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• Freitag, November 06th, 2009

In Malawi und Sambia blieben wir nicht sehr lang, weswegen die beiden Länder hier gemeinsam beurteilt werden.

Malawi_Sambia_01 Mit Malawi verlassen wir „Ostafrika“ und so ein bisschen merkt man auch, dass es nicht so richtig zum südlichen Afrika und auch nicht in den Osten gehören will. Wir sehen auf unserer Durchreise immer weniger traditionell gekleidete Menschen und auch die Frisuren der Frauen werden fantasievoller. Hier trägt man wieder lange Haare, statt Kurzhaarschnitt. Hier wird mir auch zum ersten Mal das Hairbraiding angeboten, also das Flechten einer Frisur. Ich hatte das mit 12 zum letzten Mal und ich meine, das sah ganz schön beschränkt aus, also verneinte ich.

In Sambia spürt man die Nähe zu Südafrika schon mehr. Hier gibt es deutlich mehr südafrikanische Produkte in den Supermärkten und die Bevölkerung wird „weißer“.

Neben Kleidung und Frisuren fiel mir in beiden Ländern besonders auf, Malawi_Sambia_04wie individuell hier die Häuser beschriftet sind. Ob es sich jedes Mal um einen Laden handelt oder doch ein Wohnhaus ist, konnte man nicht so genau erkennen. Wir sahen unter anderem eine Hütte mit der Beschriftung „Boyz II Men“, wobei nicht auszumachen war, was die dort genau machen und einen Supermarkt, der sich „Uncle Rich“ nannte. Leider habe ich davon keine Bilder machen können, da mir das meist im Vorbeifahren auffiel. Dafür haben wir eine Werbung abgelichtet (siehe Bild). 

In Malawi und Sambia haben wir recht wenig Kontakt zu Einheimischen. Das mag an der Kürze unseres Besuchs gelegen haben oder daran, dass wir meist auf Campingplätzen waren, die von Weißen gemanagt wurden. Das ist eine Erfahrung, die wir sowohl in Malawi als auch in Sambia vermissen. Man lernt das Land doch besser kennen, als wenn man nur die Natur erfährt. Trotzdem gab es in beiden Ländern Menschen, die uns beeindruckt haben:

Edwin, der uns im Krankenhaus in Malawi zur Seite stand, in dem er uns durch das Labyrinth der Gänge leitete, an den Schlangen vorbei in Zimmer führte, und uns mehrfach am Tag während seiner Arbeitszeit als auch in seinem Feierabend auf dem Zimmer besuchte, um sich nach uns zu erkundigen. Diese Hilfsbereitschaft war für ihn so selbstverständlich und für uns so ungewöhnlich, dass wir ihn hier in der Form erwähnen wollen.

Masumpa, unser Guide im South Luangwa hatte uns ebenfalls beeindruckt. Er wusste genau, wie er eine Fahrt durch den Park so gestaltet, dass uns nicht langweilig wurde. Die Walking-Safari war dabei natürlich besonders interessant. Er wusste auf jede Frage eine Antwort und zeigte uns alles, was uns und ihm einfiel. Als wir gefragt hatten, woher er das eigentlich alles weiß, meinte er, er sei anfangs als Beifahrer auf Nachtsafaris dabei gewesen und hätte in den Busch geleuchtet und dann hat er Bücher über die Wildtiere, Vögel, deren Eigenschaften und Spuren gelesen und sich so sein Wissen vollkommen selbst beigebracht. Ich finde an der Stelle beeindruckend, wie viel er in seinem Selbststudium gelernt hat und möchte ihn daher hier erwähnen.

Malawi_Sambia_02 In beiden Ländern sahen wir viel Natur und Wildlife. In Malawi war Jörg tauchen und sah hier zum ersten Mal in Afrika Süßwasserfische, in Sambia waren wir im South Luangwa Park und sahen dank Masumpa neben dem üblichen Groß- und Kleinwild auch einen Leoparden. Besonders waren natürlich die Elefanten, die jeden Tag durch das Camp liefen und die Affen, die uns unser Essen streitig machen wollten. In beiden Ländern sind die Nationalparks recht günstig, was uns nach Kenia und Tansania besonders freute.

Durch die Höhe Malawis war es hier größtenteils grün und teils ein bisschen urwaldig. Als wir durch die großen Gummibaumplantagen fuhren, wurden wir allerdings durch großflächige Rodungen auf die massive Nutzung der Natur aufmerksam. Danach fielen uns auch immer wieder brennende Böden und Büsche rechts und links neben der Straße auf. Wir haben bis heute nicht verstanden, wozu das gut sein soll. Eine Idee kam mir jedoch: vielleicht wird dies zur Erzeugung von Holzkohle gemacht, denn die wird hier sehr häufig kurz nach den schwarzen Flächen am Straßenrand verkauft.

Wie bei allen Länder-Überblicken, die wir geschrieben haben, wollen wir auch hier die Straßenqualität beurteilen. Wir waren in Malawi sehr überrascht, da hier die Straßen auf denen wir fuhren einen ausgesprochen guten Zustand hatten und zu meiner großen Freude fuhren wir fast nur auf geteerten Wegen. Ähnlich in Sambia. Da wo geteert war, war die Straße sehr gut, da wo wir auf Pisten kamen, waren die Wege eher schlecht.

Für die, die schon mal in Sambia waren, ist das Malawi_Sambia_03 Thema Treibstoffknappheit wahrscheinlich ein alter Hut. Für uns war es neu. Wir waren zwar vorgewarnt und vollgetankt, wollten aber sicherheitshalber trotzdem in Lusaka tanken, was zu ewiger Warterei an den Tankstellen führte. Jan und Trevor, die nach uns durch Malawi reisten, schrieben uns, dass es inzwischen auch in Malawi ein Problem sei, an Diesel zu kommen, und sie dasselbe auch für Mozambique erwarten. Na, da sind wir mal gespannt auf Botswana, unser nächstes Land.

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• Donnerstag, November 05th, 2009

Wir machten uns heute Morgen nach einem Late Check-Out zugunsten eines gemütlichen Frühstücks und ein paar Internetminuten auf. Schweren Herzens, denn dies hieß nicht nur einfach auf zur nächsten Stadt, sondern auch auf ins nächste Land, und so sehr wir uns auch auf den „Musterschüler“ des südlichen Afrikas, Botswana, freuen, so sehr trauern wir jetzt schon Sambia hinterher, dass uns sehr gefallen hat.

Auf dem Weg zur Grenze hielt uns bei S 17° 51.204’, O 25° 48.532’ ein „Offizieller“ an, der unser „Receipt“ sehen wollte. (T4A verzeichnet hier auch einen Polizei Kontrollpunkt.) Kein Problem damit, davon haben wir reichlich, aber ihm schien leider keiner unserer Belege richtig zu zusagen… Er wollte Car Levy (also Maut) haben und unser diesbezügliches Entry Receipt sehen. Wir hatten davon in ganz Sambia noch nichts gehört, aber er konnte seinerseits mit diversen Zettelchen wedeln, die das verdeutlichten, was er wollte und auch den Preis auswiesen, so dass das Ganze uns seriös vorkam. Tatsächlich ist es so, dass die verschiedenen Distrikte (seit kurzem) selbständig zusätzliche Maut erheben dürfen. Das war es wohl auch, was der Mann nach Chirundu von uns wollte, wir ihm aber verweigerten. ;-) Diesmal waren wir nun bereit zu zahlen; es waren ja auch nur 20’000 sambische Kwacha, also weniger als 3 EUR. (Dies lange auszudiskutieren und dabei den Motor laufen zu lassen, wäre uns wahrscheinlich teuerer gekommen.) Jedoch sah unser Offizieller nun, dass wir in seinem Distrikt drin sind und raus wollen, doch nie für den Eintritt gezahlt haben. In dem Fall hätte er gerne 40’000 sambische Kwacha – wir könnten den Eintritt bei ihm nachbezahlen… Nun für 6 EUR kann der Motor schon ein Weilchen laufen und dann können wir ruhig nochmals drüber diskutieren… Am Ende der Diskussion war er bereit, einfach nur seinen Job zu tun und die fälligen 20’000 Kwacha zu kassieren. Vielleicht war die Verdoppelung des Preises auch nur sein Schachzug, um zumindest diese einfache Gebühr vollständig und ohne Abzug zu bekommen. Wie dem auch sei, nach dem Bezahlen waren wir frei, den Distrikt zu verlassen und das taten wir dann auch schleunigst – bevor noch jemand kommt und ein Receipt sehen möchte… Das Exit Receipt zur Council Car Levy interessierte auch noch den ein oder anderen an der Grenze, so dass es sich als gut (und zeitliche Abkürzung) erwies, die Gebühr nicht endgültig wegdiskutiert zu haben.

Willi an Bord

Willi an Bord

Sambia und Botswana haben zwar eine gemeinsame Landgrenze, aber eine sehr feuchte. Wir bestiegen bei Kazungula (S 17° 47.373’, O 25° 16.001’) eine Fähre und setzten über das Vierländereck von Namibia, Sambia, Botswana und Simbabwe im Sambesi bei etwa S 17° 47.5’, O 25° 15.8’. Die Grenzformalitäten in Sambia waren wie üblich „Immigration“ (Pass ausstempeln) und „Customs“ (Carnet ausstempeln) und sehr zügig und professionell ohne weitere Kosten erledigt. Für die Fähre mussten wir noch im letzten Gebäude auf der linken Seite für 20 USD ein Ticket kaufen. Während ich dies erledigte, erwarb Anja für 1 USD einen „One Trillion Dollar“-Schein – die Frau ist in einer Bank gut aufgehoben –, doch leider war der Schein aus Simbabwe und damit leider nicht unsere zukünftige Sofortrente, sondern nur ein schönes Souvenir.

Muss er denn, muss er denn, ...

Muss er denn, muss er denn, ...

Auf botswanischer Seite waren auch nur „Immigration“ (Pässe einstempeln) und „Customs“ (Carnet) fällig. Alles lief noch schneller und mindestens genauso professionell ab, doch wir hatten nicht das Gefühl, fertig zu sein. Unsere Comesa, das gelbe Pendant zu unserer Grünen Karte, also unser Versicherungsnachweis, hörte mit Sambia auf. Für die südafrikanische Zollunion brauchen wir eine neue Versicherung. Polizei und Zoll wollten wir aber auch nicht direkt fragen – es ist meist keine gute Idee, schlafende Hunde zu wecken –, so hauten wir einen LKW-Fahrer an. Bei den Beamten von Polizei und Zoll war uns schon aufgefallen, dass uns ihr Englisch deutlich verständlicher war, als das „afrikanische Sing-Sang-Englisch“, das wir bisher meist zu Gehör bekamen. Nun bemerkten wir dies auch noch bei dem LKW-Fahrer, dessen Englisch noch besser war als das der anderen. Vielleicht ist es nur eine zu kleine Probe, vielleicht stimmt es aber auch, dass wir mit Botswana nun langsam in deutlich „westlich-geprägtere“ Länder gelangen.

Kurze Fahrt, aber dafür durch vier Länder (fast...)

Kurze Fahrt, aber dafür durch vier Länder (fast...)

Jedenfalls meinte der LKW-Fahrer, dass wir eine Versicherung sehr wohl drinnen in dem Immigration-und-Customs-Gebäude bekommen könnten, und zwar an dem Schalter zur linken. Wir erklärten dem Beamten unser Anliegen, hatten 120 Pula zu zahlen und bekamen drei Belege. Draußen waren wir dann gar nicht mehr so sicher, was wir da nun eigentlich in den Händen hielten und ob einer der Belege auch unsere Versicherung ist (von „Insurance“ stand da nämlich nichts). Also wieder rein und nochmals nachgefragt. Mittlerweile war unser Beamter von vorhin wohl im verdienten Büroschlaf, aber sein Kollege konnte ebenso Licht in unsere Beleg-Finsternis bringen. Wir hatten 50 Pula an „burs“ (Botswana Unified Revenue Service) gezahlt, wovon ich bis heute noch nicht weiß, wofür eigentlich genau, 20 Pula „Road Safety Levy Fee“, eine wohlklingende Umschreibung für Road Tax, und 50 Pula für ein „Short-Term Permit“, was einer Versicherung wohl am nächsten kommt – „This short-term permit entitles the permit holder mentioned above to carry goods/to take a group of passengers to Botswana and back to …“ Wir fragten den Beamten, der sehr viel Geduld mit uns Unwissenden hatte, sinngemäß, ob letzteres der Wisch ist, der Polizisten bei Kontrollen glücklich macht, und er bejahte. Gut, mehr interessiert uns eh nicht; für ernstzunehmende Unfälle und Schäden haben wir unsere Versicherung aus Deutschland, doch bei Kontrollen macht die die Polizisten (wie auch den Zoll, sofern eine Versicherung obligatorisch ist) einfach nicht glücklich, und wir wollen doch alle glücklich sehen…

Wir fuhren die verbleibenden 13 km bis Kasane schnell ab, zogen dort etwas Geld bei Barclays (S 17° 47.744’, O 25° 09.199’) und deckten uns im Spar Supermarkt (S 17° 47.741’, O 25° 09.186’) noch für die nächsten Tage ein. Nach getaner Arbeit fuhren wir das Thebe River Camp (S 17° 47.195’, O 25° 10.917’) an und bauten unser Lager auf. Man wies uns Platz 11 zu (Ja, nummerierte Campingplätze! Wir sind also zurück in westlich-geprägten Ländern.), aber Platz 8 gefiel uns besser. Wir stellten unseren Landcruiser neben dem unseres Nachbarn und schmissen uns auf den Kuchen, den wir im Spar Markt gekauft hatten und da nach dem Essen, vor dem Essen bedeutet, machten wir uns danach gleich ans Abendbrot – wir hatten seit dem Morgen nichts mehr in unsere Mägen bekommen.

Nach und nach tauchten auch unsere Nachbarn auf – nachmittags war nur eine Person vor Ort – und ich hörte, wie sie deutsch untereinander sprachen. Nachdem wir fertig gegessen hatten, fragte ich die Gruppe, ob sie „hoch“ oder „runter“ fahren. Anja und ich waren uns nämlich immer noch unschlüssig, ob wir die direkte Offroad-Piste nach Maun durch den Chobe National Park wagen sollten oder lieber den großen Bogen bis nach Nata schlagen sollten. Den ganzen Nachmittag hatten wir abgewogen und mal siegte ein „Lass es uns einfach probieren!“, doch nicht lang und es wurde von einem „Andersherum könnten wir natürlich noch die Makgadikgadi Pans sehen.“ abgelöst. Die Gruppe selbst kam jedoch aus Vic Falls, der Stadt an den Victoria Fällen auf simbabwischer Seite, hatten heute die Waterfront im Park abgefahren (also den nördlichen Rand entlang des Flusses Chobe, der ca. 3 km nordöstlich vom Park in den Sambesi fließt) und wollten morgen nach Maun aufbrechen – über Nata.

Glücklicherweise war die Gruppe jedoch geführt, und zwar von Didi, der Person, die den ganzen Nachmittag schon vor Ort war. Didi ist 1982 drei Jahre durch Afrika gereist und dann mit seiner Frau gleich in dort geblieben. Von Zimbabwe aus bietet er Safaris an, und die vierköpfige Gruppe aus Deutschland war gerade unterwegs auf einer seiner Reisen. Er ist die direkte Strecke gerade erst vor kurzem gefahren und meint, dass sie noch problemlos passierbar sei. An manchen Stellen ist der lose Sand zwar knietief und man kann deshalb zwar gut steckenbleiben – wobei er auch davon überzeugt ist, dass uns das mit unserem Wagen und unseren Reifen schwerlich gelingen könnte (er kennt uns halt nicht ;-) ) –, aber zumindest vorm Regen, unpassierbaren Matschstellen und weggespülten Passagen müssten wir uns keine Sorgen machen. Zudem gibt er uns einen Tipp, wo man gut außerhalb des südlichen Chobe National Parks campen kann.

Damit war der Fisch nun „’butzt“ und „Lass es uns einfach probieren!“ hat endgültig gewonnen. Erwartungsfroh schlugen wir uns nach dem Gespräch mit Didi und seiner Reisegruppe später als geplant, aber immer noch recht früh ins Bett, denn morgen wollen wir vor der Sonne auf sein.

 

 

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• Mittwoch, November 04th, 2009

Nach einem ordentlichen Frühstück haben wir uns bei den Zambezi Breezers verabschiedet und uns auf die Reise gemacht. Der erste Zwischenstopp ließ nicht lange auf sich warten: der versteinerte Wald direkt vor Chirundu (bei S 16° 01.648’, O 28° 41.979’). Allerdings fanden wir den weniger spannend.

Hohler Baum im versteinerten Wald

Hohler Baum im versteinerten Wald

Entweder wir waren hier – trotz Hinweisschild – nicht an der richtigen Stelleoder wir sahen den Wald vor lauter Bäumen nicht; wir fanden zwar etliche versteinerte Stämme, aber so richtig begeistern konnte uns das nicht. Vielleicht war ’s dafür auch einfach zu früh am Morgen…

Rückblick auf Willi

Rückblick auf Willi

Versteinerte Rinde

Versteinerte Rinde

Der nächste Stopp war in Monze. Ursprünglich sollte unser heutiges Etappenziel kurz vorher in „The Moorings Campsite“ erreicht sein, doch da wir bisher auf der guten Straße schnell durchgekommen waren, entschlossen wir uns nach einem kurzen Stopp am Geldautomaten für die direkte Weiterfahrt nach Livingstone. Kurz unterbrochen wurde unsere 525 km lange Tagesetappe eigentlich immer nur durch Polizeikontrollen. An einer nahm es der Polizist genau, wollte unsere Versicherung und meinen Führerschein sehen und ging dann einmal ums Auto. Als er hinter unserem Willi stand, hieß er mich an, den Blinker anzumachen. Nun, kein Problem damit, denn der hat bisher stets funktioniert, aber ich merkte in dem Augenblick, dass ich auf der Bremse stand. Unser hinteres linkes Bremslicht hat immer noch einen Wackelkontakt und so geht es mal, und dann geht es wieder nicht. Wir konnten nur hoffen, dass es nun gerade funktioniert, denn sonst wäre garantiert eine Strafgebühr fällig. Doch Fortuna war uns auch diesmal hold und das Bremslicht strahlte in voller Pracht. Wir bekamen unsere Papiere wieder und durften weiterfahren.

Trotz gegenteiliger Gerüchte haben wir bisher stets korrekte sambische Beamte getroffen. Gebühren (etwa beim Landeseintritt) waren schriftlich ausgewiesen und wurden nach Bezahlung quittiert. Kurz nach Chirundu trafen wir auf einen Kontrolleur (eine Polizeiuniform trug er nicht), der 10’000 Kwatcha von uns haben wollte. Wir hielten das für die erste offensichtliche Abzocke, die wir südlich vom Äquator erfahren haben, setzten uns durch und mussten nicht zahlen. (Allerdings stellte sich in einem Gespräch mit Didi (zu ihm mehr im nächsten Artikel) hinterher heraus, dass der Kontrolleur durchaus berechtigt gewesen wäre, diese Gebühr einzuziehen…)

Die Landschaft wird zunehmens grüner, was auch impliziert, dass wir endlich mal wieder Regen haben.

Ordentliche Schauer -- live vor Ort waren die Wolken weitaus dunkler, als es hier den Anschein hat

Ordentliche Schauer -- live vor Ort waren die Wolken weitaus dunkler, als es hier den Anschein hat

Es ist schon komisch, was man bei so einer Reise anfängt zu vermissen. Vielleicht ist es nur natürlich, dass ich mich nach Wochen ununterbrochener brennender Sonne nach etwas Regen sehne, aber dass ich endlich mal wieder einen ordentlichen, mindestens eine Tageshälfte füllenden Landregen hätte, ist wahrscheinlich doch eher mein norddeutsches Naturell. Doch das werde ich bald wieder zu genüge haben, solang werde ich noch die Sonne Afrikas genießen.

Wolken wo man hinsieht

Wolken, wo man hinsieht

Etwa 70 km vor Livingstone mussten wir dann insgesamt dreimal für mehrere Kilometer von der eigentlichen Straße runter, da diese ausgebessert wurde. Kurz vorm Ziel wurden wir somit nochmals ausgebremst, aber Livingstone erreichten wir trotzdem noch im Hellen; das eigentliche „Spießrutenlaufen“ setzte auch erst dort ein. Wir fuhren zunächst zum Fawlty Towers Camping (S 17° 51.260’, O 25° 51.293’). Dort gab es einen hervorragenden Innenhof mit Pool, aber Camping wäre nur auf dem Parkplatz hinter den Hütten möglich gewesen und das war schon sehr rudimentär. Wir sind dann weiter zum Jollyboys Camp und dort die gleiche Geschichte: Die Anlage gefiel uns sehr gut, aber Campen wäre nur auf dem Parkplatz gegangen. Hier ist der Parkplatz sogar direkt am Haupteingang und man hätte wahrscheinlich erst sehr spät nachts bzw. früh morgens ans Einschlafen denken können. Man hatte uns dann noch vor Ort ihre neue Campsite empfohlen, die ein wenig abseits des Zentrums bei S 17° 51.286’, O 25° 51.686’ lag, doch auch die war nicht das Wahre: Es gab nahezu keinen Schatten und Campen ging auch nur auf dem Parkplatz. (Allerdings war der diesmal zumindest leer und alles ein wenig ruhiger.) Wir sind dann noch zur Maramba Ríver Lodge, doch umgerechnet 10 EUR pro Person und Nacht für absolut lieblose Camping-Plätze war auch hier kein Argument, das überzeugt. Wir sind schließlich zurück zum Anfang, zu den Fawlty Towers, und nahmen uns dort ein Doppelzimmer – mittlerweile war es auch dunkel geworden –, aber immerhin gab es kostenloses WiFi, doch das nur um die Rezeption herum (reichte vom Pool bis zum Frühstücks- und Dinner-Raum, allerdings leider nicht in unser Zimmer).

Am nächsten Morgen recherchierte Anja ein wenig im Internet. Bleiben wäre sicherlich eine Möglichkeit, aber vielleicht finden wir ja doch noch etwas, wo wir campen können. Bisher suchten wir uns im Vorfeld zwei bis drei Optionen raus und entscheiden uns vor Ort. Das uns keine unserer zuvor ausgewählten Optionen wirklich zusagte, hatten wir auf unserer Reise bisher noch nicht. Wir hatten nun ein paar neue Alternativen und gingen zunächst einkaufen. Die Victoria Fälle wollen wir nachmittags und bei Sonnenuntergang sehen, so dass wir noch genügend Zeit haben.

Beim Parkplatz des Spar Markts (S 17° 52.276’, O 25° 51.345’) sahen wir auf einmal drei Motorräder mit deutschen Nummernschildern und vor dem Steers spürten wir die zugehörigen Fahrer auf, unschwer an ihrer Kleidung zu erkennen. Das „Hallo!“ war natürlich groß – endlich mal wieder zweirädrige Benzingespräche –, aber es sollte noch besser werden: Bei unserem Einkauf stießen wir nämlich erneut auf Anneliese, die wir zusammen mit ihrem Mann, Josi, in Kenia am Lake Turkana trafen und später noch am Samburu National Park und in Jungle Junction. Wie sich später bei gemeinsamen Burger und Pizzen herausstellte, sind die beiden die Organisatoren der Motorrad-Tour, deren Fahrer wir zuvor getroffen haben; sie sind die Köpfe von Explo-Tours [Link: www.explo-tours.de] und als wir sie in Kenia trafen, waren sie gerade dabei eine neue Route auszubaldowern. Na, dem Ganzen gingen wir natürlich gründlicher nach und zudem nutzten wir ihre Kenntnisse über die Region. Wir sind uns nämlich nach wie vor unsicher, wie wir durch den Chobe National Park fahren wollen. Uns reizt die Strecke durch den Park direkt nach Maun, doch in der Regenzeit verwandelt sich der knietiefe Sand der Pisten im Süden schnell zu unpassierbaren Schlammlöchern. Zudem sind wir derzeit alleine und hätten keinen zweiten Wagen, der uns im Fall der Falle rausziehen könnte. Es hängt also alles davon ab, wie das Wetter wird. Wenn ’s nachhaltig regnet, können wir leider nicht da durch, sondern fahren im Chobe National Park die Waterfront ab, dann wieder raus und müssen über die Hauptstraße über Nata nach Maun. Das wäre zwar ein großer Umweg, aber andererseits könnten wir uns den Nxai National Park und die Makgadikgadi Pan noch anschauen. Mehrmals täglich schwenken wir in unserer Entscheidung, welchen dieser beiden Wege wir nehmen wollen, um. Anneliese und Josi bestärkten uns in unserem Wunsch, die Offroad-Strecke durch den Nationalpark zu fahren, aber die Entscheidung fällt wahrscheinlich letzten Endes eh das Wetter. Es wird sich nun zeigen, ob wir schnell genug nach Süden gedüst sind, um vor dem Regen da zu sein…

Die beiden mussten los und auch wir wollten endlich zu den Victoria Fällen. Auf dem Weg dahin hielten wir noch bei dem Mosi-o-Tunya Picknick- und Aussichts-Platz (S 17° 54.485’, O 25° 51.526’), für die ersten Eindrücke des Sambesis vor seinem Fall.

Der Sambesi vor dem Fall

Der Sambesi vor dem Fall

Wir fuhren weiter zum Victoria Falls National Monument (S 17° 55.606’, O 25° 51.857’). Für Besucher aus Simbabwe gibt es in Sambia ein günstiges, ein Tag gültiges Besuchervisum für 10 USD, andersherum gibt es das leider nicht und es werden die vollen 30 USD für ein normales Visum fällig. Für einen kurzen Spaziergang auf der anderen Seite der Klippen war uns das jedoch ein wenig teuer und so blieben wir auf der sambischen Seite.

Brücke zwischen Sambia und Simbabwe ...

Brücke zwischen Sambia und Simbabwe ...

Brücke zwischen Sambia und Simbabwe und Ort hoher Adrenalin-Ausschüttung

... und Ort hoher Adrenalin-Ausschüttung

Von dieser Seite zeigte sich, dass wir zumindest bis hier hin unser Rennen mit dem Regen gewonnen haben: Die Victoria Fälle wirkten nahezu ausgetrocknet.

Einsamer Rinnsal

Einsamer Rinnsal stellt sich todesmutig den Klippen

Nichts war zu sehen von den Wassermassen, die sich sonst die Klippen hinunterstürzen, nichts zu hören von dem Tosen, mit dem dies sonst geschieht, und es lag kein Duft frischer Wassertropfen in der Luft. Nur in der Ferne – von der simbabwischen Seite gut sichtbar – sah man Gischt wie einen Heißluftballon in der Luft schweben.

Gischt in der Schwebe

Gischt in der Schwebe

Hier hatten wir auch endlich mal die Gelegenheit, wieder geocachen zu gehen. Den Virtual haben wir gut und schnell gefunden ;-) , doch den einen Traditional, den wir uns rausgesucht hatten, fanden wir jedoch auch nach 45 Minuten nicht. :-( Wir hatten gehofft, auf unserer Reise vielmehr cachen zu können, doch wenn es Caches gab, so haben wir häufig davon erst hinterher erfahren, weil wir gerade kein Internet hatten, und hatten wir letzteres, so gab es meist keine Caches in der Nähe, aber hier kam endlich mal wieder das eine zum anderen und wir hatten zudem die notwendige Zeit.

GCGZZ6 und ...

GCGZZ6 und ...

... GC1W02X

... GC1W02X

Als wir auf den Sonnenuntergang warteten, stieß Godfrey zu uns. Er ist so eine Art Sozialarbeiter, der unterprivilegierten Kindern durch Gespräche das notwendige Selbstvertrauen geben möchte, und hatte einen anstrengenden Tag. Dann schaut er zum „Runterkommen“ immer wieder hier vorbei. Wir unterhielten uns lang über alles Mögliche (er sieht seine jetzige Arbeit als Grundstein, um ab 2011 im sambischen Parlament zu sitzen), dann kam der Sonnenuntergang und unser Besuch neigte sich seinem Ende.

Godfrey und wir

Godfrey und wir

Wir hatten fast Vollmond, und Fiver & Stuart hatten uns empfohlen, unbedingt bei Mondschein bei den Victoria Fällen zu sein. Auch wenn dann erneut der Eintritt (10 USD pro Person) fällig ist, sei es einfach ein einmaliges Ereignis, wenn sich der Mondschein in den Wassertropfen spiegelt, die in der Luft schweben, und es aussieht, als stünde man vor lauter kleinen funkelnden Sternen. Doch so ausgetrocknet, wie sich die Fälle uns präsentierten, heben wir uns diesen Eindruck lieber für den nächsten Besuch auf und so endete unser Ausflug zu den Victoria Fällen, der für uns wieder ein Meilenstein unserer Reise war.

Victoria Falls

Trockene Fälle

Wir fuhren zurück nach Livingstone. Anneliese und Josi campierten mit ihrer Gruppe bei der Waterfront Campsite, auch Martin war bei seiner Reise hier, und so fuhren wir als erstes dorthin. Doch leider hatten die keinen Platz für uns! Sie sahen nicht mal die Möglichkeit, uns irgendwo reinzuquetschen. Das war uns auch noch nicht passiert. Immerhin konnte die Waterfront Rezeption uns an ihr Schwester-Camp, die Bushfront, verweisen. Wir fuhren dorthin und wurden noch vor der Rezeption von einer Horde Mücken empfangen, die uns nahezu aussog. Im Dunkeln überzeugte uns der Platz auch nicht sonderlich, und wir zogen weiter, bereit wieder in der Stadt ein Zimmer zu nehmen. Wir wollten das Zigzag ausprobieren, auf das wir im Tripadvisor [Link] stießen. Doch die hatten so kurzfristig leider keine Bleibe für uns. Wir fragten also erneut im Fawlty Towers und die hätten sogar unser altes Zimmer für uns, doch wir wollten zumindest noch eine letzte Alternative versuchen. Nachdem wir das Zimmer für eine halbe Stunde reservieren ließen, fuhren wir zum lokalen Platz 1 des Mittelklasse-Segments vom Tripadvisor: der Chanters Lodge (S 17° 50.175’, O 25° 51.618’).

Hier blieben wir und verbrachten auch den heutigen Tag entspannt am Pool. Es regnete und donnerte nachmittags und wir wissen, dass wir morgen zügig weiter müssen, um unser Rennen mit dem Regen für den Chobe National Park, aber auch für das Okavango Delta, nicht endgültig zu verlieren…

 

 

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• Sonntag, November 01st, 2009

Als wir uns am Morgen verabschiedeten, fragte Peter uns noch, ob wir genügend Diesel dabei hätten, da in Sambia gerade Treibstoff knapp ist. Wir hatten glücklicherweise noch in Lilongwe fast komplett aufgetankt und so sicherlich noch über 200 l Diesel, aber anderseits ist Sambia groß. In der Hoffnung, dass wir die nächsten Tage schon noch überstehen können und dann vielleicht wieder genügend Treibstoff vorhanden ist, brachen wir auf.

Ursprünglich wollten wir die Piste entlang des Luangwa fahren, die bei Petauke auf die Hauptstraße von Chipata nach Lusaka führt. Das hätte zwar ca. 180 km schlechte Strecke bedeutet, doch die Strecke über Chipata ist noch Mal ca. 120 km länger und die 120 km Wellblech nach Chipata sind wir ja nun auch schon gefahren. Im Tracks & Trail trafen wir jedoch auf zwei Augsburger, die gerade erst diese Alternativroute hochgekommen waren. Sie schilderten uns diese Strecke als wenig reizvoll: Den Luangwa würde man von der Strecke aus nur zweimal zu Gesicht bekommen und auch sonst sei sie sehr eintönig nur das Wellblech rotiert ständig von anstrengend auf sehr grob zu materialschädigend und dann wieder von vorn… Zudem würde man für die relativ kurze Strecke an die 7 Stunden benötigen. Für unschöne Strecken wollen wir keinen Materialschaden riskieren und so schlugen wir den großen Bogen erneut über Chipata. Diese Strecke war schnell gemacht und die verbleibenden 340 km bis zum Luangwa Bridge Camp (S 15° 00.308’, O 30° 12.907’) – von dem unsere Version von Tracks4Africa (8.10) meinte, es wäre geschlossen –, waren fast noch schneller abgerissen, da die Straße in einwandfreiem Zustand war. Das Camp war aber glücklicherweise nicht geschlossen. Wir gönnten uns mal wieder ein „Landebierchen“ und genossen dies vor einem kleinen Lagerfeuerchen (Feuerholz war hier in der Übernachtung inklusive).

Als wir mit Essen fast fertig waren, kehrte ein Overland Truck ein, und es war mit unserer Idylle dahin. Für einen Overland Truck kam dieser atypisch spät an dem Camp an; es stellte sich später heraus, dass sie in Lusaka nahezu jede Tankstelle auf der Suche nach Diesel anfahren mussten. Und das in der Hauptstadt! Prost, Mahlzeit! Wir haben zwar immer noch genügend Reserven, doch der zweite Tank ist mittlerweile nur noch halb voll…

Doch so schlimm waren die Overlander diesmal gar nicht, „obwohl“ diesmal viele Deutsche darunter waren. ;-) Die Gruppe war älter (im Schnitt deutlich älter als wir) und unser vor sich hin qualmendes Lagerfeuer hat Teile der Gruppe mehr gestört als die Gruppe uns. Eine ältere Frau kam zu Anja und sprach sie ob unseres Landcruisers an, während ich unter der Dusche den Tagesstaub abwusch.

[Anja:] Ich habe inzwischen meine Aversion gegen Overlandtrucks abgelegt, weil es eigentlich nur in Jinja schlimm war und seitdem nur noch friedliche und gesittete Leute aus den Trucks raus kamen. Das frühe Aufstehen dieser Camper nervt allerdings immer noch, denn wenn man in deren Nähe parkt, bekommt man zwangsläufig von dem Zusammengepacke ihrer Zelte mit.

Im Bridge Camp kam aus dem Truck eine sehr nette ältere Dame heraus, die mich ansprach. Sie wollte mehr über unser Auto und unsere Reise wissen und erzählte mir dabei, dass sie selbst mit ihrem Mann 16 Jahre lang solche Reisen in Nordafrika unternommen hatte Nun sei ihr Mann aber gestorben, sie hat den Landcruiser verkauft und macht stattdessen jetzt Entdeckungsreisen mit Overland Truck.

Den Tour Operator haben wir noch nach Tipps für den Lower Zambezi National Park gefragt. Unsere Recherche hat nämlich vor allem gehobene Lodges (also „teure“) zum Vorschein gebracht und das hatte uns auch Peter von Tracks & Trail mit auf den Weg gegeben. Der Tour Operator konnte uns glücklicherweise einen Tipp geben, und zwar die Zambezi Breezers, zu denen wir uns dann auch aufmachten. Doch zuvor gönnten wir uns den Luxus des „Fremdfrühstückens“. Wir hatten ein Full English Breakfast und ein Continential Breakfast bestellt und wie sich herausstellte, war dies das beste (nicht selbstgemachte) Frühstück seit langem. Es gab Obstsalat, frischen Saft, natürlich Kaffee und Tee, Brot und Eier nach Wunsch sowie als Highlight Aufschnitt von Käse und Wurst. Besonders angetan hatte es uns die Salami, die so auch in Italien serviert hätte werden können, ohne dass sie negativ aufgefallen wäre.

Um für ein wenig Treibstoff die besten Karten zu haben – Wenn nicht in der Hauptstadt, wo dann sonst? – und um noch das ein oder andere einzukaufen – Unter anderem unbedingt diese Salami! –, fuhren wir weiter auf direkten Weg nach Lusaka. Wir schlugen damit erneut einen großen (380 km langen) Bogen, denn das Camp der Zambezi Breezers (S 15° 59.135’, O 28° 52.859’) lag südwestlich des Parks, fast direkt wo der Kafue in den Sambesi fließt. Gereizt hätte uns auch sehr die direktere Strecke dorthin, die bei Shingela südlich abbiegt, zunächst östlich entlang des Parks führt und schließlich durch ihn durch. Man soll genügend Zeit für dieses Teilstück einplanen, denn da sind sich diesmal alle unsere Quellen (andere Overland Travellers, Blogs und Reiseführer) einig: Diese Strecke ist … nun sagen wir mal „für den Fahrer interessant“; für den Beifahrer allerdings weniger, da sie vielleicht noch landschaftlich einiges zu bieten hat, aber von der der Tierwelt her sehr wenig, das konzentriert sich gerade in der Trockenzeit alles in unmittelbarer Nähe zum Sambesi.

Straße von Lusaka nach Chirundu

Straße von Lusaka nach Chirundu

Die Straße bis Lusaka war wieder einmal hervorragend und so langsam frage ich mich, ob wir für diese ganzen Teerstraßen Afrikas adäquat motorisiert sind. ;-) Ernsthaft habe ich mir fahren in Afrika „rudimentärer“ vorgestellt. Nun liegt dies sicherlich an unserer Streckenauswahl, denn wenn man wirklich wollte, so kann man hier natürlich noch genügend Offroad-Fahren, auch wir hatten natürlich genügend davon. Außerdem mag da Definitionssache hinein spielen: Eine Piste, die dank ordentlicher Spuren gut befahrbar ist, dazu muss sie nicht mal planiert sein, sollte jedoch zumindest nur wenig Wellblech haben, zähle ich eher zur „Straße“ und deshalb weniger als „Offroad fahren“. Dort sind ja auch keinerlei Offroad-Fahrtechniken notwendig, sieht man mal von der Wahl der richtigen Geschwindigkeit ab, aber das mögen andere halt anders sehen. Dank der fleißigen Chinesen kann man bestimmt schon in fünf Jahren Afrika von Nord nach Süd mit seinem Hymer-Wohnmobil auf Asphalt durchqueren, der Grundstock ist dazu schon gelegt und das ist das, was wir uns „rudimentärer“ vorgestellt haben.

In Sambia müssen zwei Warndreiecke mitgeführt werden; sollte der Wagen wegen eines Unfalls oder einer Panne stehen bleiben, wird ein Warndreieck vor dem Wagen und eins hinter ihm aufgestellt. Die Polizei soll sich auch ab und an die zwei Warndreiecke zeigen lassen. Wir wollten uns deswegen immer mal ein zweites billiges Warndreieck besorgen, haben diese Besorgung aber bisher stets verschludert. Umso erfreuter waren wir, als wir auf der Straße ein einsames, zurückgelassenes Warndreieck entdeckten. Wir hielten an und gaben dem armen Dreieck ein neues Zuhause in unserem Willi. Als wir unsere Fahrt fortsetzten und über den nächsten Hügel gefahren sind, entdeckten wir dort jedoch den wahrscheinlich zugehörigen liegengebliebenen LKW. Shit! … Was nun? Wenn das Warndreieck wirklich von dem LKW-Fahrer stammt, dann hat er den Sicherheitsabstand doch ein wenig übertrieben. Wir wollten nun allerdings weniger anhalten und dem Fahrer erklären: „Wir haben dir dein Warndreieck geklaut, aber nun, da du doch hier bist, geben wir dies wieder.“ Auch „umdrehen, zurücklegen und dann erneut wieder umdrehen“ wäre zwar eine Option gewesen, aber … Wir machten das, was jeder Durchschnittsbetroffene bei so einer Entscheidungswahl macht: Wir saßen sie aus und fuhren mit dem geklauten (?) Warndreieck in unserem Gepäck weiter. Hoffentlich ist der Arme nicht unsertwegen in Probleme mit der Polizei geraten.

Unterhaltsam fanden wir beide auch den Tse-Tse-Fliegen Kontrollposten bei S 15° 14.468’, O 29° 09.804’: Der Posten, offensichtlich nur bedingt enthusiastisch über seinen Job, bewaffnete sich mit seinem Kescher, schaute von außen vorn in unseren Wagen, ging dann einmal um ihn herum und spickte dabei genauestens durch jedes Fenster. Wahrscheinlich scannte er unseren Willi nach Tse-Tse-Fliegen ab, denen er dann erbarmungslos mit seinem Kescher den Gar ausgemacht hätte. Wir hatten offensichtlich keine an Bord, denn nach seinem Rundgang machte er uns das Tor auf und signalisierte uns weiterzufahren. Anja und ich sind jedes Mal froh, wenn wir durch solche Maßnahmen sehen, dass den Behörden die Gesundheit aller Menschen dieser Region (und auch uns Reisenden) am Herzen liegt…

Gegend zwischen Lusaka und Chirundu

Gegend zwischen Lusaka und Chirundu

In Lusaka fuhren wir zwei Tankstellen an, vor denen wir bereits Schlangen sahen. (Die, bei denen es keine Schlangen gab, ließen wir gleich links respektive rechts liegen.) Doch beide Male stellte sich leider heraus, dass sich die Schlangen nur vor den „Petrol“ Zapfsäulen (also Benzin / Super) gebildet hatten, Diesel hatten die Tankstellen leider nicht. Auf den Schreck ging ’s nun erstmal einkaufen – wir brauchten ein Erfolgserlebnis. Doch auch hier konnten wir leider nicht voll „performen“: Genau die Salami, die wir noch morgens im Luangwa Bridge Camp verschlungen haben, fanden wir hier nicht (obwohl uns die Besitzerin sagte, dass sie die auch aus dem Shoprite in Lusaka hatte), wir fanden zwar genügend andere, doch die waren uns zu teuer, und ordentliche Töpfe haben wir auch wieder nicht gefunden. Im Game fanden wir zumindest einen Grill, womit ein Etappenziel erfolgreich abgehakt wurde. Trotzdem war Anja so geknickt, dass sie immer noch keinen beschichteten oder gusseisernern Topf kaufen konnte, dass daran nicht mal ein Subway-Sandwich etwas ändern konnte.

Als wir die Fahrt Richtung Süden fortsetzen, setzte sich auch leider die Tank-Odyssee fort. Jede Tankstelle, die wir anfuhren, hatte entweder gar keinen Treibstoff (und auch keine Schlange) oder nur Petrol (und dann auch eine lange Schlange). Schließlich entdeckte ich am Stadtrand eine Tankstelle, vor der sich eine Schlange von Mini-Bussen, Kleinlastern und 4WD gebildet hatte. Sherjörg Holmes kombinierte schnell: Hier muss es Diesel geben! Wir stellten uns an und peu-a-peu ging es vorwärts. Am Anfang waren wir vielleicht an zwölfter Position, und wir drückten uns selbst die Daumen, dass die Zapfsäule noch genügend Diesel für alle Fahrzeuge spenden würde. Glücklicherweise war dies auch der Fall. Doch als wir dran waren, stellte sich heraus, dass dies auch gar nicht so schwer war: Das Diesel war nämlich rationiert, maximal 30 l gab es pro Fahrzeug. Nach etwas Diskussion hatten wir den Tankwart wenigstens dazu gebracht uns 25 l pro Tank zu geben, aber mehr war nicht drin. Er empfahl uns noch die Tankstelle gegenüber, von der er glaubte, dass sie auch noch Diesel hätte, aber da wir bereits hier pro ein Liter eine Minute Wartezeit hatten, wollten wir uns nicht wieder einreihen. Wir hatten nun erstmal wieder ca. 170 l und damit würden wir auf jeden Fall bis zu den Victoria Falls kommen, selbst wenn unser Verbrauch auf 25 l/100km ansteigen würde und dazu müssten wir schon einiges an Offroad-Strecke fahren.

Die Strecke von Lusaka weiter nach Chirundu, der nächste Ort zu dem Camp der Zambezi Breezers, war wieder sehr gut. Auf dem Weg kamen wir zu einer Polizeisperre, an der der Polizist meinen Führerschein sehen wollte. Wir gaben ihm den Internationalen Führerschein, doch ein solches Dokument hat er wohl länger nicht gesehen, wenn er es überhaupt schon in den Händen hielt. Er schaut drauf, … schaut nochmals drauf, … schaut ein drittes Mal drauf und gibt ihn dann zurück, ohne drin geblättert zu haben. Die Beschriftung von außen ist nur auf Deutsch und wir konnten uns des Eindrucks nicht verwehren, dass er Deutsch vielleicht nicht ganz fließend lesen kann… Solange es „offiziell“ genug aussieht, hätten wir ihm alles Mögliche zeigen können, vielleicht sogar meinen Bibliotheksausweis… Dies war für uns eine wichtige Erkenntnis, die sich vielleicht nochmals als günstig erweisen wird. ;-)

Knapp vor Dämmerung kamen wir bei den Zambezi Breezers an und fanden ein himmlisches Plätzchen direkt am Fluss mit Ausblick auf die Hippos.

Schlafstätte direkt am Sambesi

Schlafstätte direkt am Sambesi

Wir erkundigten uns bei der Besitzerin nach Kanutouren auf dem Zambezi. Die Breezers bieten selbst keine derartigen Touren an und da es bereits Samstagabend war, dauerte es bis zum nächsten Vormittag bis sie Rückmeldung erhielt und uns diese weitergeben konnte: Am Montag hätten wir eine eintätige Paddeltour für 115 USD pro Person machen können. Alternativ bot sie uns an, eine Motorboot-Tour mit ihnen zu machen, das würde uns ca. 50 USD pro Boot für einen halben Tag kosten (Treibstoff und Getränke exklusive). So schön wir es hier fanden, einen Tag einfach nur abhängen und darauf warten, morgen endlich loszulegen, wollten wir eigentlich nicht, zumal es deutlich teurer war, als wir gedacht hätten. (Vielleicht war dies kein konkurrenzfähiger Preis, weil die Kanutour-Anbieter in der Regel an größeren Gruppen und mehrtätigen Touren interessiert sind, und wenn unsere Besitzerin geschäftstüchtig ist, wird sie den Preis vielleicht auch nochmals aufgerundet haben… Bezahlt haben wir am Ende ca. 65 EUR für die Tour (ohne Getränke).) Wir nutzen jedenfalls diese bequeme Argumentation, um uns vor dem morgigen Sportprogramm zu drücken und buchten die Motorboot-Tour. ‚Gar nicht mal schlecht’, dachten wir uns, ‚so kommen wir sogar schneller vorwärts und bekommen damit mehr zu sehen.’ Außerdem behagte uns der Gedanke, wohlmöglich wirklich über Hippos bzw. durch Hippo-Herden zu fahren, nicht sonderlich. Der in der Literatur stets vorkommende und von den Guides nie unerwähnt gelassene ratsame Hinweis, wenn man aus dem Boot / Kanu fällt, bloß nicht anfangen zu schwimmen, sondern sich einfach flach wie ein treibendes Stück Holz hinzulegen, sobald das Kanu kippt, scheint mir ja einsichtig, aber verstehen das auch die Krokodile? Vielleicht ist das ähnlich hilfreich wie der Tipp, bei einer anfliegenden Biene stets „sauer, sauer, sauer, …“ zu sagen. Ich weiß nicht, wie das bei euch ist, doch ich habe in meiner diesbezüglichen Versuchsreihe wenig signifikante Ergebnisse gefunden, die dafür sprechen, dass Bienen auf eben dieses akustische Signal ansprechen.

Sambesi Bootstour

Boots-Safari

Da die Breezers derzeit noch einen Guide ausbilden, kamen wir sogar in den Genuss von zwei Guides und damit doppelten Spottern. Doch die zahlreichen Elefanten, Flusspferde und Krokodile zu entdecken, ist nicht sonderlich schwierig, so dass sogar wir Ungeübten häufig die Tiere vor unseren Guides sahen. (Vielleicht gönnten sie uns aber auch nur den vermeintlichen Triumph.) Lediglich bei der Identifizierung der verschiedenen Vögel waren sie uns weit überlegen, doch auch dies bedarf keines wirklichen Helden… Wir können einen Kingfisher von einem Ibis unterscheiden und mittlerweile auch einen Bee Eater identifizieren, vielleicht auch noch den ein oder anderen offensichtlichen Vogel (wie etwa Fischadler), doch dann hört es auch schnell auf. Dank ihrer Hilfe sahen wir unter anderem den nicht so verbreiteten, aber hier häufig vorkommenden Giant Kingfisher. Am Imponierendsten waren sicherlich die engen Eye-to-eye-Begegnung mit Elefanten. Doch auch Flusspferden sind wir in ihrem eigentlichen Element noch nie so nahe gekommen – glücklicherweise…

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Nach einem kurzem Landgang, um sich ein wenig die Beine zu vertreten, hatten wir auch schon den Wendepunkt erreicht und es ging stromaufwärts zurück zu unserem Camp. Auf nicht ganz halber Strecke war es dann Zeit für den Sundowner – Sonnenuntergang auf dem Sambesi, an den Einheimischen vorbei treibend, die in dem Fluss an eingezäunten Ufern (gegen die Crocs und Hippos) ihre Wäsche oder sich selbst waschen, das hat man auch nicht alle Tage…

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Damit haben wir nun alle (Nicht-Jagd-) Safaris abgehakt: Selbstfahrer-Safaris, Walking Safaris, Night Drives und eine Boot-Safari. Jetzt da wir alles gesehen haben, können wir eigentlich nach Hause fahren…

Machen wir aber nicht!

 

 

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• Donnerstag, Oktober 29th, 2009

Der Grenzübergang nach Sambia war auch wieder problemlos. Nach Ägypten wurde es damit eigentlich auch immer langweiliger. ;-) Auf malawischer Seite waren wieder gar keine Gebühren fällig – Malawi, wir kommen wieder! –, auf der anderen Seite fielen 50 USD für das Visum pro Person und 200’000 sambische Kwacha (ca. 30 EUR) Carbon Tax für Willi an. Die Carbon Tax ist Hubraum abhängig und da haben wir mit unseren 4,2 l natürlich den Jackpot geknackt.

Unser erstes richtiges Ziel war der South Luangwa Nationalpark ca. 275 km von Lilongwe. Nicht weit, aber wir hatten schon viel von der schlechten 130 km langen Strecke ab Chipata (direkt hinter der Grenze) bis zum Park gehört und gelesen, außerdem wollten wir es die nächsten Tage etwas langsamer angehen lassen. Wir übernachteten also in Chipata bei Mama Rula’s Campsite (S 13° 34.930’, O 32° 36.595’). Die Besitzerin, Andrea, hatten wir einige Tage vorher angeschrieben, um bei ihr ein Visa Waiver zu beantragen. Kann man beim Zoll ein solches Papier vorlegen (und hat auch der Zoll eine Kopie zugefaxt bekommen), dann muss man keine Visagebühren zahlen, sondern wird „durch gewunken“. Doch Andrea überraschte uns damit, dass die sambische Regierung diese Waiver abgeschafft hat. Immerhin bekamen wir einen ganz vorzüglichen Burger und hatten den Platz zunächst ganz für uns allein – es war ja erst früher Nachmittag als wir ankamen –, es kehrte später aber doch noch ein Overland-Truck ein; der gleiche, der uns bereits im Mabuya Camp begegnet war.

Bevor wir uns am Freitag zum Park aufmachten, schauten wir noch beim lokalen Shoprite (S 13° 38.849’, O 32° 38.850’) vorbei. Seit geraumer Zeit sind wir nun schon auf der Suche nach einem ordentlichen, beschichteten oder gusseisernen Topf, den man bei Bedarf auch einfach ins Feuer stellen kann – dank Jan wissen wir: das Essen schmeckt gerade im Busch einfach viel besser, wenn es über Feuer gekocht wird. ;-) Auch einen vernünftigen Grillrost benötigen wir noch, es ist eigentlich erstaunlich, wie lange wir ohne bisher ausgehalten haben. (Den Grilliput, den wir mithaben, ist schon als Toaster-Ersatz durchgefallen.) Doch auch hier konnte unser sehnlichster Wunsch leider nicht erfüllt werden. Dafür bekamen wir wenigstens eine lokale SIM-Karte. Da D1 wie in Malawi auch in Sambia keinen Roamingvertrag hat, wollten wir wenigstens hier im größeren Sambia für Notfälle gewappnet sein und kauften uns die Karte sowie etwas Guthaben und auf ging’s Richtung South Luangwa Nationalpark.

Die Straße war nahezu vollständig ungeteert und bestand über weite Strecken aus purem Wellblech, aber es zeigte sich wieder einmal, dass Berichte über Straßenqualitäten rein subjektiv sind. Sicherlich war es kein Vergnügen, die (bei uns) ca. 2 Stunden durchgeschüttelt zu werden, aber dann wird halt einfach das Radio etwas lauter gedreht… Ein Grund zur ernsthaften Klage ist diese Strecke unserer Meinung jedenfalls nicht, aber auch dies ist sicherlich subjektiv. Der Zwischenstopp im Mama Rula’s war ohne Frage sehr angenehm – mmmh, dieser Hamburger, yummy, yummy! – aber wegen der Streckenqualität allein war er sicherlich nicht notwendig.

Nicht blenden lassen, dies ist nur eine von zwei kurzen Passagen, die (wahrscheinlich) wegen Steigung asphaltiert sind.

Nicht blenden lassen, dies ist nur eine von zwei kurzen Passagen, die (wahrscheinlich) wegen Steigung asphaltiert sind.

Auch für den South Luangwa hatten wir im Vorfeld einige Camps und Lodges angeschrieben, das Track & Trail River Camp, Flat Dogs Camp und das Croc Valley Camp standen auf unserer Liste, doch diesmal waren wir leider etwas spät mit der Anfrage: Als wir morgens von Mama Rula’s aufbrachen, hatte noch keiner geantwortet. Uns ging es vor allem um einen Preisvergleich, wie teuer Safaris sind und ob es Übernachtungs-Pakete gibt, die Safaris beinhalten. Wir fuhren das Track & Trail als erstes an (S 13° 06.010’, O 31° 47.617’), Croc Valley Camp liegt direkt daneben, das machte uns den Vor-Ort-Vergleich leichter, doch „wir kamen, sahen und blieben“. Das Camp bot alles: Wir campten direkt am Luangwa mit zahlreichen Hippos und Crocos direkt vor unserer „Haustür“, eine schöne Bar mit leckerem Essen, einen erfrischenden Pool und warme Duschen.

Zudem bieten die Besitzer Peter und Kirsten Safaris in den Park. Anja und ich hatten schon vorher beschlossen, diesmal nicht selbst zu fahren, sondern uns beide fahren zu lassen. Erstens können wir uns so viel besser austauschen und beide die Tiere beobachten, während sonst immer einer von uns mindestens ein Auge auf der Straße halten muss, und zweitens hatten wir diesmal ja nicht „Eagle-Eye Trevor“ bei uns… ;-) Darüber hinaus wollten wir diesmal ganz gerne durch den Park wandern und eine Nacht-Safari machen, die Selbstfahrern nicht erlaubt ist. (Man kann natürlich einfach später raus fahren, aber dann ist ’s schon sehr dunkel…) Es konnte beides organisiert werden: Am nächsten Tag waren wir sogar die einzigen bei der Walking Safari morgens früh und dem Night Drive, abgesehen vom Park Ranger bzw. unserem „Spotter“ und unserem Guide Masumpa, und kamen uns so wie sehr exklusive Safari-Gäste vor…

Exklusive Safari, von links nach rechts: unser Park Ranger (für den Fall der Fälle bewaffnet), Masumpa (unser Guide), Lovemore (unser Porter für die Erfrischungen) und Anja & ich

Exklusive Safari, von links nach rechts: unser Park Ranger (für den Fall der Fälle bewaffnet), Masumpa (unser Guide), Lovemore (unser Porter für die Erfrischungen) und Anja & ich

Die Walking Safari war anders als alle gefahrenen Safaris zuvor. Bereits auf dem Hinweg sahen wir viele Giraffen, Büffel, eine Löwin direkt am Wegesrande, eine Herde Pukus und von der gleichen Stelle noch eine immens große Gnu-Herde am Horizont, wie sie den Luangwa durchquert. Bei der eigentlichen Wanderung kam man dann jedoch weniger nah an die Tiere ran, da diese vor Autos weniger fliehen als vor Menschen. Man war eher „mittendrin“ als nur „durch“. Masumpa erklärte uns viel, sagte uns welche Spuren und welcher Dung von welchen Tieren stammt, zeigte uns verschiedene Tierspuren an Bäumen und löste auf, welches Tier dahinter steckte. (Etwa Elefanten, die sich an Bäumen kratzen, oder „Polierungen“ an der Rinde unter größeren Baumlöchern, die von „Genets“ (Ginsterkatzen) stammen.)

[Anja:] Dass wir nicht so nah ran kamen, stimmt an der Stelle nicht ganz. Wir sind in ein Pärchen Giraffen gelaufen, was schon sehr beeindruckend war, denn mit Safari-Autos ist man eher schon fast auf Augenhöhe mit ihnen. Hier waren wir ihnen deutlich unterlegen. Sie beobachteten uns ganz intensiv, liefen aber auch ein bisschen aus ihrem Versteck hervor. Später sahen wir auch noch ein Bienennest im Baum – das sieht man wahrscheinlich auch weniger, wenn man fährt. Und wir haben die Früchte des Leberwurstbaumes geöffnet und angeschaut. Die Einheimischen verwenden das Innere der Früchte für die Heilung von Krebs.

South Luangwa - Morning Walk

Früher Spaziergang durch die Wildnis

Doch das Beste war der Leopard bei der Nachtsafari. Leoparden sind diejenigen unter den Big Five, die sich bisher am besten vor uns verstecken konnten. Wir hielten Leoparden beinah schon für ein Hirngespinst eines Biologen, dann hat einer vom anderen abgeschrieben und die Geschichte nahm ihren Lauf. Heute will keiner zugeben, noch nie einen Leoparden gesehen zu haben… Doch während der Nachtsafari sahen wir nicht nur ein sehr stattliches Exemplar davon, sondern sahen ihn sogar noch bei der Jagd. Es war schon finstere Nacht, so dass unsere Scheinwerfer ihn leider verloren haben, als er zum finalen Lauf auf seine Beute ansetzte, aber beim Aufspüren und Anpirschen waren wir live dabei. Danach hörten wir mehr als wir sahen und nach zwei schaurigen lauten Fauchen setzte erstmal wieder Ruhe ein. Wahrscheinlich wurde er satt heute Abend…

[Anja:] Spannend war auch, dass wir beim Trinken unseres Sundowners – Gin Tonic natürlich – eine kleine Büffelherde davon abhielten zum Wasserloch zu gehen. Wir standen ihnen direkt im Weg.

South Luangwa - Night Drive

Game Drive all inclusive

Das Bemerkenswerteste an dem Camp waren jedoch die Elefanten, die mehrmals am Tag durchs Camp patrouillierten.

Schlafstätte direkt am Sambesi

Elefantenpatrouille im Camp

Einmal gingen Anja und ich nachts zu den Duschen, als wir auf eine ältere Frau stießen, die uns sorgenvoll fragte, ob wir etwas gehört hätten. „Irgendwelche wilden Tiere?“ Anja und ich glaubten, ihr sei der Night Drive nicht ganz bekommen, drehten uns um und richteten unsere Taschenlampen in die Richtung, aus der wir unmittelbar gerade gekommen waren. Da war die Herde wieder: eine ausgewachsene Elefantendame mit ihren drei Kindern. Die Begegnung hätte für uns auch anders ausgehen können… Für uns beide ist dies das Erstaunlichste am „Bush“: dieser „stealth-mode“ der Elefanten. Es sind so riesige Tiere, doch meist hört man sie erst, wenn man sie neben einem mit ihrem Rüssel Gräser oder Blätter abrupfen. Bei schlechtgelaunten Elefanten oder Elefantenkühen mit Neugeborenen kann es dann schon zu spät sein. Manchmal verraten sie sich auch dadurch, dass sie wieder geradeaus gegangen sind und keine Rücksicht auf kleinere Bäume genommen haben. Ein Mensch ist daran gemessen ein nicht viel schwierigeres Hindernis. Wenn man dann noch instinktiv weg laufen will oder schreit, bekommt man zudem sogar noch den Marker „lohnenswertes Ziel“, denn „danach“ hat der Elefant ja wieder seine Ruhe.

Internet-Blockade einmal anders

Internet-Blockade einmal anders

Wegen dieser Herde kamen wir nicht zur Rezeption und damit nicht ans Netz.

Wegen dieser Herde kamen wir nicht zur Rezeption und damit nicht ans Netz.

Einen anderen Tag wäre ich in der Dämmerung beinah in einen ausgewachsenen Elefantenbullen marschiert. Ich meine: wirklich AUSGEWACHSEN! Peter konnte mir noch von der Bar aus signalisieren, dass dies nun gerade kein so guter Zeitpunkt sei, und ich verdrückte mich hinter den nächsten Baum, um den Bullen nicht weiter zu stören.

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Die weitaus größte Gefahr lauerte jedoch ganz woanders. Eines Abends rief Anja, ich solle schnell die Kamera holen. Im Bad hatte sich eine ganze Froschfamilie breit gemacht (wahrscheinlich inklusive naher und ferner Verwandtschaft).

Spieglein, Spieglein, an der Wand, ...

Spieglein, Spieglein, an der Wand, ...

..., wer ist der schönste Frosch im ganzen Camp?

..., wer ist der schönste Frosch im ganzen Camp?

Ich neckte einen Frosch, indem ich ihm etwas vorquakte. Dabei muss ich wohl den richtigen Ton getroffen haben, denn er drehte sich in meine Richtung und hob auf einmal ab. Ich konnte mich gerade noch wegducken und ihn unsanft auf dem Boden plumpsen lassen, sonst wäre er doch glatt auf meiner Platte gelandet.

Der Attentäter

Der Attentäter

An dem Abend haben wir uns Kassler gegrillt sowie Rosmarin-Kartoffeln und Rotkraut zubereitet. Den ganzen Tag hatten wir „Kaiserwetter“ nur ausgerechnet am späten Abend, nachdem einer von uns beiden die ganze Dämmerung noch die ganzen Affen auf Abstand halten musste, während der andere das Essen vorbereiten konnte, kam starker Wind auf.

Wo 's was zu Essen gibt, sind sie nicht fern

Wo 's was zu Essen gibt, sind sie nicht fern

Nachdem Anja Stunden mit dem Rotkraut beschäftigt war (wir hatten einen für uns zwei viel zu großen Rotkohl in der grünen Kiste von dem Old Farm House bekommen und in unserem Topf wollte diese Menge über den Kohlen einfach nicht recht zu köcheln anfangen, so dass wir dann immer wieder doch auf Gas umschwenken mussten), legte sie ihren Teller auf einem unserer Stühle ab, um noch schnell ein paar Gewürze aus dem Auto zu holen und wusch! Da hatte der Wind auch schon den Stuhl umgeworfen. Kein Wunder, dass dieser Abend nicht mehr zu retten war.

[Anja:] Essen im Camp war hier auch wirklich schwierig. Den Abend hatte mir der Wind versaut, am Morgen mussten wir im Auto essen. Diese Affenbande hatte großen Spaß daran, uns sehr nah auf die Pelle zu rücken. Dass die scharf auf unser Essen waren, davon wurden wir bereits gewarnt (die sind sogar so drauf, dass sie Zelte aufmachen und drin eine Party veranstalten). Während ich das Heck bewachte und die Spiegeleier fertig machte, holte Jörg den Rest von vorne aus dem Kühlschrank und legte es auf einen Stuhl. Besteck und Butter. Was kann man davon essen?, dachte sich der nächstgelegene Affe und haute mit meiner Butter ab. Ich jagte ihn so lange u unser Auto herum und beschimpfte ihn, bis er das goldene Päckchen fallen lies. In den Sand… Den Sand habe ich weggemacht, die Butter war ja noch gut, aber nervig war trotzdem, wie wir dann gegessen haben. Beide nebeneinander in der offenen Beifahrertüre mit dem Rücken nach außen und den Tellern irgendwie auf einer Unterlage. Muss schon komisch ausgesehen haben.

Verscheuchen ließen sich selbst die Kleinsten ...

Verscheuchen ließen sich selbst die Kleinsten ...

... nur vorübergehend.

... nur vorübergehend.

Wir merken an einigen Kleinigkeiten, dass das Wetter sich in den letzten Tagen etwas geändert hat und im Park haben wir das erste Mal einen Baobab in fast vollständiger Blüte gesehen: ein Vorbote der Regenzeit. Für uns ein Zeichen, dass wir uns ein wenig sputen sollten, um noch rechtzeitig durch den Chobe Nationalpark und das Okavango Delta zu kommen.

 

 

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