Archive for the Category ◊ Türkei ◊

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• Sonntag, Mai 31st, 2009

Anfangs fragten wir uns noch, ob wir nur eine oder gleich zwei Nächte im Kaya Camping gastieren wollen – geblieben sind wir dann drei. Es war einfach zu schön auf diesem Platz: tolle Leute, sehr herzlicher Betreiber (Yaşa), ab dem zweiten Tag hatten wir einen Platz in der ersten Reihe mit freiem Blick auf das Meskindir Tal sowie … warme Duschen zu jeder Tages- und Nachtzeit – zumindest immer dann, wenn wir duschen wollten!

Nach der ersten Übernachtung haben wir den jungen Morgen erstmal mit einem ausgiebigen und langen Frühstück begrüßt und uns dann gegen Mittag auf eine kleine Wanderung durch das Meskindir Tal gemacht. Wobei „klein” relativ ist – es waren dann doch lockere 16 km. Für die untrainierten Wanderer von uns – also wir beide – durchaus keine Alltagsstrecke zumal es mehrmals von 1000 Höhenmeter auf 1200 ging und wieder runter und wieder hoch und wieder … Dafür wurden wir entlohnt mit einem touristisch wenig erschlossenen Tal und umso interessanteren Felsenkirchen. Dennoch waren wir froh nach Göremes Nachbarort Cavusin einen jungen Türken mit Pferdekarren wieder zu treffen, er hatte uns zuvor mehrmals passiert, der uns ein „Horse Taxi” anbot – da springen wir doch gerne auf. Er konnte uns zwar nur zu der für uns falschen Einfahrt von Göreme bringen – er nahm uns zwar zwei Kilometer mit, doch brachte uns faktisch leider nur einen näher -, aber nach der Strecke waren wir für jeden ersparten Schritt dankbar. Leider haben wir dann erst hinterher gesehen, dass es auf der Strecke auch Caches gegeben hätte.

Goereme_Wanderung

Wanderung durch das wunderschöne Kappadokien

 

 

Nachdem wir das Göreme Freiluftmuseum tagszuvor nicht mehr geschafft hatten, wollten wir es eigentlich tagsdrauf in Angriff nehmen. Doch selbst ein Spiegeleier-Frühstück versetzte uns nicht in die Lage und Motivation heute mehr zu laufen als notwendig. Deshalb taten wir stattdessen das, was eh längst überfällig war: Wir setzten unseren Ausbau fort. Es wurden überlange Schraubenenden abgesägt, die Mittelkonsole fertig geschraubt, die Klappe zu unserem Gaskocher endlich gebohrt und mit einer Schraube arretiert etc.

Am nächsten Morgen hieß es dann um 5 Uhr aufstehen, da wir uns etwas ganz besonderes gegönnt haben: eine Ballonfahrt über Kappadokien. Es war eine tolle Erfahrung! Die Bilder sprechen wohl für sich:

Ballonfahren

Hoch über Kappadokien

Anschließend sind wir über Mustafapaşa in einem Rutsch runter bis nach Adana und von dort weiter nach Yumurtalik, wo wir in der Küçük Aile Pansyon übernachteten. Es gab sogar deutsches Fernsehen, einen Sender ARD, aber ich war nach der kurzen Nacht und dem langen Ritt so kaputt, ich habe nur die erste Halbzeit vom Pokalendspiel geschafft…

Heute morgen steht in der Türkei dann nur noch der Weg über Issos (ihr wisst schon „Drei-drei-drei bei Issos Keilerei”) nach Iskenderun (kennt man auch, ist nach einem Kebab benannt…), nach Kirikhan, bei dem ich ständig Kirkuk auf den Lippen habe (aber dann hätten wir uns doch ordentlich verfranst) und dann an die syrische Grenze an.

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• Mittwoch, Mai 27th, 2009

Von Kizilot aus sind wir wieder ein Stückchen zurück Richtung Manavgat gefahren, um von dort aus Richtung Konya abzubiegen. Von da an ging es stetig bergauf, bis auf 1800m, quer durch das Taurus-Gebirge. Die Landschaft bot diesmal ein Bild – und Temperaturen – die wir gar nicht mehr gewohnt waren.

Aussicht auf 1800m

Aussicht auf 1800m

In Konya haben wir uns die Mevlana Moschee (bekannt vor allem durch die tanzenden Derwische des Mevlevi Ordens) angesehen, zu der wir fanden wie das Huhn zum Korn. Irgendwie sind wir durch die Stadt gefahren, haben einen kostenlosen Parkplatz gefunden und sind dann auch noch zum Hintereingang reingekommen. Dass wir uns den Eintritt dadurch gespart haben, hatte uns besonders gefreut, denn die Moschee hatte zwar manches zu bieten, aber mittlerweile sind wir auch anspruchsvolle Konsumenten. Entsprechend wäre auch der reguläre Eintritt gewesen: 2 TL (~ 1 Euro).

Mevlana Museum

Mevlana Museum

Nächster Stop war Sultanhani, eine Stadt der Teppichknüpfer. Auf der Strasse am Ortseingang lagen lauter Teppiche auf dem Boden, was wie wir später erfuhren, ausschließlich zum Testen der Qualität und der Farben der Teppiche diente. Unser Campingplatz im Ort, „Kerwan Camping“, bot aber noch einige Überraschungen. Wir waren (leider) die Einzigen auf dem Platz… Der Platz war sauber und die Leute, die den Platz leiten, sehr nett. Aus Mangel an Alternativen, aßen wir dort zu Abend und lernten dort gleich den Bürgermeister kennen. Es gab anscheinend irgendwelche wichtigen politischen Fragen, die unbedingt mit dem Vize-Bürgermeister und dem Camping-Wirt besprochen werden mussten. Wir waren live dabei. :-) Da in der Türkei alles mit mindestens einem Raki begossen wird, war unser Wirt schnell recht betrunken. Als der Bürgermeister und sein Kompagnon gingen und die Zunge locker war, ging es bei uns weiter. Wir waren schnell die besten Freunde… Uns wurde schnell erzählt, dass er neben seiner Frau noch eine weitere, natürlich junge und bildhübsche Freundin hat, aber gemessen daran, dass uns auch mitgeteilt wurde, dass der Platz von heute auf morgen von Null auf hundert ausgebucht sein wird – wir hatten nämlich Glück, für morgen gab es hundert Buchungen aus Holland und Deutschland –, wird dies Geständnis ein wenig relativiert. Nach weiteren Geschichten wurde uns vom Sohn noch die Teppichsammlung nahe gelegt – ja, wir können auch kaufen und nach Hause schicken lassen, wenn wir keinen Platz im Auto haben – und ein Freund angerufen, der uns in Form einer Ein-Mann-Band mehrere Ständchen sang. Zum Glück mussten wir nicht auch noch tanzen oder mitsingen. Da wir nicht wussten, was noch alles auf uns wartet, wenn wir hier nicht Stopp machen, verabschiedeten wir uns nach einigen Liedern und ließen die zwei Männer (Sänger und unseren neuen besten Freund) zurück. Wie wir am nächsten Morgen beim Frühstück im Kreise der Familie erfuhren, waren die beiden noch die halbe Nacht in einer Kneipe und haben den bereits getrunkenen Rakis noch weitere folgen lassen.

Durch das Familien-Frühstück kamen wir unerwartet früh los und fuhren unsere Route nach Kappadokien fort. Unser erster Halt kam an der Ihlara Schlucht. Der „Grand Canyon der Türkei“ ist ein wunderschönes und noch weitgehend ursprünglich belassenes Tal mit einigen Felsenkirchen und einem schönen Wanderweg. 328 Stufen fuhren hinab und wieder hinauf – gutes Training für den Po. ;-) Der Weg im Tal führte über und unter Felsen und zeigte Kirchen aus dem 7. und 8. Jahrhundert mit noch zum Teil gut erhaltenen Fresken.

Nach dieser schweißtreibenden Wanderung fuhren wir Derinkuyu an. Highlight dieses Dorfes: eine unterirdische Stadt. Bei dieser Touristenattraktion bewahrte uns der Bertelsmann Club vor der uninformierten Besichtigung, heißt: wir schlossen uns auch hier wieder einer deutschen Führung an. Da die Gänge und Schächte durch die Stadt so eng waren und die Gruppe sowieso relativ versprengt war, fiel das auch diesmal nicht weiter auf. Die unterirdische Stadt ist wahrscheinlich eine der faszinierendsten Sehenswürdigkeiten Kappadokiens. In acht unterirdischen Stockwerken, die als Wohn-, Versammlungs- und Lagerräume dienten (es gab sogar einen Kerker…), lebten im 7. Jh. die Menschen. Belüftungsschächte führten dazu, dass es dort unten immer ca. 7 – 8°C herrschen. Aus kleinen Räumchen konnten Mühlsteine in die Gänge gerollt werden, sodass kein Eindringling mehr Zugang zu den Räumen hatte.

Nach Derinkuyu sind wir allerdings direkt zum Campingplatz in Göreme (Kaya Camping) gefahren, da es schon relativ spät war. Kaum hatten wir dort unsere Camping Möbel ausgepackt und das Kochen begonnen, „wurden wir schon wieder kennengelernt“. Martin und Monika, unterwegs mit ihrem MAN mit Wohnkabine, sind ebenfalls auf einer Reise durch die Türkei und genauso interessiert an Offroad-Fahrzeugen mit Schlafgelegenheit wie wir. Die beiden hatten mit ihrem Auto – oder kann man da schon LKW sagen? – allerdings schon einige Reisen hinter sich. Einblick erhielten wir am nächsten Abend mittels ihrem so genannten „Mäusekino“: Diashow faszinierender Bilder auf dem Rechner.

 

 

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• Montag, Mai 25th, 2009

Die Fahrt nach Antalya führte uns zunächst hinter Ölüdeniz in eine Dead End Street an der Steilküste. Unnötig, aber schön die Strecke heute morgen gefahren zu sein. Steilküste, türkisblaues Meer und dazu strahlender Sonnenhimmel sieht man in der Schönheit wohl nicht so oft. Der zweite Anlauf, der richtige, ging dafür durch die Hochebene der 2000 bis 3000 Meter hohen Berge hinter der Lykischen Küste. Eindeutig die bessere Wahl zu der Küstenstraße, an der man außer Hotelburgen vermutlich nichts gesehen hätte. Wir sahen versteinerte Dünen, verschneite Berge und eine sehr abwechslungsreiche Landschaft.

Hochland Richtung Antalya

Hochland Richtung Antalya

In Antalya wollen wir zunächst einen Toyota-Händler suchen, da unsere Kupplung komische Geräusche macht.

[Jörg:] Aber gefunden haben die leider (oder glücklicherweise) nichts, da das Quietschen mittlerweile schon wieder verstummt war. Vielleicht ist Willi ein wenig wetterfühlig und der Regen und die hohe Luftfeuchtigkeit haben ihm genau so wenig gefallen wie uns.

Wir steuerten dann zunächst den Beypet Camping Platz bei Manavgat an, doch obwohl es bereits gegen sechs Uhr war, entschieden wir uns nach einem Blick in die sanitären Einrichtungen sofort zum Weiterfahren. Und das war auch gut so, denn so landeten wir bei dem von der Schweizerin Verena geführten Nostalgie Camping in Kizilot. Ein richtiges Kleinod! Wären wir nicht erst bis gestern im Sugar Beach Club eine ganze Woche an einem Ort geblieben, hier würden wir es durchaus länger aushalten. Vorzügliches Essen – Anja hat ein Käse-Rösti, ich Käsespätzle, es gibt aber natürlich auch echte türkische Küche… ;-) – und einen schönen Sandstrand fast ganz für sich allein ohne jegliche Touri-Schwemme, dafür ist Antalya wohl doch schon zu weit weg, aber uns zieht es nun doch langsam nach Syrien und wir haben ja noch Kappadokien vor uns.


 

 

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• Montag, Mai 25th, 2009

Wir waren jetzt eine Woche in Ölüdeniz und warteten hier nicht auf schönes Wetter, aber auf Sascha unseren „Wohltäter“. Anfangs wollte ich nur nach Ölüdeniz, weil hier eines der schönsten Fluggebiete der Türkei ist und ich die Hoffnung hatte, da Luftikus gleichzeitig hier ist, vielleicht irgendwie dem Fliegen näher zu kommen. In welcher Weise auch immer.

Das Luftikus-Team hatten wir schnell gefunden und bei allen war die Neugier groß, was uns hierher in den Süden der Türkei verschlägt. Kaum sind wir hier, es hatte keine drei Tage gewartet, kam das schlechte Wetter. Jeden Tag derselbe Turnus: morgens sonnig, mittags bewölkt (vor allem die Berge), dann Gewitter oder nur Schauer, spät abends kein Regen mehr, auch die Nacht nicht. Für Flieger Mist, für uns okay, denn wir hatten uns schon ein Alternativprogramm gesucht.

[Jörg:] Ich muss gestehen, als wir in Ölüdeniz den Absturz eines Tandems aus 15 m Höhe mitbekommen haben – glücklicherweise nicht selbst gesehen, aber dennoch – war ich auch nicht so unglücklich, dass das Fliegen dank meist schlechten Flugwetters  ins Wasser fiel.

Jörg als erfahrenerer Taucher hatte mich dazu überredet, einen Schnuppertag zu machen, während er einen 3-tägigen Aufbaukurs gebucht hatte. Und so machte ich meine ersten Erfahrungen unter Wasser. Dabei ist das so gar nicht mein Element.

Zunächst begann eine Art Trockenprogramm. Die Schwierigkeit dabei: alles auf Englisch. War eigentlich kein Problem, denn die Tauchlehrer gaben sich wirklich Mühe. Später unter Wasser kann man sich sowieso nicht mehr unterhalten, dachte ich mir. Dann ging es zu den ersten Übungen unter Wasser und ca. 3 m runter. Für mein Ohr war das glaube ich das härteste Training. Der Druckausgleich war eher schwierig zu managen. Der zweite Tauchgang ging auf 6 m runter und war deutlich spannender. Wir fütterten Fische unter Wasser, sahen eine Moräne, nahmen Seeigel auf die Hand, spielten mit einem Seestern, und kitzelten einen kleinen Oktopus. Fürs erste Mal, fand ich das schon toll. Jörg erzählte mir am folgenden Tag von seinen Übungen für den Advanced Open Water Diver und die waren noch spannender. Für die Zeit jetzt wäre mir ein weiterer Kurs aber – trotz der immens vielen Zeit – doch zu viel gewesen.

tauchen_anja

[Jörg:] Ich wollte mich für den AOWD, den Advanced Open Water Diver, anmelden. Da ich in letzter Zeit jedoch eher weniger Tauchen war (also, in den letzten Jahren eigentlich gar…) wollte ich ganz gern eine Auffrischung und die auch in Deutsch, denn es sollte ja schließlich eine Auffrischung sein und nicht ein Neuerlernen in Englisch. Das sei alles auch kein Problem, sie hätten eine Aushilfe, Ahmet, der kann Deutsch und würde dolmetschen. Nun, hat natürlich nicht geklappt, aber das mit Auffrischung in Englisch war dann auch nicht dramatisch, zumal PADI ja nicht sooo viel wert auf Theorie (und sportliche Kondition) legt… ;-) (Für meinen Geschmack – auch wenn ja ich ja jetzt „dazu gehöre“ – nach wie vor eigentlich zu wenig, aber ich möchte hier jetzt nicht den bekannten Grabenkrieg eröffnen. Andrea, vielleicht könntest du mir noch mal erklären, weshalb reiner Sauerstoff ab einem gewissen Druck toxisch ist?)

Nach meinem Scuba-Tune-Up habe ich jedenfalls noch zwei Freitauchgänge gemacht und am nächsten Tag gleich meinen AOWD in Angriff genommen. Die Pflicht-Adventure-Dives und Underwater Navigation machte ich gleich zu Anfang und danach als dritten Tauchgang noch Search and Recovery.

Es ist wenig erstaunlich, dass Tauchen im warmen Urlaub eine ganz andere Welt zu sein scheint, als zu Haus in heimischen See. Umso erstaunlicher ist dann, wie es einen selbst immer wieder erstaunt: Tauchen in kristallklarem, warmen Wasser scheint ein ganz anderer Sport zu sein als in der kalten, dunklen Brühe zu Hause. Wir konnten hier haufenweise Seesterne und Oktopusse sehen, Kalmare, einen Schwarm Barakudas sowie Muränen, aber die Quadrat-Navigations-Übung beim Underwater Navigation Adventure Dive sind bei einer Sicht von 20m oder mehr andererseits schon eher ein No Brainer.

Am dritten Tag (dem zweiten AOWD-Tag) standen dann der Multilevel auf dem Plan und ursprünglich hatte ich als fünften notwendigen Adventure Dive vorgesehen: Peak Performance Buoyancy – sorry, ich kann jetzt nur die englischen Begriffe, da müsst ihr also durch… ;-) Da waren sich jedoch die Instructors einig: Das wären Perlen vor die Säue… Waren die bei Andi und Buckart im Hochschulsport erworbenen und mit Buddy Ben erlernten Fähigkeiten doch noch nicht gänzlich eingerostet. Also habe ich den Dry Suit Adventure Dive als Teil vom AOWD gemacht. Ja, liebe Tauchergemeinde, ihr habt richtig gelesen: Ich war mit einem Trocki in südägägischen Gewässer – wahrscheinlich der einzige… Da ich Streber aber schon die Theorie für den PPB Adventure Dive gemacht hatte, habe ich den kurzerhand auch noch gemacht – im Trocki, sonst kann das ja jeder… ;-)

Get the Flash Player to see the wordTube Media Player.

An den zwei weiten Tagen, an denen Jörg seinen Tauchkurs gemacht hatte, blieb ich mehr oder weniger auf dem Campingplatz. Und so ging ein Tag als der Faulste seit Beginn der Reise in die Geschichte ein. Ich döste ein bisschen im Dachzelt, las sehr viel, surfte immer mal wieder im Internet und schlug irgendwie die Zeit tot. Um ein bisschen Bewegung zu bekommen, lief ich in den Ort, um Markus, meinen Fliegerkollegen, zu treffen.

Der zweite Tag alleine lief ähnlich, allerdings ein bisschen aktiver. Zum Beispiel will ich  gemütlich im Auto sitzen und auf youtube surfen und was kommt da?

„Ankara 1. Sulh Ceza Mahkemesi’nin, 05.05.2008 tarih ve 2008/402 nolu KORUMA TEDBİRİ kapsamında bu internet sitesi (youtube.com) hakkında verdiği karar Telekomünikasyon İletişim Başkanlığı’nca uygulanmaktadır.

(The decision no 2008/402 dated 05.05.2008, which is given about this web site (youtube.com) within the context of protection measure, of Ankara 1. Sulh Ceza Mahkemesi has been implemented by “Telekomünikasyon İletişim Başkanlığı”.) http://www.tib.gov.tr | http://www.ihbarweb.org.tr“

Ich traute meinen Augen nicht, musste es aber wohl oder übel hinnehmen.

Dafür räumte und schraubte ich am Auto herum, las mal wieder und als Highlight des Tages stand Fußball auf dem Programm. Zusammen mit Markus und den Fliegern suchten wir einen Ort, der Bundesliga zeigte. Schließlich schauten wir dank Annelore im „Flieger-Hotel“ ziemlich alleine auf der Großbildleinwand. Wenn jetzt noch der VfB gewonnen hätte…

Schließlich kam am Samstagabend: Sascha, unser Wohltäter. Er brachte uns alles Mögliche aus Deutschland mit: Reiseführer, Kartenmaterial, Vollkornbrot. Und darf im Gegenzug einiges von unserem Gepäck wieder mitnehmen. Wir haben in den 5 Wochen bemerkt, dass wir einiges zu viel dabei haben.

[Jörg:] Wir konnten uns anfangs nicht auf eine häufige Waschfrequenz einigen. Deshalb hatten wir zunächst für deutlich mehr als zwei Wochen gepackt und sind nun fürs erste auf zehn Tage runter – ein Schritt in die richtige Richtung zu mehr Platz in Willi.

Das Highlight im Gepäck von Sascha sind allerdings unsere Pässe und unser Visum für Syrien. Damit steht einer Weiterfahrt nichts mehr im Wege.

Was ich am Anfang nicht geglaubt habe, ist am Ende doch wahr geworden. Die stressige Geschichte mit dem Syrien-Visum ist vorbei und zeitlich hat alles super gepasst. Die Bereitschaft von Sascha, nicht nur einen Haufen Papier mitzubringen, sondern bei diesem nervenraubenden Spiel mitzuspielen fand ich doch außergewöhnlich. Daher DANKE für die Hilfe. Auch an Markus, Jutta und Albi, auf die sich unser abgegebenes Gepäck verteilt. ;-)

sascha_anja_joerg

[Jörg:] Thomas, der Fahrrad-Reisenende, den wir im deutschen Konsultat in Istanbul getroffen haben, löst das Visa-Problem übrings selbst: Sein Fahrrad hat er in Ankara untergestellt und er trampt nun erstmal zurück nach Deutschland: Visum besorgen und Freunde besuchen, danach wird weitergereist. Und da wir gerade bei alten Bekannten sind: Markus, der Defender-Fahrer, den wir ebenfalls in Istanbul getroffen haben, hatte einen Lichtmaschinen-Schaden in Adana, der aber glücklicherweise behoben werden konnte und mittlerweile ist er bereits in Syrien – sozusagen für uns die Lage sondieren… ;-) In Syrien ist derzeit auch noch ein Freund von mir („Hallo, Stef!“), den wir sehr gern in Syrien getroffen hätten – nachdem wir uns in Deutschland nicht so häufig sehen, wie wir gerne wollen, ist Syrien ja die naheliegenste Lösung… ;-) – aber da wir durch unser Visum lange aufgehalten wurden, ist er uns immer ein paar Tage voraus und aus dem Besuch wird leider wahrscheinlich nichts werden.

Jetzt ist es schon Montag und wir fahren endlich weiter. Eine Woche Ölüdeniz reicht dann doch dicke. Wir hatten sehr entspannte Tage am Meer und haben die viele Zeit genossen. Wir haben so viel Zeit gehabt, dass wir nicht mal zum bloggen kamen ;-)

[Jörg:] Asche auf unser Haupt! Zu meiner Verteidigung kann ich anbringen, dass ich eben 3 Tage tauchen war und dann kam abends immer noch Tauch-Theorie lernen musste plus einen Extratag allein für die theoretische Auffrischung – was waren nochmals die Zeichen für Stickstoff-Übersättigung und ab wann ist damit zu rechnen, wie errechnet man nochmals die maximale Grundzeit für eine gegebene Tiefe, wenn es kein Deko-Tauchgang sein soll, wie ging nochmals der „Aufrödel“- und wie der Buddy-Check etc.

Hätten wir uns für unsere Visa-Wartezeit einen Camping-Platz schnitzen wollen, es wäre unser Sugar Beach Camping Platz gewesen (allerdings mit einer warmen Dusche – der Sugar Beach Camping Platz hat wie viele Camping-Plätze (und teilweise auch die Hotels!) nur Solar-erhitztes warmes Wasser, was ja prinzipiell eine tolle Sache ist, aber nach ein paar Tagen mit bedecktem Himmel und immer mal wieder Regen, wäre eine warme Dusche schon was Feines…) Für die Tauch-Theorie war das ja eh das beste Wetter.

Der Platz selbst war erfreulicherweise gar nicht so voll: Neben zwei türkischen Dauercampern, einer versprengten Gruppe Engländern (denen gehört eigentlich ganz Ölüdeniz) und uns war nur noch eine Schulklasse aus Sindelfingen auf Studienfahrt die ganze Zeit über dort. Andere kamen und gingen, wie etwa Wolfgang und seine Frau, die Mittelmeer-Inseln besichtigen und gerade auf dem Weg gen Zypern sind. Am besten muss es auf dem Platz noch Willi gefallen haben, denn er wurde bestaunt, bewundert, photographiert, sein Innenleben diskutiert und vieles mehr. Selbst wir mussten uns keine Mühe geben, irgendwen aktiv kennenzulernen.

Gestern Nachmittag kamen dann auf einmal innerhalb von 2 Stunden sieben Wohnmobile und Camping-Wagen – Zeit für uns zu fahren… Abends trafen wir uns noch mit Sascha, Jutta und Albi und heute geht es endlich weiter. Es wird nur noch gefrühstückt und ich lade gerade noch neues Ohr-Futter (Podcasts) auf unser Hung-Drive – wir haben es nach seinem Spender benannt. ;-) Nochmals: Vielen Dank, Hung!

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2 Responses

  1. Hi Jörg,

    hast Du auch einen Night-Dive gemacht?
    …das “Trocki”-Taucherlebnis im warmem Wasser kannst Du ja mit einem Tauchgang im Fernsteinsee mit dem “Halbtrockenen” ausgleichen :-))
    Da kommt Freude auf, insbesondere, wenn’s draußen schneit….
    Grüßle

    Heidi

  2. 2
    Joerg 

    Hallo Heidi,

    im Rahmen des AOWD habe ich keinen Nacht-TG gemacht, den habe ich dann in Aqaba nachgeholt. Fernsteinsee im Halbtrockenen kann ja jeder, ich nehm’ ‘n Shorti… ;-)

    Viele Grüße aus Alexandria,

    Jörg

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• Montag, Mai 18th, 2009

Von den Dardanellen führte uns der Weg an der Küste entlang Richtung Süden. Vor uns lagen (im wahrsten Sinne des Wortes) haufenweise Ausgrabungsstätten. Jeden Tag ein bis zwei, mehr haben wir nicht geschafft.

Wir begannen mit Troja, dem sagenumwobenen Städtchen mit dem Pferd. Das Pferd stand gleich zu Beginn der Grabungsstätte, ist allerdings allein für einen Hollywood Film gebaut worden. Die verschiedenen Steine, die vor langer Zeit mehrere Stadt-Phasen bildeten, waren jedoch echt. Wir schlossen uns unauffällig einer deutschen Führung an und bekamen so noch etwas mehr Hintergrundwissen mit, als auf den diversen Schautafeln stand.

[Jörg:] Troja vereint Gegensätzliches: Es ist gleichzeitig einmalig und mehrmalig. „Einmalig“ in der Hinsicht, dass dank Homer und Schliemann sein Name nur ehrfürchtig und würdevoll ausgesprochen werden kann; „mehrmalig“ andererseits in der Hinsicht, dass es tatsächlich mehr als ein Troja gibt: Troja I – Troja IX. Abgebrannt und zerstört wurde mehrmals ein neues Troja auf den Ruinen oder Grundresten des alten gebaut – abgesehen von Stadterweiterungen wie Troja III – V. Mich trieb dabei die ganze Zeit die Frage um, wann der deutsche Indiana Jones des 19. Jahrhunderts diese Nuss geknackt und das Puzzle zusammengefügt hatte. Da buddelt und pinselt man und durch Zufall muss man feststellen, dass was man gefunden hat, noch gar nicht das ist, was man gesucht hat, sondern darunter noch eine volle Schicht zu Tage tritt und darunter und darunter …

Nicht allein nur deshalb bin ich anderer Meinung als unserer Reiseführer: Es bietet bei Leibe nicht einen „enttäuschten Anblick“. Sicherlich bietet Troja weitaus weniger noch intakte Sehenswürdigkeiten, doch die Geschichtsträchtigkeit dieses Orts bietet jedem, der dafür empfänglich ist, weitaus mehr als „nur Ersatz“.

Troja

Ein Besuch beim hölzernen Pferd

Gleich im Anschluss an Troja fuhren wir durch die Troas nach Alexandria Troas. Als die Troas bezeichnet man die Landschaft südlich von Troja. Alexandria Troas ist eine weitere Ausgrabungsstätte, die allerdings noch nicht ganz fertig erschlossen ist. Ich musste das mit Flip Flops bekleidet schnell feststellen. Jörg hatte besseres Schuhwerk, jedoch keine Türkisch Kenntnisse. So hatte jeder was, was der andere nicht hatte. Trotzdem lief Jörg tapfer mit unserem „privaten“ Führer durchs hohe Gras über das ganze Gelände und ließ sich allerhand erklären.

[Jörg:] Bereits von außen sah man, dass hier wohl nicht viel zu sehen ist und die paar wenigen Reste waren zudem sehr zugewuchert. Da wir jedoch die einzigen waren (auch das Kassenhäuschen war nicht besetzt), wollten wir uns die Chance nicht nehmen lassen, mal selbst Archäologe zu spielen. Doch unsere Namen werden wohl leider nicht in die Geschichtsbücher eingehen: Schon am Eingang stoppte uns ein Schild, dass wegen Ausgrabungen das Betreten verboten sei.

Als wir gerade auf dem Absatz kehrt machten, brauste ein Motorrad heran. Ein Mann stieg ab, schloss das Tor auf, drückte uns eine kleine Skizze in die Hand und trabte voran. Viel zu sehen gab es halt wirklich nicht oder es ist noch nicht alles freigelegt, sondern noch unter einer großen Schicht Erde, Gestrüpp und Disteln begraben. Auf solche „Unwege“ bei einer touristischen Sehenswürdigkeit waren wir nicht vorbereitet, wodurch wir Anja recht schnell „verloren“. Unser Führer kämpfte sich jedoch tapfer in brütender Hitze in seiner Motorradkombi durch die Ruinen und da wollte ich natürlich weder unhöflich sein noch weich erscheinen. Die paar Brennnesseln…

Der Tag endete spät aber schön auf einem idyllischen Campingplatz am Meer, zum ersten Mal wieder mit holländischer und deutscher Besetzung. ;-)

Danach fuhren wir direkt nach Bergama, eine tolle, riesige Ausgrabungsstätte. Als wir ankamen brannte die Sonne erbarmungslos. Trotzdem schauten wir uns auch hier jede Kleinigkeit an, Jörg sogar noch mehr …

[Jörg:] Rrrrichtig! Ich bin noch das Theater runter und von dort der Stadtgrabung entlang bis zum „Bau Z“ und dem oberen Gymnasion der Unterstadt. Die Mosaiken im Bau Z können mittlerweile besichtigt werden – sollte eurer (diesbezüglich dann ggf. veralteter) Reiseführer etwas anderes sagen (wie unserer)… Ich wollte Anja nicht ewig warten lassen und bin die Unterstadt nicht weiter runter – zudem muss ja alles was runter gestiegen wird auch wieder hoch erklommen werden –, dennoch hat es gereicht, dass ich einen ordentlichen Sonnenbrand auf den Waden (!) bekam. Auf dem Rückweg gab es oben auf dem Parkplatz noch eine kleine Überraschung: 4 parkende Defender mit Afrika-Aufklebern! Da bin ich doch gleich mal zu einem der Fahrer hin, der das machte, wobei man Defender-Fahrer häufiger beobachten kann: reparieren. ;-) Die Jungs kommen aus der Slowakei und waren aber leider schon letztes Jahr in Afrika (Nord-West-Afrika) unterwegs. Dieses Jahr ist lediglich Albanien und die Türkei dran.

Bergama

Historische Stätte hoch oben auf dem Berg

Nach der Besichtigung fuhren wir ein langes Stück zu einem Campingplatz direkt bei Ephesus, damit wir es zur nächsten Ausgrabungsstätte nicht mehr ganz so weit hatten. Der Campingplatz „Dereli Camping“ lag ebenso idyllisch am Meer und bot uns einen schönen, ebenen Platz unter Bäumen.

Mit Ephesus waren wir schon fast am Ende unserer Besichtigungsreise. Früh morgens waren wir da, trotzdem war es wahnsinnig heiß und voller Touristen aus aller Herren Länder. Den Tip von Chris, uns am Eingang einen Führer zu holen, hatten wir zwar im Kopf, jedoch scheiterte es an der Umsetzung. Vermutlich waren wir auf dem falschen Parkplatz, denn wir sahen keinen, der sich uns als Führer anbot. Wir bereuten es jedoch auch, denn unser Reiseführer gibt dann doch nicht genug her, um den Besuch von Ephesus richtig spannend zu machen. Wir versuchten es auch hier damit, uns einer deutschen Gruppe anzuschließen, aber aufgrund deren extrem langsamen Tempos gaben wir bald auf.

Ephesus

Heißer Tag in Ephesus

Die nächste und letzte Ausgrabungsstätte war Milet. Leider bot Milet nicht so viel, wie es hätte können. Das Theater ist noch gut erhalten und auch das kleine byzantinische Kastell lässt sich einfach anschauen, dann wird es jedoch schwierig. Beim Abstieg von dem Kastell zum ehemaligen Delphinion und zur Agora blieb mir kurz das Herz stehen, als ich ein lautes Zischen hörte und dabei gleich an eine Schlange dachte. Und sie war tatsächlich da. Gleich zwei Stück, die ich allerdings nicht zuordnen konnte. Vielleicht habt Ihr ja einen Tipp. Das weitere Ausgrabungsgelände ist schwer zu erreichen. Entweder überwuchert mit Gras, Frühlingsblumen oder Disteln oder überflutet mit tümpelählichem Wasser. Zum Teil standen Schautafeln mitten im Wasser. Wir haben uns schon gefragt, ob man hier ernsthaft erwartet, dass wir da hintauchen, um das zu lesen. Ein Glück hab ich ein gutes Objektiv, dass uns die Schilder ein wenig „näher bringt“. Dann begann das echte Abenteuer: klettern über antike Steine und einen Weg finden. Als es nicht mehr weiter ging und wir hätten schwimmen müssen, gaben wir auf und sind auf den normalen Weg zurückgekraxelt. Eigentlich wirklich schade, dass diese schöne Grabungsstätte derart vernachlässigt wird. Gegen das Wasser kann man wahrscheinlich nicht viel ausrichten, aber zumindest hätten Wege besser ausgeschildert werden können und Rasen mähen würde auch nicht schaden.

[Jörg:] Alles richtig und dennoch bleibt die ehemalige Wirkungsstädte von Thales, Anaximander, Anaximenes und vielen weiteren mein Favorit. Schon auf dem Weg von den Dardanellen die Ägäis runter habe ich Anja mit mehrmaligem Hören eines Hörbuchs über die   Vorsokratiker gequält. Troja mag die größere historische Bedeutung haben, Ephesus deutlich besser erhalten sein, aber den Genius loci habe ich nur in Milet gespürt. Man fragt sich unweigerlich, wo die Genannten vor ca. 2500 Jahren mit ihren Schülern philosophische Fragen erörterten und damit die abendländische Philosophie mitbegründeten, etwa im Schatten dieser Säulen, unter dem Bogen dieses Eingangs oder in jener Nische des Theaters.

Anjas geschilderten Eindruck haben wir bei diversen Stätten erfahren; mehr als nur bei jenen, die wir besucht haben, man sah es teilweise schon beim Vorbeifahren. Teilweise scheinen die Stätten wie Dornröschen darauf zu warten, aus ihrem Schlaf geweckt zu werden, teilweise wirken sie auf einen wie ungeliebte Kinder, um die sich einfach keiner kümmert.

Milet

Vergessene Ausgrabungsstätte

Übernachtet hatten wir diesmal auf einem Disco-Campingplatz in der Partystadt Bodrum.

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• Donnerstag, Mai 14th, 2009

Nachdem Ali für uns kein Zweibett-Zimmer für unsere verbleibenden Tage in Istanbul mehr frei hatte, mussten wir uns erneut auf die Suche machen und klapperten ein Hostel nach dem anderen ab. Wir haben bei etlichen vergeblich an die Tür geklopft – wer hätte gedacht, dass Istanbul bereits im Mai derart gefragt ist –, aber wir sind dann im Nayla Hotel noch fündig geworden. Durch ein wenig Verhandeln hatten wir nachher sogar ein Dreibett-Zimmer für uns allein mit eigener Dusche (und eigenen Fenstern!) für weniger Lira pro Nacht als wir bei Ali zahlten. Dafür mit weniger Backpacker-Atmosphäre, aber mit freiem Parkplatz vor der Tür und Frühstück auf der Dachterrasse mit Blick auf den Bosporus – auch nicht sooo übel.

Wir hatten uns dort für fünf weitere Tage eingemietet und sind Istanbul auf seinen byzantinischen, römischen und osmanischen Spuren gefolgt. Wir sind zur Grabstätte Mohammeds Freund und Bannerträger in der Eyüp-Moschee gepilgert, am Nabel der Welt in der Hagia Sofia gestanden, haben das Goldene Horn bis zum Ende bereist und uns im Cafe Pierre Loti mit Eis und Cay belohnt. Haben den Galata-Turm erklommen, die Chora-Klosterkirche, die Landmauer und die Blaue Moschee bestaunt und das Hippodrom gesucht, um irgendwann zu merken, dass wir bereits draufstanden und vieles mehr… Dazwischen haben wir ’s uns bei Kaffee oder Cay immer wieder gut gehen lassen und von den zurückliegenden und den zukünftigen Strapazen und den angeschwollenen Füssen erholt.

Nachdem wir nun sehr lange (zunächst wetter-, dann Kirchenburgenbesichtigungs-, dann wieder wetter- und nun Istanbul-bedingt) nicht mehr gecampt haben, sind wir aus diesem Trott fast ein wenig raus – tagsüber einkaufen, damit man abends etwas zu essen hat, möglichst bis 16 Uhr einen Campingplatz gefunden haben, dafür am besten nicht erst gegen 11 Uhr aufbrechen etc. Doch da werden wir auch genauso schnell wieder reinkommen.

Nun sind wir bereits bei auf der Halbinsel Gallopoli bei den Dardanellen, wo ein Offizier namens Mustafa Kemal seinen Leuten im Ersten Weltkrieg befahl: „Ich befehle euch, nicht anzugreifen, ich befehle euch zu sterben. In der Zeit, die wir zum Sterben brauchen, werden andere Truppen und Befehlshaber kommen, um unseren Platz einzunehmen.“ Sein Regiment wurde vernichtend geschlagen, aber die Stellung konnte gehalten werden und die australischen und neuseeländischen Truppen gestoppt werden. Der befehlende Offizier ist nicht gestorben, formte später die „moderne Türkei“ und wurde unter dem ihm verliehenen Beinamen Atatürk weltberühmt.

Hier haben wir in der Nähe von Ecebat im Gelibolu National Park einen idyllischen Camping-Platz gefunden, wo ich das erste Mal auf unserer Reise den salzigen Geschmack des Meeres auf meinen Lippen spüren konnte.

dardanellen_1

Die nächsten geplanten Stopps unserer Reise versetzen mich zurück ins Philosophische Seminar bzw. in den Geschichtsunterricht in der Schule: Troja, Assos, Pergamon, Ephesos, Priene, Milet, …

 

 

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One Response

  1. 1
    Chris Riener 

    Tolle Berichte!!

    Macht richtig Spass immer wieder neues zu Lesen.
    Für Ephesos empfehle ich Euch, dass Ihr Euch einen der am Eingang herumstehenden Führer nehmt. Die meisten verstehen es hervorragend, die geschichtlichen Fakten rund um Ephesos mit touristentauglichen Schmankerl’n vielleicht etwas kreativ aufzupeppen. Olga und ich haben’s letztes Jahr – in guter schwäbischer Tradition – nicht gemacht und später dann bereut.

    Liebe Grüsse aus’m Ländle

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• Freitag, Mai 08th, 2009
... im Java Cafe bei uns um die Ecke

Anja und ich im Java Cafe ...

Während ich diese Zeilen schreibe, wird draußen gerade erneut zum Gebet aufgerufen. Wir sind mitten in Sultanahmet untergekommen, der Altstadt in Istanbul, zwischen dem Topkapi Palast und der Blauen Moschee. In unmittelbarer Nähe sind weitere Moscheen, so dass gerade die Rufe verschiedener Muezzine durch die engen Gassen der Altstadt hallen. Bevor wir gleich mit Markus und Isabel Essen wollen, hat Anja sich noch ein wenig hingelegt und ich starte, die letzten Tage zusammenzufassen.

Vor nun 4 Tagen sind wir von Constanta Richtung Istanbul aufgebrochen. Anfänglich haben wir noch überlegt, ob wir in einem Rutsch nach Istanbul kommen, da wir aber auch für Istanbul nichts Festes im Voraus gebucht hatten, andererseits aber wussten, dass wir möglichst zentral unterkommen wollten, entschlossen wir uns schnell noch einen Zwischenstopp in Bulgarien zu machen.

... bei unserem Hotel um die Ecke

... bei unserem Hotel um die Ecke

Nach der Schlechtwetter-Durststrecke der vergangenen Tage und dem nun langsam wieder sommerlich werdenden Wetter, stand eins fest: „Wir wollen campen!“

Bestens informiert, dank Internet-Recherche und zweier Bulgarien-Karten mit eingezeichneten Camping-Plätzen, zogen wir los. Der Grenzübergang nach Bulgarien verlief unspektakulär, doch die Straßen wurden spürbar schlechter und enthielten ordentliche „Männer-Schlaglöcher“. So schlimm, dass es wirklich „interessante“ Streckenabschnitte auf den regulären Hauptstraßen gäbe, sind die Straßen allerdings nicht – auf diese Abschnitte, wo sich unser Willi zu Hause fühlt, kamen wir nur, wenn wir uns verfransten oder „abkürzen“ wollten…

Zwischen Vama und Sozopol wollten wir nach einem Campingplatz schauen, doch das Spiel ging leider 3:0 gegen uns aus: Der erste Camping-Platz, in der Karte schön im Wald abseits der Straße gelegen, sah eher wie ein verlassenes Holzfäller-Camp – allerdings von sibirischen Holzfällern, die nicht freiwillig dieser Profession nachgingen… Also weiter zu Camping-Platz Nummer 2 unserer Karte. Den haben wir auch sofort gefunden, unsere Karten erwiesen sich also glücklicherweise als recht genau. Allerdings sah Nummer 2 irgendwie „explodiert“ aus. Wir hielten uns nicht lange mit einer näheren forensisch-archäologischen Spurenanalyse auf, sondern machten uns auf zu unserer Nummer 3. Auch hier: Camping-Platz gemäß Karte gefunden, aber auch in sich zusammengefallen… Die Straße lag oberhalb von dem ehemaligen Camping-Platz und im Vorbeifahren sah man das in sich langsam zusammenfallende ehemalige Sanitärhäuschen. Da das Dach schon zusammengebrochen war, konnte man von oben die einzelnen Duschkabinen sehen. Das sah nicht nach kleineren Renovierungsarbeiten vor Saisonbeginn aus, unsere Karten waren somit zwar glücklicherweise genau, aber bedauerlicherweise nicht aktuell.

Mittlerweile war ’s auch schon wieder halb fünf und da wir nicht so spät suchen wollten und auch schon wieder Wolken aufzogen … Nun ja, wir endeten jedenfalls in einer schönen Pension in Byala. Auch hier waren wir die einzigen Gäste, was den sehr schönen Nebeneffekt hatte, dass wir das „Studio“ zum Abendessen nutzen durften. Ein Angebot, das wir dank der großen Terrasse mit Meerblick des Studios alles andere als widerwillig annahmen.

So unspektakulär die Einreise war, so interessant war dann der Grenzübertritt von Rumänien in die Türkei. In Rumänien waren insgesamt drei Häuschen anzufahren: Der erste wollte die Pässe und den Kfz-Schein sehen. Direkt angeschlossen war ein Häuschen zum Begleichen von „Steuern und Staatsgebühren“ oder so ähnlich (im Sinne von Ordnungswidrigkeiten), da dachten wir schon, die erheben nun nachträglich eine fadenscheinige Durchfahrtssteuer (wohlmöglich sogar Hubraumabhängig – na, dann Mahlzeit…), aber das Häuschen war nicht besetzt und so verlangte hier auch keiner eine derartige Phantomsteuer. Dafür bekamen wir aber beim ersten Häuschen noch einen USB-Stick in die Hand gedrückt. Wir verstanden irgendetwas von „200 Leva“ (bulgarische Währung) und sollten weiterfahren. Beim nächsten Häuschen verlangte die Polizei erneut die Pässe und der Kfz-Schein, die Zollbeamtin fragte lediglich, ob wir etwas zu verzollen hätten und war mit unserer Verneinung zufrieden. Den Polizisten sahen wir dann recht lange nicht wieder, als er aber zurückkam, verlangte er weder 200 Leva, noch wollte er denn USB-Stick haben. Also weiter zum nächsten Häuschen: Hier wollte man nur noch den Stick und den Kfz-Schein, und wir durften ausreisen. Die 200 Leva waren kein Thema mehr und das Interesse unsererseits, zu klären, ob wir nicht doch noch etwas zu bezahlen hätten, hielt sich verständlicherweise in Grenzen.

In der Türkei gab es auch drei Häuser, aber sogar mit fünf Stationen. Beim ersten Häuschen wollte man kurz alle Papiere sehen und es gab eine unverständliche Einweisung, wie die Prozedur abläuft. Glücklicherweise wurde die von einem nicht sonderlich motivierten Zöllner vor dem zweiten Häuschen nochmals wiederholt: „1. Police, 2. Customs, 3. Car Control“. Polizei ging schnell, Zoll auch und Willi wurde in meinem Pass vermerkt. Die abschließende Autokontrolle fiel kurzerhand aus, nachdem wir dem Zöllner versicherten, dass wir nicht schmuggeln würden, und er sich beim Filzen des vorherigen Wagens wohl bereits sichtlich verausgabt hatte. Beim letzten Häuschen wurde nur noch kontrolliert, ob alle Stempel in den Pässen sind, nicht dass jemand die Prozedur gänzlich unprotokollarisch abgekürzt hätte.

Der erste Eindruck von der Türkei: Keine Schlaglöcher mehr! Die Straße war abschnittsweise noch im Bau, aber was bereits fertig war, bedurfte aus Angst um Reifen und Achsen keiner abrupten Lenkbewegungen.

Gemäß unserer Maxime, Karten am besten jeweils vor Ort zu besorgen, weil sie dort am aktuellsten und am leichtesten zu erhalten sind, machten wir uns auf die Suche nach einer Straßenkarte der Türkei (nicht über 1:1.500.000, lieber deutlich drunter) und einer detaillierteren von Istanbul. Nachdem Anja zweimal vergebens bei Tankstellen rausgehüpft ist, habe ich beim dritten Mal den Versuch gewagt. Immerhin hatte diese nicht nur einen gut sortierten angeschlossenen „Market“ wie die anderen, sondern sogar einen „Full Market“. Die freundliche Angestellte sprach natürlich weder englisch noch deutsch. Wie also erklären, was ich suche? Nachdem es mit Händen und Füssen nicht klappte, kramte sie Zettel und Stift hervor. Ich schrieb „MAP“ und „KARTE“, blickte aber leider in kein verstehendes Gesicht, freundlich zwar, aber nicht verstehend. Dann malte ich zwei kleine Kreise, schrieb unter den einen „EDIRNE“ und unter den anderen „ISTANBUL“ und verband beide Kreise. „Ahhh, atlasi!“ Na, also, geht doch. Wir hatten uns zwar nun darüber verständigt, was ich haben wollte, doch anbieten konnte sie mir diesbezüglich leider nichts. Nun schaltete sich auch ein sehr hilfsbereiter Türke ein, der dolmetschen konnte. Er erklärte der Frau, was sie mittlerweile begriffen hatte, und sagte mir, was ich schon wusste, aber er erklärte mir den Weg nach Istanbul. Den wusste ich zwar auch schon, da er sich aber so bemühte, hätte ich es als sehr unhöflich empfunden, ihn zu unterbrechen und so dauerte es noch ein Weilchen.

Wir wollten nicht zu spät in Istanbul ankommen und so entschieden wir uns zunächst für die mautpflichtige Autobahn. Kurz vor Istanbul fuhren wir dann jedoch auf die Landstraße 100 ab, um Istanbul nicht von Nordwesten, sondern von Südwesten anzufahren. Während die Autobahn nahezu leer war, wird die vierspurige Landstraße gern auch durchgängig sechsspurig befahren, so hat man ja immer noch Platz zu allen Seiten, sollte es mal wirklich voll werden und man noch mehr Spuren erschaffen muss.

Da auch unser dritter und letzter Versuch eine Karte zu bekommen vergebens war (auf der Autobahn selbst gab es auf dem Abschnitt, auf dem wir gefahren sind, gar keine Tankstelle), mussten wir Istanbul im Blindflug erfahren. Da Anja und ich beide schon mal hier waren, brauchten wir ja nur die Straße zwischen Sultanahmet und dem Marmara-Meer finden, dann könnten wir uns orientieren und von unserem Guest House, das wir anfuhren, hatten wir auch eine kleine Umgebungsskizze, nach der wir sogar zu navigieren wagten. Ein durch und durch „interessantes Set-Up“ für eine Stadt mit über 10 Millionen Einwohnern! Wir mussten in Richtung Topkapi Palast, denn von dem wussten wir, wo er lag, und wir könnten uns an diesem orientieren. Wir folgten also mehrmals der Ausschilderung „Topkapi“, bis uns auffiel, dass der Ortsteil Topkapi überhaupt nicht in der Nähe des gleichnamigen Palastes liegen kann (immerhin auf der gleichen Seite des Goldenen Horns, aber eben nicht da, wo wir hinwollten). Doch die Türken erwiesen sich auch hier als sehr hilfsbereit. Anjas Türkischkenntnisse gingen immerhin soweit, nach dem Weg zu fragen, was aber kaum etwas nutzte, da die beiden Türken viele andere Wörter benutzten, die nicht zu ihrem Wortschatz gehörten. Allerdings fuhren Anja und ich trotzdem ihrer Beschreibung nach und geradewohl ins nächste Busdepot der beigen Mini-Büse. Das war für die Busfahrer wohl auch kein alltägliches Bild! Trotz unserer gelben Tarnung fielen wir sehr auf und machten uns, nachdem die Busse hin und her rangierten, um uns durchzulassen, auch schnell wieder aus dem Staub.

[Anja:] Ich hatte erst nach der Wegbeschreibung im Lexikon nach den Worten für rechts und links geschaut, aber war trotz allem der Überzeugung, sie irgendwie verstanden zu haben. Die Fahrt zu den Minibüsen war jedoch ein echtes Erlebnis. Als wir abbogen und ich auf allen Schlidern das Wort „Minibüs“ sah, dachte ich mir schon, dass wir falsch sein könnten. Aber das wir da nicht ohne weiteres rauskommen, war mir da noch nicht ganz klar. Ich musste mich ständig zusammenreißen, um nicht in einen lauten Lachanfall zu geraten, weil ich bemerkte, wie Jörg immer genervter wurde. Lachen hätte ihn wahrscheinlich nicht wirklich aufgebaut. Im Nachhinein wars aber so absurd, wie wir zwei in diese stockdüstere Halle gefahren sind und uns die Leute da drin fassungslos angestarrt haben. Trotzdem gabs auch da wieder viele hilfsbereite Türken. Einer startete erneut den Versuch, uns den Weg nach „Aksaray“ (das war das richtige Stichwort!) zu erklären und ein anderer fuhr extra wegen uns seinen im Weg stehenden Minibüs davon, um sich hinterher wieder hinten anzustellen.

Da die Richtung Topkapi also offensichtlich falsch war, versuchten wir Aksaray, da Anja sich erinnerte, dass dies ebenfalls sehr zentral gelegen ist. Zudem ist es ein größerer Stadtteil, der auch weiträumig ausgeschildert ist und so fanden wir auch schließlich zu der gesuchten „Kennedy Caddesi“ direkt am Marmara-Meer. Von dort aus fanden wir das Mavi Guest House problemlos. Ali hatte leider nur ein 4-Bett-Zimmer für uns, aber wir durften es allein zu zweit beziehen. Wir hatten schon bessere Zimmer (insbesondere welche mit Fenster), aber für drei Nächte und bei der zentralen Lage sind wir mehr als nur zufrieden. Außerdem trumpft es mit angenehm-chaotischer Backpacker-Atmosphäre auf.

Vorgestern ging es dann frohen Mutes zum syrischen Konsulat, schließlich fehlt uns noch das Visum. ‚Ob wir das wohl in 3 – 4 Tagen bekommen können?’ … Naja, die Geschichte kennt ihr ja schon: Das syrisches Konsulat verlangt ein Empfehlungsschreiben der deutschen Botschaft bzw. des hiesigen Konsulats. Dieses ist mittlerweile jedoch leider angewiesen, solche nicht mehr auszustellen. (Genauer: Sie dürfen es und tun dies auch, für Deutsche, die in der Türkei gemeldet sind bzw. deren Pass sie ausgestellt haben, aber leider nicht für uns „Deutsch-Deutschen“.) Die ganze Prozedur ist umso grotesker, wenn man erfährt, was das Konsulat für Empfehlung ausgestellt hat: In diesen Schreiben wurde nicht mehr als bestätigt, dass der Antragsteller einen deutschen Pass innehat.

Ein Gutes hatte es: Wir trafen auf dem deutschen Konsulat auf Thomas. Thomas reist mit dem Fahrrad und hat das gleiche Problem wie wir: Auch er bekommt vor Ort kein Visum. Im Internet hat er erfahren, dass manche einfach zur Grenze gefahren sind und – auch wenn dies offiziell eigentlich nicht geht – vor Ort ein Visum bekommen haben. Das war dann nur etwas teuer als über die Botschaft… Falls dies allerdings doch nicht klappen würde, wären wir über 1000 km vergeblich gefahren, so dass diese Option wohl nur unser Plan B wird. Wir mussten diesen Niederschlag erstmal mit einem ordentlichen Kaffee runterspülen. Und wohin zieht es die gebeutelte Traveller-Seele in einen solchen Fall? Richtig, zum imperialistischen Klassenfeind Starbucks. ;-) Von dort stammt dann auch der kurze Artikel „Erste Hürde“.

Thomas und wir vor dem deutschen Konsulat

Thomas und wir vor dem deutschen Konsulat

Wir sind anschließend noch die Istiklal Caddesi runter, das ist „die“ große zentrale Einkaufsstraße auf der Nordseite des Goldenen Horns. Erschreckenderweise haben wir auch hier in keinem Laden eine Türkei-Karte gefunden, wie wir sie suchen.

Anschließend sind wir mit dem Taxi erneut zum syrischen Konsulat gefahren – ein paar Fragen und Ideen unsererseits haben wir da noch. Nachdem wir heute früh, 15 Lira von Sultanahmet bis Harbiye gezahlt haben, wollte unser Taxifahrer nun für vielleicht ein Drittel der Strecke 17 Lira. Zudem sind wir vorher bereits quasi den umgekehrten Weg von Harbiye zu der Einkaufsstraße gefahren und haben dabei 5 Lira bezahlt. Und da fragt der Taxifahrer uns noch, wo unser Problem sei. Wir insistierten, dass 10 Lira ein guter Preis für ihn sei und dass wir im die 17 Lira nicht zahlen würden. Es gab noch ein paar Worte hin und her, wir drückten ihm 10 Lira in die Hand, und er wünschte uns noch einen „Schönen Tag“. Oder so was Ähnliches – mein türkisch ist leider nicht das Beste.

[Anja:] Der zweite Versuch bei der Syrischen Botschaft war wirklich niederschmetternd. In diesem kleinen Räumchen sitzen drei Angestellte, die alle drei mit ihrem Handy spielen, als wir ankommen. Ein Mann interessiert sich gar nicht für uns, eine Frau erkennt uns von unserem morgendlichen Besuch wieder, die dritte Dame kümmerte sich wenigstens um uns. Sie war so was von nett und herzlich mit ihrem Lächeln, dass ich ständig auf den Satz gewartet habe: „Wir können das nicht ohne Empfehlungsschreiben machen, aber für Sie machen wir eine Ausnahme“. Leider kam der Satz nie, aber das Lächeln hat mich davor bewahrt sauer zu reagieren. Die war einfach so nett, dass man ihr nicht böse sein kann und sie kann ja auch nichts dafür.

Der Abend hat dann jedoch für vieles entschädigt. Geknickt kamen Anja und ich in unserem Hostel gegen fünf Uhr nachmittags an und obwohl wir völlig geschlaucht und hungrig waren, kamen wir nicht vor 23 Uhr los von unseren Plätzen draußen vor dem Hostel. Zunächst sprachen wir mit Thorsten und Helen der „MEGEM’s Gaudi-Burschen“. Das ist ein Team der diesjährigen Allgäu-Orient-Rallye, das ebenso wie wir bei Ali abgestiegen ist. Die Allgäu-Amman-Rallye ist eine Fun-Rallye mit gutem Zweck: Man fährt mit selbstorganisierten Fahrzeugen (Auto oder Motorrad) entlang bestimmter Check-Points (keine Autobahn!) bis nach Amman, wo die Autos für einen guten Zweck gespendet werden. Thorsten kennt jemand aus dem Organisationskomitee mit sehr guten Kontakten nach Jordanien. Das ist zwar nicht unser derzeitiges „Problemland“, aber vielleicht lässt sich da etwas über Bande spielen und wenn das möglich wäre, so müssten wir zwar in zwei Tagen an der türkisch-syrischen Grenze sein und Syrien viel schneller durchqueren als wir eigentlich wollten, aber immerhin müssten wir nicht 5 – 6 Wochen warten. So lange mussten nämlich Herbert und Max der Gaudi-Bursch’n auf ihr Visum warten, bis es aus Berlin wiederkam. (Bisher blieb allerdings ein Signal aus und so hat sich hier wohl leider nichts ergeben.)

Mit einem wertvollen Tipp konnte dann Markus aufwarten: Während Anja und ich noch draußen saßen und uns weiterhin mit Thorsten und Helen unterhielten, kam er mit seinem Defender und Frankfurter-Kennzeichen die Straße runter und stellte seinen Wagen neben unserem ab. Das war nun eine Autofront, die Anblicke magisch anzog: Zwei Wüstenschiffe und daneben zwei bunt beklebte Rallye-Wagen. ;-)

Die Rallye-Wagen und wir

Die Rallye-Wagen und wir

Markus plant eine ähnliche Reise wie wir, nur soll es nicht nach Afrika, sondern nach Asien eventuell sogar noch bis Australien gehen, bevor er seinen Defender verschifft und wohlmöglich in die Karibik fliegt, um von dort zurück nach Deutschland zu segeln – auch keine schlechte Tour. Den Nahen Osten nimmt er noch mit (einschließlich Sinai), doch fährt dann eben nicht südlich weiter, sondern dreht über Saudi-Arabien und Oman ab gen Pakistan, Indien, Laos. Er reist abschnittsweise immer mit Freunden oder seiner Freundin Isabel zusammen, ist sonst aber (wie etwa in Syrien) auf sich allein gestellt.

Mit Markus tauschten wir uns dann noch den ganzen Abend aus. Das Erfrischenste für Anja und mich war zu hören, dass Markus seine Tour auch nicht jahrelange vorbereitet hatte, sondern ebenfalls nur wenige Monate vom ersten Aufglimmen der Idee bis zur lodernden Durchführung gebraucht hatte. Wir gingen auch gar nicht mehr los, etwas zu essen, sondern ließen uns von Ali stattdessen etwas bestellen. Dazu stießen dann noch Herbert und Max und später auch noch kurz Jürgen und Bernd von dem Team „Alle Mann nach Amman“. Die Allgäu-Orient-Rallye besteht dieses Jahr aus 88 Teams mit ca. 160 Fahrzeugen. Da in Istanbul ein paar Sonderaufgaben zu erledigen waren, sammelten sich alle Teams hier und man stieß überall und immer wieder auf ein paar Fahrer. Die „Alle Mann nach Amman“ hatten wir sogar schon auf dem Weg nach Istanbul gesehen, die „Franken für Amman“ später in Istanbul auf dem großen Platz vor der Blauen Moschee getroffen. Der Abend war lang und sehr vergnüglich. Genau das, was unsere enttäuschten Gemüter brauchten und was auch noch ein derartiges Hostel liefern kann und weder ein Hotel noch eine Pension. Das Visum würden wir auch noch irgendwie bekommen! Zumal Markus noch eine gute Empfehlung hatte: den Visa-Service. Er hatte alle seine Visa über diese bezogen und wir wollten gleich am nächsten Morgen dort anrufen.

Zunächst versuchten wir jedoch gestern früh unser Glück bei der syrischen Botschaft in Berlin. Wir bekamen beim syrischen Konsulat hier in Istanbul extra noch eine Durchwahl, aber leider gab es unter dieser Nummer keinen Anschluss. Also riefen wir einfach die allgemeine Nummer an und bekamen folgenden Rat: Wir sollten einfach zur Grenze fahren und dem Grenzer unser Problem dort schildern. Das könnte zwar etwas teuerer werden, aber der Grenzbeamte hat diesbezüglich „gewisse Freiheiten“. … Ah, ja! Wenn das nun doch alles nicht mehr so wichtig ist, warum will uns dann nicht einfach jemand eine Empfehlung ausstellen oder einfach so den Stempel auf den Pass drücken. Die Sondergebühr zahle ich bei Bedarf auch gern schon hier in Istanbul!

Uns ist das doch zu fraglich. Wir riefen danach beim Visa-Service an und die werden uns helfen können. Das kostet zwar auch und zeitlich ist die Bande über Deutschland natürlich auch nicht optimal, aber so bleiben wir halt einfach etwas länger in der schönen Türkei. (Deinen Alternativvorschlag, Ben, hättest sonst du unseren Eltern schonend beibringen dürfen… ;-) ) Dank umgehendem Support unserer „Home Base“ hatten wir die notwendigen Unterlagen schnell zusammen (Vielen Dank nochmals!) und konnten uns schon über Verschickungsmöglichkeiten informieren – UPS, FedEx, DHL, … Doch insgesamt waren diese Punkte dann leider doch nahezu tagesfüllend.

Die beste Verschickungsoption ergab sich jedoch erst heute früh: Isabel, Markus Freundin, die ihn über das Wochenende hier in Istanbul besucht, ist so freundlich, alle Unterlagen mitzunehmen und dann aus Deutschland per Einschreiben direkt nach Berlin zu schicken. Damit waren Anja und ich den heutigen Tag instentan von allen organisatorischen Aufgaben befreit und gönnten uns einen Bummel über den Großen Basar und den Gewürzbasar.

Ich wusste gar nicht, wie viel Freunde ich hier bei meinen letzten Besuch in Istanbul gewonnen hatte, und auch ein paar Brüder müssen meine Eltern mir verschwiegen haben: Von überall auf den Basaren und den kleinen und großen angrenzenden Gassen grüßten mich mir völlig Unbekannte: „My friend / my brother, how are you today? Do you want to see my beautiful …“ Anja und mich stößt dies mehr ab, als es von meinen Freunden und Brüdern wohl gedacht ist. Teilweise grüßte ich meine Freunde und Brüder freundlich zurück, auch wenn ich mir eigentlich sicher war, dass ich sie noch nie gesehen habe, teilweise passierte ich sie einfach stur mit norddeutscher Stoffelligkeit: „Ick kenn di nich, ick grühß di nich.“ Klar, dass das meinen Freunden und Brüdern auch nicht gefiel – hatten sie mich doch so lang nicht gesehen…

Es gäb’ noch einiges zu erzählen, aber wir müssen nun wirklich zu unserem Abendessens-Date mit Markus und Isabel.

Isabel und Markus

Isabel und Markus


Category: Bulgarien, Türkei  | 5 Comments

5 Responses

  1. 1
    malbien 

    Das liest sich ja spannender als jeder Roman! Ehrlich: Wir beneiden euch um die Erfahrungen (okayokay, nicht um den nervigen organisatorischen Aufwand ;-) ), und sind gespannt, was ihr noch so alles dazu erlebt…

    Hier mein wöchentliches “Update” aus der weiten Ferne: 96 vs Frankfurt 1:1 (dürfte ja für Dich besonders interessant sein, Jörch!), und damit sind wir dann auch quasi “safe” diese Saison. Stuttgart hat mit 4 Gomez-Toren übrigens Tabellenführer Wolfsburg abgelascht und mit 4:1 geschlagen.

    Soviel dazu, wir denken an euch heute abend beim Tatort und senden euch einen superlieben Gruß aus der sonnigen Heimat,

    Svety & Marc

  2. 2
    Joerg 

    Dank euch, ihr treuen beiden Seelen. Habt euch ja zu beständigen Kommentatoren entwickelt und Anja und ich sind dank euch über auf dem aktuellen Bundesligastand — was können wir mehr wollen? Ein Tatort im Live-Stream vielleicht, aber das hat nicht geklappt… ;-)

  3. 3
    diethart 

    Es kommt Salz in die Suppe, schön. Ich beneide euch. There is more to come!

  4. 4
    Sabrina 

    WOW, endlich habe ich es geschafft mich anzumelden ; -) Man bekommt richtig Fernweh wenn man eure Berichte liest und ich drück euch ganz fest die Daumen mit eurem Visum. Ganz liebe Grüsse aus der Schweiz Säbryna

  5. 5
    Max 

    Hallo Ihr Beiden,

    sorry, wir haben uns bemüht gemeinsam mit der Organisation der Allgäu-Orient Rallye und Sakka Alfajet aus Jordanien etwas für Euch in Bezug Eurer Visa für Syrien zu unternehmen. Leider ohne Erfolg – sorry!

    Syrien war – von der Ein- und Ausreise abgesehen – sehr schön und die Menschen dort sehr hilfsbereit und gastfreundlich.

    Könntet Ihr uns bitte die Mailadresse von dem frankfurter Globetrotter zukommen lassen? Wenn ja bitte an thorsten-laesser@t-online.de.

    Euch gutes Gelingen und baldige Abreise aus der schönen Türkei wünschen

    Helene & Thorsten vom Team 67 “MEGEM´s-Gaudi-Bursch´n”

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Author:
• Mittwoch, Mai 06th, 2009

Wir sind gestern in Istanbul angekommen. (Von der Reise bis hierin reichen wir noch eine Beschreibung nach.) Das Wetter spielt auch wieder mit, doch leider haben wir nun unsere erste kleine oder größere Hürde. Anja hat vorhin ein schönes Bild gebraucht: Hätten wir bisher für alles was gut lief, ein „Glücks-Sternchen“ bekommen, und wenn immer es schlecht läuft, hätten wir eins zurückgeben müssen, so hätten wir bisher einen ordentlichen Glücks-Schatz angehäuft, aber nun fängt dieser an sich rapide zu dezimieren: Unsere Recherche in Deutschland hat ergeben, dass man das Visum für Syrien auch in Istanbul bekommen kann. Das stimmt auch, aber nur wenn der Pass hier ausgestellt wurde. Das syrische Konsulat vor Ort will uns kein Visum ausstellen ohne Empfehlungsschreiben der deutschen Botschaft, und das deutsche Konsulat vor Ort könnte zwar ein solches ausstellen, hat aber Anweisung bekommen, das für Fälle wie unseren nicht mehr zu tun. Na, und Anweisungen sind für uns Deutsche natürlich in Stein gemeißelte Gebote von ganz oben, da haben Anja und ich selbstverständlich allergrößtes Verständnis für.

Wir müssen nun erstmal eruieren, was unsere Alternativen sind. Eventuell lässt sich das Visum zumindest über den Postwege beantragen, dann wäre es nur halb so schlimm, auch wenn wir dann möglicherweise viel länger in der Türkei bleiben müssen, als ursprünglich geplant. Denn wenn wir als Deutsche ein Visum beantragen wollen, dann doch bitte in Deutschland. Welchen Unterschied das macht, vor allem weil das Empfehlungsschreiben selbst nur eine Bestätigung des deutschen Konsulats ist, dass der Antragsteller im Besitz eines deutschen Passes ist, habe ich auch nach längerer Diskussion noch nicht verstanden, aber vielleicht bin ich da nur ein wenig begriffsstutzig.

Wir halten Euch auf dem Laufenden.

Category: Türkei  | One Comment

One Response

  1. 1
    ben 

    Wenn Syrien nicht klappt kann man auch über Iran oder Irak fahren … :-/

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