Archive for the Category ◊ Ägypten ◊

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• Dienstag, Juli 21st, 2009

Am nächsten Morgen trafen wir uns alle vor unserem Hotel, um gegen 9 Uhr loszufahren. Um 10 Uhr sollten wir da sein. Jörg und ich dachten, das sei massig Zeit und wir wären viel zu früh da. Leider lagen wir falsch. Der Anführer unseres kleinen Konvois wechselte ständig: wir begannen nach GPS zu navigieren, bemerkten aber dass wir dabei ein Stück mit der Fähre hätten fahren müssen und gaben die Führung ab; die Spanier waren am Vortag schon am Nasser-See zum Baden und kannten den Weg. Aber leider auch nicht gut genug, wir fuhren in einem Dorf in eine Sackgasse. Da bot sich ein Junge mit seinem Fahrrad an, uns bis zu einem bestimmten Punkt zu leiten. Der Defender ist dafür das einzig geeignete Auto, mit einer Art Notsitz zwischen Fahrer und Beifahrer, und da saß der Junge dann (ohne Fahrrad). Nun führten die Engländer bis zum Hafen.

Am Hafen begann die übliche Grenzrennerei und großes Organisationschaos. Wir bekamen von Hr. Salah 4 Zettel zum Ticket, bei denen wir Mühe hatten, sie auseinander zu halten – alles in arabisch. Einer davon war für den Eintritt in den Hafen. Den gaben wir an dieser Stelle ab. Dann wurde unser Auto notdürftig untersucht – man muss halt dem Richtigen das Bakschisch in die Hand drücken – und wir durften weiter. Zunächst wurde das Ticket fürs Auto bezahlt (2000 EP), dann wurden in einem anderen Gebäude Märkchen für die Carnet gekauft (2 EP). Mit allen Unterlagen liefen wir ins Zollgebäude, um dort vor einer verschlossenen Türe zu warten. Der Mann, der die Carnet abstempeln und fertig bearbeiten soll, war zunächst nicht aufzufinden. Nach etwa 45 Minuten kam ein Mann, grinsend mit einem verschlafenen Blick und fragte: „You were looking for me?“ Ja, leider. Wir nahmen in seinem winzigen Büro Platz und durften ihn zunächst dabei beobachten, wir er aus einer Schublade einen Stapel Durchschläge herausholte, diese durchsah und sortierte, und zwar in derselben Reihenfolge und nach 20 Minuten aufschaute. Jetzt waren wir dran. Für die Carnets hätte er eine Lupe gebraucht, so wie er sie sich vor die Nase hielt. Ewigkeiten später waren wir fertig und die Pässe waren dran. Jemand sagte mir, es gäbe eine Schlange nur für Frauen und wies mir den Weg. Die Schlange endete genau an derselben Stelle, wie die der Männer, war aber kürzer. Hat aber alles nix gebracht, denn auf die Idee, die Frau vorzuschicken, um die Pässe der ganzen Familie zu bearbeiten, kamen vor mir noch mehr. Während ich da stand, drängelte und beobachtete, sah ich, dass man dafür auch ein Märkchen kaufen muss. Das wiederum war woanders in der großen Halle zu bekommen und natürlich wieder mit einer solchen Frauenschlange bestückt. 4 EP für zwei Marken und wieder zurück in die Schlange, wo unsere Männer inzwischen an der Reihe waren. Just in time!

Ausreiseformalitäten in der Tasche, also rauf auf die Barge (engl. für Frachtkahn). Denkste. Warten, in der prallen Sonne. Während ich auf der Suche nach einem schattigeren Plätzchen war, gings aber doch schon weiter. Wir wurden gerufen, um uns wieder an einem Häuschen anzustellen, aber diesmal um uns für den Sudan vorzuregistrieren. So ganz durchschaut, was wir da gemacht haben, wussten wir nicht. Immerhin ging es schnell, „Weiße bevorzugt“. Für uns gab es den Hintereingang. Ziemlich mies, wenn alle anderen sich normal anstellen und in der Hitze warten müssen.

Warten auf die Barge

Warten auf die Barge

Und wieder warten. Inzwischen war es 14 Uhr und unser Auto innen auf etwa 45 Grad aufgeheizt. Hr. Salah empfahl uns, die ein 1.Klasse-Ticket hatten, doch schon mal in die Kabine zu gehen, denn vor 16 oder 17 Uhr würde sich nichts tun. Da sahen wir unsere Kabine zum ersten Mal: fensterlos, etwas dreckig, Stockbett, stinkt und auf 15 Grad heruntergekühlt. Unser neues Zuhause für die nächsten 17 Stunden.

Heimelige Atmosphähre in der Kabine

Heimelige Atmosphähre in der Kabine

Um 16.30 Uhr ging es tatsächlich weiter. Wir waren die ersten, die das Auto auf die Barge fahren sollten. Mit etwas Feingefühl ging das ganz einfach. Wir sollten auf den Platz, auf dem 3 Autos Platz nehmen sollten. Man sagte uns, pro Auto etwa 2m breit Platz, da bleibt nicht viel Spielraum. Aber dank meines Einwinkens und Jörgs Parkkünsten hatten der Defender und der französische Landcruiser noch locker Platz.

Bis zum Abendessen vertrieben wir uns in der Kabine und mit den anderen die Zeit. Carl hatte sein GPS dabei und informierte uns, sobald wir den Wendekreis des Krebses überschritten hatten – wir galten nun offiziell als „in den Tropen“.

Hier sind noch ein paar Bilder zu der Verladung der Autos auf die Barge:

Impressionen Fähre Assuan

Die abenteuerliche Schiffsreise Willis

[Jörg:] An Deck habe ich mich mit einem freundlichen Menschen aus Darfour unterhalten können. Er meinte, dass es gar nicht so schlimm sei in der Region – gut, überzeugt hat er uns dennoch nicht, wir bleiben bei unserer geplanten Route.

Lange hielt keiner aus, denn es hieß, dass am nächsten Morgen um 6 Uhr die Fähre an Abu Simbel vorbei fährt. Und da wir uns Luxor nicht mehr angeschaut hatten, wollte ich zumindest das sehen. Die Nacht fiel sehr durchwachsen aus. In unserer Kabine war es bitterkalt und wir froren. Um 4.30 Uhr begann einer der Wächter Korangesänge auf seinem Handy abzuspielen. Die Wände sind sehr dünn bei so einem Schiff. Um 5.30 Uhr war dann Aufstehen für alle angesagt, der Muezzin des Schiffs sang per Lautsprecher in jeden Raum. Und um 6 Uhr stand ich auf Deck, ich hatte sowieso kaum geschlafen. Von Abu Simbel aber keine Sicht. Um 7.30 Uhr waren endlich die Fassaden der Tempel zu sehen. Nach den obligatorischen Fotos brauchte ich auch nicht mehr ins Bett zu gehen.

Abu Simbel

Blicke auf dieses Kulturgut vom Wasser aus


 

 

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  1. 1
    Carl 

    Good to see you have some photos of landrovers….improves the look of this fine webpage!

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• Sonntag, Juli 19th, 2009

Unsere Tage in Assuan waren ausgefüllt mit der Organisation für die Fähre nach Wadi Halfa und der Mittagshitze entkommen, denn bei über 40°C im Schatten, ohne dass es davon ausreichend gibt, da die Sonne nahezu direkt über einem steht, macht eigentlich gar nichts mehr richtig Spaß, sogar am Pool liegen. So kam es auch, dass wir den Dach-Pool unseres Hotels nur einmal gesehen haben, und zwar als wir uns das Zimmer zeigen ließen. Drin waren wir nicht einmal, denn die Zeit, die man dort hätte verbringen können, also vormittags oder dann wieder am späten Nachmittag, waren wir anderweitig beschäftigt.

Bei der Organisation der Fähre erwies sich Mister Salah, Manager der Nile Navigation als äußerst hilfsbereit. Sein Office liegt bei N24° 05.940’ E32° 53.973’ und er ist telephonisch unter +20-18-3160926 zu erreichen.

Als wir Samstag wie vereinbart zwischen 9 und 10 Uhr zu ihm kamen, trafen Anja und ich dort auf Pepe und Boni – beide Spanier und beide mit ihrer Familie nach Kenia unterwegs (im Fall von Boni zumindest mit einem seiner Söhne). Sie sind über Italien – Tunesien – Libyen nach Ägypten gekommen und haben durch den Sudan die gleiche Strecke geplant wie wir, so dass wir gleich vereinbarten, zusammen weiterzufahren, sollten wir ähnliches Reisetempo und –vorlieben haben. Pepe fährt mit einem Nissan Patrol und Boni mit einem Renault 5. Beide Autos sind schon ein wenig in die Jahre gekommen und es ist unklar, was mit ihnen in Kenia passieren soll: entweder sie werden verkauft oder – sollten sie sich gut schlagen – dort untergestellt bzw. im nächsten Urlaub wieder zurückgeführt. Genutzt werden die in Spanien 2,5 Monate langen Schulferien, so dass bei Pepe seine Frau Alegria und ihre Kinder Javi (14), Sophia (16) und Luis (17) mit an Bord sind und bei Boni sein Sohn Miguel (20). Pepe und Alegria haben lang in Kenia gewohnt und ihre Kinder sind dort geboren, so dass es für alle auch eine Fahrt in die Heimat ist.

Herr Salah hatte uns den „Fixer“ ausgeredet, also denjenigen, der uns gegen ein gewisses Bakschisch bei der ganzen Organisation der Abmeldung des Autos hilft. Stattdessen zeichnete er uns eine kleine Karte und nannte uns was bei den Stationen jeweils zu tun ist. Es ist tatsächlich ganz einfach, da die Abmeldung nur aus zwei Schritten besteht: Zuerst zum Traffic Court bei N24° 03.710’ E32° 53.162’, dort wird kontrolliert, dass auf das abzumeldende Nummernschild nicht noch unbezahlte Strafzettel laufen bzw. ob auch anderweitig alles in Ordnung ist, und danach zur Traffic Police bei N24° 05.029’ E32° 54.505’, wo man den „Alles okay“-Zettel des Traffic Courts, seine ägyptische Lizenz und die beiden Nummernschilder abgibt und dafür eine Abmelde-Bescheinigung bekommt. Herr Salah meinte, dass beim Traffic Court etwa 5 EP für Kopien fällig sein, und bei der Traffic Police gar kein Geld. Mit letzterem hatte er in unserem Falle recht, mit ersterem vielleicht auch, doch Pepe, Boni und ich mussten dennoch 20 EP pro Wagen zahlen.

Natürlich waren diese beiden Stationen nicht in wenigen Minuten abgehakt. Beim Traffic Court waren wir 1 ½ Stunden beschäftigt, obwohl unser Papier wohl schon viel früher fertig war – wir mussten über eine halbe Stunde vor verschlossener Türe warten (sah sehr nach Mittagpause aus). Immer mal wieder kam ein Ägypter und klopfte gegen diese Tür. Das Klopfen wurde zu einem Schlagen und schließlich zu einem verärgerten Poltern. Doch die Tür blieb standhaft und öffnete sich nicht einen Spalt. Wir warteten und warteten… Irgendwann kam jemand von innen raus, ein anderer schob sich durch den Spalt und reichte uns schließlich unsere drei „Alles okay“-Zettelchen. Dafür ging es bei der Traffic Police ganz fix, nachdem wir einmal herausgefunden hatten, an welche Schlange wir uns stellen mussten.

Anja fuhr währenddessen Willi Gassi; normalerweise haben wir gut im Griff, wie lang wir bei angeschalteter Kühlbox stehen dürfen (zwei Tage sind in der Regel kein Problem), doch hier hatten wir die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Der hatte nämlich die Heizung so stark aufgedreht, dass uns unsere bisherigen Dauer-Camping-Erfahrungswerte trügten: Um die anhaltende Hitze auszugleichen (Willi hatte ab dem spätem Vormittag bis abends einen Sonnenparkplatz), musste mehr Saft als üblich von der zweiten Batterie gezogen werden. Die war schließlich auf 6 Volt runter und die Verbindung zwischen der Verbraucher- und Starter-Batterie wurde zum Schutz der Starter-Batterie automatisch getrennt – da half nur noch Aufladen bei einer Tankstelle.

Am nächsten Morgen schauten wir nochmals bei Herrn Salah vorbei, um die Fähren-Tickets zu kaufen. Dort trafen wir auch Laurent, Caro, Enzo und Rubén aus Frankreich sowie auf Chris und Carl aus England. Beide Parteien hofften ebenso auf einen Platz auf der Fähre. Wir hatten nur eine kleine Barge, doch die hat bereits fünf Stellplätze. Sofern die sechs also alle Formalitäten heute erledigen könnten, werden sie die Fähre am Montag mit uns nehmen können. Auch ihnen wurden die Stationen erklärt und eine kleine Karte skizziert, zudem konnten wir sie noch mit GPS-Koordinaten ausstatten. „Nicht gefunden!“ würde also nicht als Ausrede zählen.

Pepe, Boni und wir konnten anschließend unsere Tickets kaufen. Der Empfehlung von Jan und Trevor sowie weiterer Reiseberichte folgend gönnten wir alle neun uns Erste Klasse Kabinen. Der Aufpreis von fast 180 EP gegenüber einem normalen Ticket (489 EP zu 311 EP also etwa 65 EUR zu 40 EUR) ist vernachlässigbar, wenn man in Betracht zieht, dass man hierfür nicht nur ein eigenes Bett (im Zweibettzimmer) bekommt (gegenüber einem Sitzplatz unter Deck oder Schlafplatz an Deck), sondern auch noch Air-Condition – für uns das „Killer-Argument“. Willi selbst hat den teuersten Platz bekommen, sein Ticket für den Frachtkahn kostet stolze 2002 EP (etwa 260 EUR).

Nachdem wir unsere Tickets bekommen haben, ließen wir noch Öl wechseln. Mit Sudan und Äthiopien voraus und schlechterem Öl als in Europa im Motor, entschlossen wir uns bereits nach noch nicht ganz 5’000 km für einen Wechsel. Da die Tankstelle allerdings nicht das Öl hatte, was wir gern gehabt hätten, wollten wir weiter und uns anderweitig auf die Suche machen oder es einfach ganz sein lassen, denn notwendig war es noch nicht. Doch macht euch mal woanders auf die Suche, wenn der Motor bereits kein Öl mehr hat; die geschäftstüchtigen Ägypter hatten nämlich bereits unser Öl abgelassen, natürlich nur „um alles schneller zu machen“. Wir hatten wieder etwas gelernt und nahmen halt ein Alternativ-Öl, denn ganz ohne würde es schwer bis Kapstadt.

Abends waren wir noch mit allen Mann Essen. Mit den Spaniern hatten Anja und ich uns bereits für 20 Uhr verabredet; Carls und Chris Defender sahen wir in den Straßen Assuans und hinterließen ihnen eine entsprechende Nachricht. Ihr ägyptisches Nummernschild war abmontiert, also hatte auch alles bei den beiden geklappt. Carl und Chris wiederum informierten die Franzosen, so dass wir mit 15 Leuten in das Panaroma Restaurant einfielen.

Chris und Carl sind zwei Lehrer aus England, die mit ihrem Defender bis nach Tansania unterwegs sind. Dort wird Chris dann für zunächst zwei geplante Jahre als Lehrer arbeiten, während Carl zurück nach England fliegt, um dort weiter zu unterrichten. Laurent ist mit seiner Frau Caro und deren beiden Kindern Enzo (8) und Rubén (4) unterwegs.  Die Vier haben die Zelte zuhause abrissen und planen zunächst ein halbes Jahr Ost- und Südafrika, dann ein halbes Jahr Südamerika und in Lima (nach einem Jahr Reisen) kommt dann der große Check-Up: Soll weiter gereist werden, wenn ja, wohin, wenn nein, zurück nach Frankreich oder in Südamerika bleiben.

Den Tipp für das Panaroma Restaurant hatte wir übrigens von Ismael bekommen, bei dem wir nachmittags noch vorbeigeschaut hatten. Doch hatten wir zu wenig Zeit für ihn, so dass nach unserem Essen um 23 Uhr nochmals bei ihm vorbeischauten und für ein Weilchen und ein paar Yoga-Übungen blieben. Ismael freut sich über jeden, der bei ihm vorbeischaut und dem er helfen kann, so dass wir ihm versprechen mussten, seine Daten zu veröffentlichen, was wir hier natürlich gern machen:
    Ismael Abdulkani
    40 El Sultan Abuelela Str.
    Aswan
    Ägypten
    Tel. +20-12-6770400

 

Bilder werden bei besserer Internetverbindung nachgeliefert.

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• Freitag, Juli 17th, 2009

Haben wir gestern noch ein etwas ernüchterndes Bild von Ägypten online gestellt, freuen wir uns heute umso mehr, diesen Artikel veröffentlichen zu können.

Wir gingen die Corniche, die große Uferpromenade am Nil, herunter in Richtung Nubisches Museum. Auf dem Weg dorthin trafen wir auf Ismael. Er sprach uns auf Deutsch an und fragte uns nach einigen Sätzen, ob wir etwas Zeit hätten, um mit ihm zu reden und Tee zu trinken. Klar, Zeit haben wir! Unsere Fähre geht erst Montag und nach Luxor kommen wir leider eh nicht mehr.

Ismael und wir Rückenwindler

Ismael und wir Rückenwindler

So sind wir also mit ihm in sein Haus im nubischen Viertel gegangen. Es gab schwarzen Tee mit Minze und Zimt-Ingwer-Tee und wir spielten etliche Partien Backgammon. Doch zuvor schauten wir uns seine Gästebücher der letzten beiden Jahre an. Ismael war Tauchlehrer am Roten Meer und ist nun seit zwei Jahren im Ruhestand. In den Gästebüchern findet sich im Schnitt alle vier Tage in den vergangenen zwei Jahren ein rühriger Eintrag nach dem anderen. Ismael spricht viele Touristen an und lädt sie anschließend zu sich ein. Er ist ein wahrer Freundesammler. Etliche Einträge kamen auch von „Wiederholungstätern“ – Leuten, die zum wiederholten Male nach Assuan kamen und dann erneut ihren Freund Ismael besuchten.

Wer wird der Master of Backgammon?

Wer wird der Master of Backgammon?

Wir haben – wie etliche andere auch, wie den Gästebüchern zu entnehmen war – zudem noch eine Einweisung ins Arabische bekommen. Zunächst die Zahlen bis Hundert und dann das arabische Alphabet. Ismael meinte, wenn wir das nächste Mal kommen, werden wir lernen, wie man die Buchstaben zu Worten zusammenführt und damit dann auch arabisch lesen können, dann würden wir auch zusammen Essen, doch uns fehlte leider bisher die Zeit unseren Lehrer erneut aufzusuchen, da wir wegen unserer Ausreise aus Ägypten bzw. der Einreise in den Sudan noch einiges zu organisieren haben.

Auch das ist Ägypten! Menschen, denen Gastfreundschaft nach wie vor soviel bedeutet, dass sie wildfremde Leute in ihr Heim einladen und Tee servieren.

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3 Responses

  1. Das ist doch ein wunderschönes Erlebnis – würde bei den Schwaben vermutlich nicht passieren !

    Grüßle Heidi

  2. 2
    kaschidH 

    Hallo Ihr zwei,

    ich möchte es ja nicht schreiben, aber so langsam werde ich doch unruhig… Ich gehe mal davon aus, dass ihr Euch außerhalb des www bewegt und die Grenze zu Äthiopien schon überschritten habt und in nächster Zeit in das Land einfallt, in dem ihr eine schön gelegene Lodge innerhalb der schönen Tierreservate übernehmen werdet ;-). In diesem Jahr werden wir Euch dann wohl nicht mehr besuchen können, aber in 2010 oder 2011 klappt das bestimmt…

    Gruß Karsten, Silvia, Svea und Ronja Wuff

  3. 3
    Joerg 

    Hi ihr vier,

    vielen Dank. Ihr habt ganz richtig getippt: alles okay, aber in Sudan und bisher in Äthiopien haben wir einfach kein Netz gehabt. Nun in Addis haben wir endlich eins und laden auch gleich brav die ersten Artikel hoch — wir wissen doch, was wir unser Leserschaft schuldig sind. Und an der Lodge arbeiten wir dann danach. ;-)

    Viele Grüße aus Addis,

    J.

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• Donnerstag, Juli 16th, 2009

Am nächsten Morgen war es harte Arbeit, Khaled davon zu überzeugen, dass wir ihm unseren alten Kühler überlassen wollen. Wir rechneten alle damit, dass er nur eine ordentliche Reinigung benötigen würde – etwas, was sich leider nicht in der Oase, sondern nur in Kairo selbst machen lässt – und so wollten wir damit unserer Dankbarkeit Ausdruck verleihen. Was hätten wir auch sonst geben können? Für Kost und Logie wollte er partout nichts haben. Die paar Sachen, die wir als mögliche Geschenke an Bord haben – vor allem Kugelschreiber und Taschenrechner –, schieden aus, und die wenigen englischsprachigen Bücher, die wir extra für diesen Zweck dabei haben, wären auch wenig angebracht gewesen. Der Kühler, von dem wir nun nur hoffen können, dass er durch Reinigung wieder zu neuen Kräften gelangt und nicht einfach nur ein Haufen Schrott ist, schien uns noch die beste Option.

Am späten Vormittag rollten wir schließlich los. Waren die Check Points bis Bahariya noch überschaubar an der Zahl, gab es nun immer einen vor und nach jeder größeren Siedlung sowie ca. alle 50 Kilometer dazwischen. Was genau da „gecheckt“ werden soll, ist wohl auch den Polizisten und Soldaten unklar, denn mal wurde nur ich nach meinem Namen gefragt, mal wir beide, mal war der Pass wichtig, dann wieder nicht, mal war alles einfach, solange wir sagten, dass wir nicht in die Wüste wollten, dann spielte dies wieder keine Rolle, mal war man erstaunt, dass wir ohne Guide und / oder Polizist unterwegs waren, mal schien dies selbstverständlich. Doch drei Punkte zogen sich wie ein roter Faden durch alle Check Points: Nummernschild von Willi, unsere Nationalität sowie die Anzahl der mitfahrenden Personen. So waren wir manches Mal auch schon angekündigt und – so nervig es auch sein kann, immer wieder halten zu müssen, während die meisten anderen einfach durchgewunken werden – es ist auch beruhigend zu wissen, dass man mit seinem 4WD in der Wüste „spielen“ kann und es (irgendwann) auffallen würde, wenn man nicht wieder rauskommt.

Etwa 500 km sind wir an dem Tag dann noch gekommen und haben uns kurz hinter der Oase Dakhla in die Dünen zum Campen geschlagen. Wir waren zu müde, um die Wüste wirklich genießen zu können, aber die Nacht war dennoch etwas besonders: Diese kontemplative Stille, die den Wüsten so selbstverständlich innewohnt, findet man sonst nur selten – zumindest als Stadtmensch. Dabei waren wir gar nicht weit in die Wüste rein gefahren, die Straße war sogar von der Düne noch in Sichtweite, doch dies Gefühl der Ruhe stellte sich dennoch ein.

Western Desert

Übernachten im Western Desert

Mittwoch wurden wir in der Wüste früh von der Sonne geweckt und kamen entsprechend früh morgens los. Über die Oase Kharga, wo wir für unsere letzten Pfund auftankten, hieß unser Tagesziel eigentlich Luxor. Doch als wir gerade das Hochplateau wieder herunter kletterten und auf die Ausläufer des Nildelta stießen, da sahen wir bei N 25° 32.15’ E 32° 15.80’ eine Abfahrt nach Assuan. Diese Parallelstrecke zur Hauptstrecke Luxor – Assuan war in manchen unserer Karten noch gar nicht, in anderen nur gestrichelt als (Offroad-) Nebenstrecke drin. Doch sie sah mittlerweile gut ausgebaut aus und so versuchten wir unser Glück. Vor allem die Konvoipflicht der Hauptstrecke umfahren zu können, schien uns den Versuch wert. Dafür waren wir auch innerlich schon gerüstet, gegebenenfalls wieder umkehren zu müssen, sollten wir am nächsten Check Point nicht durchgelassen werden. Doch siehe da: Auf weiter Strecke gab es gar keinen Kontrollposten. Erst recht spät kam einer und dann vor Assuan nochmals einer. Beim ersten hat ’s auch ein wenig länger gedauert und die Abwicklung war ausführlicher als sonst, aber als ich eine Runde Kaugummi geschmissen habe, wurden wir schließlich schnell durchgewunken. ;-)

Wir waren selbst ganz erstaunt, wie einfach wir den Konvoi umfahren konnten und können jedem nur diesen Weg empfehlen. Angeblich soll er jedoch nicht aus Richtung Luxor befahren werden können, da der letzte Check Point auf der Oasenstraße Richtung Western Desert bereits in der Zone der Konvoipflicht liegt und man angeblich hier nicht in westliche Richtung durchgelassen wird.

Um auf das Thema dieses Artikels und damit auf die Einstiegsfrage zurückzukommen: Ist Assuan die schönste Stadt Ägyptens, wie unser Reiseführer meint? Wir sind nun bereits einen ganzen Tag hier und haben sicherlich noch nicht alles gesehen, aber wir kommen da doch zu einem ganz anderen Ergebnis. Sicherlich, das Nilufer kann man ohne Zweifel „pittoresk“ nennen – gerade wenn die Sonne auf der anderen Seite hinter den Wüsten-Hügeln versinkt und alles mit einem goldgelben Mantel überzogen wird –, aber Assuan ist mittlerweile auch viel zu touristisch. Man kann sich einfach nicht bewegen, ohne dass man regelrecht bedrängt wird. Die Ironie bei dem hiesigen (aber leider doch allzu typisch-ägyptischen) Verkaufsgebaren ist, dass wir ohne die Aufdringlichkeit vielleicht wirklich hier und da länger geschaut hätten und am Ende auch etwas gekauft hätten und uns gerade das, was uns zum Bleiben und Kaufen bewegen soll, schnell forttreibt. Uns ist natürlich bewusst, dass die Verkäufer Familien ernähren müssen und auch nicht aus Jux und Dollerei sich verhalten, wie sie sich verhalten, aber wenn Leute aufspringen, uns den Weg versperren und uns regelrecht in ihren Laden zerren wollen, nur weil wir offensichtlich Touristen sind, die nicht ganz in die Masse passen, da kann einem schon der schönste Eindruck vermiesepetert werden. Das ist leider unser erstes Resümee von Assuan – selbst Kairo schien uns in dieser Hinsicht weniger anstrengend.

Ich persönlich würde uns am liebsten zurück in die Wüste schicken.

 

 

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• Donnerstag, Juli 16th, 2009

Ich habe lange überlegt, ob ich den Artikel schreiben soll und wie ich ihn formulieren soll. Ich will mit nichts übertreiben und keinem zu nahe treten oder beleidigen, aber trotzdem so erzählen, wie ich es persönlich empfunden habe. Jetzt, wo unsere Zeit in Ägypten fast vorbei ist, ist das Bild bis hierhin nahezu komplett.

Auf unserer Reise sind wir schon durch viele Länder gekommen und jedes geht anders mit mir um und mit Touristen im Allgemeinen. Bis zur Türkei habe ich eigentlich keinen Unterschied im Verhalten der Leute zu mir oder Jörg bemerkt. In der Türkei war’s schon etwas anders. Aber dort zählt der „Mann an meiner Seite“ so viel, dass man mich in Ruhe lässt, wenn er da ist. In Syrien haben sich die Männer wieder anders verhalten. Ich kann gar nicht mehr beschreiben wie. Sie waren auf jeden Fall distanzierter, haben aber viel geschaut. Mein Eindruck war: ‚Die können mit mir nichts anfangen.’ In Jordanien gibt es dazu nichts zu sagen. Da hatten wir nur sehr wenig mit Einheimischen zu tun, außer im Dive Center und die Leute dort waren alle ausgesprochen nett.

Hier in Ägypten war’s wieder anders. Hier scheine ich schon sehr exotisch zu sein. In Kairo hatte ich in den letzten Tagen, sobald ich das Haus verlassen hatte, Kinderscharen (mindestens 3 Mädchen) um mich herum, die nur ein Ziel hatten: Sie wollten mit mir sprechen und als Höhepunkt: anfassen. Am besten auch die Haare. Ich denke, jede Frau kann sich vorstellen, wie toll sie das findet, wenn man derart verfolgt wird. Schlimm ist es, wenn man bemerkt, dass wenn man nett ist, die Kinder zur Plage werden können.

Ich konnte nicht ans Auto gehen, ohne dass ich angefasst und mir ständig was ins Ohr gebrüllt wurde. Meine Körpergröße hat leider auch nicht bewirkt, dass sie nicht an meine Harre heran kamen. Anfangs waren die Kinder wirklich nett, wir gaben ihnen immer die Hand, wenn sie sie uns entgegenstreckten, antworteten auf „Hello!“ und „What’s your name?“ brav und fanden lustig, dass sie das lustig fanden. Je mehr wir mit ihnen sprachen, desto nerviger wurden sie aber. Auch frecher. Und ließen uns bei nichts alleine. Wir wurden in den zwei Wochen also nicht langweiliger und gewöhnlicher, sondern mit jedem Wort mehr, das sie mit uns sprachen, interessanter und lustiger. Traurig, wenn man dann nicht mehr gerne aus dem Haus geht, weil man keine Lust auf eine schreiende, überall mit ihren Händen rumfummelnde Kinderschar hat. All das hätten wir noch hingenommen, bis die Kinder an unserer Tür klingelten und um Geld bettelten.

Alleine durch die Straßen zu laufen, war in Kairo besonders schwierig. War die Kinderschar abgeschüttelt, kamen die Männer, die einem ständig hinterher rufen. Meist verstand ich die Rufe nicht. Außer sie sprachen englisch, und dann kamen so Worte wie „hello, come here, beautiful“ und so heraus. Und das war unabhängig davon, was ich trug. Rock, Hose kurz oder Hose lang, weites oder enges T-Shirt, vollkommen egal. Eine Mütze, die den Großteil meiner Haare bedeckt, war auch wurscht. Teils fing ich an, die verschleierten Frauen um ihre Ruhe zu beneiden. Das schlimme an dieser Dauer-Ansprache war auch, dass man nichts tun konnte, damit es aufhört. Nur stur auf den Boden starren und jedem Blick ausweichen. Ein „Hello!“ zurück bedeutet: die will ein Gespräch anfangen; ein Ignorieren wird als Arroganz gewertet und mit arabischen Rufen kommentiert. Das führt dazu, dass ich mich selbst bei netten Leuten erst mal zurückziehe. Oder dass ich nirgendwo mehr alleine hingehen möchte.

Und selbst Jörg scheint keinen Einfluss zu haben. In Assuan pfeifen Polizisten hinter mir her, Blicke scheinen mich auszuziehen. Kein Körperkontakt wie Händchenhalten ist dabei genauso effektiv wie sich einhaken. Ein Reiseführer schrieb, Frauen sollen sich einen Ring anziehen, damit sie „verheiratet“ aussehen. Ich hatte keinen, aber ich glaube auch nicht, dass das was geändert hätte.

Und dann gibt es die nette Seite, die es mir so schwer macht, einfach alle Männer pauschal zu hassen. Wenn wir in Kontakt mit Ägyptern kamen, sei es bei Angelika, über Dr. Farid, bei Khaled. Die waren alle total nett und ich war genauso jemand wie Jörg. Keiner glotzt mich an, man redet normal mit mir. Selbst das Thema Auto kann genauso mit mir besprochen werden, wie mit ihm. Während ein freundliches Lächeln mit einem „No, thank you!“ in einem Geschäft einer Anmache gleich kommt, war das bei allen, die wir privater kennengelernt haben, nicht so und kam wahrscheinlich auch nur als Höflichkeit rüber, eben so wie es gemeint war.

So, was will ich jetzt eigentlich sagen? Erst mal: es ist egal, ob Du Mann oder Frau bist, auf den Straßen, der Orte, die touristisch geprägt sind, insbesondere die Souks, musst Du starke Nerven haben. Man wird überall angesprochen und kriegt nervige Verkäufer in manchen Fällen sogar los, indem man sie ignoriert und einfach weiterläuft.

Als Frau muss man dann noch in Kauf nehmen, dass man nicht nur als Tourist überall etwas verkauft bekommen will, sondern auch alle Sorten von Anmache überstehen muss. Selbst andere Frauen laufen an mir vorbei, starren mich an und fangen an zu kichern. Sehe ich so lustig aus? Bei Kindern verstehe ich so was ja noch, aber Erwachsene? Gerade an Orten in Assuan sieht man doch tagtäglich bleichgesichtige Touristen mit blonden Haaren. So komisch kann ich doch nicht mehr sein.

Sobald man näher mit jemandem zu tun hat und sich mehr mit seinem Gegenüber beschäftigt hat, ändert sich das Bild. Und man muss unterscheiden zwischen einem Verkäufer und einem Mensch, der Dein Freund werden kann.

Ich denke, diese Erfahrung wird während unserer Reise nicht abreißen, und ich werde vielleicht erst wieder entspannt durch einen Ort gehen können, wenn wir wieder zuhause sind und ich besser in der Masse untergehe. Ich habe auch erschrocken feststellen müssen, dass dieses Verhalten mir gegenüber mich verändert hat. Körperliche Berührung, und sei es nur die Hand auf dem Arm, ist mir unangenehm und geht mir zu weit. Ich habe angefangen, Menschen die mich grüßen, zu ignorieren. Als Selbstschutz. Und dabei finde ich das so arrogant.

Dieses Bild vom Reisen als Frau in Ägypten habe ich schon von anderen, die bereits einmal da waren oder da leben, gehört und auch im Reiseführer gelesen. Es ist also nicht nur meine Erfahrung. Wenn sich an diesem Verhalten etwas ändern würde, wäre alles so viel entspannter. Wir gehen schon gar nicht mehr gerne an die Touristen-Spots oder einfach nur auf den Basar, weil überall einer lauert, der Dir was hinterher ruft und aufdrängen will. Abseits der Touristen-Gegenden ist alles sehr viel entspannter.

Zu Beginn dieses Artikels wollte ich nicht zu negativ herüberkommen und bin es wahrscheinlich doch. Es ist einfach anstrengend und Nerven aufreibend, sich in manchen Orten auf der Straße zu bewegen. Andererseits habe ich gerade hier in Ägypten sehr viel Gastfreundschaft erlebt und würde jederzeit wiederkommen. Ich kann verstehen, dass es viele Leute gibt, die Ägypten – vermutlich wegen all der beschriebenen Erlebnisse – nicht mögen. Ich würde vielleicht genauso denken, wenn nicht die positiven Erlebnisse überwogen hätten.

Der Artikel soll ein bisschen sagen, dass auf unserer Reise nicht alles rosarot und wunderschön ist, aber auch nicht abschrecken.

Ich frage mich, wie schlimm sich (weibliche) Touristen verhalten haben, dass sie ein solches Verhalten „erzogen“ haben. Vielleicht erziehe ich mit meiner Reaktion mit?

Aber ich komme trotzdem gerne wieder. :-)
Und lasse mich beim nächsten Mal gerne mit positiveren Erfahrungen überraschen.

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  1. 1
    Susa 

    Hmm, Ägypten ist nicht das eizige Land, in dem weiblich, westl. Toursitinnen so behandelt werden. Ich glaube, das hat einfach was mit dem Frauenbild im jeweiligen Land und vor allem mit deren Bild über westliche Frauen zu tun. Da kannst du als einzelne Person gar nix gegen tun. Wenns dich total nervt: im Zweifelsfall Kopftuch tragen – dann fällst du nicht mehr ganz so sehr auf:)

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• Dienstag, Juli 14th, 2009

Die knapp 400 km bis nach Bahariya haben wir am Freitag in einem Stück abgeritten – wo hätten wir in der Wüste auch halten sollen. Nicht dass es hier links und rechts nicht schöne Plätze gegeben hätte, aber es gab keinen Schatten. Nur die Bushaltestellen, die alle paar Dutzend Kilometer mal an der Straße mitten im Nirgendwo standen (warum auch immer, vielleicht für Beduinen), konnten als Schattenspender genutzt werden. Wenn man direkt bei der Bank den Bordstein hochfuhr, dann sogar für uns alle drei.

Als wir in der Oase Bahariya den Eingangs-Check-Point der Tourism Police hinter uns gelassen hatten, riefen wir Khaled an. Er sei leider noch beschäftigt, würde aber einen Fahrer schicken, der uns zu seinem Haus führen wurde. Hätte es bisher auf unserer Reise gereicht, wenn er gesagt hätte, schaut einfach nach einem Landcruiser, so wäre das hier so eindeutig wie wenn er gemeint hätte, schaut einfach nach den blauen Auto mit ’ner Beule vorne links. Die Wüste hier ist in Toyota-Hand. Bisher haben wir nicht einen Defender gesehen, dafür hört man auf, sich zu grüßen, einfach weil man auch Landcruiser fährt.

Seinen Fahrer haben wir – trotz Landcruiser – gleich gefunden und dank ihm auch Khaleds Haus, zu dem wir sonst garantiert nicht gekommen wären. Khaled kam dann auch gleich und hatten wir noch auf der Fahrt überlegt, ob wir denn eigentlich auch bei ihm unterkommen können, oder ob er dafür gar keinen Platz hat, war das gleich klargestellt: Wir waren natürlich seine Gäste. Abends gab es unsertwegen noch ein kleines BBQ in der Wüste. Eine befreundete Familie von ihm feierte mit uns und so waren wir ein kleines Grüppchen von insgesamt sieben Personen, die ganzen Helfer und den Koch nicht mit eingerechnet. Nach dem Essen wurde getrommelt und gesungen und jeder wurde mal zum Tanzen aufgefordert. Anja und ich haben sicherlich mehr das Klischee der steifen Deutschen erfüllt, als wir das Vorurteil abgebaut hätten, aber wir hatten alle unseren Spaß.

Die Tage in der Oase waren wundervoll! Nach der Anspannung Kairos, dessen hektisches Pulsieren man auch in Nasr City nicht entkommt, genossen wir hier die Ruhe und Entspannung. Kairo war toll, gar keine Frage, aber gerade nach 2 Wochen Kairo war dieser Ort einfach genau das, was wir brauchten. Die Tage schlenderten vorbei und zwischen Frühstück, Mittagessen und Abendessen blieb genügend Zeit zum Ausspannen, fürs Internet und für ausführliche Gespräche mit Khaled, der es sich trotz viel Arbeit nicht nehmen ließ, immer wieder zu uns zu stoßen.

Bei Khaled

Traumhafte Tage in Bahariya

Außerdem hatten wir auch noch eine Mission: Wir wollten uns von Khaled noch ein paar Tipps fürs Wüstenfahren holen. So zogen wir Samstag gleich das erste Mal los in die Dünen. Allerdings hatte sich Willi bereits nach der ersten halben Stunde an einer weichsandigen Düne überhitzt. Es war eh bereits dämmrig und wir ließen Willi abkühlen und fuhren zurück.

So idyllisch kann Wüstenfahren sein

So idyllisch kann Wüstenfahren sein

Am nächsten Tag fuhren wir mit Willi in eine der örtlichen Garagen. Das Kühler-Problem kam uns deutlich zu häufig vor. Zunächst wurde der Regler ausgetauscht, doch der allein, löste das Problem leider nicht: mit 130 zwischen den Ortschaften auf der Straße und mit bereits deutlich weniger abseits der Straße die Dünen hoch, konnte unser kleiner Heißsporn immer noch zu schnell zum Überkochen gebracht werden. Khaled organisierte am Sonntag einen gebrauchten, aber sauberen Kühler und sein Mechaniker baute den bei Willi ein. Mit diesem „neuen Wadenwickel“ ging es jetzt nochmals in die Wüste und ans Eingemachte. Wir trieben Willi die Dünen hoch und runter, doch die Temperaturanzeige wollte einfach nicht über den normalen Bereich hinaus. Erst als wir meinten, taub geworden zu sein, ob Willis andauernder Schnauferei, da stieg die Anzeige endlich ein wenig und wir waren umso sicherer den Schuldigen gefunden zu haben: unsere alte Kühlung. Die einzige Frage war nun: Wollen wir diese gebrauchte behalten oder gleich eine neue aus Kairo liefern lassen? Wir entschlossen uns für die zweite Variante.

Wüstenfahren

Übungen im Sandfahren

Wie wir lernten, ist der Sonntag in Kairo für Autozulieferer das, was bei uns der Montag für Friseure ist. Deshalb konnte der neue Kühler erst Montag zu uns auf den Weg gebracht werden. Abends war er dann in Bawiti, dem Ort in der Bahariya Oase, in dem Khaled sein zu Hause hat. Um ein Uhr morgens war alles fertig eingebaut und wir fielen todmüde ins Bett. Damit wir morgen nicht zu spät loskommen, wird in nicht mal mehr sechs Stunden schon wieder der Wecker klingeln…

Wir haben unseren Aufenthalt hier in der Oase sehr genossen und bereuen, dass wir so wenig Zeit hier verbracht haben. Doch wir haben nur ein Visum für einen Monat und auch die Versicherung und Registrierung für Willi endet bereits am 21. Juli. Ist die Visumsverlängerung für uns noch ein recht formloser Akt, der sich in Ägyptens Hyper-Bürokratie sicherlich in einigen wenigen Stunden lösen lässt, bedeutet die Verlängerung für Willi faktisch eine erneute Registrierung. All die Schritte, die wir in Nuweiba durchliefen, müssten wir erneut durchlaufen und so treibt uns letztendlich die Bürokratie außer Landes. Wie gern hätten wir auch eine der Wüstentouren mit Khaled entweder per Auto oder mit Kamel gemacht, aber seit dem uns dies auf dieser Tour leider verwehrt ist, steigt bei uns die feste Absicht, Ägypten in naher Zukunft nochmals zu besuchen und dann definitiv auch mit Wüstentour. Am meisten werden uns sicherlich die gemeinsamen Gespräche fehlen und die Ruhe, die dieser Ort ausstrahlt.

Khaled und wir beim Abschied

Khaled und wir beim Abschied

Kamen wir auch „nur“ als Verwandte Dietharts, so blieben wir als Khaleds Gäste und gehen freudestrahlend aber mit unterdrückter Träne als Freunde.

 

 

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  1. 1
    Susa 

    Man könnte meinen, ihr habt euch auf eurer Reise bereits einen neuen Willy zusammenrepariert :)

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• Freitag, Juli 10th, 2009

Wir wurden im Voraus von Diethart gebrieft, dass wir für eine Strecke von unserer Wohnung bis nach Downtown nicht mehr als 20 Pfund bezahlen sollen. So begann jede Taxifahrt mit der Verhandlung „to Dokki – how much?“ Und uns wurden Preise genannt, die jenseits unserer Grenze lagen: mal 50, mal 40. Wenn man sich wegdrehte, weil der Taxifahrer nicht auf die 20 EP eingehen wollte, wurden fast ausnahmslos alle weich und wir durften doch zum vorgegebenen Preis mitfahren.

Es gab aber auch andere, die auf die Frage „How much?“ mit „What you want“ (order dem Pendant auf arabisch, was wir am Achselzucken meinen erkannt zu haben) antworteten. Die waren mir die liebsten, denn die fuhren ohne murren zu dem Preis den wir wollten dort hin wo wir wollten.

Während der Fahrt fühlt man sich wie in der Live-Version des Autorennspiels „Grand Theft Auto“. Da wird durch die Straßen gerast und jede Lücke ausgenutzt und bis auf wenige Zentimeter an den anderen herangerückt. Schwierig, da als Passagier drin zu sitzen und alle paar Sekunden den Atem anzuhalten, weil man Angst hat, Teil des nächsten Autoknäuels am Straßenrand zu werden. Ich schaute während der Fahrt meist gebannt aus dem Fenster und beobachtet die verschiedenen Wetterlagen zu unterschiedlichen Uhrzeiten in Kairo. Ein Blick auf den Tacho – nur so interessehalber – hätte sowieso keinen Sinn gehabt, denn die waren alle abgeklemmt.

Beim Aussteigen kam es zur Geldübergabe. Viele nahmen das Geld einfach ohne nachzuschauen, andere regten sich schon die letzten Kilometer vor der Wohnung so auf, dass es ja so heiß sei und immer wenn es staute, schlugen sie aufs Lenkrad. Die waren dann auch nicht zufrieden mit dem Betrag, den wir ihnen gaben. Nur 1 Mal erlebten wir es, dass uns der Mann etwas hinterher rief und hupte. Die Preise waren jedoch alle vorher ausgemacht und wenn sie keine Uhr besitzen, dann wollten wir nicht mehr hinterher diskutieren.

Einen Taxameter hatte übrigens jedes Auto. Allerdings zählten die eher schon zum Antiquariat. Da bewegte sich auch keine Zahl mehr. Mit zwei Taxis fuhren wir jedoch mit laufendem Taxameter und gaben uns dann bei der Geldübergabe auch geschlagen. Wir lagen meist richtig, das Taxameter war nur unwesentlich darüber.

Die Autos sind auch schon eine Geschichte wert. Die meisten sind schwarz-weiß angemalt und haben eine selbst gemalte Taxi-Nummer auf der Türe. Bei einigen kann man die Türe gar nicht selbst öffnen, das macht der Fahrer dann von innen. Bei einer Türe riss er dabei auch noch den Knopf ab. Hat man es dann geschafft, sich reinzusetzen, geht man schnell ein in der Hitze. Die Autos haben aber in der Regel keine Air Condition und in den meisten Fällen auch keine Fensterkurbel. Bei allen Speedbrakern denkt man, das Auto fällt gleich auseinander. Manchmal wird er gleich schräg angefahren, damit man nicht aufsitzt.

Wer in Kairo Taxi fährt, muss auch darauf gefasst sein, dass da während der Fahrt noch andere Gäste mitgenommen werden. Warum, wurde uns nicht erklärt und den Preis hatte es leider auch nicht geschmälert.

Einmal halt uns der Gast auch sehr, denn er konnte englisch, der Taxifahrer nicht. Die Verständigung, wo man hinmöchte, wird so ungemein vereinfacht. In vielen Fällen hatten wir den Eindruck, dass die Fahrer gar nicht wissen, wo der Ort ist, an den wir gebracht werden wollten. Bestätigt wurde dieser Eindruck, wenn sie anhielten und Passanten fragten. Wir fragten uns dabei, ob man in Kairo keine Prüfung ablegen muss, bevor man Taxifahrer wird.

Wenn man das Taxi verlassen konnte, war man meist doch sehr froh. In manchen der Autos schien der Auspuff direkt nach innen geleitet worden zu sein und man hatte Angst an einer CO2-Vergiftung zu sterben. Einmal bekamen wir zum Schweiß aus dem Gesicht wischen, Kleenex angeboten, die wir dankbar annahmen. Sie waren hinterher ganz dreckig. Daran waren allerdings nicht nur die Abgase schuld. Kairo ist sehr schmutzig und gerade im Sommer sehr staubig.

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• Donnerstag, Juli 09th, 2009

Sonntag / Montag, 05./06.07.09

Sonntag sind wir zur Deutschen Botschaft, um das Empfehlungsschreiben zu holen, das wir für unser Sudan Visum benötigen. Doch leider war es nicht mit „einfach abholen“ getan. Zwei Tage dauert der Vorgang! Gut, beklagen hilft nichts, da müssen wir jetzt durch, wir hätten uns ja auch eher darum kümmern können. Wir sind anschließend noch zur Sudanesischen Botschaft – im Gegensatz zur Äthiopischen Botschaft herrscht über deren Adresse Einigkeit – um schon mal abzuklären, dass da nicht noch irgendwelche Eisberge unter Wasser lauern. Bis auf das Empfehlungsschreiben, zwei Passphotos und genügend Bargeld scheint nichts benötigt zu werden – fast zu schön, um wahr zu sein. Wir wollten uns dann ursprünglich noch ein schönes Café suchen, aber mir ging es nicht sonderlich gut. Abends hatte ich zudem wieder Fieber bekommen und seit Tagen plagte mich „Pharaos Rache“, so hat Anja mir das Versprechen abgerungen, dass wir zum Arzt gehen würden.

Wir sind also Montag zum Arzt gegangen. Anja hatte unsere Kontakte sowie die Deutsche Botschaft nach einem deutschsprachigen Arzt befragt und so fanden wir uns schließlich bei Dr. Wiesenbacher, Regionalarzt der Deutschen Botschaft Kairo wieder. Das Problem war schnell eingekreist: ein bakterieller Infekt. Doch die Bakterien sollten noch genau bestimmt werden, um Resistenzen gegen Antibiotika auszuschließen. Das heißt, wir mussten 48 Stunden auf das Ergebnis warten…

Nachmittags waren wir noch mit Khaled verabredet. Khaled ist ebenfalls einer unser „Diethart-Kontakte“; er wohnt in der Oase Bahariya und organisiert und führt Wüstentouren mit Geländewagen oder Kamelen. Khaled lässt all das, was er an seinem Landcruiser-Fuhrpark nicht in der Oase selbst reparieren oder warten kann, respektive will, in Kairo machen. Zu einer seiner beiden „Werkstätten des Vertrauens“ waren wir nun auf dem Weg. Wir hatten einen Waypoint bei der Ring Road vereinbart und trafen ihn dann das erste Mal nach einigen Telephonaten und diversem Skypen persönlich. Die Begrüßung war gleich sehr herzlich und im Konvoi gelangten wir schließlich zur Garage. Wir hatten den Plan für heute ursprünglich so verstanden, dass nur geschaut werden soll, was alles getan werden muss, wir eventuell Ersatzteile beschaffen, aber dann alles in der Oase repariert würde. Doch ehe wir uns versahen, waren die Räder bereits abmontiert. Die Schrauberjungs machten den Eindruck, dass sie wissen, was sie tun, und wir vertrauten Khaled. Wir hatten unsere Kupplung beanstandet, die quietschte immer mal wieder, das Diffentialöl leckte immer noch aus der Achse, zudem quietscht das Lenkrad ab und an und das Zündschloss klemmt etwas.

Wir ließen die Schrauber schrauben, besorgten die Ersatzteile und warteten anschließend bei eiskalter Cola im klimatisierten Büro des Teileladens. Nach ca. 2 Stunden der erlösende Anruf: In ca. einer halben Stunde seien sie fertig. Als wir hinkamen, waren sie noch nicht ganz so weit – unser Getriebe lag noch unter Willi auf dem Boden. Die Dichtung war getauscht worden und die Kugellager gleich mit. Die Kupplung wurde ebenfalls gleich gewechselt, da die alte schon deutliche Gebrauchsspuren aufwies. Mit ein paar weiteren Kleinigkeiten kamen wir nachher auf das schöne Sümmchen von 3’000 EP. Deutlich mehr als wir gedacht hatten, aber deutlich weniger als wir in Deutschland gezahlt hätten.

Khaled hatte uns noch zum Essen bei einem Freund eingeladen. Anja wäre gern gegangen, aber ich drängte auf Heimfahrt. Es war doch recht spät geworden und mein Fieber stieg mit vorrückender Stunde.

Dienstag, 07.07.09

Morgens konnten wir endlich unser Empfehlungsschreiben abholen. Also auf mit dem Taxi nach Zamalek; Anja huschte rein und meinte hinterher, dass alles – mit deutschen Augen betrachtet – doch ein wenig unorganisiert wirkte, aber Deutsche Botschaft hin oder her, wir sind schließlich in Afrika… ;-)

Danach waren wir wieder beim Doc in Dokki. Es gab nicht viel Neues zu berichten, da die Laborergebnisse noch ausstanden und so nutzen wir den Termin mehr für eine Tropenberatung insbesondere hinsichtlich Malaria als für meinen Infekt. Anja und ich haben uns nun doch entschlossen, nicht nur Expositionsprophylaxe und Standby-Medikation gegen Malaria zu betreiben, sondern Doxycyclin prophylaktisch einzunehmen.

Anschließend nach Garden City zur Sudanesischen Botschaft. Auch hier war die Abwicklung noch nicht gänzlich optimiert, aber sehr bemüht (im rein positiven Sinne, nicht im Arbeitszeugnis-Sinne) und äußerst herzlich. Der Mann hinterm Tresen nahm all unsere Papiere entgegen und schüttelte lächelnd den Kopf, so als ob er fragen wollte, was wir denn im Sudan wollten. Tatsächlich schien ihn jedoch etwas anderes zu beschäftigen, fragte er uns doch nach dem Mord an der Ägypterin in dem Dresdner Gericht am 1.7.09. Ich hatte davon noch gar nichts mitbekommen und antwortete ihm augenzwinkernd, dass Deutschland halt kein sicheres Reiseland sei. Bei aller Despektierlichkeit dieser Aussage – ich wusste halt gar nicht genau, wovon er sprach – scheint ihm diese gefallen zu haben, denn nachdem ich ihm unsere Visaanträge mit Photokopie (geht vor Ort für 2 EP), zwei Passphotos und unsere Pässe geben habe, wurde ich mit einem kleinen Schoklädle belohnt. Diesen Service haben wir noch bei keiner anderen Botschaft auf unserer bisherigen Reise genossen.

Nachmittags kam Dr. Farid vorbei und überraschte uns mit zwei gebratenen Fischen samt Reis und Salat. Anja hatte das große Los gezogen, denn mein Appetit war noch nicht wieder erweckt und so hatte sie das feine Mahl ganz für sich allein.

Mittwoch / Donnerstag, 08. / 09.07.09

Einen Tag später konnten wir die Visa bereits abholen. Alles hat problemlos geklappt und im Gegensatz zu Jan und Trevor haben wir sogar ein Monatsvisum bekommen, nicht nur ein zweiwöchiges.

Da es mittlerweile wieder etwas bergauf mit mir ging, haben wir heute noch ein wenig Sight Seeing an den Botschaftsbesuch drangehängt. Mit der Metro fuhren wir nach Alt-Kairo und schauten uns dort die koptischen Kirchen an, allen voran natürlich die „Al-Mu’allaqah“, die Hängende Kirche. Photos gibt es an dieser Stelle davon leider keine, da die Kamera im Apartment lag.

Wieder zu Hause fragte uns Dr. Farid wie so häufig, ob wir etwas bräuchten und ob alles okay sei. Wir fragten ihn, wo man denn Milchreis kaufen könnte. Mit der Information konnte er zwar nicht dienen, aber – viel besser – wir bekamen stattdessen eine Tasse Milchreis von ihm. Ein Vermieter, wie er im Bilderbuch steht! Und mit dem duftenden Milchreis kam auch mein Appetit langsam wieder.

Donnerstag stand schon ganz im Zeichen des Aufbruchs – nach zwei Wochen hatten wir auch beide das Gefühl endlich wieder auf die Straße zu müssen. Wir wuschen noch Wäsche und packten unsere Sachen. Die Laborergebnisse wurden telephonisch besprochen und auch der entsprechende Wirkstoff sowie drei mögliche Präparate genannt. Da man in den Apotheken meist eh alles rezeptfrei bekommt, war das auch kein Problem. Vom Doxycyclin wollten wir dagegen 20 Packungen haben und da sahen wir uns schon diverse Apotheken abklappern, doch auch dies war nicht nötig: Der Apotheker um die Ecke hatte zwar nicht alles vorrätig, aber wir sollten abends zwischen 7 und 8 Uhr wieder vorbeischauen, dann hätte er alles da. Sehr schön! Wir machten noch ein paar kleinere Besorgungen in unserem Viertel und damit war der Tag dann auch schon rum.

Morgen früh werden wir als erstes wieder den Reifen aufs Dach wuppen, Willi beladen und auf dem Weg aus Kairo erneut noch am Carrefour vorbei, um unsere Vorräte (vor allem Wasser) aufzufüllen. Danach heißt ’s dann: „Next stop: Bahariya!“

 

 

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• Samstag, Juli 04th, 2009

Dienstag /  Mittwoch, 30.6. / 1.7.09

Dienstagabend waren wir bei Angelika und ihrer Familie zum Abendessen eingeladen. Angelika ist eine Freundin Dietharts und so hatte er auch diesen Kontakt etabliert.

[Anja:] Nachdem Angelika uns fragte, ob wir lieber ägyptisch oder deutsch essen wollten, stimmten wir gleich für ägyptisch. Und so erwartete uns ein voller Tisch mit vielen Leckereien: eingelegte Auberginen und Zitronen (oder waren das Limetten?), Kofte (nicht aus Kamelfleisch), Salate, Dips und noch weitere Gerichte, deren Namen und Zusammensetzung ich jetzt nicht mehr zusammen bekomme. Es war jedenfalls extrem lecker. Als Nachtisch gab es noch eine Auswahl Süßigkeiten. Wir waren pappsatt und glücklich :-)

Die Gastfreundschaft, die uns bei Angelika und Anwar erwartete, war für uns sehr schön zu erleben. Dafür, dass wir uns vorher gar nicht kannten, wurden wir von der ganzen Familie sehr herzlich aufgenommen.

Wir fragten Angelika unter anderem an dem Abend auch, wo wir denn Stoff für Fenstervorhänge bekommen könnten; wir hatten uns nun doch noch für Vorhänge an den Seitenscheiben entschieden. Hinten herum können wir Willi mit unseren Magnetvorhängen blickdicht verschließen, die Frontscheibe kann durch Sonnenschutzfolie abgedeckt werden – die Seitenfenster waren die einzige verbleibende Lücke. Angelikas Empfehlung war, auf dem Khan el Khalili den Stoff zu besorgen, und so zogen wir Mittwochmorgen los. Der Bazar ist groß und es dauerte ein wenig, bis wir die Gassen gefunden haben, die sich auf Stoffe spezialisierten. Es war später Vormittag, aber noch recht früh für den Basar. Viele der Geschäfte öffnen nicht vor Mittag und es war erfreulicherweise entsprechend wenig Gedränge. Andererseits waren wir die einzigen Touris zu dieser Uhrzeit und so konzentrierte sich der Verkaufseifer der wenigen Verkäufer auf uns, aber dem „Druck“ können wir mittlerweile routiniert Stand halten. Schönster Verkaufsspruch des Tages: „Wanna make your husband happy? Change your style with my T-Shirts!“ (an Anja gerichtet)

Wir kauften schließlich zwei verschiedene Stoffe: einen festeren Markisenstoff und einen Baumwoll-Leinen-Stoff. Für Abends hatte Angelika angeboten, dass wir die Stoffe bei ihr vernähen könnten. Den Nachmittag verbrachten wir zurück in Nasr City im City Stars, einer großen westlich-geprägten Einkaufs-Mall, die keinen Wunsch offen lässt.

[Anja:] Angelika bot uns an, dass wir die Vorhänge bei ihr nähen können. Das Angebot nahmen wir gerne an. Ich kann nun nicht besonders gut nähen, und ich bin mir nicht sicher, ob mich Angelika beim Anblick meiner Nähkünste überhaupt an die Maschine gelassen hätte. Sie nahm mir das jedenfalls alles ab und ich war dafür sehr dankbar.

Donnerstag, 2.7.09

Am Donnerstag haben wir uns die Zitadelle genauer angeschaut und waren in der angrenzenden Sultan Hassan Moschee. Die Zitadelle geht auf Salah el Din Ibn Aijub zurück (auch kurz als „Saladin“ bekannt), der diese im 12. Jahrhundert bauen ließ. Für Jahrhunderte war sie einer der Dreh- und Angelpunkte des Zeitgeschehens und der Politik am Nil. Auch viele Intrigen wurden hier gesponnen und Morde ausgeführt, so wie beispielsweise Mohammed Ali bei dem berüchtigten Mamluken-Massaker alle 480 unliebgewordenen Mamluken-Fürsten zu einem vermeintlichen Versöhnungs-Bankett einlud und Mann und Maus ermorden ließ. Mohammed Ali gilt bei all dieser Kaltblütigkeit dennoch als einer der Gründungsväter des modernen Ägypten, hat der den Staat doch auch reformiert und anfangs des 19. Jahrhunderts modern organisiert. Er wartete die Massenhinrichtung auf der Zitadelle in dem El Ghawara Palast ab, dessen Reste heute zu besichtigen sind. Dies schauten wir uns jedoch nicht an, dafür sehr wohl zwei der drei Moscheen in der Zitadelle: einerseits die nach eben diesem Regenten benannte Mohammed Ali Moschee (wegen des verwendeten Baumaterials auch als „Alabaster Moschee“ bekannt) und die El Nasir-Moschee, die wesentlich kleiner und viel ruhiger ist.

Zitadelle Kairo

Bauwunder in Kairo

Innenbrunnen in der Sultan Hassan Moschee

Innenbrunnen in der Sultan Hassan Moschee

Die nördlichen Tore waren uns leider versperrt, so dass wir einmal um die Zitadelle laufen mussten, um zu der nur einen Steinwurf entfernten Sultan Hassan Moschee zu gelangen. Auf den Weg dorthin versuchte ein „Touri Guide“ seinen „Geschlossen“-Trick, von dem ich zuvor glücklicherweise bereits in dem Reiseführer gelesen hatte: Die Leute stellen sich beispielsweise als Angestellte eines Hotels oder der Touristen-Information vor, es entwickelt sich ein nettes unverfängliches Gespräch und man wird gefragt, wo man denn gerne hin wolle; das Ziel ist dann meist leider ausnahmsweise zu oder halt gerade mittwochs immer geschlossen, aber er kenne sich hier aus und schlägt eine Alternative vor. Im besten Fall hat man zwar am Ende nicht das gesehen, was man eigentlich sehen wollte, dafür vieles andere, was einem sonst wohlmöglich entgangen wäre, und eine gute Führung bekommen – da ist ein wenig Bakschisch dann auch legitim –, in weniger guten Fällen findet man sich jedoch in irgendeinem Teppich- oder Schmuckladen wieder und wird bedrängt etwas zu kaufen. Wir haben also dankend abgelehnt und wollten uns selbst davon überzeugen, dass die Sultan Hassan Moschee ausgerechnet heute geschlossen ist, weil ein wichtiger Imam aus Saudi-Arabien eine Privatführung bekommt. Und siehe da … sie war gar nicht geschlossen. Wirschauten uns also die Moschee an, die gemäß unserem Reiseführer als das „hervorragendste Beispiel arabischer Moscheen-Baukunst“ gilt. Angeblich ließ der Sultan dem Architekten nach Vollendung des Baus, eine Hand abhacken, damit er nicht noch mal so einen schönen Bau entwirft. Tja, im 14. Jahrhundert wussten die Regenten halt noch, was sich gehört und wie man Wertschätzung und Dankbarkeit zeigte…

Mihrab der Sultan Hassan Moschee

Mihrab der Sultan Hassan Moschee

Im Anschluss hatten wir uns noch vorgenommen, dass Gayer Anderson Haus zu finden, und das gestaltete sich dann doch etwas schwieriger. Wir folgten zunächst der falschen Straße, fanden dann zwar die richtige, doch waren lange Zeit sehr unsicher, ob dies auch wirklich die richtige ist. Obwohl die Gegend, in der wir uns bewegten, noch zu dem „islamischen Viertel“ zählt und damit zu den „touristisch erschlossenen“ Gegenden, waren wir die einzigen Touris weit und breit. Das beeindruckte erfreulicherweise allerdings keinen und so erlebten wir – gerade auf dem zunächst falschen Weg – eine versöhnliche Portion authentisches Kairo. Auf unserem Irrweg zu dem Gayer Anderson Haus trafen wir auch unseren „Touri Guide“ wieder. Diesmal half er uns mit der richtigen Richtung und verabschiedete sich augenzwinkernd mit den Worten „aber das hat heute zu“. Ich musste auch lachen – wir nahmen es ihm nicht übel, zum Neppen gehören halt immer zwei und wir hatten uns nicht neppen lassen. (Dieses eine Mal…)

[Anja:] Außerdem war da noch eine alte zahnlose Frau, die mich ansprach, als sie mich nach Art „Hans-guck-in-die-Luft“ und mit Straßenkarte stehen sah. Das einzige, was ich allerdings von ihr verstand, war „Tulun“. Und Tulun war nicht so verkehrt. Sie zeigte noch, wie wir laufen sollen und nachdem ich mcih bedankte, schaute sie mich mit ihrem fehlenden Gebiss lächelnd an und küsste mich auf die Wange.

Schließlich fanden wir das Haus direkt an der Ibn-Tulun Moschee gelegene Haus. Gayer Anderson war britischer Armeearzt und Sammler islamischer Kunst. Er kaufte zwei benachbarte arabische Häuser, ließ sie grundsanieren und fasste sie zu einem Doppelhaus zusammen, das er nach und nach möblierte und dekorierte. In ihrer jetzigen Form spiegeln sie das Interieur eines wohlhabenden arabischen Hauses vor ca. 300 Jahren wieder. Unser Führer durchs Haus erwähnte zudem mehrmals, dass dies Haus als Kulisse in dem James Bond Thriller „Der Spion, der mich liebte“ mit Roger Moore diente.

Gayer Anderson Haus

Bond-Statist

Freitag, 3.7.09

Nach dem wir mit unserem Vermieter, Dr. Farid, dessen vollständiger Name sich übrigens wunderschön als „einmaliger Vater des Lichts“ ins Deutsche übersetzt, abgeklärt hatten, dass das Ägyptische Museum auch freitags geöffnet hat, stand dieses also heute auf dem Tagesplan. Das Museum ist direkt am Midan Abdel Minin Riyad gelegen, in unmittelbarer Nähe zu dem – dem geneigten Blogleser bereits bekannten – Midan Tahrir, also sehr zentral an einem der Hauptverkehrsknotenpunkte Kairos. Anja und ich wollten deshalb wieder den Bus nehmen.

Wir kannten ja die Linie (30) und hatten genügend Zeit zum Warten. Wir meinten auch, auf den richtigen Bus aufgesprungen zu sein, aber das rechtzeitig festzustellen, ist nicht immer ganz einfach. Die Annahme ‚Zumindest die Zahlen müssten im Arabischen leicht lesbar sein, nutzen wir doch schließlich auch „arabische Zahlen“’, ist weit gefehlt. „Unsere“ Ziffern sind aus den ostarabischen Ziffern hervorgegangen, im Nahen Osten sind jedoch die westarabischen Ziffern verbreitet. (Was allerdings nicht heißen soll, dass wir die ostarabischen Ziffern hätten lesen können.) Die Ziffern können wir mittlerweile recht gut und schnell lesen, aber zumindest ich brauche eine Weile, sie erstmal zu finden. Die Busse fließen entweder im dichten Verkehr mit (und dann sind einige Stellen verdeckt, so dass man unter Umständen die Nummer nicht lesen kann) oder kommen angeschossen (so dass wenig Zeit bleibt, die Liniennummer zu entdecken und zu übersetzen). Denn die Busse fahren nicht etwa jede Bushaltestelle von sich aus an. Wenn keiner aussteigen möchte oder sie nicht herangewunken werden, dann fahren sie halt einfach weiter, egal wie viele Leute an der Haltestelle warten.

Eventuell haben wir dadurch also die falsche Linie erwischt oder aber die 30 fährt mittlerweile gar nicht mehr zum Midan Abdel Minin Riyad, so oder so der Kontrolleur drückte uns noch einen Zettel mit zwei möglichen Anschlussbussen in die Hand und ließ uns dann nach einigen Kilometern Busfahrt aussteigen, nicht ohne zwei auf der Bank der Haltestelle Sitzenden zu zurufen, sie sollten uns bitte in den richtigen Bus stecken (zumindest denken wir, dass er dies ihnen mitteilte). Wir warteten also erneut auf den Bus, aber es kam einfach keiner unser beiden Linien. Die beiden Sitzenden hatten sich mittlerweile auch verdünnisiert – der eine war gleich weg, der andere meinte irgendwann zwischendurch „Er spreche kein Englisch.“ und damit war die Konservation, die wir nicht geführt hatten, mit ihm auch vorbei – und Anja und ich sprangen irgendwann doch wieder in ein Taxi. Wir haben zwar ein paar Pfund gespart, dafür aber Zeit verloren; sind um Erfahrungen reicher, aber dieses Experiment „Bus fahren“ müssen wir hier wohl als gescheitert erklären.

Das Museum ist toll! Bereits ohne Führer! Wie viel besser hätten wir es wohl gefunden, wenn wir uns noch einen Führer geholt hätten, aber wir wollten es selbst erforschen, unser Tempo gehen und immer mal wieder pausieren respektive verweilen können. Fürs Museum haben wir nicht den ganzen Tag benötigt und nach all der Kultur fanden wir in klimatisierten Kinosesseln das ideale Ausgleichsprogramm. Wir schauten uns „Demons and Angels“ an – das Buch ist (wie immer) besser!

Samstag, 4.7.09

Heute haben wir uns die Pyramiden vorgenommen. Zunächst sind wir nach Gizeh gefahren, den von uns aus besten Weg über die Ring Road haben wir dank Angelikas Beschreibung sofort gefunden und in Gizeh selbst sind die Pyramiden besser als jeder GPS-Waypoint. Man kann den Wagen selbst auf das Gelände mitnehmen; man muss nur zuerst die Tickets kaufen, dann wird der Wagen kontrolliert und erst dann geht’s rauf. Das wollte uns wahrscheinlich auch der Mann sagen, der uns ständig hinterher pfiff. Doch da einem hier ständig hinterher gerufen oder gepfiffen wird, gebe ich darum mittlerweile überhaupt nichts mehr und so haben wir die Polizeikontrolle fröhlich ignoriert – kamen aber nicht weit.

Gut, danach hatten wir die Prozedur ja verstanden. Nachdem uns der Polizist dies erklärte, schaute er sich auch gleich den Wagen an und ließ seinen Hund schnüffeln. Hund und Herrchen hatten nichts zu beanstanden. Ich holte die Tickets und dann kam noch ein Polizist. Obwohl ich ihm sagte, dass ein Kollege bereits nach dem Rechten geschaut hätte, wollte er sich nochmals ein Bild machen. Er fragte uns, ob wir einen Kocher dabei hätten. Ich bejahte dies und zeigte ihm unsere Gaskartusche. Touché! Damit könnten wir leider nicht aufs Gelände. Es half kein Betteln und kein Bitten, die Angst, dass wir uns wohlmöglich ganz plötzlich ein Spiegelei braten könnten, war größer und unser Willi musste draußen bleiben. Ob das der Polizist war, den wir vorhin noch so fröhlich ignorierten?

Pyramiden Gizeh

Weltwunder in Ägypten

Anja warte hier, während ich Willi etwas südlich an der Straße parkte. Dann gings zur ersten Pyramide, der Cheops Pyramide, der größten und ältesten der drei. Noch bevor wir die Pyramide erreichten, wollte jemand erneut unsere Karten kontrollieren. Es stellte sich jedoch heraus, dass dies kein Kontrolleur, sondern ein Führer war, aber nun hatte er erstmal unsere Karten. Wir sagten ihm, dass wir alleine klarkämen und konnten ihn irgendwann auch endlich abwimmeln. Er schien bei der Hitze selbst gar keine Lust zu haben, alle Sites selbst abzulaufen und ihm eine Kamel- oder Pferde-Tour abzukaufen, darauf hatten wir keine Lust.

Wir hatten uns keine Karten für die Grabkammern geholt und haben diese und die folgenden Chefren- und Mykerinos-Pyramide einfach von außen auf uns wirken lassen. Welche beeindruckende Monumente! Und unter welchem Aufwand diese hier „aufgetrotzt“ wurden! Die längst verhallte Stimme der Pharaonen, scheint einen anschreien zu wollen: „Ich kann es! Ich habe dies bauen lassen!“ Und wenn der Zweck ihre Unsterblichkeit war, so haben sie dies zumindest die bisherigen 5000 Jahre auch geschafft.

[Anja:] Wir waren wie immer gut organisiert und hatten nichts bei uns. Keinen Reiseführer, der uns den Weg leitete. Wir sahen nur die riesigen Pyramiden und dass Autos darumherum fuhren. Ich war sauer, weil wir unser Auto nicht mitnehmen konnten und der Pseudo-Guide vom Eingang uns erzählte, dass es 9 km zu laufen wäre, wenn man alle Pyramiden und die Sphinx besichtigen wollte. Zu allem kam noch dazu, dass es wahnisinnig heiß war und wir keine Sonnencreme benutzt haben (by the way, ich habe den Tag mit einem bösen Sonnenbrand bezahlt). Dann war da auch noch der Typ, den wir gefragt haben, wo die Sphinx denn genau ist und der zeigte in eine Richtung, wo außer Sand und großen Hügeln nichts zu sehen war. Ich wollte da nicht hinlaufen, aber auch nicht gehen ohne die Figur gesehen zu haben. Und als dann der Kamel-Mann auftauchte, kam das gerade richtig. Normalerweise würde ich an einem solchen Ort nie auf ein Tier aufsteigen, wenn man nicht sieht, wie die Tiere gepflegt werden.

Von der Mykerinos-Pyramide wollten wir dann noch einen Aussichtspunkt hoch und zur Sphinx. Es war schon verdammt heiß und Schatten gab es keinen… Bei dem erneuten Angebot einer Kameltour wurden wir also doch noch weich. Wir handelten den Preis auf 60 Pfund runter und ritten los. Vielleicht gehört das auch einfach hier hin, vielleicht dürfen wir das hier sogar ohne gleich als Pauschaltourist zu gelten? ;-)

[Anja:] Als wir losritten, kam uns noch ein Kamelgespann entgegen, bei dem die Frau ein VfB-Trikot trug. Ganz in Stadion-Manier rief ich laut „Fau-Eff-Beheh“ und bewegte meinen Arm entsprechend, aber die Frau hat meinen Ausbruch von Lokalpatriotismus nicht verstanden und nicht reagiert :-( Und: nein, das war mir nicht peinlich…

Waren wir von den Pyramiden sehr beeindruckt, so waren wir von der Sphinx zunächst enttäuscht. Anja fand sie erst gar nicht am Horizont und auch ich hatte sie als deutlich größer erwartet, aber wäre es eine Riesenfigur mit Riesennase gewesen, hätten sich die Franzosen für ihre Artillerie-Übung ja auch ein anderes Ziel gesucht – denn das hätte ja jeder gekonnt.

Pyramiden Sakara

Stufenpyramide in Sakkara

Anschließend fuhren wir mit Willi zu der ersten Pyramide überhaupt, der Stufenpyramide in Sakkara – und hier hätte es keinen gestört, wenn wir uns ein Spiegelei hätten braten wollen. Hier schauten wir uns auch ein paar Grabkammern an, aber diese sind sicherlich überhaupt nicht vergleichbar mit denen in Gizeh (waren auch nicht in der Pyramide, siehe Bilder). Der Empfehlung Angelikas folgend schauten wir uns vor Ort hauptsächlich noch das Grabmal Tis an (Mastaba des Ti), das wegen der erhaltenen Reliefs und deren Qualität zu den wichtigsten Gräbern des Alten Reiches gehört.

Tomb of Ti

Grabstätte

Nach all den Gräbern, Grabkulten und Versuchen, die Unsterblichkeit der Seele zu erlangen, hatten wir sehr irdische Gelüste: Auf dem Rückweg in unser Apartment kauften wir noch im Carrefour lecker Essen ein.

 

 

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  1. 1
    susanne 

    WOW! Also da bin ich jetzt schon neidisch. Ägypten ist jetzt definitiv wieder auf der Reise-ToDo Liste!

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• Dienstag, Juni 30th, 2009

Wir waren also in Kairo angekommen und hatten bereits einen Tag zur Ruhe und Orientierung verbracht, nun wollten wir auch was sehen, doch vor der Kür kommt die Pflicht und die hieß für uns: äthiopisches Visum. Mit diesem soll das sudanesische Visum noch einfacher zu bekommen sein, weil die halt gleich sehen, dass man nicht plant, endlos in ihrem schönen Land zu bleiben. Wir zogen also los, das äthiopische Visum zu bekommen.

Untergekommen waren wir Nasr City, was etwas außerhalb Kairos Stadtkern im Osten gelegen ist (etwa 11 km Luftlinie Richtung Westen vom Midan Tahrir, Metrohaltestelle Sadat). Die Strecke sind wir meist mit dem Taxi gefahren, so dass wir wenig Stress in den Straßen Kairos hatten und sich unser Job darauf beschränkte, die nächsten 30 – 45 Minuten einfach nur zu schwitzen. Je nachdem wo es genau hingehen sollte, haben wir zwischen 15 und 25 EP gezahlt, also zwischen 2 und 3 EUR. Wir haben den Preis immer vorher vereinbart und das bis auf in ganz wenigen Ausnahmen immer wunderbar geklappt. Viel besser als ich erwartet hätte ehrlich gesagt. Es hätte mich nicht gewundert, wenn die eingangs ausgehandelten 20 EP dem Fahrer am Ende nicht gereicht hätten, aber bis auf Ausnahmen gab es da gar keine Diskussionen – es wurde sich an sein Wort gehalten, „sogar Touristen gegenüber“. Das haben wir später immer wieder erlebt und habe es jedes Mal positiv registriert. Dennoch gibt es natürlich auch die „Freunde“, die nach wie vor denken, Touris seien eine nicht leer-melkbare Geldkuh.

Unsere gestrige (Internet-) Recherche ergab leider kein eindeutiges Adress-Ziel für die Äthiopische Botschaft, stattdessen haben wir nun drei. Die Botschaftsseite selbst ist „Under Construction“, aber wir hatten einen Straßennamen, den wir immer wieder fanden: Abdel Rahman Hussein Straße. Dummerweise kannte keiner diese Straße – auch dies sollte zu einem immer wiederkehrenden Spiel werden. Der Taxifahrer war noch sichtlich bemüht und fragte immer wieder Umherstehende oder Passanten nach der Straße, fuhr etwas weiter und fragte wieder. Dieses Schauspiel ermüdete uns jedoch recht schnell und wir ließen uns in Dokki am Sheraton Hotel absetzen, das schien zumindest immerhin der richtige Stadtteil zu sein. Hatten wir dem Trauerspiel bisher nur passiv beigewohnt, waren wir nun selbst die Protagonisten, was das Stück allerdings nicht verbesserte – im Gegenteil unsere persönliche Tragödie schien sich zu maximieren: Die Äthiopische Botschaft kennt keiner, den wir fragten, die Straße ebenfalls nicht, und um die Idee, Dokki Straße für Straße abzulaufen, für praktikabel zu halten, hätten wir gar nicht viel mehr direkte Sonneneinstrahlung gebraucht.

Glücklichweise erwies sich eine Fehlleistung unsererseits samt spiegelnder Fehlinterpretation unser Helfer als Glücksgriff: Wir wollten ihnen vermitteln, dass die Äthiopische Botschaft nahe der des Iran ist (laut unserem Stadtplan von 1991 war sie das nämlich, was sie aktuell jedoch nicht mehr ist). Diese schickten uns dann zur Straße namens „Iran“. Auch hier blieb unser Fragen ergebnislos, bis wir auf einmal auf ein Wachhäuschen in den Farben Äthiopiens stießen und direkt darauf zu steuerten. An nahezu jeder Botschaft sieht man diese Wachhäuschen, die liebevoll in die jeweiligen Landesfarben gestrichen wurden, vor denen meist mehrere Polizisten sitzen. Wir gingen um das Gebäude herum, doch es war leider von allen Seiten verschlossen, also gingen wir auf den Pulk Polizisten zu. Im Allgemeinen sind diese zwar sehr hilfsbereit, doch ihr Englisch ist leider häufig nur geringfügig besser als unser Arabisch. Doch diesmal war es anders: Nicht nur, dass man verstand, dass wir Visa wollten, nein, sie konnten uns sogar noch zu verstehen geben, dass dies das Haus des Botschafters ist und wir hier falsch sein. … D’oh! Und nun passierte es: Ein Mann der Gruppe löste sich, nahm meine Hand und ging los. Er führte uns ca. einen halben Kilometer weiter und da standen wir nun vor dem Objekt unserer Begierde: der Äthiopischen Botschaft! Wir klopften und baten um Einlass – zu spät! Die ganze Sucherei hat zu lang gedauert, die Öffnungszeit ist bereits verstrichen. ‚Positiv sehen! Immerhin wissen wir nun schon, wo wir hin müssen’, sagten wir uns und schlürften den schalen Beigeschmack des Scheiterns bei einem Macchiato und einem frischen Erdbeersaft im nahegelegenen Costa Coffee herunter, denn wenn man den Betrachtungswinkel zuläßt, so wollte da jemand, dass wir die Botschaft finden oder diese selbst wollte gefunden werden, denn wie wir hier ans Ziel gekommen sind, klingt in einer Millionenstadt wie Kairo schon sehr unwahrscheinlich.

Am nächsten Morgen wussten wir, wo wir hin wollten – Ecke Mosadak / Mohammed Ghezaly –, aber der Taxifahrer wusste dennoch nicht, wo er hinsollte. Dabei hatte ich gestern extra das Straßenschild auf Englisch und Arabisch abgeschrieben – mag mein Arabisch auch auf der gleichen Entwicklungsstufe wie das niedersächsische Weltraumfahrt stehen (wobei ich immerhin jeden grüße und mich brav bedanken kann), mit Abschreiben hatte ich bisher kein Problem. So führten wir ihn halt durch Kairo, wir kennen uns ja mittlerweile in dem Stadtteil aus… ;-)

Das Beantragen des Visums verlief problemlos. Die Visaanträge, je ein Passphoto, unsere Pässe sowie 60 USD schoben wir über den Tresen und wurden dann gebeten, morgen wieder zukommen. Schön! Wenn das alles klappt, wäre die erste Hürde genommen. Den weiteren Tag verbrachten wir in Manial auf der Insel Roda mit dem Höhepunkt an deren südlichen Ende: dem Nilometer. Früher war der Wasserstand des Nil eine wichtige Vorhersagemöglichkeit über die Höhe der zu erwartenden Ernte, heute erfüllt der Nilometer allerdings nur noch den Zweck, Touristen Eintrittsgelder aus der Tasche zu ziehen, was bei uns gut funktioniert hat.

Am Fuss des "Maßbands"

Am Fuss des "Maßbands"

Abends stand noch ein Besuch auf dem Khan Khalili an. Anja und ich hatten unseren Vermieter gefragt, wo man denn gut Visitenkarten drucken könnte und dieser Besuch war das Ergebnis unserer Frage. Denn natürlich kannte er da jemanden und so sind wir direkt in dessen Laden marschiert. Anja hatte die letzten beiden Abende am Layout gefeilt und nun sollte die Umsetzung erfolgen. Aber wir sind nicht einfach wieder per Taxi in die Stadt gefahren. Nein, Dr. Farid (unser Vermieter) wollte uns diesmal auch die anderen Transportmöglichkeiten Kairos zeigen und so sind wir zunächst mit dem Bus gefahren. Es hat etwas gedauert, bis wir einen Bus fanden, der dorthin wollte, wo wir auch hinwollten, aber dann fuhren wir das erste Mal Bus in Kairo. Am Midan Ramsis sind wir vom Bus in die Metro umgestiegen und haben somit das auch gleich noch probiert. Bus- und Metro-Fahren läuft natürlich auch hier ohne Voodoo oder dergleichen, aber es ist einfach schön, es einmal gezeigt zu bekommen – wie signalisiert man dem Bus zu stoppen, wo kauft man die Tickets, wie signalisiert man, dass man aussteigen möchte, etc. –, denn auch hier: Hilfsbereitschaft ist genauso selbstverständlich wie Englischkenntnisse es meist nicht sind. Allerdings lebt Ägypten davon, dass jeder jemanden kennt, der jemanden kennt, der … und der letzte in der Kette kann dann das Gesuchte. So wird häufig auch jemand aus der Menge Hilfsbereiter gezogen, der dann englisch dolmetschen kann.

Nicht anders kamen wir auch dorthin, wo wir jetzt hinwollten. Wir folgten Dr. Farid aus der Metro und gingen Richtung Khan Khalili. Mehrmals auf dem Stück wurden wir angesprochen, wer wir seien, wo wir hin wollten und dass sie uns alles zeigen konnten, aber als sie sahen, dass wir bereits „in den Fängen eines Schleppers“ waren, verloren sie meist ihr Interesse. Auf dem Basar angekommen, folgten wir unserem Guide durch die typischen kleinen Gassen und auch nachts noch vielbefahrenen Liefersträßchen in den kleinen Laden, der Visitenkarten druckte. Anja hatte ihr Layout auf einen USB-Stick gepackt und so gings von dort aus zunächst kurzerhand ein Wohnhaus weiter, diesmal rannte der Ladenbesitzer voran und zwar so schnell, dass wir Anja und Dr. Farid beinahe verloren. In dies Wohnhaus wäre ich allein nicht reingegangen, schon gar nicht mit Anja, selbst wenn ich mir nahezu sicher gewesen wäre, dass dies das Haus sein müsste: Dunkler Treppenaufgang, wo uns dubios aussehende Gestalten begegneten, Müll auf den Treppen, Barrikaden vor wohl verlassenen Wohnungen, aber dann im letzten Stock: Auf einmal wieder Licht, ein richtiger kleiner Besucher-Vorraum mit Tresen und angrenzendem Computerraum. Dort überspielten wir unsere Vorlage und zurück ging ’s in den Laden. Hier übernahm Dr. Farid die Verhandlungen. Wir vereinbarten schließlich 1000 Visitenkarten für 100 EP, also etwa 13 EUR. Nicht dass wir diese je aufbrauchen würden, wir wollten eigentlich eh nicht mehr als 200, aber die hätten auch nicht wesentlich weniger gekostet und so …

Die reich verzierte Decke des Nilometers

Die reich verzierte Decke des Nilometers

Vielleicht noch ein kurzes Wort, warum wir uns überhaupt um Visitenkarten bemüht haben. Es ist eigentlich nicht mehr als Bequemlichkeit. Denn natürlich erfüllt jeder Zettel + Stift den gleichen Zweck, aber wir fanden es immer schön, wenn Traveller ihre Eckdaten per Visitenkarte überreichen und dachten dabei: ‚Das wollen wir auch!’ Außerdem hatte Markus mal eine solche Visitenkarte mit dem lieben Gruß „Wünschen dir eine erfolgreiche und sichere Weiterreise mit vielen tollen Erlebnissen, Hänsel & Gretel*)“ unter seinem Scheibenwischer gefunden und das fanden wir auch inspirierend. [*) Namen durch die Redaktion geändert]

Heute früh fuhren wir in die Stadt, die Pässe wiederabholen. Keinerlei Komplikation! Hat alles vorzüglich geklappt. Mittlerweile sitzen wir erneut im Costa Coffee und schreiben diesen Artikel. Gleich besorgen wir noch ein paar Süßigkeiten für Angelika und ihre Familie, zu denen wir heute Abend zum Abendessen eingeladen sind, aber das ist eine andere Geschichte, die ein anderes Mal erzählt werden soll.

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