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• Mittwoch, September 23rd, 2009

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Gestern sind wir vom Lake Bunyonyi losgefahren. Wir haben uns von Stuart, Fiver und Merryl verabschiedet und erneut von Jan & Trevor – mal sehen, wie häufig wir dies noch machen… 😉 In Kabale haben wir noch ein wenig aufgestockt und sind dann gleich in Richtung Grenze, die wir dann auch nach nur ca. 23 km erreicht haben.

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Der Übergang war einer der problemlosesten auf unserer ganzen Reise – in fast einer halben Stunde waren wir aus Uganda draußen und in Ruanda drinnen – und gekostet hat ’s ausnahmsweise auch nichts. In Uganda geht’s zuerst zum Immigration Office (bis zum ersten Schlagbaum fahren und dann rechter Hand der Straße), wo die Pässe ausgestempelt werden. Danach weiter zur Polizei (gleich das angrenzende Gebäude in Richtung Grenze), die die Ausfuhr des Fahrzeugs registriert und einem einen kleinen Papierschnipsel in die Hand drückt. Mit diesem Schnipsel bewaffnet kann man dann zum Schlagbaum fahren (der freundliche Polizist, der einem den Schlagbaum öffnet, wird einen dann auch wieder von der Last des kleinen Schnipsels befreien) und weiter auf der Straße in Richtung zweiter Schlagbaum. Hier ist der Zoll, der das Carnet ausstempelt – auch hier ohne zusätzliche Kosten. Alle waren sehr freundlich und zuvorkommend und wir haben gelernt, dass man bei „Projektmanager“ zunächst an einen sozialen Beruf denkt… 😉 Wir haben bei wenigen Grenzübergängen so viel gelacht wie hier auf der ugandischen Seite.

Auf der ruandischen Seite begrüßt einen zuerst ein Polizist und verweist einen zum Immigration Office. Zwei Sachen fallen gleich auf: In Ruanda wird wieder auf der richtigen Seite gefahren

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und man spricht französisch – selbst „Offizielle“ sprechen nicht immer englisch (oder wollen es nicht). Wir wurden prompt registriert und brauchten als Deutsche kein Visum, danach wurde Willi bei der „Car Registration“ registriert; alle drei mussten wir erneut nichts zahlen. Das Carnet wurde bei der Polizei neben dem Immigration Office abgestempelt. Hört sich jetzt vielleicht alles ein wenig verworren an, aber glaubt uns, wir haben viel, viel Schlimmeres und Bürokratischeres gesehen. Die Grenzformalitäten auf beiden Seiten sind so einfach und geradlinig, dass wir nicht einen Fixer gesehen haben, der Touris seine Dienste anbietet.

Die anschließende Strecke südwärts ist wunderschön. Man fährt durch ein Tal, dessen Ränder von Teeplantagen gesäumt sind. Während dieser Strecke haben wir uns dann definitiv gegen das Gorilla Tracking entschieden. Anjas Entschluss stand ja schon lange fest, ich würde sie eigentlich immer noch gern sehen, aber mein Permit ist erst auf Anfang Oktober datiert – und wir müssen nun ein wenig Gas geben – und 500 USD sind doch verdammt viel Geld… Wenn wir jedoch gar keine Gorillas und keine anderen Affen sehen wollen und auch nicht in den Vulkan-Kratern wandern wollen, dann müssen wir auch gar nicht in den Parc National des Volcanes. Also sind wir stattdessen gleich nach Kigali durchgerutscht. Hier haben wir mit dem Okapi Hotel eine gute Bleibe gefunden von der aus wir unsere heutigen Touren gemacht haben und die waren irgendwo zwischen bedrückend und eindrücklich angesiedelt…

Zuerst ging es vorbei am Hotel des Mille Collines, dem „Hotel Ruanda“ auch wenn der Film, woanders gedreht wurde,

Hotel des Milles Collines (Hotel Ruanda)

Hotel des Milles Collines (Hotel Ruanda)

zum Kigali Memorial Centre bei S 1° 55.852’, O 30° 03.612’; dies ist zugleich Museum und Gedenkstätte. Das Museum zeigt im unteren Stockwerk den Genozid der neunziger Jahre in Ruanda und im oberen Stockwerk gibt es zwei Ausstellungen, eine über fünf exemplarische Genozide und eine Ausstellung mit Photographien ruandischer Kinder, die getötet wurden. Die Ausstellung über den Genozid hier in den neunziger Jahren ist sehr gut aufbereitet und am Anfang informativ, doch nach ein paar weiteren Räumen möchte man eigentlich vieles gar nicht mehr so genau lesen… Ich habe vorher nicht gewusst, dass Hutu und Tutsi ursprünglich gar keine explizite Stammeszugehörigkeit beschrieben, sondern eher für eine Stellung innerhalb eines Stammes standen. Die belgische Besatzungsmacht hat dann irgendwann festgelegt, dass einer mit 10 oder mehr Kühen ein Tutsi ist und einer mit weniger Kühen ein Hutu, und entsprechende Ausweise ausgestellt. Mit der einhergehenden Bevorzugung der Tutsi seitens der Kolonialmacht im Gegenzug für Loyalität fing die eigentliche Separierung an. Europa schießt zwar nicht mehr mit Büchsen in Afrika, doch wir können nicht umhin, auch hier unsere Mitschuld beim Öffnen der Büchse der Pandora zuzugeben. Die Ausstellung zeigt all die Gräueltaten und die Ohnmacht der Welt, ohne belehrend den Zeigefinger zu heben, was ich besonders bemerkenswert finde. Man erfährt, dass die UN-Truppen, die nach dem Abkommen von Arusha vor Ort waren, über die bevorstehende Apokalypse informiert wurden, dass der Informant im Gegenzug nur Schutz durch die UN haben wollte, dass der kommandierende General diese Nachricht nach New York schickte und von dort aber keine Antwort kam; man erfährt zudem, dass Militärexperten meinen, dass mit dem selben Personal- und Material-Aufwand, mit dem die jeweiligen Landsleute aus Botschaften evakuiert wurden, man auch den Völkermord hätten stoppen können; und wenn man dann in der Photoausstellung liest, dass die letzten Worte des zehnjährigen Davids, bevor er zu Tode gefoltert wurde, „UNAMIR* will come for us!“ waren, dann muss man schon mehr als einmal schlucken. Und wenn man dann damit fertig ist, dann geht man raus aus dem Museum, wo ringsherum schöne kleine Gärten angelegt sind – und ca. 250.000 ermordete Ruander ihre letzte Ruhestätte fanden…

*United Nations Assistance Mission for Rwanda

[Anja:] Die Ausstellung führt den Besucher also zuerst in die Geschichte des Genozids des eigenen Landes und zeigt hinterher, wie andere Genozide abliefen. Was vielleicht in der deutschen Geschichte schon etwas untergegangen ist und womit dieser Teil der Ausstellung beginnt, ist der Umgang der deutschen „Schutztruppe“ in Namibia mit den Hereros. Der Völkermord an den Armeniern wird hier ebenso aufgeführt. Zeitlich gesehen als nächstes kam die Geschichte des dritten Reichs, die wir nur zu gut kennen. Uns auch weniger bekannt ist Kambodscha und was die Rote Khmer den Bürgern angetan hat. Schließlich als zeitlich letztes die „ethnischen Säuberungen“ im ehemaligen Jugoslawien.

Schlimm ist, dass kaum einer dieser Völkermorde geahndet wird und im Beispiel der Armenier nicht einmal anerkannt wird. Dass etwas Derartiges bis in die heutige Zeit (Serbien 1999 und Ruanda 1994) noch passiert, ist wirklich traurig. Man kann das schwer in Worte fassen, was einem hier durch den Kopf geht.

Danach sind wir weiter zur Nyamata Memorial Site bei S 2° 08.942’, O 30° 05.621’. In den Zeiten des Genozids haben viele Verfolgte Zuflucht in Kirchen gesucht. In wenigen Fällen mag es geklappt haben, in den meisten jedoch nicht. (In dem Museum erfährt man auch von einem besonders perfiden Fall, wo ein Priester zuerst seine Kirche mit Flüchtlingen füllte, um dann selbst den Auftrag zu erteilen, diese mit Bulldozern niederzuwalzen.) Diese Gedenkstätte ist eine Kirche und leider ein Beispiel für die zweite Kategorie. Von der Kirche selbst ist nicht mehr viel zu sehen, stattdessen liegen auf den Kirchenbänken die Kleiderbündel der Ermordeten und im Keller und hinter der Kirche sind die Gebeine aufgebahrt. Abschließend taten wir uns noch die Ntarama Memorial Site bei S 2° 06.789, O 30° 03.003’ an. Von den beiden Gedenkstätten ist dies sicherlich die beeindruckendere. Auch hier sieht man in der Kirche die Kleider und die Gebeine der Ermordeten. Darüber hinaus kann man noch die alte Sakristei, die Küche und ein kleines Schulhaus mit einem Raum sehen. Dort wurde uns etwas gezeigt, was selbst an mir eine Weile nagte und wer zart besaitet ist, sollte vielleicht einfach gleich zum nächsten Absatz springen, aber ich will es hier nicht verschweigen, weil es erstens ein Eindruck war, den wir hier erlebt haben und das Reiseblog ja gerade unsere Eindrücke wiedergeben soll, und zweitens weil es Realität ist und war und sich die Verfolgten damals auch nicht einfach abwenden konnten: Wir sahen einen dunklen Fleck in der Ecke und unsere Führerin erzählte, dass der von dem Blut kleiner Kinder stammte, die kopfvoran durch den Schulraum gegen diese Wand geworfen wurden…

Anja und ich sind beeindruckt, wie Ruanda mit seiner jüngsten Vergangenheit umgeht. Da wir erst zwei Tage im Land sind, können wir in keiner Weise einschätzen, inwieweit dies Thema im heutigen Alltag noch eine Rolle spielt, abgesehen von den persönlichen Traumata, die einen ein Leben lang begleiten. Im Gespräch mit unserem Kellner gestern, der einen zwölfstündigen Deutschkurs absolvierte und dafür erstaunlich gut deutsch spricht, erfuhren wir jedoch, dass auch Ruanda heute ein anderes Gespenst weit aus mehr plagt: Er erzählte uns, dass einer seiner Freunde letztes Jahr an AIDS gestorben ist…

[Anja:] Diese zwei Tage in Ruanda haben uns wirklich sehr beeindruckt. Nicht nur, dass es landschaftlich ein wunderschönes Land ist (Pays des Milles Collines – Land der tausend Hügel kommt nicht von ungefähr), auch die Menschen, die uns hier begegnet sind, sind unheimlich freundlich, keinesfalls aufdringlich und sehr angenehm. Auch wenn bei uns ein ziemlich bedrückendes Gefühl entstanden ist, als wir hier waren, würden wir Ruanda jedem als Reiseland empfehlen.


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