk verkauft wird, hat uns richtig schockiert. Wir liefen noch weiter durch die Souvenirshops und beendeten unsere Stadtwanderung im Craft Center zwischen der Tall Straße und Independence Avenue. Julia, meine Cousine, nannte mir zum Glück rechtzeitig, den Namen eines Freundes, der dort ein Café führt. Im Craft Café tankten wir mit Eistee, einem wirklich großen Kaffee, Apfelcrumble und Käsekuchen auf. Roland trafen wir leider nicht an, wir hinterließen ihm dafür ein Kärtchen mit einer Nachricht von uns. Dass es auch ankam, hat uns sehr gefreut – danke für den Kommentar, Roland!

Am Mittwoch mussten wir früh aufstehen, damit wir rechtzeitig in der Werkstatt von Reimund aufschlagen. Um 8 Uhr waren wir schon da und führten unser Liste an möglichen Reparaturen vor. Neben einer Schmierung und Ölung aller notwenigen Teile, gab es noch weitere Notwendigkeiten: wir hatten in der Hecktüre ein Scharnier verloren (eigentlich hatte sich nur eine Schraube herausgerüttelt, das Scharnier jedoch klemmte nun hinten in der Türe und da bekamen wir es nicht heraus) und beim Schalten traten komische Geräusche auf, dem sollten die Mechaniker auf den Grund gehen. Reimund fuhr uns zum Zeitvertreib in eine nahe gelegene Mall, in der wir uns in ein Café setzten. Irgendwie war das aber nicht befriedigend und Shopping im Game machte allein auch nicht dauerhaft glücklich. Wir registrierten, dass Reimund uns versuchte anzurufen und eilten zurück zur Werkstatt. Da angekommen überraschte man uns mit einem „das Auto ist fertig“, dabei war es gerade mal 10:30 Uhr, „aber die Kardanwelle hat einen Schaden“. Ja, was nu? Wir malten uns aus, was passieren könnte, wenn wir es nicht reparieren und entschieden, es doch machen zu lassen. Dazu brauchte die Werkstatt wieder Zeit, die wir im uns bereits bekannten Maerua Shopping Center vertrieben. Um 16 Uhr gingen wir wieder zurück zur Werkstatt, wo unser Willi immer noch auf die Kardanwelle wartete. Störte uns aber nicht, denn wir gingen einfach nochmals für eine Stunde shoppen in die Stadt. Reimund war so freundlich, uns – wie die Male zuvor – zu dem Ziel unserer Wahl zu kutschieren. Ein Straußenei hatte sich in meinen Kopf eingebrannt und ich konnte die Stadt nicht verlassen, ohne es mitzunehmen. Als wir zum dritten Mal wieder kamen, war die Kardanwelle gerade eingebaut und Reimunds Sohn fuhr mit unserem Auto eine Probefahrt. Willi nahm das neue Ersatzteil an und nach einem kleinen Schwätzchen mit Reimund und Peter fuhren wir noch ein letztes Mal Reiseproviant einkaufen und dann nach Hause ins Rivendell. Um 19 Uhr kamen wir dort an und waren geschafft vom Tag. Wir hatten nichts für unsere Weiterfahrt vorbereitet, kein Packen, kein Routenplanen und wir hatten absolut keine Lust mehr dazu. Wir änderten den ursprünglichen Plan, morgen zu fahren und beschlossen noch einen Tag zu bleiben.

Der Donnerstag war also endlich unser letzter Tag in Windhoek. Nach dem gemütlichen Frühstück packten wir das Auto soweit es bis hierhin ging und fuhren mal wieder los, Geld auszugeben. Heute wurde allerdings außer Fleisch beim deutschen Metzger Hartlief nichts gekauft. Die übrig gebliebenen Campingläden der Cymot-Gruppe gaben nichts mehr her und wir waren gar nicht so undankbar. Unser Budget hat genug gelitten in Namibias Hauptstadt. Auf dem Rückweg waren wir noch tanken und lernten dabei fassungslose Tankwarte kennen, die überhaupt nicht glauben wollten, dass wir so weit gefahren waren. Am Nachmittag lagen wir noch am Pool und genossen ein paar entspannte Stunden.

[Jörg:] Windhoek reiht sich somit ein in die Orte, an denen wir eine ganze Woche oder länger verweilten: Istanbul, Ölüdeniz, Aqaba, Kairo, Addis, Nairobi, Jinja und Dar-es-Salaam / Sansibar. Nach fast acht Monaten der neunte Ort. Ist das nun viel oder wenig? Vor vornherein geplant war dies nur bei Istanbul und Kairo, ein wenig zu lang fanden wir es allenfalls bei zwei Orten (Addis und Jinja), würden wir es wieder so machen? Jederzeit! Damit ist es für uns wohl weder zu viel noch zu wenig, sondern genau richtig.

 

 

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• Montag, November 30th, 2009

Aus dem Londiningi mussten wir gestern leider ausziehen, da die Besitzer Nathalie und Alexander leider kein Zimmer mehr für uns für die folgenden Tage haben. Wir haben uns heute noch lang mit Alexander unterhalten. Er gab uns wertvolle Tipps für die Weiterfahrt und Anja bekam sogar noch ein deutschsprachiges Buch zum Abschied geschenkt. Der Abschied fällt schwer, hier hat ’s uns sehr gut gefallen und man hat sich unser äußerst fürsorglich angenommen. Kein Wunder, dass dies Guesthouse derzeit auf Platz 1 im Tripadvisor ist.

Bevor wir unser neues Quartier, das Rivendell Guesthouse (S 22° 32.696’, O 17° 05.353’), bezogen, haben wir uns noch die Sehenswürdigkeiten Windhoeks (ursprünglich: „windige Ecke“) angeschaut: das alte Obergericht, den Bahnhof mit den alten Lokomotiven und Wagons davor, die „Turnhalle“, den Werth Lookout, das schmucke Gebäude der Kaiserlichen Landvermessung, den Gathemann’s Komplex, das alte Amtsgericht, das State House, das Ludwig-von-Estorff-Haus, die Christuskirche, den Tintenpalast, die alte Feste, die Kaiserliche Realschule, die kleinen Schlösschen um die Sanderburg und natürlich – man scheint anscheinend nicht in Windhoek gewesen zu sein, wenn man nicht hier gewesen ist – Joe’s Beer House, wo wir allerdings bereits vorgestern Abend waren.

Windhoek

Windige Ecke

Ebenfalls bereits Samstag kümmerten wir uns um einen Wartungstermin für unseren Willi, doch sowohl bei Toyota Pupkewitz als auch bei Ritter’s Toyota war leider nur der Verkauf offen, kein Service. Wir mussten also heute wieder vorstellig werden, nur um zu erfahren, dass bei Pupkewitz diese Woche gar nichts mehr frei ist und Ritter erst am Freitag einen Slot zur Verfügung hätten. Glücklicherweise hatten Michael und Elmar, zwei Deutsche, die die gemeinsame Liebe zum Reisen in Namibia teilen, uns noch einen Tipp gegeben: den VK Workshop von Reinhard in der Nähe vom Savanna Car Hire bei S 22° 34.715’, O 17° 04.959’. Keine Toyota-Vertragswerkstatt, doch vollkommen ausreichend fürs Einfetten und die kleineren Reparatürchen, die wir benötigen. Reinhard hat immerhin einen Termin Mittwochfrüh für uns ermöglicht und so schauen wir mit Spannung diesem Tag entgegen. Spätestens Donnerstag planen wir dann weiterzufahren.


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2 Responses

  1. 1
    Roland 

    Hi Anja & Joerg

    habe Euere Karte im Cafe vorgefunden. Leider bin ich jetzt zu spaet dran, dass wir uns treffen koennten, denke ich. Trotzdem vielen Dank fuer die Gruesse von Julia. Solltet Ihr ja vielleicht doch nochmal nach Windhoek reinkommen, dann meldet Euch doch bitte: +264 (81) xxxxxx oder
    +264 (61) xxxxxx

    Alles Gute fuer Euere weitere Reise, wenn ich mal mehr Zeit hab, schau ich mir die webpage nochmal genauer an.

    Ciao

    Roland

  2. 2
    kaschidH 

    Hallo Ihr Zwei,

    ich nehme mal an, dass ihr mal wieder netzlos unterwegs seid oder Euch eher auf der Facebook-Basis tummelt. Trotzdem Euer Wetter scheints so gar nicht weihnachtlich ist, wünschen wir Euch schöne Weihnachten. Ich nehme nicht an, dass ihr Euch gegenseitig die dicken Geschenke machen werdet – die Reise an sich ist glaube ich das größte -, so dass sich der Weihnachtsmann aller Ruhe hier tummeln kann. Hier hat er auch Schnee und am WE waren so rund 15 Grad unter null… Wir hoffen also auf weiße Weihnachten… Gruß von Silvia, Karsten, Svea und ? ;-) mit Ronja…

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• Freitag, November 27th, 2009

Über 31’000 km haben sie gehalten – 20’800 km davon auf afrikanischen Straßen, wobei ca. ein Drittel dieser „Straßen“ unasphaltiert waren und wir bei manchen Kilometern auf Asphalt uns lieber auf eine ordentliche unasphaltierte Piste gewünscht hätten, da diese besser gewesen wären als diese Schlaglöcher –, doch nun müssen auch wir unseren ersten Reifenschaden vermelden. Mit unseren BFGoodrich Mud-Terrain-Reifen sind wir bisher äußerst zufrieden. Anstandslos haben sie stets alles mitgemacht und wenig aufgemuckt, so wenig, dass wir bequem wurden und unser Kompressor schon Staub ansetzte. (Im übertragenen Sinne – wörtlich hat bei uns mittlerweile jedes Teil Staub angesetzt und die meisten Ecken sind gut sandgestrahlt.)

Wir fuhren von der Dunedin Guest Lodge los und wollten nur noch Tanken als uns ein Tankwart auf unseres rechtes Hinterrad aufmerksam machte. Arg bauchig sah der Reifen aus, zu arg! 1 bar war noch drauf… Mit der Hilfe von freundlichen BP-Mitarbeitern war der Reifen schnell gewechselt und der Druck bei allen vier geprüft. Glücklicherweise war es nur der eine, der in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Wir sind nun in Windhoek angekommen und bleiben zumindest für zwei Nächte in dem Londiningi Guesthouse (S 22° 32.692’, O 17° 05.348’); morgen schauen wir erstmal, wann unser Willi gewartet werden kann. Zu unserem Erschrecken führte unser Weg in Windhoek über die Robert Mugabe Road. Da hätte ich Namibia doch für deutlich aufgeklärter gehalten… (Wobei Anja zum Thema Aufklärung und Namibia noch ausführlich in dem Resümee eingehen wird.)

Die Fahrt heute war recht eintönig; wir wollten ursprünglich über den Boshua Pass, kamen dann aber erst recht spät los und haben uns dann zugunsten der weiteren, aber schnelleren Strecke entlang der B2 entschieden. Es hat ordentlich geregnet während der Fahrt. (Das ist die zweite große Neuigkeit, allerdings hat diese Schlagzeile auf uns wahrscheinlich wesentlich mehr Sensationscharakter als auf euch Daheimgebliebenen. ;-) ) Hier im Guesthouse angekommen, hörten wir den kaputten Reifen vom Dach herunter zischeln und man sah den Schaden recht schnell dank der Luftbläschen, die sich auf dem nassen Reifen bildeten.

Auch um diesen müssen wir uns hier also kümmern. Wir wollen doch schließlich den Nicht-Asphalt-Kuchenanteil noch vergrößern…

 

&n

bsp;

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• Donnerstag, November 26th, 2009
The Brandberg itself

The Brandberg itself

Nach dem Frühstück sind wir in noch schnell auf die andere Straßenseite vom Brandberg Rest Camp, um vom Supermarkt für uns etwas Wasser und von der angegliederten Tankstelle für Willi etwas Diesel zu holen, und sind dann auf Richtung Messum Krater. Anfangs war es noch eine ordentliche Piste, danach konnte man mehr Spaß haben… ;-)

Das Navi sagt "Off Road bis unbefestigte Straße" -- ist das nicht herrlich ;-)

Das Navi sagt "Off Road bis unbefestigte Straße" -- ist das nicht herrlich ;-)

Der Krater entstand lange vor uns durch einen kollabierten Vulkan und beherbergt eine eindrucksvolle, aber zugleich auch abwechslungsarme Landschaft. So zumindest für unser ungeschultes Auge. Das Herz des Fachmanns wird beispielsweise beim Anblick der Lichen Fields sicherlich höher schlagen; wir dagegen müssen leider zugegeben, dass wir zu dem Zeitpunkt nicht mal sicher waren, ob wir diese korrekt identifiziert hatten. Dank des Internets wissen wir nun: Wir haben!

Messum Krater

Offroad Fahren in Namibia

Durchstoss zum Atlantik

Durchstoss zum Atlantik

Von dem Krater ging es dann schnurstracks zum Meer und dann sahen wir ihn endlich auch: den Atlantik. Gut, er ist nicht das Ziel unserer Reise – von Deutschland aus hätte es wahrlich kürzere Wege gegeben… –, aber ich war dennoch angetan, endlich mal wieder Meer mit ordentlichen Wellen zu sehen, eine Brandung zu hören, leicht salzige Luft zu riechen und eine „steife Brise“ auf der Haut zu spüren. Mit drei Worten: Ich war begeistert!

Cape Cross

Ohrenrobben

Die Begeisterung nahm auch nicht ab, als wir bei Cape Cross auf die Robbenkolonie (Parkplatz bei S 21° 46.291’, O 13° 57.140’) stießen und der Salzgeruch dank der unzähligen Robben von einem wenig schmeichelhaften Odeur überlagert wurde. Im Gegenteil! Die Küste ist halt doch eher meins. Das Wetter hatte sich überhaupt sehr zügig gewandelt in den letzten Kilometern: Der Hochnebel und der Wind ließen die Temperaturen um ca. 10° C fallen und die hohe Luftfeuchtigkeit war für uns gleichermaßen ungewohnt.

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Nach diesen zwei Zwischenzielen ging es nun aber in einem durch nach Swakopmund. Die Straße ist aus Salz, da alle anderen Materialen der Witterung hier an der Skelettküste nicht trotzen können. Wir kennen ja nun schon einige Materialen im afrikanischen Straßenbau, doch dies ist ein Novum für uns. Es fuhr sich aber einwandfrei, wenn Anja es nicht zuvor gelesen hätte, ich hätte es wahrscheinlich für alten Asphalt gehalten.

In Swakopmund fuhren wir das Dunedin Guest House (S 22° 40.577’, O 14° 31.896’) an, das glücklicherweise auch noch ein Doppelzimmer für uns für die nächsten Tage parat hatte. Zudem empfahl der Lonely Planet das Brauhaus mit „German-style beer and excellently prepared beef and seafood“. Na, das ließen wir uns natürlich nicht zweimal sagen und so inspizierten wir das Brauhaus, um die hiesige Einhaltung des Reinheitsgebots zu prüfen. ;-) Anja aß Wildragout mit Spätzle, die ihrer Meinung nach jedoch in Ländle nicht einmal als „Päckle-Nudeln“ durchgehen würden, und ich aß Schweinebraten mit Rotkraut und Semmelknödel. In Deutschland wäre das wahrscheinlich weniger unser Favorit im Sommer gewesen, hier jedoch – nach mittlerweile fast acht Monaten Entzug (sieht man mal von Selbstgekochtem und der „German Corner“ im Village Market in Nairobi ab) – aß ich sogar die Kruste… ;-) Bei unserem Weg zum Brauhaus zeigte Swakopmund ein ganz eigenes Farbenspiel in der Dämmerung: Waren wir bisher kurze Dämmerungsphasen gewohnt, wo auf taghell schnell stockfinstere Nacht folgte, erhellten hier die Lichter der Stadt und deren Reflektionen durch den Hochnebel und die hohe Luftfeuchtigkeit den Äther. Ich fühlte mich an Skandinavien erinnert, wenn es in den Wintermonaten gar nicht hell werden mag, sondern allenfalls ein fahler bernsteinfarbener Glanz die Gassen matt und müde anstrahlt.

Den nächsten Tag teilten wir in Pflicht und Kür: Vormittags hatten wir uns Willi putzen und Bloggen als Pflichtprogramm auferlegt, nachmittags dagegen hatten wir frei und durften Swakopmund erkunden. Unser Rundgang umfasste die leider verschlossene evangelisch-lutherische Kirche (ganz in der Nähe unseres Dunedin Guest House), die alte deutsche Schule, den alten Bahnhof, die einzig übrig gebliebene Litfass-Säule ;-) , das Franziskaner Krankenhaus, das alte Amtsgericht sowie das alte Kaiserliche Bezirksgericht, den Leuchtturm, das Swakopmunder Museum, die Mole, das Woermannhaus, das hiesige Aquarium, das Prinzessin-Ruprecht Heim, die alte Kaserne, das Hohenzollern Haus, das alte Gebäude der Deutsch-Afrika Bank und damit hatten wir auch so ziemlich alles gesehen, was Skakopmund an Sehenswürdigkeiten zu bieten hat. ;-)

Swakopmund

Deutsches Dörfchen in Afrika

Was uns jedoch weitaus mehr beeindruckte als die Sehenswürdigkeiten, waren die Kleinigkeiten und das, was man vielleicht gar nicht mal aktiv wahrnimmt, was jedoch den gemütlichen, unschuldigen Charme dieser Stadt ausmacht. Deutsch scheint hier weitaus verbreiterter als Afrikaans und wir fühlten uns nahezu permanent an eine norddeutsche leicht-verschlafene Kleinstadt an Nord- oder Ostsee in der Nebensaison erinnert. Ich meinte zu Anja, dass, wenn Namibia gesetzt sei, ich mir Swakopmund als Lebensort eigentlich sehr gut vorstellen könnte, doch sie ließ mein Gedankenkartenhaus schnell wieder in sich zusammenfallen – ein lapidarer Hinweis auf die zahlreichen schwarz-weiß-roten Devotionalien in den Schaufenstern hatte ausgereicht.

Im „Greenland“ haben wir uns die Potjes nochmals genauer angeschaut… Wir wollen nun auch so ein! Einen flachen und die typischen runden entweder Size ½ oder 1 mit Füßen, aber vor Ort hatten sie unsere Wunschbestellung leider nicht. Doch kein Problem, in Windhoek werden wir bestimmt fündig. So, ich muss aufhören, nun geht’s nämlich nochmals Essen. Laurent und Karo haben in ihrem Blog geschrieben, dass sie seit den südafrikanischen Ländern wieder etwas zunehmen, nachdem seit dem Sudan die Hosen eigentlich immer weiter wurden – so geht es uns auch… ;-)

 

 

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• Montag, November 23rd, 2009

In der Opuwo Country Lodge bleiben wir dann sogar noch einen Tag länger als geplant – also zwei Übernachtungen statt nur einer. Wir sind nun überzeugt, dass wir hier kein Rennen mehr gegen den Regen führen, aber wir wollen noch Laurent, Caro, Enzo und Ruben erwischen, bevor diese nach Südafrika verschiffen und damit für uns erstmal unerreichbar werden. Seit einigen Tagen sind wir per Mail wieder häufiger in Kontakt, wobei die Kommunikation Zeit braucht: Wenn wir eine Mail schreiben, braucht es unter Umständen ein wenig, bis wir Internet haben und diese verschicken können (seitdem wir den UMTS-Stick haben, geht das zwar in jeder größeren Stadt, aber dazwischen ist gähnende Internet-Diaspora), dann haben die vier vielleicht nicht gleich Internet und benötigen etwas, bis sie unsere Nachricht empfangen können. Selbst wenn diese nun gleich beantwortet und verschickt werden sollte, braucht ’s wieder etwas, bis wir sie lesen und das Spielchen von vorn beginnen kann. Auf diese Weise erfahren wir immer, dass die Vier etwa eine Woche vor uns sind und wenn wir dann aufgeholt haben, erfahren wir, dass sie wieder schon viel weiter sind… Aber wir geben nicht auf und bleiben dran, vielleicht schaffen wir es ja doch noch.

Für die zweite Übernachtung gönnten wir uns ein Zimmer, denn wir hatten etwas zu feiern: unseren Jahrestag. Und eine Aussicht wie diese, lädt zum Feiern ein.

Small Pool with a Big View

Small Pool with a Big View

Mit uns gastierten auch die Teilnehmer der Rally Namapenda in dem Country Hotel. Wenn wir dieser Oldtimer-Fun-Rallye auf den Pisten Namibias noch etwas abgewinnen können, so zeigt doch ihr Spruch auf deren Internetseiten „[…] auch sonst werden wieder die besten Quartiere, die in Namibia verfügbar sind, gebucht sein. Übernachtungen im Sinne von ‚Camping’ sind nicht vorgesehen, eine Zeltausrüstung wird nicht benötigt.“, dass das Konzept ein ganz anderes ist, selbst wenn wir uns hier treffen. Die andere Fun-Rallye, deren Teilnehmer wir auf unserer Tour trafen, die Allgäu-Orient-Rallye, ist uns da schon näher.

Hinterher haben wir übrigens über die Campsite des Country Hotels einen Bericht im Internet gefunden, dass Camper dort Mitte letzten Jahres überfallen und beraubt wurden. Wir hatten zwar die Campsite für uns ganz allein, fühlten uns aber in keinster Weise verlassen oder gefährlich exponiert. Leider war es abends nur etwas zu windig, um zu grillen, so dass wir spontan doch wieder auf Nudeln umsteigen mussten.

Heute mal kein Stau

Heute mal kein Stau

Als wir vom Hotel losfuhren, wollten wir noch tanken und ein paar Getränke kaufen, doch dazu brauchten wir Geld und der ATM (so groß ist der Ort nicht…) war zwar funktionstüchtig, aber „leer“, wie mir der Wachmann versicherte. Wenn das wirklich so war, frage ich mich doch, wie lange es wohl dauert, so einen Automaten nachzufüllen, aber das ist halt Afrika… So gab ’s also kein Sprit, und wir fuhren gen Süden nach Sesfontein und Warmquelle. 180 km Schotterpiste. Abgesehen von gelegentlichem Wellblech war die Strecke ereignislos und abwechslungsarm, aber eindrucksvoll. Sesfontein war nach ca. 150 km praktisch das nächste Dorf.

Ehemaliges deutsches Fort in Sesfontein

Ehemaliges deutsches Fort in Sesfontein

Eine Partie Schach, bis das Essen kommt

Eine Partie Schach, bis das Essen kommt

Wir fuhren zu dem ehemaligen deutschen Fort, das heute eine Lodge beherbergt und gönnten uns einen kleinen Mittagssnack, wobei wir uns die Zeit mit einer schnellen Partie Schach vertrieben.

Weg nach Warmquelle

Weg nach Warmquelle

Von Sesfontein bis zum Ongongo Camping bei den Ongongo Hot Springs (daher „Warmquelle“) waren es nur etwa 30 km. Über die Ongongo Hot Springs hatten wir im „Go“-Magazin gelesen, eines von zwei Magazinen, von denen wir begeisterte Leser geworden sind. (Das andere ist die Zeitschrift „Getaway“, beides südafrikanische Reisejournale, die Trips und Gegenden im südlichen Afrika, vor allem Südafrika selbst, vorstellen.) Dort gab es in der August-Ausgabe einen Bericht über diese Quellen, und wir sahen jemanden mitten in der Quelle in einem kleinen Wasserfall duschen. Das wollten wir auch! Doch leider waren wir zur falschen Jahreszeit dort. Die Temperaturen luden ein, aber das Wasser nicht. Es gab nicht viel Wasser, der Wasserfall, der in dem Magazin abgebildet war, führte kein Wasser (nur weiter hinten, fiel ein kleines, armseliges Rinnsal zwischen Felsblöcken hindurch), und das Wasserbecken war voll mit Algen und Wassertierchen. Doch ein Photo musste her, so warf sich Anja mutig der Brühe entgegen.

Ongongo Hot Springs

Ongongo Hot Springs

Andererseits war hier wenigstens die warme Dusche gesichert – anders als bei anderen Community Camps (oder solchen, die zwar keine sind, aber so wirken) war hier wohl eher das kalte Wasser das Problem. Nach zwei heißen Duschen beschlossen wir den Abend vor dem Busch-Fernseher und genossen, diesen Ort ganz für uns allein zu haben.

Heute standen die Felsmalereien und -gravuren Twyfelfonteins auf dem Plan und unsere Fahrt begann gleich mit einem richtigen Kracher: Sollten wir echt das Glück gehabt haben, einen Wüstenelefant vor die Kamera bekommen zu haben?

Wüstenelefant?

Wüstenelefant?

Die Tiere sind hier ansässig, aber viele Namibier klagen, dass sie schon häufig hier waren und noch nie einen gesehen haben. Es ist offensichtlich ein Elefant und den normalen afrikanischen Elefanten dürfte es hier zu trocken sein. Schätzen wir uns einfach mal glücklich, einen Wüstenelefant gesehen zu haben, bis uns jemand belehrt.

Wüstenelefant!

Wüstenelefant!

Derart euphorisiert kamen wir in Twyfelfontein an und …

[Anja:] … wurden dort erschlagen von der Hitze und dem Wind. Wir folgten dem ausgeschilderten Weg zum Eingang, der sehr unscheinbar und gut versteckt lag. Wir organisierten uns eine Führerin und schon ging es los. Wie auch in Tsodilo Hills wimmelt es hier von Felszeichnungen der Buschmänner. Twyfelfontein glänzt allerdings eher mit Masse. Hier sind die Zeichnungen in den Stein geritzt und daher „weiß auf schwarz“, während in Tsodilo Hills mit einer Blut-Fett-Farbe gemalt wurde. Die Gründe für die Zeichnungen sind aber die selben: sie stellen eine Art Newspaper dar, in der die Buschmänner sich ihren Mitmenschen mitteilen wollten. Das Besondere an Twyfelfontein sind einige einzelne Bilder. Zum Beispiel der Löwe mit der Tatze am Schwanzende, die Abbildung eines Wales, Fußspuren von Tieren und die Darstellung eines menschlichen Fußes. Die Bedeutung ist angeblich nicht ganz geklärt und wahrscheinlich deutet jeder, mit dem man spricht, etwas anderes.

In den Bildern, die wir hier zeigen sieht man am Ende noch eine Felsformation, die als Lion’s Head bekannt wurde. Aus unserem Blickwinkel kann man den fauchenden Löwen leider nicht allzu gut erkennen, aber mit ein bisschen Fantasie geht das schon.

Auf unserem Rückweg liefen wir noch an einer kleinen Hausruine vorbei. Das Haus gehörte zum Entdecker des Orts, der die Gegend „Twyfelfontein“ = „zweifelhafte Quelle“ nannte. Er versuchte hier zu farmen, aber das Land war sehr trocken und die einzige Quelle, die er fand, führte nicht zuverlässig Wasser (daher der Name).

Twyfelfontein

Zweifelhafte Quelle mit vielen Zeichnungen

Und wenn wir schon mal hier sind, können wir uns die Orgelpfeifen und den Burnt Mountain natürlich nicht entgehen lassen.

Orgelpfeifen

Orgelpfeifen

Noch mehr Orgelpfeifen – muss eine sehr große Kirche gewesen sein…

Noch mehr Orgelpfeifen – muss eine sehr große Kirche gewesen sein… (SCNR)

Verbrannter Berg

Verbrannter Berg

Und nun hätten wir den bekannten Weg wieder zurückfahren können, oder aber: Wir fahren die Abkürzung. Kleiner Makel: Unser Navi beschrieb die vor uns liegende Strecke mit „Tracks South are Heavy Offroad“. Nur ein Ersatzrad, einziges Fahrzeug und das auf einer Strecke, auf der wir sehr schnell sahen, dass wir hier für länger auf keine Hilfe stoßen würden, sollten wir stecken bleiben. Dennoch konnte ich Anja überzeugen: „Wir probieren es halt einfach mal und wenn ’s nicht weiter geht, kehren wir schnell wieder um.“ Glücklicherweise ging es weiter und weiter und weiter… Diese Strecke im Damaraland war mit das Schönste, was wir in Namibia befahren haben: Wie gestern und schon die Tage zuvor passierte nicht viel – Sand, Staub, urige Felsformationen, häufig sehr intensive Farben (nur halt eine sehr eingeschränkte Farbvielfalt), weniger Menschen als Tiere –, doch so wenig auch passierte, so eindrucksvoll war die Landschaft, durch die wir fuhren. Die Photos können unsere Eindrücke leider nur sehr bedingt transportieren, …

…, deshalb haben wir uns noch etwas ganz Besonderes ausgedacht. Genießt unser kleines „Mäusekino“. (Dabei den Ton nicht vergessen!)

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• Samstag, November 21st, 2009

Am nächsten Morgen war das Gewitter verzogen und das Hippo Pools Community Camp wirkte überhaupt nicht mehr gespenstisch und verlassen, auch das „Büro“ war nun besetzt, um das Übernachtungsgeld einzusammeln. ;-)

Blauer Himmel nach dem Sturm

Blauer Himmel nach dem Sturm

Da wir erst spät am Camp angekommen waren, haben wir uns die Ruacana Falls erst am nächsten Tag angeschaut. Wir mussten dazu ein kleines Stück zurückfahren und konnten dann zunächst beim View Point vom Kraftwerk (bei S 17° 23.811’, O 14° 13.291) und dann beim Aussichtspunkt an der Grenze (Parkplatz vor dem Zollgebäude bei S 17° 23.529’, O 14° 13.405’) ein Blick auf den Wasserfall werfen. Oder vielmehr: „hätten werfen können“. Das war ein Ritter von sehr trauriger Gestalt! Hatte hier nicht irgendwer etwas von „Regenzeit“ erzählt? Dagegen waren ja die bei unserem Besuch ausgetrockneten Victoriafälle noch imposant.

Ruacana Falls Ende November

Ruacana Falls Ende November

Immerhin hätten wir beinah noch ein Land abhaken können: Angola war praktisch auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

Beinah Land Nr. 22

Beinah Land Nr. 22

Wir ließen uns nicht desillusionieren: Jetzt erst recht! Auf zu den Epupa Falls! Wenn die Ruacana Falls so aussehen, kann in den letzten Tagen doch nicht allzu viel Regen gefallen sein und die Pisten müssen passierbar sein. Oder? Sicherheitshalber wählten wir doch die „Mädchen“-Strecke: Bis Swartbooisdrift, dann die D3701 südwestlich und an der Gabelung die D3700 wieder nordwestlich hoch. Auch wenn wir über die Befahrbarkeit der direkten Strecke von Swartbooisdrift zu den Epupa Falls, die unmittelbar am Fluss Kunene entlang führt, nichts Gutes gehört hatten (für die etwa 100 km solle man bis zu einen vollen Tag einplanen), so hätte ich sie gerne ausprobiert, doch die Vernunft hatte in Anja einen tatkräftigen Fürsprecher. Wir führen – gefühlt oder real – immer noch ein Rennen gegen die Regenzeit und ich will tatsächlich diese sehr spärlich befahrene Strecke mit nur einem Fahrzeug passieren? Also, wohl eher ein andermal.

Der Weg bis Swarbooisdrift führte uns an der Kunene River Lodge vorbei, hier hätten wir ganz gern schon am 18.11. übernachtet, aber da wir nicht wussten, wie die Straßenverhältnisse sind, wollten wir nichts riskieren. Und das war eine gute Entscheidung, denn auf dieser Strecke muss das Gewitter gestern ordentlich niedergegangen sein. Die Piste war heute noch an manchen Stellen gut matschig und wir hatten viele überschwemmte Abschnitte. Das Wasser stand nie wirklich so hoch, dass die Reifen komplett drin versunken wären, aber ich bin froh, diesen Abschnitt nicht gestern während des Gewitters, vielleicht sogar im Dunkeln, gefahren zu sein; wohl mit ein Grund, weshalb ich mir die direkte weitere Strecke zu den Epupa Falls entlang des Flusses so schnell ausreden ließ… Stattdessen sahen wir entlang der D3701 „Zebraberge“ und wurden auf der Strecke fast seekrank: Hügel rauf, Hügel runter, Hügel rauf, Hügel runter, Hügel rauf, …

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Bei den Epupa Falls campten wir auf dem Omarunga Camp, direkt am Wasser (S 17° 00.102’, O 13° 14.765’). Doch so sehr uns auch der erfrischende Sprung ins kühle Nass gereizt hätte, wir wurden gewarnt: Nicht jeder „Stock“ im Wasser ist auch wirklich ein Stock. Wir sahen zwei Krokodile, die wenig Anstalten machten, sich entsprechend zu tarnen. Dafür – man muss ja stets das Positive sehen – gibt es immerhin keine Hippos. Sieht man von einem Bad in dem Kunene mal ab, ging die größte Gefahr von herunterfallenden Palmennüssen (Makalanis) aus. Die Palmen spendeten zwar Schatten, doch da es sehr windig war, schlug einmal mit ordentlichem „Kawums“ ein ganzer Zweig nahe unserem Tisch auf dem Boden auf – da hätte man nun nicht gerade sitzen wollen.

Willi im Palmenschatten bei Sonnenuntergang

Willi im Palmenschatten bei Sonnenuntergang

Wir meldeten uns noch schnell für eine Himba-Tour am nächsten Morgen an und erkundeten dann die Epupa Falls.

Epupa Falls

Wasserfälle mit viel Wasser

Die Himba-Tour am nächsten Morgen ließ uns noch genügend Zeit für ein ausgiebiges Frühstück. Unser Reiseführer sagte noch etwas von „unter deutscher Führung“, was das Camp anging, aber das haben wir so nicht vorfinden können. Doch unter den Besuchern war die Mehrheit deutsch. Und als ich hörte, dass ein Vierergrüppchen sich nach dem Weg erkundigte, den wir gestern erst gefahren sind, konnten wir mit Insider-Wissen über die Pisten-Befahrbarkeit weiterhelfen. (Wir fragten allerdings nicht mit welchem Auto sie fuhren und sahen sie wenig später mit einer Art Opel Zafira davon fahren. Ob man damit so einfach durchkommt…) Um neun ging ’s dann los: ins nächste Himba-Dorf.

Anfangs war die Tour so organisiert, dass das nächste Dorf von Epupa aus angefahren wurde. Da ein Dorf pro Besuch etwas Unterstützung bekommt, kam es jedoch zu neidvollen Verstimmungen zwischen den Dörfern, so dass nun alle umliegenden Dörfer reihum besucht werden. Jedes Dorf bekommt einen Sack Mais-Mehl, etwas Milch, Zucker und Salz und „spielt dafür Zoo“. Anders kann man es wohl leider nicht nennen. Wir waren in einer Gruppe mit insgesamt acht Leuten plus Führer und Fahrer; der Fahrer blieb im Wagen, der Führer war Himba und mit Angehörigen des Dorf-Clans verwandt, bleiben acht Fremde, die in das Dorf einfallen. Anja und ich waren von dem teilweise massiv undezenten Verhalten auf der Suche nach einem eindrucksvollen Photomotiv von den anderen sechs regelrecht abgestoßen; es gewährte keinerlei Privatsphäre. Das, was uns auf der Reise so häufig als Betroffene negativ aufgefallen war, stellten wir hier nun erstmal wieder bei anderen fest. Doch die Himbas ließen sich in ihrem Tun nicht beirren und blendeten uns Fremdkörper so gut es ging einfach aus.

Die positive Seite dieser Medaille ist, dass der Ortsbesuch authentisch ist. Was wir zu sehen bekommen ist kein Museumsdorf, sondern ein Dorf, indem die Himbas ihre Tradition leben. Insgesamt war es ein sehr kleines Dorf, bestehend aus wenigen kleinen, runden Lehmhütten, der größeren Hütte des Chiefs und dem angrenzenden Ahnenfeuer sowie dem Kraal für das Vieh in der Mitte des Dorfs. Als wir dort waren, wurde gerade eine Hütte saniert, wie man auf den Bildern sieht.

Himbas

Besuch im Himba-Dorf

Die Himba haben zwar auch den einen oder anderen Vorzug des modernen Lebens erkannt, aber meist gar nicht genügend Geld alle ihre Kinder auf Schulen zu schicken, und so wird häufig ein Teil in die Schulen geschickt, der andere bleibt zu Hause und hält die Tradition am Leben, was den Himba deutlich wichtiger als anderen Volksgruppen in Namibia ist. Viele der Siedlungen sind dort, wo es genügend Futter für die Rinder gibt, und das ist im spärlich besiedelten Kaokoveld meist nicht in der Nähe von Schulen. Also werden die Kinder, die eine Schule besuchen können, meist in Internate geschickt, was die Entfremdung zur eigenen Tradition beschleunigt.

Nach dem Dorf durften wir uns noch einen traditionellen Himba-Friedhof anschauen, dann ging es zurück zum Camp und wir brachen nach einem kühlen Getränk gleich weiter auf gen Süden, wo wir nach ca. 180 km Dirt Road in Opuwo ankamen. Die Fahrt war alles in allem ereignislos; die Strecke war gut befahrbar. Wenn ich da an das „die ziehen die Autos bereits mit Treckern durch die Flüsse“ zurückdenke, so zeigt sich wieder einmal bei unserer Initiative Rückenwind, dass die alte Plattitüde „Seeing is believing!“ garantiert ein Fazit unserer Reise werden wird. Wir werden von anderen häufig gefragt, was das eine Fazit unserer Reise sei. Für uns ist das schwierig, da es so viele Eindrücke sind. Vielleicht ergibt sich erst in einigen Jahren rückblickend ein Resümee, das sich auf ein hochkonzentriertes Destillat zusammenköcheln lässt. Derzeit hat jedes Land seine eigenen Eindrücke und damit hinterlässt jedes einzelne seine eigene Quintessenz. Doch „Seeing is believing!“ wird definitiv dick und fett mit auf unserer abschließenden Reise-Bilanz stehen.

In Opuwo mussten wir ein wenig suchen, um den rechtmäßigen Eigentümer unserer Fracht (dem Schlüssel aus Outjo) zu finden, doch schließlich fanden wir ihn: das Opuwo Country Hotel. Und weil wir die letzten Tage keinen Regen, dafür aber genügend Staub und Dreck hatten, ruhten wir uns heute auf dem angrenzenden Campingplatz (S 18° 02.959’, O 13° 49.947’) ein wenig aus und genossen die Aussicht vom Pool – das Leben kann so schön sein…

Sowas möchte ich auch mal haben, wenn ich groß bin!

Sowas möchte ich auch mal haben, wenn ich groß bin!

 

 

 

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