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• Sonntag, Mai 03rd, 2009

Vorgestern Abend sind wir nun hier in Constanta angekommen, dem unfreiwilligen Alterssitz Ovids. Wir haben uns vor Ort in einem Hotel einquartiert, da uns Petrus nach wie vor wenig hold ist; im Gegensatz zu gestern hat es heute zwar nur noch ab und zu geregnet, aber die paar Male dafür heftig. Immerhin haben wir nun weitere Sicht von unserem Zimmer mit direktem Blick aufs Schwarze Meer, auch wenn es noch sehr bewölkt ist. Der Strand ist direkt auf der anderen Straßenseite, so hätte die Fensterfront unseres Zimmers bei Sonnenschein nahezu unbezahlbar sein können.

Unser Weg hierher führte uns von Brasov über Buzau, wo wir in einem „Praktiker“-Baumarkt letzte Teile und Werkzeuge kauften. Dort hat es derart stark geschüttet und gewittert, dass wir bereits nach 20 m vom Baumarkt bis zum geparkten Auto komplett durchnässt waren und der grollende Donner bei zwei unmittelbar angrenzend parkenden Wagen zeitgleich deren Alarmanlage anschlagen ließ. In Braila übernachteten wir wetterbedingt wieder in einem Hotel; weiter durchfahren bis Constanta wollten wir an dem Tag nicht, sondern lieber dem Donaudelta noch eine Chance geben. Doch leider zeigte uns dieses auch am nächsten Morgen seine desinteressierte Seite. So sind wir in Braila nur noch auf den Hof eines Toyota-Händlers gefahren, der zufällig entlang unseres Weges lag, da unser rechter Frontschweinwerfer seit ein paar Tagen defekt war. Die Angelegenheit war in wenigen Minuten kostenlos erledigt, wobei wir natürlich dennoch etwas für die „Kaffeekasse“ gespendet haben. (Wie sagt man da eigentlich im Englischen?) Anschließend sind noch über Tulcea gefahren, sahen aber von dem Donaudelta nur soviel, wie man eben vom Auto aus sehen kann. Das ist für diese schöne Gegend wahrlich zu wenig, aber extra deswegen wollten wir nun auch nicht noch länger in Rumänien bleiben und auf gutes Wetter warten, und so rollten wir die Schwarz-Meer-Küste runter, bis wir hier in Constanta ankamen.

Heute waren wir in der Altstadt, haben uns den Ovid-Platz angeschaut, eines der weltgrößten (teil-)erhaltenden Mosaike gesehen (ca. 700 m^2), waren bei dem einzigen Belle-Epoque-Bau Rumäniens (dem Casino hier vor Ort), aber das klingt so nun deutlich spannender als das Gebäude aussah. Dort wollten wir auch noch einen Cache heben, aber leider war einfach viel zu viel Mugelbetrieb… (So, mit diesem Satz werden nun nicht mehr alle was anfangen können… ;-) )

Als wir den Strand entlang zurück zum Hotel kamen, war dort gerade ein Strand-Enduro-Rennen der Junioren. Drei Fahrer, wovon zwei vielleicht halb so groß wie ihre Mini-Maschinen waren, gaben wirklich alles und wurden vom Publikum auch mit anhaltender Anfeuerung belohnt. Als wir dann im wieder im Zimmer waren, sahen wir von hier oben das Rennen der Senioren. Mehr als ein Dutzend Fahrer erzeugten für die einen sicherlich einen Höllenkrach, doch für andere wie mich klang es fast nach Himmelsgeigen… ;-)

Den Nachmittag verbrachten wir dann im Wesentlichen mit Internet-Recherche nach geeigneten Campingplätzen in Bulgarien und der Türkei. Morgen werden wir Rumänien nach nicht ganz 10 Tagen verlassen und übermorgen wohl schon in der Türkei ankommen. Überübermorgen könnten wir schon in Istanbul sein. Mal sehen, ob ’s alles so kommt, wir rechnen jedenfalls in den nächsten Tagen mit nicht derart guter Internet-Versorgung (ohne in Internet-Cafes gehen zu müssen) und sorgen deshalb mit Informationen vor.

 

Category: Rumänien  | 5 Comments

5 Responses

  1. 1
    smast74 

    …wobei wir natürlich dennoch etwas für die „Kaffeekasse“ gespendet haben. (Wie sagt man da eigentlich im Englischen?)…

    Ich würde es mal mit “coffee donation” versuchen. Ob’s jemand versteht….wer weiss. Nicht dass es am Ende noch mit Entwicklungshilfe für Kaffee produzierende Länder verwechselt wird ;-)

    Liebe Grüsse, Stefan

  2. 2
    ben 

    Als guter Deutscher heisst das bestimmt: “I giw ju samsing for se coffeh cub” … versteht jeder.

  3. 3
    Joerg 

    Danke euch beiden. Ich versuch dann beim nächsten Mal beide Variante und sage euch, welche besser zog. ;-)

  4. 4
    Christian 

    Die stille Mitleserschaft ist bei mir ab jetzt vorbei. Zuerst auch von mir erstmal ein Lob für die vielen Texte und Fotos. In Rumänien wurden glatt wieder ein paar Erinnerungen aufgefrischt :-)

    Abends seid ihr als Kontrastprogramm nicht nach Mamaia gelaufen, dort Seilbahn gefahren und habt ein Ursus als Feierabendbierchen getrunken?

  5. 5
    Joerg 

    Nein, Mamaia hatten wir als mögliche Camping-Alternative auf unserer Liste, da wir nicht gecampt hatten, haben wir uns Mamaia für den nächsten Besuch aufgehoben… ;-)

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• Freitag, Mai 01st, 2009

aus Sicht von Anja

Die letzten Tage haben wir in Siebenbürgen verbracht. Der Heimat meiner Vorfahren sozusagen. Im August/September 2008 war ich bereits mit meiner Tante, Cousine und meinem Onkel hier, aber es hat mir so gut gefallen, dass ich meine Erlebnisse mit Jörg teilen wollte. Wir haben auch fast die gleiche Route genommen, wie ich mit meiner Familie letztes Jahr.

Gestartet wurde in Sibiu, oder auch Hermannstadt. Hier blieben wir zwei Tage in einer schnuckeligen Pension nahe dem Zentrum. Ich führte Jörg durch die Gassen und über die Plätze an die Orte, an denen es mir besonders gefallen hatte. Da, wo ich mich daran erinnern konnte, erzählte ich auch noch die ein oder andere Anekdote.

Die schöne Stadt verließen wir schließlich, um nach Sighisoara, bzw. Schäßburg, aufzubrechen. Hier wurde der Burgberg und die kleinen Gassen und Häuschen besichtigt, wir aßen einen Kuchen in einem Café, das ich bereits kannte und besuchten die Bergkirche. Als wir das Touristen-Programm beendet hatten, brachen wir auf nach Birthälm, einer der schönsten Kirchenburgen Siebenbürgens.

Der Weg dorthin führte über Agnita, bzw. Agnetheln, und die laut Karte gut ausgebaute Verbindungsstraße. Für mich als Fahrerin war diese Straße eine Zumutung, denn ich war permanent damit beschäftig, dem Gegenverkehr und den Schlaglöchern, die wie Sommersprossen auf der Straße verteilt waren, auszuweichen. Die Krönung folgte aber noch: wie vor einem halben Jahr, fuhr ich mit Jörg die Abzweigung nach Birthälm, die dann wirklich eher für Offroad-Fahrzeuge geeignet ist. Kein Teer, nur Kies, Geröll, kleine und große spitze Steine,… Endlich angekommen wollten wir in eine der wenigen Pensionen am Ort, dem Casa Dornröschen. Die Hausdame war jedoch nirgendwo auffindbar und zum Glück fand ich vor der Kirche in einem Häuschen, in dem Souveniers verkauft wurden, eine Dame, die ich nach dem Dornröschen fragte. Die Dame stellte sich mir als Bianca vor und lud uns zu sich nach Hause ein. Wir sollen bei ihr schlafen. Sie hätte zwar keine Übung im Zimmer vermieten, aber sie würde sich freuen. Es würde noch musiziert und wir sollen einfach in ihr Haus mitkommen. Gesagt getan :-) Im Haus der Siebenbürgerin wurde uns noch Tee angeboten und ziemlich ermattet fielen wir schließlich ins Bett.

Am nächsten Morgen beim Frühstück tauschten wir uns schließlich noch über unsere Vorfahren, die Siebenbürger Sachsen allgemein, das Leben in Siebenbürgen und Deutschland und allgemeinen Dingen aus, bevor wir in die Kirchenburg zur Besichtigung gingen. Die schöne alte Kirche mit dem berühmten Schloss zur Schatzkammer hatte mich schon im August beeindruckt (das Bild könnt Ihr in der beigefügten Gallerie sehen).

Im Anschluss an die Besichtigung fuhren wir nach Kronstadt, wo wir zwei entspanntere Tage als die letzten einplanten. Wir sind etwas kaputt durch die viele Fahrerei und die Rastlosigkeit, die wir z.T. an den Tag legen. Nach der zweistündigen Fahrt von Birthälm nach Kronstadt erholten wir uns erstmal und schliefen den ganzen Nachmittag.

Kronstadt blieb aber nicht unbesichtigt. Nach unserem Erholungs-Nachmittag gingen wir eine Runde durch die Stadt, durch die Fußgängerzone, die Gassen und in die Schwarze Kirche. Diesen Namen trägt sie, weil die Kirche im 17. Jahrhundert durch einen Brand geschwärzt wurde, allerdings ist durch eine neuzeitliche Restaurierung von dieser Russschwärzung nichts mehr übrig. Unser Stadtspaziergang und die Besichtigung endeten am Abend in einem Restaurant, das ich auch noch aus der Erinnerung meines letzten Besuchs kannte. Mit einmalig gutem Essen und schönem Ambiente beenden wir unsere Zeit in Siebenbürgen.

Wenn wir morgen die Stadt verlassen, werden wir – wenn ich es noch finde – noch an dem Haus vorbei fahren, in dem meine Mutter aufgewachsen ist und anschließend die Kirchenburg in Tartlau besichtigen. Dann werden wir Transsilvanien verlassen.

War schee hier :-)

 

Siebenbuergen

Kleine Reise durch Siebenbürgen


Der Einfachheit halber und weil sich in den letzten 6 Monaten nicht allzuviel verändert hat, habe ich ein paar Bilder meines letzten Besuchs in Siebenbürgen druntergemischt.

 

 

Aus Sicht von Jörg

Seit der Fahrt zum Campingplatz in Dávod-Püspökpuszta (dem „Geister-Campingplatz“, bei dem wir die einzigen Gäste waren) bin ich irgendwie angegriffen: Kopfschmerzen und Mattigkeit plagen mich. Durch das anhaltend schöne und warme Wetter sind ’s während der Fahrt in Willi durchgängig fast 30° C, was ein Grund sein könnte. Vorgestern hätte mich das fast eine wahrscheinlich einmalige Chance gekostet, aber zum Glück holten wir das dann beim nachfolgenden Frühstück nach: Anja zog in Biertan los, etwas über die Pension „Casa Dornröschen“ zu erfahren, wo sie schon vor einem halben Jahr gastierte, und kam – noch viel besser – siegreich mit dem Angebot für eine Privatunterkunft zurück. Dabei kann man natürlich weitaus mehr über Land und Leute erfahren als auf ’nem Campingplatz oder in einer Pension. Mein Befinden war abends aber nicht das Beste und so zog ’s mich recht früh vom Wohnzimmertisch direkt ins Bett. Wie erwähnt, konnten wir das jedoch glücklicherweise morgens am Frühstückstisch nachholen und Bianca stillte geduldig unseren Wissensdurst.

Abgesehen von meiner leichten Derangiertheit ist Siebenbürgen sehr schön. Am spannendsten ist vielleicht noch der gegensätzliche Eindruck der Städte und Dörfer von „unten“ und von „oben“: Da sich das Leben hier viel stärker auf der Straße abspielt, ist „unten“ also auf den Plätzen und Straßen durchgängig Gewusel und emsiges Treiben, auch bettelnden Kindern begegnet man hier ständig; von „oben“, den Kirchburgen, allerdings wirken die selben Plätze und Straßen idyllisch und friedvoll-ruhig.

Der Siebenbürgen-Part war auch deshalb „anders“ als die bisherigen Teile, weil wir uns immer mitten in der Stadt / dem Dorf einquartierten und somit nun länger gecampt haben. Für die Erkundung der Kirchenburgen und mitteralterlichen Ringe um die Kirchenburgen ist dies deutlich angenehmer als ständig vom außerhalb gelegenen Campingplatz – sofern es überhaupt einen gibt – rein und wieder raus zu fahren. Wenn das Wetter mitspielt geht es nun in Richtung Donaudelta und da haben wir dann wieder Natur pur. ;-)

 

 

Post Scriptum:

Wie Anja schon bei ihrer ersten Siebenbürgentour, so hatten auch wir diesmal einen Schatten. Die beiden sprechen englisch mit amerikanischem Akzent und kommen aus Belgrad. Sie fahren einen kleinen schwarzen Golf mit “CD”-Aufkleber und könnten somit in der amerikanischen Botschaft in Serbien arbeiten.

Zunächst traffen wir die beiden in Sibiu, wo sie in der gleichen Pension gastierten wie wir und uns gleich erstmal zuparkten… Dann traffen wir Sie erneut in Birtan in der Kirchenburg. Als Anja und ich in Brasov im Restaurant saßen, ging jemand am Fenster vorbei, kam zurück, guckte rein, grinte und winkte. Er sah dabei mich deutlich an, aber ich dachte mir noch: ‘Ich nur Touri, ich nichts gemeint.’ Aber doch! Das war nämlich er aus dem Belgrader Gespann, ich hatte ihn nur nicht erkannt. Als wir die beiden dann in Prejmer in der sehr schön erhaltenden Kirchenburg trafen, konnten wir das aber glücklicherweise aufklären. Wir erkundigten uns sicherheitshalber gegenseitig, wohin der weitere Weg hinführen würde, kamen aber zu keiner Übereinstimmung.

Die beiden müssen mehr oder weniger die gleiche Tour gemacht haben. Vielleicht nochmals einen Schlenker mehr rechts oder links, da wir ja auch durchaus in der Zeit in Brasov verweilten, aber selbst dort hatten sie uns im Restaurant aufgespürt. Spooky…

Category: Rumänien  | 4 Comments

4 Responses

  1. 1
    susanne 

    Ohh.. ihr wart in diesem kleinen Restaurant essen, gell? Dort wo wir den Eiswein hatten. HMMM… lecker! Wäre auch gerne in Siebenbürgen. Sind die Tomaten immernoch so lecker?

  2. 2
    Anja 

    Ja, es gab Eiswein mit Champagner, Lachs in Burgundersauce, Rinderfilet mit karamellisiertem Sellerie und einen Nachtisch, dessen Besonderheiten ich nicht mehr zusammenkriege. Nebenher gabs eine 2-Mann-und-1-Frau Band und Gesang :-)
    Es hat sich halt nichts geändert.

  3. 3
    diethart 

    Ihr macht mir richtig Lust auf Kronstadt.
    Unser Haus ist in der Cusa Voda 7. Zumindest hieß die Strasse so vor 60 Jahren.
    Ihr lasst es euch gut gehen, macht so weiter

  4. 4
    malbien 

    Ganz ehrlich: An dieser Stelle mal wieder ein RIESEN-LOB für eure tolle Berichterstattung… spannend und schön, von euch zu lesen! :-)

    Die wichtigsten Dinge aus der Heimat: Bochum 0 : 2 Hannover 96 (Jaaaa, erster Auswärtssieg seit dem 16.04.08 und jetzt Platz 11 immerhin!) und Bielefeld 2 : 2 Stuttgart (sorry, Anja ;-) ).

    Kann man ja mal einstreuen *g*

    Grüße, eure Davenstedter

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• Montag, April 27th, 2009
  1. wir veröffentlichen jetzt auch unsere Routenabschnitte, wenn alles funktioniert. Das ganze funktioniert über ein Google Maps Plugin. Es könnte sein, dass sich das Plugin negativ auf die Ladezeiten der Seiten auswirkt
  2. mein Handyvertrag läuft in wenigen Tagen aus (30.4.). Ich bin erst mal nicht mehr selbst übers Handy erreichbar, sondern über Jörgs Nummer. Wer sie haben möchte, bitte einfach eine Mail schreiben. Sobald wir länger in einem Land sind, holen wir uns Prepaid Karten und teilen ggf. die Nummer mit.
  3. Wir sind nicht mehr nur über unsere alten, gewohnten eMail-Adressen erreichbar, sondern auch über:
    >>> Anja:  anja (at) initiative-rueckenwind.de
    >>> Jörg:  joerg (at) initiative-rueckenwind.de
    Wir hören gerne News aus der Heimat, neben euren Kommentaren könnt ihr uns also gerne auch an die Adressen Mails schicken, solange sie unseren Speicherplatz nicht allzu sehr belegen ;-) – wie bei web.de auch…
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  1. 1
    kaschidH 

    So ich habe mich jetzt auch durch die Massen an Informationen durchgeklickt, sodass ich sozusagen zu “Beifahrer” geworden bin. Ihr habt die Latte schon sehr hoch angesetzt mit dieser Seite – Respekt. Ich hoffe sehr für UNS Leser und imaginären Begleiter, dass Ihr die Höhe der Latte nicht allzuweit reduzieren müsst…. Ganz viel Spaß, ganz wenig Stress und einen großen Sack voller Erfahrungen wünsche ich Euch. Um den letzteren werde ich Euch sicher ewig beneiden…

    Bis dahin Karsten

    PS: Grüße auch natürlich von Silvia, Svea und Ronja (Wuff)

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• Sonntag, April 26th, 2009

Heute waren wir auf der Weiterreise noch in Szeged (das Szegediner Gulasch hat leider nichts mit dieser Stadt zu tun). Eine kurze Besichtigung der Stadt kam nur zustande, weil wir nach einem freien WLAN gesucht hatten. Leider keins gefunden, dafür schöne Bilder gemacht, wovon wir eines hochgeladen haben:

Marktplatz von Szeged

Marktplatz von Szeged

Der Grenzübertritt nach Rumänien war diesmal gänzlich unspektakulär und schnell. Nicht wie bei der Ausreise aus Kroatien nach Ungarn, als in jedes Fach und jeden Schrank geschaut wurde. Nur durch Überredungskünste durften wir die Wasseraufbereitungstabletten weiter behalten. Die Ungarn und Rumänen hat unser Auto überhaupt nicht interessiert.

Kurz nach der Grenze waren wir ziemlich verwirrt über die unzähligen Vignetten-Häuschen. Ob man in Rumänien eine Vignette für jede Strasse oder nur für die Autobahn braucht? Egal, wir haben uns an einer Tankstelle wahrscheinlich übers Ohr hauen lassen und eine gekauft, obwohl wir sie wahrscheinlich nicht brauchen. Die Fahrt nach Sibiu (Hermannstadt) führte durch schöne Täler, grüne Wiesen und extrem viele Dörfer (wo war noch mal die Autobahn?). Nach Stunden kamen wir an. Zu unserem Nachteil haben wir mit dem Grenzübertritt nach Rumänien auch gleich eine Zeitzone gewechselt und eine Stunde des Tages verloren.

Mein Gedächtnis leitete uns auf dem direkten Weg zu der Pension, in der ich mit meiner Familie schon im September genächtigt hatte. Das Glück hatte es gut mit uns gemeint, wir bekamen ein schönes Zimmer und genossen den ersten Abend in Siebenbürgen in der Crama Sibiana, quasi dem Stammlokal von uns in Hermannstadt, bei Wein und leckerem Essen.

[Jörg:] Und bei extrem aufschlussreichen Unterhaltungen am Nachbartisch, die zeitweise dazu führten, dass Anja und ich uns minutenlang anschwiegen: Wer noch nicht wusste, dass die NATO uns über die Kondensstrahlen ihrer Jets konspirativ verdummt und auch manche zivile Fluggesellschaften dabei mitmischen, was daran erkennbar sei, dass deren Kondensstreifen länger am Himmel sichtbar blieben und sich nicht sofort auflösen würden, der konnte es hier erfahren. Auch dass viele Berliner Politiker in Wahrheit Kinderschänder sein, die in der Vergangenheit dabei gefilmt wurden und nun erpresst werden, wurde glaubhaft vermittelt, da die gute Frau dies aus erster Hand wusste, und zwar von einem russischen Doppelagenten. Dieser Doppelagent ― nennen wir ihn einfach Dr. No, ihr werdet schon verstehen, dass ich diesen Namen, um Anjas und mein Leben nicht zu gefährden, hier nicht nennen kann ― hatte seinen Dr. übringens in Philosophie und Politik gemacht und wusste dies von Putin persönlich. Hinter diesen Erpressung stecken übrings die Juden und als die liebenswerten Heimflüchtlinge dann auch noch munter das Holocaust-Lügen-Akkordeon anstimmten, wurde es allerdings doch schaurig. Wissenschaftlich wurde jeder Beweis ― ‘schuldigung “Indiz” muss es wohl heißen ― zerrissen, doch dann kam auch schon das Dessert und die Rechnung und so waren wir um die Einsichten ärmer. Schade eigentlich, ich hätte gern noch erfahren, ob die Amerikaner nun wirklich schon auf dem Mond waren, wer JFK erschossen hat, ob Osama bin Laden in Wirklichkeit eine CIA-Legende ist, ob ‘s doch keinen Zusammenhang zwischen HIV und AIDS gibt und dies in der Tat ein schiefgegangenes Armee-Experiment war und die wahre Antwort zur Frage aller Fragen: Gibt es Bielefeld nun doch?

 

 

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  1. 1
    susanne 

    L O L @ eure Nebensitzerin!