Archive for the Category ◊ Botswana ◊

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• Donnerstag, November 12th, 2009

Über Botswana können wir derzeit noch nicht viel schreiben. Wir fuhren innerhalb von etwa einer Woche durch den nördlichen Teil des Landes und haben daher nicht viel von diesem riesigen Staat gesehen. Vielleicht fahren wir noch durch den Süden des Landes, wenn wir im Dezember Richtung Durban auf der anderen Seite des Kontinents fahren.

Unseren Aufenthalt bestimmten Naturparks und „Tiere gucken“. Res_Botswana_01Im Tiere aufspüren und beobachten sind wir nun geschulter und abgebrühter, aber uns fiel dennoch eines auf: die riesigen Elefanten. In unserem Artikel über den Chobe National Park schilderten wir unsere Begegnung mit dem Riesenriesen Elefanten. Mir hängt dieses Ereignis immer noch ein bisschen nach. Und mir tut besonders leid, keine Kamera gezückt zu haben, damit auch Ihr Euch vorstellen könnt, was das für ein großes Tier war.

In Botswana lernten wir noch eine neue Spezies kennen: the „South African Crazy Camper“. Den Namen habe ich den Leuten aus dem südlichsten afrikanischen Land mit den holländischen Wurzeln gegeben. Der Drang der Holländer mit dem Auto zu reisen und darin zu schlafen, scheint in den Genen festgelegt, denn die Südafrikaner machen es auch. Nur anders. Die fahren mit dem 4×4, ob sie ein Allrad-Fahrzeug brauchen oder nicht ist dabei vollkommen egal, am besten noch mit Anhänger, denn man kann da noch mehr Zeug in den Urlaub mitnehmen, als wenn man nur die Rückbank und den Kofferraum voll macht. Ein Paar sahen wir sogar, die hatten auf dem Anhänger noch einen Gepäckträger mit Dachzelt, das locker 2m breit war – wir schlafen in einem 1,20m breiten Bettchen. In dem Anhänger hatten sie neben der gesamten Küchenausrüstung noch einen Staubsauger mitgenommen – ja, einen Staubsauger! Sowohl das Zelt als auch der Staubsauer sind zugegebenermaßen keine schlechte Idee…

[Jörg:] Unserer überschaubaren Messreihe nach ist auf Botswanas überregionalen Straßen im nicht-städtischen Bereich nahezu jeder dritte Wagen ein 4WD mit Dachzelt. Davon haben ca. die Hälfte ein südafrikanisches Nummernschild und jeweils ein Viertel trägt ein botswanisches oder namibisches. Die meisten Wagen sind Mietwagen, teilweise werden wohl auch die Privatwagen genutzt und mit einem gemieteten Anhänger kombiniert. So sehr wir uns auch darüber freuen, endlich wieder mehr Camper zu sehen, desto sehr haben wir auch das Problem, Overlander wie uns aus der Ferne zu identifizieren. War es bis Sambia so, dass man sich bei einer Begegnung grüßte und auch auf der Straße mal anhielt, um sich kurz auszutauschen, verpasst man sich hier selbst auf den Campingplätzen, und wir haben in Botswana nicht einen einzigen europäischen Overlander getroffen.

Res_Botswana_02 Nach dem Park waren wir auf den Straßen ständig damit beschäftigt unsere Fleisch-Produkte vor den Kontrolleuren zu verstecken. Wir hatten Glück, keiner nahm uns unser Fleisch, das wir in Botswana gekauft hatten, also eigentlich gesund sein müsste, ab. Wir hörten aber von anderen Reisenden, dass sie das Fleisch vor den Augen der Kontrolleure abkochen mussten, dann aber die Tüten, in die es eingepackt war, wieder mitnehmen durften… Andere berichteten davon, dass sie das Fleisch wegschmeißen mussten und andere haben den Kontrolleuren alles geben müssen. Wo steckt da der Sinn? Außer dass durch die Zäune viele wilde Tiere auf ihrem natürlichen Gang zum Wasser sterben mussten.

Wir waren froh, Botswana besucht zu haben, bevor es mit dem Regen richtig losgeht. Wir hatten überhaupt keine Probleme auf den Wegen und möchten dieselbe Strecke auch lieber nicht fahren, wenn es richtig schlammig ist. Zudem haben wir gelernt, dass die Naturparks dann auch nicht viel hergeben für Touristen, da sich die Tiere zu den Wasserlöchern abseits der Pfade verziehen, wo sie nicht dauernd von Kameras verfolgt werden.

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• Mittwoch, November 11th, 2009
Weiter Himmel

Weiter Himmel

Vom Sedia Hotel sind wir noch schnell nach Maun in ein Internet Cafe rein, um euch ein bisschen neuen Lesestoff zu geben, und dann ging es zu den Tsodillo Hills. Die etwas über 300 km bis zur Abzweigung von der A 35 waren schnell runtergerissen. Die Straße ist gut und unsere stete Fahrt wurde nur durch die Veterinary Gates durchbrochen, doch wir hatten mittlerweile Übung in der Prozedur: Kurz vor dem Gate packten wir unsere Wurst und das Fleisch aus der Kühltruhe, die wir dort schon vorsorglich in eine Plastiktüte zusammengepackt hatten, hinter den Beifahrersitz, passierten so stets problemlos das Gate und fuhren dann aus Sichtweite und zurück in den Kühlschrank damit. Natürlich ist es so nicht gedacht, aber wenn selbst in Botswana erstandene, Vakuum-verpackte botswanische Wurst „böse“ ist, sie sich also nicht mal soweit selbst trauen, dann trauen wir dem Zaun auch nicht zu, dass er irgendwas eindämmt. So! Basta!

Vesper-Zeit

Vesper-Zeit

Kurz vor der Abzweigung nach Tsodillo Hills gab ’s noch eine kurze Mittagspause und dann bogen wir bei S 18° 35.845’, O 22° 00.000’ ab. Das ist die mittlere Abzweigung dorthin, von der es in unserem Lonely Planet noch hieß, dass dieser Weg nicht ausgeschildert sei, kaum befahren sei, nur aus losem Sand bestünde und sich wild zwischen engstehenden trockenen Bäumen durch schlängelt. Das klingt zwar nach Fahrspaß ;-) , doch Reiseführer altern ab Redaktionsschluss… Im Sedia Hotel trafen wir auf Südafrikaner, die gerade erst von hier kamen und uns mitteilten, dass die mittlere Piste neu planiert wurde und somit derzeit (wahrscheinlich) die angenehmste zu fahren ist. Wie die südliche und die nördliche Piste sind können wir nicht sagen, aber auf der mittleren waren die nicht mal 40 Kilometer schnell und problemlos abgeritten. Losen Sand gab es ab und an, aber insgesamt ist die Beschreibung wenig zutreffend. Am Gate wollte uns ein Mädchen Schmuck verkaufen, doch wir waren nicht allzu interessiert, woraufhin sie wenig interessiert war, das Tor zu öffnen. Doch nach einer nachdrücklichen Bitte öffnete sie es schließlich doch – in Fiver und Stuarts Blog haben wir gelesen, dass Fiver hier aussteigen musste, um das Tor selbst zu öffnen. Vom Gate ist es nur noch ein Katzensprung bis zum Main Office (S 18° 45.533’, O 21° 44.206’), wo man sich registrieren kann.

Wir blieben dann auch gleich auf dem angeschlossen Camp. Sehr gereizt hätten uns zwar auch die Campingplätze abseits im Busch, doch das sind „Dry Campsites“ und Duschen wollten wir dann doch ganz gern. Das Camp am Main Office kostet erfreulicherweise nichts, nur wenn man eine geführte Tour haben möchte, kostet der Führer etwas. Angenehme Überraschung! Zumal das Camp gut eingerichtet ist (für ein Community Camp). Wir arrangierten einen Führer für den nächsten Morgen, suchten uns ein schattiges Plätzchen und richteten uns ein. Wir suchten beide totes Holz und während ich mit „halben Bäumen beladen“ zurückkehrte, saß Anja im Stuhl, da ihre Seite kein totes Holz hatte. Sie hat ja auch immer so ein Pech! Oder war das wohlmöglich Geschick? ;-) Wir hatten eh mehr als genug und während ich Boerewors über der Glut des Feuers grillte, zauberte Anja Chakalaka und Kartoffelpüree. Lecker! Danach saßen noch lang an unserem Busch-Fernseher, und obwohl er nur einen Kanal hat, fasziniert mich das Programm immer wieder aufs Neue.

Abendessen mit Axt

Abendessen mit Axt

Boerewors an Chakalaka im Kartoffel-Bett

Boerewors an Chakalaka im Kartoffel-Bett

Späte blaue Stunde

Späte blaue Stunde

Heute früh sind wir den Rhino Trail abgegangen, und an dieser Stelle sagen Bilder wahrscheinlich wieder einmal mehr als viele Worte:

Tsodillo Hills Rhino Trail

Bushman Paintings

Und dank unseres kundigen Führers weiß „Trapper-Jörg“ nun auch Schildkröten-Spuren zu erkennen. ;-)

Wir duschten uns den Staub und Schweiß der Kletterei vom Körper, ließen die Ziegen das leckere Desinfizierspray des letzten Veterinary Gates ablecken und machten uns auf den Weg.

Desinfizierspray! Yummy, yummy!

Desinfizierspray! Yummy, yummy!

Wir haben nun noch wenige Kilometer in Botswana vor uns und kommen dann nach Namibia, Land 21 auf unserer Liste.

 

 


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• Dienstag, November 10th, 2009

In Maun suchten wir zuerst das Sedani Hotel auf, das uns Stuart und Fiver empfohlen hatten. Wir waren sehr geschafft vom erneuten frühen Aufstehen und da freute es uns sehr, dass der Pool, das Restaurant und auch der riesige Campingplatz so einladend aussahen, dass wir gleich da blieben. Wir fanden ein schattiges Plätzchen in der Nähe der Duschen, leider ohne Braai-Platz (Feuerstelle) und ohne Strom. Entspannung suchten wir jedoch gleich am Pool und gönnten uns nach der langen Fahrt ein Savanna Dry und einen Snack als spätes Mittagessen. Bis zum Sonnenuntergang blieben wir hier und dösten vor uns hin, bevor wir zurück zum Auto schlenderten. Auf dem Weg trafen wir ein uns gut bekanntes Auto wieder: Didi und seine Reisebegleiter hatten ihre Zelte und Stühle gerade ausgepackt. Während Didi einen Tag Pause vom Fahren und Reiseleiten hatte, machten seine Gäste eine Tour mit dem Mokoro durch das Okavango Delta. Durchaus auch etwas, was wir uns überlegt hatten, auch wenn wir schon verschiedene Touren auf Flüssen gemacht haben. Die Mokoros (oder dug-out-canoes bzw. Kanus aus einem Holzstamm) sind hier sehr beliebt für Ausflüge.

Wir entschieden, hier drei Nächte zu bleiben. Ein Tag war für putzen reserviert, am anderen Tag wollten wir uns mit einem besonderen Ausflug belohnen. Das Putzen war bitter nötig, denn die Robertsons Gewürze (eine südafrikanische Marke) haben offensichtlich nicht-rüttelfeste-selbstöffnende Deckel. Nach zwei Tagen im Chobe Nationalpark hatte sich nach den Onion Flakes, bei dem ich es fast rechtzeitig gemerkt hatte, jetzt „Spice for Rice“ in unserem ganzen Küchenschrank verteilt. Onion Flakes, also getrocknete Zwiebeln, lassen sich recht einfach ausfegen, Spice for Rice ist allerdings ähnlich dem Currypulver, sehr fein und farblich intensiv. Ausräumen, sauber machen und umsortieren des Küchenschranks bestimmten unseren Vormittag, dann fuhren wir in den Ort, um ein bisschen einzukaufen.

Dieser Vogel schaute uns immer wieder zu

Dieser Vogel schaute uns immer wieder zu

Maun war wie ausgestorben und da fiel uns auf, dass heute Sonntag war. Trotz des Feiertags hatten ein paar wenige Läden auf, sodass wir im Spar ein paar Lebensmittel besorgen konnten. Wir waren so versunken ins Einkaufen, dass uns nicht auffiel, dass der Laden immer leerer wurde, bis wir schließlich höflich gebeten wurden, mit unseren Mini-Einkauf doch bitte zur Kasse zu gehen, weil sie gerne schließen würden.

Am Montag dann war unser großer Tag, wir hatten einen Rundflug über das Okavango Delta gebucht. Um 15.30 Uhr wurden wir zum Flughafen gebracht und etwa eine halbe Stunde später ging es los. Unser junger Pilot wies uns kurz in das kleine Flugzeug ein und schon gings los. Neben dem Piloten gab es noch drei Plätze. Jörg durfte vorne Platz nehmen, während ich zum Fotografieren die ganze Rückbank für mich alleine hatte.

Der Motor wurde gestartet und kurz darauf ging es Richtung Startbahn. Ein paar andere Flieger landeten zunächst, dann fuhren wir in die richtige Position. Er beschleunigte und wir hoben ab. Ein tolles Gefühl, wenn man immer höher kommt, alles unter einem immer kleiner wird und man die Welt von oben sehen kann. Mir ging dabei richtig das Herz auf, so lange bin ich schon nicht mehr geflogen. Besonders hoch flogen wir nicht, bei etwa 300 Fuß war Schluss. Genau die richtige Höhe, um von Landschaft und Tieren noch genug zu sehen. Leider war die ganze Gegend thermisch sehr aktiv. Der Volksmund klagt dann über „Luftlöcher“, die es ja eigentlich nicht gibt, … aber ich will hier nicht ausholen, das langweilt nur zu sehr.

Wir flogen in einem großen Kreis von Maun aus gegen den Uhrzeigersinn über das Delta. Man sah ziemlich schnell, warum Autos hier nicht durch fahren können, es war sehr sumpfig und große Flüsse durchzogen schlangenförmig das Gelände. Tiere sahen wir auch recht schnell. Große Elefantenherden zogen am späten Nachmittag zu den Wasserlöchern, auch Giraffen sahen wir einzeln herumwandern. Im Wasser waren viele Hippos zu erkennen und an einer Stelle sogar Krokodile, die einen toten Elefanten zum Abendessen genossen. Zudem sahen wir viele Gnus und Büffelherden sowie Zebras.

[Jörg:] Der „7/8-Elefant“ war mein absolutes Highlight. Mindestens zwei Dutzend Krokodile sah man drum herum teilweise an Land, teilweise im Wasser. Unser Pilot erklärte uns anfangs, dass er so ziemlich alles machen könne, bis auf zu tief fliegen und kreisen, denn das sehe die Parkverwaltung gar nicht gern. Doch dies musste sich auch unser Pilot nochmals genauer anschauen und es gab zumindest eine halbe Drehung extra. Scheint auch für ausgebuffte Buschpiloten kein alltäglicher Anblick. Fortuna war uns wieder einmal hold!

Mit diesem Flug vervollständigen wir die Liste der unterschiedlichen Safari-Formen und auch wenn es recht teuer war (150$ pro Person), so hat es sich doch gelohnt. Wie oft kann man sonst die Tierwelt von oben sehen? Bei mir ist außerdem die Flug-Lust wieder aufgekeimt und ich habe mir vorgenommen, wenn ich mal im Lotto gewinnen sollte, mache ich den Flugschein. :-)

Weil der Nachmittag so schön war, wollten wir uns den Abend nicht mit Kochen vermiesen ;-) und beteiligten uns an der Vertilgung des Buffets des Hotels. Eine gute Wahl. Spät für unsere Verhältnisse, gegen 23 Uhr rollten wir zurück zum Wagen und verkrochen uns ins Bett.

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• Samstag, November 07th, 2009

Am Freitagmorgen erwachten wir kurz nach fünf Uhr und machten uns nach einem Tee und ’nem Kaffee auf gen Chobe National Park. Der Parkeingang am Sedudu Gate war von unserem Camp nur ca. 8 km entfernt, so dass wir zeitig am Park waren. Vor Ort wollte uns der Ranger in ein Camp reinquatschen – man könne nicht draußen campieren und die anderen Lodges wären alle voll, da müsse man frühzeitig reservieren. Wir waren nicht gänzlich abgeneigt und so ließen wir uns an seine nette Assistentin zu seiner rechten verweisen. Die wollte für Camping 50 USD pro Person und Nacht und diese Diskussion war damit vorbei, bevor sie überhaupt richtig begonnen hat. Die ehemals staatlichen Public Camps im Park sind nun alle unter privater Führung. Sie mögen jetzt mehr Annehmlichkeiten bieten, aber dieser Preis ist halt die andere Seite der Medaille.

Wir zogen also in den Park ohne eine Reservierung für das Savuti Camp, das wir uns in die Augen gefasst hatten, und fuhren die „Riverfront“ ab, die direkt am Chobe entlang und durch sein direktes Hinterland führt. In den letzten Tagen hat es zwar schon immer mal wieder geregnet, aber noch ist Trockenzeit und deshalb spielt sich hier in unmittelbarer Nähe zum Fluss das Leben ab. Wir sahen viele Impalas, Kudus, Strauße, große und kleine Herden Elefanten sowie auch einzelne Elefantenbullen, Büffel – ebenfalls von einzelnen Exemplaren bis zu großen Herden –, Giraffen, Zebras, Mangusten und natürlich viele, viele Affen und Warzenschweine, aber wieso soll ich hier viel beschreiben, wenn sich Anja so viel Mühe mit schönen Bildern gemacht hat…

Chobe NP Tag 1 - Riverfront

Tag 1 in Botswanas National Park Nummer 1

Trockenübung -- Willi schwamm bereits hier manches Mal

Trockenübung -- Willi schwamm bereits hier manches Mal

So eindrucksvoll es auch war, irgendwann gab es für uns wenig Neues und so stolperten wir kurz nach Mittag – die vernünftigen Lebewesen liegen nun eh irgendwo im Schatten und dösen, nur die Vernunftlosen irren in ihren 4WD noch durch den Park… – nach fünf Stunden Game Viewing erschöpft auf der anderen westlichen Seite durch das Ngoma Gate. Doch so sehr wir auch als vernünftig gelten wollen, für uns hieß es noch nicht „Schatten suchen und ausruhen“. Vor uns lagen noch ca. 80 km, bis wir kurz vor dem Ghoha North Gate unser Nachtlager irgendwo zwischen den Bäumen suchen wollten. Das Ghoha North Gate ermöglicht den (Wieder-)Eintritt in den südlichen Teil des Chobe National Parks und die Strecke bis dorthin wurde uns als recht schwierig beschrieben, weshalb wir die Zeit nicht vertrödeln wollten.

Doch wir kamen recht gut durch. Es war zwar abschnittsweise knietiefer loser Sand, aber derzeit alles noch kein Problem (mit unserem Willi), vor allem weil es genügend Spuren gab, die den Sand in der Fahrrille fest und tragfähig zusammengedrückt hat. Noch vor drei Uhr standen wir am Nordtor.

Sandkastenspielchen

Sandkastenspielchen

Mittlerweile waren wir gar nicht mehr sicher, ob das wirklich 50 USD pro Person und Nacht waren – für einfaches Campen fanden wir den Preis deutlich überhöht – und wir dachten: ‚Vielleicht waren das ja auch Pula?’ Im Gegensatz zu den bisherigen Parks wurde hier nämlich Bezahlung in Landeswährung erwartet. (Den Ausländer-Aufschlag gab es natürlich trotzdem.) Und selbst wenn, bei entsprechender Leistung ist das vielleicht auch okay – es muss wohl die stete Sonne gewesen sein, die uns weich gekocht hatte, und der Sandstaub, der uns zermürbte. Zum Savuti Camp sind ’s ja auch nur etwas über eine Stunde Fahrzeit und vielleicht sehen wir noch ein wenig Wild.

An dem Camp angekommen, wies uns der Wächter darauf hin, dass wir reservieren hätten sollen, denn sie seien voll. So ’n Ars***och! Durch die eingangs erwähnte „nette Assistentin zu seiner rechten“ wussten wir, dass noch genügend frei sein müsste. Mr. Wichtig hier wollte uns nur nicht reinlassen. Mir kam das zwar ganz recht, da ich mich eh schon aufs Bush Camp gefreut hatte, aber Mr. Wichtig war mir dennoch wahrlich ein Dorn im Auge, aber was soll ’s. Wir hatten schon gehört, dass das die übliche Masche sei. Am besten ist es, man kommt so spät, dass man nicht mehr aus dem Park kommt, wenn sie einen abweisen, dann findet sich – Oh Wunder! – plötzlich doch noch ein Plätzchen. Wir fuhren also den gleichen Weg wieder zurück und bekamen bis auf Elefanten gar nicht so viel Wild zu Gesicht – wir erinnern uns: Das Wild ist vernünftiger als wir, die wir in brütender Hitze einen Weg hingefahren sind, um ihn dann wieder zurückzufahren. Als wir wieder am Tor ankamen, war dort schon keiner mehr und es fing bereits an zu dämmern. Nun, aber fix!

Camp bei Abendlich mit Elefanten-Trampelpfad zur rechten

Camp bei Abendlicht mit Elefanten-Trampelpfad zur rechten

Wir mussten weiter zurückfahren als wir eigentlich vorhatten, weil wir lange keinen Platz gefunden haben, wo wir uns in die Büsche schlagen konnten, um abseits der Straße ein wenig Ruhe zu haben. Die Straße führte immer entlang des Parks, so dass wir nur nach einer Seite Ausschau halten mussten, denn im Park wild zu campen ist verboten. Unmittelbar nachdem die Straße sich gabelt und weg vom Park führt, wurden wir endlich fündig. Etwa 350 m vom Nationalpark bei S 18° 21.702’, O 24° 10.765’ fanden wir ein lauschiges Plätzchen. Das wurde auch langsam Zeit, denn die Sonne stand nur noch unwesentlich überm Horizont und wir wollten noch im Hellen Holz suchen und eine Feuerstelle bereiten sowie Kochen. Das beste am Platz ist jedoch, dass es bei der unmittelbaren Nähe zum Park doch so ist, als ob wir direkt im Park campen würden. Die zahlreichen Spuren vom Wild belegen dies auch; der Elefantenpfad, der in unmittelbarer Nähe zu unserem Willi vorbeiführt, wurde jedoch schon länger nicht mehr beschritten, und auch die Tatzenabdrücke sind nicht frisch („Trapper Jörg“ hat nämlich das Spurenlesen als sein neues Hobby auserkoren ;-) ) – für eine Nacht wird ’s jedenfalls schon gehen…

[Anja:] Essen war schnell gekocht. Es gab einen Erasco Mexico Bohneneintopf (hmm, lecker ;-) ), den wir noch aus Deutschland mit uns herumfuhren.

Chobe NP Tag 1 - Camp

Romantisches Lager zwischen den Gates

Als wir mit allem fertig waren und noch gemütlich am Feuerchen saßen, schaltete auf einmal jemand den Nacht-Modus an: Kaum verstummten die letzten Vögel, fingen wie auf einen Schlag die Grillen in einer Lautstärke an zu zirpen, dass Anja und ich die Stimmen heben mussten, wenn wir zueinander sprachen. Nach ca. zwei Stunden hatten auch die sich endlich in den Schlaf „gezirpt“ und uns blieb glücklicherweise eine schlaflose Nacht erspart.

 

 

 

Am nächsten Morgen sind wir erneut mit der Sonne aufgestanden und standen pünktlich zur Öffnung des Parks am Tor. Damit waren wir allerdings auch die einzigen – von Rangern keine Spur. Glücklicherweise war jedoch das Tor offen und so trugen wir uns halt einfach in das ausliegende Büchlein ein – wird schon dafür gedacht gewesen sein… – und rein mit uns! Drinnen wurde dann erstmal gefrühstückt. Wir hatten unser Programm von gestern wiederholt: Draußen nur Tee und Kaffee und im Park dann rechts ran und das Frühstück mit Tierbeobachtung kombinieren. Da schmeckt das Marmeladenbrot gleich noch mal so gut. ;-)

Ob die gewartet haben, bis jemand kommt?

Ob die gewartet haben, bis jemand kommt?

Wir sahen aber insgesamt weniger Tiere als den Tag zuvor. Der südliche Teil des Parks ist bekannt für seine hohe Elefanten- und Löwenpopulation. Letztere hatten es wieder einmal geschafft, sich erfolgreich vor uns zu verstecken, aber von ersteren sahen wir viel. Manches Mal mehr als uns lieb war. Bei einer Begegnung mit einer Elefantenherde stand diese direkt rechts und links unserer Piste aufgereiht. Wir hätten also nicht einfach schnell aus dem Gefahrenbereich raus gekonnt, wenn sich ein Elefant „unser angenommen hätte“. Anfangs waren wir ja noch bereit zu warten, aber wie die Kirschen in Nachbarsgarten schienen hier vor allem die Sträucher und jungen Bäume vor unserem Willi leckerer zu schmecken als woanders. Nach einigen langen Minuten wurde es uns doch zu bunt und wir fuhren ganz vorsichtig und langsam an ihnen vorbei. Der Chobe National Park ist nicht dafür bekannt, dass Elefanten Autos anfallen, aber wäre doch was passiert, hätte man bestimmt von „Leichtsinn“ gesprochen. Wir hätten nur einen Bullen treffen müssen, dem Willis Heck nicht gefiel, oder eine Kuh, bei der wir wohlmöglich zwischen ihr und ihrem Kalb hindurch fahren, und schon hätte Willi eine ordentliche Druckstelle mehr. Und das wäre das noch das Best Case Scenario… Als wir direkt an einem GROSSEN Bullen vorbeigefahren sind, so nah, dass wir seine einzelnen Wimpern genauestens sehen konnten, aber dennoch nicht auf Augenhöhe, denn so hoch unser Willi im normalen Straßenverkehr auch ist, dieser Bulle spendete uns immer noch Schatten, da hielten wir nahezu den Atem an – nicht dass das irgendetwas gebracht hat… – und ich war jederzeit bereit das Gas durchzudrücken, was auch immer dann passiert wäre… Aber er hatte zum Glück mehr Appetit als er sich durch uns gestört fühlte und so ist nichts passiert. Wir waren so angespannt, dass wir natürlich nicht daran dachten, die Kamera zu zücken, aber zurückfahren war für uns wahrlich keine Option.

[Anja:] Leider waren wir in diesem Moment wirklich so angespannt, dass wir nicht mal die Kamera gezückt hatten. Wir starrten diesen gigantomanisch großen Elefanten einfach nur an. Bisher waren die Elefanten nicht so riesig… Der reichte mit seinen Stoßzähnen an unser Dach heran und wir sind ja schon 2,60m hoch…

Größer als er hier und dann weitaus näher

Größer als er hier und dann weitaus näher

Tierische Panzer

Tierische Panzer

Neben Elefanten sahen wir noch häufig Schildkröten, was eine angenehme Abwechslung war, denn von Ihnen haben wir bisher – vom Wagen aus – wenig gesehen. Das Spiel habe ich beide Tage 3:0 gewonnen, wobei ich natürlich auch ständig auf die Piste gucke. Anja war dagegen „beordert“ längs der Pisten, wo Büsche, Bäume oder sonstiges Dickicht bis an den Track heran wächst, rechts und links auf Elefanten zu achten, denn diese sind weder schreckhaft noch gewand – nicht schreckhaft genug, um frühzeitig vor heraneilenden Autos davon zu laufen, und wenn sie kurz vor selbigem plötzlich auf die Piste treten, sind sie auch nicht gewand genug, die Piste ebenso schnell wieder frei zu geben.

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Bushman Rock Paintings

Bushman Rock Paintings

Südlich vom Savuti Camp, bei den Kudu, Sable, Bushman und Twin Hills, sahen wir dann auch wieder viel anderes Wild – die übliche Mischung Verdächtiger aus Giraffen, Zebras, Gnus, Büffel, Antilopen, Springböcke, Kudus und Warzenschweinen. Wir fuhren auch extra noch um Leopard Rock, aber den Gefleckten haben wir leider wieder einmal nicht erspäht. Dafür schauten wir uns noch die Bushman Paintings am Bushman Hill an und machten eine kurze Pause im Schatten eines wahrlich imponierten Baobab Baums.

Unser Freund der Baum

Unser Freund der Baum

Nachdem wir hier etliche extra Haken geschlagen hatten, hieß es für uns nur noch die ca. 60 km bis zum Mahabe South Gate abzureißen. Nachdem uns am ersten Tag bei Parkeintritt empfohlen wurde, nicht durch das Savuti Sumpfgebiet zu fahren, weil das bereits teilweise unpassierbar sei, fuhren wir die Sandridge Road runter. Die Piste hier war teilweise wieder knietiefer loser Sand, der sich jedoch leicht durchfahren ließ, weil hier alles noch extrem trocken ist. Doch bald wird ’s losgehen und diese Strecke dann allein zu fahren ist sicherlich fahrlässig. Wir sahen selbst jetzt in der Trockenzeit hier und da noch Reste von Schlammlöchern (es hatte ja die letzten Tage bereits einige Male geregnet) und tiefe Reifenspuren dort drin – nicht alle führten durchgängig von einem trockenen Ufer zum nächsten… Auch wenn diesem Abschnitt mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden musste, so gab es auch hier noch Gelegenheit zu Wildbeobachtung:

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[Anja:] Unschön an der Strecke waren die vielen Grillen oder was auch immer das für Viecher waren. Ein kleiner „Grashüpfer“ verirrte sich in unser Auto und ein eher großes Exemplar, das auch noch fürchterliches Kreischen von sich gab. Ich hab mitgekreischt…

und die fliegen nicht alleine...

und die fliegen nicht alleine...

Chobe NP Tag 2

Tag 2 - Südlicher Teil des National Parks

Als wir am Tor angekommen waren, dachten wir, dass wir nun nur noch „straight-forward“ nach Maun fahren müssten. Doch wie weit gefehlt! Der Ranger am Gate fragte uns, ob wir denn wüssten, wie wir nach Maun kämen, denn die Brücke über den Khwai sei noch nicht fertig. Wir sollten über den gleichnamigen Ort, Khwai, fahren, dort gäbe es eine Möglichkeit zur Durchquerung. Wir könnten auch zur im Bau befindlichen Brücke fahren und dort die Arbeiter nach der Furt fragen. Es einfach selbst ausprobieren sollten wir es besser nicht, erst gestern sei ein Wagen im Fluss stecken geblieben, der dann rausgezogen werden musste.

Nach dieser aufmunternden Rede machten wir uns auf dem Weg. Unser Navi kannte den Ort Khwai jedoch leider nicht und nach unserer 1:1’500’000-Straßenkarte zu navigieren, ist bei all den Nebenpisten, die sich kaum von den Hauptstrecken unterscheiden, nahezu unmöglich. Wir versuchten es folglich zunächst mit unserer GPS-Karte. Die in Tracks-4-Africa eingezeichnete Brücke (Version 8.10) war jedoch nicht erreichbar, weil das Gebiet sumpfig war. Dies ist übrigens das südliche Ende des Savuti Sumpfgebiets und wenn das im Park auch bereits so undurchdringlich ist, dann wären wir dort eh nicht weit gekommen und sind auf der Sandridge Road definitiv besser gefahren.

Zweite Option waren die Bauarbeiter bei der Brücke. Die Brücke hätte eigentlich schon letztes Jahr fertig werden soll, wurde aber von dem Bauherrn aber nicht vollendet. Mittlerweile ist ein neuer kontraktiert worden und man rechnet nun mit der Fertigstellung nächstes Jahres. Die Arbeiter, die wir an der Brücke antrafen, bauten folglich auch gar nicht die Brücke, sondern besserten die Straße aus. So oder so war einer so ortskundig und freundlich, uns gegen eine kleine Spende die richtige Stelle zu zeigen, um durch den Fluss zu fahren. Es hat uns 40 Pula gekostet, aber im Vergleich zu dem Motorschaden, den derjenige hier gestern hatte, als er an der falschen Stelle die Durchfahrt versuchte und der Motor Wasser ansaugte, haben wir die nur mehr als gern investiert. Bei S 19° 11.982’, O 23° 59.284’ gaben wir alles, was wir hatten: Vierradantrieb, Untersetzung und Differentialsperre und pusteten unserem Willi die Schwimmflügel auf. Vor Ort muss man die linke Furt nehmen! Der rechte Weg ist für LKWs und die kleinen 4WD können dort trotz allem noch stecken bleiben. Weiß man wo, ist der Khwai keine Herausforderung, auch wenn der Wagen schon gut im Fluss verschwand.

Trainingsbecken

Trainingsbecken

Der Bauarbeiter bekommt sein Geld nur in Maun und das ist noch ca. 100 km weit weg. Er hat jetzt schon 3 Monate kein Geld mehr bekommen, weil für einen Besuch in Maun (mit Familie sehen) zehn Tage anfallen und solang darf die Arbeit nicht liegen bleiben. Er bejahte meine Frage, ob er und seine Freunde ein kleines Business aufgezogen hätten, hier den ganzen Selbstfahrern den Weg zu zeigen, und so war das wohl eine klassische Win-Win-Situation. Er freute sich über die 40 Pula, wir uns darüber, für nicht mal 4 EUR unseren Willi das Schwimmen beigebracht zu haben, ohne dass wir alle untergingen, und ich befürchte für alle nachkommenden Fahrer, dass die Motivation für eine intakte Brücke hier nicht allzu groß sein wird…

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(Keine Angst, Anja ist nicht ins Wasser gefallen, es ruckelte halt alles nur ein wenig…)

Ca. 50 km vor Maun bekommt man dann wieder Asphalt unter die Räder und auf etwa halber Strecke gab es dann für uns das erste Veterinary Gate. Um vor allem die Maul- und Klauenseuche des Wildes von den Rinderherden fern zu halten wurde in Botswana ein langer Zaun gezogen, der immer wieder vorzüglichen Anlass zu Kontroversen gibt. Der National Wildlife Service aber auch die Tourismusindustrie wollen den Zaun – wenn er denn überhaupt vorhanden sein muss – möglichst weit südlich, während die Viehwirtschaft ihn natürlich gern möglichst weit nördlich sehen würde. Die beiden Parteien streiten genüsslich über die Köpfe des Wilds hinweg, das bei Dürreperioden regelmäßig massenhaft auf der Suche nach Wasser im Zaun verendet. Doch was soll Botswana anderes tun? Die Viehwirtschaft schafft die Grundlage vieler Menschenleben…

Kommen wir vom großen Ganzen wieder zurück zu unserem kleinen Mikrokosmos in unserem Willi. Wir hatten nämlich gar nicht mehr an den Zaun gedacht und nun noch unsere Wurst im Kühlschrank. Die Frau am Tor ließ sich unseren Kühlschrank zeigen und hob glücklicherweise nur im Ansatz die obere Lage an – sie sah unsere Wurst nicht und wir konnten passieren und sind damit ab jetzt nicht nur Vagabunden, sondern sogar Schmuggler. ;-) Doch es sollte uns eine Lehre sein: Da alle Gates in Tracks-4-Africa verzeichnet sind, werden wir zukünftig kein Fleisch mehr im Kühlschrank haben, wenn dieser an einem Gate kontrolliert wird.

Bei den letzten Kilometer nach Maun kamen wir uns vor, als ob wir durch Kanada fahren würden: Der Asphalt war gut, die Straße breit, rechts und links der Straße waren noch breite Schneisen und die sattgrünen Bäume nicht allzu hoch, so dass der Eindruck eines weiten Himmels entstand. Da sind wir also mitten in Afrika und denken an Kanada. … We need a break! Und eine Pause haben wir uns auch gegönnt. In Maun werden wir einige wenige Tage bleiben. Heute haben wir einfach mal durchgeatmet und am Pool des Sedia Hotels (und Campsite bei S 19° 57.197’, O 23° 28.713’) entspannt und freuen uns, dass wir die Staub-Sand-Schicht auf unserer Haut schließlich doch noch losgeworden sind.

 

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• Donnerstag, November 05th, 2009

Wir machten uns heute Morgen nach einem Late Check-Out zugunsten eines gemütlichen Frühstücks und ein paar Internetminuten auf. Schweren Herzens, denn dies hieß nicht nur einfach auf zur nächsten Stadt, sondern auch auf ins nächste Land, und so sehr wir uns auch auf den „Musterschüler“ des südlichen Afrikas, Botswana, freuen, so sehr trauern wir jetzt schon Sambia hinterher, dass uns sehr gefallen hat.

Auf dem Weg zur Grenze hielt uns bei S 17° 51.204’, O 25° 48.532’ ein „Offizieller“ an, der unser „Receipt“ sehen wollte. (T4A verzeichnet hier auch einen Polizei Kontrollpunkt.) Kein Problem damit, davon haben wir reichlich, aber ihm schien leider keiner unserer Belege richtig zu zusagen… Er wollte Car Levy (also Maut) haben und unser diesbezügliches Entry Receipt sehen. Wir hatten davon in ganz Sambia noch nichts gehört, aber er konnte seinerseits mit diversen Zettelchen wedeln, die das verdeutlichten, was er wollte und auch den Preis auswiesen, so dass das Ganze uns seriös vorkam. Tatsächlich ist es so, dass die verschiedenen Distrikte (seit kurzem) selbständig zusätzliche Maut erheben dürfen. Das war es wohl auch, was der Mann nach Chirundu von uns wollte, wir ihm aber verweigerten. ;-) Diesmal waren wir nun bereit zu zahlen; es waren ja auch nur 20’000 sambische Kwacha, also weniger als 3 EUR. (Dies lange auszudiskutieren und dabei den Motor laufen zu lassen, wäre uns wahrscheinlich teuerer gekommen.) Jedoch sah unser Offizieller nun, dass wir in seinem Distrikt drin sind und raus wollen, doch nie für den Eintritt gezahlt haben. In dem Fall hätte er gerne 40’000 sambische Kwacha – wir könnten den Eintritt bei ihm nachbezahlen… Nun für 6 EUR kann der Motor schon ein Weilchen laufen und dann können wir ruhig nochmals drüber diskutieren… Am Ende der Diskussion war er bereit, einfach nur seinen Job zu tun und die fälligen 20’000 Kwacha zu kassieren. Vielleicht war die Verdoppelung des Preises auch nur sein Schachzug, um zumindest diese einfache Gebühr vollständig und ohne Abzug zu bekommen. Wie dem auch sei, nach dem Bezahlen waren wir frei, den Distrikt zu verlassen und das taten wir dann auch schleunigst – bevor noch jemand kommt und ein Receipt sehen möchte… Das Exit Receipt zur Council Car Levy interessierte auch noch den ein oder anderen an der Grenze, so dass es sich als gut (und zeitliche Abkürzung) erwies, die Gebühr nicht endgültig wegdiskutiert zu haben.

Willi an Bord

Willi an Bord

Sambia und Botswana haben zwar eine gemeinsame Landgrenze, aber eine sehr feuchte. Wir bestiegen bei Kazungula (S 17° 47.373’, O 25° 16.001’) eine Fähre und setzten über das Vierländereck von Namibia, Sambia, Botswana und Simbabwe im Sambesi bei etwa S 17° 47.5’, O 25° 15.8’. Die Grenzformalitäten in Sambia waren wie üblich „Immigration“ (Pass ausstempeln) und „Customs“ (Carnet ausstempeln) und sehr zügig und professionell ohne weitere Kosten erledigt. Für die Fähre mussten wir noch im letzten Gebäude auf der linken Seite für 20 USD ein Ticket kaufen. Während ich dies erledigte, erwarb Anja für 1 USD einen „One Trillion Dollar“-Schein – die Frau ist in einer Bank gut aufgehoben –, doch leider war der Schein aus Simbabwe und damit leider nicht unsere zukünftige Sofortrente, sondern nur ein schönes Souvenir.

Muss er denn, muss er denn, ...

Muss er denn, muss er denn, ...

Auf botswanischer Seite waren auch nur „Immigration“ (Pässe einstempeln) und „Customs“ (Carnet) fällig. Alles lief noch schneller und mindestens genauso professionell ab, doch wir hatten nicht das Gefühl, fertig zu sein. Unsere Comesa, das gelbe Pendant zu unserer Grünen Karte, also unser Versicherungsnachweis, hörte mit Sambia auf. Für die südafrikanische Zollunion brauchen wir eine neue Versicherung. Polizei und Zoll wollten wir aber auch nicht direkt fragen – es ist meist keine gute Idee, schlafende Hunde zu wecken –, so hauten wir einen LKW-Fahrer an. Bei den Beamten von Polizei und Zoll war uns schon aufgefallen, dass uns ihr Englisch deutlich verständlicher war, als das „afrikanische Sing-Sang-Englisch“, das wir bisher meist zu Gehör bekamen. Nun bemerkten wir dies auch noch bei dem LKW-Fahrer, dessen Englisch noch besser war als das der anderen. Vielleicht ist es nur eine zu kleine Probe, vielleicht stimmt es aber auch, dass wir mit Botswana nun langsam in deutlich „westlich-geprägtere“ Länder gelangen.

Kurze Fahrt, aber dafür durch vier Länder (fast...)

Kurze Fahrt, aber dafür durch vier Länder (fast...)

Jedenfalls meinte der LKW-Fahrer, dass wir eine Versicherung sehr wohl drinnen in dem Immigration-und-Customs-Gebäude bekommen könnten, und zwar an dem Schalter zur linken. Wir erklärten dem Beamten unser Anliegen, hatten 120 Pula zu zahlen und bekamen drei Belege. Draußen waren wir dann gar nicht mehr so sicher, was wir da nun eigentlich in den Händen hielten und ob einer der Belege auch unsere Versicherung ist (von „Insurance“ stand da nämlich nichts). Also wieder rein und nochmals nachgefragt. Mittlerweile war unser Beamter von vorhin wohl im verdienten Büroschlaf, aber sein Kollege konnte ebenso Licht in unsere Beleg-Finsternis bringen. Wir hatten 50 Pula an „burs“ (Botswana Unified Revenue Service) gezahlt, wovon ich bis heute noch nicht weiß, wofür eigentlich genau, 20 Pula „Road Safety Levy Fee“, eine wohlklingende Umschreibung für Road Tax, und 50 Pula für ein „Short-Term Permit“, was einer Versicherung wohl am nächsten kommt – „This short-term permit entitles the permit holder mentioned above to carry goods/to take a group of passengers to Botswana and back to …“ Wir fragten den Beamten, der sehr viel Geduld mit uns Unwissenden hatte, sinngemäß, ob letzteres der Wisch ist, der Polizisten bei Kontrollen glücklich macht, und er bejahte. Gut, mehr interessiert uns eh nicht; für ernstzunehmende Unfälle und Schäden haben wir unsere Versicherung aus Deutschland, doch bei Kontrollen macht die die Polizisten (wie auch den Zoll, sofern eine Versicherung obligatorisch ist) einfach nicht glücklich, und wir wollen doch alle glücklich sehen…

Wir fuhren die verbleibenden 13 km bis Kasane schnell ab, zogen dort etwas Geld bei Barclays (S 17° 47.744’, O 25° 09.199’) und deckten uns im Spar Supermarkt (S 17° 47.741’, O 25° 09.186’) noch für die nächsten Tage ein. Nach getaner Arbeit fuhren wir das Thebe River Camp (S 17° 47.195’, O 25° 10.917’) an und bauten unser Lager auf. Man wies uns Platz 11 zu (Ja, nummerierte Campingplätze! Wir sind also zurück in westlich-geprägten Ländern.), aber Platz 8 gefiel uns besser. Wir stellten unseren Landcruiser neben dem unseres Nachbarn und schmissen uns auf den Kuchen, den wir im Spar Markt gekauft hatten und da nach dem Essen, vor dem Essen bedeutet, machten wir uns danach gleich ans Abendbrot – wir hatten seit dem Morgen nichts mehr in unsere Mägen bekommen.

Nach und nach tauchten auch unsere Nachbarn auf – nachmittags war nur eine Person vor Ort – und ich hörte, wie sie deutsch untereinander sprachen. Nachdem wir fertig gegessen hatten, fragte ich die Gruppe, ob sie „hoch“ oder „runter“ fahren. Anja und ich waren uns nämlich immer noch unschlüssig, ob wir die direkte Offroad-Piste nach Maun durch den Chobe National Park wagen sollten oder lieber den großen Bogen bis nach Nata schlagen sollten. Den ganzen Nachmittag hatten wir abgewogen und mal siegte ein „Lass es uns einfach probieren!“, doch nicht lang und es wurde von einem „Andersherum könnten wir natürlich noch die Makgadikgadi Pans sehen.“ abgelöst. Die Gruppe selbst kam jedoch aus Vic Falls, der Stadt an den Victoria Fällen auf simbabwischer Seite, hatten heute die Waterfront im Park abgefahren (also den nördlichen Rand entlang des Flusses Chobe, der ca. 3 km nordöstlich vom Park in den Sambesi fließt) und wollten morgen nach Maun aufbrechen – über Nata.

Glücklicherweise war die Gruppe jedoch geführt, und zwar von Didi, der Person, die den ganzen Nachmittag schon vor Ort war. Didi ist 1982 drei Jahre durch Afrika gereist und dann mit seiner Frau gleich in dort geblieben. Von Zimbabwe aus bietet er Safaris an, und die vierköpfige Gruppe aus Deutschland war gerade unterwegs auf einer seiner Reisen. Er ist die direkte Strecke gerade erst vor kurzem gefahren und meint, dass sie noch problemlos passierbar sei. An manchen Stellen ist der lose Sand zwar knietief und man kann deshalb zwar gut steckenbleiben – wobei er auch davon überzeugt ist, dass uns das mit unserem Wagen und unseren Reifen schwerlich gelingen könnte (er kennt uns halt nicht ;-) ) –, aber zumindest vorm Regen, unpassierbaren Matschstellen und weggespülten Passagen müssten wir uns keine Sorgen machen. Zudem gibt er uns einen Tipp, wo man gut außerhalb des südlichen Chobe National Parks campen kann.

Damit war der Fisch nun „’butzt“ und „Lass es uns einfach probieren!“ hat endgültig gewonnen. Erwartungsfroh schlugen wir uns nach dem Gespräch mit Didi und seiner Reisegruppe später als geplant, aber immer noch recht früh ins Bett, denn morgen wollen wir vor der Sonne auf sein.

 

 

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