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• Sonntag, Juni 07th, 2009

[Anja:] Diesmal sind wir sehr früh zur Grenze aufgebrochen, jedoch wahrscheinlich fast umsonst. Wir irrten zunächst ziemlich durch Damaskus: erst habe ich beim Navigieren nach Karte eine Abfahrt missinterpretiert und dann kam auf der Autobahn um Damaskus herum der Super Gau. Wir fuhren viel zu weit westlich Richtung Libanon und drehten mehrfach „Runden” auf der Autobahn (und das Ein- und Ausfahrt-System in Syrien ist nicht so einfach wie in Deutschland), bis wir schließlich die Abfahrt nach Deraa (auch hier wieder drei unterschiedliche Schreibweisen in der Karte und auf den Schildern) fanden. Aber was sahen wir da? Eine Baustelle über die gesamte Abfahrt und kein „Umleitungs”-Schild oder irgendeine Art von Umfahrung. So fuhren wir ab und mit ein bisschen Gespür für Himmelsrichtungen fanden wir die Autobahn selbst.

Die Ausreise aus Syrien war deutlich weniger aufwändig als die Einreise: Pässe wurden kontrolliert, die Carnet abgestempelt und dabei auch auf die Dieselsteuer geachtet (!) – wir hatten teilweise im Netz gelesen, dass das manches Mal vergessen wird, können das aber nicht bestätigen, evtl. hätte es aber auch keinen interessiert, wären wir zwei Wochen geblieben und hätten für eine gezahlt – noch mal ein Blick in den Wagen geworfen und dann blieb noch eine Ausreisegebühr. Da wir kurz vor der Grenze unsere ganzen restlichen syrischen Pfund in Wasser, Cola und Chips eingetauscht hatten, waren wir froh, dass diese auch in US-Dollar gezahlt werden konnte. Wir wissen zwar immer noch nicht, wofür eine Ausreisegebühr notwendig ist, aber wenn wir mittlerweile eins gelernt haben an der Grenze, ist es: Zodum! (Zahle ohne denken und murren!) Zumindest hier lassen sie nicht mit sich reden (das mag in Afrika noch anders werden) und dich im besten Fall am ausgestreckten Arm verhungern. Im ungünstigsten Fall können sie halt immer noch anders: Markus fragte uns später, ob wir auch den Wagen gesehen hätten, wo die Sitze ausgebaut wurden. Hatten wir nicht, aber es passt ins Bild…

Die Einreise nach Jordanien war schon entspannter. Zunächst Polizei-Passkontrolle, dann Visa, dann Versicherung kaufen, dann Carnet und abschließend Autokontrolle. Am meisten ärgert mich nach wie vor, dass unsere Versicherung nicht anerkannt wird und wir bisher sowohl in Syrien als auch in Jordanien eine neue Versicherung abschließen mussten. Wenn mal wirklich was passiert, dann werden wir garantiert dankbar sein, dass wir uns nicht auf die hier „gezogene” verlassen müssen, aber so fragt man sich schon, weshalb man eigentlich doppelt zahlt. Ich muss wohl einfach noch lernen, dies als das zu akzeptieren, was es eigentlich ist: Eine weitere Eintrittsgebühr, und keine Versicherung!

[Anja:] Auf jordanischer Seite begann die Untersuchung wieder zuerst mit Willi, aber wahrscheinlich nicht aus zolltechnischen Gründen, sondern nur aus Neugier. Warum sonst müssen drei Beamte in das Auto schauen? Anschließend rannten wir durch das Grenzgebäude von Station zu Station. Leider ist hier nicht alles durchnummeriert… Wir gingen zu „Customs”, der uns zu „Visa” schickte, wieder zurück zu „Customs”, wieder nicht alles gehabt, also weiter zur „Insurance”, dann wieder zu „Customs” und dann endlich raus.

Das Problem bei dem hin und her war, dass wir jedes Mal etwas bezahlen mussten. Und ständig ging uns das Geld aus und wir mussten zwischen „Customs”, „Visa” und „Insurance” auch noch in die Wechselstube rennen. Das Visum war mit 10 Jordanischen Dinar noch das günstigste. 58 Dinar kostet die Versicherung, die wir abschließen mussten, obwohl wir eine für Jordanien gültige Versicherung besitzen. Und noch mal um die 20 Dinar fielen an für das Abstempeln der Carnet und sonstigen bürokratischen Kosten. Schmerzhaft für das Budget, weil der Dinar ungefähr 1:1 zum Euro steht. Der Dinar scheint – nach Interpretation unseres Reiseführers (danke Emma!) von 2005 – seit 4 Jahren auf dem Stand zu stehen, die Preise haben sich aber seit Mitte 2008 extrem erhöht, sodass wie hier kostentechnisch Urlaub machen wie in Deutschland.

Nach etwa 2 Stunden waren wir mit der Grenze durch und starteten die Suche nach unserem „Campingplatz”. Mal wieder campen vor einem Hotel, dem „Olive Branch Hotel” in Jarash.

Von der Grenze aus steuerten wir gleich Jarash und dort unmittelbar das Olive Branch Hotel zum Campen an. Um das gleich vorweg zu nehmen: Empfehlen können wir diesen Camping-Platz leider nicht. Die Lage ist top und die Sanitär-Anlagen funktionieren (sind sogar ansatzweise sauber), aber es ist alles maßlos überteuert: Fürs Campen allein zahlten wir 20 EUR, Abendessen für zwei hat Joachim und Carola (zu denen gleich) 30 EUR gekostet, Markus spendierte am zweiten Abend Bier, von dem eine Flasche 5 EUR gekostet hat, und für eine Ladung Wäsche waren bei ihm nachher nochmals 20 EUR fällig (weil die Maschine des Hotels kaputt war, musste diese ohne weitere Absprache per Taxi nach Jarash runter gebracht werden und das kostet ihn natürlich einen entsprechenden Obolus).

Wir hatten uns gerade eine handvoll Pasta gemacht, als Joachim und Carola aus Gifhorn ihren Defender die Anhöhe hochfuhren. Sie sind auch bereits ein paar Wochen unterwegs (Joachim noch länger, weil er den Wagen zunächst alleine „runter” fahren musste, während Carola später nach Adana nachgeflogen ist) und werden hier im Wadi Rum und der Wüste Jordaniens noch ein wenig mit ihrem Defender „spielen”, bevor sie dann wieder in die schöne norddeutsche Tiefebene zurückkehren.

Abends saßen wir dann gemütlich zu fünft am Tisch, tauschten Travellergeschichten aus und bereiteten uns erstmal auf das neue Land vor, denn richtig Zeit, sich vorher schon schlau zu lesen, hatten wir in Syrien leider nicht.

Glücklicherweise ist eine der Top Ten Sehenswürdigkeiten Jordaniens gleich vor Ort: Jarash, die ehemalige römische Provinzstadt „Geresa”. Zogen Joachim und Carola schon früh los, um die Umgebung zu erkunden, ließen wir anderen drei den Tag gemütlich angehen. Es wurde ausgiebig gefrühstückt und dann erst noch mal die Reiseführer gezückt. Die Sonne brannte erbarmungslos und Anja blieb lieber beim Hotel, so dass ich zusammen mit Markus loszog, die Stätte zu erkunden. Vor Ort trafen wir dann auch wieder auf die beiden Gifhorner und auf ein englisches Paar, das mit ihrem wirklich massiven Wohnmobil von Genua nach Tunis übergesetzt hatte und sich dann durch Libyen und Ägypten bis hierher durchgekämpft hatte. Auf ihrer bisherigen Reise hatten sie keine deutschen Overlander getroffen und dann hier gleich zwei. Die beiden hatten direkt am Haupteingang gecampt in absoluter Gluthitze, aber alles ist ja relativ. Die beiden wussten nämlich von zwei unterwegs getroffenen Travellern zu erzählen, die gerade den Sudan durchgequert hatten, dass jene in Khartum 60°C gehabt haben. Das schien Markus und mir ein wenig arg viel, aber vielleicht war damit die Fahrzeuginnentemperatur (in der Sonne?) gemeint. Dort habe ich wohl auch einen Sonnenstrahl zuviel abbekommen…

Jarash

Römer in Jordanien

[Anja:] Ja, Jörgs Abend war deutlich kürzer als unserer. Er verschwand schnell nach der Rückkehr im Dachzelt und klagte über Mattigkeit. Ich zückte mein Fieberthermometer und siehe da: 39°C, die aber im halbstündigen Kontrollrhythmus und mit kalten Umschlägen langsam sanken. Wir haben ja massig schlaue Bücher dabei und so ermittelte ich die Krankheit: Hitzeerschöpfung. Naja, eigentlich war ich mir nicht sicher. Und daher schleppte ich Jörg am nächsten Tag zum Arzt.

Dr. Sami Khourma wurde uns von der deutschen Botschaft empfohlen und sprach perfekt unsere Sprache. Er verschrieb Jörg ein Breitbandantibiotikum, das alles abtöten soll und wir (zumindest ich) waren glücklich.

Amman ist keine besonders hübsche Stadt. So mühsam wir den Weg hinein fanden, so schnell flohen wir heraus und ab Richtung Madaba. Jörg wollte sich den Tag noch erholen, weswegen wir uns für ein Hotel entschieden und es für diesen Tag auch nicht mehr verließen.

 

 

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• Freitag, Juni 05th, 2009

Freundlichkeit

[Anja:] Die Syrer sind bis auf wenige Beispiele wirklich ausgesprochen freundlich:

  • An der Grenze war keiner der Offiziellen ausgesprochen freundlich. Die kamen mir alle vor wie Leute, die einfach nur ihren Job tun und man sie dabei stört.
  • In Aleppo erlebten wir mit dem Taxifahrer, der uns einmal durch die ganze Stadt eskortierte, und uns zum Essen einladen wollte, das absolute Gegenteil. Nur waren wir da zu verstockt und vor allem erschöpft, um darauf einzugehen.
  • In Palmyra putzte uns ungefragt ein Hotel-Angestellter die Scheiben unseres Autos, wofür wir sehr dankbar waren. Im Anschluss daran kam aber eine fast penetrante Aufforderung, ihm Bakschisch zu geben. Was wir ihm gaben war ihm nicht genug. Das erlebten wir auch schon an der Grenze mit unserem dortigen Helferlein.
  • Der Polizist an der Burg, an der wir wild campten, war auch sehr nett. Nachdem es eine Weile gebraucht hatte, sich mit ihm zu verständigen, zeigte er uns noch einen Strandabschnitt am Asad-Stausee, an dem wir baden sollten.
  • Überall grüßen uns Kinder mit „Hello“ und „Welcome“. Bis jetzt ist uns bis auf ein Mädchen auch kein Kind begegnet, das nach dem „Hello“ ein „Money“ oder „Sweet“ hinterher rief. In der Türkei und Rumänien haben wir genau das erlebt, und so empfinde ich es als schwierig, die Freundlichkeit der Kinder auch wirklich als pure Freundlichkeit anzuerkennen.

[Jörg:] Sicherlich wollen viele Kinder einem dann irgendwann doch etwas verkaufen, aber primär freuen die sich einfach, endlich mal ihre Paar Brocken (Schul-)Englisch in der Praxis zu erproben. Viele der Erwachsenen andererseits freuen sich meines Erachtens ebenfalls wirklich – meinem Eindruck nach vor allem, weil sie stolz sind, dass man als Tourist (Gast) ihr Land bereist, und wenn man ihnen dann auch noch sagt, wie toll man Syrien findet, wie hilfsbereit und gastfreundlich man die Syrier erlebt hat (Beides ungelogen!), so ist die (wahre) Freude um so größer.


Umgang mit Frauen

[Anja:] Der Fensterputzer im Hotel in Palmyra ließ sich kaum abschütteln. Er begann schon damit, mir auf den Hintern zu starren, bevor er die Fenster bearbeitete. Irgendwann stieß Jörg dazu, der zunächst duschen war, was den Mann aber nicht davon abhielt, um mich herumzuschleichen. Als Jörg ihm Geld gab, war für uns die Sache erledigt, nicht aber für den Mann. Erst als ich ihm zum wiederholten Male mitteilte, dass wir keine Schuhe übrig haben, die wir ihm schenken können (das wollte er nämlich eigentlich), ließ er ab. Aber nicht lang. Kurz vor unserer Abfahrt schenkte er mir noch zwei Rosen, die er aus dem Hotelgebüsch abgeknickt hatte. Ich war schon ein wenig verblüfft, dass die Anwesenheit Jörgs überhaupt keinen Eindruck auf ihn machte.
Am Abend zuvor machte mein Kreislauf schlapp bei der Besichtigung Palmyras, so dass ich vor Jörg zum Hotel zurückschlappte. Zwei Autos hielten. Einer wollte mir eine Sunset-Fahrt auf den Burgberg andrehen, ein weiterer beobachtete mich nur. Er fuhr dabei etwas schneller, dann wieder langsamer, immer so, dass er mich irgendwie abchecken kann. Ich – ganz japanischer Tourist – nahm meinen aufgeklappten Regenschirm (Werbegeschenk von Sungard und mach seinem Namen damit alle Ehre) als Schutzschild. Irgendwann ließ er ab.


Autos

[Anja:] In Palmyra bemerkten wir, wo alle unsere schönen Oldtimer hingekommen sind. Hier fuhren massenweise alte Mercedes („Strich-8“ und noch deutlich ältere) und Peugeot herum. Ansonsten wird alles was 4 Räder hat erhalten und geflickt bis zum geht-nicht-mehr. Besonders gut sichtbar bei Lastwagen.

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Ein weiteres Phänomen ist das Thema „Motorkühlung“. Hier wird bei jedem Auto, das eine Motorklappe besitzt, die sich nach oben (senkrecht) öffnet, die Klappe beim Fahren offen gelassen.

[Jörg:] Auch würde ein Syrer in Deutschland nicht verstehen, dass spielende Kinder, Kühe oder entgegenkommende respektive zurücksetzende Fahrzeuge eine Meldung im Radio Wert sein sollen. Würde dies in Syrien genauso gehandhabt, hätten sie hier gar keine Zeit mehr für Musik im Radio. Richtig abenteuerlich wird es aber sowieso erst, wenn ein großer LKW (wohlmöglich mit Anhänger) auf der Autobahn wendet.


Verkehr

[Jörg:] Ein Verkehr, wie wir ihn in der Form noch nie erlebt haben (nicht mal in Istanbul), aber noch eine Steigerung des Chaos in Kairo erwarten, gab es in Aleppo. Die Fahrt in die Stadt war die Hölle. Die Autobahnen sind gut, aber im Stadtverkehr gilt das Gesetz des Lauteren. Auf zwei Spuren fahren vier Autos, dank einer Zeitanzeige an der Ampel werden die vorderen Reihen spätestens 5 Sekunden, bevor sie auf grün schaltet, gnadenlos niedergehupt, um dann spätestens 3 Sekunden vor grün loszufahren. Da jedoch auch bei roter Ampel in die Kreuzung noch mindestens 5 Sekunden nach Umschalten eingefahren wird, sind die Kreuzungen eigentlich immer verstopft. Deshalb wird der Verkehr in der Regel von trillerpfeifenden Polizisten dirigiert (vor allem bei Kreiseln), was aber auch nicht dazu führt , dass es hier irgendwie vernünftig vorwärts geht. Man könnte sogar den Eindruck gewinnen, dass lediglich gehupt wird, um die Polizistenanweisungen zu übertönen, damit man fahren kann wie man will.

[Anja:] der Unterschied zu Istanbul scheint außerdem zu sein, dass hier nicht so sehr auf sein „heilig’s Blechle“ geachtet wird und trotzdem jeder seine Lücke auf der Straße fordert. Wir hatten daher mehrfach Angst, um unser Blech. (Beispiele: Als wir im Hotel abends im Bett lagen und am einschlafen waren, quietschte es draußen laut und sofort danach ein lautes „Rumms“. Wir, hellwach, Angst um unseren Willi vor dem Hotel, stürmten zum Fenster und sahen (zum Glück) eine Karambolage, die sofort viele Schaulustige und Helfer anzog – quasi neben Willi.

[Jörg:] Auf dem Weg nach ath-Thaura sahen wir einen der vielen alten Pick-Ups, die uns zuvor überholten und ständig mit Markt-Einkäufen, Menschen, Schafen oder einer Mischung aus all dem überladen waren, erneut. Doch diesmal lag der Pick-Up abseits der Straße auf der Seite. Eine Traube von Menschen hatte sich jedoch bereits der hoffentlich nicht zahlreichen Verletzten angenommen. Wie man sieht, wie hier teilweise gefahren wird bzw. wie die Autos beladen werden, kann einem ganz anders werden. Da stehen Kinder auf der Ladefläche hinter der Fahrerkabine während der Autobahnfahrt und warten eigentlich nur darauf bei der nächsten Kleinigkeit vom Wagen geschleudert zu werden…

Müll

[Anja:] In Syrien liegt überall Müll herum. Selbst in der Wüste und in der unberührten Natur – überall Plastiktüten, Abfall… Ich habe mich schon gefragt, ob es in Syrien keine Müllabfuhr gibt. Inzwischen glaube ich allerdings, dass es an dem starken Wind liegt, der den Müll in die Welt verstreut.

Navigation

[Jörg:] Navigation in Syrien ist eigentlich nicht so schwer – auf den Hauptstrecken gibt es Ausschilderung sowohl auf Arabisch als auch in lateinischer Schrift –, aber „uneigentlich“ sieht es dann doch ein wenig anders aus: Arabisch können wir nicht und da ist die arabische Beschriftung für uns natürlich aussagelos, zudem gibt es abseits der Touri-Strecken teilweise doch keine Schilder in dem lateinischen Alphabet; die Ausschilderung in lateinischer Schrift ist jedoch teilweise von Schild zu Schild verschieden und meist anders als der lateinische Name eines jeweiligen Ortes in unserer Straßenkarte, dem Reiseführer und unserem – hin und wieder doch genutzten – GPS-Handgerät. Zudem können Schilder teilweise auch einfach „fehlen“ und deshalb braucht man zur Navigation in Syrien ein großes Stück Humor.

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• Freitag, Juni 05th, 2009

Für unseren Besuch in Damaskus hatten wir nun leider ausgerechnet den Freitag, da war natürlich nicht so viel zu sehen, vor allem im Suq. Dafür war in der beeindruckenden Umayyaden-Moschee natürlich umso mehr los. Das architektonisch Besondere an dieser Moschee sind die figürlichen Mosaike, derartige Abbildungen von Personen sind nämlich im Islam eigentlich verboten (oder zumindest verpönnt) und von daher eine große Ausnahme. Das religiös Besondere an der Umayyaden-Moschee ist, dass sie den Kopf des Prophetenenkels Husain sowie die Gebeine von Johannes dem Täufer enthält. Letztere haben Papst Johannes Paul II. im Mai 2001 als ersten Pontifex der Kirchengeschichte überhaupt in ein muslimisches Gotteshaus gezogen, und zwar genau hier in Damaskus. Bevor wir jedoch überhaupt einen Fuß in die Moschee setzen durften (genauer: bevor Anja dies durfte), musste sie einen langen Kapuzenmantel ausleihen.

Anja im Umhang

Anja im Umhang

Als Anja ihren kleidsamen Umhang wieder zurückgab – ich wünschte im Verlauf der weiteren Damaskusbesichtigung manches Mal, sie hätte ihn behalten können, und drohe ihr dann immer scherzhaft, dass ich ihr doch noch eine kleidsame Burka spendiere -, gingen wir anschließend noch ins Saladin-Mausoleum.

Wir schauten ins Bait Siba’i hinein, ein prachtvolles Stadthaus im ehemaligen Christenviertel, und hatten dort eine regelrechte Offenbarung in Hinsicht: außen pfui und innen hui. Von außen perfekt getarnt, indem sich diese Stadthäuser in ihre farblose Umgebung eingliederten, von innen jedoch ein wahres Kleinod.

Innenhof des Stadthauses

Innenhof des Stadthauses

Von dort ging ‘s erstmal zum Teehaus Noufara: Pause. Dort haben wir uns dann auch leider gegen das Nationalmuseum entscheiden müssen. Es war bereits kurz vor 14 Uhr und das Museum macht freitags bereits um 16 Uhr zu. Also gönnte ich mir in Ruhe einen zweiten Tee und wir zogen anschließend weiter durch die Altstadt.

Wir machten uns auf ins heutige eher christliche Viertel der Altstadt. Auf dem Weg dorthin kamen wir an George’s kleiner Intarsien-Werkstatt vorbei. Anja und ich wollten uns eh noch ein Backgammon-Spiel kaufen und betraten deshalb seinen Laden. Er erzählte uns, dass der Laden bereits in dritter Generation geführt wird, seine Söhne den Laden aber nicht übernehmen werden (der eine Sänger in Brüssel, der andere Arzt), und so fort, und irgendwo dazwischen wurden wir uns auch geschäftseinig. Vor allem Anja war glücklich, ein wirklich schönes Erinnerungsstück an diese Reise erhalten zu haben.

George und eines seiner Werke

George und eines seiner Werke

Georges Werkstatt

Georges Werkstatt

Nach diversen Moscheen waren nun mal wieder ein paar Kirchen dran: An der Marienkirche vorbei ging ‘s zur Ananias-Kirche. (Ananias legte Saulus die Hand auf, so dass er wieder sehen konnte und half damit bei dessen Wandlung zum Paulus.) Abschließend wollten wir uns noch die Paulus-Kirche anschauen, standen dort aber leider vor verschlossener Tür und mussten kehrt machen. Von dort ging ‘s dann zurück zum Hotel.

Von gegenüber holte ich noch die Wäsche ab, die ich morgens weggebrachte hatte. Das war keine leichte Geburt! Wir mussten unbedingt langsam wieder waschen, im Hotel ist dies jedoch nur schwierig möglich, da die Sachen meist nicht trocken werden und dann nass durchs ganze Auto purzeln. Also suchten wir uns eine Reinigung. Die, die ich gefunden hatte, wäscht aber nur „pro Stück”. Was wünschenswert ist, wenn man Hotelgast ist und maximal zwei Hemden reinigen möchte, ist weniger geschickt, wenn man mit drei (!) vollen Tüten ankommt – ich sagte ja: „Wir mussten unbedingt wieder waschen!” Es war eine zähe Verhandlung. Ich machte dem Ladeninhaber immer wieder klar, was ich eigentlich wollte: „Stopft alles in eine Trommel – von mir aus auch zwei -, danach nehmt den ganzen Wust und steckt ihn in den Trockner! Und dafür gib mir nun einen Preis.” So ganz verstand er diesen revolutionären Ansatz wohl nicht, denn irgendwann lagen alle unsere Sachen nicht etwa auf der Waage, sondern auf dem Boden der Wäscherei. Da wurde gezählt: 1,2,3, … T-Shirts, 1,2,3, … Hemden etc. Das Ergebnis ca. 1’700 SP, also ca. 20 EUR. Ging gar nicht! Das sah er mir wohl auch an, nach ein paar Worten waren es dann nur noch 1’500, obwohl die Anzahl Teile nicht weniger wurde. Aber das war immer noch zuviel. Also noch mal: „Was kostet es, wenn alles in eine Trommel gesteckt wird, dananch …” Wir einigten uns irgendwann auf 1’000 SP, immer noch unsere teuereste Reinigung bisher und hoffentlich bleibt sie ‘s auch, aber nicht waschen, war für uns eben leider auch keine Alternative. Auf dem Abholzettel, der gleichzeitige als Rechnung diente, wurde dann auch die ursprüngliche Betrag von 1’700 SP vermerkt, aber auch der Discount von 700 SP, und beim Abholen hatte ich den Eindruck, dass derjenige, der dann im Laden war, beim Blick auf diese Rechnung auch nicht nachvollziehen konnte, weshalb es soviel Discount gab. Scheint also eine Lose-Lose-Situation gewesen zu sein, aber wir haben wenigstens wieder frische Wäsche.

Gerade waren wir nochmals Falafel essen, aber es ging auch gleich wieder zeitig zurück, da wir morgen früh gegen 9 Uhr wieder Markus treffen wollen und mit ihm zusammen nach Jordanien einreisen wollen.

Ein Tag Damaskus, in der – wie unser Reiseführer weiß – ältesten durchgängig bewohnten Stadt der Welt (ich hätte da eher auf Mexiko City oder so getippt), ist natürlich viel zu wenig, aber wären wir noch zwei Tage oder mehr geblieben, hätten wir an der Grenze wohlmöglich noch für eine ganze weitere Woche Dieselsteuer zahlen müssen, und so treibt uns diese Auflage verfrüht aus diesem schönen Land, dessen Menschen bisher am freundlichsten zu uns waren.

Damaskus

Orientalische Großstadt

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2 Responses

  1. 1
    ben 

    ich kann mir richtig vorstellen, wie Jörg angesichts der Flexibilität und Kundenorientierung sich still und schweigsam seinem Schicksal ergeben hat … ;-) Mir kommen gerade wieder die “Geschichten vom Bahnschalter” in den Kopf.

    Viele Grüße

    Ben

  2. 2
    Joerg 

    Ben, du kennst mich: Bei fehlender Service-Orientierung und ineffizienten Arbeitsabläufen bin ich doch die Ruhe in Person… ;-)

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• Donnerstag, Juni 04th, 2009

Die Nacht an der Burg fiel für uns sehr durchwachsen aus. Am Abend verzogen wir uns aufgrund eines kleinen Mückenansturms ins Auto zurück. Da war es bullenheiß. Ich lag oben im Bett, Jörg saß unten und las noch etwas. Als es dunkel wurde, schalteten wir das Licht an und dachten nach kurzer Zeit, es regnet. Wie wir feststellen mussten, regnete es aber kein Wasser, sondern alle Arten von fliegendem Getier auf unser erleuchtetes Zeltdach. Beruhigt, dass wir seitlich Mückengitter haben, ließ ich die Seiten zunächst noch offen. Dann bemerkte ich, dass die kleinsten Fliegen leider doch durchpassten. Damit war für mich die Freude an dem Abend vorbei und wir flohen schnell ins Bett.

Am nächsten Morgen saßen immer noch alle möglichen Viecher auf unserem Auto und teils auch drin. So hatte ich keine Lust zu frühstücken, aber das hätte sich dank fehlendem Schatten und inzwischen Magen-Darm-Problemen, die uns inzwischen beide betrafen, sowieso nicht angeboten. Also packten wir schnell und dachten, um 8 Uhr die Burg besichtigen zu können. Daraus wurde aber nichts, da wir nicht bis 10 Uhr warten wollten. Also fuhren wir durch die Wüste zu ar-Rusafa und auf sehr unscheinbaren Wegen zum östlichen Wüstenschloss.

[Jörg:] Ar-Rusafa ist eine von unserem Reiseführer hochgepriesene alte Wüstenstadt. Anja und ich sind einmal drumherum gefahren und kamen zu einer anderen Einschätzung. Eventuell sind wir durch die Ägäis ja auch nur ein wenig verwöhnt, aber Ar-Rusafa war uns dann doch keine Wanderung bei ca. 40°C ohne Schatten wert…

Das wiederholte sich dann beim östlichen Wüstenschloss Qasr al-Hair ash-Sharqi. Wir fuhren einmal drumherum, sahen auch ein paar schöne Stellen durch die brüchige Außenmauer, aber wir besichtigten es nicht. Eventuell war das ein Fehler, aber wie wir schon bei vielen anderen Gelegenheiten erfahren haben: Wir können nicht alles sehen! Und dann haben wir uns hier, wie bei all den anderen Gelegenheiten damit getröstet, dass wir ja auch schließlich einen Grund haben müssen, wiederzukommen… ;-)

Überhaupt bis hier hinzukommen, war schon eine Erfahrung: Die Wegbeschreibung unseres Reiseführers verfolgte die Route genau in die entgegengesetzte Richtung. Das kann durchaus problematisch sein. Wenn es nämlich im Original heißt, man fahre bis zum Straßenende und biege an der dortigen T-Kreuzung links ab. So bedeutet das für uns, rechts ab, wenn sich die Gelegenheit dafür bietet. Dabei wissen wir dann nicht, ob es diese Abbiegung oder die nächste ist. Oder vielleicht doch die davor? Und was macht man aus folgender Beschreibung: „Ortsbeginn von Taibe, einem verlassenen, fast menschenleeren Oasenstädtchen. Man kann noch die Reste von Lehmhäusern sehen, viel Dreck und wenig Menschen. Wir folgen der Straße, die eine Linkskurve macht, danach eine Rechtskurve und dann wieder eine Linkskurve. 50 m danach biegen wir rechts ein: Es gibt einen Wegweiser nach ‚Kom’ und ‚Raqqa’. Nun geht es immer den Stromleitungen nach, die rechts der Straße zu sehen sind.” Muss man dies rückwärts navigieren, so stellt es einen vor eine schier unlösbare Aufgabe, da man immer erst im Rückblick weiß, ob man richtig gefahren ist. Dies vor allem vor dem Hintergrund, dass auf dieser Route viele der Orte nicht ausgeschildert sind und wenn dann meist ausschließlich in Arabisch. Bei der oben erwähnten T-Kreuzung gab es zum Beispiel gar keine Schilder. Einziges Indiz war eben unsere Übersetzung „an einer Abzweigung rechts ab” und dass sich am Horizont auf der linken Seite ein Gebirge auftat und unsere Karte sagte, dass wir dort nicht hinwollten. Wir mussten jedoch ca. 50 km fahren, um (halbwegs) sicher zu sein. Ja, 50 km! Es ist schließlich nicht Deutschland hier, sondern dünn- bis gar nicht besiedelte Wüstengegend.

Endstation war Palmyra. Markus erzählte uns von der Gelegenheit, mit Kamelzüchtern in die Wüste zu ziehen und dort zu übernachten. Wir nahmen diese Chance jedoch leider nicht wahr. Mein Kreislauf machte schlapp. Ich wollte zu einer Klimaanlage und viel trinken. Das bekamen wir beim Camping auf dem Parkplatz des Zenobia Hotels.

[Jörg:] Wir fuhren zunächst den in unserem Reise-Know-How angeführten Camping-Platz hinter dem Tempel des Baals an. Fanden ihn auch sofort und der Camping-Platz-Betreiber kam auf uns zu. Er spricht gut Englisch und so konnte er uns erklären, dass die Regierung den Camping-Platz geschlossen hätte, aber um 16 Uhr wieder alles in Ordnung sei. … Ah, jaaa… So fingen wir an nach Alternativen zu suchen.

Während einer langen Erholungszeit in der dunklen Hotellobby beobachtete ich den Versuch von drei Paaren verschiedener Nationalitäten, alle mit Lonely Planet bewaffnet, den Preis von 84$ zu drücken und nach dem ersten Paar reagierte der Rezeptionist sehr genervt und verneinte. Er blieb hart auch bei den anderen Paaren und fragte sich wahrscheinlich, warum alle (!) nach einem Discount fragten. Nach einer Dusche machten wir uns schließlich auf zum Baal-Tempel und Jörg noch weiter durch die Ruinen.

Palmyra

Römer in der Wüste

Am Abend ging noch ein richtiger Sturm los, der laut dem Hotelpersonal jede Nacht kommt, so dass wir uns Sorgen wegen unseres Dachzelts machten. Wir stellten uns extra in den Windschatten eines britischen Wohnmobils mit einem sehr netten englischen Paar und versuchten zu schlafen. Jörg schlief wie immer sehr gut und tief und fest, während ich mehrfach durch das Gerüttel an den Wänden wach wurde.

Das Campen auf einem Hotelparkplatz kann sehr gute Seiten haben und wir werden es bestimmt noch das ein oder andere Mal versuchen. Man bekommt – ich weiß nicht, ob bei jedem Hotel – eine Dusche und Klo zur Verfügung gestellt, und wenn man so wie wir beim Zenobia, einen ganzen Raum (Hotelzimmer) mit Schlüssel bekommt, könnte man zur Not vielleicht noch heimlich drin schlafen. Für uns wäre das vielleicht auch eine Alternative gewesen, aber es hatte nicht genug gestürmt und auch nicht geregnet.

Heute sind wir über Homs zum nächsten Sight-Seeing-Point gekommen. Krak des Chevaliers.

[Jörg:] Eine alte Kreuzritterburg und ein wahres Bollwerk gegen die Muslime. Wie die Zitadelle Aleppos nahezu uneinnehmbar. Bei der finalen Schlacht wurde sie auch nicht eingenommen – dank großer Vorratskammern hätte sich eine jahrelange Belagerung aushalten lassen -, sondern von dem Großmeister der Johanniter aufgegeben im Tausch für freies Geleit aller zurück nach Europa.

Auf dem Parkplatz vor der Burg haben wir dann auch John und Olly wiedergetroffen. Die beiden sind das „englische Paar”, das wir beim Zenobia Hotel traffen. Die beiden sind pensioniert, haben sich ein Wohnmobil gekauft und machen seitdem damit monatelange Reisen: die Seidenstraße entlang, durch Südamerika, jetzt kamen sie aus Jordanien und wollten langsam zurück nach England. Beneidenswert!

Krak des Chevaliers

Fantasitische Burg

Der Touristenmagnet blieb für uns heute der einzige, denn wir rechneten nach der Besichtigung in einem Café aus, dass wir nur noch 2 ½ Tage Zeit hätten, um das Land zu verlassen, ohne noch ein weiteres Mal 100 $ Dieselsteuer zu bezahlen. Damaskus wollten wir auch gerne noch sehen und bei dem üblichen Verkehr braucht man dafür einen ganzen Tag.

Jetzt war aber schon kurz nach vier Uhr nachmittags und uns drängte die Zeit. Also rauf auf die Autobahn und losgefahren.

Auf etwa der Hälfte der Strecke dann der große Schock. Während wir einen Lastwagen überholten, knallte es auf einmal, so als wenn man auf uns geschossen hätte. Ich sah auch noch den Rauch des Geschosses. Jörg war ebenso erschrocken und rief gleich „oh Gott, jetzt ist uns der Reifen geplatzt”. Mit Reifen statt Pistole hatte er auch Recht, aber verwundert musste er feststellen, dass unser Wagen normal geradeaus weiterfuhr. Im Rückspiegel sahen wir, dass der Laster langsam ausrollte. Während Jörg nur das Geräusch hörte und ich den Reifen platzen sah, hatten wir beide im ersten Moment doch Schwierigkeiten zu begreifen, dass uns nichts passiert ist.

[Jörg:] Das war in der Tat ein kurzer Moment, in dem einem das Herz in die Knie rutschte. Den Knall vernehmend sah ich aus dem Augenwinkel durch Anjas Fenster „gräulichen Nebel” – nicht wie bei Diesigkeit, sondern wenn viel grober Schmutz und sonstige feine Partikel aufgewirbelt werden. Mein erster Gedanke: Scheiße, Reifen! Mein nächster: Lenkrad festhalten! Mein dritter, aber der brauchte ein wenig: Komisch, der Wagen hält weiterhin problemlos die Spur. Na, und dann sahen wir im Rückspiegel den Laster anhalten und Anja und ich zählten eins und eins zusammen: Dem war exakt in dem Moment, als wir ihn überholten, der linke vordere Reifen geplatzt. Ihm, nicht uns! Wie hieß es damals bei Familie Lucky aus Schmidteinander? – „Da haben wir noch mal … Glück gehabt!”

Beruhigt fuhren wir weiter nach Damaskus und dort in den Großstadt-Trubel. Nach ein bisschen Sucherei und einer weder geplanten noch gewollten Durchfahrt Willis von einem Suq sind wir schließlich noch am Hotel Al-Majed angekommen.

 

 

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• Dienstag, Juni 02nd, 2009

Kaum hatten wir die Grenze übertreten, betreten wir in vielerlei Hinsicht Neuland. Der Grenzübertritt an sich war die erste Erfahrung.

Zunächst wurde uns die Carnet de Passage abgenommen und unterzeichnet. Was ich da sah, verwunderte mich allerdings: die haben das Feld für Export ausgefüllt. Wir sind aber eingereist, und hätten den Import gebraucht. Nach kurzem Überlegen sind wir zu dem Schluss gekommen, dass arabisch ja von rechts nach links gelesen wird und er vermutlich nicht gewusst hatte, welches Feld er ausfüllt (Import links, Export rechts). Nun gut, jetzt wars eh zu spät. In dem Grenzgebäude bot sich uns gleich ein kleines Helferlein an, der uns von Station zu Station begleitete. Er sprach relativ gut englisch und schien recht nett zu sein. An einer der Stationen stand noch ein Franzose, mit dem ich dann noch in meinem gebrochenen französisch diskutierte, warum hier alles so kompliziert läuft. Insgesamt sind wir zwei oder drei Mal durch das ganze Gebäude geschickt worden.

Erst die Passkontrolle: Bei Jörg wurde zusätzlich zur Gesichtskontrolle noch nach dem Namen des Vaters gefragt. Wie sich in den nächsten Tagen herausstellte, ist das irgendwie immer von Bedeutung.

Anschließend kam die „Zahlstelle”: Hier wurde uns gesagt, dass wir 100$ für Diesel-Steuer (für eine Woche), 55$ für die Versicherung und 10$ Bearbeitungsgebühr zahlen müssten. Wir hatten alles in Dollar bereit, aber irgendwie hat es am Ende doch nicht gestimmt. Der Zahlmann sagte uns also die Summe in Dollar, wir gaben sie ihm, er rechnete, wechselte um und gab uns drei Zettel mit je einem Stapel Syrischen Lira darin.

Als nächstes kam die Versicherung. Obwohl wir nachdrücklich erwähnten, dass unsere Versicherung auch in Syrien gilt – bei der Diskussion hat mit der Franzose mit seinem Arabisch geholfen – wurde dies nicht akzeptiert und wir mussten dennoch bezahlen. Die Menge Geld, die uns der Zahlmann gegeben hatte, stimmte hier aber nicht, also mussten wir 2 Dollar drauf legen.

Dasselbe passierte uns bei der nächsten Station, also bei denen, die die Dieselsteuer in Empfang nahmen. Auch hier wurde nachgerechnet und behauptet, es sei notwendig, nochmals 100 Syrische Lira draufzulegen. Das sind zwar nicht mal 2 Euro, hatte uns aber doch geärgert. So wie ich den Franzosen verstand, müssen wir das einfach hinnehmen und bezahlen, sonst kann es uns passieren, dass sie uns wieder zurückschicken.

Ähnlich ging es mir, als ich aufs Klo musste. Hier war die Tür zur Männertoilette zwar offen und frei zugänglich, die für Frauen jedoch nicht. Ich müsse bezahlen. Was mich darin erwartete, war ein stinkendes, dreckiges Stehklo.

Als die ganze Prozedur in dem Gebäude vorüber war, was uns am Ende 1:45 h gekostet hatte (und bei der Ausreise aus der Türkei waren wir auch bereits eine ½ Stunde beschäftigt), erwartete unser Helferlein auch Bakschisch. Das sagte er auch so. Gut, bekommt er 5 Dollar, dachten wir uns. Man sagte uns in der Türkei, das sei üblich ca. 5 Dollar zu bezahlen. Er watschelte uns aber bis zum Auto hinterher und sagte dann, ob wir nicht türkische Lira hätten, also gaben wir ihm 10 Lira. Mit dem fuhr er deutlich besser, als mit den Dollar, aber auch da war er beleidigt und fragte, ob wir ihm nicht noch mehr geben könnten. Ich weiß nicht, ob er mehr verdient hätte, aber wir wollten ihm nicht mehr geben, da seine Forderung nach mehr Geld doch ziemlich ärgerlich war.

Die Fahrt nach Aleppo ging schnell vorüber. Nach anfänglicher Angst, wir könnten ohne Navi den Weg nicht finden, waren wir doch schnell in der Stadt.

Vielleicht noch kurz zum Navi und Syrien: Syrien erlaubt die Mitnahme von GPS-Geräten nicht, so dass wir unser Navi vorher im Dachzelt versteckten, in der Hoffnung, dass niemand unser Auto auseinander nimmt. Wir hatten uns deswegen ziemlich Gedanken gemacht, was letztendlich aber gar nicht notwendig war. Für unser Auto interessierte sich nämlich niemand an der Grenze. Trotzdem heißt es jetzt: nur nach Karte navigieren.

Die Schilder weisen zumindest bei größeren Orten immer die Namen in arabischer und lateinischer Schrift aus, sodass das kein Problem war. Doch dann kam die größte Stadt Syriens:

Aleppo…

In Aleppo fanden wir auch ziemlich direkt zur Zitadelle, wo wir gerne in der näheren Umgebung in ein Hotel gegangen wären. Dieses zu finden, war jedoch schwierig. Wir wussten nicht genau aus welcher Richtung wir gekommen waren und die Zitadelle hat nur eine runde (teilweise für den Autoverkehr gesperrte) Umfahrung. Keine Straßenschilder…

Also blieben wir am Straßenrand stehen und schauten uns die Karte genauer an, schon kam ein hilfsbereiter Taxifahrer und rief „Deutsche, Ihr seid Deutsche! Wo kommt Ihr her, aus Hamburg?” Er, Syrer, jetzt Deutscher, der 4 Wochen auf Heimatbesuch ist, fand uns ganz toll und wollte uns den Weg zum Hotel zeigen. Also folgten wir ihm. Nachdem wir uns aber immer weiter von der Zitadelle entfernten, meinten wir, der hat uns gar nicht verstanden. An einer geschickten Stelle hängten wir ihn ab. Pustekuchen! Keine 2 Minuten vergingen und er hatte uns wieder. Ach so, wir wollten ins Hotel! Ja, den Weg zeige er uns jetzt. Als es in eine kleine Gasse ging, durch die unser Willi im Leben nicht durchgekommen wäre, gaben wir auf. Nochmals wurde konferiert. Er erklärte uns, dass es in Syrien so üblich ist, dass man zuerst zum Tee in seine Wohnung komme und da ein bisschen was essen soll. Wir waren aber total am Ende – es war schon halb sieben – und verneinten. Hoffentlich haben wir ihn uns so nicht für immer verprellt. Aber er schien damit klar zu kommen uns zeigte uns den Weg zum Hotel nun doch noch.

Das lag allerdings so in den Altstadtgässchen, dass wir unser Auto ganz zentral abstellen hätten müssen, was wir auch nicht wollten. Da wir eh was zu feiern hatten, suchten wir uns ein größeres (besseres) Hotel aus und machten uns – ganz Backpacker-like – auf ins Park Hotel. Gleich neben dem Park, mitten im armenischen Viertel gelegen, wirklich schön. Zur Feier, dass wir diesen Höllenverkehr ohne Schaden überlebten, gingen wir noch essen.

Sehr exotisch, auch in einem angeblich armenischen Lokal: Einmal Kebab mit Trüffeln und einmal Kebab mit Kirschsoße und dazu zwei lokale Bier (komischerweise in zwei unterschiedlichen Flaschen).

Den nächsten Tag habe ich dann im Bett verbracht. Ich hatte alles, was man nicht haben will: die Kotz****, die Sch*******, Kreislaufprobleme und gegen Nachmittag auch Fieber. Von Aleppo sah ich leider nichts außer dem Hotelzimmer…

[Jörg:] Deshalb musste ich Anjas Part mit übernehmen und Sight-Seeing für zwei machen. Ich machte mich also von unserem Hotel auf zum Suq-Viertel, schaute mir unter anderem die Tuta-Moschee (die älteste Allepos), die Madrasa Muqaddimiya (älteste Koranschule Allepos), Bab Qinnasrin (einstige Haupttor der Stadtmauer römischen Ursprungs, wirklich imposant), manche schöne Khans (al-Djumruk (der ehemalige Zollkhan und spätere Herberge für das englische, französische und holländische Konsultat), al-Nahasin (im 19. Jahrhundert war hier das venezianische Konsulat, später bis 1980 das belgische), al-Wazir (früher Karawansereien), as-Sabun (früherer Seifen-Suq)) und vieles mehr an. Von den kleinen Abstechern rechts und links ging es dann aber immer wieder zurück auf die Suq-Hauptstraße. Auf dem Suq konnte ich mich als Touri gefühlt viel freier bewegen als im Istanbuler Basar, weil man weniger angesprochen und in Läden „gezwängt” wird, aber je näher man zur Zitadelle kam, desto häufiger wurde genau dies versucht – ist vielleicht das Ende mit größerer Touri-Dichte.

Die Zitadelle selbst ist enorm! Auch wenn außer dem Eingangsportal und den Außenmauern nicht mehr so viel steht (abgesehen von der großen und der Ibrahim-Moschee, den Resten des Theaters und des ehemaligen ayyubidischen Palastes (mit dem gut erhaltenden Hammam) und natürlich dem Thronsaal), so sieht man ihr einfach immer noch an, wie sich alle Feinde (unter anderem die Kreuzritter) hier die Zähne ausgebissen haben müssen. Und das nach 2,5 Jahrtausenden! Gut, erst seit dem 12. Jahrhundert soll die Zitadelle so aussehen, wie sie sich heute präsentiert, aber die erste Schutzburg an dem Ort stammt aus dem 4. Jahrhundert v. C.

Auf dem Rückweg bin ich dann noch an der Umayyaden-Moschee vorbeigelaufen. Da ich aber nun bereits vier Stunden unterwegs war, wollte ich Anja nicht länger warten lassen und es blieb bei einer Außenvisite.

Aleppo

Erste Station in Syrien

Am 2. Juni nahmen wir Abschied von Aleppo und schickten uns selbst in die Wüste. Wir endeten bei der Burg Qala’at Djabr bei ath-Thaura, wo wir das erste Mal frei campten.

Am Morgen hatten wir noch das erste Mal in Syrien getankt, für 0,20 Lira (1 Euro = 66 Lira derzeit) und hatten da zum ersten Mal ne Schrecksekunde. Der „Auftanker” holte für unseren Zusatztank auf einmal den Tankrüssel für „Super” heraus. Ich hörte von drinnen nur Jörg und den Mann sprechen „Diesel!” – „Diesel.” – „Super?!” – „Diesel!”. Wir werden sehen, was wir wirklich im Tank haben. Da es dasselbe gekostet hat, hoffen wir, dass es doch Diesel war.

Eine öde Fahrt durch die Pampa folgte, bis wir in ath-Thaura ankamen. Dort wurden uns an einer Polizeisperre zunächst die Pässe abgenommen und wir wurden gefragt, woher wir kommen, wohin wir noch fahren, … Nach dem Verhörle (und der Rückgabe der Pässe) ging es weiter, bis zur Burg, wo uns dieselben Fragen gestellt wurden, diesmal von der Tourismus Polizei.

Dort standen wir aber vor verschlossener Tür. Mit Händen, Füßen, Sprachführer und dem „Ohne Wörter”-Lexikon erfuhren wir, dass heute zu ist und wir morgen wiederkommen sollen. So, und da stehen wir nun, direkt am Asad-Stausee im Schatten der Burg und schauen auf das türkisblaue Wasser des aufgestauten Euphrats, in dem Jörg geschnorchelt ist und ich gebadet habe.

Qala'at Djabr beim Asad Stausee

Qala'at Djabr beim Asad Stausee

Morgen geht’s dann weiter nach Palmyra.

 

 

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