aus Sicht von Anja
Die letzten Tage haben wir in Siebenbürgen verbracht. Der Heimat meiner Vorfahren sozusagen. Im August/September 2008 war ich bereits mit meiner Tante, Cousine und meinem Onkel hier, aber es hat mir so gut gefallen, dass ich meine Erlebnisse mit Jörg teilen wollte. Wir haben auch fast die gleiche Route genommen, wie ich mit meiner Familie letztes Jahr.
Gestartet wurde in Sibiu, oder auch Hermannstadt. Hier blieben wir zwei Tage in einer schnuckeligen Pension nahe dem Zentrum. Ich führte Jörg durch die Gassen und über die Plätze an die Orte, an denen es mir besonders gefallen hatte. Da, wo ich mich daran erinnern konnte, erzählte ich auch noch die ein oder andere Anekdote.
Die schöne Stadt verließen wir schließlich, um nach Sighisoara, bzw. Schäßburg, aufzubrechen. Hier wurde der Burgberg und die kleinen Gassen und Häuschen besichtigt, wir aßen einen Kuchen in einem Café, das ich bereits kannte und besuchten die Bergkirche. Als wir das Touristen-Programm beendet hatten, brachen wir auf nach Birthälm, einer der schönsten Kirchenburgen Siebenbürgens.
Der Weg dorthin führte über Agnita, bzw. Agnetheln, und die laut Karte gut ausgebaute Verbindungsstraße. Für mich als Fahrerin war diese Straße eine Zumutung, denn ich war permanent damit beschäftig, dem Gegenverkehr und den Schlaglöchern, die wie Sommersprossen auf der Straße verteilt waren, auszuweichen. Die Krönung folgte aber noch: wie vor einem halben Jahr, fuhr ich mit Jörg die Abzweigung nach Birthälm, die dann wirklich eher für Offroad-Fahrzeuge geeignet ist. Kein Teer, nur Kies, Geröll, kleine und große spitze Steine,… Endlich angekommen wollten wir in eine der wenigen Pensionen am Ort, dem Casa Dornröschen. Die Hausdame war jedoch nirgendwo auffindbar und zum Glück fand ich vor der Kirche in einem Häuschen, in dem Souveniers verkauft wurden, eine Dame, die ich nach dem Dornröschen fragte. Die Dame stellte sich mir als Bianca vor und lud uns zu sich nach Hause ein. Wir sollen bei ihr schlafen. Sie hätte zwar keine Übung im Zimmer vermieten, aber sie würde sich freuen. Es würde noch musiziert und wir sollen einfach in ihr Haus mitkommen. Gesagt getan
Im Haus der Siebenbürgerin wurde uns noch Tee angeboten und ziemlich ermattet fielen wir schließlich ins Bett.
Am nächsten Morgen beim Frühstück tauschten wir uns schließlich noch über unsere Vorfahren, die Siebenbürger Sachsen allgemein, das Leben in Siebenbürgen und Deutschland und allgemeinen Dingen aus, bevor wir in die Kirchenburg zur Besichtigung gingen. Die schöne alte Kirche mit dem berühmten Schloss zur Schatzkammer hatte mich schon im August beeindruckt (das Bild könnt Ihr in der beigefügten Gallerie sehen).
Im Anschluss an die Besichtigung fuhren wir nach Kronstadt, wo wir zwei entspanntere Tage als die letzten einplanten. Wir sind etwas kaputt durch die viele Fahrerei und die Rastlosigkeit, die wir z.T. an den Tag legen. Nach der zweistündigen Fahrt von Birthälm nach Kronstadt erholten wir uns erstmal und schliefen den ganzen Nachmittag.
Kronstadt blieb aber nicht unbesichtigt. Nach unserem Erholungs-Nachmittag gingen wir eine Runde durch die Stadt, durch die Fußgängerzone, die Gassen und in die Schwarze Kirche. Diesen Namen trägt sie, weil die Kirche im 17. Jahrhundert durch einen Brand geschwärzt wurde, allerdings ist durch eine neuzeitliche Restaurierung von dieser Russschwärzung nichts mehr übrig. Unser Stadtspaziergang und die Besichtigung endeten am Abend in einem Restaurant, das ich auch noch aus der Erinnerung meines letzten Besuchs kannte. Mit einmalig gutem Essen und schönem Ambiente beenden wir unsere Zeit in Siebenbürgen.
Wenn wir morgen die Stadt verlassen, werden wir – wenn ich es noch finde – noch an dem Haus vorbei fahren, in dem meine Mutter aufgewachsen ist und anschließend die Kirchenburg in Tartlau besichtigen. Dann werden wir Transsilvanien verlassen.
War schee hier
Kleine Reise durch Siebenbürgen
34 Fotos
Der Einfachheit halber und weil sich in den letzten 6 Monaten nicht allzuviel verändert hat, habe ich ein paar Bilder meines letzten Besuchs in Siebenbürgen druntergemischt.
Aus Sicht von Jörg
Seit der Fahrt zum Campingplatz in Dávod-Püspökpuszta (dem „Geister-Campingplatz“, bei dem wir die einzigen Gäste waren) bin ich irgendwie angegriffen: Kopfschmerzen und Mattigkeit plagen mich. Durch das anhaltend schöne und warme Wetter sind ’s während der Fahrt in Willi durchgängig fast 30° C, was ein Grund sein könnte. Vorgestern hätte mich das fast eine wahrscheinlich einmalige Chance gekostet, aber zum Glück holten wir das dann beim nachfolgenden Frühstück nach: Anja zog in Biertan los, etwas über die Pension „Casa Dornröschen“ zu erfahren, wo sie schon vor einem halben Jahr gastierte, und kam – noch viel besser – siegreich mit dem Angebot für eine Privatunterkunft zurück. Dabei kann man natürlich weitaus mehr über Land und Leute erfahren als auf ’nem Campingplatz oder in einer Pension. Mein Befinden war abends aber nicht das Beste und so zog ’s mich recht früh vom Wohnzimmertisch direkt ins Bett. Wie erwähnt, konnten wir das jedoch glücklicherweise morgens am Frühstückstisch nachholen und Bianca stillte geduldig unseren Wissensdurst.
Abgesehen von meiner leichten Derangiertheit ist Siebenbürgen sehr schön. Am spannendsten ist vielleicht noch der gegensätzliche Eindruck der Städte und Dörfer von „unten“ und von „oben“: Da sich das Leben hier viel stärker auf der Straße abspielt, ist „unten“ also auf den Plätzen und Straßen durchgängig Gewusel und emsiges Treiben, auch bettelnden Kindern begegnet man hier ständig; von „oben“, den Kirchburgen, allerdings wirken die selben Plätze und Straßen idyllisch und friedvoll-ruhig.
Der Siebenbürgen-Part war auch deshalb „anders“ als die bisherigen Teile, weil wir uns immer mitten in der Stadt / dem Dorf einquartierten und somit nun länger gecampt haben. Für die Erkundung der Kirchenburgen und mitteralterlichen Ringe um die Kirchenburgen ist dies deutlich angenehmer als ständig vom außerhalb gelegenen Campingplatz – sofern es überhaupt einen gibt – rein und wieder raus zu fahren. Wenn das Wetter mitspielt geht es nun in Richtung Donaudelta und da haben wir dann wieder Natur pur.
Post Scriptum:
Wie Anja schon bei ihrer ersten Siebenbürgentour, so hatten auch wir diesmal einen Schatten. Die beiden sprechen englisch mit amerikanischem Akzent und kommen aus Belgrad. Sie fahren einen kleinen schwarzen Golf mit “CD”-Aufkleber und könnten somit in der amerikanischen Botschaft in Serbien arbeiten.
Zunächst traffen wir die beiden in Sibiu, wo sie in der gleichen Pension gastierten wie wir und uns gleich erstmal zuparkten… Dann traffen wir Sie erneut in Birtan in der Kirchenburg. Als Anja und ich in Brasov im Restaurant saßen, ging jemand am Fenster vorbei, kam zurück, guckte rein, grinte und winkte. Er sah dabei mich deutlich an, aber ich dachte mir noch: ‘Ich nur Touri, ich nichts gemeint.’ Aber doch! Das war nämlich er aus dem Belgrader Gespann, ich hatte ihn nur nicht erkannt. Als wir die beiden dann in Prejmer in der sehr schön erhaltenden Kirchenburg trafen, konnten wir das aber glücklicherweise aufklären. Wir erkundigten uns sicherheitshalber gegenseitig, wohin der weitere Weg hinführen würde, kamen aber zu keiner Übereinstimmung.
Die beiden müssen mehr oder weniger die gleiche Tour gemacht haben. Vielleicht nochmals einen Schlenker mehr rechts oder links, da wir ja auch durchaus in der Zeit in Brasov verweilten, aber selbst dort hatten sie uns im Restaurant aufgespürt. Spooky…
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…wobei wir natürlich dennoch etwas für die „Kaffeekasse“ gespendet haben. (Wie sagt man da eigentlich im Englischen?)…
Ich würde es mal mit “coffee donation” versuchen. Ob’s jemand versteht….wer weiss. Nicht dass es am Ende noch mit Entwicklungshilfe für Kaffee produzierende Länder verwechselt wird
Liebe Grüsse, Stefan
Als guter Deutscher heisst das bestimmt: “I giw ju samsing for se coffeh cub” … versteht jeder.
Danke euch beiden. Ich versuch dann beim nächsten Mal beide Variante und sage euch, welche besser zog.
Die stille Mitleserschaft ist bei mir ab jetzt vorbei. Zuerst auch von mir erstmal ein Lob für die vielen Texte und Fotos. In Rumänien wurden glatt wieder ein paar Erinnerungen aufgefrischt
Abends seid ihr als Kontrastprogramm nicht nach Mamaia gelaufen, dort Seilbahn gefahren und habt ein Ursus als Feierabendbierchen getrunken?
Nein, Mamaia hatten wir als mögliche Camping-Alternative auf unserer Liste, da wir nicht gecampt hatten, haben wir uns Mamaia für den nächsten Besuch aufgehoben…