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• Mittwoch, September 16th, 2009

Die Zurückgezogenheit unseres Camps beim Enkutoto Village hatte einen Preis: Bis zur nächsten Straße, die auch diesen Namen verdient, waren es fast 80 km. Durch den heftigen Regen Tags zuvor, waren die Pisten bis dahin zwar befahrbar, aber ab und an sehr matschig. Viele der Lodges fahren ihre Gäste mit normalen Minibussen umher – „Warum?“ ist mir in dieser Gegend nicht bewusst – und so war es auch nicht verwunderlich, dass wir einen dieser Busse erwischten, der sich im Matsch festgefahren hatte. Jan & Trevor haben ihn rausgewincht und hinterher immer wieder hervorgehoben, dass es sich um einen Toyota gehandelt hat. Aber der hatte nicht mal 4WD – der zählt also nicht! ;-)

Je später der Vormittag, desto länger hat die Sonne bereits geschienen und desto besser wurde die Piste. Wir verließen die C13 – wieder eine dieser berüchtigten C-Roads – und stießen bei Migori auf die A1 und diese war nun deutlich besser. So gut, dass wir unseren Gabelpunkt bei Rongo schon gegen 13 Uhr erreichten. Hier mussten wir entweder eher links in Richtung der Insel Rusinga oder eher rechts in Richtung Norden. Anja und ich hatten uns bei der Fahrt bereits überlegt, dass wir eigentlich weiter wollen und nicht schon wieder ein paar Tage auf der Insel „rumlungern“. Jan & Trevor hatten für sich ebenfalls diese Entscheidung getroffen und so hielt sich unser Konvoi nach einer kurzen Erfrischungspause eher rechts.

Noch östlich vor Kisii sahen wir ein Schild Richtung Kisumu, unsere Tracks4Africa-GPS-Karten kannten diese neue (?) Straße nicht, aber in den altmodischen Straßenkarten war sie verzeichnet. Da zudem die Kilometerangabe des Schildes geringer war als die auf unseren Navis, denn die hätten uns über Kericho geführt, war der „Fisch schnell ’butzt“. Und die Entscheidung war so richtig, da die Straße so gut (schnell) befahrbar war, dass wir uns nach etwa 160 km und ca. 2 ½ Stunden sowie eine Pause später in Kisumu erneut die Frage stellten: „Weiter oder hier bleiben?“ Diesmal wäre es allerdings beinah die falsche Entscheidung gewesen… Da wir in Kisumu gar nicht viel Camping-Auswahl fanden und es auch erst kurz nach vier war, sind wir noch weiter nördlich in Richtung Kakamega National Reserve gefahren, um es am nächsten Tag weniger weit nach Jinja zu haben.

Für dort hatten wir Koordinaten eines Campingplatzes, doch es stellte sich heraus, dass dieser im Park war. Alle Einheimischen durften durch die offene Schranke ungestoppt rein und raus fahren, doch von uns wollte er den Parkeintritt haben – 20 USD pro Nase und dann nochmals 15 USD pro Person fürs Camping. Für eine Nacht war uns das dann doch zuviel – wir wollten morgen definitiv gleich weiter nach Uganda und den Regenwald im Dunkeln zu sehen, lohnt den Eintritt wirklich nicht. Ein paar Meter vor der Schranke haben wir ein Schild für einen anderen Campingplatz gesehen – „De-Brazza“. Die Auffahrt sieht zunächst ein wenig dubios aus, aber wenn man erstmal alle Rundhütten passiert hat und sicher ist, dass der Campingplatz nicht einfach ein bisschen Weidefläche zwischen zwei Rundhütten ist – wobei das auch seinen Charme hätte –, dann sieht man, dass sich hier eine grüne Perle versteckt hält. Die Duschen sind kalt und die Toiletten ein Plumpsklo, aber das ist es ja meist anders wo auch… ;-)

Auf dem Platz trafen wir auch noch Lucy und Simon, zwei Südafrikaner, die bis Kenia fahren nun auf dem Scheitelpunkt sind und langsam wieder zurück nach Südafrika fahren. Die beiden haben uns natürlich gleich erstmal erzählt, wie toll es in dem Regenwald ist und dass man unbedingt in den Park muss. Vor allem wenn man „Birdwatcher“ ist, und da hat Trevor natürlich ganz große Augen bekommen ;-) , aber wir blieben dennoch standhaft und fuhren am nächsten Morgen gleich weiter nach Uganda.

[Anja:] Wir fuhren schließlich zur kenianisch-ugandischen Grenze und wurden dort mit dem üblichen Trubel begrüßt. Eine Schlange Lastwagen reichte bis in den Ort hinein, wo wir noch versuchten unsere letzten kenianischen Schilling in Dollar zu tauschen – eine gute Wahl wie sich später herausstellte. Wir fuhren an all den LKWs vorbei zum Zollgebäude. Kaum fuhr man an den Parkplatz heran, scharte sich eine Menge Männer um uns herum, die alle irgendwie zum Zoll gehören und uns helfen wollen… Wir lehnten dankend ab und gingen zur Pass-Stelle, wo wir ausgestempelt wurden. Da wir das Büro, das die Carnet abstempeln sollte nicht gleich fanden, hatten wir doch einen Fixer am Hals, der aber gar kein Geld haben wollte. ;-) In dem Carnet-Gebäude fiel den Beamten dann auf einmal auf, dass wir keine Road Tax bezahlt hatten und wir jetzt nachzahlen müssten. Die Road Tax wird in Kenia nach Kilometern ermittelt. Immerhin glaubten sie uns, dass wir in Nairobi schon für das Stück von Ileret nach Nairobi bezahlt hatten :-| und so mussten wir jetzt nur noch von Nairobi bis hierher zahlen. Alles reden half nichts. Unser Fixer, der Beamte und Jan gingen dann zu den Autos, weil das Gewicht in der Berechnung eine entscheidende Rolle spielt. Jan kam aber zurück mit der Ansage, wir können einfach 20 $ pro Wagen bezahlen und die Sache sei erledigt. Gut, 20 $ sind besser als die 50 $, die wir sonst bezahlt hätten, aber dass das Geld am Ende doch in der Tasche des Fixers landete, gefiel uns nicht besonders.

Alle Papiere erledigt, begann die ugandische Seite und der Stress dort. Kaum geparkt, stand eine Horde Geldwechsler um uns herum. Die konnten wir glücklicherweise schnell abschütteln. Zuerst holten wir unser Visum. Da wir kein Multiple Visum für Kenia hatten, brauchten wir eines. Wie sich herausstellte, bringt das Multiple Visum an der Stelle überhaupt nichts, denn Uganda akzeptiert das nicht. Das war auch für Jan und Trevor neu und ärgerlich, denn sie holten sich das kenianische Visum noch, bevor die Preise dafür um 50% gesenkt wurden. Das ugandische Visum ist auch wirklich teuer: 50 $ pro Person für 30 Tage Aufenthaltsrecht. Wir hatten den Weg eingeschlagen, jetzt mussten wir auch zahlen.

Beim Abstempeln der Carnet mussten wir leider die Road Tax gleich bezahlen, was uns zwang, die Dienste der Geldwechsler, die einen auf Schritt und Tritt verfolgten, in Anspruch zu nehmen. Jörg und Jan erledigten das souverän, auch wenn hinterher einer der Typen mit einem beschrifteten Schein zurückkam und Ersatz dafür haben wollte. Ein alter Trick, den wir durchschauten und nicht darauf eingingen.

Nach all der Bürokratie durften wir endlich weiterfahren. Noch etwa 150 km bis zu unserem Tagesziel Jinja und wir wussten noch nicht, wie die Straßen in Uganda sind, zumal sie in Kenia grauenhaft schlecht sind. Sogleich wurden wir überrascht: keine Schlaglöcher, breite gut-asphaltierte Straßen. :-) Welch Erholung!

Über den Umweg zu den „Nile River Explorers Backpackers“ direkt in Jinja an der Quelle des Weißen Nils kamen wir schließlich zu der „Nile River Explorers Campsite“ (N 0° 29.056’, O 33° 09.803’) mit grandiosen Blick über den Weißen Nil und die Bujagali Fälle.

Die Bujagali Falls

Die Bujagali Falls

Hier haben wir nun ein paar Tage die Füße hochgelegt. Erstens, weil es ein perfekter Ort dafür ist, und zweitens, weil wir wegen der Unruhen in Kampala eh nicht in Ugandas Hauptstadt konnten. Was war passiert? In Kampala stand ein großes Fest der Jugend an; auch der König der Region auch kommen sollen, doch der ugandische Präsident verbot ihm, das Fest zu besuchen. Lokale Radiosender wiegelten die Jugend auf, die sich bereitwillig einspannen ließ. Es gab die ersten Straßensperren, kaputte Schaufenster und brennende Autos. Die Polizei konnte nicht mehr für Ordnung sorgen und rief das Militär zu Hilfe. Die Subtilität bei der Durchführung, für die Militärs bei der Auflösung von Menschenmassen bekannt sind, trug jedoch nur unwesentlich zur Deeskalation bei, und das Fest wurde abgesagt. Nach ein paar Tagen war der Spuk wieder vorbei; der erfolglose Teil der afrikanischen Jugend hatte den erfolgreichen Asiaten durch ein paar Steinwürfe mal wieder demonstriert, wer Herr im Hause ist, und während die einen noch ihren Rausch ausschliefen, hatten letztere schon wieder ihren Laden eröffnet und brachten diesen wieder auf Vordermann. Nachdem die äthiopische Armee ein Dorf in Eritrea besetzt hatte und später in Somalia einmarschierte, ist es nun schon das zweite Mal, dass wir „nahe“ dran sind – auch das ist Afrika –, ohne davon weder direkt betroffen zu sein noch überhaupt etwas mitbekommen hätten. Wir saßen halt in Jinja fest und wollten unter diesen Vorzeichen nicht nach Kampala aufbrechen, aber wenn man sich die Gegend und die Möglichkeiten anguckt, so kamen wir auch darüber hinweg…

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Die ersten Tage haben wir einfach nur ausgespannt und relaxt. Der einzige Stressfaktor war das Internet, weil das nämlich teilweise so langsam war, dass selbst wenige Mails runterladen eine halbe Stunde oder gar länger dauern konnte. Wir haben viel gut gegessen und dies dann ab und an gleich wieder in der Strömung des Weißen Nils abtrainieren können. (Es gibt da die Möglichkeit, entlang der Flussschnellen zu schwimmen und sich dann in die Bucht zurücktreiben zu lassen. Es ist ein Rundkurs, so dass man sich fast eine ganze Runde lang treiben lassen kann und ein Trainingserfolg doch leider lang auf sich warten ließe. Daraufhin habe ich gedacht – um mein Gewissen ob des vielen guten Essens zu beruhigen: ‚Schwimmste halt mal eine Runde gegen die Strömung!’ Nach ca. fünf Metern in einer Minute habe ich dann erkannt, dass ich alt genug bin, mir meine eigene Stärke und Durchtrainiertheit nicht mehr beweisen zu müssen…)

Zum Frühstück gab ’s entweder selbst gemachte „Bacon & Eggs“ von Chefköchin Jan oder „Rolex“ vom Straßenverkauf außerhalb (manchmal gab ’s auch Frühstück vom Bar-Restaurant des Campingplatzes.)

[Anja:] Für die kulinarisch Interessierten eine kurze Erklärung. „Rolex“ kommt von „gerollt“, und was da gerollt wird, ist ein dicker Pfannkuchenteig, genauer gesagt Chapati-Fladen. Die Füllung kann man sich selbst zusammenstellen. Ich hatte immer Banane & Nutella, die anderen „Rolex All“, bestehend aus Omelette, Avocado, Tomaten, Zwiebeln und etwas Scharfem.

Sonntag waren wir alle vier auf dem Nil White Water Rafting. Der Weiße Nil hat hier einige Wellen der Stufe 5 – wem das was sagt –, viele 4er und noch mehr 3er und 2er. Ich fand ’s klasse und hätte gerne noch mehr Fünfer gehabt. Obwohl wir beim Silverback alle über Bord gingen und ich gerade noch rechtzeitig meine Füße angehoben habe, so dass nur mein kleiner Zeh ein wenig lädiert wurde, sonst wäre das ganze Bein gegen den Fels gedrückt worden.

[Anja:] Auch wenn ich vorher schon Bedenken hatte, dachte ich mir, ich will nichts auslassen und alles, was nach viel Adrenalin und Extremsport aussieht, ist spannend. Meine innersten Ängste Wasser gegenüber hat meine Abenteuerlust aber leider nicht vergessen lassen. Es fing alles ganz harmlos an, mit Übungen zum Untertauchen und wie man am besten am Boot bleibt. Stufe 2 und 3 war ja auch noch okay. Aber wir sind wirklich bei JEDER Stromschnelle umgekippt und allen anderen im Boot außer mir, hat das auch fürchterlich Spaß gemacht. Ich verlor aber jedes Mal die Leine des Bootes und wollte eigentlich nie umkippen. Carrie, eine aus unserem Boot, stieg vor „Silverback“ aus, weil auch sie zu viel Respekt hatte vor dem Untertauchen. Ich war zwar nervlich schon angespannt, dachte aber – ganz der Schwabe – ich hab ja dafür bezahlt und „die Hoffnung stirbt zuletzt“: vielleicht kippen wir diesmal ja nicht um. Böser Fehler. Als wir dachten, wir hätten das Schlimmste hinter uns und das Boot kippte. Ich verlor mal wieder die Leine und wurde unter Wasser gespült. Dort sah ich nur noch eine grüne Silhouette, die mir die Oberfläche signalisierte, und zu der ich versuchte zu strampeln. Aber nichts ging, außer den Sekunden, die vergingen. Und ich hab mich schon ersticken sehen. Bis ich auf einmal auftauchte und nach Luft schnappte. Und ich sah sogar unser Boot. Ich schwamm hin und in dem Moment zog mich die nächste Strömung davon, unerwartet und genauso lang. Ich hatte wieder Probleme, Luft zu bekommen, bis ich auf einmal ausgespuckt wurde und mich einer der Rescue Kayaker abholte und zum Boot eskortierte.

Der Spaß war für mich vorbei, ich ging auch aufs Security Boot, wie Carrie, und genoss von da an die Fahrt mit Joseph, Moses und Carrie. Wir sind trotzdem dieselben Schnellen heruntergefahren, aber auf einer weitaus harmloseren Linie. Kein Umkippen mehr :-)

Was hier vielleicht sehr dramatisch klingt, war vielleicht gar nicht so schlimm. Ich hatte einfach Panik in dem Moment, habe aber auch gesehen, dass ich weitaus länger die Luft anhalten kann als ich dachte. Andere hatten dieselben Erlebnisse mit Untergehen und weggespült werden, ihnen hat das vielleicht Spaß gemacht. Ich wills also keinem Ausreden. Ich habe mich nur bestätigt gefunden, dass Wasser einfach nicht mein Element ist und ich mich besser davon fernhalte (tauchen ausgenommen).

Aber wir müssen gar nicht viel erzählen – wir haben einen Videobeweis von unserer Heldentat:

[Video Stream wird nachgeliefert, er muss noch bearbeitet werden; also immer mal wieder reinschauen!]

Zwei Tage später fuhren Anja und ich auf die andere Nilseite, um mit den „Nile Horseback Safaris“ (N 0° 28.557’, O 33° 09.330’) zu reiten. Die Stunde verging fiel zu schnell, denn wider Erwarten ist ’s gar nicht so schlimm auf dem Rücken eines Pferdes – Kamele sorgen da weitaus schneller für Seekrankheit.

[Anja:] Nach dem Rafting war das mein Handel mit Jörg. Ich wollte nicht unbedingt raften, er wollte nicht unbedingt reiten. Ich hatte viel Spaß, denn mein Pferd war sehr brav und hat immer gemacht, was ich wollte. Jörg hatte mit seinem Vielfraß-Pferd da schon eher zu kämpfen. Sein Pferd hielt an jedem Mais an und fraß gemütlich. Da wir ohne Führung ritten und Jörg das nicht ganz geheuer war, buchten wir eine Stunde Schritt reiten. Aus der Stunde wurden eineinhalb und es war auch immer wieder ein flotteres Tempo dabei. Ich fands trotzdem schön, im Schritt und Trab durch die Dörfer zu ziehen und die Bujagali Falls auch mal von der anderen Seite zu sehen.

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• Dienstag, September 08th, 2009

Wir sind mittags in Nairobi los. Weit hatten wir es nicht, und wir erwarteten die Straßen in einem guten Zustand. Unser heutiges Tagesziel: die Masai Mara, ein Nationalpark, der alle Big Five bieten und eine wunderschöne Landschaft haben soll.

Gegen 17 Uhr kamen wir dort an und während Jörg mit Trevor an den Eingang ging um nach dem Eintrittspreis zu fragen, kamen gerade die Spanier herausgefahren; jene hatten Glück beim Verhandeln, sprachen während der Verhandlung nur Suaheli und kamen mit einem Foreign Residents-Eintritt davon. Der ist nur ein Bruchteil von dem, was wir bezahlen müssten – ohne Suaheli-Kenntnisse. Regulärer Preis wären 60$ pro Person gewesen, plus 4000 KSH pro Auto. Und dann bekommt man „nur“ ein Ticket mit einer Gültigkeit von 24h. Ich würde es Verhandlungsgeschick nennen, was uns dann geschah: die Männer zahlten voll, wir Mädels waren Studenten und ein Auto wurde bei der Berechnung vergessen. Außerdem trugen uns die Herren vom Sekenani Gate aus Versehen das Datum von morgen in das Ticket, ließen uns aber trotzdem passieren.

Gleich nach dem Eingang begrüßte uns eine grasende Herde Elefanten. Danach sahen wir viele Springboks und Impalas sowie Wildebeests, wegen derer „Migration“ wir in die Mara gekommen waren. Zudem gab es einen atemberaubenden Sonnenuntergang zu sehen.

Masai Mara - Day 1

Tag 1 im Masai Mara National Park

Kurz vor dem Talek Gate, hinter dem gleich unser Camp lag, machte unser Auto Zicken: Schlimme Schleifgeräusche von der Vorderachse. Was wir uns alles ausgemalt hatten, als wir im Schritttempo auf dem Weg zum Ausgang waren… Differential kaputt, irgendwas in der Achse gebrochen… Und das schlimmste: wir waren gerade erst aus Nairobi raus! Trevor hatte den richtigen Riecher, er vermutete einen Stein in der Bremse. Im Aruba-Camp angekommen, machten wir kleine Test-Strecken und Jörg konnte das Problem lokalisieren: das linke Vorderrad. Wir holten dies also im Dunkeln runter und fanden schnell den Schuldigen: ein kleines Steinchen zwischen Bremsscheibe und Schutzblech. Ewig fummelten wir mit kleinen Schraubendrehern in dem Zwischenraum herum, bis das Steinchen auf einmal heraus fiel. Gut, Rad wieder rauf, Nerven wieder runter. Der Krach war weg und wir uns sicher, dass jetzt wieder alles in Ordnung ist.

Nach einem kurzen Toilettenbesuch war für mich allerdings gar nichts mehr in Ordnung. Mich hatte ein kleiner „Caterpillar“ (Raupe) gebissen. Ein wenig Desinfektionssalbe und mein Adrenalinspiegel sank auch langsam wieder. That’s Africa…

Trevor kochte an dem Abend eine leckere Chicken-Paella und wir verschwanden schnell im Bett. Um 5.30 Uhr standen wir schon wieder auf, um dann kurz nach Sonnenaufgang im Park zu sein. Gleich zu Beginn durften wir Hyänen beim Aasfraß zuschauen. Wir sahen hier auch eine kleine Giraffenfamilie und natürlich die üblichen Verdächtigen: Springboks, Impalas, Wildebeests und Topis. Auch Schakale liefen uns über den Weg. Wir folgten anderen Autos und fanden sogar zwei schlafende Löwen. An einem Flussbett stiegen wir kurz aus (höchst illegal) und beobachteten Nilpferde. Jörg schaute bei dieser kleinen Pause unter die Motorhaube, weil der Keilriemen quietschte, und wäre beim Anlassen des Motors beinahe von einem kleinen Steinchen „erschlagen“ worden. Diese Teile nisten sich wirklich überall ein, wo sie nicht sollen! Kurz darauf fuhren wir ganz nah an eine Gruppe Löwinnen, die teils schliefen und uns teils beobachteten. An diesem Fluss sahen wir dann auch eine Elefantenherde und einen Elefantenbullen, der alleine um sie herumlief und – gefährlich, gefährlich! – von der Herde durch einen Fluss getrennt war.

Hier noch ein Beispiel für die Große Migration:

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Unsere Mittagspause verbrachten wir ganz feudal im Governor’s Camp. Um das Camp zu erreichen, mussten wir den Talek River kreuzen und dazu zunächst raus aus den Park und nach dem Örtchen Talek uns links halten. Wie erstaunt waren wir, als wir dann eine Hintertür in den Park fanden – hätten wir das mal eher gewusst… ;-) In Governor’s Camp saßen wir zunächst auf der Terrasse mit Ausblick auf den Fluss mit Nilpferden und einem Krokodil. Dann genossen wir das Mittagessen für sage und schreibe 35$ pro Person. Wir hatten aber kaum eine Wahl – mitten in der Masai Mara anhalten, Tisch auspacken und essen ist nicht wirklich angebracht, außerdem waren wir durch den langen und heißen Tag ganz schön geschlaucht und hatten Hunger. Es schmeckte wunderbar und war wirklich viel.

Nach einem Kaffee gings auch schon weiter. Wir beobachteten Geier, wie sie über einen toten Elefanten herfielen, sahen noch den ein oder anderen Vogel und entschlossen uns dann aus dem Musiara Gate herauszufahren und durch das Oloololo Gate nach dem Mara River wieder hereinzufahren. Auf dem langen Weg dorthin erlebten wir eine der schlechtesten Straßen überhaupt. Es waren riesige Steine in allen Formen auf dem Weg – eigentlich sah es eher so aus, als wäre es ein Flussbett – und dann ging es steil bergab. Jörg stieg aus und las den Weg für mich, ich ließ Willi in der Untersetzung alleine herunterklettern, lenkte nur. Für den einen Kilometer brauchten wir fast eine ganze Stunde.

Masai Mara - Day 2

Tag 2 in der Masai Mara

Am Oloololo Gate dann die Ernüchterung: unser Ticket gilt nicht für diesen Teil des Parks und um im Park am River Camp zu übernachten, sollten wir ein neues Ticket bezahlen. Transit ist heute auch nicht mehr möglich, wir sollen morgen wieder kommen. Als wir bereit gewesen wären, 25$ p.P. für das Camp zu bezahlen, war das Camp auf einmal voll. Wir waren sauer und drehten um. Es dämmerte und wir brauchten schnell eine Übernachtungsmöglichkeit. In der Tichwe Lodge wurden wir fündig, aber auch hier hatten wir den Eindruck, die wollen uns auf den Arm nehmen. Wir sahen nicht aus, wie die Durchschnitts-Reichen mit unseren Khaki Hosen und den dreckigen und verschwitzten T-Shirts. Man bot uns den Preis für Residents an: umgerechnet 110 Euro pro Person für ein Zimmer. Der Herr an der Rezeption schickte uns in das nahegelegene Dorf, das angeblich auch „Camping“ anbot.

Dort wurden wir vom Dorf-Chief zum Campingplatz gebracht: eine kleine Lichtung an der bewaldeten Flussbank. Wundervoll, mit einem Nilpferd-Konzert und Hyänengeschrei. :-) Wir waren froh, diesen Weg gewählt zu haben. Für die Nacht wollten wir auch noch zwei Wächter haben, denn man sagte uns, hier können Elefanten und Löwen vorbeilaufen. Echte Massai Krieger – da kann nichts passieren.

Wildcamp Masai

Camping am Mara River

[Jörg:] Am nächsten Morgen konnten wir von unserem Campplatz Kenias Wildlife aufwachen sehen. Der Masai Mara Nationalpark ist gleich auf der anderen Seite des Mara Rivers, an dem wir campten, und so sahen wir – aus etwas größerer Entfernung – nochmals fast alle Tiere, die der Park zu bieten hat. Leoparden blieben allerdings immer noch ungesichtet – auf der anderen Flussseite hätten wir sie gern in den Bäumen gesichtet, auf unserer Seite wären wir über eine Sichtung nicht ähnlich erfreut.

Der Fluss ist so reich an Nilpferden und die Möglichkeit, diese dort in Ruhe zu studieren, ist garantiert, so dass auch die Tichwe Lodge, bei der wir gestern nach einer Campmöglichkeit fragten, ihre Gäste hierher bringen, um ihnen die Nilpferde zu präsentieren. Wir trafen die Gäste morgens neben unserem Camp an, doch Lodge Gäste scheinen nicht mit gemeinen Overland Campern zu fraternisieren – unser Gruß blieb jedenfalls unerwidert. Dafür bekamen wir etwas später Besuch. Er stellte sich als ein Manager der Lodge vor und fragte, was wir auf seinem Land machen würden. Wir erklärten, dass wir von den Dorfbewohnern an diesen Platz geführt wurden, sie sagten, dass es ihr Land sei, und wir sie schon bezahlt hätten. Er ließ jedoch nicht davon ab, wir müssen verschwinden oder die Lodge bezahlen. Wir sind also nach einem ausgiebigen Frühstück los, sprachen am Enkutoto Village erneut mit Chief Olorokoi (John) und das freudige Ergebnis: Wir können bleiben, die Lodge und die Massai haben wohl zwischenzeitlich den Kriegsgraben, auf dem wir campten, begraben. Diesmal ohne Security, dafür waren die Campingkosten mit 2000 KSH pro Wagen auf einmal teurer als am Vortag. Auch wenn der Preis die Leistungen des Campingplatzes nicht widerspiegeln (es gibt keine Leistungen: keine Dusche, keine Toilette, kein Strom, …), sondern eher das neue Handy vom Chief, seine neuen Crocs etc., der Platz ist das Geld definitiv wert und hat es bei mir auf Platz 1 unserer Top Ten der bisherigen Übernachtungsplätze gebracht. Wir wissen nicht, wer hier eigentlich im Recht war, ob Herr Manager nur schnelles Geld machen wollte, indem er ein paar Mzungus über ’s Ohr hauen wollte, oder ob sein Hauptanliegen war, die störenden Overlander-Camper zu vertreiben, weil sie den distinguierten Lodge-Gästen die Exklusivität des Augenblicks raubten, oder ob ’s eigentlich wirklich Lodge-Gelände war und er sich vom Chief nachträglich seinen Anteil holte, alles ist möglich – wir sind hier schließlich in Afrika… Für uns war eigentlich auch nur wichtig, dass wir noch einen Tag hier verbringen konnten und diesmal in Ruhe gelassen wurden.

Wir verbrachten den Tag hauptsächlich mit Lesen und Hippos beobachten. Außerdem nahmen Anja und ich gerne das Angebot an, Jan & Trevors „Badezimmer“ für eine Dusche zu nutzen. Die beiden können den Aufgang zu ihrem Dachzelt mit Planen zuhängen und haben eine dieser „Pump-Spritzen“ – ihr wisst schon, womit in unserer Kindheit im Garten Unkrautvernichtungsmittel gespritzt wurden, bevor dies politisch unkorrekt wurde – als Dusche. Herrlich! Das Wasser wird vorher mit Solarsäcken aufgewärmt und ist dann so warm, dass es mit kaltem Wasser gestreckt werden muss. Es ist so einfach, so effizient und so wohltuend – es ist einfach etwas, dass wir bei der nächsten Reise auch dabei haben werden.

Zunächst mussten wir uns gegen die Sonne schützen; dann kam der übliche „16-Uhr-Wolkenbruch“, doch diesmal unüblich stark und lang anhaltend. Umso wichtiger war uns diesmal das Lagerfeuer, das Trevor und ich diesmal zu groß entfachten, dass wir auch heute früh noch unser Kaffee- und Tee-Wasser auf den gestern zugeschütteten Kohlen zum Kochen bringen konnten. Gleich geht ’s dann weiter, und zwar ganz ungewohnt nach Norden. Ziel ist entweder auf Rusinga Island, wo es einen ganz tollen Campingplatz am Lake Viktoria geben soll, oder gleich Uganda – wo immer uns der Rückenwind hintreiben wird…


 

 

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• Samstag, September 05th, 2009

Nach der Abfahrt aus der Timau Lodge stand gleich nach wenigen Minuten schon der erste Sightseeing-Point an: die Überquerung des Äquators, der damit einhergehende Sprung auf unserem Navigationsgerät von Nord- auf Süd-Koordinaten

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und das obligatorische Foto unter dem Äquator-Schild

Ab in den Süden

Ab in den Süden

Wir sehnten uns sehr danach, in Jungle Junction endlich anzukommen. Gerüchteweise soll es hier Internet geben, sogar Waschmaschinen, Zimmer und genügend Platz zum Campen, ein wöchentliches Barbeque und das tollste: Jungle Junction befindet sich mitten in der afrikanischen Hauptstadt des Shoppings. Wir erwarteten also viel als wir nach 2 bis 3 Stunden in die Amboseli Road einbogen. Und es bewahrheitete sich alles: Wifi bis in die letzte Ecke des großen Gartens, Waschmaschinen und Trockner, leckeres Essen… Wir hatten schon eine ganz schön lange Durststrecke hinter uns mit all den Einrichtungen, die einem das Leben schöner machen.

Zu unserer größten Überraschung sahen wir, als wir ankamen, den Landcruiser der Franzosen auf dem Rasen stehen. Nur leider waren sie gerade in der Stadt unterwegs.

Wieder eine Hauptstadt und wie bisher wiederholt sich hier vieles. Wir haben eine lange To-Do- und Shopping-Liste, die es abzuarbeiten gilt.

Doch bevor es an die Arbeit ging, genossen wir in Jungle Junction aber erst mal die Overlander-Atmosphäre. Schon ein paar Stunden nachdem wir angekommen waren, kamen auch Laurent und seine Familie von ihrem Ausflug zurück. Die Wiedersehensfreude war auf beiden Seiten groß. Hier trafen wir auch andere alte Bekannte wieder: Iain, der sich zwei Tage vorher schon von uns verabschiedet hatte, und das deutsche Ehepaar, das wir im Sibiloi National Park getroffen hatten. Ein paar Tage später, als Iain sich Richtung Uganda auf den Weg gemacht hatte, schlug auch sein Reise-Kompagnon Ryan mit Freundin Laura in Jungle Junction auf. Und zu aller Überraschung kamen an einem Abend auf einmal Pepe und seine Familie in Jungle Junction an. Boni und Miguel waren leider nicht dabei, aber wir hörten, dass er mit seinem Auto gut durch Nordkenia gekommen ist, und mittlerweile zurück in Spanien ist. Jungle Junction ist definitiv ein Ort zum Wiedertreffen und Neukennenlernen von Leuten.

Camping in Jungle Junction

Camping in Jungle Junction

Unsere Ecke

Unsere Ecke

Unsere Shopping-Liste versuchten wir gleich am Sonntag abzuarbeiten. Im Nakumatt Center bekamen wir allerhand gewohnte Waren wie Nutella, Heinz-Ketchup, Hummus, Kürbisse,… Aber damit nicht genug, am Montag gings ins Yaya-Center, wo wir sehr günstig Obst und Gemüse und vernünftiges Brot einkaufen konnten. Außerdem gab es hier einen Buchladen und ein Fotogeschäft, sowie einen Supermarkt mit Frankfurter Würstchen, Speck, einen vernünftigen Metzger mit Salami und Fleisch. Das Village-Center war am nächsten Tag dran. Dieses sehr luxuriös aussehende Shopping-Center beherbergt alle möglichen kleinen Shops mit Souvenirs, Klamotten, Büchern, Brillengeschäfte und einen riesigen Food-Court mit einem deutschen Restaurant, Chinesen, Italiener, Steak House. Hungrig blieb da keiner. Damit Willi nicht leer ausgeht, gingen wir auch zum Toyota-Händler und kauften einen neuen Luftfilter und einen neuen Dieselfilter.

Zwischen unseren Shopping-Exzessen gab es aber auch formale Dinge zu erledigen. Da wir über die grüne Grenze zwischen Äthiopien und Kenia eingereist waren, hatten wir immer noch keinen Immigrations-Stempel in unserem Pass. Zudem war unsere Carnet noch ungestempelt. Also fuhren wir mit dem Taxi quer durch die Stadt und irrten dann in den Bürogebäuden herum. An der Passstelle scheiterten wir leider mit unserem kläglichen Versuch, das Single Entry Visum in ein Multiple Entry Visum umzuwandeln. Aber immerhin teilte uns der strenge Beamte mit, dass wir einmal eingestempelt in Kenia für weitere Besuche in Kenia in den nächsten 3 Monaten nichts zu bezahlen hätten. In dem Gebäude („Times Tower“), in dem wir die Carnet abstempeln ließen, wurden wir von Stockwerk zu Stockwerk geschickt und innerhalb der Stockwerke von einer zur nächsten Person. (Nur am Rande: Die Abteilung „Enforcement“ im vierten Stock ist der Ort, an den man die Carnet bringen möchte…) Wie viele Kilometer wir dabei gemacht haben, konnten wir leider nicht ausrechnen.

Außerdem haben wir mit Jan und Trevor ihren 12. Hochzeitstag im Restaurant namens „Rusty Nail“ gefeiert:

Das glückliche Paar

Das glückliche Paar

Donnerstagmorgen gingen wir zum Zahnarzt, da mein Unterkiefer schon seit Wochen weh tat. Am Eingang zum Zahnarzt lernten wir eine riesige Schildkröte kennen, die offensichtlich zur Praxis gehörte. In der Swedish Dental Clinic war ich auf jeden Fall gut aufgehoben. Die Zahnärztin schliff mir nur eine Füllung ab, die offensichtlich nach 3 Anpassungen immer noch zu hoch war. Und dabei versprach sie mir auch gleich, dass sich meine Beschwerden sofort bessern werden. Ich kann jetzt sagen: Ja, ich habe keine Schmerzen mehr und bin sehr zufrieden damit. :-)

Schon seit Jahren auf dem Weg zum Zahnarzt

Schon seit Jahren auf dem Weg zum Zahnarzt

Sag "Hi" zu Momo

Sag "Hi" zu Momo

Das war uns aber nicht genug Tiere, wir gingen aufgrund eines Tips der Spanier noch in eine Elefanten-Waisen-Aufzuchstation. Hier haben wir viele Bilder gemacht:

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Nairobi Elephants

Elefanten Aufzuchtstation in Nairobi

Auch für unser leibliches Wohl haben wir gesorgt:

Tischlein deck dich

Tischlein deck dich

Männersache

Männersache

nairobi_007An unserem letzten vollständigen Tag in Nairobi wurde Willi noch mal gut gepflegt, bevor es weiter geht. Er bekam noch einen Ölwechsel, Jörg wechselte den Luftfilter und den Dieselfilter und ich putzte alle Scheiben von innen uns außen. Wir belohnten uns mit der getanen Arbeit und gingen ins Kino: Harry Potter. „Kino“ ist inzwischen zu einem festen Hauptstadt-Programmpunkt geworden. :-)

An unserem Abfahrtstag packten wir morgens alles zusammengepackt, und damit wir schneller wegkommen, planten wir ein Frühstück bei Nakumatt ein. Dort kauften wir in großen Wasserbottichen Wasser ein. Unser Plan war, die riesigen Wasserkanister inkl. Pfand zu kaufen, das Wasser in unsere Behälter umzufüllen und dann die leeren Flaschen zurückzubringen und den Pfand bekommen. Leider ist das nicht die Philosophie von Nakumatt. Pfand wird nicht ausbezahlt, das Pfand ist zum Tausch in einen neuen Wasserbottich gedacht und wenn man Glück hat, bekommt man einen Gutschein zum Einkaufen. Wir hatten ewig diskutiert, denn was sollen wir mit einem neuen Wasserbottich? Am Ende hatten wir einen Gutschein bekommen und mussten einkaufen, obwohl wir nichts mehr brauchten. Nur damit man ein Gefühl für die Preise bekommt: ein 19,8 Liter Wasserkanister kostet 330 KSH + 1000 KSH Pfand (ca. 3,30€ und 10€ Pfand). Knapp 7 Euro für fast 40 Liter Trinkwasser sind eigentlich ein echtes Schnäppchen. Aber wir haben gelernt aus dieser Pfand-Diskussion.

 

 

Category: Kenia  | 3 Comments

3 Responses

  1. 1
    Lars 

    Moin,

    einmal Äquator überqueren war euch wohl zu wenig, was?

    Schönen Gruß von der Ostsee

    Lars

  2. 2
    Joerg 

    Jambo Lars,

    klar. Einmal kann ja jeder… ;-) Wobei ich Glück hatte, dass die anderen ihre Chance verpasst haben, mich Äquator-Jungfer zu taufen.

    Viele Grüße aus Kampala,

    Jörg

  3. 3
    kaschidH 

    Hallo Weltenbummler,

    wie Kampala???!!! Ich hatte Euch doch mit auf den Weg gegeben, dass ihr eine Lodge in Kenia übernehmen oder eröffnen sollt. Ich habe das Gefühl ihr habt nur Jaja gesagt um mich los zu werden. Naja was solls, Uganda soll ja auch ganz nett sein… Spaß beiseite, ich habe neulich von Euch geträumt. Ihr musstet die Reise abbrechen, weil ihr nen Platten hattet und Jörg ist ohne Ankündigung zur Geburtstagsfeier erschienen. Das Geschenk war ein frischer Druck Eures Reiseberichtes. Ich zweifelte noch, wann ich wohl dazu kommen werde die 1000 Seiten zu lesen, als Jörg mir sagte es sei der erste Teil: Deutschland bis zur Türkei… Naja ist wohl ein wenig überspitzt gewesen der Traum. Es macht aber deutlich, dass ich das Gefühl habe ihr sprüht nur so vor Eindrücken. Ich denke diese Homepage ist schon genial wird aber der Summe Eurer Eindrücke wahrscheinlich trotzdem nicht gerecht… Soll ich schon mal einen Saal für den Diavortrag anmieten? Liebe Grüße und viel Spaß noch…

    Karsten

    PS: Ne ruhige Lodge in Südafrika wäre auch nett…

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• Freitag, August 28th, 2009

Unsere Karte zeigte die Abfahrt nach Wamba in Baragoi, die von Jan & Trevor wies sie südlich von Baragoi aus, und unsere Track4Africa-Karte (Stand 8.10.3) hatte die Strecke noch gar nicht verzeichnet. Umso eifriger hörten wir Adrian zu, als er uns den Weg an seinem letzten Abend in Baragoi am Lagerfeuer beschrieb. Nach Adrians Beschreibung mussten wir einfach die C77 weiter südlich fahren und dann die zweite Abfahrt links nehmen; ab dann immer auf dieser Straße bleiben. Die Beschreibung hat gestimmt, die Abfahrten sind aber sehr unauffällig und bei der zweiten gibt es nicht mal ein Schild (N 1° 40.118, O 36° 48.205’). Wir befanden uns nun auf dem Weg nach Barsaloi, dem Ort, an dem „die weiße Massai“ gelebt hat. Anja erwähnte immer wieder, nun an vielen der beschriebenen Orte selbst gewesen zu sein und sich damit einen eigenen Eindruck machen zu können, und auf die To-Do-Liste für Nairobi wurde geschrieben: „‚The White Massai’ kaufen“, um nochmals alles genau nach zu lesen. (Das Dorf selbst ist aber allerdings recht unscheinbar und sicherlich nur für die härtesten Fans die strapaziöse Anreise wert.)

[Anja:] Wer das Buch gelesen hat, wird mit Dorf-Namen wie Baragoi, Barsaloi, Maralal, Wamba etwas anfangen können. In Barsaloi lebte Corinne Hofmann, in Wamba brachte sie ihr Kind zur Welt. (Wir kauften später in Nairobi nicht nur „The white Masai“, sondern auch „Reunion in Barsaloi“, in der sie beschreibt, wie sie nach 14 Jahren wieder zurück nach Barsaloi reist, um dort ihre Familie zu besuchen. Sie beschreibt auch die dortige Mission und die jetzigen Angestellten. Das witzige dabei ist, dass Iain in der Mission bei den Leuten, die auch im Buch beschrieben sind, nach Wasser gefragt hat. Und wir haben alles live gesehen :-) )

Auf der Strecke hatten wir wieder viele Flussdurchfahrten wie im Omo Valley. Doch anders als dort, sind wir hier sogar zweimal ausgestiegen und die Strecke vorher abgelaufen. Das mag unter anderem an Adrians Warnung gelegen haben, dass eine der Durchfahrten, südöstlich von Sware, nicht ohne sei, er hätte hier beinah mal einen Defender im Treibsand verloren. Außerdem sei hier immer Wasser anzutreffen, selbst wenn alle anderen Flussbette ausgetrocknet sind. Wir sahen an dem besagten Flussbett zwar Leute mit Kanistern an einem gegrabenen Loch stehen – das Wasser konnte also nicht so tief sein –, doch das Bett selbst war oberflächlich trocken. Neben dieser waren aber auch andere der Flussdurchfahrten interessant, die es erforderten nahtlos zwischen dem ebenen Fahren auf losem Sand im Flussbett auf Steigungsfahren auf großen, groben Steinen an den steilen Rändern umzuschalten.

Das Flussbett vor der Durchfahrt

Das Flussbett vor der Durchfahrt

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Kurz vor Wamba änderte sich erneut der Bodenbelag. Wir hatten hier das längste Stück gnadenlosesten Wellblechs unserer bisherigen Route – allzu viel schlimmer kann die Route Moyale – Isiolo auch nicht sein. Sully ist mehrmals hinten ausgebrochen, weil das ABS sich einmischte (beim TD4 angeblich nur gegen Aufpreis abschaltbar – sagt alles oder… ;-) ). Nördlich vor Archers Post spuckte uns unsere Omo Valley Durchquerung dann wieder aus. Staubig, aber glücklich, sahen wir nach über 1000 km Offroad wieder Asphalt. Zurück auf Asphalt, zurück in der Zivilisation! Wir fünf waren unterschiedlicher Meinung, ob man die Strecke nochmals fahren würde. Ich war der einzige, der durchaus sofort wieder umgedreht wäre, Anja dagegen hat ’s erstmal gereicht. Wir hatten auf jeden Fall großes Glück mit dem Wetter. Die anhaltende Dürreperiode, die hier vielen derzeit zum Problem wird, hat uns die Fahrt nur erleichtert. Doch ob diese Route nun empfehlenswerter ist als die Route Moyale – Isiolo, die viele Blogs als die schlechteste Straße Afrikas einschätzen, das können wir nicht sagen, fehlt uns doch dazu die Erfahrung mit dieser Route. Wir haben nur soviel von gebrochenen Stoßdämpfern, Achsen und / oder Reifenschäden gehört und gelesen, dass wir meinen, die richtige Wahl getroffen zu haben. Bis auf einzelne Ausnahmen hatte eigentlich jeder, mit dem wir sprachen oder von dem wir hörten, kleinere bis größere Schäden auf dieser Strecke bekommen. Wir dagegen wurden zwar ordentlich durchgeschüttelt – sehr ordentlich durchgeschüttelt –, hatten aber hatten keinerlei Schäden zu verzeichnen. Überhaupt waren wir stolz wie Oskar auf unseren Willi, was er hier spielend geschafft hat. Trevor, überzeugter Defender-Anhänger und -Fahrer, musste zugeben, dass es manches Mal ganz einfach aussah, wenn wir mit unserem Landcruiser wo lang fuhren, während sich der Defender nur sehr schwerfällig über das jeweilige Hindernis kämpfte. Wie beeindruckt wäre der Nutzer des permanenten Vierradantriebs wohl erst, wenn er wüsste, dass wir selbigen bis auf wenige Ausnahmen nur seltenst nutzten. ;-)

Zum Gelände noch ein kleines Video-Schmarkerl:

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Nun ja, zumindest hatten wir bis hierher keinerlei Schäden… Kaum hatten wir Asphalt berührt (und diesen wieder verlassen) – bei Archers Post sind wir auf die letzten Kilometer der berühmt-berüchtigten Moyale–Isiolo-Route gestoßen, die Straße ist hier abschnittsweise schon fertig, aber teilweise muss man links oder rechts von der Straße auf Pisten fahren – da spürte ich auf einmal einen Schlag von unten gegen meinen Fußraum, und wir hörten seitdem untypische Geräusche für unseren Willi. Nachdem Willi auch auf Asphalt noch übermäßig schaukelte, stiegen wir aus und sahen das Malheur:

Gebrochene Schweißnaht

Gebrochene Schweißnaht

Gegenstück

Gegenstück

Wir können zwar nicht behaupten, dass die Route Moyale – Isiolo auch uns einen Stoßdämpfer gekostet hat, denn der war noch ganz, aber die Stoßdämpferaufhängung hat ’s erwischt. Wie Anja und ich erst jetzt sahen, war die schon mal geschweißt worden und ist an einer der beiden Schweißnähte erneut gerissen – da hat jemand leider nicht allzu nachhaltig gearbeitet… Anja und ich entschieden uns, die Aufhängung erst in Nairobi schweißen zu lassen, und entfernten den Stoßdämpfer, so dass der nicht noch auf den verbleibenden Kilometern kaputt gehen kann. Wir wollten nun erstmal langsam nach Isiolo fahren und dann weitersehen. In Isiolo hielten wir kurz, um endlich Geld an einem Automaten ziehen zu können – fünf Tage nachdem wir Kenia betreten hatten, haben wir hier endlich die erste Bank gesehen. Etwa acht Kilometer südlich von Isiolo kannte Tracks4Africa „Rangelands Hotel & Camping“, doch wir verpassten irgendwie die Abfahrt und die Gegend sah von der Straße zudem ein wenig zwielichtig aus. Ohne Rangeland zu kennen, sind wir dennoch der Meinung, dass das Verfehlen dieses Hotels unser Glück war, denn Anja hatte mittlerweile den Laptop aufgeklappt und wieder einmal in Martins Internetseite gelesen, wo die beiden damals gecampt haben – sie hatte dafür extra alle Länderseiten als PDF ausgedruckt. Nachdem wir den Eintrag gelesen hatten, wollten wir zur „Timau River Lodge“ und konnten die anderen glücklicherweise dazu überreden. Die ca. 50 km weiteren Kilometer fuhren wir sehr bedächtig und achteten auf jedes neue Geräusch, aber Willi hatte keine weiteren Malessen. Und dann kamen wir zur Timau River Lodge bei N 0° 05.124’, O 37° 15.116’. Traumhaft am Fuß des Mt. Kenya gelegen, es gibt viele Tiere vor Ort und einen kleinen Wasserfall. Wir nahmen uns zu fünft ein ganzes Haus mit eigenem Kamin. Iain fuhr bereits am nächsten Morgen weiter nach Nairobi, doch wir anderen blieben insgesamt drei Nächte. Wir haben unsere Eindrücke sortiert, viel gebloggt und gelesen, vorm Feuer gesessen und leckeres Essen gegessen – wir haben einfach den Reise-Stopp-Schalter gedrückt, und es uns ein paar Tage gut gehen lassen.

Timau River Lodge

Erholung vor Nairobi

Jan hat Bananenbrot gebacken

Gekrönte Bäckerin

Gekrönte Bäckerin

und wurde dafür (und für all ihre bisherigen Einsätze) von Anja und mir zur „besten Outdoor-Köchin“ gekürt. Hier haben wir eines Abends auch realisiert, dass wir fast bereits ein Viertel unserer Reise zusammen mit Jan & Trevor reisen (und noch länger schon mit Ihnen via Mail Kontakt gehalten haben). Doch nach drei Tagen wollen wir nun auch noch den letzten Schritt gehen und morgen nach Nairobi aufbrechen.

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• Dienstag, August 25th, 2009

Die Nacht in der Polizeistation war nicht wirklich angenehm. Dies lag nicht an den Polizisten, sondern an dem Sturm, der über Nacht aufgekommen war. Hatten wir noch bei moderaten Böen Essen können, so nahm der Wind gegen 1 Uhr morgens stark zu, und zwar so stark, dass er selbst mich wach hielt. Immer stärker wurde der Wind, so dass um 4 Uhr morgens die beiden Autos ihre Zelte eingeklappt hatten. Nur Iain hatte keine andere Wahl: Sein kleines Zelt musste weiterhin dem Wind trotzen, was es auch tapfer getan hat, während wir anderen vier versuchten, auf den Autositzen noch ein paar ruhige Minuten zu finden.

Die ca. 90 km nach Koobi Fora in dem Sibiloi National Park waren schnell abgeritten. Nach etwa 1 ½ Stunden bogen wir bei N 4° 11.570’, O 36° 26.695’ in den Park. Auf dieser Seite gibt es keinen offiziellen Eingang, aber der Park ist nicht umzäumt. Einfache Holzschilder weisen einen darauf hin, dass man im Begriff ist, den Park zu betreten. Nicht ohne ebenfalls darauf hinzuweisen, bitte zuvor auf der anderen Parkseite in ca. 60 km Luftlinie die Eintrittsgebühr zur entrichten. … Jaah, right! Wir fuhren also geradewegs in den Park und wurden mit vielen Oryx Antilopen belohnt. Viele wurden durch unser Motorgeknatter aufgescheucht, und liefen Iain schnurstracks in seine Bahn.

Auf dem Weg zu unserem Camp in Koobi Fora haben wir auf der lokalen Landebahn noch Kuhantilope grasen sehen.

Der Weg im Park war für uns sehr gut befahrbar, doch wie im Omo Valley profitieren wir auch hier von der anhaltenden Trockenheit, die letztendlich erst dazu führte, dass die Wege nicht matschig, sondern der Sand hart genug war, unsere schweren Wüstenschiffe nicht einbrechen zu lassen. Das letzte Stück zu dem Camping Platz war jedoch recht loser Sand wie bei Stranddünen und hier hatten wir zugegebenermaßen zu kämpfen, nicht unser Momentum zu verlieren.

Von dem Camping Platz (N 3° 56.868’, O 36° 11.180’) hatten wir uns sehr viel versprochen, doch der Platz konnte nicht zuletzt wegen der anhaltenden Trockenheit und des recht starken Windes nicht mit unseren Erwartungen mithalten. Wir waren enttäuscht, da wir uns den Platz in unseren Vorstellungen gnadenlos pittoresk erträumt haben – dieser Vorstellung wegen sind wir letztendlich schon nach drei Nächten von Karkaro Camping aufgebrochen. Die Duschen und Toiletten sind hier sehr sauber, aber der Wind hinderte uns erneut daran, im Auto zu schlafen. Am Haupthaus durften wir ein wenig Schutz suchen und so baute Iain sein Zelt auf der Veranda im Lee auf, wir schliefen dort in Hängematten und Jan & Trevor holten ihre Matratze raus, legten sie auf den Boden und hingen ein Moskitonetz oben drüber. Moskitos gab es natürlich keine – die bleiben bei so einem Wind zu Haus –, aber wir hatten zuvor beim Essen eine Krabbenspinne gesehen und so einen Gesellen braucht man nicht als Bettnachbar.

Jan nutzte das offene Feuer der Camp-Küche, um Brot für uns zu backen. Köstlich! Das fanden auch drei Ginsterkatzen, die uns aus dem Dickicht nicht aus den Augen ließen. Hier im Sibiloi Nationalpark zeigte sich ein weiterer Aspekt, in dem Jan & Trevor unsere Reise bereichern: Durch ihr Aufwachsen in Südafrika sind sie weitaus vertrauter mit der Tierwelt und dem „Überleben im Busch“ als Anja und ich, die zwar problemlos einen Löwen von einem Zebra unterscheiden können, aber bei aller Hingabe sicherlich noch nicht verschiedene Antilopenarten… Neben für uns neuen Tierarten lernen wir auch noch nützliche allgemeine Verhaltensregeln im Busch, die wir Stadtkinder sonst nur durch wohlmöglich schmerzhafte Fehler eingebimst bekommen hätten. Beispielsweise können wir mittlerweile Hyänen an deren Ruf erkennen und wissen, in deren Gebiet nachts nicht mehr den Wagen zu verlassen (und sich lieber einer Flasche zu bedienen als die Buschtoilette aufzusuchen), oder dass man im Busch lieber auf Steine tritt als drüber hinweg, weil Schlangen häufig direkt dahinter (im Schatten oder in der Sonne) liegen, oder dass gelbe Reflektionen von Taschenlampen häufig von harmlosen Tieren wie Ziegen stammen, grüne jedoch eher von Katzenartigen (und damit Raubtieren), wobei diese Daumenregel vom Terrain abhängig ist, etc.

Gerade als wir am nächsten Morgen aufbrechen wollten, trafen wir auf ein anderes deutsches Paar aus dem Kreis Dingolfing. Sie hatten auch in der Polizeistation Ilerets übernachtet, wurden auch von dem Wind überrascht und sind deshalb ebenfalls früh los, so dass sie nun schon hier waren, als wir gerade los wollten. Doch auch sie waren ein wenig enttäuscht von dem Platz und wollten hier nicht campieren; es war ja auch gerade erst kurz nach 10 Uhr.

Wir verließen den Park beim Gate bei N 3° 39.422’, O 36° 18.918’ und zahlten nachträglich unseren Eintritt: 20 USD pro Person und 300 Kenianische Schilling für Willi. Ursprünglich hatten wir mit 5 USD gerechnet, denn das steht noch im Lonely Planet von 2009. Doch auf dem Camping Platz haben wir dann die richtigen Preise gehört. Hätten wir uns nicht eh schon fürs Weiterfahren entschieden, so hätte es diese Preiserhöhung um 300 % wohl geschafft. Ich habe irgendwo mal gehört oder gelesen, dass in einigen afrikanischen Staaten die Eintrittspreise für Nationalparks derart bestimmt werden, dass der Staat vorgibt, wie viel Geld er dieses Jahr durch den Parkeintritt machen möchte und diese Zahl dann durch die Besucheranzahl des letzten Jahres geteilt wird. Dadurch schwanken die Preise auch recht stark. Vielleicht ist dies ja auch in Kenia so? Das klingt sehr nach „Fünfjahresplan“, aber solange Leute bereit sind, für einen Tag pro Person z. B. 200 USD für die Serengeti zu zahlen (sic!) – und da ist noch nichts weiter drin, das ist der nackte Eintritt –, solange gibt es Nachfrage für das 200 USD Angebot. In unserem Reisebudget ist dies jedenfalls leider nicht drin und so haben wir uns diesen prominenten Kandidaten schon abgeschminkt.

Die Landschaft änderte sich nach dem Park. Zunächst wurde der Untergrund sandiger, danach sah es aus wie auf dem Mars – bis zum Horizont Lavagestein und der rötlich Sanduntergrund machte den extraterrestrischen Eindruck perfekt. Zudem sahen wir auch immer weniger Tiere. Auf dem Weg nach Loiyangalani hatten wir die „C77“ vor uns – eine nationale Straße mit Nummer. Ach, was waren wir naiv in der Hoffnung, dass diese Nummer mit Strassenqualität einhergeht! Unser Weg wurde mit dieser „Straße“ deutlich steiniger – wörtlich und im übertragenen Sinne. So mussten wir an manchen Stellen kleinere Steinbrocken erfahren, wobei „kleiner“ durchaus 20 cm hoch heißt. Teilweise lagen dieser hintereinander und wir wissen seitdem, dass Sully und Willi auch jede kleinere Treppe problemlos erfahren können…

In Loiyangalani nächtigten wir im „Palm Shade Camp“ (N 2° 45.384’, O 36° 43.241’). Wir kamen auch an einem Campingplatz mit Pool im Ort vorbei, aber Iain war auf der C77 vorgefahren und hatte seine BMW bereits dort untergestellt. Auch hier mussten wir unsere ursprünglichen Pläne anpassen: Nach der nicht-erfolgten Erholung in Koobi Fora und unseren Körpern, die nach ein wenig Ausspannung schrien, wollten wir hier ein paar Tage unsere Zelte aufschlagen. Doch obwohl die durch eine heiße Quelle gespeisten Duschen das reinste Balsam für unsere staubige Haut waren (wenn ’s auch mehr ein kleiner Rinnsal denn eine druckreiche Dusche war), blieben wir nur eine Nacht; 750 KSH pro Person für eine Übernachtung in einer Rundhütte, in der das Moskitonetz und die ungewollte natürliche Air Conditioning durch Wandlöcher den einzigen Luxus bereiteten, war uns dann doch ein wenig zu viel.

Wir blieben also nur eine Nacht, aber die eine Übernachtung ließen wir es uns gut gehen: abends gab ’s Chili con Carne und am Morgen Eier mit Speck, zubereitet auf offenem Feuer. Wir wollten auch endlich wieder unsere Gemüsevorräte und Dieseltanks ein wenig auffüllen, doch war uns dies hier schlichtweg zu teuer – nicht nur wegen der schlechten Tauschrate von USD zu KSH, die uns angeboten wurde.

Vor Ort bekamen wir aber noch einen guten Tipp, wie wir weiterfahren sollten: ‚Besser nicht die Straße Baragoi nach Maralal nehmen, auch wenn es die besser ausgebaute Straße ist. Hier gibt es zahlreiche Banditenüberfälle! Besser ist da die ebenfalls gut befahrbare Straße von South Horr nach Laisamis und von dort weiter nach Isiolo’, so hieß es. Wir brauchten nur einen Bruchteil einer Sekunde, um die Konsequenzen von Banditenüberfällen gegen den tollen Blogartikel, den dies bedeuten würde, abzuwägen und entschieden uns also für die Abzweigung in South Horr.

Wir waren guter Hoffnung, die nur knapp 200 km bis Laisamis an einem Tag zu schaffen, doch bereits der erste Streckenabschnitt von Loiyangalani bis South Horr über den Kibrot Pass bekam von uns den Preis für den „bisher schlechtesten Abschnitt auf unserer Omo-Valley-Durchquerung“. Die Steinbrocken auf diesem Abschnitt, die es zu überqueren galt, waren nicht mehr „klein“ zu nennen – auch nicht nach der obigen, bereits recht weit ausgelegten Interpretation dieses Begriffs. Neben der Konzentration auf die Strecke spielte ich noch „Wer bin ich?“ mit Anja, um sie von der Strecke abzulenken.

Doch auch dieser Abschnitt war nach etwas über zwei Stunden (für etwas unter 50 km) vorüber, und wir erreichten South Horr. Nachdem Iain in Loiyangalani seinen Tank nicht aufgefüllt hatte, weil es ihm zu teuer schien, bekam er nun langsam ein ungutes Gefühl, ob er die ganze Strecke bis Laisamis schaffen würde. Wir fragten also bei der hiesigen Mission, ob wir irgendwo tanken könnten. Der Missionär sagte uns, dass das leider erst in dem ca. 40 km entfernten Baragoi ginge, und es wäre auch kein Problem über Baragoi und Maralal gen Nairobi zu fahren, denn die Banditen würden nicht uns erschießen, das machen sie nur mit Einheimischen, von uns würden sie höchstens ein wenig Geld haben wollen. Gut, diese neue Information stellt die Route natürlich in ein ganz anderes Licht – „sie erschießen nur die Einheimischen“. Wir wogen die Konsequenzen eines Überfalls also nochmals gegen den potentiellen Blogartikel ab, brauchten aber nur einen noch kürzeren Bruchteil eines Moments, um zu einem einstimmigen Entschluss zu kommen: Diese Route überlassen wir lieber anderen.

Doch wir standen nun vor einem anderen Problem. Faktisch stand zwar Iain allein vor dem Problem, denn für den weitaus höheren Durst unserer 4WD-Viecher hatten wir vier Fürsorglichen ausreichend vorgesorgt, doch es wird natürlich keiner zurückgelassen, und so attackierten wir dies Problemchen zusammen. Wir standen also vor der Wahl entweder 40 km hin und zurück extra zu fahren oder über Baragoi nach Wamba zu fahren und von dort nach Isiolo gen Nairobi. Wir entschieden uns für letzteres, weil die 80 Extrakilometer bedeutet hätten, dass wir an dem Tag ohnehin nicht mehr nach Laisamis gekommen wären.

In Baragoi konnte Iain seine BMW auch endlich an dem nötigen schwarzen Gold laben lassen. Wir vier nutzten auch die Chance und führten unsere schweren Ponys zur Tränke bei N 1° 46.991’, O 36° 47.259’. Da wir über die grüne Grenze reingekommen waren und noch immer keine richtige Stadt gesehen hatten, sind wir bisher auch weder einer Bank noch einem ATM begegnet; unsere Vorräte kenianischer Schilling waren dementsprechend übersichtlich. Zudem zeigte die Wasserstandsanzeige von unserem Dollar-Reservoir nur noch wenige Striche vor absoluter Trockenheit an. Tanken war also kein Selbstläufer, und wir zogen Einheimische an wie Fliegen. Zu allem Überfluss dauerte das Tanken sehr lang, weil anfangs kein Strom vorhanden war, und Diesel in die Tanks gepumpt werden musste. Wir liehen uns von Jan & Trevor ein paar Dollar, und füllten ein wenig auf.

Beim Tanken trafen wir glücklicherweise auf Adrian, der seinen Defender auftankte. Adrian arbeitet als Projektmanager für den Bau eines Windparks beim Lake Turkana; es soll der größte Windpark Afrikas werden und wird – wenn alles gut läuft – allein 30 % von Kenias Strombedarf decken. Doch der eigentlich „glückliche“ Part an unserem Zusammentreffen war, dass Adrian uns zwei potentielle und seiner Erfahrung nach sichere Camps beschreiben konnte; nicht weit weg, aber weit genug, um nicht ganz Baragoi kurze Zeit später in unserem Camp begrüßen zu dürfen. Wir folgten seiner Beschreibung aus dem Dorf, bogen bei N 1° 47.153’, O 36° 47.481’ von der C77 ab, fuhren etwas später parallel der lokalen Landebahn und danach rechts. Nach etwa 10 km nach der Abzweigung von der C77 sahen wir schließlich Adrians Camp linkerhand unter Bäumen an einem ausgetrockneten Damm. Wir parkten unsere Wagen etwas abseits bei N 1° 44.631’, O 36° 52.281’ – ebenfalls unter schattenspendenden, herrlichen Schirmakazien. Dieser Platz sah aus, als ob er nach den Vorstellungen eines Drehbuchautors angelegt wurde. Er sah fast zu sehr nach „Afrika“ aus, um wahr zu sein. Dieses Camp ist mein neuer Favorit meiner Top-Ten-Übernachtungsliste!

Doch bevor wir uns am Lagerfeuer ganz diesem Ort hingeben konnten, mussten wir noch einen Behördengang erledigen; in Kenia war nämlich am 24. August Volkszählung. Die beiden „Offiziellen“ saßen in Adrians Camp – hinter ihnen sah man noch ein kleines Lagerfeuer glimmen, in welcher deutschen Behörde hat man diesen Anblick – und erklärten uns die Prozedur. Sehr pflichtbewusst füllten sie unsere Angaben in ihren Erfassungsbogen, nur fanden sie leider weder die Schlüsselnummer für den „District“ Niedersachsen noch den für Baden-Württemberg in ihrem Code-Buch. Wir sind nun offiziell – noch bevor wir ganz offiziell eingereist sind – als „Obdachlose“ oder „Vagabunden“ in Kenias Bevölkerung 2009 erfasst. ;-)

Heute haben wir den Tag langsam angehen lassen. Adrian fuhr nach Nairobi zurück, und die etwa zehn Zelte seines Camps wurden alle abgebaut. Doch dies führte leider nicht dazu, dass wir den ganzen Platz für uns hatten. Nein, das Gegenteil war der Fall. Nachdem auch die Guards ihre Sachen gepackt hatten, kamen immer wieder Einheimische, die ihre Ziegen und Kühe entlang unseres Camps trieben. Jetzt war keiner mehr da, der sie vertrieb, standen sie oder setzten sie sich – mal näher, mal ferner –, um zu sehen, was diese „Mzungus“ den lieben langen Tag so machen. An den Tierspuren und deren Hinterlassenschaften hätten wir eigentlich bereits gestern Abend sehen müssen, dass wir bei einem Ziegen-Kühe-Highway campen, doch trunken vor Freude haben wir dem wohl unterbewusst keine gebührende Achtung entgegengebracht.

Zu einem Zeitpunkt setzte sich ein Tribesman direkt an unser Feuerchen, das wir den ganzen Tag über an ließen, weil Anja und Iain unter Jans Anleitung Brot backen wollten.

Dieser Tribesmann hatte nichts anderes zutun, als uns einfach nur zu beobachten; er war in keinster Weise aufdringlich, noch machte er irgendwelche Anstalten, sich mit uns unterhalten zu wollen, uns etwas verkaufen zu wollen oder überhaupt einfach irgendetwas haben zu wollen – ganz anders als manch andere Einheimische, die unser Camp passierten. Doch dass wir ständig so im Rampenlicht standen, wurde Jan irgendwann zuviel, so dass die beiden drauf und dran waren, ihre Sachen zu packen und weiterzufahren. Iain gelang es jedoch immer wieder, die Leute aus unserem Camp zu komplimentieren. Einfach nur durch Bestimmtheit in Worten, ohne Kraft in irgendeiner Aktion, nahm er beispielsweise unseren Tribesman bei der Hand, erklärte ihm, was er tat und warum er es tat, indem er ihn zu dem nächsten Baum in ca. 20 m Entfernung führte (auch wenn dieser ihn natürlich nicht verstehen konnte), ließ ihn sich dort niedersetzen und uns von dort beobachten.

Afrikaner haben ein anderes Verständnis von Privatsphäre als wir Europäer, gerade die hiesigen Stämme haben überhaupt kein Konzept von Privatsphäre. Wir profitieren davon, indem uns keiner verscheuchen kann, denn das Land gehört ja allen (oder eben keinem), doch die andere Seite der Medaille ist, dass sich mit dem gleichen Recht auch jeder an unser Lagerfeuer setzen kann. Für unser Gefühl war dies jedoch manches Mal ein wenig zu nah; wir wollten unsere Wagen vom Staub befreien und mussten dazu alles ausräumen, wir wollten auch irgendwann etwas kochen und brauchten bei beidem verständlicherweise – aus europäischer Sicht – keine Zuschauer. Für uns hatte es ein leichtes „G’schmäckle“, dass wir die Einheimischen vertrieben, nachdem wir uns auf ihrem Land ausgebreitet hatten, aber es ging auch nicht anders, mit diesem Magengrummeln mussten wir leben.

[Anja:] Zwei weitere ständige Gäste in unserem Camp waren „Donkey 1“ und „Donkey 2“, zwei mehr oder weniger wilde Esel.

Auch wenn sich somit beim nächsten Sonnenlicht manches Gold dieses Camps als Blech entpuppte, so bleibt es für mich dennoch weit oben in meinen Top Ten. Ich bereue jetzt schon, dass es morgen bereits weitergeht, denn dieser Platz ist fast ein Klischeeabbild von Afrikafilmen wie etwa „Out of Africa“…

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• Freitag, August 21st, 2009

Vor zwei Tagen starteten wir unsere Weiterreise in den Süden. Wir verließen Billys Camp gegen 11 Uhr und erreichten bereits etwa 1 Stunde später Shashamene. Hier teilt sich der Weg: rechts geht’s ab in Richtung Omo Valley, geradeaus geht’s Richtung der berühmt-berüchtigten Moyale-Isiolo-Route. Die ist deshalb „berühmt-berüchtigt“, weil es ca. 500 km Wellblechpiste bedeutet. Das Internet ist voll von Blogs, in denen berichtet wird, wie Stoßdämpfer, Federn oder ganze Fahrwerke dieser kenianischen „Nationalstraße“ Tribut zollten. Wir hatten uns schon vorher fürs Omo Valley entschieden und hielten uns daher rechts. Das Omo Valley ist vor allem bekannt durch den Stamm der Mursi, deren Frauen sich als Statussymbol die untere Lippe aufschneiden und eine kleine Platte einsetzen – dazu müssen allerdings erst die unteren Schneidezähne rausgeschlagen werden… Da sich die Lippenhaut weitet, können immer größere Platten eingesetzt werden und je größer die Platte, desto höher der Status. Um das an dieser Stelle vorweg zu nehmen: Mursi-Frauen haben wir leider keine getroffen, aber dafür andere Stämme.

Die Straßen bis hierher waren gut, und wir kamen schnell durch. Billy, der Eigentümer von Karkaro Camping, hatte uns allerdings vorgewarnt, dass der Abschnitt bis Arba Minch zunächst gut und dann schlecht befahrbar sei. Nach etwa 150 km hörte die geteerte Strecke auch schließlich auf, und wir mussten ständig von der Straße abfahren. Die Verlängerung der Teerstrecke befindet sich im Bau und ist teilweise auch schon fertig, darf aber noch nicht benutzt werden; man wird ständig umgeleitet und muss rechts und links von der Straße auf Pisten oder durch die Pampa fahren. Und auch hier ein kleiner Vorgriff: Hiermit begann unser Offroad-Fahren. Anfangs immer noch abschnittsweise durch Teerstraße unterbrochen, als wir jedoch in Kenia wieder auf Asphalt gespült wurden, hatten wir über 1000 km Offroad zusammen – wohlgemerkt: 1000 km ohne jeglichen Asphalt.

In Arba Minch übernachteten wir in der Timret Pension – wieder eine Übernachtung ohne Elektrizität und warmes Wasser… Wir waren zuvor noch im Bekele Mola Hotel, doch war uns dies zu teuer. Wir trafen dort aber auf Spuren von Laurent, Caro, Enzo und Ruben. Der Führer, den sie im Omo Valley genutzt hatten, sprach uns an und zeigte uns deren Visitenkarte. Als wir in Addis waren, hatten sie uns über sein Handy eine SMS geschickt und uns gefragt, ob wir uns in wenigen Tagen in Arba Minch treffen könnten, um gemeinsam durchs Omo Valley zu fahren. Wir waren zu dem Zeitpunkt allerdings noch gar nicht mit allen unseren Vorbereitungen fertig, und Jan & Trevor waren auch erst wenige Tage in Addis. Wir mussten ihnen also leider antworten, dass uns dies nicht möglich sein wird und ob sie nicht noch ein wenig Tempo rausnehmen könnten. Das war wiederum ihnen nicht möglich, aber der Guide konnte mir meine SMS in seinem Handy zeigen. Trotz mehrmaligen Nachfragens habe ich habe leider nicht recht rauskriegen können, wie weit sie durchs Omo Valley getourt sind und ob sie auch über die grüne Grenze nach Kenia gefahren sind. Vielleicht sind sie ja dort entlang gefahren, und wir können sie eventuell noch einholen.

 

 

 

 

Morgens wollten wir recht früh los, aber nicht ohne vorher aufzutanken. Willi und Sully waren nicht durstig, aber Iains BMW schrie nach Benzin. In Arba Minch (wie in vielen Orten dieser Gegend) gibt es Benzin nur gegen Vorlage einer polizeilichen Genehmigung. Tags zuvor hatte Iain noch ca. 10 Liter so bekommen, doch heute wollte er noch etwas mehr haben, um Reservekanister aufzufüllen, so dass er zunächst zur Polizeistation fuhr. Das ließ sich noch recht schnell erledigen, doch dann ging die Suche erst richtig los: Wir spielten mal wieder eine Runde „Kraftstoff-Verstecken“: Die einen Tankstellen hatten kein Benzin und die anderen keinen Strom, so oder so Iains Bike bekam kein Benzin. Der Schwarzmarktpreis war etwa doppelt so hoch wie der reguläre Preis und seine Motivation, sich dort einzudecken, entsprechend gering. Doch nach über einstündiger Suche sah er schließlich ein: Es gab hier keine Alternative zum Schwarzmarkt. Natürlich fragte auf diesem liquiden Markt auch keiner nach seiner polizeilichen Erlaubnis… ;-)

Von Arba Minch ging es dann bis Konso über eine Mischung aus planierten Pisten und Teer. In Konso hätten wir auch nochmals eine Chance gehabt, nach Moyale zu fahren, doch unser Entschluss stand fest. Wir machten stattdessen eine kurze Kaffeepause bei einem Laden, wo man lokale Handarbeiten kaufen konnte. Während wir unseren erstklassigen äthiopischen Kaffee schlürften, saß die Frau, die uns den Kaffee zubereitet hatte, neben uns und häkelte eine Tischdeckenverzierung. Danach bogen wir rechts ab – Richtung Omo Valley – und kurz nach Konso gab es dann nur noch Offroad, aber immerhin zunächst noch planierte Piste. Dort trafen wir auf einer Passstrecke zahlreiche Kinder, die ihre geschnitzten Holzspielzeuge verkauften; dies war die letzte größere Gruppe von Menschen abseits von Siedlungen, die wir für lange Zeit sehen sollten.

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Ab hier sahen wir stattdessen immer mehr Männer und Frauen in traditioneller Kleidung, Bemalung oder Schmuck ihres jeweiligen Stammes. Sie hatten alle ihr Kopfkissen dabei (eine aus Holz gefertigte Kopfstütze) und die Männer mindestens ihre Wurfkeule (ein Schlagstock mit schwerer Ausbuchtung an einem Ende), häufig kam auch noch ein Gewehr hinzu, wobei die volle Bandbreite (von antiquiertem Vorderlader bis zum modernen Sturmgewehr) abgedeckt wurde.

Auf der Strecke hatten wir wenig Abwechslung. Es gab nur die Straße und uns – und natürlich die phantastische Landschaft des Omo Valleys um uns herum, von der Anja jedoch deutlich mehr mitbekam als ich, der sich sehr stark auf den wandernden Punkt 10 m vor dem Wagen konzentrieren musste. Ab Wyoto änderte sich die Bodenbeschaffenheit: Die Strecke war zwar weiterhin planiert, hatte aber sehr spitze Steine. Ich habe mich eigentlich nur gefragt, wer von uns beiden den ersten Reifenschaden haben wird, denn dass wir hier nicht heil rauskommen, stand für mich außer Frage. Die Preisverleihung fand am Polizeikontrollpunkt in Arbore Village statt: Jan und Trevor wurden darauf hingewiesen, dass ihr hinterer linker Reifen platt war. Anja und ich waren baff, wie eingespielt die beiden beim Reifenwechseln waren. Im Nu war Sully aufgebockt, der kaputte runter, der neue drauf und Sully wieder auf dem Boden.

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Reifenwechsel mit Zuschauern

Mit Iain hatten wir ausgemacht, noch zwei Stunden zu fahren und dann nach einem Platz zum Campen Ausschau zu halten. Doch so schnell die beiden bei ihrem ungewollten Pit Stop auch waren, Iain haben wir den Abend nicht mehr einholen können. Die Strecke wurde besser (kleine Steine und Sand) und wir konnten recht schnell fahren, doch Iain war zu weit „vorn“. (Er fuhr meist vor, um sich nicht durch unsere Staubwolken kämpfen zu müssen und um sein Tempo fahren zu können. Doch nun war dies kontraproduktiv…)

Auf etwa halbem Weg zwischen dem Kontrollpunkt und Turmi fanden wir endlich eine Möglichkeit von der Piste abzufahren und uns mit den Wagen ein paar Meter in den Busch zu schlagen. Wir hatten vereinbart, dass wir eine halbstündige Teepause einlegen würden. Wenn bis dahin keiner Interesse an uns gefunden haben würde, würden wir hier in der Mitte von nirgendwo campen. Doch wir hatten noch nicht mal unsere Wagen richtig ins Nirgendwo manövriert, da kam schon der erste an. Neugierig schaute er sich alles genau an, Englisch sprach er nicht, und Jan und Trevor versuchten es mit ein paar Floskeln auf Suaheli, Zulu und amharisch, doch auch dies leider vergeblich. Anfangs zögerten wir noch ein wenig mit dem Tee kochen, in der Hoffnung, dass er sich weiter auf den Weg machen würde, wenn wir ihm kein weiteres Programm bieten würden. Doch in Afrika hat man Zeit… Gut, Tee hätte auch für fünf Personen gereicht und so zündete Anja den Kocher an. Dabei weiteten sich die Augen unseres Zuschauers. Hatte er wirklich noch nie ein Gasfeuerzeug gesehen? Obwohl er uns einen seiner Armreifen im Tausch anbot, hingen wir zu sehr an unserem Feuerzeug, aber wir schenkten ihm eine Schachtel Streichhölzer anstelle dessen. Er wusste damit erst nichts anzufangen, doch dann machte die kleine weiße Frau auf einmal ein kleines Feuer, indem sie das bemalte Holz gegen die Schachtel rieb, und seine Augen weiteten sich erneut. Bis zu dem Zeitpunkt hatte er in seinem Gürtel ein kleines Stück Kohle – mit dessen Hilfe er vielleicht bisher Feuer gemacht hat –, doch nachdem er diesem magischen Moment inne gewohnt hatte, schmiss er das Kohlenstück weg und steckte stattdessen die Streichholzschachtel an diesen Ort. Er verabschiedete sich und wir können nur hoffen, dass er die Nacht nicht ohne schützendes Feuer schlafen musste, weil er wohlmöglich nicht mehr wusste, welche Streichholzseite gegen welche Schachtelseite wie gerieben werden muss…

Unser erster Gast an diesem Abend

Unser erster Gast an diesem Abend

Den Tee mussten wir also nur durch vier teilen und nachdem wir das gemacht hatten und uns kein weiterer Besucher aufstöberte, schlugen wir unsere Fahrzeuge in den Busch. Das Terrain war für unsere Fahrzeuge nicht gemacht und im Gegensatz zu den Straßen, mussten wir hier tatsächlich mal den Vierradantrieb mit Untersetzung bemühen. Doch unser Camp war jede Mühe wert: In unserem Rücken türmte sich ein kleiner Berg und vor uns öffnete sich die Ebene, in der man überall Buschfeuer sah (wahrscheinlich Brandrodung). Doch als wir uns gerade nahezu häuslich eingerichtet hatten, kam Besucher Nummer II. Auch er zeigte ausgiebige Neugierde und machte nicht den Eindruck sofort weiterziehen zu wollen. Er schaute sich das Innere von Sully lange an und zeigte schließlich auf den Ratschengurt, mit dem die Gasflasche am Wagen befestigt war, danach zeigte er auf seinen Gewehrriemen. Er wollte also den Gurt, um sich einen neuen Riemen zu schnallen. Dieser Gurt wurde jedoch wie unser Gasfeuerzeug noch gebraucht, allerdings hatten Jan und Trevor Ersatzgurtband. Davon wurde ihm ein Meter abgeschnitten und unser zweiter Besucher setzte seinen Weg durch den Busch stolz wie Oskar fort, nachdem er sich von uns allen mit Handkuss verabschiedet hat.

Buschcamping im Omo Vally (Bild: Jan)

Buschcamping im Omo Vally (Bild: Jan)

Wir machten noch ein kleines Lagerfeuer, setzten uns drum herum und genossen unsere Pasta. Als wir in unserem Klappdach schlafen gingen, konnten wir dies mit freiem Blick auf die afrikanische Savanne, in der viele Buschfeuer rötlich aufloderten. Diese Übernachtung gehört zu meinen bisherigen Favoriten auf dieser Reise!

Heute sind wir dann früh auf und nach einem schnellen Tee und Kaffee auch gleich los. Die Piste änderte sich wieder: Es gab häufiger losen Sand und die größeren Flussdurchfahrten starteten ab hier – bis Turmi hatten wir bestimmt zwanzig. Unser Glück bei unserer Omo Valley Durchquerung war jedoch, dass wir diese in einer außergewöhnlichen Trockenheit angegangen sind. Jedes der Flussbette war ausgetrocknet – zumindest soweit es uns Fahrer interessiert. Ein grünes Band, das nicht von der Seite des ausgetrockneten Flussbetts wich und dies kameradschaftlich durch die zeitweise staubig-braune Trockenheit begleitete, zeigte uns jedoch, dass unterhalb der fürs Befahren interessanten wenigen Zentimeter sehr wohl noch genügend Wasser vorhanden sein musste.

In Turmi hielten wir Ausschau nach Iain und seiner BMW, sahen jedoch weder ihn noch das Bike. Wir fragten nach einem Motorradfahrer und ernteten zunächst nur ratlose und irritierte Blicke. Schließlich verstand jemand unsere Frage und zeigte auf die Straße in Richtung Omorate. Wäre ich an Iains Stelle gewesen, ich hätte genau das gleiche gemacht: Wenn wir weiter entlang der besprochenen Route fahren und über Banya Fort nach Kenya einreisen wollen, so müssen wir nach Omorate; kämen wir dort nicht vorbei, wäre irgendetwas Gravierendes passiert, wären umgekehrt und könnten ihn somit auch nicht mehr unterstützen. Die verbleibenden ca. 70 km ließen sich recht schnell bewerkstelligen, auch wenn es ab Höhe der Abzweigung nach Banya Fort nur Wellblech gab, wobei dies ab 80 km/h gar nicht mehr so schlimm ist… In Omorate trafen wir auch wieder auf Iain. Verständlicherweise war er zunächst ein wenig verschnupft, hatten Jan und Trevor ihn ja sonst stets mit Wasser versorgt und dies fehlte ihm für die letzte Übernachtung, doch als er hörte, dass wir einen Reifenschaden hatten, war Iain sofort wieder gesundet.

Wir waren sehr positiv überrascht in Omorate nicht nur eine Passstation vorzufinden, sondern auch einen Zoll, der sehr gerne bereit war, unsere Carnets auszustempeln. Was haben wir uns im Vorfeld Gedanken gemacht – Jan und ich haben gedanklich sogar schon Stempel geschnitzt –, aber alles grundlos. Der Zöllner wusste weitestgehend, wie das Carnet zu bearbeiten ist, nur bei unserem Zettelchen mussten wir ihm ein wenig helfen, vor allem dass er das Ausstempeln nicht vergisst. Omorate selbst hat nicht viel zu bieten. Wir waren seit Arba Minch immer noch auf Suche nach ein paar Tomaten, Zwiebeln und überhaupt frischem Gemüse, doch wurden wir auch hier nicht fündig. Dafür konnten wir im Tourist Hotel Geld tauschen: Birr für kenianische Schilling. Die Rate war nicht sonderlich gut, aber was sollen wir jetzt noch mit Birr? Die Uhr zählt die letzten Minuten, in denen wir dies Geld verwenden könnten. Viel Birr haben wir eh nicht mehr gehabt, aber Dollar haben wir nicht gegen Birr tauschen können – US-Dollar dürfen nicht aus Äthiopien ausgeführt werden…

Iain hat nochmals 5 Liter teueren Schwarzmarkt-Treibstoff gekauft und los gings: wieder raus aus Omorate und zurück bis zur Abzweigung nach Banya Fort. Auf dem Rückweg sind wir nicht auf der Straße gefahren, sondern links und rechts des Weges. Dank der Trockenheit war der Sand fest genug, und wir haben nur zu gern mehr Kurven für weniger Wellblech eingetauscht. Nach der Abzweigung wurde der Boden deutlich lockerer und es wurde nochmals ein wenig Luft aus den Reifen gelassen, um sich der Bodenbeschaffenheit anzupassen. Doch die ständigen Durchquerung ausgetrockneter Flussbetten im weichen Sand waren zuviel für Iain: Seine BMW kippte ständig von einer Seite zur anderen, und er arbeitete hart daran, sie nicht ständig abzulegen. Kurz vorm Etappenziel – der kenianischen Grenze – war er drauf und dran, umzukehren und die Alternativroute über Moyale zu nehmen. Wir hatten noch etwas Platz im Wagen und boten an, seine Koffer und die Gepäckrolle zu nehmen. Danach schlingerte er deutlich weniger und seine Reise durchs Omo Valley musste nicht bereits hier enden.

Zur Grenze hin wurde die Strecke immer schlechter befahrbarer. Die einzigen Fahrzeuge, die uns hier noch begegneten, waren Landcruiser von Reiseveranstaltern, die Fahrten in diese entlegenen Gebiete unternehmen, und wir nehmen an, dass nur wenige ganz bis zur Grenze fahren. Die Piste wich auch immer wieder davon ab, was in Tracks4Africa auf unserem GPS als Route hinterlegt war, und führte zu Siedlungen hin und dann wieder auf die Route zurück. Allerdings kann es auch gut sein, dass wir manches Mal eine Abzweigung übersehen haben, denn Sand und Piste waren nicht immer gut zu unterscheiden. Auf der äthiopischen Seite der Grenze hätten wir auch noch ausstempeln können: In einem Container bei N 4° 27,372’, O 36° 13,813’ ist die Polizei untergebracht – leicht zu übersehen, da zudem keiner Uniform trägt, was aber wiederum normal für Äthiopien ist. Doch wir taten gut daran, zuvor die Carnets in Omorate ausstempeln zu lassen, denn das wäre hier nicht gegangen.

Auf der kenianischen Seite ist die Piste noch weniger befahren, und wir hatten Mühe, die Spur nicht zu verlieren. Das erste Örtchen, Banya Fort, haben wir nicht links liegen lassen, sondern auf erneuter Suche nach Gemüse durchquert – doch hier gab es rein gar nichts –, und die Piste haben wir erst wieder durch Fingerzeige Einheimischer gefunden. Der nächste Ort war Ileret und wir sahen das erste Mal den Lake Turkana, an dem der Sibiloi Nationalpark liegt – unser nächstes Ziel. Jan, die nach dem Weg dorthin fragte, wurde jedoch gesagt, dass wir uns zunächst bei der Polizeistation registrieren lassen müssten. Dort angekommen, erfuhren wir, dass in den Park ab 17 Uhr keiner mehr rein gelassen wird (es war zu dem Zeitpunkt bereits 16 Uhr), bekamen aber das Angebot, in der Polizeistation zu campieren. Zunächst lehnten wir dankend ab, da wir dann doch lieber direkt am See campen wollten, doch die Polizisten meinten, dass dies nicht sicher sei. Ob dies nun stimmt und nicht – die Polizeistation in Ileret gibt es vor allem, weil es immer wieder Stammesfehden gibt und die Polizei diese schlichten muss –, wir campten auf dem Hügel der Polizeistation. Allerdings nicht ohne vorher noch runter zum See gefahren zu sein, um dort unser erstes Bad nach dem Lake Langano zu nehmen. Hier allerdings in Gesellschaft barbusiger Einheimischer.

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Zurück bei der Polizeistation machten wir uns noch schnell eine Gemüsereispfanne, bevor wir uns in unsere Betten verzogen – erschlagen von dem Tag und noch unter seinen Eindrücken stehend…

 

 

 

 

Zu guter letzt noch ein paar Tipps und Ratschläge für Omo Valley Reisende:

  • Über diese deutlich weniger befahrene Alternativroute nach Kenia gibt es sehr viele Gerüchte. Fragt man zehn vermeintliche Fachleute bekommt man häufig zehn verschiedene Aussagen. Glaubt erstmals nichts und macht euch am besten selbst ein Bild! Häufig genug wissen die Leute im Norden nicht, wann und ob im Süden die Regenzeit ist und raten einem dann aus völlig falschen Motiven ab.
  • Die Route ist nicht so schlecht, als dass permanent ein 4WD benötigt wird – zumindest sind wir im Landcruiser meist im Zweiradantrieb gefahren –, aber manches Mal geht es nicht ohne und eins ist sicher: Bodenfreiheit gewinnt! Außerdem hatten wir großes Glück mit dem Wetter: Während unserer Fahrt war es außergewöhnlich trocken. Hätte es geregnet, wäre diese Route womöglich für Tage teilweise unpassierbar, da die Piste häufig durch oder gar auf ausgetrockneten Flussbetten verläuft und die Flüsse dann einige wenige Meter tief sein können. Wer dann nicht umkehrt, weil er vielleicht sogar zwischen zwei entsprechend tiefen Flüssen gefangen ist, muss halt neben dem Fluss campen.
  • Wenn man die Chance hat, sollte man dieses Gebiet mit anderen zusammen befahren. Es kann immer mal etwas passieren, und die nächste Hilfe kann weit weg sein.
  • Wie üblich, sollte man beherzigen, Wasser und Treibstoff aufzufüllen, sobald dies möglich ist, auch wenn die Tanks noch halbvoll sind. Man weiß nie, ob der nächste Ort, den man mit dem halbvollen Tank garantiert erreicht, auch Strom und Treibstoff hat bzw. abseits von dem überteuerten Schwarzmarkt hat. Letzter Ort, um sich reichlich und mit allem möglichen einzudecken, war bei uns übrigens Arba Minch.
  • An der äthiopischen Grenze selbst gibt es eine Passstation. Um das Carnet abzustempeln, muss man jedoch nach Omorate fahren, wo man dann auch gleich in einem Abwasch sein Pass ausstempeln lassen kann. Das Carnet muss also nicht in Addis ausgestempelt werden; es kann dort auch überhaupt nicht ausgestempelt werden, wie uns beim Zoll gesagt wurde. Wer allerdings bei der Einreise darauf besteht, dass sein Carnet nicht eingestempelt wird (Dies ist nicht notwendig!), braucht hier auch nicht den Umweg über Omorate zu fahren.
  • Auf der kenianischen Seite gibt es keinen Grenzposten. Die Einreisestempel für die Pässe und Carnets kann man aber in Nairobi bekommen.
Category: Äthiopien, Kenia  | 3 Comments

3 Responses

  1. 1
    silviedh 

    Jambo!

    Ihr seit jetzt (heute ist der 02.09.) noch in Nairobi..? Oder vielleicht
    doch schon weiter? Mein “angehender katholic priest” Joseph Smith
    hat mich gefragt, ob ihr denn schon in Nairobi seid – er studiert dort.
    (Hm, hoffentlich komme ich jetzt nicht zu spät.. ;-) – er würde sich
    natürlich freuen Euch zu treffen, falls das in Eure Pläne paßt… habt
    Ihr die Daten noch? (jsmith@diesistkeinedomain.xyz) – habe hier auch noch
    eine Telefonnummer(+25-1234567890), weiß nicht, ob die noch gültig ist.
    Und überhaupt! Falls Ihr noch da seid und Lust habt, könnt ihr ja
    versuchen mit ihm Kontakt aufzunehmen, wäre ja irgendwie schon
    witzig (und dann wüßte ich auch mal, ob ich da seit 4 Jahren mit
    irgendso nem “Spinner” maile.. ;-) – solltet Ihr ihn treffen und “für
    akzeptabel” befinden, könnt Ihr ihm ja ein paar Euro als “Gruß” von
    mir in die Hand drücken (aber nur, wenn er nicht so aussieht wie
    einer der blöde deutsche Kenia-Fans ausnimmt.. ;-)) – so 10-20 €
    vielleicht? Wenn das aber alles nicht klappt und paßt und
    überhaupt, dann ists auch nicht weiter wild… klar bin ich neugierig! :-)

    Und Eure Seite “erschlägt” mich quasi immer wieder… ;-) – das ist
    alles einfach unglaublich, wenn man selbst täglich nur zwischen “Büro” und
    “Reihenhaussiedlung” pendelt.. :-) *seufz*

    Euch auf jeden Fall weiterhin ganz viel Spaß und gutes Gelingen!!
    (Seid Ihr eigentlich derzeit auch per eMail erreichbar? Bzw. unter
    welcher Adresse?)

    liebe Grüße und bis bald!
    Silvia + family

  2. 2
    silviedh 

    AUA! Natürlich wird bei den Kommentaren oben immer gleich
    das aktuelle Datum angezeigt… peinlich….! ;-)))

  3. 3
    Joerg 

    Hallo Sylvia,

    vielen Dank für deinen wiedereinmal sehr aufmunternden Kommentar — solche Kommentare motivieren uns bei der Stange zu bleiben, obwohl wir genügend Ablenkung haben… Ich habe mir erlaubt, die allzu persönlichen Infos oben einfach mal zu editieren. Leider hat uns dein Kommentar dann doch nicht mehr rechtzeitig erreicht — wir waren zwar noch etwas in Nairobi, aber die letzten Tage gab ‘s dann schon fast wieder zuviel zu organisieren. Nächstes Mal fahren wir bei ihm vorbei… ;-)

    Viele Grüße aus Kampala,

    Jörg

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